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		<title>Bücher Rezensionen</title>
		<link>http://www.buecherrezensionen.org</link>
		<description>Rezensionen und Leseeindrücke bei Bücher Rezensionen (Volltext)</description>
		<language>de-de</language>
		<lastBuildDate>Sun, 05 Feb 2012 14:02:07 GMT</lastBuildDate><item>
				<title><![CDATA[05.02.2012 13:54: Verleumdung von Bødker/Bruun Benni/Karen Vad]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-bodkerbruun-bennikaren-vad-verleumdung.htm</link>
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					<![CDATA[
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							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-bodkerbruun-bennikaren-vad-verleumdung.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/520.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Verleumdung von Bødker/Bruun Benni/Karen Vad"></a>
							<h2>05.02.2012 13:54: Verleumdung von Bødker/Bruun Benni/Karen Vad</h2>
							<h3>Blut fordert Blut</h3>
							<p><small>Rezension vom 05.02.2012 13:54<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p>Das dänische Autorenpaar Karen Vad Bruun und Benni Bødker beginnt mit seinem Debütroman "Verleumdung" eine Krimi-Serie um die Forensikerin Linnea Kirkegaard und die Auftragskillerin Peggy-Lee Wu.Während einer Militäraktion im Irak verhören dänische Soldaten - Jonas, Hauptmann Overbye und einige weitere - einen siebzehnjährigen Iraker und foltern ihn. Zeuge des Geschehens ist der irakische Dolmetscher Firaz Khalid, ein Krimineller, der sich kein noch so krummes Geschäft zwischen Irakern und den UN-Truppen entgehen lässt.Nach dem Ende des Einsatzes werden die Beteiligten unehrenhaft aus dem Dienst entlassen. Schwer traumatisiert muss Jonas sich in Dänemark wieder einleben. Nur dank seiner starken Frau Lex findet er den Weg zurück ins Leben.Auch Linnea Kirkegaard kehrt aus dem Ausland zurück. Sie hat in Amerika bei der Identifizierung vieler Toter - u.a. am Ground Zero - gute Arbeit geleistet und sich Anerkennung verschafft. Nun kommt sie zur Beerdigung ihres Vaters.Da findet man in einem Waldstück verbuddelt eine bis aufs Skelett verweste Leiche. Schon hier kann Linnea der Polizei erste Erkenntnisse übermitteln: Es handelt sich um einen etwa dreißigjährigen Mann, tot seit mindestens einem Jahr. Knochenbau und Schädelform lassen vermuten, dass er aus dem Nahen Osten stammt. Ein Einschussloch über dem Ohr deutet auf eine Art Hinrichtung.Neben der Leiche liegt ein wertvolles Artefakt aus Ton, das drei- bis viertausend Jahre alt sein muss. Die Polizei interessiert sich nicht weiter dafür und möchte diesen Fall am liebsten als Selbstmord abhaken und zu den Akten legen. Linnea aber nimmt den merkwürdigen Gegenstand an sich.Um den Toten identifizieren zu können, kontaktiert Linnea eine ehemalige Kollegin in Virginia. Dort arbeitet man schon seit Jahren mit einem Computerprogramm zur Rekonstruktion von Gesichtern ("kraniofaziale Approximation"). Schon bald kann Linnea ein Gesicht präsentieren; es erscheint auf den Titelseiten aller Zeitungen, und sofort erkennt ein Beamter der Einwanderungsbehörde den Mann: Es ist Firaz Khalid. Was wollte er in Dänemark? Als später auch Jonas ermordet wird, ist klar, dass es zwischen den Toten eine Beziehung geben muss ...Was sich eigentlich als spannender Plot verarbeiten ließe, haben die Autoren leider nicht sehr wirkungsvoll umgesetzt. Sie verraten schon frühzeitig sehr viel. Bereits im Prolog lernt der Leser Kevin Love kennen; dieser Söldner und universelle Händler ist der ganz große Drahtzieher im Hintergrund. Als Firaz, sein Mittelsmann, plötzlich als Leiche wieder auftaucht, weiß er, dass er sich selber nach Kopenhagen aufmachen muss, denn, so sagt er mit Shakespeare, "etwas ist faul im Staate Dänemark" (S. 15; "Something is rotten in the state of Denmark", "Hamlet", Akt I, Szene IV, Zeile 90).Kevin Loves illegale Geschäfte mit Antiquitäten versuchen andere hinter seinem Rücken zu ihrem eigenen Vorteil abzuwickeln. Das will Kevin Love natürlich abstellen, und so engagiert er die Auftragskillerin Peggy-Lee Wu, die im US Marine Corps eine optimale Ausbildung genossen hat und jetzt die Drecks- und Aufräumarbeiten übernehmen soll.Während die Polizei etwas tölpelhaft im Dunkeln tappt und Linnea ganz auf sich gestellt der Spur des antiken Artefakts folgt, kann der Leser schnell eins und eins zusammenzählen. Da rettet auch nicht mehr viel, dass Linnea fälschlicherweise für jemand anderes gehalten und entführt wird.Darüber hinaus haben auch die deutschen Herausgeber meines Erachtens nicht sehr glücklich agiert. Die Covergestaltung mit dem Antlitz einer Ratte finde ich genauso wenig motiviert wie die Auswahl des Titels "Verleumdung". Warum hat man nicht den Originaltitel "Blod vil have blod" übersetzt? Das ist ein Zitat aus Shakespeares "Macbeth" ("blood will have blood", Akt III, Szene IV, Zeile 121), drückt aus, dass eine Bluttat weitere nach sich zu ziehen pflegt, passt zur Handlung und kommt deshalb auch im Text vor (S. 379).Aber aller Anfang ist halt schwer. Drücken wir dem Autorenteam die Daumen für mehr Glück mit ihrem zweiten Band.</p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-bodkerbruun-bennikaren-vad-verleumdung.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[02.02.2012 15:19: Der letzte Sommer auf Long Island von Colson Whitehead]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-colson-whitehead-der-letzte-sommer-auf-long-island.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-colson-whitehead-der-letzte-sommer-auf-long-island.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/519.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der letzte Sommer auf Long Island von Colson Whitehead"></a>
							<h2>02.02.2012 15:19: Der letzte Sommer auf Long Island von Colson Whitehead</h2>
							<h3>Die weichgespülte Enkelgeneration</h3>
							<p><small>Rezension vom 02.02.2012 15:19<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>1985: Wer sich als Farbiger auf Sag Harbor, dem Urlaubsparadies auf Long Island unweit von New York, ein Ferienh&auml;uschen leisten kann, hat es in die gehobene Mittelschicht der Vereinigten Staaten geschafft. Gro&szlig;vater Cooper geh&ouml;rte einst zu den ersten, die hier in Eigenarbeit einen Grundstein legten. F&uuml;r die Enkel Elena, Benji und Reggie ist es zur Normalit&auml;t geworden, dass sie jeden Sommer hierher kommen. Ihr Vater ist Arzt, ihre Mutter Anw&auml;ltin, die Kinder besuchen in fein geb&uuml;gelten Uniformen Privatschulen, zusammen mit Wei&szlig;en. Sie sind eine Bilderbuchfamilie wie die "Cosby Familie" in der t&auml;glichen Sitcom, die auch wei&szlig;e Amerikaner gerne anschauen.<br /><br />Die Eltern geh&ouml;rten noch zu den Schwarzen, die ihre Rechte erk&auml;mpfen mussten, damals beim Marsch auf Washington, 1963, an dem sie selber teilnahmen. Benji beeindruckt dies nicht so wirklich; Politik ist nicht sein Ding, und die Errungenschaften der B&uuml;rgerrechtsbewegung sind zur Selbstverst&auml;ndlichkeit geworden. Es ist ihm geradezu peinlich, wenn &uuml;ber die "Ber&uuml;hmten Schwarzen Menschen" gesprochen wird. Er hatte noch nie von ihnen geh&ouml;rt; jetzt h&auml;lt er lieber den Mund und nickt in geheucheltem Stolz. Jahre sp&auml;ter erinnert er sich an den Namen des Essayisten W. E. B. Du Bois, der, wenn Mutter ihn mit besonderem Respekt im Ton aussprach, eine Aura bekam. 1897 hatte Du Bois in seinem Aufsatz "Strivings of the Negro People" geschrieben: "Man versp&uuml;rt sie immerzu, diese Zweiheit - ein Amerikaner, ein Neger; zwei Seelen, zwei unvers&ouml;hnt miteinander konkurrierende Bestrebungen" (S. 22).<br /><br />Der Sommer 1985 ist anders. F&uuml;r Schwester Elena ist der Strand Kinderkram, die City ist angesagt, und die Eltern schauen nur gelegentlich an den Wochenenden vorbei. Benji, 15 Jahre alt, Zahnspangentr&auml;ger und voll im Griff der Pubert&auml;t, will endlich Ben gerufen werden. Als &Auml;lterer soll er auf seinen Bruder Reggie aufpassen, aber so wie fr&uuml;her will er ihn nicht mehr im Schlepptau an sich kleben haben.<br /><br />Sehr gem&auml;chlich beginnt "der letzte Sommer auf Long Island"; man schaut, wer schon hier ist, wer noch hier ist, wer wie lange bleibt. Bald findet sich die Clique wieder - NB ("Nigger Bitte"), der "Raconteur barocker Teenagerfaxen", Marcus, Randy, Clive und andere. Alle tragen Markenklamotten, "gem&auml;&szlig; der Gefiedertheorie des sozialen Umgangs" (S. 58). Besonders angesagt ist Randy, dank seines Autos, mit dem sie in diesem Sommer am Ozean cruisen.<br /><br />Und recht viel mehr geht auch nicht ab in diesem Sommer. Man genie&szlig;t Benjis sturmfreie Bude, jobbt im Restaurant oder bei "Jonni Waffle", der Eisdiele mit Belgischen Waffeln als Spezialit&auml;t. Da ist es schon ein Highlight, wenn Popstars wie Lisa Lisa oder die U.T.F.O.-Rapper sich f&uuml;r eine Eiskugel anstellen, selbst wenn sie ganz und gar unangesagte Adidas-Trainingsklamotten tragen.<br /><br />Randy kommt auf die Idee mit den Luftgewehren. Echt cool, als Randy zun&auml;chst einmal ein Rotkehlchen erledigt. Sp&auml;ter zielt er auf NBs F&uuml;&szlig;e und ruft: "Tanz, Nigger, tanz" (S. 159). So richtig uncool findet dies nur Benji. An Marcus, dem Loser, testet und reizt man Entfernungen und Schmerzpunkte aus. Eine Kugel dringt knapp unter Benjis Auge in die Haut ein. Nebenbei erw&auml;hnt der Autor, dass im sp&auml;teren Leben einer aus der Clique durch echte Kugeln ums Leben kommt, ein anderer von der Taille abw&auml;rts gel&auml;hmt wird. Warum? Wieso? Der Autor bleibt sich treu: Blo&szlig; nichts Spektakul&auml;res ...<br /><br />Auch Benji erlebt die Rassenproblematik, wenn auch in kieselglattgeschliffener Ausformung: In Sag Harbor geh&ouml;rt der Strand den Schwarzen, den Wei&szlig;en hingegen das Ufergebiet hinter der Stadt. "Jede Infiltration musste &uuml;berpr&uuml;ft werden ... Ein paar Wei&szlig;e kamen den Strand herauf, deshalb holten wir das Fernglas" (S. 46). Die Jungs in Benjis Clique zelebrieren ihre Gemeinschaft mit einem internen Begr&uuml;&szlig;ungsritual per hippem Handabklatschen. Mit dem Wort "Nigger" gehen sie l&auml;ssig um, wenngleich es bei den Eltern, denen dessen historische Belastung hautnah vertraut ist, Ver&auml;rgerung ausl&ouml;st; andererseits nutzen die es selber, um Asoziale innerhalb ihrer eigenen Rasse zu bezeichnen. Die Emotionen wallen zu ihrem H&ouml;hepunkt auf, als ein wei&szlig;er Erwachsener - als Lob f&uuml;r gute Leistung und nicht ahnend, was er ausl&ouml;st - &uuml;ber die weich federnde F&uuml;lle von Benjis schwarzen Locken t&auml;tschelt: Das empfinden alle aus der Clique als "rassistischen Schei&szlig;"; so jemandem w&uuml;rden sie alle "in den Arsch treten" (S. 116). Aber dann belassen sie es nat&uuml;rlich bei der soften Diskussion dar&uuml;ber.<br /><br />Diese Retrospektive des Autors Colson Whitehead ist kein mitrei&szlig;ender Roman. Ganz unaufgeregt erz&auml;hlt er einzelne Episoden einer schwarzen Jugend der Achtziger-Jahre, aus der Sicht des Ich-Erz&auml;hlers Benji. Es entsteht der Eindruck einer oberfl&auml;chlichen Generation, die sich f&uuml;r Bands und ihre Songs, f&uuml;r Klamotten, Sitcoms, Filme, Tiefk&uuml;hl- und Dosenkost und nicht viel anderes interessiert. Welch ein Aufschrei, als der Coca-Cola-Konzern 1985 die Rezeptur &auml;ndert! Dieser hei&szlig;e Sommer, der sich gem&auml;chlich gibt und wenig Aktion bietet, wird ihr letzter sein; ihre Wege werden sich trennen, sie werden sich an Universit&auml;ten einschreiben und Ausbildungen beginnen. Als Benji, endlich von seiner Zahnspange befreit, zum ersten Mal gek&uuml;sst wird, f&uuml;hlt er sich schon fast wie ein Mann.<br /><br />Nicht jeden Leser wird dieser typisch amerikanische Roman begeistern. Zum Beispiel erfordert die recht spezielle Kultur aus Songs, Literatur und Gesellschaftspolitik etwas Insiderwissen. Wer das mitbringt und/oder sich auf die pointierten, subtilen Beobachtungen einl&auml;sst und den intellektuell gew&uuml;rzten, ironisch-humorvollen Sprachstil des Autor wie eine Kugel Eis langsam im Munde zergehen l&auml;sst, der kann das besondere Feeling des letzten Sommers auf Long Island sp&uuml;ren.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-colson-whitehead-der-letzte-sommer-auf-long-island.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3446236449" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[31.01.2012 14:15: Der Mord des Jahrhunderts von Paul Collins]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-paul-collins-der-mord-des-jahrhunderts.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-paul-collins-der-mord-des-jahrhunderts.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/518.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Mord des Jahrhunderts von Paul Collins"></a>
							<h2>31.01.2012 14:15: Der Mord des Jahrhunderts von Paul Collins</h2>
							<h3>500 Dollar Belohnung! Der Kampf der ersten Medienmogule</h3>
							<p><small>Leseeindruck vom 31.01.2012 14:15<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>"500 Dollar Belohnung" - so eine Schlagzeile hatte es bis dato noch nicht gegeben. Sie steht auf Seite eins der "New York World", der m&auml;chtigsten und meistverkauften Zeitung. Ihr Herausgeber und Verleger ist der ungarische Einwanderer Joseph Pulitzer. Sein B&uuml;ro hat er in der obersten Etage eines Geb&auml;udes mit - man stelle sich vor! - 18 Stockwerken; der Anblick des riesigen Wolkenkratzers beeindruckt die Passagiere der F&auml;hren, die von Brooklyn her&uuml;ber nach Manhattan kommen, st&auml;rker als die Statue of Liberty.<br /><br />Wir befinden uns im Jahr 1897. New York hat zwei Millionen Einwohner, ein Gewirr von Fahrr&auml;dern und Pferdekutschen bestimmt das Stra&szlig;enbild. In einer Zeit ohne Internet, Fernsehen, Radio, Kino und sogar noch ohne Telefon sind es die Zeitungen, um die sich die Menschen rei&szlig;en, um das Neueste zu erfahren, sich unterhalten zu lassen, ihre Sensationsgier zu stillen. Die Zeitungen haben einen unermesslichen Einfluss auf die Massen, und sie k&ouml;nnen ihren Machern unermesslichen Einfluss und Reichtum verschaffen ...<br /><br />In aller Munde ist der grausame Fund zweier Pakete mit Leichenteilen - der unheimlichste und brutalste Mord des Jahrhunderts. "1000 Dollar Belohnung" setzt William Randolph Hearst vom konkurrierenden "Evening Journal" als Kopfgeld f&uuml;r den "Kopfabschneider" dagegen. Abartig viel Geld ist das! Manche New Yorker trauen gar Hearst selber die Tat zu: Er habe sie initiiert, um seine Auflagen zu steigern ...<br /><br />Hearst l&auml;sst seine "Bluthunde" frei, jagt seine Journalisten an die Tatorte und zum <em>Bellevue</em>-Leichenschauhaus ("sch&ouml;ne Aussicht" - was f&uuml;r ein zynischer Name f&uuml;r so einen elenden Ort, den Treffpunkt der Toten und Totent&auml;nzer!), wo sie in aggressiven Interviews das Letzte aus den ermittelnden Polizeibeamten herauszusaugen versuchen, ebenso wie aus den vielen Menschen, die sich versammelt haben, um die K&ouml;rperteile zu identifizieren.<br /><br />Nach dem ersten Fund geht die Polizei zun&auml;chst davon aus, es handle sich um von Medizinstudenten entsorgte Leichenteile. Der Handel mit solchen ist ein lukratives Nebengesch&auml;ft; erst k&uuml;rzlich wurde der Verwalter verhaftet, weil er &uuml;ber Jahre hinweg K&ouml;rper an die medizinische Fakult&auml;t verkauft hatte.<br /><br />Doch bald liegt ein zweites Paket vor, und der Gerichtsarzt stellt fest, dass beide <em>corpora delicti</em> zweifelsfrei von ein und derselben Person stammen. Verletzungen, Stichwunden und Kampfspuren weisen eindeutig auf einen Mord hin. Und dem Opfer wurde ein ganzer Hautlappen weggeschnitten.<br /><br />F&uuml;r Ned Brown, den 19-j&auml;hrigen Studenten und Mitarbeiter der "New York World", k&ouml;nnte diese Reportage zur Chance seines Lebens werden. Denn er hat die Leichenteile - muskul&ouml;se Arme und zarte Finger - schon mal irgendwo gesehen, n&auml;mlich bei den athletischen Masseuren in t&uuml;rkischen B&auml;dern. Und tats&auml;chlich wird seit Tagen jemand in einem solchen Etablissement vermisst: Bill Guldensuppe hei&szlig;t der kr&auml;ftige Deutsche mit einer T&auml;towierung auf der Brust.<br /><br />Ein faszinierender Krimi mit einem fiktionalen Plot um einen sadistischen Mord, eingebunden in das Zeitkolorit der brodelnden Metropole New York am Ende des 19. Jahrhunderts. Nicht minder reizvoll zu lesen ist die Historie &uuml;ber den gigantischen Aufstieg und die Rivalit&auml;t der Zeitungen und ihrer Mogule Pulitzer und Hearst um Macht und Einflussnahme auf die amerikanische Gesellschaft. Gegenseitig jagen sie sich die besten Journalisten und Illustratoren ab. Das Etikett "Yellow Press" b&uuml;rgert sich ein (f&uuml;r "Boulevardpresse"), eine Anspielung auf den Comic "The Yellow Kid" und das gelbliche Zeitungspapier; noch heute ist es ein Synonym f&uuml;r rei&szlig;erischen Sensationsjournalismus, der weder Grenzen noch Tabus kennt.<br /><br />Dieses Buch ist ein MUSS!</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-paul-collins-der-mord-des-jahrhunderts.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/342415122X/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=342415122X" target="_blank">"Der Mord des Jahrhunderts" von von Paul Collins bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=342415122X" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[30.01.2012 12:21: Wahr von Riikka Pulkkinen]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-riikka-pulkkinen-wahr.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-riikka-pulkkinen-wahr.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/517.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Wahr von Riikka Pulkkinen"></a>
							<h2>30.01.2012 12:21: Wahr von Riikka Pulkkinen</h2>
							<h3>In Würde sterben</h3>
							<p><small>Leseeindruck vom 30.01.2012 12:21<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Die 70-j&auml;hrige Elsa ist unheilbar an Krebs erkrankt. Bis vor kurzem hat sie noch erfolgreich als Psychologin praktiziert. Ihre Tochter, die &Auml;rztin Eleonoora, ist zun&auml;chst f&uuml;r eine Unterbringung auf einer Hospizstation. Doch ihre eigenen erwachsenen T&ouml;chter wollen - ebenso wie Elsas Ehemann Martti - die Gro&szlig;mutter nach Hause holen, um mit Hilfe ambulanter Dienste die Sterbebegleitung gemeinsam zu &uuml;bernehmen. Sechs Monate werden vielleicht noch bleiben, und an das soeben gl&uuml;cklich gefeierte Weihnachtsfest werden sich alle gern erinnern.<br /><br />Die Thematik "Sterben" sensibilisiert alle Beteiligten. Martti, ein bekannter Maler und melancholischer Vision&auml;r, erwacht nachts aus einem Albtraum, in dem eine fremde Frau auf ihn zu lief ... Neben ihm liegt seine bald dahinscheidende Frau. Die Trauer und der Gedanke, er sei all den ihn erwartenden Belastungen nicht gewachsen, treiben ihn aus dem Bett.<br /><br />Tochter Eleonoora erinnert sich voller Wehmut an die sch&ouml;nen Jahre ihrer Kindheit, in denen die Mutter den Kindern ihre volle Zuwendung schenkte. Wie hat sie sich jetzt ver&auml;ndert: Abgemagert bis auf die Knochen ist sie launisch, gibt Widerworte, verh&auml;lt sich wie ein kleines Kind. Eleonooras Schmerz ist ihrem K&ouml;rper anzusehen: Sie versp&uuml;rt keinen Hunger mehr. Sie verbirgt ihre tiefe Trauer hinter einer Maske der Sachlichkeit, der Organisation des Tagesablaufs, kompetenten Arztgespr&auml;chen.<br /><br />Die j&uuml;ngere Tochter Anna leidet, weil sie die wachsende Trauer der Mutter hinter ihrer vorgespielten H&auml;rte durchschaut. Sie m&ouml;chte ihre Mutter so gerne in ihre Arme nehmen. Anna studiert noch. Irgend etwas hatte sie einmal kurzfristig aus der Bahn geworfen - vielleicht ein Mann mit Kind? Sie hatte tagelang in ihrer Wohnung am Boden gelegen, bis ihre Mutter sie vorfand; aber ihr anvertraut hat sie sich nie.<br /><br />Es ist traurig und gleichzeitig ermutigend, von einer Familie zu lesen, in der drei Generationen fest zueinander stehen. Offenbar sind sie schon immer verantwortungsbewusst, vertrauensvoll und liebevoll miteinander umgegangen, und da nun die schwerste Zeit des Lebens auf sie zukommt, kann sich alles bew&auml;hren - oder aber zerbrechen ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-riikka-pulkkinen-wahr.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3471350713/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3471350713" target="_blank">"Wahr" von von Riikka Pulkkinen bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[29.01.2012 18:08: Du sollst nicht sterben von Peter James]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-peter-james-du-sollst-nicht-sterben.htm</link>
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					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-peter-james-du-sollst-nicht-sterben.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/516.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Du sollst nicht sterben von Peter James"></a>
							<h2>29.01.2012 18:08: Du sollst nicht sterben von Peter James</h2>
							<h3>Auf Highheels lebt sich&#39;s gefährlich</h3>
							<p><small>Rezension vom 29.01.2012 18:08<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Am Neujahrsmorgen entdeckt das Zimmerm&auml;dchen in einem Hotelzimmer eine reglose nackte Frau. Offenkundig wurde sie vergewaltigt; nun liegt sie gefesselt und geknebelt wie eine Gekreuzigte auf ihrem Bett, aber, Gott sei Dank, sie lebt.<br />Der Taxifahrer Jak war in der Sylvesternacht im Einsatz. Zwar muss er irgendwie Geld verdienen, aber eigentlich hasst er seine G&auml;ste, die, wenn sie zu ihm ins Auto steigen, seine Privatsph&auml;re st&ouml;ren und, wenn alkoholisiert, seinen Wagen vollkotzen k&ouml;nnten. Am widerw&auml;rtigsten sind ihm zugedr&ouml;hnte, drogenabh&auml;ngige Frauen. Nur Frauen mit sexy St&ouml;ckelschuhen sind ihm immer willkommen. Kleine, feine Sandaletten in Rot und mit zarten Lederriemen erregen ihn; die muss er besitzen, in seiner Sammlung katalogisieren. Diese Nacht hat er wieder ein Paar mit nach Hause bringen k&ouml;nnen.<br />Jak, dessen Zuhause ein von Freunden gemietetes Schiff ist, ist schon seit Jahren in Therapie, denn normal ist er nicht - aber ist er auch gef&auml;hrlich? Ist er der legend&auml;re Schuh-Dieb, der vor neun Jahren mehrere Frauen vergewaltigt und dann als Troph&auml;en H&ouml;schen und Designer-Highheels vom Tatort mitgenommen hatte?<br />Detective Superintendent Roy Grace sitzt vor den Aktenkartons. F&uuml;nf ungel&ouml;ste Kapitalverbrechen lasten noch auf ihm und werden jetzt erst einmal ins n&auml;chste Jahr verschoben. Er freut sich auf den Sylvesterabend mit seiner Geliebten Cleo, die bald ihr gemeinsames Kind zur Welt bringen wird. Seine Ex-Ehefrau Sandy ist seit neun Jahren verschwunden; nun wird er sie offiziell f&uuml;r tot erkl&auml;ren und Cleo endlich heiraten k&ouml;nnen.<br />Zwei zeitlich versetzte Erz&auml;hlstr&auml;nge, rasant erz&auml;hlt. Verschwundene, vergewaltigte, get&ouml;tete Frauen, und allzu leicht m&ouml;chte man jetzt schon Jak als mordenden Psychopathen erkennen.<br />Doch der Bestsellerautor Peter James entfaltet einen weiteren Kreis von Personen, die f&uuml;r den Leser bald zu den Verd&auml;chtigen z&auml;hlen - aber nicht f&uuml;r Roy Grace, der sich ganz auf Jak eingeschossen hat. Der sitzt denn auch kurzzeitig in Untersuchungshaft, wird dann aber mangels Beweisen wieder entlassen - und schon hat der T&auml;ter wieder zugeschlagen ...<br />Roy Grace kann diesen komplexen Fall nur mit einer gigantischen Einsatztruppe l&ouml;sen. Das f&uuml;hrt nat&uuml;rlich zu einer Vielzahl namentlich genannter Personen, &uuml;ber die der Leser den &Uuml;berblick behalten soll. Das ist kaum zu schaffen, und so erschlagen einen all die Namen, ehe man sie gleich wieder vergisst. Mir gef&auml;llt die Konzentration auf einige wenige Charaktere besser.<br />Das pers&ouml;nliche Schicksal des Ermittlers bedr&uuml;ckt den Leser. Roy Grace trauert um seine seit zehn Jahren verschwundene Frau, er sehnt sich nach Aufkl&auml;rung dieses Falles. Gemein f&uuml;r ihn und uns Leser: Der Autor l&auml;sst uns tats&auml;chlich bis zum Schluss verhungern ... (Wahrscheinlich hebt er sich die L&ouml;sung als Plot f&uuml;r den letzten Band seiner Krimi-Serie auf, und wir befinden uns ja erst im 6. ...)<br />Im Nachwort geht der Autor auf die Situation von Vergewaltigungsopfern ein. Zumeist stehen die T&auml;ter ihren Opfern durchaus nahe - sie stammen oft aus dem famili&auml;ren oder dem Freundeskreis. "Vergewaltigung durch Fremde", so wie er sie in seinem Krimi "Du sollst nicht sterben" entwickelt, seien "extrem ungew&ouml;hnlich" (S. 396).<br />Peter James' T&auml;ter sind perverse, krankhafte Psychopathen, die an ihren kindlichen Traumata leiden und beispielsweise die Hass-Liebe zu ihren M&uuml;ttern auf die gleiche Weise weitergeben, wie sie sie selbst durchleiden mussten. Dabei entwickeln sich die aufs tiefste gedem&uuml;tigten und verletzten Seelen zu Monstern, die ihre perfiden Taten bewusst und gut durchdacht vorbereiten und in ihrer Triebsteuerung fast gef&uuml;hllos ausf&uuml;hren. Immerhin scheint noch eine letzte Hemmschwelle vorhanden zu sein, die Opfer nach der Vergewaltigung zu t&ouml;ten. Doch warum musste die knapp 20-j&auml;hrige Rachael vor neun Jahren sterben, und wohin verschwand ihre Leiche?<br />In seiner Intention, einen spannenden, aufw&uuml;hlenden Thriller zu pr&auml;sentieren, verschont uns Peter James nicht mit unvorstellbaren, abartigen Sexualpraktiken der Vergewaltiger. Immer wieder frage ich mich, ob es nicht dies gen&uuml;gt, so etwas nur anzudeuten - und ob es nicht sogar noch prickelnder w&auml;re, solche letzten Details im Dunkel zu lassen (von Menschenw&uuml;rde und &auml;hnlichen Aspekten ganz zu schweigen ...)?<br />Nachdem der mutma&szlig;liche T&auml;ter in Haft sitzt, ist der Fall f&uuml;r Roy Grace abgeschlossen; doch dann dreht Peter James auf den letzten Seiten noch einmal kr&auml;ftig an der Spannungsschraube. Und tats&auml;chlich muss man den Schluss besonders gelungen finden, verleiht James dem Vergewaltigungsopfer doch die Kraft, ihre gro&szlig;e Angst zu &uuml;berwinden und sich dem T&auml;ter zu stellen. Auf welche Weise sie das schafft, gestaltet der Autor nicht nur &uuml;berzeugend, sondern er entl&auml;sst uns mit ihrer Kraft und der Zuversicht, sich wehren zu k&ouml;nnen - und wenn es sein muss, auch mit dem Risiko, sein Leben zu verlieren ...<br />Ein solider Krimi, der nicht nur die T&auml;ter sehr differenziert darstellt, sondern auch die Opfer, die zu solchen werden, weil sie aus der Norm fallen - hinsichtlich ihres Verhaltens, ihres Aussehens oder - wie in diesem Thriller - wegen eines Ticks, einer Manie. Es war ihr Hang zu Designerschuhen, der die Dame im Hotel und ihre Leidensgenossinnen zur Attraktion f&uuml;r den T&auml;ter werden lie&szlig; ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-peter-james-du-sollst-nicht-sterben.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[27.01.2012 13:52: Drift von Michel Bozikovic]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michel-bozikovic-drift.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michel-bozikovic-drift.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/515.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Drift von Michel Bozikovic"></a>
							<h2>27.01.2012 13:52: Drift von Michel Bozikovic</h2>
							<h3>Auf Identitätssuche im brutalen Balkan-Bürgerkrieg</h3>
							<p><small>Rezension vom 27.01.2012 13:52<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Am Ende der Romans kann man es kaum noch verkraften. Man lebt im Delirium zweier drogens&uuml;chtiger Menschen. Jeden Tag aufs Neue beschaffen sie sich ihren Stoff, ziehen ihre Linien durch die Nase, betrinken sich bis zum Erbrechen. Beide sind auf der Flucht: Sie leiden an ihrer Vergangenheit, und ihren jetzigen Zustand k&ouml;nnen sie selbst nicht mehr ertragen.<br /><br />Der eine ist ein junger Mann, Sohn erfolgreicher kroatischer Einwanderer in der Schweiz, erst neunzehn Jahre alt und soeben von seiner Freundin verlassen. Angetrieben von einem diffusen Motiv-Mix aus Heimatgef&uuml;hl und Heimatlosigkeit, Frustration und Rebellion, Romantik und Melodramatik verl&auml;sst er klammheimlich sein Elternhaus, um im 4WD-Zweitwagen seiner Mutter in den B&uuml;rgerkrieg zu ziehen, der in Kroatien "los geht". Kann der Irrsinn t&ouml;dlicher K&auml;mpfe, kann die vage Hoffnung auf einen "gerechten Sieg" &uuml;ber einen Feind, der gar nicht seiner ist, ihm Erf&uuml;llung bringen, ihm Entscheidungen &uuml;ber sein weiteres Leben erleichtern?<br /><br />Im Land seiner Vorv&auml;ter angekommen, nimmt ihn die 6-Mann-Kampfeinheit "Falke" auf, steckt ihn in eine Uniform und stattet ihn mit einem passenden Waffenarsenal aus. Noch nie hat er eine Waffe in der Hand gehabt, scheint aber ein Naturtalent zu sein, denn egal wohin er zielt: Treffer, versenkt. Gesch&auml;tzt und anerkannt findet er hier eine neue Familie und verliebt sich in Marina, eine seiner Kampfgef&auml;hrtinnen. Dass er sich aber mitnichten im Sandkasten eines Spielplatzes befindet, macht der Autor Michael Bozikovic in aller H&auml;rte deutlich. Nachtm&auml;rsche, Eingraben in Erdl&ouml;cher, Granatenbesch&uuml;sse durch Panzer, partisanen&auml;hnliche Nahk&auml;mpfe, Verluste in der kleinen Truppe, und auch der junge Mann wird schwer verletzt. Marina lebt, aber N&auml;heres sieht er erst zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt. Er k&auml;mpft um die Liebe, verliert und ertr&auml;nkt sich in Drogenexzessen ...<br /><br />Martin, der Protagonist des zweiten Handlungsstrangs, ist von seiner Frau Helena zum Teufel gejagt worden. In ihren Augen ist er ein Waschlappen, bringt nichts zustande. Dass sich sein gerade fertiges Manuskript zum Bestseller entwickeln werde, glaubt sie nicht. Warum kriegt Martin nicht die Kurve? Schon mittags ist er betrunken, treibt sich in Bars herum, hat seine Dealer, die ihn mit Stoff versorgen, und er hat eine Waffe. In zugedr&ouml;hntem Zustand spannt er den Hahn, z&auml;hlt von f&uuml;nf an r&uuml;ckw&auml;rts und ... Im &Uuml;brigen zieht sich der Handlungsstrang um Martin bisweilen z&auml;hfl&uuml;ssig, wenn sich dessen Gedankeng&auml;nge - sofern er denn bei klarem Verstand ist - permanent um seine verlorene Beziehung mit Helena winden.<br /><br />Der Autor sch&auml;rft die jeweils eigene Identit&auml;t seiner beiden Hauptpersonen durch einen streng separierten Sprachstil: Pr&auml;teritum bei Martin, Pr&auml;sens bei dem Neunzehnj&auml;hrigen; vor allem aber stilisiert er letzteren in dessen Erz&auml;hlstrang konsequent zur unpers&ouml;nlichen, namenlosen Gestalt: "Man" ist adoleszent, "man" schie&szlig;t, "man" wird erwischt, niemand h&ouml;rt "einen" ... Das leuchtet zwar irgendwie ein, aber &uuml;ber so viele Seiten hin wirkt es gek&uuml;nstelt und umst&auml;ndlich ("man ... sagt den Vornamen", S. 88) - und die unvermeidlich mitschwingende verallgemeinernde Funktion des "man" passt gar nicht: Nein, <em>so </em>verh&auml;lt "man" sich nicht unbedingt.<br /><br />Trotz der sprachlich untermauerten Trennung sind die Parallelen zwischen den Figuren verbl&uuml;ffend: Beide rennen vor ihrer Realit&auml;t davon, beide sind im Teufelskreis der sie benebelnden Drogen gefangen, beide werden von ihren inneren Qualen, tiefen seelischen Verletzungen und Depressionen zum Selbstmord getrieben. Und es gibt noch mehr Verkn&uuml;pfungen: Man erliest, dass "man" sehr wohl einen Namen hat, n&auml;mlich "Julien", und "Julien" hei&szlig;t auch der Protagonist in Martins Manuskript. Welche Beziehung besteht zwischen ihnen? Sie sind sich n&auml;her, als man es f&uuml;r m&ouml;glich h&auml;lt.<br /><br />"Drift" ist ein literarisch beeindruckender Roman, will kein leichter Stoff, schon gleich keine entspannende Unterhaltung sein. Hier wird nichts besch&ouml;nigt - weder der brutale B&uuml;rgerkrieg, der uns - anonym wie sein Protagonist - so nahe kommt, dass wir die Panzer rollen h&ouml;ren, noch der Seelen-Krieg, den die beiden Menschen ausk&auml;mpfen, ohne ihn je f&uuml;r sich gewinnen zu k&ouml;nnen. Der Autor Michel Bozikovic l&auml;sst uns in Abgr&uuml;nde der Gewalt schauen und gleichzeitig in die Todesspirale zweier Menschen, die ihr Leben nicht in den Griff bekommen, die Kontrolle &uuml;ber ihr Denken verlieren, in hoffnungsloser Verzweiflung im Rausch versinken. Menschen, die sich selbst zerst&ouml;ren, einen inneren Krieg mit sich f&uuml;hren, nirgendwo mehr einen Lichtblick sehen, kann man nicht mehr aufhalten - diese grausame Erkenntnis schmerzt auch den Leser, dem der Autor seine Figuren so nahe zu bringen vermag, dass der Punkt kommt, wo man eigentlich nicht mehr weiter lesen m&ouml;chte, wie Menschen unter Alkohol, Drogen und Nikotin zwischen Halluzinationen und Wahn durch die Zeit taumeln. Der depressiven Stimmung kann man sich kaum mehr entziehen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michel-bozikovic-drift.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[26.01.2012 13:22: Gefährten von Michael Morpurgo]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-morpurgo-gefaehrten.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-morpurgo-gefaehrten.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/514.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Gefährten von Michael Morpurgo"></a>
							<h2>26.01.2012 13:22: Gefährten von Michael Morpurgo</h2>
							<h3>Ein Kavalleriepferd auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs</h3>
							<p><small>Rezension vom 26.01.2012 13:22<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Mein Name ist Joey, ich bin ein Ackergaul. Wie Captain Nicholls mich erwarb und ich zum Kavalleriepferd wurde, wie ich in die Milit&auml;rschule ging, mit dem Schiff von England nach Frankreich gebracht wurde und auf dem Schlachtfeld im Galopp immer nach vorne gegen den Feind (die Deutschen) preschen muss, das will ich euch ganz genau erz&auml;hlen.<br /><br />Eigentlich geh&ouml;re ich Albert. Aber sein Vater braucht dringend Geld, um den Hof zu sanieren, und deshalb hat er mich Captain Nicholls angepriesen - ich sei das beste Pferd im Dorf. Und damit hat er nicht &uuml;bertrieben. Nicholls ist begeistert, ein Tierarzt untersucht mich, und der Handel ist perfekt. Erst als sich mein Bauer abwendet, begreife ich, dass mir der endg&uuml;ltige Abschied bevorsteht. Ich muss meinem Schmerz dar&uuml;ber Ausdruck geben, und mein Schreien wird durchs ganze Dorf geh&ouml;rt. Auch Albert ist gekommen; er will mich nicht alleine ziehen lassen, will sich als Freiwilliger melden, aber mit seinen 16 Jahren ist er noch zu jung. Captain Nicholls verspricht ihm, er werde sich immer gewissenhaft um mich k&uuml;mmern.<br /><br />In der Milit&auml;rschule werde ich von einem strengen Corporal zugeritten, der mich mit seinen Sporen piesackt und meinem Maul mit einer qu&auml;lend klobigen Kandarre zusetzt. Captain Nicholls schaut immer wieder nach mir, malt sogar ein Bild von mir und vertraut mir seine h&ouml;llische Angst vor diesem sinnlosen Krieg an, in den wir demn&auml;chst ziehen werden.<br /><br />Aber worum es dort geht, verstehe ich es erst dann so richtig, als wir mit dem Schiff aufs Festland gebracht werden und ich viele Schwerverletzte auf Bahren liegen sehe.<br /><br />Treu und ehrgeizig gebe ich alles f&uuml;r Captain Nicholls, der mit mir aufs Schlachtfeld reitet. Doch dort ist es so grauenvoll, dass ich es nie durchgehalten h&auml;tte, wenn ich nicht einen guten Freund gefunden h&auml;tte: den schwarzen Hengst Topthorn.<br /><br />Ob ich Albert jemals wiedersehe, das kann ich euch jetzt noch nicht berichten. Wenn ihr wissen wollt, wie ich all die Gefahren und Abenteuer meistere - sie werden euch sehr traurig, aber manchmal auch wieder gl&uuml;cklich machen -, so lest doch meine ganze Geschichte. Michael Morpurgo hat sie in seinem Roman "Gef&auml;hrten" f&uuml;r mich aufgeschrieben, und ab Februar 2012 werde ich sogar in den deutschen Kinos zu sehen sein, denn Steven Spielberg hat das Buch schon verfilmt.</p>
<hr />
<p>P.S.: Dieses ergreifende Jugendbuch beschreibt mit Feingef&uuml;hl die Realit&auml;t und Sinnlosigkeit eines Krieges. Die kaum vermeidlichen Grausamkeiten m&ouml;gen auch manch sensibles Kind in der empfohlenen Altersgruppe (ab 12 Jahren) bedr&uuml;cken. Andererseits finden sie Entlastung, beispielsweise durch das von allen gesch&auml;tzte und liebevoll behandelte Pferd Joey. Dieses zuverl&auml;ssige Tier, das stets sein Bestes gibt, kennt keine Feindschaft und hilft, die Gr&auml;ben zu &uuml;berbr&uuml;cken; zeitweise wird es vor den Karren gespannt, um Schwerverletzte, egal welcher Nationalit&auml;t, ins Lazarett zu transportieren.<br /><br />Der Schriftsteller Michael Morpurgo, 1943 in St. Albans, Hertfordshire, geboren, ist einer der bekanntesten britischen Kinder- und Jugendbuchautoren. Seine Werke - es sind mehr als 90 Romane - wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem renommierten "Whitebread Children's Award".</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-morpurgo-gefaehrten.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[23.01.2012 14:45: Eine Frau bei 1000° von Hallgrímur Helgason]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-hallgrimur-helgason-eine-frau-bei-1000-grad.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-hallgrimur-helgason-eine-frau-bei-1000-grad.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/513.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Eine Frau bei 1000° von Hallgrímur Helgason"></a>
							<h2>23.01.2012 14:45: Eine Frau bei 1000° von Hallgrímur Helgason</h2>
							<h3>Jeder für sich und Gott gegen alle</h3>
							<p><small>Rezension vom 23.01.2012 14:45<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>"Eine alte Frau wird tot in einer Garage aufgefunden, ihre gekr&uuml;mmten Finger umklammern eine deutsche Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg, auf ihrem Arm eine Hakenkreuznarbe." Sie hatte sich den Termin zu ihrer Feuerbestattung schon vor einiger Zeit per Handy reservieren und sich dabei auch best&auml;tigen lassen, dass die Temperatur des Ofens 1000 Grad betragen werde. Auf die Dame ist Verlass: P&uuml;nktlich am Montag, 14. Dezember, um 13.30 Uhr wird ihre Leiche &uuml;berf&uuml;hrt. Ihre H&auml;nde werden abges&auml;gt und samt explosivem Inhalt einem Sprengkommando &uuml;bergeben. "Ich habe immer noch Phantomschmerzen in den eingebildeten Handgelenken", verr&auml;t sie - die soeben einge&auml;scherte Ich-Erz&auml;hlerin ...<br /><br />Nur der isl&auml;ndische Autor Hallgr&iacute;mur Helgason kann einen Lebensbericht so skurril und makaber gestalten, wie es dieser Schluss seines neuesten Romans "Eine Frau bei 1000&deg;" erahnen l&auml;sst. Die am Ende todkranke schrullige Alte mit pinkfarbener Frisur war einst eine mond&auml;ne Dame mit unkonventionellem Lebenswandel. 1929 wird sie als Herbj&ouml;rg Mar&iacute;a Bj&ouml;rnsson in einem Blechschuppen in Island geboren; 2009 verbringt sie die letzten Tage ihres Lebens in einer Garage in Reykjavik.<br /><br />Ihre knapp 40 kg "Weiberfleisch" siechen im Krankenbett dahin, mehr tot als lebendig, die Pall-Mall-Schachtel liegt immer griffbereit. Wegen ihrer Atemnot sind Herbj&ouml;rgs Wege zum Klo ihr "t&auml;glicher Bu&szlig;gang". T&auml;glich schaut der Pflegedienst vorbei, nicht ohne sich zu wundern, wie sie da wie eine Henne auf ihrem Ei hockt; denn zwischen ihren Beinen versteckt sie eine deutsche Handgranate - ihr pers&ouml;nliches "feu de Cologne", das ihr ihr Vater im Krieg als Verteidigungswaffe in die H&auml;nde gedr&uuml;ckt hat.<br /><br />So gut wie jetzt ist es ihr im Leben noch nie gegangen, behauptet Herbj&ouml;rg, besitzt sie doch einen Laptop, der ihr per Internet die Welt erschlie&szlig;t und ihr per Facebook und Konsorten inkognito-Auftritte erlaubt. Unter dem <em>nickname</em> "Linda" genie&szlig;t sie, die in Wahrheit abgetakelte "Matratzenhy&auml;ne", als vorgebliche isl&auml;ndische Miss World von 1988 die Begehrlichkeit der M&auml;nner. Unter dem Namen eines Bischofs schreibt sie ihrer Schwiegertochter einen Brief, der ihr ihre Untreue vorh&auml;lt und sie auffordert, Bu&szlig;e zu tun und dazu s&auml;mtliche Gottesdienste zu besuchen.<br /><br />Nun hat sie Zeit, auf den Spuren ihres Lebens zu wandeln. Sie befindet sich auf einem "Rundflug", springt mit dem Fallschirm hier und da ab, landet neben sich selbst, klopft sich auf die Schulter (S.140).<br /><br />Und ebenso willk&uuml;rlich gestaltet der Autor seinen Roman. In kurzen Kapiteln springt er hin und her zwischen den Phasen eines wilden, draufg&auml;ngerischen und schaurig-brutalen Lebens. Vater Hans ist der einzige Isl&auml;nder, der als &Uuml;berarier aus &Uuml;berzeugung f&uuml;r die Deutschen in den Krieg zieht. Doch nach sieben Jahren beh&uuml;teter, liebevoller Kindheit verl&auml;sst Gudrun sie. Das M&auml;dchen wird zu einer Familie auf der friesischen Insel Amrum in Pflege gegeben. Fr&uuml;h macht sie die Erfahrung, dass sie nirgendwohin geh&ouml;rt und &uuml;berall aneckt: Ist sie nun isl&auml;ndisch wie ihr Vater - oder d&auml;nisch wie ihre Mutter - oder doch Deutsche, da sie die Sprache beherrscht? Dieses Dilemma wird f&uuml;r ihr ganzes Leben gelten. W&auml;hrend der grausamen Kriegszeiten fl&uuml;chtet sie als Einzelk&auml;mpferin von einem Ort zum anderen. Sie verr&auml;t in ihrer Not das Versteck eines Engl&auml;nders - und f&uuml;hlt sich als Kriegsverbrecherin. Sie wird Zeugin, wie ein junger deutscher Offizier einen wehrlosen, beinamputierten und verr&uuml;ckten Juden erschie&szlig;t, der sich als Aaron Hitler, der kleine Bruder "seiner Hoheit", ausgibt. Sie muss Vergewaltigungen &uuml;ber sich ergehen lassen, f&auml;llt auf eine hilfsbereite Frau herein, wird in einem Haus festgehalten und als Hure den Russen feilgeboten. Mitten im Irrsinn des sinnlosen Krieges werden Menschen auf der Flucht neben ihr erschossen, und sie fragt sich: Warum die und nicht sie selbst? Ihre grausamen Erlebnisse lassen sie an Gott zweifeln: "Jeder f&uuml;r sich und Gott gegen alle" (S. 372). Dies alles kann sie nur mit Sarkasmus, Zynismus und rabenschwarzem Humor verarbeiten; Wut und Trauer zugleich pr&auml;gen ihren biestigen, schonungslosen Charakter.<br /><br />Nach Stationen in Hamburg, Berlin, Paris, Argentinien und Kapstadt kehrt sie nach Island zur&uuml;ck. Sie hat vier isl&auml;ndische M&auml;nner mit schlechtem Benehmen ertragen und drei undankbare S&ouml;hne geboren, die schon jetzt, da sie mit dem baldigen Ableben der Mutter rechnen, ihr gesamtes Verm&ouml;gen verh&ouml;kert haben. Wirklich geliebt hat sie nur ihre kluge, hellsichtige Mutter; die achtet sie, weil sie immer ein besserer Mensch als sie selber war. Fast um den Verstand bringt Herbj&ouml;rg der pl&ouml;tzliche Tod ihrer dreij&auml;hrigen Tochter, die bei einem Autounfall in Buenos Aires ums Leben kam.<br /><br />In Reykjavik, der Hauptstadt der vulkanreichen, kalten Insel, deren Bewohner das Schweigen als Kultur pflegen, liegt die im wahrsten Sinne des Wortes hochexplosive Herbj&ouml;rg in ihrer gem&uuml;tlichen Garage. Sie teilt kr&auml;ftig aus, rechnet erbarmungslos ab, wettert schonungslos gegen ihre Familie, die M&auml;nner im Besonderen, aber auch gegen das kleine Island. Ihre ersch&uuml;tternden, grausamen "Memoiren" hat sie, ohne etwas auszulassen, irgendwie zusammengeschustert - und nun kann sie p&uuml;nktlich zum abgemachten Termin zu ihrer Ein&auml;scherung erscheinen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-hallgrimur-helgason-eine-frau-bei-1000-grad.htm" target="_blank">
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[20.01.2012 11:56: Was vom Sommer übrig ist von Tamara Bach]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-tamara-bach-was-vom-sommer-uebrig-ist.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-tamara-bach-was-vom-sommer-uebrig-ist.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/512.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Was vom Sommer übrig ist von Tamara Bach"></a>
							<h2>20.01.2012 11:56: Was vom Sommer übrig ist von Tamara Bach</h2>
							<h3>Zeit des Umbruchs</h3>
							<p><small>Leseeindruck vom 20.01.2012 11:56<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Es ist Sommer. Louise steht kurz vor der F&uuml;hrerscheinpr&uuml;fung, aber irgendwie l&auml;uft ihr Leben zurzeit nicht rund. Sie ist unzuverl&auml;ssig, vernachl&auml;ssigt ihre Ferienjobs, die ihr das n&ouml;tige Kleingeld f&uuml;r den F&uuml;hrerschein einbringen sollen. Oma ist in Urlaub. Kann man sich da einfach deren Auto ausleihen?<br /><br />Schon w&auml;hrend des letzten Schuljahres muss sie einen Durchh&auml;nger gehabt haben. Ihr fehlen Unterrichtsstunden, und um den Karren noch aus dem Dreck zu ziehen und ihre Pr&uuml;fungen zu retten, muss sie den Lehrer sprechen.<br /><br />Und warum das alles? Hat sie Stress mit ihren Eltern? Der Klappentext erw&auml;hnt "die Sache mit Paul" - doch was war da geschehen?<br /><br />Jana, die aus der Siebten, weicht Louise in letzter Zeit nicht mehr von der Seite. Ein seltsames M&auml;dchen. Louise hat sie zu einer Spritztour in Omas Auto mitgenommen, zusammen mit Omas spinnertem Hund Bonnie, einfach so und irgendwohin und &uuml;ber Nacht. Mein Gott, was f&uuml;r ein Morgenmuffel Jana ist - bis die mal in die Hufe kommt. Nee, jetzt will sie noch mit niemandem sprechen, sagt sie, als Louise ihr das klingelnde Handy reicht.<br /><br />Nun will Louise schleunigst wieder nach Hause. Zu retten ist ohnehin nichts mehr. In der B&auml;ckerei entschuldigt sie sich mit einer Schauergeschichte, die Zeitungen hat wohl schon jemand anderes f&uuml;r sie ausgetragen. Doch jetzt will Jana auch noch ins Krankenhaus; dort liegt ihr Bruder Tom, der aus der Elften. Er ist von der Br&uuml;cke gesprungen ...<br /><br />Die mit mehreren Buchpreisen ausgezeichnete Autorin Tamara Bach versetzt uns in ihrem neuesten Jugendbuch "Was vom Sommer &uuml;brig ist" in die konfuse, aus den Angeln geratene Welt zweier junger M&auml;dchen. Jana scheint introvertiert, allein gelassen; wo die Eltern nun an Toms Bett stehen, sucht sie Anlehnung - und das ausgerechnet bei der unorganisierten Louise.<br /><br />Auch wenn die Leseprobe mitten im Buch beginnt, somit nur Kurzeindr&uuml;cke entstehen und die genauen Zusammenh&auml;nge noch fehlen, kann man schon voraussehen, dass der locker-flockige Sprachstil, Louises chaotische Dialogf&uuml;hrung und der ernste Plot jede Jugendliche begeistern k&ouml;nnen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-tamara-bach-was-vom-sommer-uebrig-ist.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[19.01.2012 14:25: Im Reich der Angst von Isaac Rosa]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-isaac-rosa-im-reich-der-angst.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-isaac-rosa-im-reich-der-angst.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/511.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Im Reich der Angst von Isaac Rosa"></a>
							<h2>19.01.2012 14:25: Im Reich der Angst von Isaac Rosa</h2>
							<h3>Gefangener seiner Angst-Paranoia</h3>
							<p><small>Rezension vom 19.01.2012 14:25<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Der zw&ouml;lfj&auml;hrige Pablo wird von seinem Klassenkameraden Javier erpresst. Bluterg&uuml;sse auf seinem K&ouml;rper zeugen von Pr&uuml;geln und Fu&szlig;tritten. Aus Pablos Kinderzimmer verschwinden nach und nach Rollschuhe, Tennisschl&auml;ger, Turnschuhe, DVDs und anderes, was Pablo im Rucksack heimlich aus dem Haus schafft und nach dem Unterricht seinem Peiniger &uuml;bergibt.<br /><br />Mutter Sara wundert sich, denn seit einiger Zeit vermisst sie Geld, sp&auml;ter Schmuck und andere Wertgegenst&auml;nde. Sie verd&auml;chtigt die marokkanische Putzfrau und k&uuml;ndigt ihr fristlos, obwohl sie stets zuverl&auml;ssig war und ihre Unschuld beteuert.<br /><br />Dann kommt die wahre Geschichte ans Licht. Carlos, der immer schon &uuml;berbesorgte Vater, wird die Sache f&uuml;r seinen Sohn aus der Welt schaffen. Er sucht ein Gespr&auml;ch mit dem Schuldirektor und wendet sich an die Polizei. Doch die kann nichts gegen Javier ausrichten, denn der ist ebenfalls erst zw&ouml;lf und somit nicht strafm&uuml;ndig. Also muss Carlos wohl selber handeln, sich den Knaben mal richtig zur Brust nehmen, ihm klar machen: Bis hierhin und nicht weiter ...<br /><br />Der Plot k&ouml;nnte jetzt einen allt&auml;glichen Verlauf nehmen: Vater und Mutter verteidigen ihr Kind gegen Gefahren von Au&szlig;en. Doch Carlos ist paranoid seinen &Auml;ngsten ausgeliefert, steigert sie in seiner Einbildung selbstqu&auml;lerisch bis aufs &Auml;u&szlig;erste - und bed&uuml;rfte eigentlich psychiatrischer Hilfe. Aber er kann sich nicht einmal seiner Frau &ouml;ffnen, denn dann w&uuml;rde er in ihren Augen zu dem, was er in Wirklichkeit auch ist: ein Schw&auml;chling, ein Weichei. So nutzt er eine auch in der Psychiatrie angewandte (selbst-) therapeutische Methode: Er schreibt all seine N&ouml;te "im Reich der Angst" - im Gegensatz zum "Reich der Freude" - auf.<br /><br />Autor Isaac Rosa entwickelt daraus eine Art Enzyklop&auml;die aller Typen und Ausw&uuml;chse von Angst. Er erg&auml;nzt jede Art von Phobie in Carlos' monologisierenden Gedanken zu einem vollst&auml;ndigen Katalog. Eingef&uuml;gte Ausz&uuml;ge aus offiziellen Quellen geben dem psychologischen Roman ein Sachbuch-Ger&uuml;st:<br />S. 176 ff.: Ratschl&auml;ge des spanischen Innenministeriums "zu Ihrer Sicherheit: Auf der Stra&szlig;e ... Zum Schutz von Minderj&auml;hrigen ..." usw.;<br />S. 201 ff.: "Selbstverteidigung";<br />S. 282 ff.: "Reise- und Sicherheitshinweise des Spanischen Au&szlig;enministeriums f&uuml;r die Republik Guatemala" u.a.<br /><br />Derlei eigentlich hilfreich-informativ intendierte Zusammenstellungen l&ouml;sen jedoch bei Carlos erneute &Auml;ngste aus, denn sie machen ihm m&ouml;gliche Gefahren erst richtig bewusst.<br /><br />Carlos ist nicht der einzige Mensch, der sich vor Menschenbanden aus Osteuropa, afrikanischen Kriminellen und undurchschaubar Fremdem &auml;ngstigt. Doch er f&uuml;rchtet sich sogar vor der Polizei, den Ordnungsh&uuml;tern, die, so gibt er zu bedenken, das Gewaltmonopol besitzen. In ihrem t&auml;glichen Kampf gegen das Verbrechen werden sie am Ende selbst zu Verbrechern, wenden Gewalt missbr&auml;uchlich an, werden zu Sadisten und Folterern. Carlos malt sich aus, welche &Auml;ngste solch ein Polizeiopfer durchlebt, das einer Verh&ouml;rsituation ausweglos ausgeliefert ist: Der blo&szlig;e Anblick eines harmlosen Alltagsgegenstands - eines Espressol&ouml;ffels oder einer Zange -, der in den H&auml;nden der Peiniger zu einem Folterinstrument werden k&ouml;nnte, gen&uuml;gt schon, um die Phantasie zu aktivieren, sich uns&auml;gliche Schmerzen vorzustellen, an den Rand des Wahnsinns zu geraten, zusammenzubrechen. Carlos behauptet, dass derlei imagin&auml;re Schmerzen noch viel unertr&auml;glicher seien als tats&auml;chlich w&auml;hrend einer Folter zugef&uuml;gte.<br /><br />Dabei ist Carlos in der Realit&auml;t noch nie etwas &Uuml;bles passiert. Allein in seiner Phantasiewelt der Phobien gelangt er an Orte, die man besser meiden sollte. Nicht auszudenken, was einem in Tiefgaragen, U-Bahnen, auf &ouml;ffentlichen Toiletten, in Unterf&uuml;hrungen, besonders allein und im Dunklen alles passieren kann: Man k&ouml;nnte sich verfolgt, geschlagen, misshandelt, gew&uuml;rgt, gelyncht, vergewaltigt finden. Es sind wahre Abgr&uuml;nde, in die uns der Autor durch Carlos' breit differenzierte sozio-psychologische Gedankenwelt schauen l&auml;sst, ein gigantisches Spektrum, das vielleicht auch in uns Lesern &Auml;ngste zu wecken vermag, die uns bisher unbekannt waren ... Nicht einmal im Schlaf findet er Ruhe; schwei&szlig;&uuml;berstr&ouml;mt wird er aus Albtr&auml;umen gerissen, in denen Einbrecher neben seinem Bett stehen, ihn sadistisch qu&auml;len, seine Frau vergewaltigen.<br /><br />Gefangen in seinen Horrorvisionen, doch abgel&ouml;st von der Realit&auml;t kommt Carlos also seinen Vater-Aufgaben nach. Er beobachtet seinen Sohn von nun an st&auml;ndig, um ihn vor Javier und seinen Motorradkumpanen zu sch&uuml;tzen. Aber er ist nur vorgeblich stark, kann sich der Konfrontation nicht wirklich stellen. Mit seinen unsicheren, inkonsequenten Drohungen provoziert er den Gegner geradezu. Als feiger Schw&auml;chling ist er das ideale Opfer und wird im weiteren Verlauf der Handlung nun ebenfalls von Javier systematisch erpresst - woraufhin sich in seiner Gef&uuml;hlswelt umso gr&ouml;&szlig;ere Angst vor eskalierenden Folgen auft&uuml;rmt. Er glaubt sie vermeiden zu k&ouml;nnen, indem er allenfalls halbherzig Widerstand leistet und Javiers immer dreister werdende Forderungen erf&uuml;llt. Letztlich f&ouml;rdert er durch dieses Verhalten die Kleinkriminalit&auml;t des ihm an Jahren und Intelligenz unterlegenen Jungen; im weitesten Sinne macht sich Carlos, das Opfer, mitschuldig.<br /><br />Carlos kann f&uuml;r jeden von uns stehen, vielleicht sogar f&uuml;r eine schwache Gesellschaft, die sich gegen Bedrohungen nicht entschieden genug zur Wehr setzt. Indem Carlos aus seiner selbst erzeugten hypnotisierenden Spirale der unendlichen Angst keinen Ausweg mehr findet, die Kontrolle verliert, agiert er im Reich der Angst anstatt in der Realit&auml;t, als unberechenbarer, lebensbedrohlicher T&auml;ter anstatt als rationaler Probleml&ouml;ser.<br /><br />Der Autor Isaac Rosa, 1974 in Sevilla geboren, wurde 2005 mit dem wichtigsten lateinamerikanischen Literaturpreis "Premio R&oacute;mulo Gallego" ausgezeichnet.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-isaac-rosa-im-reich-der-angst.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[15.01.2012 14:59: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jonas-jonasson-der-hundertjaehrige-der-aus-dem-fenster-stieg-und-verschwand.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jonas-jonasson-der-hundertjaehrige-der-aus-dem-fenster-stieg-und-verschwand.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/510.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson"></a>
							<h2>15.01.2012 14:59: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson</h2>
							<h3>Immer locker bleiben: Es kommt, wie es kommt!</h3>
							<p><small>Rezension vom 15.01.2012 14:59<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Mit seinem Deb&uuml;troman "Der Hundertj&auml;hrige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" hat der Schwede Jonas Jonasson innerhalb k&uuml;rzester Zeit die Herzen vieler Leser erobert. Sein Roman unterh&auml;lt jedermann, ob jung oder alt. Der Sprachstil ist leicht und fl&uuml;ssig, kurzweilig und spritzig, gespickt mit umgangssprachlichen Ausdr&uuml;cken. Der Autor ist ein wahrer K&uuml;nstler des Fabulierens; furios tobt sich seine Phantasie aus. Seine Hauptfiguren - die Freunde, mit denen der Hundertj&auml;hrige sich umgibt - l&uuml;gen, dass sich die Balken biegen - Baron von M&uuml;nchhausen ist ein Waisenkind dagegen. Jonasson gestaltet seine Erz&auml;hlung witzig und humorvoll: Selbst lebensbedrohliche Situationen im Leben des Hundertj&auml;hrigen stecken voller Komik.<br /><br />Nach einem turbulenten Leben wohnt der 99-j&auml;hrige Allan Karlsson die letzten Jahre in einem H&auml;uschen zusammen mit einem Kater und einer Schar Hennen. Eines Tages erwischt der Fuchs den Kater und rei&szlig;t einige H&uuml;hner. Allan will Rache nehmen: "Du kannst Krieg haben, du Schei&szlig;fuchs." Er legt einen Sprengsatz, der z&uuml;ndet tats&auml;chlich, alles fliegt in die Luft, samt Scheune und Wohnhaus, und Allan, den man auf seinem Sessel sitzend findet, erh&auml;lt im Altenheim Malmk&ouml;ping eine neue Bleibe. Schwester Alice, die "alte Giftspritze", erl&auml;utert ihm haarklein die Hausordnung mit genau einzuhaltenden Zeiten und zahlreichen Verboten. Hier leben? Der Alte beschlie&szlig;t im Schlaf zu sterben.<br /><br />In vier Monaten wird er 100 Jahre alt. Die Vorbereitungen zum Festakt laufen auf Hochtouren. Die Musi wird spielen, Stadtrat, Pfarrer und andere W&uuml;rdentr&auml;ger werden gratulieren, Reden werden geschwungen, die Presse wird das Ereignis ausschlachten. Aber bittesch&ouml;n nicht mit Allan.<br /><br />Am Morgen des Ehrentages fl&uuml;chtet der Alte. Spontan und ohne Plan klettert er aus dem Fenster, landet in den Blumenrabatten - oh Schreck, er tr&auml;gt ja noch seine "Pisspantoffeln" (Der Erdanziehung gehorchend, f&auml;llt immer ein Tropfen zielstrebig auf dieselbigen ...) -, aber es gibt kein Zur&uuml;ck mehr. Auf direktem Weg l&auml;uft er zum Bahnhof. Er will weg, nur schnell und egal wohin. Im Wartesaal wird er von einem schmierigen, ungehobelten jungen Mann mit dem Leitspruch "Never again" auf der Jacke angep&ouml;belt. Er m&uuml;sse mal aufs Klo, und da sein Koffer nicht durch die T&uuml;r passe, m&ouml;ge der alte "Tattergreis" doch ein Auge drauf werfen.<br /><br />Da kommt schon der Bus vorgefahren. Wie praktisch, dass der Koffer Rollen hat - da ist es Allan ein Leichtes, das Eigentum des Unsympathen zu klauen. Als der, um ein Vielfaches erleichtert, sein stilles &Ouml;rtchen verl&auml;sst, verflucht er den Alten: "Du bist so gut wie tot, du alter Wichser." (S. 14) Und das kann man nachvollziehen, befinden sich doch 50 Millionen Kronen aus Drogengesch&auml;ften im Koffer ...<br /><br />Mit diesem unerwarteten Gewinn beginnt f&uuml;r Allan ein sp&auml;ter neuer Lebensabschnitt. Eine Meute von Polizisten, die "Never again"-Mafia-Truppe und eine Horde Journalisten jagen ihn. Doch Allan etabliert mit den Freunden, die er auf seiner Reise kennenlernt, in sein Geheimnis einweiht und zu Komplizen macht, ein eingeschworenes Team. Trotz etlicher Leichen, die leider und unvermeidlich am Wegesrand zur&uuml;ckbleiben m&uuml;ssen, l&ouml;st sich sp&auml;ter alles in Wohlgefallen auf: Eine saubere, stimmige L&uuml;gengeschichte &uuml;berzeugt den Staatsanwalt von der allgemeinen Unschuld - und so endet dieser Plot wie im M&auml;rchen: Allan und seine Freunde reisen nach Bali, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute dort.<br /><br />Im Jahr 1905 beginnt der zweite Handlungsstrang. Da verarbeitet Jonas Jonasson, was sich in 100 Jahren Weltgeschichte zugetragen hat. Genauer gesagt: Indem er Allan von einem Schauplatz zum anderen schubst, erschafft der Autor ein bewundernswert kompaktes, treffsicher komprimiertes, in seiner Struktur stimmiges Panoptikum von Staaten und ihren Lenkern, Realit&auml;ten und Ideologien. Doch Achtung: Wer auf Humbug hereinf&auml;llt, ist selber Schuld. (Zum Beispiel gibt Allan, Sprengstoffspezialist durch <em>learning by doing</em> und ahnungslos in Physik, Robert Oppenheimer den entscheidenden Hinweis zum Bau der Atombombe ...)<br /><br />Kapitelweise wechseln sich Episoden aus Allans Odyssee in der Gegenwart und seine Auftritte auf dem Parkett der Weltpolitik ab. Allan, der Naiv-Unpolitische, purzelt ungewollt und zuf&auml;llig mitten in die Krisenherde der Welt. Er erh&auml;lt Einladungen von Regierenden unterschiedlichster Couleur - Stalin, Truman und Franco, um nur wenige seiner Gastgeber zu nennen -, denn alle versprechen sich Vorteile - zumindest guten Rat, wenn nicht gleich die Atombombe. Dass Allan ungeplant und ziellos ("Es kommt, wie es kommt." S. 40) Einfluss auf das Schicksal der Welt nimmt, l&auml;sst Geschichte oft als sinnlose, paradoxe Groteske erscheinen, wie einige Beispiele illustrieren: Allan soll auf Wunsch des Schahs von Persien einen Anschlag auf Churchill durchf&uuml;hren - und vereitelt ihn dann auf geschickte Weise selbst. Allan bek&auml;mpft mit Chiang Kai-shek (der portr&auml;tiert wird als Pantoffelheld seiner Frau Song Meiling, einer guten Freundin Roosevelts und Strippenzieherin) den Vormarsch Maos und der Kommunisten - und befreit sp&auml;ter Maos Frau Jiang Qing aus dem Gefangenenlager der Kuomintang. Mao, sein neu gewonnener Freund, bedankt sich daf&uuml;r f&uuml;rstlich bei ihm - mit Geld, das auf Umwegen aus den USA stammt. Allan arbeitet f&uuml;r die CIA in Moskau und wirbt einen sowjetischen Physiker an - doch dessen Wissen gibt er jeder Seite weiter, wobei Dichtung und Wahrheit gewissenhaft und glaubw&uuml;rdig vermischt werden. Konsequenterweise reagiert Allan allergisch, sobald die Machthaber ihn ideologisieren wollen, denn als Sozialist, Republikaner, Kommunist oder Faschist l&auml;sst er sich nie abstempeln.<br /><br />Diesen auf anspruchsvolle Weise am&uuml;santen Roman mit einer sympathischen Kunstfigur als Protagonist habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jonas-jonasson-der-hundertjaehrige-der-aus-dem-fenster-stieg-und-verschwand.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3570585018/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3570585018" target="_blank">"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von von Jonas Jonasson bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3570585018" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[12.01.2012 12:01: Der Schmerz der Engel von Jón Kalman Stefánsson]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jon-kalman-stefansson-der-schmerz-der-engel.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jon-kalman-stefansson-der-schmerz-der-engel.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/509.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Schmerz der Engel von Jón Kalman Stefánsson"></a>
							<h2>12.01.2012 12:01: Der Schmerz der Engel von Jón Kalman Stefánsson</h2>
							<h3>Der Tod ist allgegenwärtig</h3>
							<p><small>Rezension vom 12.01.2012 12:01<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>J&oacute;n Kalman Stef&aacute;nssons Roman "Der Schmerz der Engel" ist nach "Himmel und H&ouml;lle" der zweite Teil seiner Trilogie. "Der Schmerz der Engel" wurde zur Frankfurter Buchmesse im Oktober 2011 herausgegeben, deren Ehrengast die kleine Insel Island war.<br /><br />Stef&aacute;nssons Protagonist ist "der Junge", die einzige namenlose Figur. Handlungsort ist der d&uuml;nn besiedelte Nordwesten Islands mit seinen Fjorden und dem massiven Gletscher Drangaj&ouml;kull. Es ist April, Ende des 19. Jahrhunderts, der Winter hat diese Gegend noch fest im Griff.<br /><br />Nun ist "der Junge" schon seit Tagen unterwegs, er kann die Hand kaum vor Augen sehen, Schneetreiben und ein heftiger Sturm machen das Vorw&auml;rtskommen nahezu unm&ouml;glich. Er begleitet Jens, den Postboten, auf seinem Weg zu den entlegensten H&ouml;fen. Der ist ihm pl&ouml;tzlich einfach davon gerannt, dabei hatte dieser wortkarge, kr&auml;ftige Sturkopf nach langer Zeit ein paar Worte mit "dem Jungen" gewechselt: "K&ouml;nnte es passieren, dass wir abst&uuml;rzen, ruft der Junge [...] Wir finden es heraus, wenn es so weit ist, ruft Jens zur&uuml;ck [...] die erste Kontaktaufnahme, nach dem Muster: besorgte Frage, beschwichtigende Antwort, isl&auml;ndischer Umgang miteinander <em>in nuce</em>" (S. 219 f.). Trotz seiner Ersch&ouml;pfung treibt "den Jungen" ein bisschen Lebenswillen weiter, eine Unterkunft zu finden, bevor die Nacht hereinbricht. Pl&ouml;tzlich &uuml;berf&auml;llt ihn ein Gef&uuml;hl, das ihm bisher v&ouml;llig fremd war: Sehnsucht. Er hatte nur Trauer gekannt: Seine Familie ist verstorben, als Waise war er seitdem immer nur weggelaufen - "weg aus dem Fisch, ...weg aus der Heuarbeit, weg von der ununterbrochenen, zerm&uuml;rbenden M&uuml;hsal des Alltags, ..." (S. 222). Seit drei Wochen lebt er in Geir&thorn;r&uacute;&eth;urs Haus mit Helga und dem blinden Kapit&auml;n Kolbeinn. Bei ihnen scheinen s&auml;mtliche Gesetze des Lebens auf den Kopf gestellt: Er sei f&uuml;r die harte Arbeit nicht geschaffen, so wollen sie ihm Bildung mitgeben. Zuletzt hatte er dem m&uuml;rrischen alten Kolbeinn sehr holprig Shakespeares "Hamlet" und "Othello" in Englisch vorgelesen. Bald soll er regelm&auml;&szlig;ig unterrichtet werden. Rechnen bei Helga, Englisch bei Hulda und Isl&auml;ndisch, Geschichte und Literatur bei G&iacute;sli, dem Schulrektor ...<br /><br />Gegen jegliche Vernunft und unter Missachtung der Warnungen der wenigen Menschen, die ihnen Unterkunft und Essen geboten hatten, setzen Jens und "der Junge" ihre H&ouml;llentour unbeirrt fort. "Der Junge" rudert Jens, der unter Wasserphobien leidet, in einer Nussschale &uuml;ber den tosenden, aufgew&uuml;hlten Fjord, rettet ihm das Leben, qu&auml;lt sich mit ihm &uuml;ber zwei Bergplateaus bis auf den gottlosen Gletscher. Sie haben ihren Auftrag, die Postpakete abzugeben, fast erf&uuml;llt, da steckt "der Junge" in dichtem Schneetreiben fest, dem Tode n&auml;her als dem Leben. Doch Jens taucht wieder auf, rei&szlig;t "den Jungen" aus den Tr&auml;umen, aus dem Schlaf in daunenweicher Umarmung des Todes. Weit weg von den Menschen, findet Jens in diesen Extremsituationen zu sich selbst.<br /><br />Endlich erreichen sie in der Ein&ouml;de ein Bauernhaus, wo ein Vater mit seinen Kindern und seinem Knecht lebt. In der R&auml;ucherkammer liegt seit Tagen die verstorbene Frau des Bauern in ihrem Sarg. Seit Wochen hatte sich keine Menschenseele in diese Gegend gewagt. So muss "der Herr" dem Bauern die beiden M&auml;nner geschickt haben: Zu dritt k&ouml;nnen sie es schaffen. "Der Junge", Jens und der Knecht machen sich auf den Weg zur&uuml;ck &uuml;ber den Berg, sie ziehen und schieben den Sarg auf einem Schlitten bis zum Friedhof, wo die Frau ihre ewige Ruhe finden soll.<br /><br />J&oacute;n Kalman Stef&aacute;nsson lehrt uns Leser in "Der Schmerz der Engel" das F&uuml;rchten, aber auch Ehrfurcht und Demut. Unvorstellbar, solch unerbittlichen Naturgewalten ausgeliefert zu sein und sich ihnen gegen&uuml;ber mutig zu behaupten. Wochenlang leben die Menschen, die das Schicksal dorthin geworfen hat, ohne jeglichen Kontakt zur Au&szlig;enwelt, Gefangene in ihren Erdbehausungen, die sich unter den Schneemassen kaum abbilden. Hunger und Krankheiten bestimmen ihren Alltag. W&uuml;nschen sie sich, sie w&auml;ren nie geboren worden? Wundert es, dass die M&auml;nner dem Alkohol verfallen, verstummen oder ihre rechtlosen Frauen vergewaltigen? Jede Familie, jeden Hof treffen furchtbare Schicksalsschl&auml;ge: M&auml;nner kommen bei st&uuml;rmischer See auf den Fjorden ums Leben; andere verlaufen sich im Schneetreiben, verhungern und erfrieren elendig; die Verzweifeltsten st&uuml;rzen sich bewusst in den Tod, erschlagen einen Mitmenschen oder verfallen dem Irrsinn.<br /><br />Wo manche Gegenden so gut wie nie die Sonne zu sehen bekommen, wo selbst im kurzen Sommer alles nebelverhangen ist, da entstehen andersartige, zarte Formen der Poesie: Nur Menschen, die sich - wie Jens - lieber in Schweigen h&uuml;llen, kein Wort zuviel sprechen, h&ouml;ren Berge singen, Eiszapfen lachen, das Meer br&uuml;llen ...<br /><br />Ausgerechnet diesem starrk&ouml;pfigen Einzelg&auml;nger setzt der Autor "den Jungen" an die Seite, der sich so gerne unterhalten m&ouml;chte. Wie Stef&aacute;nsson diese beiden ungleichen Charaktere auf ihrem langen, entbehrungsreichen, immer lebensbedrohlichen Marsch einander behutsam ann&auml;hern l&auml;sst, ist eine literarische Meisterleistung. Jens hat Geir&thorn;r&uacute;&eth;ur zwar versprochen, auf "den Jungen" zu achten, doch das tut er auf seine eigent&uuml;mliche Weise: Er ignoriert ihn, den Schlappschwanz, der mit seiner ewigen unverst&auml;ndlichen Faszination f&uuml;r Gedichte zu nichts zu gebrauchen ist, w&auml;hrend sich seine eigene spr&ouml;de und harte Schale gerade nur einen Spalt weit &ouml;ffnet, so dass ein wenig von dem sensiblen, verantwortungs- und pflichtbewussten Kern erkennbar wird. Den Jungen besch&auml;ftigen derweil auf beeindrucke Weise existentielle philosophische Gedanken - wenn er sich nicht wieder einmal aus den Schneemassen herausbuddeln muss.<br /><br />Was sind Worte, was bedeuten sie? Kann Poesie Erf&uuml;llung geben? Sind wir nicht doch zum Ungl&uuml;cklichsein Verdammte? Die Lieder, die "der Junge" gegen den Willen seines immer voranschreitenden Postboten singt, k&ouml;nnen die anderen, die tr&uuml;ben Gedanken nicht vertreiben. Der Tod ist allgegenw&auml;rtig, er wartet auf jeden von uns - und ist es nicht besser zu sterben, als sich t&auml;glich dem Kampf stellen zu m&uuml;ssen, den wir am Ende doch verlieren m&uuml;ssen?<br /><br />F&uuml;r seinen Roman "Der Schmerz der Engel" wurde der isl&auml;ndische Schriftsteller J&oacute;n Kalman Stef&aacute;nsson mit dem Per-Olov-Enquist-Preis ausgezeichnet.<br /><br />Dieses Buch habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jon-kalman-stefansson-der-schmerz-der-engel.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492053904/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492053904" target="_blank">"Der Schmerz der Engel" von von Jón Kalman Stefánsson bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[08.01.2012 23:15: Schuldig von Jodi Picoult]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jodi-picoult-schuldig.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jodi-picoult-schuldig.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/508.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Schuldig von Jodi Picoult"></a>
							<h2>08.01.2012 23:15: Schuldig von Jodi Picoult</h2>
							<h3>Neun Kreise des Grauens</h3>
							<p><small>Rezension vom 08.01.2012 23:15<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Dunkler kann ein Buchumschlag kaum gestaltet sein als der des neuesten Romans der Bestsellerautorin Jodi Picoult. Im unteren Drittel sehen wir schr&auml;g von hinten die Silhouette des Kopfes eines ernsten jungen M&auml;dchens; ihre goldbraunen langen Haare wehen im leichten Wind und sind der einzige Lichtblick. Die flache Landschaft vor ihr, &uuml;ber die hinweg sie zum Horizont schaut, ist schwarz; &uuml;ber dem Horizont t&uuml;rmen sich finster dr&auml;uende Gewitterwolken. Verweist schon der Buchtitel "Schuldig" auf eine Schuld des M&auml;dchens?<br /><br />Da ist der englische Titel der Originalfassung von 2006 - "The Tenth Circle" - in seiner Bildlichkeit inspirativer. In der Tat bezieht er sich auf einen (fiktiven) Roman in Comicform, geschaffen von dem Protagonisten von "Schuldig", dem Zeichner Daniel Stone. Etliche Sequenzen grausamer, aggressionsgeladener Horrorzeichnungen aus diesem Roman im Roman hat Picoult in ihr Buch eingebunden. Der Plot des Comics ist, wie sich der Held durch neun Kreise des Grauens k&auml;mpft, um seine Tochter aus den Klauen Luzifers, der einstmals aus dem Paradies in das Zentrum der H&ouml;lle vertrieben wurde, zu retten.<br /><br />Daniel Stone war in der Eish&ouml;lle Alaskas mitten unter den Eskimos aufgewachsen, wo seine Mutter als Lehrerin arbeitete. In der Gemeinschaft der Einheimischen wurde er als Wei&szlig;er allerdings nie akzeptiert; sein einziger Freund war Cane, ein "Yupik". Als Daniel 18 Jahre alt ist, erschie&szlig;t sich Cane mit einem Gewehr in der Turnhalle der Schule, und Daniel, der ihn findet, ger&auml;t unter Mordverdacht. Fluchtartig verl&auml;sst er Alaska. Doch zeitlebens verfolgen Daniel die furchtbaren Jahre in der mystischen Welt der Eskimos, die an Geister, Wiedergeburt, Verwandlung von Tier zu Mensch und umgekehrt glauben, und der f&uuml;r ihn unverst&auml;ndlich grausame Tod des einzigen Freundes. Einzig in seinen Zeichnungen findet er eine M&ouml;glichkeit, seinen Emotionen Ausdruck zu verleihen, Ruhe zu finden, und sie bringen ihm auch Erfolg.<br /><br />Jetzt ist er mit Laura, einer Professorin, verheiratet. Sie haben eine gemeinsame Tochter, Trixie, der seine ganze Aufmerksamkeit und F&uuml;rsorge gilt.<br /><br />Lauras Spezialgebiet sind die Werke von Dante Alighieri (1265-1321), insbesondere sein Versepos "Die G&ouml;ttliche Kom&ouml;die": Darin schildert der Ich-Erz&auml;hler seine weite Reise zuerst durch das - in neun H&ouml;llenkreise unterteilte - Inferno, dann durch das Purgatorium, in dem die Seelen noch auf Vergebung f&uuml;r ihre S&uuml;nden hoffen d&uuml;rfen, ehe er schlie&szlig;lich nach weiteren Stationen in das himmlische Paradies gelangt.<br /><br />Wie nah sie selber - Laura, Daniel und Trixie - der H&ouml;lle auf Erden sind und welche Kreise sie durchlaufen m&uuml;ssen, um ihre Tochter am Ende zu retten, ist der eigentliche Gegenstand von Jodi Picoults Roman, und es geht dabei um Fragen von Schuld, S&uuml;hne und Vergebung. Plot, Themen und literarische Motive bilden ein dichtes Geflecht.<br /><br />Die erst vierzehnj&auml;hrige Trixie ist mit dem begehrten, gut aussehenden Eishockeyspieler Jason, einem Star ihrer Highschool, befreundet. Als er nach kurzer Zeit wieder Schluss mit ihr macht, bricht f&uuml;r Trixie eine Welt zusammen. Freundin Zephyr organisiert eine abendliche Party, in deren Verlauf Trixie Jason mit hei&szlig;en Sexspielen eifers&uuml;chtig machen soll. Beim Strip-Poker steht Trixie schlie&szlig;lich ohne BH im Raum.<br /><br />In der Fr&uuml;he kehrt Trixie v&ouml;llig aufgel&ouml;st nach Hause und berichtet sofort haarklein, was geschehen war und wie: Jason habe sie vergewaltigt. Das Karussell setzt sich in Bewegung: Krankenhaus, Polizeiverh&ouml;re, psychiatrische Begleitung, Mobbing in der Schule, und Zephyr unterstellt Trixie, sie wolle Jason fertig machen ... Trixie wei&szlig; sich aus ihrem Loch nicht mehr zu befreien, ritzt sich erst ihre Arme, schneidet sich dann die Pulsadern auf. Laura findet sie, so dass man Trixie retten kann. Doch wie geht es Jason? Er erh&auml;lt strenge Auflagen vom Jugendgericht. Gegen die Vorw&uuml;rfe, Trixie vergewaltigt zu haben, wehrt er sich, denn sie sei mit den Intimit&auml;ten einverstanden gewesen.<br /><br />Best&auml;ndig dreht und wendet sich das Blatt: Wer l&uuml;gt hier, wer sagt die Wahrheit? Die Gef&uuml;hle jedes einzelnen sind aufs Tiefste verletzt, die Emotionen schlagen hoch. Der, der sich im Recht glaubt, aber beschuldigt wird, muss verzweifeln. Nat&uuml;rlich glaubt Daniel nur seiner Tochter, "denn nichts ist leichter als Selbstbetrug" (Diese Weisheit stammt &uuml;brigens von einem Redner, dessen Namen der Leser als R&auml;tsel in Daniels Comics versteckt findet.). Daniel kann sich nicht vorstellen, dass sein kleines M&auml;dchen schon l&auml;ngst sexuelle Erfahrungen hatte, sich bewusst aufreizend kleidete. Und da auch die Polizei Trixie schon lange nicht mehr f&uuml;r glaubw&uuml;rdig h&auml;lt, ist die Konfrontation zwischen Daniel und Jason nicht aufzuhalten. Es kommt zu einer Schl&auml;gerei, und Jason springt von einer Br&uuml;cke. War es Selbstmord - oder hat ihn jemand gesto&szlig;en?<br /><br />Der ohnehin schon sehr vielschichtige, d&uuml;ster-psychologische Roman erh&auml;lt nun zus&auml;tzlich den Charakter eines Krimis. Die Polizei ist intensiv gefordert, den Aussagen stehen klare Beweise und DNA-Analysen gegen&uuml;ber.<br /><br />"Schuldig" beschreibt eine furchtbare Familientrag&ouml;die. Die Vergewaltigung eines jungen M&auml;dchens mit den darauf folgenden dem&uuml;tigenden Untersuchungen und Befragungen lenkt den Leser und sein Mitgef&uuml;hl auf die Betroffene. Doch f&uuml;r mich ist eigentlich Daniel, der den starken, sch&uuml;tzenden Vater gibt, die leidgepr&uuml;fteste Figur. Mit dem Tod Jasons und dem im Raum stehenden Verdacht gegen einen Unschuldigen wiederholt sich seine eigene Geschichte, und obendrein muss er noch verkraften, dass Laura eine Aff&auml;re mit einem Studenten hatte ...<br /><br />"Schuldig" ist ein lesenswertes Buch, zeigt die Autorin doch, wie vielschichtig Fragen nach Schuld beantwortet werden m&uuml;ssen. Ist ein M&ouml;rder gefasst, so wird er juristisch schuldig gesprochen, die Tat wird ges&uuml;hnt. Doch f&uuml;r die Leiden Trixies, Daniels und so vieler anderer, die seelische H&ouml;llenqualen leiden, kann niemand schuldig gesprochen werden. Sie sind Opfer ihrer Lebensumst&auml;nde geworden.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jodi-picoult-schuldig.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[05.01.2012 16:13: Die Geliebten von Elizabeth Subercaseaux]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-elizabeth-subercaseaux-die-geliebten.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-elizabeth-subercaseaux-die-geliebten.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/507.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die Geliebten von Elizabeth Subercaseaux"></a>
							<h2>05.01.2012 16:13: Die Geliebten von Elizabeth Subercaseaux</h2>
							<h3>Gottes Hand ist überall</h3>
							<p><small>Rezension vom 05.01.2012 16:13<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Ein und derselbe Schicksalsschlag trifft zur selben Zeit zwei Liebesbeziehungen an zwei Orten auf verschiedenen Kontinenten, und zwei folgenschwere Trag&ouml;dien nehmen daraufhin einen nahezu identischen Verlauf. Was sich schier unglaublich anh&ouml;rt, entwickelt die chilenische Bestseller-Autorin Elizabeth Subercaseaux zu einem Handlungsplot, der so spannend wie ein Krimi zu lesen ist. Wird man schon solch einen Zufall f&uuml;r unm&ouml;glich halten, so treibt die Autorin ihr Konzept auf die Spitze: Sie f&uuml;hrt auch noch zwei betroffene Figuren auf einem dritten Kontinent zusammen, l&auml;sst sie gemeinsame Jahre in einem indischen Ashram verbringen, ohne dass sie wissen, was sie miteinander verbindet. Erst am Schluss des Romans, als gar noch eine dritte, ebenfalls Betroffene zu diesem Ort reist und ihre Lebensgeschichte erz&auml;hlt, wird die unerh&ouml;rte Parallelit&auml;t paradoxerweise glaubhaft.<br /><br />Es ist Sonntag, der 17. Oktober 1999; wir befinden uns auf einem Landgut in Santiago de Chile und gleichzeitig in einer noblen Villa in Wallingford, Pennsylvania. Dieser au&szlig;ergew&ouml;hnliche Tag hat zwei Vorgeschichten.<br /><br />Nahuel ist ein reicher chilenischer Landgutbesitzer mit vielen P&auml;chtern und Arbeitern, die zusammen mit ihren Familien auf seinem riesigen Areal leben. Nach dem Tod seiner geliebten Frau Rosalina hat Nahuel Elisa geheiratet, eine r&ouml;misch-katholische, erzkonservative Pinochet-Anh&auml;ngerin, die er schon aus Kindertagen kennt. Gab es jemals Liebe zwischen ihnen, oder bot sich Nahuel nur eine g&uuml;nstige M&ouml;glichkeit, f&uuml;r seine Tochter Francesca eine f&uuml;rsorgliche Mutter zu gewinnen? Jedenfalls stehen die beiden einander in ihren Lebenseinstellungen und politischen Ansichten diametral und unvereinbar gegen&uuml;ber. Sexualit&auml;t findet so gut wie nie statt. Elisa l&auml;sst die Prozedur ohne Gegenwehr, aber angewidert &uuml;ber sich ergehen; sie will das Gebot der katholischen Kirche, nur zur Fortpflanzung erhalte der Akt den g&ouml;ttlichen Segen, unbedingt einhalten und wird &uuml;berdies von Horrorgeschichten &uuml;bergro&szlig;er, schmerzhafter m&auml;nnlicher Geschlechtsteile verfolgt.<br />Im Herbst 1994 reist Nahuel auf der Suche nach einem Weingut, mit dem er seinen Importhandel mit franz&ouml;sischen Weinen erweitern kann, in die Provence. Dort trifft er die charmante Franz&ouml;sin Juliette und findet bei ihr all das, was seiner Ehe fehlt. Die beiden erleben eine tiefe Zuneigung f&uuml;reinander und schaffen es, trotz der gro&szlig;en Distanz &uuml;ber zwei Kontinente eine Beziehung aufzubauen und bis zum Schicksalstag 1999 aufrecht zu erhalten.<br /><br />In Wallingford lebt der angesehene Anwalt Joshua mit seiner Frau Alexa. Ihr liebevolles gemeinsames Familiengl&uuml;ck findet innerhalb von Minuten ein j&auml;hes Ende, als ihre vierj&auml;hrige Tochter bei einer simplen Mandelentfernung wegen eines Operationsfehlers verstirbt. Da packt beide ein Schmerz, der sie v&ouml;llig l&auml;hmt. Statt einander tr&ouml;stend beizustehen, sind sie zu keiner Umarmung f&auml;hig, k&ouml;nnen nicht weinen noch schreien. Eine Mauer richtet sich zwischen ihnen auf, sie ziehen sich in ihre Schneckenh&auml;user zur&uuml;ck. Alexa fl&uuml;chtet in Depressionen, und Joshua geht ihr aus dem Weg. Als er in einer Bar zuf&auml;llig auf ein junges Ding, Quinn, trifft, mit ihr ins Gespr&auml;ch kommt, sie ihn zu sich nach Hause einl&auml;dt, ist dies der Anfang einer f&uuml;r Joshua sexuell bestimmten Beziehung, w&auml;hrend Quinn angesichts seiner Geschenke, eines Hauskaufs und seines Versprechens, sich scheiden zu lassen, glaubt, sie habe die gro&szlig;e Liebe gefunden. Auch diese Beziehung endet abrupt an dem bewussten Tag des Jahres 1999.<br /><br />Elizabeth Subercaseaux hat mich mit ihrem Roman "Die Geliebten" total begeistert. Sie ist f&uuml;r mich eine absolute Neuentdeckung, die ich nicht mehr missen m&ouml;chte. Faszinierend sind die literarische Gestaltung und der Aufbau ihres Werks, wenngleich ein wenig Konzentration vonn&ouml;ten ist, wenn die Autorin in relativ kurzen Kapiteln zwischen Vergangenheit (1999 und davor) und Jetztzeit (2008) und zwischen verschiedenen Handlungsorten springt. In st&auml;ndigem Wechsel l&auml;sst sie die diversen Figuren, die die Handlung tragen oder folgenschwer beeinflussen, aus ihren Perspektiven berichten. Diese Erz&auml;hlungen gestaltet die Autorin derart intensiv, dass die spezifischen Eigenschaften jedes Erz&auml;hlers sich in der Art seiner Darstellung ganz deutlich herauskristallisieren. Quinn beispielsweise beginnt so: "Sie fragen mich, wie mein Leben aussah ...?" (S. 7) und spricht damit scheinbar den Leser an, den sogleich Neugier erfasst - bis er erkennt, dass sie ihre emotionalen Schmerzen mitteilen, ihre Geschichte aufarbeiten muss, weil sie sonst nicht weiterzuleben f&auml;hig w&auml;re - und dass sie sich dazu regelm&auml;&szlig;ig mit ihrem eigentlichen Zuh&ouml;rer trifft: "Also bis Donnerstag ..." (S. 146).<br /><br />Oder beobachten wir Prudencia, wie sie Elisa auf dem Landgut zur Seite steht: Fast nonnengleich gibt sie in ihren Bibelstunden moralapostolische Lebenshilfe, schreibt den Angestellten vor, wie sie sich gottgef&auml;llig zu verhalten haben, mischt sich dabei in das Sexualleben der Angestellten ein. Jede Verfehlung l&auml;sst sie sich zutragen, f&uuml;hrt Buch dar&uuml;ber und nimmt sich das -allenfalls Nahuel zustehende - Recht heraus, langj&auml;hrige zuverl&auml;ssige und treue Mitarbeiter des Gutes zu verweisen, weil sie deren "Abartigkeiten" (wie au&szlig;erehelichen Geschlechtsverkehr, Abtreibung u.&auml;.) weder tolerieren noch unges&uuml;hnt lassen kann. Solch Gottlose m&uuml;ssen verschwinden, ehe sie das Seelenheil der anderen gef&auml;hrden. Ihre herrische, selbstherrliche und selbstgerechte Haltung sp&uuml;rt man in ihren Worten deutlich - und zuallererst in ihrem Leitspruch: "Gottes Hand ist &uuml;berall" (S. 95); sie selbst ma&szlig;t sich an, Gottes Hand zu sein.<br /><br />Zwar beginnt der Roman mit Quinns vielen Fragen relativ locker, spritzig und unterhaltsam, doch schon bald ahnt man etwas unbestimmt Bedrohliches, bis sich langsam ein Gef&uuml;hl der Beklemmung einschleicht und immer dr&auml;ngender die Frage aufkeimt, wohin der Roman wohl zielt, welches Desaster sich anbahnt, wie es zuschlagen wird ... Unglaublich, unfassbar, was Elizabeth Subercaseaux da erschaffen hat!<br /><br />Mit meinen allerbesten Empfehlungen: Lassen Sie sich diesen Roman nicht entgehen!<br /><br />Dieses Buch wurde in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-elizabeth-subercaseaux-die-geliebten.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3866122713/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3866122713" target="_blank">"Die Geliebten" von von Elizabeth Subercaseaux bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3866122713" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[03.01.2012 16:44: Der Oligarch von Daniel Silva]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-daniel-silva-der-oligarch.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-daniel-silva-der-oligarch.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/506.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Oligarch von Daniel Silva"></a>
							<h2>03.01.2012 16:44: Der Oligarch von Daniel Silva</h2>
							<h3>Wer nicht vor Angst umkommen will, muss sich wehren!</h3>
							<p><small>Rezension vom 03.01.2012 16:44<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Das Wort "Oligarch" kommt aus dem Griechischen und bezeichnet dem Wortsinn nach "einen von wenigen Herrschenden". Meistens meint man damit aber einen Wirtschaftsboss, der auf Grund seines Reichtums ein Land inoffiziell beherrscht - und denkt dabei an Russland. Dort spielt auch Daniel Silvas achter Spionagethriller, dessen Handlung die seines Bestsellers "<a href="rezension-daniel-silva-das-moskau-komplott.htm" target="_blank">Das Moskau-Komplott</a>" von 2010 fortsetzt. Der titelgebende Oligarch hei&szlig;t Iwan Charkow, ist einer der gef&uuml;rchtetsten M&auml;nner Russlands, verehrt Stalin und verdankt sein Milliardenverm&ouml;gen dem Waffenhandel mit terroristischen Regimes und menschenverachtenden Diktatoren, die durch internationalen Boykott ge&auml;chtet werden. Mit dem Segen des korrupten russischen Ministerpr&auml;sidenten versehen, braucht er keine Strafverfolgung zu f&uuml;rchten. Zu seiner pers&ouml;nlichen Sicherheit ist er von einer Gruppe ehemaliger KGB-Agenten umgeben, die auch die Drecksarbeit f&uuml;r ihn erledigen.<br /><br />Gegner hat er jedoch sogar in seinem engsten Kreis: Seine Frau Elena agiert gegen ihn - und setzt damit ihr Leben aufs Spiel. Schwer geschw&auml;cht und pers&ouml;nlich getroffen wird Charkow durch Gabriel Allon, den Top-Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad. In Zusammenarbeit mit dem englischen und amerikanischen Geheimdienst verhilft er Elena und den beiden Kindern zur Flucht in den Westen. Dabei unterl&auml;uft Allon, dem sonst skrupellosen Killer, aber ein folgenschwerer Fehler: Er l&auml;sst Charkow am Leben, und nun muss er dessen Rache f&uuml;rchten. Das wusste schon Niccol&ograve; Machiavelli vor f&uuml;nfhundert Jahren: "Muss einem Mann eine Verletzung zugef&uuml;gt werden, sollte sie so schwer sein, dass seine Rache nicht zu f&uuml;rchten ist." Diese Weisheit hat Silva seinem Roman als Leitspruch nicht umsonst vorangestellt ...<br /><br />Bevor Charkows Leute sich Allon vorkn&ouml;pfen, m&uuml;ssen erst noch andere herhalten. Zun&auml;chst entf&uuml;hren sie mit einem ganz sch&auml;bigen Trick den Dissidenten und Ex-Agenten Bulganow. Der war fr&uuml;her Charkows Vertrauter gewesen, hatte ihn dann aber verraten und finanziell schwer gesch&auml;digt und f&uuml;hlte sich jetzt in London allzu sicher, pr&auml;sentierte sich der &Ouml;ffentlichkeit, arbeitete an einem investigativen Buch gegen die Sowjets (einschlie&szlig;lich Charkow) mit - und war mit von der Partie, als Gabriel Allon Elena samt ihrer Kinder auf abenteuerliche Weise aus Russland herausschleuste. Verr&auml;ter erwartet in diesen Kreisen die H&ouml;chststrafe: entsetzliche Folterungen, Genickschuss, anschlie&szlig;end Verscharren in einem namenlosen Erdloch. Dies trifft Gabriel Allon zutiefst, denn er hatte Bulganow versprochen, dass er niemals so enden w&uuml;rde.<br /><br />Dann geht es Allon an den Kragen, und dabei setzt Charkow aufs Ganze. Als gr&ouml;&szlig;tes Druckmittel l&auml;sst er Allons Frau Chiara entf&uuml;hren und hat damit ein Pfand, das er nur im Tauschhandel gegen seine beiden Kinder zur&uuml;ckgeben wird, wie er Allon durch seine Mittelsm&auml;nner wissen l&auml;sst.<br /><br />Was sich so als einfacher Plot liest, hat Daniel Silva in einen knallharten, h&ouml;chst komplexen Spionagethriller mit vielen Schaupl&auml;tzen und Aktionen verwoben. Der Autor l&auml;sst uns Leser in eine andere Welt eintauchen: die der schwer bewaffneten Sicherheitsdienste und der autonomen Geheimdienste - MI5, MI6, CIA, Mossad, KGB - mit ihren eigenen Regeln und Gesetzen. Egal, ob in Frankreich, der Schweiz, Gro&szlig;britannien, Italien, Israel, der Sowjetunion, wir begegnen hier nur noch Menschen, die offenkundig v&ouml;llig anders gepolt sind als all die Normalb&uuml;rger um sie herum. &Uuml;ber viele Jahre dienen sie im Geheimen ihrem Land, verteidigen es, sichern Politiker und deren weltweite Gipfeltreffen, egal mit welcher Identit&auml;t und nach welchen Methoden. Ihre Ausbildung hat sie zu funktionierenden Maschinen gemacht, die zu jeder Zeit einsatzbereit sind und, wenn es der Sache dient, unvorstellbar foltern und hemmungslos t&ouml;ten k&ouml;nnen. Dabei arbeiten die Agenten aller L&auml;nder je nach internationaler Lage mal miteinander, mal gegeneinander. Sie unterhalten Beziehungen bis in allerh&ouml;chste politische &Auml;mter, sie l&uuml;gen, betr&uuml;gen, schmieren mit viel Geld, entwickeln raffinierteste Pl&auml;ne.<br /><br />In Silvas Roman richten sich alle Aktionen - unter Allons Leitung mit seinem israelischen Team - gegen Russen. Tief ist ihr Hass verwurzelt, seit Stalins Schergen Tausende von Juden in grausamsten Massakern hingemetzelt hatten. Heute bedrohen Russen Israels Existenz, indem sie ganz offensichtlich terroristische Gruppierungen gew&auml;hren lassen, decken oder unterst&uuml;tzen - so wie Charkows Machenschaften, die Brutalit&auml;ten wie die Gefangennahmen Chiaras und Bulganows einschlie&szlig;en. In der erbarmungslosen Gegenwehr reagieren Allon und seine M&auml;nner ebenfalls mit den &auml;u&szlig;ersten Mitteln, foltern und t&ouml;ten sadistisch. Der Leser, im Bann &auml;u&szlig;erster Spannung, empfindet dies als richtig, gerechtfertigt und gerecht.<br /><br />Doch hat mich der bis zur Perfektion konstruierte Agententhriller &uuml;ber den Oligarchen ins Gr&uuml;beln gebracht, wie leicht man der einen Seite - der der "Guten" - die &uuml;belsten kriminellen Handlungen zugesteht und genau die gleichen Aktivit&auml;ten auf der gegnerischen Seite - der der "B&ouml;sen" - auf heftigste verurteilt. Nach Moral und Menschlichkeit darf man nicht fragen, wenn es um internationale Auseinandersetzungen geht ...<br /><br />Was die literarische Gestaltung betrifft, w&uuml;nschen wir Leser uns nat&uuml;rlich von einem Thriller, dass er uns thrillt, also emotional fesselt; dazu m&uuml;ssen wir uns identifizieren, mit den Protagonisten durch Gef&uuml;hlst&auml;ler und -h&ouml;hen fiebern k&ouml;nnen - und zu diesem Zweck muss ein Autor f&uuml;r eine Seite Partei nehmen, um uns dorthin zu ziehen. Mit Gerechtigkeit, Fairness und Moral hat das nichts zu tun.<br /><br />Bestsellerautor Daniel Silva fesselt den Leser in der Tat von der ersten bis zur letzten Seite in gleichbleibend ruhigem, unaufgeregtem Sprachstil. Wer dieses Genre liebt, wird bestens unterhalten. Sein Hauptprotagonist, der Israeli Gabriel Allon, kann zur T&ouml;tungsmaschine werden, ist aber auch mit menschlichen Z&uuml;gen ausgestattet. Mit Hingabe besucht er seine erste Frau, die seit der Ermordung ihres gemeinsamen Sohnes v&ouml;llig apathisch in einer Psychiatrie lebt. Mit seiner zweiten Frau Chiara m&ouml;chte er sich gern in eine Privatsph&auml;re zur&uuml;ckziehen, ein Kind gro&szlig;ziehen und sich nur seinem Hobby, dem Restaurieren alter &Ouml;lgem&auml;lde, widmen. Wenn aber sein Land nach ihm ruft, so steht er loyal bis zur Selbstaufgabe bereit. Wird es ein n&auml;chstes Mal geben?<br /><br />"Der Oligarch" l&auml;sst an Themen und Motiven nichts zu w&uuml;nschen &uuml;brig: Korruption, Mafia, Erpressung, Brutalit&auml;t, Kaltbl&uuml;tigkeit, Verrat, Liebe, Treue ... Die Aktivit&auml;ten der Geheimdienste sind bis in kleinste Details bestens recherchiert und durchdacht sowie logisch &uuml;berzeugend erz&auml;hlt. Fasziniert erfahren wir, was High-tech zu bieten hat, um den Gegner zu lokalisieren, ihn anschlie&szlig;end rundum zu &uuml;berwachen und abzuh&ouml;ren. Wir haben keinen Grund, an der Authentizit&auml;t zu zweifeln: In jener anderen Welt wird es wohl so zugehen wie beschrieben, wenn nicht noch schlimmer ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-daniel-silva-der-oligarch.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3866122624" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[31.12.2011 14:37: Alles voller Hoffnung von Renate Dorrestein]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-renate-dorrestein-alles-voller-hoffnung.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-renate-dorrestein-alles-voller-hoffnung.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/505.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Alles voller Hoffnung von Renate Dorrestein"></a>
							<h2>31.12.2011 14:37: Alles voller Hoffnung von Renate Dorrestein</h2>
							<h3>Igor, niemand ist so besonders wie du!</h3>
							<p><small>Rezension vom 31.12.2011 14:37<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Oma Nettie sitzt in der U-Bahn auf dem Weg nach Hause. Sie war noch kurz bei Stanley, der einen Schnellimbiss f&uuml;hrt. Hier kauft sie oft f&uuml;r sich und Igor ein, teilt Stanley ihre Sorgen mit. Der hat gut reden, denkt sie nun, "Pff, als wenn das Leben so einfach gestrickt w&auml;re!" (S. 256).<br /><br />Nettie ist 56 Jahre alt. Seit fast zwei Jahrzehnten drehen sich ihre t&auml;glichen Sorgen nur um eine Person: Igor. Er ist der Sohn ihrer Tochter Jolie, die mit 16 von zu Hause abgehauen, auf die schiefe Bahn geraten, mit Drogen und Kriminalit&auml;t in Kontakt geraten und obdachlos geworden ist - und die einen behinderten Jungen, Igor, geboren hat.<br /><br />Als Igor f&uuml;nf Jahre alt war, beschloss das Sozialgericht, Jolie das Sorgerecht zu entziehen. Da Nettie einen festen Arbeitsplatz als Toilettenfrau nachweisen konnte, wurde Igor ihr zugesprochen. Nach dem Prozess spuckte Jolie ihre Verachtung Nettie ins Gesicht; sie w&uuml;rden einander nie mehr wiedersehen.<br /><br />Nach all den Jahren hat Nettie ihrer Tochter verziehen, sieht sogar Fehler bei sich selber - war sie doch als junges Ding voll der Hippie, tr&auml;umte davon, mit einem umgebauten VW-Bus nach Indien zu reisen, war immer aufs&auml;ssig, ein querk&ouml;pfiger Teenager, der auch von zu Hause ausriss. Vielleicht hatte sie Jolie vernachl&auml;ssigt, ihr nicht alles gegeben.<br /><br />Jetzt muss Nettie Jolie wiederfinden, um ihr von Igor zu berichten, der, seit er 16 Jahre alt ist, in einer Behindertenwerkstatt sein eigenes Geld verdient. Eine kurze Zeit hatte er sogar eine Freundin, Lisa, die ein kleines Baby mitbrachte und bei ihnen wohnte. Lisa hatte einen Fahrradunfall gehabt, im Koma gelegen und ist seither hirngesch&auml;digt. Aber was tut Oma Nettie nicht alles, nur Igor zuliebe - auch wenn sie sich so ihre Gedanken macht: Es stinkt ihr, dass sie nun "zwei von der Sorte" und obendrein ein Baby in ihrer Wohnung hat. Und hat Lisa ihren Igor wom&ouml;glich nur ausgenutzt, um einen Schlafplatz zu finden? Vorher lebte sie bei der Heilsarmee und verkaufte Obdachlosenzeitungen.<br /><br />Renate Dorrestein l&auml;sst uns in eine Welt eintauchen, die den meisten v&ouml;llig fremd sein wird. Ihre Protagonisten sind vom Leben gebeutelt und geh&auml;rtet, leben gen&uuml;gsam auf unterstem Sozialniveau, haben ein einfaches Gem&uuml;t und einfache Gedanken, aber ihre Menschlichkeit bewahrt. Dabei steht Nettie im Mittelpunkt. Ihre Arbeitskolleginnen in der Toilettenabteilung sind, neben Stanley, ihre einzigen "normalen" Gespr&auml;chspartner, aber eine geistige Bereicherung k&ouml;nnen sie ebenso wenig sein wie ein kritisches Korrektiv ihrer Vorstellungen und Pl&auml;ne.<br /><br />Nettie nimmt ihre schwere Aufgabe voller Ehrlichkeit und Aufopferungsgabe an. Sie ist gl&uuml;cklich, ihr einziges Lebensziel erreicht zu haben: Igor muss nicht eingesperrt oder in einem Heim untergebracht leben, wenngleich er schon mal Dinge missverstehen und in seiner Wut alles kurz und klein schlagen kann. Jetzt ist er tags&uuml;ber betreut und baut voller Stolz Wohnmobile zusammen.<br /><br />Igor beobachtet seine Umwelt und teilt sich dem Leser in einfachen S&auml;tzen aus seiner Perspektive und in seiner individuellen Logik mit. Als er zehn Jahre alt ist, fragt er: "Oma, gibt es noch so einen wie mich?" (S. 35). Bemerkt er tats&auml;chlich, dass er anders ist? Trotz seiner geistigen Behinderung gelangt er zu frappierenden Einsichten: "Vorausdenken macht gl&uuml;cklich, zur&uuml;ckdenken nicht." "Man muss nur immer klaren Kopf behalten." (S. 25). Wie jeder andere Mensch sehnt er sich nach Liebe, braucht Sex, empfindet Trauer. Insbesondere Bobbie, seiner ersten und einzigen wahren (platonischen) Liebe, trauert er nach. Sie arbeitete nur kurz in der Werkstatt, hielt den L&auml;rm und die vielen Menschen um sie herum nicht aus und ging wieder fort. Vielleicht gibt es eines Tages ein Wiedersehen ...<br /><br />Nettie hat es Stanley zu verdanken, dass man ihren Igor nicht verhaftet und wegsperrt. Stanley hat die Sache mit Lisa, Igor und dem Baby von Anfang an richtig eingesch&auml;tzt. Ohne gro&szlig;e Worte geht er den Weg auf Igors Weise mit ihm zur&uuml;ck und bringt die Angelegenheiten zu einem guten Ende ... Dann kann er Nettie berichten, was sich damals wirklich zutrug - und wovon sie keinen Schimmer hatte.<br /><br />Renate Dorresteins Roman "Alles voller Hoffnung" macht Mut und gibt "Hoffnung", dass es immer einen Weg gibt, und wenn es auch nur ein ganz kleiner Lichtschimmer ist, der diesen vom Schicksal hart getroffenen Menschen Sonne bringt.<br /><br />Trotzdem f&auml;llt es mir schwer, dieses Buch so ganz ohne Kritik abzulegen. Mir fehlt es darin an Differenzierung. Nettie ist ein solcher Gutmensch, dass sie jede Herausforderung annimmt und daf&uuml;r ihr eigenes Ich restlos aufgibt, und das ist mir denn doch zu einseitig oder klischeehaft. Auch Nettie steht einmal ein Ausraster zu ...<br /><br />Literarisch absolut &uuml;berzeugend gelingt es der Autorin, sich in Igor hineinzuversenken. Die Gestaltung seines Handelns und seiner immer wieder verbl&uuml;ffenden Gedanken k&ouml;nnte einen Behinderten kaum sensibler, respektvoller und authentischer portr&auml;tieren und ist weit davon entfernt, ihn auch nur ansatzweise als minderwertig abzuqualifizieren.<br /><br />Renate Dorrestein wurde 1954 in Amsterdam geboren, arbeitete zun&auml;chst als Journalistin und geh&ouml;rt heute zu den bedeutendsten niederl&auml;ndischen Autorinnen. Mehrere ihrer Romane wurden f&uuml;r wichtige niederl&auml;ndische Literaturpreise nominiert.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-renate-dorrestein-alles-voller-hoffnung.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[29.12.2011 12:39: Das Meer in Gold und Grau von Veronika Peters]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-veronika-peters-das-meer-in-gold-und-grau.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-veronika-peters-das-meer-in-gold-und-grau.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/504.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das Meer in Gold und Grau von Veronika Peters"></a>
							<h2>29.12.2011 12:39: Das Meer in Gold und Grau von Veronika Peters</h2>
							<h3>If I could save time in a bottle</h3>
							<p><small>Rezension vom 29.12.2011 12:39<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Katia zieht am Morgen die Vorh&auml;nge auf und schiebt ihrer Tante Ruth ein Kissen in den R&uuml;cken. Mit letzter Kraft nimmt Ruth die Sonne wahr, die &uuml;ber der Ostsee ihr besonderes Licht durch die Wolken bricht. "Gold und Grau" sind Ruths letzten Worte, dann schlie&szlig;t sie ihre vom Morphium getr&uuml;bten Augen. In der folgenden Nacht stirbt die alte Dame.<br /><br />Katia, ihre Nichte, hatte sie in den letzten Wochen nicht mehr allein gelassen, einen Gro&szlig;teil der Pflege &uuml;bernommen. "If I could save time in a bottle " summt sie ab und an. Jetzt, wo alles ein Ende hat, erkennt die 30-j&auml;hrige, was Leben wirklich ausmacht, worauf es ankommt; in einem Jahr ist sie zur erwachsenen Frau gereift.<br /><br />Katia hatte Hamburg fluchtartig verlassen. Sie hatte einen Job als Kinderm&auml;dchen in einem noblen Haushalt. Als Frau Professor sie in flagranti mit ihrem Ehemann erwischt, kann Katia ihre Koffer packen. Sie ist gefeuert ...<br /><br />Erst mal weg, Tapetenwechsel, alles verdr&auml;ngen. Tante Ruth, Vaters Halbschwester, war in Katias Familie nie ein Thema gewesen. Der Gro&szlig;vater hatte sie in der Familie seiner Schw&auml;gerin aufwachsen lassen, als er erneut heiratete. Nach seinem Tod vererbte er Ruth ein ehemaliges, inzwischen v&ouml;llig heruntergekommenes Gasthaus aus den drei&szlig;iger Jahren direkt hinter den D&uuml;nen an der Ostsee. Damals war Tante Ruth 30 Jahre alt.<br /><br />Mit Rucksack bepackt macht sich Katia auf den Weg zu einem Wochenende an der Ostsee. Nur mit M&uuml;he findet sie das kleine Hotel mit dem paradiesischen Namen "Palau" zwischen den D&uuml;nen direkt am herrlichen Sandstrand. Es ist ein st&auml;ndig reparaturbed&uuml;rftiges Haus, das den St&uuml;rmen mit M&uuml;he trotzt. Aus dem Wochenende wird ein Aufenthalt von einem Jahr. Katia wird im kleinen Schwalbennestzimmer unterm Dach logieren, Putzarbeiten &uuml;bernehmen und sp&auml;ter im Strandcaf&eacute; bedienen.<br /><br />Die Autorin Susanne Peters beschreibt mit Liebe zum Detail ein Haus voller Nippes, B&uuml;chern, M&ouml;beln, Teppichen, Gem&auml;lden, ein antiquiertes und antiquarisches Sammelsurium verschiedener Herk&uuml;nfte und Zeiten. Ein Ort mit zw&ouml;lf ganz individuell gestalteten Zimmern, einer Kaj&uuml;te, in der Tee, Bier, Schnaps geschl&uuml;rft und dazu Salziges aus dem Hause &Uuml;ltje zum Knabbern gereicht wird, sowie einem Gemeinschaftsraum mit Fernseher f&uuml;r alle G&auml;ste. Der Muff der Zeit, der knarzende Boden, dazu jede Menge herumlungernde Katzen sorgen f&uuml;r eine Atmosph&auml;re von besonderem Charme. Als erstes lernt Katia einen n&ouml;rgelnden alten Mann kennen, der sich sp&auml;ter als Dauergast Heinrich vorstellt. Er ist nicht der einzige, der das Rentenalter &uuml;berschritten hat: Wirtin, Koch, K&uuml;chenhilfe, Putzfrau - eine Alten-WG, die hier ihr Gnadenbrot erh&auml;lt? Doch damit liegt Katia v&ouml;llig daneben. Unter Leitung ihrer Tante Ruth nebst Gesch&auml;ftpartnerin Elisabeth, einer Adligen, sind alle quirlig, flei&szlig;ig und gut beisammen. Sie f&uuml;hren einen Ganzjahresbetrieb, in dem ganz bewusst an althergebrachten Traditionen festgehalten wird.<br /><br />Kaum vorstellbar, wie Katia, eine Punkerin mit w&uuml;stem Haarschnitt und entsprechenden Klamotten, in diese Truppe passen soll. Sie bleibt f&uuml;r alle die Kleine, das Fr&auml;uleinchen, das sich bevormunden lassen muss, denn die Alten sind ihr um Jahrzehnte an Lebenserfahrung voraus und lassen sich nicht reinreden, von wegen Computer und all diesem amerikanischen Zeugs. Mit Tante Ruth, die ein Morgenmuffel ist, eckt das bem&uuml;hte M&auml;del h&auml;ufig an. Ruth besitzt die "Freundlichkeit einer Rasierklinge", ihre klaren Ansagen treiben Katia fast aus dem Haus. Eine Tafel Schokolade auf ihrem Kopfkissen nimmt sie als Vers&ouml;hnungsgeste an und beschlie&szlig;t, doch zu bleiben.<br /><br />Veronika Peters hat in ihrem sehr emotionalen Roman, gew&uuml;rzt mit einer Prise Humor, zwei weit auseinander liegende Generationen zusammengef&uuml;hrt. Oft neigt der Leser dazu, die Attit&uuml;den dieser leicht verschrobenen Alten zu bel&auml;cheln, aber dann merkt er schnell, wie unrecht er ihnen damit tut. Sie beweisen Kraft und St&auml;rke. Ihr Leben ist gepr&auml;gt von Jahren des &Uuml;berlebenskampfes, oft bei knapper Kasse. Sie hatten immer nur ein Ziel: ihr Erreichtes, das kleine "Palau", gegen alle Unbilden des rauen Klimas zu bewahren. Bald ist das Hotel, dem die Stammg&auml;ste mit den Jahren wegsterben und das junge Leute nicht anspricht, auch finanziell nicht mehr zu halten.<br /><br />Besonders behutsam und zartf&uuml;hlend geht die Autorin auf die Beziehung zwischen der ewig grantigen Tante Ruth und Katia ein, die als Kind von einer Mutter auf Selbstfindungstrip kaum Herzensw&auml;rme gesp&uuml;rt hat. Hinter der harten Schale der Tante steckt ein weicher Kern. Niemandem hat sie anvertraut, dass sie bald sterben wird; doch dr&uuml;ckt sich ihre &uuml;bergro&szlig;e Angst in ihrem Verhalten aus. Sp&auml;ter wird es Katia schmerzen, dass sie die kleinen Zeichen nicht bemerkt hatte. Doch Tante und Nichte bewegen sich aufeinander zu. Vertrauen, Liebe, aufopfernde Hingabe sind starke Gef&uuml;hle und Bindungen, die ihre letzten Tage miteinander bestimmen und ganz ohne Kitsch und Pathos beschrieben werden. Nun ist Ruth gegangen - und sie hat eine Spur hinterlassen, von der Katia "gerne einen Gipsabdruck h&auml;tte" (S. 9). "C'est la vie", einer von Tantes vielen Leitspr&uuml;chen, klingt in Katias Ohr ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-veronika-peters-das-meer-in-gold-und-grau.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[23.12.2011 17:05: Spinnen, Blut &amp; Champagner von Moritz E. Wigand]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-moritz-e-wigand-spinnen-blut-und-champagner.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-moritz-e-wigand-spinnen-blut-und-champagner.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/502.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Spinnen, Blut &amp; Champagner von Moritz E. Wigand"></a>
							<h2>23.12.2011 17:05: Spinnen, Blut &amp; Champagner von Moritz E. Wigand</h2>
							<h3>Spinne am Faden - Ihr Glücksbringer für das Neue Jahr</h3>
							<p><small>Rezension vom 23.12.2011 17:05<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Schade - nach 84 Seiten ist die kurzweilige, abwechslungsreiche, teils &auml;u&szlig;erst am&uuml;sante Unterhaltung zu Ende, und der Autor verabschiedet sich, um in eine psychiatrische Klinik in S&uuml;ddeutschland zu fl&uuml;chten.<br /><br />Zwar lebt im Volksmund immer noch das Klischee, viele Psychiater seien selber nicht ganz klar im Kopf, doch keine Sorge - der Arzt Dr. Moritz E. Wigand macht auf mich einen sehr gesunden Eindruck, beweist er doch scharfes Beobachtungsverm&ouml;gen, eine spitze Zunge und eine ebensolche Feder. W&auml;hrend seines Medizinstudiums an der Berliner Charit&eacute; hat er zwischen 2006 und 2008 kurze Kolumnen f&uuml;r die Rheinische Post gedrechselt, in denen er das studentische Leben und Treiben - sein eigenes und das seiner Kommilitonen - kritisch und witzig beleuchtete. 33 davon hat der kleine BlueStar-Verlag jetzt in einem B&auml;ndchen zusammengefasst.<br /><br />Die ein bis zwei Seiten umfassenden Schlaglichter bringen auf den Punkt, was Wigand an der Alma mater erlebt hat, und auf den Tisch, was er frank und frei ausplaudern m&ouml;chte.<br /><br />Die meisten seiner Kommilitonen - er selber nicht ausgenommen - haben sich f&uuml;r das Studium der Medizin entschieden, weil sie an einem Helfersyndrom leiden. Je l&auml;nger das Studium dauert, je mehr Fachbereiche sie durchlaufen, desto empfindsamer werden sie, desto mehr bilden sie sich ein, von eben den Symptomen befallen zu werden, die gerade im Institut thematisiert oder bei Patienten diagnostiziert werden. Wir verstehen jetzt, was f&uuml;r einen Kraftakt das Medizinstudium darstellt, wenn ein hypochondrisch veranlagter angehender Medicus in den mehr als sechs Jahren seiner Ausbildung nahezu vierhundert Krankheiten durchleidet ...<br /><br />Der Autor, 1982 geboren, betont, er lege keinen Wert auf &Auml;u&szlig;erlichkeiten. Doch so ganz nehme ich ihm das nicht ab. Wie sein Foto (auf Seite 87) beweist, stylt er seine Haare mit F&ouml;hn und Haargel im klassischen Out-of-bed-look und tummelt sich begeistert mit seiner Kamera zwischen Mannequins und Models auf der Modemesse in Paris.<br /><br />Obwohl der stud. med. Wigand sein Studium ernst nimmt, ist er doch ein entspannter Typ, der selbst in Pr&uuml;fungsphasen f&uuml;r ein Konzert alles liegen und stehen l&auml;sst. F&uuml;r seine Freunde, seine Gitarre und Literatur des 19. Jahrhunderts findet er immer Zeit. Zwischendurch driftet er in Tagtr&auml;ume ab. Als Alternative zu seinem angestrebten Ziel k&ouml;nnte er sich ein Leben als "fairer" Kaffeeh&auml;ndler auf einem gro&szlig;en Segelschiff auch gut vorstellen. Nur den Segelschein m&uuml;sste er halt noch machen ...<br /><br />Nur ein intelligenter junger Mensch mit wachem Geist und mancherlei Talenten kann so humorvoll und satirisch-spitz wiedergeben, was er an Kuriosit&auml;ten im Umgang mit seinen Mitmenschen erlebt hat, zum Beispiel w&auml;hrend seiner Auslandspraktika. Studenten, die sich schwer mit Fremdsprachen tun, empfiehlt er, ihr Praktikum im Fach Chirurgie zu w&auml;hlen, denn das sei doch ein Arbeitsfeld ohne Sprache, dem Eintritt in einen Schweigeorden vergleichbar. Und so erfahren wir auch, was ein "Pferdepimmel" mit Champagner zu tun hat, warum britische &Auml;rzte Krawatten statt Kittel tragen, dass es solche und solche Chef&auml;rzte gibt und warum man dem deutschen Gast-Studenten auf dem amerikanischen Campus "Bill Gates" hinterher ruft ...<br /><br />Jetzt muss ich mich echt im Zaume halten, damit ich Ihnen nicht noch mehr D&ouml;nnekes verrate, denn schlie&szlig;lich wollen Sie das B&uuml;chlein ja vielleicht noch selber lesen - oder es verschenken. Sie werden jedem eine Freude damit machen, nicht nur Medizinern.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-moritz-e-wigand-spinnen-blut-und-champagner.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[22.12.2011 13:21: Die wir am meisten lieben von Nicholas Evans]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-nicholas-evans-die-wir-am-meisten-lieben.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-nicholas-evans-die-wir-am-meisten-lieben.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/501.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die wir am meisten lieben von Nicholas Evans"></a>
							<h2>22.12.2011 13:21: Die wir am meisten lieben von Nicholas Evans</h2>
							<h3>Semper fortis</h3>
							<p><small>Rezension vom 22.12.2011 13:21<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>"SEMPER FORTIS" ("allzeit stark") - das ist der Leitspruch des englischen Internats, in dem Tommy endlich durch H&auml;rte gest&auml;hlt werden soll. Keinen Leser wird kalt lassen, was der sensible Schw&auml;chling, Bettn&auml;sser und N&auml;gelkauer durchleidet, wenn ihn seine eher d&uuml;mmlichen Klassenkameraden mit ekligsten Methoden mobben, wenn der Schulleiter und der gef&uuml;rchtetste Lehrer ihn pr&uuml;geln und der Gepeinigte sich anschlie&szlig;end noch bedanken muss. Wie k&ouml;nnte er es wagen, seinen Eltern davon zu erz&auml;hlen? Die Angst vor weiteren Drangsalierungen schn&uuml;rt ihm die Kehle zu, versperrt ihm jeglichen Ausbruchsversuch.<br /><br />Tommys einzige Vertraute ist seine &auml;ltere Schwester Diane, die aus eigener Erfahrung wei&szlig;, was ihr Bruder durchsteht. Die sehr h&uuml;bsche junge Frau hat gerade in London eine Schauspielkarriere begonnen und ist in der Lage, ihm die Liebe zu geben, die ihm seine ungew&ouml;hnlich alten Eltern nicht zeigen k&ouml;nnen.<br /><br />Zum Shootingstar der Filmbranche geworden, lernt Diane den Schauspieler Ray kennen und holt Tommy, wie versprochen, in eine sichere Existenz nach Los Angeles. Hier besucht er eine Schule, tummelt sich oft auf den Filmsets, ist stolz auf seine viel gefragte Schwester, lernt einen Blackfeet-Indianer kennen, der die gef&auml;hrlichen Stunts f&uuml;r Ray spielt. Schon als kleiner Junge hatte sich Tommy nur f&uuml;r Western und deren Helden interessiert und regelm&auml;&szlig;ig die einschl&auml;gigen TV-Serien verfolgt - nun ist er Teil dieser Traumwelt geworden. Bei Cal lernt er reiten. Findet er jetzt also sein "Gl&uuml;ck auf dem R&uuml;cken der Pferde"?<br /><br />Im Gegenteil. Der Horror f&auml;ngt erst an. Nachdem Diane und Ray geheiratet haben, wird ihre urspr&uuml;nglich intensive Liebesbeziehung immer mehr von heftigsten, lautstarken Streitereien belastet. Ray kann nicht ertragen, dass Regisseure und Journalisten behaupten, er sei unf&auml;hig, w&auml;hrend Diane weiterhin Erfolge feiert. Von Eifersucht geplagt, verf&auml;llt er dem Alkohol und anderen Drogen. Die Situation spitzt sich zu und endet in einer Katastrophe, in die auch Tommy involviert ist.<br /><br />Diese Ersch&uuml;tterungen werfen Tommy restlos aus der Bahn, und auch endlose Therapien k&ouml;nnen ihm kaum Halt geben. Er heiratet Gina, aber traumatisiert, wie er ist, kann er ihr kein Lebenspartner sein. Die beiden trennen sich wieder, und seinen Sohn Danny lernt er kaum kennen. Erst als F&uuml;nfzigj&auml;hriger findet Tommy langsam seinen inneren Frieden, indem er an einem Dokumentarprojekt &uuml;ber Leben und Kultur der Blackfeet-Indianer arbeitet. Auch sein Alkoholproblem bekommt er in den Griff.<br /><br />Eines Tages erh&auml;lt er einen v&ouml;llig unerwarteten Anruf von seiner Exfrau Gina. Er erf&auml;hrt, dass Danny mittlerweile als Colonel der US-Marines, also einer Elitetruppe, im Irak stationiert war, wo er bei einem terroristischen Bombenanschlag in einer entscheidenden Sekunde falsch reagiert und unschuldige Menschen erschossen habe. Nun werde er vor ein Milit&auml;rgericht gestellt, und ihm drohe die Todesstrafe. Gina bittet Tommy um Hilfe ...<br /><br />"Die wir am meisten lieben" ist ein d&uuml;sterer Roman, der den Leser am Ende mit einem unguten Gef&uuml;hl entl&auml;sst. Tommy wuchs mit einer folgenschweren L&uuml;ge auf und muss viele Jahre lang ein furchtbares Geheimnis schweigend bewahren. Erst seinem erwachsenen Sohn Danny &ouml;ffnet er sich. Jedoch reicht es nicht aus, sich gegenseitig die Wahrheit anzuvertrauen - das allein kann keinen von seiner Schuld reinwaschen. Die S&uuml;hne bleibt aus.<br /><br />Nicholas Evans wurde durch seinen Bestseller "Der Pferdefl&uuml;sterer", der auch als Kinofilm erfolgreich war, ber&uuml;hmt. Nach wie vor stehen dem Autor Natur und Tierwelt besonders nahe, und so verwebt er diese Thematiken und Motive auch in seinem neuesten Roman mit denen der Western, der Cowboys und Indianer.<br /><br />Alle vier Protagonisten - der junge Tommy, die hoffnungsvolle Diane und Ray in den Handlungsstr&auml;ngen der Vergangenheit, dann, im Handlungsstrang der Gegenwart, Tommy als Erwachsener, eingebunden in den Prozess um seinen Sohn Danny - sind tragische Figuren mit bedr&uuml;ckenden Schicksalen. Alle verheimlichen etwas aus ihrer Vergangenheit, werden zu Opfern ihrer L&uuml;gen, zahlen einen hohen Preis (vor allem Diane). Der einf&uuml;hlsame, subtile Erz&auml;hler f&uuml;hrt den Leser langsam an die vier Wahrheiten heran, gestaltet die seelischen und k&ouml;rperlichen Verletzungen der Figuren sehr &uuml;berzeugend und folgerichtig.<br /><br />Ein kleiner Wermutstropfen hat mich allerdings genervt: Auf etlichen Seiten des Buches f&uuml;llen unendlich viele Namen von Schauspielern, Regisseuren und Filmen Zeile um Zeile - kaum gelesen, schon vergessen. Ein bisschen viel Hype um das glamour&ouml;se Hollywood der Zeit Gary Coopers und seiner Konsorten. Aber das muss man dann einfach &uuml;berfliegen ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-nicholas-evans-die-wir-am-meisten-lieben.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[19.12.2011 14:55: Sommerhaus mit Swimmingpool von Herman Koch]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-herman-koch-sommerhaus-mit-swimmingpool.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-herman-koch-sommerhaus-mit-swimmingpool.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/500.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Sommerhaus mit Swimmingpool von Herman Koch"></a>
							<h2>19.12.2011 14:55: Sommerhaus mit Swimmingpool von Herman Koch</h2>
							<h3>Ungesunde Beschützerinstinkte</h3>
							<p><small>Rezension vom 19.12.2011 14:55<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Amsterdam. Der Allgemeinmedinziner Marc Schlosser ist ein verantwortungs- und hingebungsvoller Familienvater f&uuml;r seine Frau und seine beiden T&ouml;chter. Eigentlich hatte er sich S&ouml;hne gew&uuml;nscht. Doch mittlerweile - Lisa und Julia sind 11 und 13 Jahre alt - genie&szlig;t er die Vorz&uuml;ge: M&auml;dchen sind lieber und weniger anstrengend als Jungs, und ihre Zimmer riechen angenehm. Als Vater muss er sie besch&uuml;tzen - eine Verpflichtung, die jeder Mann gegen&uuml;ber einer Frau hat, doch Marc ist in dieser Hinsicht besonders empfindlich: Sollte sich je ein Mann seinen M&auml;dels unsittlich n&auml;hern, k&ouml;nnte er zum Tier werden.<br /><br />Marcs Praxis l&auml;uft gut. Seine Patienten sind auf 20 Minuten getaktet, und er t&auml;uscht ihnen gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Aufmerksamkeit vor, obwohl ihn ihre Wehwehchen eigentlich gar nicht interessieren. Wenn sie so vor ihm sitzen, findet er ihre K&ouml;rper schon bekleidet schlimm genug - vor dem Anblick ihrer Nacktheit aber graust es ihn. Wahrscheinlich stinken sie, sind von Bakterien bev&ouml;lkert, zwischen ihren Zehen gedeihen Pilze, und sie m&uuml;ssen sich an Stellen kratzen, bis es blutet. Nein, das kann man sich doch wirklich ersparen. Wenn ein Patient absolut darauf dr&auml;ngt, na gut, dann ab hinter den Wandschirm, w&auml;hrend Marcs Gedanken schon abgeschweift sind, zum Beispiel auf die Achterbahn einer Kirmes oder in ein Flugzeug, das gerade explodiert ...<br /><br />Eines Tages erh&auml;lt er Besuch von Ralph Meier, einem anerkannt guten Theaterschauspieler. Er leidet an den Nebenwirkungen seines massiven K&ouml;rpers.<br /><br />Von Shakespeare-Auff&uuml;hrungen hat Marc l&auml;ngst die Nase voll - st&auml;ndig diese nervigen experimentellen Inszenierungen mit Schauspielern in Windeln, mit M&uuml;llt&uuml;ten, als Junkies und Waisenkinder aus Simbabwe oder sogar nackt mit Schn&uuml;rsenkeln zwischen den Arschbacken. Aber die Einladung zur Premiere von <em>Richard II.</em>, die sogar seine Frau Caroline reizt, nimmt er an.<br /><br />Beim anschlie&szlig;enden Sektempfang lernt Caroline Ralph nebst Ehefrau Judith kennen. Ralph entpuppt sich als attraktiver <em>womanizer</em>; er betrachtet die Frauen mit begehrlichen Raubtierblicken, und Marc findet dieses taxierende K&ouml;rperscreening obsz&ouml;n, insbesondere, wenn die Blicke seiner attraktiven Frau Caroline gelten.<br /><br />Anl&auml;sslich einer Party laden die Meiers Marc und seine Familie ganz unverbindlich ins Sommerhaus an der franz&ouml;sischen K&uuml;ste ein. Aber Caroline will ganz bestimmt nicht zu diesem schmierigen Dreckfink Ralph, sondern lieber campen. Doch hatte Marc schon w&auml;hrend der Party Blicke mit Judith getauscht, und so w&auml;hlt er jetzt einen Stellplatz in der N&auml;he des Meierschen Hauses aus. Die Rechnung geht auf: Ganz zuf&auml;llig trifft man sich am Strand, das Zelt wechselt seinen Standort, die Familien genie&szlig;en zusammen die Sommersaison.<br /><br />F&uuml;r lebhafte Gespr&auml;che zwischen Marc und seiner Frau sorgt ein &uuml;berraschender Besucher, n&auml;mlich Ralphs 60-j&auml;hriger amerikanischer Regisseur Stanley, der mit seiner knapp18-j&auml;hrigen Gespielin auftaucht. Was sollen die T&ouml;chter nur davon halten? Gemeinsam verbringt man die Tage mehr oder weniger freiz&uuml;gig am Pool, der dicke Ralph liebt es splitternackt, treibt neckische Spiele, grillt Fisch und Fleisch in Unmengen, knallt B&ouml;ller am Strand ab. Die Luft knistert nur so vor l&uuml;sternen, hormonellen <em>vibrations</em>.<br /><br />Ralphs &auml;lterer Sohn Alex hat den Auftrag, abends am Strand Julia zu besch&uuml;tzen - aber obwohl er sich in sie verliebt hat, l&auml;sst er sie allein - und dann geschieht, was jeder Leser ahnt: Julia wird im Sand zwischen den Felsen gefunden, vergewaltigt und bewusstlos. Marc handelt sofort: Er bringt sie schnellstm&ouml;glich weg vom Tatort, und noch bei Nacht verlassen sie das Sommerhaus. Die Polizei will er nicht einschalten, denn Julia kann sich an nichts erinnern; warum soll er ihr also die Tortur der Befragungen antun?<br /><br />In der Folgezeit kommt Marc nicht zur Ruhe, vernachl&auml;ssigt sogar seine Praxis. Alex und Ralph gehen ihm nicht aus dem Sinn - sie hatten etwas zu verbergen ...<br /><br />Das Schicksal spielt Marc den Ball zu, als Ralph Meier nochmals in die Praxis kommt - wegen einer schmerzhaften Geschwulst. Marc erkennt sofort, dass hier sofort gehandelt werden m&uuml;sste - aber muss er das diagnostizieren? Fehler passieren doch jedem Arzt. Und so liegt Ralph ein halbes Jahr sp&auml;ter todkrank im Krankenhaus, bis Marc ihm den t&ouml;dlichen Cocktail verabreicht ...<br /><br />Durfte er sich zum Richter erheben, und hat er &uuml;berhaupt den wahren T&auml;ter zur Strecke gebracht?<br /><br />Marc Schlosser hasst nicht nur seine hypochondrischen Patienten, sondern leidet selbst an einer K&ouml;rperparanoia und vertritt ein verqueres Weltbild. In Erinnerung an seine Biomedizinvorlesungen bei Professor Aaron Herzl interpretiert er Sexualit&auml;t so, wie es ihm passt: Die biologische Uhr von Frauen und M&auml;nnern ticke anders; Frauen haben ein Haltbarkeitsdatum, w&auml;hrend M&auml;nner unbegrenzt f&uuml;r den Fortbestand der Art sorgen - und das mit vielen Frauen. Ambivalent, wie Schlosser ist, geht er mit Judith fremd und h&auml;lt das f&uuml;r normal, verabscheut aber gleichzeitig das geile Verhalten anderer M&auml;nner. Der durch die zivilisatorische Entwicklung unterdr&uuml;ckte menschliche Instinkt befiehlt ihm, den Vergewaltiger der Frau zu kastrieren, den M&ouml;rder des Bruders umzubringen. Warum sollte Marc seine Tochter dann nicht r&auml;chen d&uuml;rfen?<br /><br />Herman Koch hat mit "Sommerhaus mit Swimmingpool" einen au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Krimi geschrieben. Seine Phantasie ist bissig, rabenschwarz und voller Humor, doch mancher Lacher bleibt einem im Halse stecken. Wir verfolgen ein Familiendrama, dessen Protagonist ein ungew&ouml;hnlicher Arzt ist; sein Verhalten, seine Pr&uuml;derie, seine Heuchelei, sein Nicht-wahrhaben-wollen, dass seine Tochter sich zur Frau entwickelt, ihre Reize testen will, f&uuml;hren zur Katastrophe.<br /><br />Das Buch ist absolut empfehlenswert und wurde in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-herman-koch-sommerhaus-mit-swimmingpool.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3462043447/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3462043447" target="_blank">"Sommerhaus mit Swimmingpool" von von Herman Koch bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[17.12.2011 15:32: Angst von Robert Harris]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-robert-harris-angst.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-robert-harris-angst.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/499.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Angst von Robert Harris"></a>
							<h2>17.12.2011 15:32: Angst von Robert Harris</h2>
							<h3>Lebt es?</h3>
							<p><small>Rezension vom 17.12.2011 15:32<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Haben Sie ein Aktienportfolio bei einer Bank oder trauen Sie sich sogar zu, online selber zu handeln, so empfehle ich Ihnen nach der Lekt&uuml;re von Robert Harris' neuestem Thriller "Angst", aus dem Zockergesch&auml;ft der Wetten auf steigende oder fallende Kurse schleunigst auszusteigen. Denn Sie sind (h&ouml;chstwahrscheinlich) nur ein kleines Licht und versuchen, mit Vernunft zu agieren. Doch mit Verstand lassen sich Kursentwicklungen oft nicht erkl&auml;ren: Gewinnprognosen der Konzerne lassen deren Indizes oft absinken, w&auml;hrend Hiobsbotschaften zu Kurssteigerungen f&uuml;hren k&ouml;nnen. Und die Tage des von Menschenhirn gesteuerten Parketthandels sind ohnehin gez&auml;hlt, denn bald wird die gesamte Finanzwelt fast ausschlie&szlig;lich von Computern beherrscht.<br /><br />Wie nah wir dieser Zukunftsvision schon waren, erlebten wir am 6. Mai 2010. Innerhalb von Minuten rauschten die Aktienkurse im freien Fall nach unten, der Dow Jones verlor um die 1000 Punkte. Man setzte den Handel kurzfristig aus. Seltsamerweise stieg das Barometer anschlie&szlig;end und machte seine Verluste wieder um zwei Drittel wett. Doch innerhalb von zehn Minuten waren beinahe 1,3 Milliarden Aktien gehandelt worden, das Sechsfache des Durchschnitts und mehr als im gesamten Jahrzehnt zwischen 1960 und 1970. Die Orders wurden binnen Millisekunden erteilt - f&uuml;r den menschlichen Verstand kaum nachvollziehbar.<br /><br />Was damals geschah, ist nie ganz aufgekl&auml;rt worden. Im Abschlussbericht der <em>Securities and Exchange Commission</em> (SEC) hei&szlig;t es, eine einzelne Investmentgesellschaft habe ein computergesteuertes Verkaufsprogramm initiiert. Rund 75.000 sogenannter E-Mini-Kontrakte wurden zu jedem Preis losgeschlagen, was wie Panikverk&auml;ufe aussah und eine Kettenreaktion ausl&ouml;ste. Eine Billion Dollar Marktkapital wurde dadurch vernichtet. Das "Flash Crash" benannte legend&auml;re Szenario bescherte der ausl&ouml;senden Investmentgesellschaft 4,1 Mrd. Dollar Gewinn, denn sie hatte sich mit der legitimen "Hedging"-Strategie gegen Verluste abgesichert.<br /><br />Der erste Hedge-Fonds, auf Absicherung und Gewinnmaximierung ausgelegt, wurde schon im Jahre 1949 von A. W. Jones gegr&uuml;ndet. Was damals noch Broker machten, n&auml;mlich Indizes analysieren, den richtigen Einstiegszeitpunkt f&uuml;r die Transaktionen ausw&auml;hlen usw., wird heute von Computern &uuml;bernommen, die, mit Algorithmic-Trading-Software programmiert, selbstst&auml;ndig agieren.<br /><br />In einem Handelsblatt-Interview vom 23.11.2011 zieht Robert Harris folgendes Res&uuml;mee: "Die Vorg&auml;nge auf den Finanzm&auml;rkten sind viel wichtiger als zum Beispiel die Bedrohung durch islamistische Extremisten."<br /><br />Auf Basis des realen Ereignisses und der denkbaren weiteren Entwicklung in der Zukunft mit m&ouml;glicherweise noch katastrophaleren Auswirkungen hat Harris seinen fiktionalen Finanzthriller geschrieben. Wir sind in einer vollst&auml;ndig digitalisierten und kontrollierten Welt angekommen.<br /><br />Der 42-j&auml;hrige amerikanische Physiker Dr. Alexander Hoffmann, ein ehemaliger Mitarbeiter bei CERN (der Europ&auml;ischen Organisation f&uuml;r Kernforschung in Genf), hat sich selbstst&auml;ndig gemacht und VIXAL-4 geschaffen, eine algorithmisch perfekte Software , die die Volatility des S&amp;P 500 auswertet, aus Fehlern lernt und sich damit selbst fortentwickelt - also eine k&uuml;nstliche Intelligenz. Um sein Produkt gewinnbringend zu vermarkten, hat er die Firma "Hoffmann Investment Technologies" gegr&uuml;ndet und die besten Mathematik- und Physik-Hochschulabsolventen mit H&ouml;chstgeh&auml;ltern gek&ouml;dert. Zur absoluten Geheimhaltung verpflichtet, arbeiten nun f&uuml;nfzig quantitative Analysten, geringsch&auml;tzig <em>Quants</em> genannt, vor den Monitoren ihrer Multi-Screen-Computer in den papierlosen B&uuml;ros eines Hochsicherheitstrakts.<br /><br />Da Hoffmann, ein spr&ouml;der, introvertierter Einzelg&auml;nger, die &Ouml;ffentlichkeit hasst, hat er einen gleichberechtigten Gesch&auml;ftspartner an seine Seite genommen, der f&uuml;r das Anwerben von Investoren zust&auml;ndig ist. Er hei&szlig;t Hugo Quarry und ist ein blasierter, manierierter S&uuml;dengl&auml;nder, geschickt im Umgang mit Menschen.<br /><br />Heute sind eine Handvoll Gro&szlig;kapitalisten geladen, denen Hoffmann VIXAL-4 vorstellen soll. W&auml;hrend er sich auf die Konferenz vorbereitet, spielen die Monitore verr&uuml;ckt, denn VIXAL-4 agiert: 1,5 Millionen Verkaufsoptionen, eine absolut ungew&ouml;hnlich hohe Zahl an Trades - und alles Short-Positionen auf eine einzige Aktie, die der Vista-Airways. Sp&auml;ter wird bekannt, dass eine Vista-Maschine beim Anflug auf Moskau abgest&uuml;rzt ist. Konnte VIXAL-4 das etwa prognostizieren? In der Tat ist das Programm darauf spezialisiert, dass es Katastrophen, Unruhen, &Auml;ngste im Markt fr&uuml;hzeitig erkennt, daraus autonom weiterlernt und sich situationsentsprechend verh&auml;lt. In der Folge werden viele weitere Aktien aus dem S&amp;P 500 abgesto&szlig;en, und der Dow st&uuml;rzt ab. Hoffmann bekommt es mit der Frankenstein-Angst zu tun: Ist sein selbstgeschaffenes Kind ein Monster? Ist es f&uuml;r den Crash der M&auml;rkte verantwortlich? Irgendwie muss er VIXAL-4 abschalten - aber wie?<br /><br />Schon seit dem fr&uuml;hen Morgen war Hoffmann psychisch unter Druck. Um Mitternacht bl&auml;tterte er in einer Erstausgabe von Charles Darwins "The Expression of the Emotions in Man and Animals" aus dem Jahr 1872, die ihm ein Antiquariat aus Amsterdam geschickt hatte, dann brach ein Mann in seine mit Codes und Kameras gesicherte Villa ein. Als er erf&auml;hrt, dass er selber das Buch per Email geordert und von seinem Konto bezahlt hat, dass er selber den Einbrecher bestellt und ihm die Codes genannt hat, dass er s&auml;mtliche Exponate seiner Frau (einer K&uuml;nstlerin) am Tag der Vernissage gekauft hat, &uuml;berkommt Alex gro&szlig;e Angst vor sich selbst - denn er kann sich an nichts von alledem erinnern. Als einzige Erkl&auml;rung glaubt er an eine gro&szlig;e Intrige gegen sich.<br /><br />Damit die Handlung nicht nur vordergr&uuml;ndig und tagesaktuell konsumiert wird, sondern gr&ouml;&szlig;ere geistesgeschichtliche Zusammenh&auml;nge erkennbar werden, hat Harris jedem der neunzehn Kapitel ein Zitat vorangestellt, die meisten aus Darwins "Die Entstehung der Arten" (1859) und "Die Abstammung des Menschen" (1871), die &uuml;brigen von Bill Gates, Elias Canetti und anderen. Bemerkenswert ist schon das erste Zitat (aus Mary Shelleys "Frankenstein"-Roman von 1818): "... wie gef&auml;hrlich Wissen ist und wieviel gl&uuml;cklicher derjenige Mensch, welcher seine Geburtsstadt f&uuml;r die Welt h&auml;lt, als derjenige, der gr&ouml;&szlig;er werden will, als es seine Natur erlaubt."<br /><br />Robert Harris' Finanzthriller "Angst" h&auml;tte zu keinem besseren Zeitpunkt auf dem Markt platziert werden k&ouml;nnen als jetzt. Denn die Finanzkrise, die uns Wissenschaftler und Politiker mit immer neuen Wortsch&ouml;pfungen als gerade noch beherrschbar sch&ouml;nreden, macht in Wirklichkeit jedem Angst. Nicht auszudenken, was gesch&auml;he, wenn die Milliarden, die t&auml;glich von irgendwoher zugebuttert werden, die M&auml;rkte letztendlich doch nicht st&uuml;tzen k&ouml;nnten. Sind die Computer schon auf Absturz programmiert? Einige wenige Mitmenschen mit Durchblick, Dreistigkeit, Risikobereitschaft oder Gl&uuml;ck w&uuml;rden Cash machen; die Zeche aber w&uuml;rde an uns Normalb&uuml;rgern h&auml;ngenbleiben.<br /><br />Was verspricht die Zukunft? Wie k&ouml;nnen wir sie gestalten? Diese Analyse muss n&uuml;chtern gef&uuml;hrt werden, und da ist Angst immer ein schlechter Ratgeber ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-robert-harris-angst.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[14.12.2011 17:19: Der stumme Besucher von Jan-Erik Fjell]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jan-erik-fjell-der-stumme-besucher.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jan-erik-fjell-der-stumme-besucher.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/498.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der stumme Besucher von Jan-Erik Fjell"></a>
							<h2>14.12.2011 17:19: Der stumme Besucher von Jan-Erik Fjell</h2>
							<h3>Die Cosa Nostra auf Abwegen in Norwegen</h3>
							<p><small>Rezension vom 14.12.2011 17:19<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Norwegen: Herr Wilhelm Martiniussen, Hauptaktion&auml;r der Mardan AG, l&auml;dt den Vorstand und weitere Gro&szlig;aktion&auml;re zu einer Eilsitzung. Was er ihnen mitzuteilen hat, haben die Anwesenden schon im Vorfeld bef&uuml;rchtet; daher h&ouml;ren die meisten zwar entt&auml;uscht, aber doch ruhig zu. Nur einer unter ihnen verliert seine Contenance, als Martiniussen verk&uuml;ndet, dass er das milliardenschwere Kanada-Projekt nicht durch seine Unterschrift absegnen wird.<br /><br />Der Grund f&uuml;r seine Entscheidung ist Nora, eine knapp 30-j&auml;hrige Umweltaktivistin und seit drei Monaten die gro&szlig;e Liebe des doppelt so alten Bosses. Sie hat ihm derma&szlig;en den Kopf verdreht, dass er seine Priorit&auml;ten radikal ver&auml;ndert hat. Seine Nobelkarossen hat er teils verkauft, teils in der Garage geparkt, denn jetzt nutzt er Busse und Bahnen oder bewegt sich gar per Pedes. Logisch, dass er das Kanada-Projekt, dessen &Ouml;lbohrungen in Teersanden zu &ouml;kologisch gigantischen Verschmutzungen gef&uuml;hrt h&auml;tte, nicht mehr verantworten kann.<br /><br />Die Versammelten werden Wilhelm zum letzten Mal lebend gesehen haben. Denn in der folgenden Nacht wird er auf dem Weg zu seiner Wohnung im Fahrstuhl mit einer Klaviersaite erdrosselt.<br /><br />Nora, die derweil auf der Couch schlief, bemerkt den Toten erst am n&auml;chsten Tag und informiert die Polizei. Hauptkommissar Anton Brekke, sein Kollege Simon Haugen und ein Student der Polizeihochschule, Magnus Torp, bilden das Ermittlerteam. Die Spurensicherung ist auf verlorenem Posten: Hier agierte ein Profi, der nichts ber&uuml;hrt, nichts gestohlen und nichts hinterlassen hat.<br /><br />Zun&auml;chst f&auml;llt der Verdacht auf die um ihre zuk&uuml;nftigen Gewinne gebrachten Miteigent&uuml;mer der Mardan AG. Aber die haben alle wasserdichte Alibis. Man tappt weiter im Dunkeln.<br /><br />W&auml;hrend der Autor die polizeilichen T&auml;tigkeiten gem&auml;chlich, aber logisch dahinflie&szlig;en l&auml;sst, springen wir zwischendurch zu einem zweiten Handlungsstrang nach New York und in die Vergangenheit - 1962. Der 22-j&auml;hrige Vincent Giordano wird heute seinen Eid ablegen, um als Ehrenmann in die Cosa Nostra aufgenommen zu werden. Zun&auml;chst wird er eine illegale Spielh&ouml;lle betreiben und f&uuml;r Don Domenico Abtr&uuml;nnige, Verr&auml;ter oder die in Jersey agierenden Gegenspieler, die gegen Absprachen versto&szlig;en haben, kurz und schmerzlos abknallen. Bald steigt er in der Hierarchie der alles bestimmenden Mafia-Organisation zum zweiten Mann auf.<br /><br />Zur&uuml;ck in Norwegen haben Brekke und sein Team mittlerweile Zeugen gefunden, die Wilhelm am Abend vor seinem Tod gesehen haben. Auf einem Foto erkennt man Wilhelm und einen fremden Mann - ausgerechnet dieser wird in der Tatnacht &uuml;berfallen und landet mit schweren Hirnverletzungen auf der Intensivstation, liegt im Koma. Aber Brekke identifiziert ihn, denn er erinnert sich an Presseberichte &uuml;ber einen spektakul&auml;ren Mordfall, der vor Jahren vor einem New Yorker Gericht verhandelt wurde: Der Angeklagte war der ber&uuml;chtigte Mafioso Vincent Giordano. Was macht der hier und jetzt in Norwegen?<br /><br />Seite f&uuml;r Seite gibt der Autor immer mehr preis, baut eine absolut stimmige und logisch &uuml;berzeugende Krimihandlung auf. Der Schluss ist nicht spektakul&auml;r, aber doch eine gelungene, unerwartete &Uuml;berraschung.<br /><br />Die Cosa Nostra, ihre Strukturen und einem Ehrenkodex folgenden Regeln sind authentisch und packend beschrieben. Bis auf eine sehr grausame t&ouml;dliche Bestrafung kommt der Autor ohne blutr&uuml;nstige Szenen aus - was mir gut gef&auml;llt. Eigent&uuml;mlich und befremdlich ist der Effekt, dass Vincent dem Leser als Person sehr nahekommt, fast schon sympathisch wird, je mehr er &uuml;ber das Leben dieses gnadenlosen Killers erf&auml;hrt.<br /><br />Der Autor Jan-Erik Fjell hat mit Brekke, Haugen und Torp ein ungleiches Ermittlertrio geschaffen, das reichlich Anlass f&uuml;r Spannungen und Unterhaltung bietet. Brekke ist ein s&uuml;chtiger Spielerjunkie, der Gewinne und Verluste immer so gerade im Gleichgewicht h&auml;lt, durch sein lockeres, schnoddriges Mundwerk auff&auml;llt und seinen Kollegen auch gern mal einen Streich spielt. Aber er ist das Zugpferd unter den dreien, denn er hat den richtigen Riecher und die passenden Bei&szlig;werkzeuge. Dem 60-j&auml;hrigen Haugen, einem Paragraphenreiter, ist das Benehmen seines Kollegen oft sehr peinlich. Auch er selber muss im Polizeib&uuml;ro manche H&auml;me einstecken: Erst k&uuml;rzlich hat man ihn ins Wasser gesto&szlig;en, und nun f&uuml;rchtet er, dass seine starken Beschwerden am After bekannt werden. Rektalsalben auf dem Schreibtisch - die w&uuml;rden ihm gerade noch fehlen.</p>
<p>Fjells Krimideb&uuml;t "Der stumme Besucher" stand monatelang an der Spitze der norwegischen Bestsellerliste. Wie vor ihm schon Jo Nesb&oslash; und Anne B. Radge wurde Jan-Erik Fjell mit dem Preis des Norwegischen Buchhandels ausgezeichnet.<br /><br />Er hat es verdient! Die Reihe wird fortgesetzt. Band zwei ist in Arbeit.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jan-erik-fjell-der-stumme-besucher.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3499257378/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3499257378" target="_blank">"Der stumme Besucher" von von Jan-Erik Fjell bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3499257378" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[12.12.2011 12:15: Der Müllmann von Helmut Wolkenwand]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-helmut-wolkenwand-der-muellmann.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-helmut-wolkenwand-der-muellmann.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/497.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Müllmann von Helmut Wolkenwand"></a>
							<h2>12.12.2011 12:15: Der Müllmann von Helmut Wolkenwand</h2>
							<h3>Entsorgungs-Overflow</h3>
							<p><small>Rezension vom 12.12.2011 12:15<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Nein, Heinrich Schmitt ist kein M&uuml;llmann der st&auml;dtischen M&uuml;llabfuhr. Er f&uuml;hlt sich weder f&uuml;r Papier, Glas, Plaste noch Restm&uuml;ll zust&auml;ndig. Was ihm stinkt, ist der gesellschaftliche, der kriminelle M&uuml;ll. In seiner Sortieranlage finden sich zum Beispiel M&auml;nner, die ihre Frauen krankenhausreif schlagen, Neonazis, die wehrlose Menschen verpr&uuml;geln, und junge Schn&ouml;sel, die M&auml;dels mit ihren Aufrei&szlig;er-Sportwagen in Discos abschleppen, um sie sp&auml;ter zu vergewaltigen. Wenn so einer Sohn eines Stadtrats ist und die Verfahren gegen ihn schon wieder eingestellt sind, kaum dass sie aktenkundig werden, dann muss Heinrich Schmitt ran.<br /><br />Einstmals war Heinrich f&uuml;r den BND im Irak t&auml;tig. Dort wurde er in eine Schie&szlig;erei verwickelt, bei der ein unschuldiges M&auml;dchen starb, und Heinrich musste zwei Jahre ins Gef&auml;ngnis. W&auml;re sein Zellengenosse nicht Amerikaner gewesen, w&auml;re er heute wahrscheinlich einen Kopf k&uuml;rzer; aber die US Army befreite ihren Mann und nebenbei auch Heinrich. Seit acht Jahren ist Heinrich nun zur&uuml;ck, wurde aus dem BND entlassen, lebt in Frankfurt, gr&uuml;ndete mit einem Freund eine Firma, die Wohnungsaufl&ouml;sungen erledigt. Als besorgter Onkel k&uuml;mmert er sich um Ana-Lena, seine 17-j&auml;hrige Nichte; als aufmerksamer Nachbar besorgt er Eink&auml;ufe f&uuml;r die &auml;ltere, aber noch sehr aufgeweckte Frau Kramer. Und da sich auch Heinrich nach ein paar z&auml;rtlichen Streicheleinheiten sehnt, bahnt sich zwischen ihm und Kommissarin Marietta eine zarte Liebelei an.<br /><br />Guten Kontakt h&auml;lt Heinrich mit dem russischen Ehepaar Alexej und Irina, einer ehemaligen KGB-Agentin. Die beiden sind im Finanzwesen t&auml;tig - man munkelt auch von Geldw&auml;sche, Mafia-Beziehungen und Reibereien mit chinesischen Triaden. Doch Heinrich ist ihnen ein guter Freund, und als solcher soll er den Mann, der Tochter Natascha entf&uuml;hrt und ihr einen Finger abgeschnitten hat, entsorgen ...<br /><br />Nach Jahren meldet sich Gernhardt, ein alter BND-Kampfgenosse, wieder bei Heinrich. Gernhardt hatte ihn im Irak schm&auml;hlich im Stich gelassen, ihn sogar mit vier Sch&uuml;ssen verletzt. Jetzt hat er einen Auftrag, der Heinrich die ehrenvolle R&uuml;ckkehr in den BND erm&ouml;glicht: Mit seinem alten Dienstausweis und Waffe ausger&uuml;stet, soll er einen ungarischen Killer aus dem Weg r&auml;umen. In einem Lagerhaus kommt es zum Showdown. Die Kugeln fliegen, und es gibt etliche Leichen.<br /><br />Wie so mancher Mitb&uuml;rger hat auch Heinrich noch ein paar Leichen im Keller. Doch keine Bange - er hat ganz spezielle Entsorgungswege f&uuml;r seinen "Sonderm&uuml;ll" ...<br /><br />Dieses und noch viel mehr, und auch ein bisschen anders, und alles irgendwie miteinander verwoben, stopft Autor Helmut Wolkenwand in die gro&szlig;e graue Tonne seines Deb&uuml;t-Krimis. Wer sich durch den etwas &uuml;berquellenden, unsortierten und nicht leicht durchschaubaren Abfallberg w&uuml;hlt, wird durchaus auf manche Wertstoffe sto&szlig;en - vor allem sehr nette, witzige Situationskomik eines ganz normalen Alltags. Insgesamt aber doch sehr viel Aufr&auml;umarbeit f&uuml;r einen einzigen M&uuml;llmann.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-helmut-wolkenwand-der-muellmann.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[12.12.2011 12:00: Vampire: sehen, erkennen, handeln von Meredith Woerner]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-meredith-woerner-vampire-sehen-erkennen-handeln.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-meredith-woerner-vampire-sehen-erkennen-handeln.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/496.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Vampire: sehen, erkennen, handeln von Meredith Woerner"></a>
							<h2>12.12.2011 12:00: Vampire: sehen, erkennen, handeln von Meredith Woerner</h2>
							<h3>Und immer noch Vampire ...</h3>
							<p><small>Rezension vom 12.12.2011 12:00<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/2-star.gif" alt="2 Sterne"></small></p>
							<p><p>Was immer Sie &uuml;ber die Spezies "Vampire" noch nicht wissen oder schon immer genauer wissen wollten - jetzt k&ouml;nnen Sie es nachschlagen in Meredith Woerners blutrotem Sammelband. Hier finden Sie alles systematisiert, h&uuml;bsch angeordnet und illustriert, was irgendwo, sei es in der &uuml;berlieferten Mythologie, in der Literatur, in Filmen oder in der Popmusik, &uuml;ber die Untoten zu finden ist. Das B&uuml;chlein ist angelegt als charakterliche Typisierung der Gattung, garniert mit einer allgemeinen Einleitung, mit Tipps, wie wir mit diesen Wesen im Alltag umgehen k&ouml;nnen, und mit einem wissenschaftlichen Apparat (Glossar, Literaturnachweis).<br /><br />Die Autorin stellt uns nacheinander vor, in welchen Auspr&auml;gungen diese Spezies vorkommt, und portr&auml;tiert sie anschaulich - vom romantischen <em>Hemophago</em> &uuml;ber den b&ouml;sen, den tragischen, den geselligen und den Kinder-Vampir bis zum Underdog, der als Dienstbote niedere Dienste leisten muss. Diese Typen unterscheiden sich nicht nur durch &auml;u&szlig;ere Erkennungsmerkmale, wie Z&auml;hne, Finger, Augen u.&auml;., sondern auch durch ihre F&auml;higkeiten: Manche haben ein eingebautes GPS, andere paraph&auml;nomenale Wahrnehmung. So wie sich diese Existenzen in der &Ouml;ffentlichkeit typischerweise verhalten - insbesondere wie sie sich an uns wenige noch verbliebene "normalen" B&uuml;rger der Gesellschaft heranmachen -, ist unsere h&ouml;chste Wachsamkeit gefordert, und dies ist das Thema des praxisnahen letzten Kapitels.<br /><br />Roman Polanskis Film "Tanz der Vampire" (1967) persifliert das Genre und informiert den Zuschauer ganz nebenbei in skurril &uuml;berzeichneter, h&ouml;chst am&uuml;santer Verpackung &uuml;ber alles, was man &uuml;ber Vampirismus wissen muss. Ein nettes kleines B&uuml;chlein mit einem der meisterlichsten Filme aller Zeiten zu vergleichen ist nat&uuml;rlich unfair; dennoch darf man feststellen, dass Meredith Woerners Konzept nicht sehr tragf&auml;hig ist und den Leser nicht gerade vom Hocker rei&szlig;t: Ihr B&auml;ndchen soll witzig und locker r&uuml;berkommen, nimmt die Vampirwelt scheinbar mit leichter Ironie unter die Lupe, doch die pseudowissenschaftliche Aufbereitung wirkt gewollt und ist dann so lustig auch wieder nicht. Im Endeffekt schmunzelt man ab und an &uuml;ber die Formulierungen - mehr nicht.<br /><br />Nach Jahren des Vampir-Hypes und unz&auml;hliger Romane kommt hier halt noch eine Art Nachklatsch in die vorweihnachtlichen L&auml;den, die die Manie verst&auml;ndlicherweise "bi(s)" zum letzten Tropfen aussaugen m&ouml;chten. F&uuml;r Fans bieten sich vielleicht ganz am&uuml;sante Wiedererkennungseffekte, f&uuml;r Nicht-Fans aber sicher keine Anreize, einer zu werden.<br /><br />&Uuml;bersetzt wurde das Buch &uuml;brigens von einer "Claudia Sanguinantis". Dies halte ich f&uuml;r ein Pseudonym und einen netten Gimmick des Verlags (Lateinisch "sanguinantis" hei&szlig;t "blutgierig"). Falls die Dame allerdings wirklich so hei&szlig;t, bitte ich um Verschonung vor Rache ...</p></p>
							<p>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[05.12.2011 15:24: Spaltkopf von Julya Rabinowich]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-julya-rabinowich-spaltkopf.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-julya-rabinowich-spaltkopf.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/495.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Spaltkopf von Julya Rabinowich"></a>
							<h2>05.12.2011 15:24: Spaltkopf von Julya Rabinowich</h2>
							<h3>Heimatlos</h3>
							<p><small>Rezension vom 05.12.2011 15:24<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Bekenntnisse der Erz&auml;hlerin Mischka: "Meine Geschichte blutet sich aus mir heraus. Wo ich gestern zu Hause war, ist morgen ver&auml;ndert, und &uuml;bermorgen vergangen." (S. 180) - "Wenn ich die Wahl zwischen zwei St&uuml;hlen habe, nehme ich das Nagelbrett." (S. 12, S. 181) - "F&uuml;r das g&auml;rende Gift in mir verachte ich mich auch." (S. 190) Was muss ein Mensch erfahren haben, der so von sich spricht, der Hass, Gewalt, Schmerz und Blutleere empfindet?<br /><br />Mischka entstammt einer russisch-j&uuml;dischen Familie aus Leningrad. Beide Eltern sind malende K&uuml;nstler und kritische Intellektuelle, die sich immer geweigert haben, der Partei beizutreten. Sie leisten auf ihre Weise heimlich Widerstand. Ein pensionierter Oberst der Reserve bespitzelt sie. In den 70er Jahren genehmigt das Regime die zahlreich gestellten Ausreiseantr&auml;ge, denn Oppositionelle will man gerne abschieben, und Juden sind nicht gut gelitten. Viele emigrieren nach Israel oder in die USA; Mischkas Eltern und Gro&szlig;mutter Ada wollen nach Australien.<br /><br />Ihre erste Durchgangsstation ist Wien. Lustlos schl&auml;gt Mischka die Zeit in s&auml;mtlichen Kunstmuseen tot, die sie auf Wunsch der Eltern besucht. Sie soll auch Dostojewski lesen, um ihre russischen Wurzeln nicht zu vergessen. Nun lebt das M&auml;del also im Westen, soll sich aber den oberfl&auml;chlich konsumorientierten amerikanischen Einfl&uuml;ssen entgegenstemmen. Wie soll sie hier jemals heimisch werden? Viel lieber w&uuml;rde sie sich auf dem Naschmarkt herumtreiben, die Warenvielfalt bestaunen, Junkies beobachten.<br /><br />Vater Lev kn&uuml;pft derweil Kontakte und organisiert seine erste Ausstellung - die auf Anhieb ein Erfolg wird. Obwohl sie doch nie wirklich Revolution&auml;re waren, zieht das K&uuml;nstlerehepaar als dem Kommunismus Entflohene das Interesse der linken Intellektuellen an. Nun wird die Familie in Wien bleiben. Mischka wird eingeschult, bleibt aber Au&szlig;enseiterin.<br /><br />F&uuml;r ihren Vater wollte Mischka der "ersehnte Nachfolgesohn" sein, doch das kann nicht gelingen. Sie erlebt ihre erste Blutung, ekelt sich vor ihrem K&ouml;rper, der gegen ihren Willen knospende H&uuml;gel bildet, den Flaum der keimenden Behaarung empfindet sie als "Vorbote [ihres] Versagens" (S. 81), sie leidet an Essst&ouml;rungen. Sie wird pl&ouml;tzlich in ihren Freiheiten eingeschr&auml;nkt. Als Vater keine abendlichen Ausg&auml;nge mehr erlaubt, ist Kampf angesagt. Mischka provoziert mit Kleidung und kahl rasiertem Sch&auml;del, treibt sich nachts in Diskos und Bars herum, schl&auml;ft in der letzten U-Bahn. Ihre Schwester Magdalena wird geboren - sie ist behindert, spricht nicht. Die Ehe der Eltern kriselt zusehends. Nachdem die Mauer in Berlin f&auml;llt, reist Vater Lev nach St. Petersburg, wo er stirbt und begraben wird. Die belastende famili&auml;re Situation gibt Mischka keinen Halt. Sie haut nach Berlin ab, lebt in einer WG mit Studenten, Kriminellen, Feministinnen, Alkoholikern und anderem Volk.<br /><br />Wie stark Mischka unter ihrer schmerzvollen Identit&auml;tskrise leidet, findet Ausdruck in ihrer geradezu manischen Ausrichtung auf Spiegel und Gl&auml;ser, die ihr Gesicht reflektieren. Sie sucht sich st&auml;ndig, blickt bei jeder Gelegenheit in ihre Augen, findet sich nie. Wer ist sie? Oft genug erschrickt sie vor sich selber, glaubt, da schaue ihr der Spaltkopf, ein d&auml;monischer Geist, entgegen, oder gar die Hexe Baba Yaga. Beide sind mythische Gestalten, mit denen man unfolgsamen Kindern in Russland Angst machte: "Warte bis der Spaltkopf kommt, er st&uuml;lpt sich &uuml;ber dein Haupt und saugt Gedanken und Seele aus."<br /><br />Was treibt Mischka in die Ehe mit Franz? Ist es ihre Schwangerschaft? Ist es Liebe? Sucht sie Geborgenheit? Will sie endlich Wurzeln schlagen k&ouml;nnen als Partnerin und Mutter? Nichts von alledem ergibt diese Beziehung. Schnell sind die beiden wieder geschieden. Geradezu wahnhaft identifiziert sich Mischka mit der b&ouml;sen Hexe Baba Yaga. In dieser Rolle darf sie nicht nur sich selbst, sondern auch dem Kind, das sie in sich tr&auml;gt, Gewalt zuf&uuml;gen; sie t&ouml;tet es, und diesen Wunsch hegt sie auch gegen Franz, der zum zweiten Mal heiratet.<br /><br />Als Mischka in ihre Geburtsstadt St. Petersburg reist, das Haus, in dem sie aufgewachsen ist, und das Grab des Vaters aufsucht, bemerkt sie, dass auch dort niemand sie willkommen hei&szlig;t - eine, die damals abgehauen ist, sich nie mehr gemeldet hat. Sie ist eine Heimatlose.<br /><br />Was f&uuml;r eine bittere, qualvolle, zynische, sarkastische Entwicklungsgeschichte! Ein junges M&auml;del wird pl&ouml;tzlich und unvorbereitet ihrer Wurzeln beraubt, in eine fremde Welt verpflanzt. Zerrissen in sich selber, kommt sie eigentlich nie in der Realit&auml;t an, steckt voller Ablehnung gegen andere, aber besonders schmerzhaft gegen sich selbst. Ihr Gl&uuml;ck findet sie im goldenen Westen nicht.<br /><br />Mischkas emotionale Ausw&uuml;chse, sprunghafte Wendungen, irrationale Art und heftige Widerspr&uuml;che spiegeln sich in der literarischen Form. In kurze Aussages&auml;tze gedr&auml;ngt, jagen die Ereignisse den Leser voran. Mitten im Text springt die Erz&auml;hlerin in v&ouml;llig andere Situationen, andere Zeiten, andere Orte, formuliert r&auml;tselhaft. Eingeschobene und kursiv abgesetzte Texte haben poetischen Charakter, betrachten aus anderen Perspektiven, erz&auml;hlen zum Beispiel Erlebnisse aus Gro&szlig;mutter Adas Vergangenheit.<br /><br />"Spaltkopf" steckt voller &Uuml;berraschungen, ist stellenweise sehr anstrengend zu lesen, fordert volle Aufmerksamkeit. Hat der Leser den Handlungsfaden aufgenommen, schon sch&uuml;ttelt die Autorin ihn wieder durch, spielt mit ihm, reiht S&auml;tze in assoziativer oder Sinn entwickelnder oder verdrehender oder geradezu dadaistischer Weise aneinander - etwa in der uhrwerk&auml;hnlichen Sequenz &uuml;ber Zahl, Wort, Wissen und Macht (S. 165 f.).<br /><br />Julya Rabinowichs "Spaltkopf" ist ein intellektuell anspruchsvoller Roman, keine leichte Lesekost. 2008 erschien der mit dem "Rauriser Literaturpreis" ausgezeichnete Deb&uuml;troman in der Wiener edition exil; 2011 hat Deuticke das vielbeachtete Buch neu aufgelegt.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-julya-rabinowich-spaltkopf.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[02.12.2011 16:03: Ausgeliehen von Rebecca Makkai]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-rebecca-makkai-ausgeliehen.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-rebecca-makkai-ausgeliehen.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/494.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Ausgeliehen von Rebecca Makkai"></a>
							<h2>02.12.2011 16:03: Ausgeliehen von Rebecca Makkai</h2>
							<h3>Verschenkt</h3>
							<p><small>Rezension vom 02.12.2011 16:03<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Das h&uuml;bsch puristisch gestylte Buchcover treibt ein witziges Vexierspiel mit Realit&auml;t und Fiktion: Das Auge f&auml;llt erst auf einige aufrecht stehende pastellfarbene B&uuml;cher; vor ihnen entlang tuckert eine winzige knallrote Familienlimousine; aus deren hinterem Seitenfenster schaut jemand heraus, gem&uuml;tlich auf beide Ellenbogen gelehnt, so wie man aus einem Eisenbahnwaggon oder einer Wohnung heraus die Welt betrachtet ... Diese niedliche Szene - halb B&uuml;cherregal mit Spielzeugauto, halb Stra&szlig;e aus Buch-H&auml;usern - stimuliert unsere Erwartung auf ein unterhaltsames und phantasievolles Buch f&uuml;r die ganze Familie.<br /><br />Und ebenso pfiffig, verr&auml;tselt, gebrochen beginnt der Roman: Die 26-j&auml;hrige Bibliothekarin Lucy Hull, Tochter einer j&uuml;dischen Mutter und eines russischen Vaters, dem Gesch&auml;fte mit der Mafia nachgesagt werden, h&auml;lt R&uuml;ckschau auf ihr Abenteuer, bei dem sie einen Jungen "gestohlen" hat. Aber ist sie ein "B&ouml;sewicht"? Sie ordnet sich ("Hull") ein zwischen "Huck" (Finn, dem Kumpan Tom Sawyers) und Humbert (dem erwachsenen Verf&uuml;hrer von Nabokovs kleiner "Lolita"), und erz&auml;hlt dann, was ihr, die "nicht der Held dieser Geschichte" (S. 8) sein will, widerfahren ist.<br /><br />In der Kinderabteilung ihrer Bibliothek in Hannibal, Missouri, bl&uuml;ht sie auf, wenn sie einmal in der Woche den aufmerksamen Kleinen aus literarisch wertvollen B&uuml;chern vorliest. Der zehnj&auml;hrige Ian Drake, ein intelligentes Ausnahmeb&uuml;rschchen, fasziniert sie besonders. Fast t&auml;glich leiht er sich neue B&uuml;cher aus. Doch eines Tages kreuzt seine aufgetakelte Mutter auf und pr&auml;sentiert eine Liste: Tabu seien hinfort alle nicht jugendfreien B&uuml;cher, dazu die Themen Hexerei, Satanismus, Evolutionstheorie sowie Autoren wie Harry Potter [sic!], Roald Dahl, Louis Lowry und &auml;hnliche ... "Und bitte keine S&uuml;&szlig;igkeiten", erg&auml;nzt die entz&uuml;ckende rothaarige Sch&ouml;nheit. Fortan steckt Lucy dem Jungen die B&uuml;cher, die sie ihm empfiehlt, heimlich zu.<br /><br />Als Lucy eines Morgens ihre Bibliothek betritt, findet sie Ian, der zwischen den Buchreihen campiert hat. Er will weg und hat zu diesem Zweck schon sein R&auml;nzchen gepackt. Seine religi&ouml;s erweckte Familie, einer evangelikalen Gemeinschaft angeschlossen, hatte Ian n&auml;mlich f&uuml;r Pastor Bobs spezielle Bibelstunden eingeschrieben: Der kann (angeblich) vom rechten Weg Abgekommene (Schwule, Lesben usw.) umpolen und in dieser Hinsicht Gef&auml;hrdete (wie Ian) vor ihrem Ungl&uuml;ck bewahren.<br /><br />Zun&auml;chst will Lucy den Jungen wieder nach Hause bringen, doch dann dr&auml;ngt der Knabe sie im Auto, sie solle doch "ganz einfach f&uuml;r eine Weile weiterfahren" (S. 107). So gleiten die beiden hinein in eine literarische Rutschpartie quer durch Amerika. Sie machen einen Kurzbesuch bei Lucys Eltern in Chicago. Mit Geldb&uuml;ndeln vom Vater und einer obskuren Schachtel f&uuml;r Onkel Leo fahren sie weiter. Bei dem erf&auml;hrt Lucy, dass ihr Vater einst in Russland konspirativ t&auml;tig war und dann fl&uuml;chten musste. Aber es treibt sie weiter, denn Ian will auf jeden Fall das Grab seiner Gro&szlig;mutter besuchen, das sich angeblich auf einem Friedhof an der kanadischen Grenze befindet ...<br /><br />Eine stringente Handlung darf man bei dieser Entf&uuml;hrungsgeschichte ebenso wenig erwarten wie Fragen nach Motiven und Schuld. Zwar ist der Plot ganz in der konkreten Realit&auml;t angesiedelt (<em>fast-food</em>, Snickers, Handy, Navi, Internet, Amazon ...), doch "realistisch" ist er nur bedingt. Lucy merkt schon, dass sie sich nat&uuml;rlich immer mehr in eine Straftat verstrickt ("mein Leben [...] hingeworfen und das seiner Eltern [...] zerst&ouml;rt", S. 126), doch tingelt sie weiter mit Ian durchs Land. Wenn sie sich identifizieren m&uuml;ssen, tischen sie die tollsten Geschichten auf. Und die Beziehung zwischen beiden d&uuml;mpelt gleichf&ouml;rmig vor sich hin und bleibt oberfl&auml;chlich.<br /><br />Was den Roman reizvoll macht, ist das Spiel mit Vorurteilen und Klischees - &uuml;ber hochbegabte Kinder, &uuml;ber Russen, &uuml;ber Intellektuelle, &uuml;ber bigotte S&uuml;dstaatler, &uuml;ber Regionen der USA und und und ... Dies alles wird ironisch &uuml;berzeichnet und wirkt bisweilen wie ein Karikaturenband.<br /><br />Das zweite Standbein des Romans ist, wie sich ebenfalls schon auf dem Cover abzeichnet, das Spiel mit Literatur. Da fallen die Namen Dutzender VIPs der britisch-amerikanischen Literaturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts: Jane Austen, Thomas Hardy, Vladimir Nabokov, William Thackeray, Theodore Dreiser, Roald Dahl, Lewis Carroll ... Die Autorin zitiert aus Gedichten, Gilbert-and-Sullivan-Werken, Kinderreimen, schottischen Volksliedern ... Sie w&uuml;rzt ihre Erz&auml;hlung mit Anspielungen auf literarische Formen (popul&auml;re "<em>How to</em> ..."-Ratgeber, "<em>Ten things</em> ..."-Listen, Rollenspiele ...). Sie bricht die Perspektive der Ich-Erz&auml;hlung hier und da durch (kursiv abgesetzte) Seitenblicke aus der dritten Person ("Die Bibliothekarin antwortete ...").<br /><br />Doch leider wirkt dieses bunte Kaleidoskop nur zuf&auml;llig zusammengew&uuml;rfelt. Meist bleibt es beim <em>name-dropping</em> oder dem Zitat von ein paar W&ouml;rtern; die Aussagen zu all den vielen Werken, die genannt werden, weil Ian oder sonstwer sie schon gelesen habe, sind belanglos, beil&auml;ufig, blass, und sie tragen weder zu Fortgang noch Vertiefung der Ereignisse bei. Nach dem sch&ouml;nen Cover und den auf dem Schutzumschlag abgedruckten Lobpreisungen aus <em>Booklist</em>, der <em>New York Times</em> und dem <em>Oprah Magazine</em> empfand ich gerade diesen eklektischen Umgang mit B&uuml;chern und Literatur als entt&auml;uschend flach.<br /><br />Was bleibt, ist ein harmloses erz&auml;hltes Roadmovie mit einer geistig &auml;u&szlig;erst beweglichen und lebenst&uuml;chtigen jungen Bibliothekarin und einem altklugen, genialen Zehnj&auml;hrigen - durchaus phantasievoll, in Ma&szlig;en am&uuml;sant, vielleicht etwas zu wortreich und in jedem Fall sehr amerikanisch.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-rebecca-makkai-ausgeliehen.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[30.11.2011 13:19: Das Dunkle und das Kalte: Reportagen aus den Tiefen Niederösterreichs von Manfred Wieninger]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-manfred-wieninger-das-dunkle-und-das-kalte.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-manfred-wieninger-das-dunkle-und-das-kalte.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/493.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das Dunkle und das Kalte: Reportagen aus den Tiefen Niederösterreichs von Manfred Wieninger"></a>
							<h2>30.11.2011 13:19: Das Dunkle und das Kalte: Reportagen aus den Tiefen Niederösterreichs von Manfred Wieninger</h2>
							<h3>St. Pölten ist überall</h3>
							<p><small>Rezension vom 30.11.2011 13:19<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Manfred Wieninger ist bekannt und erfolgreich mit seiner "Heimat"-Krimireihe um den Charakterkopf und "Diskont-Detektiv" Marek Miert, die schon sechs Folgen umfasst. Auf die siebte warten seine Fans seit Monaten. Will der Autor eine Z&auml;sur setzen? Hat er sich eine Auszeit, ein Sabbatjahr geg&ouml;nnt? Leidet er gar unter einer Schreibblockade? Mitnichten! Im Gegenteil. Es hat ihn umgetrieben, wie schon immer. Er wurde in St. P&ouml;lten geboren, doch seine Familie war anderswo in &Ouml;sterreich verwurzelt, und so blieb dem Sohn "Zuagraster" die Geschichte seiner Heimatstadt fremd, verborgen. Schon als Kind empfand er dies als "Defizit" (S. 68), und der Erwachsene forscht seit Jahren, um mehr zu erfahren &uuml;ber diese Stadt.<br /><br />Er begibt sich auf Spurensuche in Archiven, unterh&auml;lt sich mit Historikern und Zeitzeugen, sammelt Daten, protokolliert Ereignisse und unendlich viele Namen. Er bringt Licht in manch dunklen und kalten Winkel, der l&auml;ngst durch Schweigen, Verdr&auml;ngen und Vergessen versch&uuml;ttet war. Wieninger beschreibt, erz&auml;hlt, dokumentiert, berichtet und veranschaulicht dazu durch zahlreiche Fotografien, Postkarten, Listen, P&auml;sse und andere Dokumente. Und dieses umfassende, facettenreiche Portr&auml;t einer Stadt und ihrer Umgebung, ihrer Entwicklung, ihrer Menschen, ihrer Geheimnisse ist jetzt erschienen unter dem Titel "Das Dunkle und das Kalte: Reportagen aus den Tiefen Nieder&ouml;sterreichs" als Band 2/1 der Reihe "Austria as it is" des kleinen Verlages Edition MoKKa.<br /><br />St. P&ouml;lten ist die Landeshauptstadt von Nieder&ouml;sterreich, des gr&ouml;&szlig;ten Bundeslandes. Seit 1700 kann es sich mit einem Dom schm&uuml;cken, geradlinig, kantig, etwas klobig, dessen leicht schief-rechteckiger Vorplatz den B&uuml;rgern zum Wochenmarkt, aber auch als Parkplatz dient. K&uuml;rzlich hat man bei Ausgrabungen entdeckt, dass sich an diesem Ort &uuml;ber 800 Jahre lang ein Friedhof befand. Ziemlich gedanken- und respektlos stellen wir Heutigen also auf den mehr als drei&szlig;igtausend Toten, die &uuml;ber die Jahrhunderte hinweg hier zur Ruhe gebettet wurden, unsere Benzindroschken ab.<br /><br />Haben Sie schon einmal von den "Jenischen" geh&ouml;rt? Die Menschen dieser Minderheitengruppe vagabundierten herum oder lebten au&szlig;erhalb der D&ouml;rfer als Lumpensammler, Korbflechter, Siebmacher, Musikanten, und sie waren schlecht gelitten, denn ihre Lebensweise war alles andere als ehrenhaft und fromm, so wie es sich einst geh&ouml;rte: Sie setzten uneheliche Kinder in die Welt, hielten sich Konkubinen, lebten in Blutschande und separierten sich durch ein unverst&auml;ndliches Kauderwelsch - ein Gemisch aus Hebr&auml;isch, Jiddisch, Sinti, Roma, Deutsch und vielen anderen Sprachen. Schon in der K. u. K. Monarchie vertrieb man die Jenischen von Dorf zu Dorf, und in der NS-Zeit wurde das "Problem" mit bekannt gr&uuml;ndlicher Systematik "gel&ouml;st". Heute, so wei&szlig; Wieninger zu berichten, ist das Jenische "in": Sprache und Kultur werden erforscht, und das ehemals reisende Volk hat sich niedergelassen und &uuml;bt angesehene Berufe aus.<br /><br />1904 wurde in St. P&ouml;lten die 1. &Ouml;sterreichische Glanzstoff-Fabrik AG errichtet. Ihre Bl&uuml;tezeit erlebte sie in den Jahren 1938 bis 1944 durch Auftr&auml;ge f&uuml;r die NS-R&uuml;stungswirtschaft. Das Werk wurde vergr&ouml;&szlig;ert; Kriegsgefangene und j&uuml;dische Zwangsarbeiter schufteten "bei freier Kost und Logis" (beispielsweise 14 Brote f&uuml;r 180 Menschen). Wer nicht an Krankheiten wie Typhus, Unterern&auml;hrung oder v&ouml;lliger Ersch&ouml;pfung starb, wurde kurz vor dem Eintreffen der Sowjetarmee auf den Todesmarsch nach Mauthausen getrieben. 223 Menschen wurden in einem Hinterhalt von einem SS-Kommando niedergemetzelt.<br /><br />Die &Ouml;sterreichische Glanzstoff-Fabrik AG &uuml;berlebte dieses wohl dunkelste Kapitel der Geschichte Nieder&ouml;sterreichs nicht nur - sie boomte weiter. 1966 begr&uuml;&szlig;te man die ersten Gastarbeiter aus Anatolien. Die brachte man geradezu luxuri&ouml;s in Vierer-Baracken unter. Heute leiht man die Arbeiter nur noch; solche Kr&auml;fte kosten noch weniger ...<br /><br />Manfred Wieninger kann aber auch Helles, geradezu Herzerw&auml;rmendes aus seiner Stadt erz&auml;hlen, zum Beispiel die Geschichte des Fu&szlig;ballers "Bimbo", der sich in den Drei&szlig;igerjahren aus dem Arbeiterverein "FC Sturm 19" bis in die Nationalmannschaft kickte.<br /><br />Trotz seiner Faktenorientiertheit ist "Das Dunkle und das Kalte" keine wissenschaftliche Studie. Die Form wechselt zwischen sachlich berichtenden, reportagehaften, unterhaltsam erz&auml;hlenden und essayistischen Passagen, und es w&auml;re nicht von Manfred Wieninger, wenn es nicht auch mit giftigen, bitter ernsten und zynischen Kommentaren gespickt w&auml;re ... Dazu erg&auml;nzt Wieninger Pers&ouml;nliches aus seiner Jugend und aus seiner Wehrdienstzeit, von Gro&szlig;mutters Besuchen der barocken Basilika Maria Dreieichen und deren Historie, von einem Busausflug mit anderen Krimiautoren zu einer Schie&szlig;&uuml;bung bei der &ouml;rtlichen Polizei.<br /><br />Ein Heimatkundebuch f&uuml;r Nieder&ouml;sterreicher? Sicherlich, und wahrscheinlich in erster Linie; aber St. P&ouml;lten ist in vielerlei Hinsicht &uuml;berall. Dies alles macht das B&uuml;chlein auch f&uuml;r Nicht-Historiker wie f&uuml;r Nicht-&Ouml;sterreicher zur schlichtweg interessanten, aufschlussreichen und unterhaltsamen Lekt&uuml;re.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-manfred-wieninger-das-dunkle-und-das-kalte.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[28.11.2011 12:52: Raum von Emma Donoghue]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-emma-donoghue-raum.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-emma-donoghue-raum.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/492.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Raum von Emma Donoghue"></a>
							<h2>28.11.2011 12:52: Raum von Emma Donoghue</h2>
							<h3>Der Gefangene seiner Seele</h3>
							<p><small>Rezension vom 28.11.2011 12:52<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Ma und ihr Sohn Jack leben in einem karg eingerichteten Raum von ungef&auml;hr sechzehn Quadratmetern, und sie haben dort alles, was man zum Leben ben&ouml;tigt: Bett, Stuhl, Kommode, Fernseher, Schrank, Wanne, WC und einen "Frierer". Den ganzen Tag k&uuml;mmert sich Ma liebevoll um ihren Jungen, sie spielen, singen, lesen, machen Wettrennen um den Tisch, schreien aus voller Kehle. Jacks liebstes Spielzeug ist ein Jeep mit Fernbedienung. Er f&uuml;hlt sich geborgen, zu Hause. Er darf bei Ma im Bett schlafen, und sie s&auml;ugt ihn noch an ihren Br&uuml;sten. Nur wenn Old Jack einmal in der Woche durch die nur per Code zu &ouml;ffnende Metallt&uuml;r in das Zimmer tritt, um das Essen hineinzustellen oder um mit Ma zu schlafen, dann verkriecht sich Jack voller Angst in den Schrank. Er h&auml;lt sich die Ohren zu, um die quietschenden Bettger&auml;usche nicht h&ouml;ren zu m&uuml;ssen.<br /><br />Der Roman beginnt nett: Heute ist Jacks f&uuml;nfter Geburtstag. Er teilt dem Leser seine Gedanken mit und erz&auml;hlt von seinen intensiven Gespr&auml;chen mit seiner Ma. Warum spricht er nur so gest&ouml;rt? Artikel vor Substantiven sind ihm fremd. Die Verbformen bildet er im Pr&auml;sens, auch da, wo ein Pr&auml;teritum erwartet w&uuml;rde. Dabei kann er Textstellen aus vielen Kinderb&uuml;chern, wie <em>Alice im Wunderland</em>, auswendig. Selbstst&auml;ndiges Lesen und Schreiben und die Grundrechenarten beherrscht er, und t&auml;glich sieht er fern.</p>
<p>W&auml;hrend wir noch einigerma&szlig;en entspannt weiter lesen, schleicht sich langsam ein beklemmendes Gef&uuml;hl ein: Irgend etwas stimmt hier nicht. Geradezu behutsam kommt die Wahrheit f&uuml;r den Leser ans Licht. Und genauso bringt Ma auch ihrem Sohn ganz vorsichtig bei, dass sie beide nicht allein auf der Welt sind, dass es ein "Drau&szlig;en" gibt. Dass all die Fernsehbilder, die Jack f&uuml;r Illusionen hielt, das reale Leben zeigen. Das kann Jack nicht glauben. Ma berichtet ihm weiter, dass sie sieben Jahre zuvor von der Stra&szlig;e weg von Old Nick gekidnappt und in ihren gemeinsamen Raum, einen Gartenschuppen, gesperrt wurde. Zwei Jahre sp&auml;ter gebar sie ihren Jack auf dem Teppich des Raums. Sie schw&auml;rmt ihm vor, wie sch&ouml;n ihr Leben in Freiheit war, dass sie bei ihren Eltern und einem Bruder in einem Haus mit Garten und Schaukel gewohnt hatte.<br /><br />Jetzt ist die Zeit reif. Sie m&uuml;ssen nach drau&szlig;en. Lange schon hat Ma Fluchtpl&auml;ne geschmiedet, und nun ist Jack alt genug, sie zu unterst&uuml;tzen. Tats&auml;chlich gelingt ihr Vorhaben: In einen Teppich eingerollt tr&auml;gt Old Nick den angeblich an einer schweren Lungenentz&uuml;ndung verstorbenen Jungen aus dem Raum und verfrachtet ihn auf seinen Kleinlaster, um ihn irgendwo zu vergraben. Unterwegs aber befreit sich der Junge aus dem Teppich, springt vom Laster, l&auml;uft auf einen Mann zu und bittet ihn, die Polizei zu informieren, die alsbald Ma findet und den Entf&uuml;hrer verhaftet.<br /><br />Damit beginnt der zweite Teil des Romans. Der Leser erwartet die gro&szlig;e Abrechnung mit einem skrupellosen Mann, vielleicht auch das voyeuristische Ausbreiten entw&uuml;rdigender Szenen, die Ma durchleben musste. Doch Emma Donoghue schl&auml;gt einen anderen Weg ein. Sie verfolgt ganz andere Intentionen.<br /><br />Einerseits geht es ihr um die Opfer. Ma hat bis zu ihrer Belastungsgrenze alles getan, um in dieser unvorstellbaren Situation ihrem Sohn eine immer liebende, f&uuml;rsorgliche Mutter zu sein. Sie f&uuml;llt den "Raum" mit Leben, macht ihn f&uuml;r Jack zum alternativlosen, einzig m&ouml;glichen Zuhause. Trotz ihrer Verzweiflung - sie allein kennt das Drau&szlig;en - will sie f&uuml;r Jack weiterleben, und insofern verdankt sie es ihm, dass sie die Zeit der Gefangenschaft durchsteht.<br /><br />Andererseits geht es der Autorin tats&auml;chlich um "Raum" - inneren und &auml;u&szlig;eren. F&uuml;r Jack wird das "Drau&szlig;en", die von Ma herbeigesehnte "Freiheit", zur gro&szlig;en psychischen Belastungsprobe. Er versteht die reale Welt nicht. Alles macht ihm Angst, und alles ist gef&auml;hrlich. Da sind viele Menschen, die viel L&auml;rm erzeugen. Licht und Sonne blenden, verbrennen ihn. Und seine gest&ouml;rte Sprache wird oft missverstanden. Er sehnt sich in den "Raum", das "Innen" zur&uuml;ck.<br /><br />Wird er unter Anleitung einf&uuml;hlsamer Psychologen lernen, in "Freiheit" zu leben? Wird er das Heraustreten aus dem beengten "Raum" als M&ouml;glichkeit erfassen k&ouml;nnen, sich im weiten "Drau&szlig;en" innerlich fortzuentwickeln?<br /><br />Ein Roman, der sich - in Anbetracht des schrecklichen Verbrechens - unglaublich locker und leicht liest und einen v&ouml;llig neuen und diskussionsw&uuml;rdigen Blick auf die Opferproblematik er&ouml;ffnet.<br /><br />Mit "Room" eroberte Emma Donoghue 2010 die amerikanische Bestsellerliste.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-emma-donoghue-raum.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[25.11.2011 15:29: Der Hase mit den Bernsteinaugen von Edmund De Waal]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-edmund-de-waal-der-hase-mit-den-bernsteinaugen.htm</link>
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					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-edmund-de-waal-der-hase-mit-den-bernsteinaugen.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/491.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Hase mit den Bernsteinaugen von Edmund De Waal"></a>
							<h2>25.11.2011 15:29: Der Hase mit den Bernsteinaugen von Edmund De Waal</h2>
							<h3>Netsuke - Pretiosen aus Japan</h3>
							<p><small>Rezension vom 25.11.2011 15:29<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Edmund Arthur Lowndes de Waal, geboren 1964 in Nottingham, England, ist Professor, Autor und Keramiker. Mit seiner 2010 erschienenen Familiengeschichte "The Hare with the Amber Eyes. A Hidden Inheritance" wurde er noch im gleichen Jahr mit dem Costa Book Award ausgezeichnet. Nun, 2011, ist die deutsche Fassung "Der Hase mit den Bernsteinaugen" bei Zsolnay erschienen.<br /><br />De Waal &uuml;berblickt einen Zeitraum von etwa 150 Jahren und schildert uns die Geschicke seiner j&uuml;dischen Vorfahren, die Mitte des 19. Jahrhunderts als kleine Handelsunternehmer in Odessa begannen, eines der reichsten Finanzimperien in Europa aufbauten und schlie&szlig;lich in der Nazizeit verfolgt und enteignet wurden, alles verloren. Einzig eine Sammlung von 264 Netsuke hat den Krieg &uuml;berstanden.<br /><br />Netsuke sind etwa fingergro&szlig;e Tier- und Menschenfiguren, kunstvoll und mit liebevollen Details aus Buchsbaum-, Kastanien-, Wurzelholz und Elfenbein geschnitzt. Seit dem 17. Jahrhundert dienten sie als Kn&ouml;pfe, Schnallen und &auml;hnliche Dekorationen - oder sie waren einfach nur dazu da, sie in der Hand zu halten oder in der Hosentasche mit geradezu z&auml;rtlichen Empfindungen bei sich zu tragen. Die Zeit verleiht ihnen eine ganz besondere Patina.<br /><br />Dass sich die Sammlung dieser zierlichen Pretiosen nun in einer Glasvitrine in Edmunds Wohnung in London befindet, ist Anna zu verdanken, der Wiener Zofe von Baronin Emmy, des Autors Urgro&szlig;mutter und Ehefrau von Viktor Ephrussi, seinem Urgro&szlig;vater. W&auml;hrend die Nazis im Palais an der Ringstra&szlig;e alles konfiszierten, schaffte Anna die Fig&uuml;rchen klammheimlich in ihrer Sch&uuml;rzentasche nach und nach in ihr Zimmer. W&auml;hrend der Kriegsjahre schlief sie auf den Kostbarkeiten, die sie in ihrer Bettmatratze gut versteckt hatte.<br /><br />1994 starb Edmunds Gro&szlig;onkel Ignaz Ephrussi, genannt Iggie. Er war kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs ins total zerst&ouml;rte und von den Amerikanern besetzte Tokio gezogen. Es war sein Wunsch, dass Edmund sich der Netsuke annehmen solle.<br /><br />Viel hat Edmund seinen Freunden von den Netsuke und seiner ber&uuml;hmten Familie erz&auml;hlt, bis er sich 2005 endlich entschloss, dem weiten Weg der winzigen Objekte, die eng mit den Erinnerungen an seine Familie verkn&uuml;pft sind, zu folgen und ihn niederzuschreiben.<br /><br />Den Grundstein f&uuml;r die weit verzweigte Familie und ihren Wohlstand legte der Urururgro&szlig;vater des Autors, Charles Ephrussi, der aus Griechenland stammte und einen lukrativen Getreidehandel begann. Edmunds Urgro&szlig;vater Viktor, 1860 in Odessa geboren, sieht wie schon sein Onkel Leon die Zukunft in Europa: Paris, Wien und London. Durch Hochzeiten der Kinder verzweigt sich die Familie schnell. Gut, dass im Buchvorsatz ein Stammbaum abgedruckt ist, sonst w&uuml;rde man angesichts der zahlreichen Familienangeh&ouml;rigen leicht die Orientierung verlieren.<br /><br />Um auf den Spuren der Netsuke zu bleiben, befinden wir uns nun bei Charles Ephrussi, einem der drei S&ouml;hne von Leon, welcher seine Privatbank in Paris leitet. Seine anderen Geschwister bauen Filialen in London und Wien auf. Bald geh&ouml;ren die Ephrussi neben den Rothschilds zu den reichsten Familien Europas.<br /><br />F&uuml;r Charles gibt es Sch&ouml;neres im Leben als den schn&ouml;den Mammon, und so verabschiedet sich der junge, verm&ouml;gende Dandy von seiner Arbeit als Banker. K&uuml;nste aller Art faszinieren ihn. Er leitet die Kunstzeitschrift <em>Gazette des Beaux-Arts</em>, ver&ouml;ffentlicht Artikel &uuml;ber Albrecht D&uuml;rer und wird zu einem Sammler heute bedeutender impressionistischer Maler. Er organisiert Ausstellungen, f&ouml;rdert, wo und wen er kann. Wie gesch&auml;tzt Charles gewesen sein muss, belegt ein Bild von Charles Pierre-Auguste Renoir. In seinem Gem&auml;lde "Das Fr&uuml;hst&uuml;ck der Ruderer" (1881) hat er den gro&szlig;z&uuml;gigen M&auml;zen der K&uuml;nste verewigt.<br /><br />Bevor Charles sich den Impressionisten widmete, war er wie viele Pariser, die es sich leisten konnten, der Modewelle der Japonaiserien verfallen. Legend&auml;re Seltenheiten aus Japan, einst nur f&uuml;r K&ouml;nige erschwinglich, wurden nun massenweise importiert. Wer etwas auf sich hielt, kaufte alles, insbesondere Lackarbeiten wie zum Beispiel Dosen und Schatullen, Fayencen, Porzellan, Seide, Wandschirme mit Blattgold. Auch Netsuke wurden in Europa angeboten, aber viele hielten sie f&uuml;r Nippes: ein Oktopus, viele Ratten, eine Mispel, ein sich liebendes Paar ... Nur Charles hatte den richtigen Kunstverstand, erkannte den Wert der fern&ouml;stlichen Kleinode und stellte sie auf gr&uuml;nem Samt in einer Vitrine aus.<br /><br />Sp&auml;ter schenkt Charles seine Netsuke-Sammlung dem Cousin Viktor (Edmunds Urgro&szlig;vater) zu dessen Hochzeit mit der Baronin Emmy. Doch als das Paar in ein Palais mit herrschaftlichen Prunkr&auml;umen und Prachtstiege - das repr&auml;sentativste Haus an der Ringstra&szlig;e in Wien - einzieht, verschwinden die Miniaturen in Emmys Ankleidezimmer.<br /><br />Mit den Nationalsozialisten geht die &Auml;ra der Ephrussis in Wien wie der Juden in ganz Europa auf brutale Weise zu Ende. Die Ephrussis haben noch ein wenig Geld und Beziehungen, dem einen oder anderen gelingt die Flucht. Edmunds Gro&szlig;mutter Elisabeth heiratet einen Holl&auml;nder, lebt in London. Als sie nach dem Krieg kurz nach Wien, den Ort ihrer Kindheit, zur&uuml;ckkehrt, gibt Anna ihr die kleinen Sammlerst&uuml;cke. In einer Aktentasche nimmt Elisabeth sie mit und schenkt sie ihrem j&uuml;ngeren Bruder Iggie. Mit ihm gelangen sie wieder nach Tokio, in das Land, in dem sie einstmals geschaffen wurden.<br /><br />Auf Seite 346 schreibt de Waal, wie wichtig es ihm ist, gr&uuml;ndlich zu arbeiten, immer wieder alles zu &uuml;berpr&uuml;fen, um alles richtig wiederzugeben. Er hat alle Orte aufgesucht; sogar in Odessa hat er an der Promenade gestanden, wo sich 1880 das Bank- und Wohnhaus der Ephrussis befand. Auf diese Weise hat er ein Sittengem&auml;lde geschaffen, bei dem jeder Pinselstrich Aussagekraft hat - mal zart hingetupft, mal pointiert, mal kr&auml;ftig aufgetragen, mal freundlich hell, mal dunkel d&uuml;ster, und bisweilen mit seinen bitteren Tr&auml;nen versehen. Viele Schaupl&auml;tze sind zerst&ouml;rt, manche neu aufgebaut, andere aus alten Fotografien, Erz&auml;hlungen, Tagebuchaufzeichnungen detailgenau rekonstruiert. Er l&auml;sst uns Einblick nehmen in das Alltagsleben seiner wohlsituierten Verwandtschaft - wobei man den Eindruck gewinnt, das Geld vermehre sich von ganz allein, denn wirklich zu arbeiten scheint niemand zu m&uuml;ssen. Repr&auml;sentative Empf&auml;nge, B&auml;lle, Treffen in Salons zum Tee oder beim Billard bestimmen ihre Tage. Kaum vorstellbar, dass Emmy die meiste Zeit ihres Tages im Ankleidezimmer verbringt: Vierzig Minuten ben&ouml;tigt sie allein daf&uuml;r, ihre L&ouml;ckchen unter ihrem Hut zu drapieren. Mit besonderem Genuss werden Sie Seite 166 f. mit der Abbildung studieren: De Waal muss mit den Bernsteinaugen des kleinen Hasen aus der Vitrine heraus zugeschaut haben, was die Baronesse alles anziehen muss, bis sie sich endlich ganz <em>en vogue</em> im Ausgehkost&uuml;m der &Ouml;ffentlichkeit pr&auml;sentieren kann.<br /><br />Edmund de Waals historische Betrachtung umschlie&szlig;t die Gesamtsituation Europas, speziell die &Ouml;sterreich-Ungarns und Wiens, seit den Gr&uuml;nderjahren &uuml;ber die Anf&auml;nge des Nationalsozialismus bis zu Hitlers wahnsinnigen Kriegen und seinem Untergang. Im Mittelpunkt steht die famili&auml;re Situation der Ephrussis, die sich als Wiener Juden assimiliert hatten und gro&szlig;z&uuml;gig Anleihen an das Regime vergaben. De Waal kann seine pers&ouml;nliche Betroffenheit nicht immer zur&uuml;ckhalten, was sein Zeitdokument als umso authentischer und anr&uuml;hrender heraushebt. Dabei zeichnen ihn seine Bescheidenheit und Zur&uuml;ckhaltung besonders aus. Nachfahr einer so renommierten, einflussreichen und unvorstellbar wohlhabenden Familie zu sein l&auml;sst bei ihm keinen Standesd&uuml;nkel aufkommen.<br /><br />Auch dank der nuancierten, feinen Wortwahl ist "Der Hase mit den Bernsteinaugen" ein Lesegenuss, von dem ich keine Sekunde der Lekt&uuml;re missen m&ouml;chte.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-edmund-de-waal-der-hase-mit-den-bernsteinaugen.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[22.11.2011 16:23: Torso von Wolfram Fleischhauer]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-wolfram-fleischhauer-torso.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-wolfram-fleischhauer-torso.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/490.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Torso von Wolfram Fleischhauer"></a>
							<h2>22.11.2011 16:23: Torso von Wolfram Fleischhauer</h2>
							<h3>Crudelitas, Proditio, Fraus</h3>
							<p><small>Rezension vom 22.11.2011 16:23<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Gruselig und makaber beginnt der Plot: In einem Abbruchhaus, das Obdachlosen vor&uuml;bergehend einen Unterschlupf bietet, wird ein Torso gefunden: eine Leiche, der man an Stelle des zugeh&ouml;rigen Kopfes einen Ziegenkopf aufgesetzt hat, befestigt mit einem in den Leib gedrehten Gewindestab. Kurze Zeit sp&auml;ter taucht ein zweiter Torso auf: Aus dem zugen&auml;hten Bauchfell eines Lamms schaut ein Leichenteil hervor. Aufgefunden wurde dieses Ensemble in einem gigantischen Nachtclub, in einem muffigen Eck, das f&uuml;r Menschen mit urophilen Neigungen reserviert ist und wo es nach Ausscheidungen stinkt. Schlie&szlig;lich sieht sich der Angestellte einer Consultinggesellschaft in seinem B&uuml;ro einer &auml;hnlich schauderhaft arrangierten Pr&auml;sentation konfrontiert: Einem Puppenk&ouml;rper wurde ein kahl rasierter Kopf aufgesetzt, am R&uuml;cken wurden Tierfl&uuml;gel befestigt, und aus einem Mantel&auml;rmel ragt eine H&uuml;hnerkralle ...<br /><br />F&uuml;r die Berliner Kriminalpolizei um Martin Zollanger kann es keinen Zweifel mehr geben: Hier agiert ein Serient&auml;ter, der sein Handwerk in aller &Ouml;ffentlichkeit aus&uuml;bt, sich bewusst den &Uuml;berwachungskameras pr&auml;sentiert. Will er entdeckt werden? Welche Motive leiten ihn? Empfindet er perverse Lust an Leichensch&auml;ndung und Tierqu&auml;lereien? Oder handelt es sich um einen auf Abwege geratenen Aktions-K&uuml;nstler, der K&ouml;rperwelten zur Schau stellen m&ouml;chte?<br /><br />Dann tauchen mittelalterliche Holzschnitte mit lateinischen Botschaften auf: "Nullus dolus contra casum" (S. 146). Kommissar Zollanger recherchiert in Bibliotheken und findet heraus, dass sich die inszenierte Leichenschau offenbar an klassischen Vorbildern orientiert: Zwischen 1338 und 1340 hat Ambrogio Lorenzetti im Rathaus von Siena zwei wunderbare Fresken geschaffen, die Allegorie des guten Regierens und die des schlechten Regierens. Der T&auml;ter, offenbar ein gebildeter Mensch, zitiert nun also aus der mittelalterlichen Wandmalerei, die den Sieneser Ratsherren und B&uuml;rgern die rechten Tugenden und die gef&auml;hrlichen Untugenden nebst ihren sehr konkreten Folgen f&uuml;r das Gemeinwohl vor Augen f&uuml;hren sollte. Sein Blick ist freilich einseitig auf die Laster und Verbrechen gerichtet, denn seine Torso-Plastiken stellen Lorenzettis Personifizierungen von "Crudelitas, Proditio, Fraus" (Grausamkeit, Verrat, Betrug) nach (Wie sch&ouml;n: die Fresken sind auf Seiten 230 bis 232 abgebildet.). Und wozu die M&uuml;he? Er will auf politische und moralische Missst&auml;nde in der heutigen Berliner Gesellschaft hinweisen.<br /><br />Vorab hatte er seine drei Holzschnitte Hans-Joachim Zieten zugeschickt, einem prominenten B&uuml;rger Berlins und charismatischen Mann der &Ouml;ffentlichkeit. Der propagiert Anstand und Gerechtigkeit, scheut aber f&uuml;r sich selbst vor keiner Unanst&auml;ndigkeit zur&uuml;ck. Kurz nach der Wende hatte er ostdeutsche Betriebe in die Insolvenz getrieben, um sich dann die Schulden ganz rechtens vom Staat ersetzen zu lassen. Er ist verantwortlich f&uuml;r den - noch unter der Decke gehaltenen - Bankenskandal, der Berlin in den Ruin treiben wird.<br /><br />Eric Hilger arbeitete als IT-Spezialist in dem gigantischen Konglomerat aus Banken, Beraterfirmen und Serviceunternehmen, dessen Vorstand und Jongleur Zieten ist. Schon fr&uuml;h hat Eric den Crash kommen sehen und vorsichtshalber s&auml;mtliche Daten kopiert. Vor wenigen Monaten fand man ihn erh&auml;ngt an einem Baum. Was f&uuml;r die Polizei als eindeutiger Selbstmord gleich zu den Akten gelegt wurde, l&auml;sst Schwester Erin keine Ruhe. Die engagierte Alternative, die an sozialen Brennpunkten arbeitet und gute Kontakte in der Migrantenszene unterh&auml;lt, findet in der Wohnung ihres Bruders Computerdateien, die sie mit Hilfe ihrer Verbindungen zu Hackern entschl&uuml;sseln kann. Das brisante Material hilft schlie&szlig;lich, Zieten zu Fall zu bringen.<br /><br />Wie ist dieses Buch also?<br /><br />Der Handlungsstrang der Leichenschau, die Verankerung im Mittelalter, die Verquickung mit der kunstgeschichtlichen Interpretation hat mir per se gut gefallen. Aber die Verbindung mit einem Bankenskandal finde ich denn doch zu weit hergeholt. Nat&uuml;rlich m&uuml;ssen dreckige Gesch&auml;fte l&uuml;ckenlos aufgedeckt werden - aber daf&uuml;r gibt es doch wohl effizientere Methoden, als durch perverse Anschauungsobjekte einen indirekten und intellektuell verbr&auml;mten Fingerzeig aufzubauen.<br /><br />Unbefriedigend fand ich auch die leider &uuml;berwiegend klischeehaften Pers&ouml;nlichkeiten: Nat&uuml;rlich h&auml;ngt der Ex-DDR-ler Martin Zollanger noch immer sozialistischen Idealen nach; nat&uuml;rlich ist das Wohlstandskind Erin von der Konsumgesellschaft angewidert, ist Vegetarierin, f&auml;hrt kein Auto und lehnt Geld als Zahlungsmittel ab; nat&uuml;rlich treffen wir auf alte Stasi-Seilschaften, die einst systemfeindliche Subjekte in Haftanstalten folgenschwer folterten, nat&uuml;rlich ist Hans-Joachim Zieten nicht nur ein b&ouml;ser Banker, sondern auch menschlich ein Buhmann.<br /><br />Auch Berlin stellt sich uns mit den bekannten Attributen dar: der Kiez mit seinen Obdachlosen und Migranten, das Rotlichtmilieu in allen seitenf&uuml;llenden Spielarten - es fehlt an Originalit&auml;t.<br /><br />Insgesamt liest sich "Torso" recht fl&uuml;ssig. Langeweile kommt nicht auf. Wiederholungen sorgen daf&uuml;r, dass wir den Handlungsfaden nicht verlieren. Und Fleischhauer hat - nachdem ungef&auml;hr f&uuml;nfzig Seiten vor dem Ende alles gekl&auml;rt scheint - noch einen v&ouml;llig &uuml;berraschenden Schluss in petto ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-wolfram-fleischhauer-torso.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[18.11.2011 17:51: Das Gewicht des Schmetterlings von Erri de Luca]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-erri-de-luca-das-gewicht-des-schmetterlings.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-erri-de-luca-das-gewicht-des-schmetterlings.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/489.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das Gewicht des Schmetterlings von Erri de Luca"></a>
							<h2>18.11.2011 17:51: Das Gewicht des Schmetterlings von Erri de Luca</h2>
							<h3>Das letzte Duell</h3>
							<p><small>Rezension vom 18.11.2011 17:51<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Die ersten beiden S&auml;tze stecken das Koordinatensystem einer Existenz ab: "Seine Mutter war vom J&auml;ger erlegt worden. In seinen kitzjungen N&uuml;stern hatte sich der Geruch von Mensch und Schie&szlig;pulver unausl&ouml;schlich festgesetzt." Er, das ist ein junger Gamsbock. Der Mensch ist sein &auml;rgster und st&auml;rkster Feind. Der gemeinsame Lebensort ist ein karstiges Hochgebirge, namenlos wie die tierischen und menschlichen Protagonisten, nicht n&auml;her verortet, denn erstens ist dies nat&uuml;rlich des Gamsbocks gesamte Welt, &uuml;ber deren Jenseits er nichts wei&szlig;, und zweitens geht es ums Existentielle. Das Gebirge, das Dorf, der Mann sind Topoi in dieser Parabel. Aber keine Sorge: Dies ist keine Theorie, sondern ein erstklassiger Lesegenuss.<br /><br />Der Autor beschreibt uns das Leben der Tiere - insbesondere das der G&auml;msen - im ewigen Jahresrhythmus, parallel und verwoben damit das der Menschen.<br /><br />Im November fordern die st&auml;rksten Junggamsb&ouml;cke die erwachsenen Anf&uuml;hrer heraus, um ihnen die Vorherrschaft &uuml;ber das Rudel abzunehmen. Seit zwanzig Jahren allerdings herrscht unangefochten ein au&szlig;ergew&ouml;hnlich gewaltiges Tier, der K&ouml;nig der G&auml;msen. Sein Rudel immer im Blick, erscheint er nur zu den Brunftzeiten, zieht sich dann in die Einsamkeit zur&uuml;ck.<br /><br />T&ouml;dliche Gefahr droht den geschickten Kletterern der Bergwelt einzig von den Adlern (die freilich nur in den L&uuml;ften k&ouml;niglich, am Boden aber "Truth&auml;hne" sind) und dem menschlichen "M&ouml;rdertier". Der Wilderer hat in all den Jahren schon mehr als dreihundert Tiere erlegt, darunter auch Mutter und Schwester des G&auml;msenk&ouml;nigs. Der aber ist mit seinen &uuml;berlebensstarken Sinnen und Instinkten seinem vernunftbegabten Gegner &uuml;berlegen, ja er t&auml;uscht ihn, indem er Steine den Berg hinunterkegelt, seine Aufmerksamkeit ablenkt. Denn so leicht wird er ihm seinen Gamsbart, die begehrte Troph&auml;e, nicht &uuml;berlassen.<br /><br />Der Wilderer, der lieber auf seiner Mundharmonika spielt, als sich mit Worten mitzuteilen, und der der zivilisierten Gemeinschaft in eine karge steinerne Schutzh&uuml;tte entflieht, hat sich trotz seines blutigen Handwerks Nachdenklichkeit und Empfindsamkeit bewahrt. Fr&uuml;her hatte er auch Steinb&ouml;cke gejagt, Tiere mit einem besonderen, f&uuml;rsorglichen Charakter. Eines Nebeltages erschie&szlig;t er ein Muttertier, neben ihm sein Kitz. Das get&ouml;tete Tier f&auml;llt in die Schlucht, das Kitz springt instinktiv hinterher. Nie wird der J&auml;ger den Blick in die Augen des Tierjungen vergessen k&ouml;nnen. Obwohl er sich von den brutalen Fischr&auml;ubern, die die Gew&auml;sser auf Jahre hinaus leer sprengen, distanziert, wei&szlig; er doch, dass er blo&szlig; ein gemeiner "Gelegenheitsdieb" ist, und er fragt sich, ob es einen &uuml;ber alles herrschenden h&ouml;chsten Gebieter gebe, auf dessen Waagschale auch er einmal zu liegen kommen wird.<br /><br />De Lucas Erz&auml;hlung kulminiert schlie&szlig;lich in einem dramatischen Showdown zwischen den beiden Helden. W&auml;hrend der Bock mit einem gro&szlig;en Satz &uuml;ber den im Hinterhalt liegenden J&auml;ger hinwegspringt, durchbohrt gleich danach dessen Kugel sein Herz. "Das Tier hatte ihn verschont, er aber nicht das Tier. Nichts hatte er verstanden von der Gegenwart, die schon verloren war" (S. 68). Des Rudels Ehrbezeugungen f&uuml;r den toten K&ouml;nig r&uuml;hren erneut den gealterten Mann, und er wei&szlig;, dass er nie mehr ein Tier t&ouml;ten wird.<br /><br />Die kleine Novelle ist nur 64 schmale Seiten lang, aber von h&ouml;chster Intensit&auml;t. In hohem, poetischem Stil ("Windkleid", S. 55, ",Er' ... der Mensch eine Silbe im W&ouml;rterbuch", S. 39) gestaltet der Autor vielschichtige Charaktere und die schicksaltr&auml;chtigen Beziehungen zwischen ihnen. Dabei nimmt er die Tiere als Pers&ouml;nlichkeiten ernst wie Menschen, ohne sie aber in Hollywood-Manier als Pseudo-Menschen zu verkitschen.<br /><br />Mann und G&auml;mse sind aus demselben Holz geschnitzt: Beide sind ihren Artgenossen &uuml;berlegen, beide sind bedachte Einzelg&auml;nger, die die anderen und ihr Treiben aus &auml;u&szlig;erer und innerer Distanz betrachten, beide beherrschen perfekt die Spielregeln ihrer Gemeinschaften, beide werden "K&ouml;nig der G&auml;msen" genannt, beide sind Gejagte, beide sind am Ende geschw&auml;cht und ahnen das Ende ihrer &Auml;ra, Untergang und Tod.<br /><br />Ihre individuellen Eigenarten treten deutlich hervor in den treffsicher skizzierten Vergleichen mit B&auml;r, Adler, Spinne, Schmetterling, den Dorfbewohnern, den Frauen und ihrem Wesen, ihren Jagdmethoden, ihren St&auml;rken, ihren Schw&auml;chen.<br /><br />Nur eine kleine, aber bildkr&auml;ftige Rolle spielt der titelgebende wei&szlig;e Schmetterling. Er setzt sich sinnf&auml;llig auf das Horn des Bocks ebenso wie auf den Gewehrlauf des Mannes nieder, und am Ende ist er es, der "die Rechnung &uuml;ber die Last all dieser rauen Jahre" &uuml;berbringt (S. 72). Denn vor dem h&ouml;chsten J&auml;ger erweist sich des Menschen Sieg im Bewusstsein seiner armseligen, niedertr&auml;chtigen Diebsexistenz "zwillingsgleich" (S. 69) als seine Niederlage.<br /><br />Das B&uuml;chlein schlie&szlig;t mit einem Epilog (einer zweiten Geschichte mit &auml;hnlichem Klang), einem aufschlussreichen Nachwort des &Uuml;bersetzers und Peter Kammerers Laudatio zum Petrarca-Preis 2010 f&uuml;r Erri de Luca. Dessen Erz&auml;hlungen "Ich bin da" (2004), "Das Licht der fr&uuml;hen Jahre" (2000) und "Der Tag vor dem Gl&uuml;ck" (2010) haben in Italien Kultstatus.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-erri-de-luca-das-gewicht-des-schmetterlings.htm" target="_blank">
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							</p>
						</div>
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				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[16.11.2011 13:13: Das vergessene Kind von Kate Atkinson]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-kate-atkinson-das-vergessene-kind.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-kate-atkinson-das-vergessene-kind.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/488.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das vergessene Kind von Kate Atkinson"></a>
							<h2>16.11.2011 13:13: Das vergessene Kind von Kate Atkinson</h2>
							<h3>&quot;Started Early, Took My Dog&quot;</h3>
							<p><small>Rezension vom 16.11.2011 13:13<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Kate Atkinsons "Das vergessene Kind" steht auf Platz 1 der KrimiZEIT-Bestenliste November 2011. Aber ist das &uuml;berhaupt ein Krimi? Ja: Atkinson verarbeitet viele inhaltliche Zutaten dieses Genres (Polizei, Aufdeckung von Gesetzesbr&uuml;chen, Milieus). Und nein: Wer kaltschn&auml;uzige Gangster, brutale &Uuml;berf&auml;lle, sadistische Psychopathen, Lust am blutr&uuml;nstigen Morden und dergleichen sucht, wird davon nichts finden. Auch das Cover - auf dem von rechts ein h&uuml;bsches M&auml;dchen mit wei&szlig; gepunktetem Kleid und br&uuml;netten, langen Haaren ins Bild tritt - mag falsche Erwartungen wecken.<br /><br />Also ein untypischer Krimi? Atkinson schreibt zartf&uuml;hlender, eindringlicher. Nicht T&ouml;tungsdelikte stehen im Mittelpunkt ihres Interesses, sondern die Charaktere in ihren begrenzten Aktionsradien. Die Figuren haben durchweg Probleme im Leben mit sich selber, ihren Familien, Freunden, am Arbeitsplatz und im Alltag. Alle sind sie auf der Suche nach nicht greifbaren Lebenszielen wie Liebe, Gl&uuml;ck, W&auml;rme, Anerkennung. Sie hatten Tr&auml;ume und Chancen, verpassten sie aber irgendwie, und L&uuml;gen der Vergangenheit belasten sie schwer. Diese psychosozialen, gesellschaftskritischen Schwerpunkte siedelt Atkinson an sehr konkreten Schaupl&auml;tzen an.<br /><br />Hope McMaster, eine junge Neuseel&auml;nderin, die als Adoptivkind aufgewachsen war, m&ouml;chte nach mehr als 30 Jahren endlich ihre biologischen Eltern finden. Sie engagiert den f&uuml;nfzigj&auml;hrigen Privatermittler Jackson, um in Leeds nach ihren Wurzeln zu forschen.<br /><br />Jackson hat die letzten Jahre in der Armee verbracht. Er brauchte die harte Disziplin, um seine eigenen Schicksalsschl&auml;ge wenigstens zeitweise und irgendwie aus seinem Kopf und seiner Seele zu verbannen: Mutter, Bruder und Schwester sind tot, seine Tochter Niamh wurde vergewaltigt, erw&uuml;rgt und in einen Fluss geworfen. Nur sein Vater lebt noch, aber mit ihm verbindet ihn nichts mehr. Wie kann ein Mensch das aushalten?<br />Eines Tages wird Jackson zuf&auml;llig Zeuge, wie in einem Park ein gewaltt&auml;tiger "Testosteronmann" seine Wut an seinem Hund ausl&auml;sst, ihn fast an seiner Leine stranguliert. Ein KO-Schlag setzt den Unbekannten au&szlig;er Gefecht, und das bibbernde, haarige Etwas wird von nun an Jacksons treuer Begleiter.<br /><br />H&auml;tte Tracy Waterhouse damals vor 30 Jahren den kleinen vierj&auml;hrigen Michael adoptiert, ihr Leben w&auml;re sicher anders verlaufen. Sie hatte ihn gefunden, nachdem sie mit dem Ermittlerteam der Polizei gewaltsam eine Wohnung ge&ouml;ffnet hatte. Drei Wochen hatte der kleine Junge in der Wohnung ausgeharrt - neben der Leiche seiner Mutter. Das Sozialamt entschied, ihn in ein Waisenhaus zu stecken.<br />Nun hat Tracy einen Nebenjob als Sicherheitsleiterin eines gro&szlig;en Einkaufszentrums. Sie beobachtet, wie die stadtbekannte Prostituierte Kelly Cross ihre kleine Tochter zusammenstaucht. Tracy erblickt dieses Kind ohne Zukunft, und blitzartig verhei&szlig;t es ihr eine Lebensaufgabe, Verantwortung, Erf&uuml;llung ... "Was kostet das Kind?" f&auml;hrt es in sie und aus ihr. Kelly hat genug Probleme, kann Geld gebrauchen, willigt in den Deal ein, und Tracy macht sich mit der pummeligen kleinen Courtney schnell aus dem Staub. Aber schon bald holt ihr Gewissen sie ein, denn schlie&szlig;lich ist ein Mensch keine Ware, und mit dem Kauf eines Kindes hat sie eine Straftat begangen.<br /><br />Ein ganz armes Gesch&ouml;pf ist die alternde Schauspielerin Tilly. Noch hat sie eine Rolle in einer TV-Soap, aber da sie sich kaum noch ihre Texte merken kann und demente Ausf&auml;lle und Merkw&uuml;rdigkeiten auftreten, sind die Tage ihrer Berufst&auml;tigkeit gez&auml;hlt, Alter und Isolation stehen ihr bevor. Warum hatte sie sich vor drei&szlig;ig Jahren von ihrer Schauspielerfreundin Sallie zu einer Abtreibung &uuml;berreden lassen? Zwar war das Kind nur ein Unfall aus einem One-Night-Stand mit einem Farbigen, aber immerhin w&auml;re Tilly jetzt m&ouml;glicherweise nicht allein auf der Welt.<br /><br />Atkinsons Roman spielt sich in zwei zeitlich getrennten Handlungsstr&auml;ngen - im Jahre 1975 und in der Jetztzeit - ab. Was 1975 geschehen war, haben die beteiligten Personen l&auml;ngst verdr&auml;ngt. Nun holt sie die Vergangenheit mit voller Wucht wieder ein. Jacksons Nachforschungen um die kleine Hope k&ouml;nnten die dunklen Geheimnisse l&uuml;ften, doch sind Akten und Dokumente unauffindbar. Sowohl Polizei als auch Sozialamt halten sich bedeckt, man kluckt zusammen, wei&szlig; sich loyal zu verhalten. Und Tracy, die auch Auskunft geben k&ouml;nnte, hat panische Angst vor diesem Ermittler, der nach vermissten Kindern sucht. Wenn er sie findet, wird man ihr Courtney sicher wegnehmen, glaubt sie ...<br /><br />Als Leser kann man sich zun&auml;chst kaum einen Reim darauf machen, wie das alles zusammengeh&ouml;rt. Langsam, akribisch, konsequent und stimmig f&uuml;gt Atkinson eins zum anderen, bis sich ein vollst&auml;ndiges Bild ergibt. Am Ende des Romans stellt sich ein trauriges Gef&uuml;hl ein: Wieder sind es Frauen und Kinder, die um ihr Leben betrogen wurden.<br /><br />Krimi oder nicht? Ein Blick in abgr&uuml;ndige Leben, ein lesenswerter Roman, ein St&uuml;ck gute Unterhaltung.<br /><br />Zum Abschluss: Vielleicht sollte man dieses Buch lieber im Original lesen. Schon dessen lapidarer Titel "Started Early, Took My Dog" evoziert ganz anderes als "Das vergessene Kind", und in der &Uuml;bersetzung gibt es etliche Textstellen, die meines Erachtens unrund, nicht ausgefeilt, holprig deutsch klingen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-kate-atkinson-das-vergessene-kind.htm" target="_blank">
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[13.11.2011 12:48: Geopfert von Tony Black]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-tony-black-geopfert.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-tony-black-geopfert.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/487.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Geopfert von Tony Black"></a>
							<h2>13.11.2011 12:48: Geopfert von Tony Black</h2>
							<h3>Gus Dury Number 1 - ein Noir-Krimi aus Schottland</h3>
							<p><small>Rezension vom 13.11.2011 12:48<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Gus Dury, Kind einer Arbeiterfamilie und &auml;ltester Sohn eines Ex-Fu&szlig;ballstars, wurde schon in seiner Kindheit seelisch gebrochen. Der Vater wollte nur das Beste, forderte viel von ihm ein. Doch dem Druck konnte der Junge nicht standhalten, er erf&uuml;llte nicht die Erwartungen, verweigerte sie zuletzt und musste daf&uuml;r kr&auml;ftig Pr&uuml;gel und dem&uuml;tigende Beschimpfungen einstecken. Der st&auml;ndig alkoholisierte Vater konnte seinen J&auml;hzorn auch gegen seine Ehefrau nicht kontrollieren, drangsalierte und misshandelte sie.<br /><br />Als Gus einen Job bei einer Zeitung findet, verl&auml;sst er das elterliche Haus und beschlie&szlig;t, jeglichen Kontakt zum Vater f&uuml;r immer abzubrechen.<br /><br />Gus ist im Innersten ein liebenswerter Kerl mit einem ausgepr&auml;gten Gerechtigkeitssinn, aber er hat nie gelernt, wie man Probleme l&ouml;sen kann, ohne seine F&auml;uste zu gebrauchen. W&auml;hrend er f&uuml;r seine Zeitung den Minister f&uuml;r Einwanderung interviewt, verliert er die Kontrolle &uuml;ber sich, verpasst dem gew&auml;hlten Volksvertreter ein paar heftige Schl&auml;ge und verliert somit auch seinen Job. Fortan ist der gesellschaftliche Abstieg vorprogrammiert. Gus versumpft zusehends. Sein Tag beginnt und endet mit Alkohol und Zigaretten, seine Ehe mit Deb l&auml;uft geradlinig auf eine Scheidung zu.<br /><br />Tony Blacks Roman "Geopfert" spielt in der schottischen Kulturhochburg Edinburgh. Doch die historisch bedeutsamen St&auml;tten und schicken Einkaufsmeilen streift Gus nur. Ihn zieht es in die <em>pubs</em> zu Col, wo er sich seine <em>pints</em> hinter die Kiemen kippt. Sein bisschen Haar l&auml;sst er sich von Mac, einem einfachen Friseur, stutzen, und auf Fitz the Crime, einen Polizisten, den er aus seiner Zeit als Journalist kennt, baut er seine Hoffnungen, mal etwas Insiderwissen zu erfahren.<br /><br />Cols Sohn Billy-Boy ist auf die schiefe Bahn geraten: Er hat sich mit dem Russen Benny the Bullfrog und seiner Bande zusammengeschlossen. Es schien, als k&ouml;nne Billy in das dicke Gesch&auml;ft einsteigen, doch irgendwas muss schief gelaufen sein. Er wurde bestialisch gefoltert und ermordet. Col bietet Gus Geld an, damit er den M&ouml;rder seines Sohnes und die Umst&auml;nde seines Todes herausfindet. Und Gus opfert sich im wahrsten Sinne des Wortes. Schnell findet er heraus, in welch kriminellem Milieu sich Billy herumtrieb und dass die verbrecherischen Aktivit&auml;ten bis in allerh&ouml;chste Kreise reichten. Korrupte Polizisten sch&uuml;tzen das Gesch&auml;ft und halten ihre Hand &uuml;ber die Herrschaften aus der <em>high society</em>. Mit abgekarteten Beschuldigungen verhaftet man Gus. Im Knast wird er bis zur Besinnungslosigkeit verpr&uuml;gelt. Ohne Z&auml;hne, mit gebrochener Nase und der Empfehlung, aus der Stadt zu verschwinden und sich Billy the Bullfrog nie mehr zu n&auml;hern, wird er schlie&szlig;lich aus der Haft entlassen.<br /><br />Gus ist ein Getriebener. Er muss diese Sache zu Ende bringen, selbst wenn er dabei draufgehen sollte. Wie Feuer brennen in ihm die Wut &uuml;ber seine Ohnmacht gegen die allm&auml;chtige Bande, der Hass auf diese Leute, die den alten, einsamen Milo, den er in einer Absteige kennengelernt hatte, einfach abgefackelt haben, weil er zuf&auml;llig Zeuge ihrer Verbrechen wurde. Und er steht zu dem Versprechen, das er Col gegeben hat.<br /><br />Der eigentliche kriminelle Plot ist nichts spektakul&auml;r Neues: Mord, Prostitution, Menschenhandel, Korruption und dergleichen sind immer wieder beliebte Themen. Doch Tony Black &uuml;berzeugt durch deren individuelle Bearbeitung und seine pr&auml;zisen Ortskenntnisse: Er f&uuml;hrt uns in Edinburghs sch&auml;bigste, dunkelste Flecken und Gassen. So hart wie die F&auml;uste, so hart, derb und ad&auml;quat ist der Sprachjargon: Black legt seinen Figuren markante Wortwechsel in den Mund. Die Stimmung ist durchweg mies und d&uuml;ster; bisweilen, dann aber besonders frappierend, erstaunen humorvolle, zynische Sentenzen. Gus' Geist scheint noch nicht g&auml;nzlich von Alkohol und Nikotin vernebelt zu sein: Er interessiert sich f&uuml;r Literatur, Musik, Filme, TV-Shows. So liest er zum Beispiel (passenderweise) Joseph Roths <em>Die Legende eines Trinkers</em>, h&ouml;rt Lennon und Nirwana, liebt Dustin Hoffmann in <em>Outbreak</em> ...<br /><br />"Paying for It", so der Originaltitel von Tony Blacks Krimideb&uuml;t, erschien 2008 in Gro&szlig;britannien und st&uuml;rmte die dortigen Bestseller-Listen. Seither sind schon drei weitere Romane aus der Gus-Reihe gefolgt - bis sie auch auf dem deutschsprachigen Markt erscheinen, m&uuml;ssen wir uns noch gedulden. "Geopfert" hat es im November 2011 in die KrimiZEIT-Bestenliste geschafft.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-tony-black-geopfert.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[10.11.2011 15:58: Nichts als Erlösung von Gisa Klönne]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-gisa-kloenne-nichts-als-erloesung.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-gisa-kloenne-nichts-als-erloesung.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/486.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Nichts als Erlösung von Gisa Klönne"></a>
							<h2>10.11.2011 15:58: Nichts als Erlösung von Gisa Klönne</h2>
							<h3>Auge um Auge, Zahn um Zahn</h3>
							<p><small>Rezension vom 10.11.2011 15:58<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Wenn sich jemand "nichts als Erl&ouml;sung" w&uuml;nscht, muss er sich in gr&ouml;&szlig;ter existentieller Not befinden. Daf&uuml;r bieten sich etliche Interpretationen an:<br />Ein Mensch, der Schuld auf sich geladen hat, f&uuml;rchtet um sein Seelenheil und bittet Gott, dass er ihm "Absolution" erteilen m&ouml;ge. Jesus ist f&uuml;r die Christenheit der "Erl&ouml;ser" von aller Schuld.<br />Schuld kann jemand aber auch im juristischen oder moralischen Sinn tragen. Um sich von solcher Last zu befreien, kann er sich weltlichen Gerichten stellen und f&uuml;r seine Taten s&uuml;hnen und/oder sein Opfer um Vergebung bitten. Was aber, wenn er nicht die St&auml;rke hat, diese Erl&ouml;sungschancen selbst herbeizuf&uuml;hren?<br />"Nichts als Erl&ouml;sung" kann sich aber auch ein g&auml;nzlich Unschuldiger ersehnen, zum Beispiel, um von einem konkreten k&ouml;rperlichen oder psychischen Leiden befreit zu werden. Wenn das eine schwere Krankheit ist, k&ouml;nnen vielleicht Medizin und Medikamente helfen; im schlimmsten Fall kann allein der Tod Erl&ouml;sung bringen.<br />Wenn jemand gequ&auml;lt oder gefoltert wird, ohne sich selbst befreien zu k&ouml;nnen, fleht er seinen Peiniger um Erl&ouml;sung aus seinen unertr&auml;glichen Qualen an.<br />Schlie&szlig;lich k&ouml;nnte man sich einen Menschen vorstellen, der an einem Trauma leidet, an Wahnvorstellungen, die ihn t&auml;glich verfolgen und sein Leben zur H&ouml;lle machen. Wer kann ihn erl&ouml;sen?<br /><br />"Nichts als Erl&ouml;sung" lautet der Titel des neuesten Kriminalromans von Gisa Kl&ouml;nne, und wie wir sehen, ist er &auml;u&szlig;erst evokativ. In welche Richtung f&uuml;hrt uns das Buch?<br /><br />Die K&ouml;lner Kommissarin Judith Krieger erh&auml;lt in letzter Zeit anonyme Briefe nach Hause und sogar in ihr Postfach im Polizeipr&auml;sidium. Sie wurden auf einer alten Schreibmaschine getippt und enthalten auch Schwarz-wei&szlig;-Fotos. So richtig kann Judith die Botschaften noch nicht wirklich verstehen, aber sie sp&uuml;rt, dass der Unbekannte sich ganz sicher darin ist, in ihr die richtige Adressatin f&uuml;r seine - immer dr&auml;ngenderen - Bitten anzusprechen: "Ich hoffe, dass Du mir gn&auml;dig bist." (S. 10) "Am Ende kann es also doch noch Erl&ouml;sung geben." (40). "Und Du musst mir helfen. [...] Ich will doch nichts als Erl&ouml;sung von Dir." (196) Kein Wunder, dass Judith sich unwohl, beobachtet und verfolgt f&uuml;hlt.<br /><br />Doch bald erfordert ein furchtbares Ereignis ihre volle Konzentration und lenkt sie vorl&auml;ufig von dem Psychopathen ab. W&auml;hrend einer schw&uuml;len Augustnacht erwacht sie schwei&szlig;gebadet aus einem Albtraum, sie muss raus aus der Bude, am Rhein entlang joggen. Dort wird sie zuf&auml;llig Zeuge einer Hinrichtung. Gerade kann sie noch die Schemen des T&auml;ters erahnen, wie er sich aus dem Schatten entwindet - und entkommt. Die Leiche, mit einem Einschussloch im Kopf, das Gesicht "weggesprengt", liegt unter der Deutzer Br&uuml;cke; hoch droben erstrahlt der K&ouml;lner Dom in seiner erhabenen Gr&ouml;&szlig;e. Judith alarmiert den gesamten Polizeiapparat, die Ermittlungen nehmen ihren &uuml;blichen Gang. Der Tote ist Jonas Vollenweider. Seit zwanzig Jahren lebt er auf der griechischen Insel Samos. Er ist nur nach K&ouml;ln geflogen, um das elterliche Haus in H&uuml;rth zu verkaufen. Warum erst jetzt? Und warum trifft er auf einen M&ouml;rder? Ist alles Zufall? Oder steckt penible Planung dahinter?<br /><br />Die weiteren Nachforschungen decken eine alte, bis jetzt ungel&ouml;ste Familientrag&ouml;die auf. Die beiden Elternteile und Schwester Miriam Vollenweider wurden im H&uuml;rther Haus ermordet, aber ihre Leichen hat man nie gefunden. Vielleicht hat Jonas sie get&ouml;tet, ist dann get&uuml;rmt, glaubte, nun sei Gras &uuml;ber die Sache gewachsen und er k&ouml;nne das Haus verkaufen. Aber warum wurde er get&ouml;tet? Es passt alles nicht zusammen. Doch Gisa Kl&ouml;nne f&uuml;gt ein Puzzlesteinchen zum anderen und weitet den Horizont immer mehr.<br /><br />Im Steiner Auenwald bei Darmstadt entdeckt ein Raubgr&auml;ber bei seiner kriminellen Suche nach Antiquit&auml;ten aus der Zeit der R&ouml;mer, Kelten und Germanen die verschollenen Leichen der Vollenweiders. In einem anderen Strang ist Ren&eacute; Zobel, der rasende Reporter des Kuriers, auf der Hatz nach rei&szlig;erischen Schlagzeilen. An die Berichterstattung &uuml;ber das Todeshaus von vor 20 Jahren kann er sich noch erinnern und st&ouml;bert nun in alten Archiven. Er findet dort, dass die Vollenweiders noch gar nicht lange dort gelebt hatten, dass sie Heimleiter eines Kinderheims "Frohsinn", das es schon seit 1934 gab, gewesen waren. &Uuml;berlebenden f&auml;llt es schwer, zu berichten, was sie unter dem nationalsozialistischen Regime in Heimen, Verwahranstalten, &Uuml;bergangsstationen und bei Deportationen erlebt hatten. Sie wurden gedem&uuml;tigt, ihre K&ouml;rper misshandelt, Kinderseelen gebrochen.<br /><br />M&uuml;ssen Judith und ihr Team in dieser Richtung weiter ermitteln? Hat vielleicht jemand aus Hass oder aus Rache get&ouml;tet und w&uuml;nscht nun "nichts als Erl&ouml;sung"? Die geheimnisvollen Briefe k&ouml;nnten in Zusammenhang mit den Morden stehen; der Schreiber k&ouml;nnte ein T&auml;ter sein, der w&uuml;nscht, dass die &Ouml;ffentlichkeit erf&auml;hrt, welch entw&uuml;rdigende Kindheit er als Nummer "417" im Haus "Frohsinn" durchleiden musste, und der sich danach sehnt, dass man ihn versteht.<br /><br />Gisa Kl&ouml;nnes Buch besticht durch die sensible und psychologisch stimmige Bearbeitung des aktuellen Themas der Misshandlung Schutzbefohlener in staatlichen und kirchlichen Heimen. Vor allem aber nimmt der Roman einen sofort gefangen, die handelnden Figuren mit ihren allt&auml;glichen Problemen f&uuml;llen ihn mit Leben. Die Protagonistin Judith Krieger ist ein vielschichtiger Charakter - nicht nur <em>tough</em> als Kommissarin, sondern seelisch befrachtet, indem sie noch mit alten F&auml;llen k&auml;mpft, &Auml;rger mit ihrer Mutter hat; W&auml;rme und Vertrauen findet sie bei ihrem Partner.<br /><br />Mit Feingef&uuml;hl n&auml;hert sich die Autorin dem T&auml;ter an. Lange bleibt er anonym. In den Schriftst&uuml;cken, die er an Judith schickt, treten seine schweren traumatischen Sch&auml;den langsam, aber immer deutlicher zutage. Kl&ouml;nne beweist ihr strategisches Geschick, indem sie die Spannung durch eine kluge, vorsichtige Enth&uuml;llungstaktik zu halten vermag und es uns Lesern erm&ouml;glicht, die Denkungsweise des T&auml;ters nachzuvollziehen. Er ist ein Opfer, dem seelische Gewalt angetan wurde; er kann nicht anders, als diese Gewalt weiterzugeben - und er hat mehrere verst&auml;ndliche Gr&uuml;nde, um f&uuml;r sich Erl&ouml;sung zu ersehnen ...<br /><br />Wenngleich man &uuml;ber ein paar unlogische Details und manch nicht ganz einleuchtend gel&ouml;ste Frage stolpern mag, hat mich Gisa Kl&ouml;nnes neues Buch "Nichts als Erl&ouml;sung" deutlich beeindruckt.<br /><br />Im Jahr 2009 wurde die Autorin f&uuml;r ihren Krimi "Nacht ohne Schatten" mit dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-gisa-kloenne-nichts-als-erloesung.htm" target="_blank">
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[10.11.2011 12:20: Du sollst nicht sterben von Peter James]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-peter-james-du-sollst-nicht-sterben.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-peter-james-du-sollst-nicht-sterben.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/485.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Du sollst nicht sterben von Peter James"></a>
							<h2>10.11.2011 12:20: Du sollst nicht sterben von Peter James</h2>
							<h3>Sexy-hexy Highheels</h3>
							<p><small>Leseeindruck vom 10.11.2011 12:20<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Am Neujahrsmorgen entdecken der Hotelmanager und das Zimmerm&auml;dchen in einem der Zimmer eine reglose nackte Frau. Offenkundig wurde sie vergewaltigt. Nun liegt sie gefesselt und geknebelt wie eine Gekreuzigte auf ihrem Bett, aber, Gott sei Dank, sie lebt.<br /><br />Der Taxifahrer Jak war in der Sylvesternacht im Einsatz. Zwar muss er irgendwie Geld verdienen, aber eigentlich hasst er seine G&auml;ste, die, wenn sie zu ihm ins Auto steigen, seine Privatsph&auml;re st&ouml;ren. Nur Frauen mit sexy St&ouml;ckelschuhen sind ihm immer willkommen. Kleine, feine Sandaletten in Rot und mit zarten Lederriemen erregen ihn; die muss er besitzen, in seiner Sammlung katalogisieren. Diese Nacht hat er wieder ein Paar mit nach Hause bringen k&ouml;nnen.<br /><br />Jak, dessen Zuhause ein von Freunden gemietetes Schiff ist, ist schon seit Jahren in Therapie, denn normal ist er nicht - aber ist er auch gef&auml;hrlich? Ist er der legend&auml;re Schuh-Dieb, der vor neun Jahren mehrere Frauen vergewaltigt, get&ouml;tet und dann als Troph&auml;en H&ouml;schen und Designer-Highheels vom Tatort mitgenommen hatte?<br /><br />Detective Superintendent Roy Grace sitzt vor den Aktenkartons. F&uuml;nf ungel&ouml;ste Kapitalverbrechen lasten noch auf ihm und werden jetzt erst einmal ins n&auml;chste Jahr verschoben. Er freut sich auf den Sylvesterabend mit seiner Geliebten Cleo, die bald ihr gemeinsames Kind zur Welt bringen wird. Seine Ex-Ehefrau Sandy ist seit neun Jahren verschwunden; nun wird er sie offiziell f&uuml;r tot erkl&auml;ren und Cleo endlich heiraten k&ouml;nnen.<br /><br />Zwei zeitlich versetzte Erz&auml;hlstr&auml;nge, rasant erz&auml;hlt. Verschwundene, vergewaltigte, get&ouml;tete Frauen, und allzu leicht m&ouml;chte man jetzt schon Jak als mordenden Psychopathen erkennen. Aber dieses Strickmuster w&auml;re zu simpel f&uuml;r den Bestseller-Autor Peter James. Let's wait and see ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-peter-james-du-sollst-nicht-sterben.htm" target="_blank">
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							</p>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[07.11.2011 09:51: Maria, Mord und Mandelplätzchen von Michelle Stöger]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michelle-stoeger-maria-mord-und-mandelplaetzchen.htm</link>
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					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michelle-stoeger-maria-mord-und-mandelplaetzchen.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/484.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Maria, Mord und Mandelplätzchen von Michelle Stöger"></a>
							<h2>07.11.2011 09:51: Maria, Mord und Mandelplätzchen von Michelle Stöger</h2>
							<h3>Oh du mörderische Weihnachtszeit!</h3>
							<p><small>Rezension vom 07.11.2011 09:51<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit bringt der Knaur-Verlag ein Taschenbuch mit 24 Krimikurzgeschichten der namhaftesten deutschen Autorinnen und Autoren, darunter Gisa Pauly (deren Krimi "Inselzirkus" auf der Spiegel-Bestsellerliste stand) und mehreren Friedrich-Glauser-Preistr&auml;ger, wie z.B.: Zo&euml; Beck (2010 f&uuml;r ihre Krimikurzgeschichte "Drau&szlig;en"), Gisa Kl&ouml;nne (2009) und Richard Birkefeld (2003). Friedrich Ani erhielt f&uuml;r drei seiner Tabor-"S&uuml;den"-Romane den Deutschen Krimipreis, und 2011 stand "S&uuml;den" wochenlang auf Platz 1 der Krimibestenliste. Doch gerade wenn Ihnen nicht alle Namen vertraut sind, bietet dies Buch ein buntes Kaleidoskop und nimmt sie mit auf eine Entdeckungsreise - vielleicht schreiben Sie ja den einen oder anderen Autor in Ihre Favoritenliste f&uuml;rs n&auml;chste Jahr.<br /><br />Die sehr individuellen, niveauvollen Kurzkrimis umfassen etwa zehn bis zwanzig Seiten und servieren einen m&ouml;rderischen Leckerbissen f&uuml;r jeden Tag der Adventszeit, bis wir am Heiligen Abend mit dem letzten Fensterl dieses literarischen Adventskalenders Andreas F&ouml;hrs Geschichte "Die stille Nacht" aufschlagen d&uuml;rfen.<br /><br />Wie die Kinder sind auch wir von Tag zu Tag gespannt, was uns die n&auml;chste Story wohl bringen mag. Nat&uuml;rlich entf&uuml;hren sie uns alle in ein saisonal ad&auml;quates Ambiente, zum Beispiel zum Gl&uuml;hweinstand auf dem Weihnachtsmarkt oder mitten hinein in eine Wald-Scheune, wo Obdachlose bei einer gesponserten Kaffeetafel bewirtet werden. Weihnachtsmann und -baum mit haarigem Dekor und liebevolle Geschenke fehlen nicht, und wenn man Gl&uuml;ck hat, rieselt der Schnee, duftet der Lebkuchen, der G&auml;nsebraten, der Punsch oder die Fichtennadeln.<br /><br />Leider bleibt die Idylle, wie genrem&auml;&szlig;ig zu erwarten, nicht lange heil. Da wird gemordet und gestorben, aus gemeiner Rache, bei einem &Uuml;berfall, bei einem Einbruch, in Notwehr, aus Verzweiflung (dann Selbstmord) oder einfach nur so: "Das musste jetzt mal sein" (S. 313). Neben den g&auml;ngigen Besteckteilen - Messer und Kabel, Pistolen usw. - decken die Autoren zum Festmen&uuml; auch ganz ungew&ouml;hnliche &Uuml;berraschungen. F&uuml;r die beste Freundin, die seit Jahren unter einem Kindheitstrauma leidet, l&auml;sst man sich etwas Besonderes einfallen: Da die Psychotherapie in absolut aussichtslosen F&auml;llen empfiehlt, den Patienten mit etwas zu schocken, das schlimmer ist als das Erlebte selbst, muss schon ein Riesenaufwand betrieben, ein Live-Krimi inszeniert, ein absolut exklusives Weihnachtsgeschenk &uuml;berreicht werden ...<br /><br />Die Erz&auml;hlperspektive variiert; mal erleben wir die fr&ouml;hliche Weihnacht &uuml;berall aus der dritten Person, mal stecken wir in der Ich-Form mittendrin. Besonders reizvoll fand ich die ersch&uuml;tternde Schilderung einer Silberm&ouml;we auf Sylt zur Weihnachtszeit. Immer wieder werden die G&auml;ste angehalten, die Ratten der L&uuml;fte doch bitte nicht zu f&uuml;ttern, in den Freiluftcaf&eacute;s sitzen keine Kurg&auml;ste mehr, von Speiseresten nirgendwo eine Spur: Wovon soll sich das arme Gesch&ouml;pf denn da bequem ern&auml;hren? Die bittere Not treibt es zu verzweifelten Taten, f&uuml;r die jeder Tierliebhaber Verst&auml;ndnis aufbringen wird ...<br /><br />Auch Petra Busch wei&szlig; uns Anr&uuml;hrendes zu verk&uuml;nden: Wie gl&uuml;cklich sie ist, die Krippenfigur Josef, an deren H&auml;nden Blut klebt, dass sie nach all den furchtbaren Geschehnissen endlich zur&uuml;ckgestellt wird neben Maria und das Jesuskind!<br /><br />Wer sich gern auf etwas andere Weise auf den Weihnachtsmann einstimmen lassen m&ouml;chte, dem kann ich diese Sammlung bestens empfehlen. Machen Sie es sich ruhig vor einem prasselnden Kaminfeuer gem&uuml;tlich, aber lassen Sie lieber die Rolll&auml;den herunter und sichern Sie die T&uuml;ren, denn bei diesem B&uuml;chlein m&uuml;ssen Sie bis zur letzten Seite mit allem rechnen - dort finden Sie ein Mandelpl&auml;tzchen-Rezept, und selbst das hat es in sich ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michelle-stoeger-maria-mord-und-mandelplaetzchen.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[04.11.2011 19:03: Wunsiedel von Michael Buselmeier]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-buselmeier-wunsiedel.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-buselmeier-wunsiedel.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/483.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Wunsiedel von Michael Buselmeier"></a>
							<h2>04.11.2011 19:03: Wunsiedel von Michael Buselmeier</h2>
							<h3>Hass Liebe</h3>
							<p><small>Rezension vom 04.11.2011 19:03<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Ein Schauspieler, etwas &uuml;ber zwanzig, bekommt 1964 eine erste Anstellung an einer Provinzb&uuml;hne und erlebt ein Fiasko, denn er scheitert kl&auml;glich mit all seinen Theater- und Lebensidealen. Als er vier Jahrzehnte sp&auml;ter die St&auml;tten des Desasters erneut aufsucht, erkennt er nicht nur seine damaligen Unzul&auml;nglichkeiten, sondern auch, welche Sch&auml;tze ihm damals in seiner Verbitterung verborgen blieben.<br /><br />Ein triviales Sujet? Mag sein - aber das Lesen dieses Kleinods von einem Roman ist ein Genuss, fasziniert, macht s&uuml;chtig. Wie das?<br /><br />Da ist der &auml;sthetische, bildkr&auml;ftige <strong>Sprachstil</strong>, der einen genussvoll gleitenden Lesefluss erlaubt und alle Sinne anspricht. Buselmeiers Prosa entfaltet sich meisterlich an fachkundigen Naturschilderungen, anfangs &uuml;berlagert von selbstqu&auml;lerischen Empfindungen, bei der R&uuml;ckkehr 2008 befreit, geradezu jubilierend, mit hochpr&auml;zisen Sinneseindr&uuml;cken von flirrender Hitze, Tierlauten, Ger&uuml;chen, Wolken ... Oft ist der Satzbau gebrochen mit Aufz&auml;hlungen, Partizipien, Fragmenten, passend zur assoziativen Erz&auml;hlstruktur.<br /><br />Die <strong>Themen</strong> der Abs&auml;tze wechseln scheinbar ohne System und doch in ruhigem Rhythmus zwischen den Zeiten, Personen, Landschaften und erfassen weit mehr, als die Gattungsbezeichnung ("ein Theaterroman") erwarten l&auml;sst. Reizvoll die vielen Charakterstudien - der Spezies Schauspieler, einiger Wunsiedler B&uuml;rger, der Mutter, der Freundin und ihrer Familie; aufschlussreich die pr&auml;gnanten Exkurse &uuml;ber "G&ouml;tz von Berlichingen", &uuml;ber Theatertheorien und -praxis; fein die kleinen Einblicke in <em>vitae</em> und Werke diverser K&uuml;nstler - Goethe, Hans Sachs, Richard Wagner und, allen voran, Jean Paul, Wunsiedels bedeutendster Sohn. Dessen irrwitzige, heute weithin unbekannten Romane studierte Schoppe vor Ort, und Buselmeiers altmeisterliche Wortkunst ist offenkundig an Vorbildern wie Jean Paul geschult.<br /><br />Da ist die Relativit&auml;t der <strong>Perspektive</strong>: Ich-Erz&auml;hler Moritz Schoppe durchlebt in der R&uuml;ckschau erneut und <em>en detail</em> seine Initiation in der Theater-Welt.<br /><br />Nach den &uuml;blichen Vertr&ouml;stungen auf der Suche nach einem Engagement findet der junge Idealist endlich einen, der ihn ernst nimmt <em>und</em> etwas zu sagen hat: Friedrich Siems, den Intendanten der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel, Oberfranken. Der stellt ihn als Regieassistenten f&uuml;r die Sommersaison 1964 ein, gibt ihm Anerkennung, Verantwortung und Perspektive. Schoppe schickt sich an, die Theaterwelt zu erobern und zu revolutionieren. Doch leider stirbt Siems unerwartet. Als Schoppe seine Arbeit unter Siems' Nachfolger Christian Mettin aufnimmt, erkennt er schnell, dass intellektuelles Mittelma&szlig;, gewohnheitsm&auml;&szlig;iges Desinteresse, abgestumpfte Routinen, fassadenhafte Charaktere die Arbeit an Deutschlands &auml;ltester Freilichtb&uuml;hne bestimmen. Offene Ablehnung, h&ouml;hnische Dem&uuml;tigungen dr&uuml;cken ihn nieder, verbittern ihn; er wird passiv, orientierungslos, hasserf&uuml;llt. Schlie&szlig;lich verliert er auch noch seine Heidelberger Freundin Ulla an einen Rivalen.<br /><br />Bei allem Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Leiden des jungen St&uuml;rmers und Dr&auml;ngers in seiner "Wunsiedeler Theatergruft" (91) h&auml;lt sich unsere Sympathie f&uuml;r ihn jedoch in Grenzen, denn nach und nach seziert der Erz&auml;hler sein Jugendbildnis schonungslos: "eine Mischung aus Anma&szlig;ung und Furchtsamkeit, Ich-Besessenheit und Depression, aus Besserwisserei und der Unf&auml;higkeit, standzuhalten und etwas zu leisten. Ich lief ... wie ein offenes Messer herum ... Ich hatte die allerh&ouml;chsten Anspr&uuml;che an mich, an die anderen und an den Weltkreis, brachte aber so gut wie nichts zustande" (130).<br /><br />Was klingen mag wie strafende Selbstverachtung, ist aber "Staunen &uuml;ber mich selbst" (130), ausgel&ouml;st durch die R&uuml;ckkehr an den Schauplatz der "zehn lehrreiche[n] Lebens- und Leidenswochen" (24) nach vierundvierzig Jahren. Das <em>Wunsiedel revisited</em>-Erlebnis erm&ouml;glicht es dem gereiften, lebensweisen Erz&auml;hler, abzurechnen mit sich und seinen Erfahrungen, und er wird frei f&uuml;r bisher verstellte, &uuml;berraschende Perspektiven auf den anr&uuml;hrenden Ort, die herbe Landschaft. Er erlebt eine "sanfte Amnesie" (125).<br /><br />Schoppes ganzes Leben bis zur Abreise aus Wunsiedel ist eine Geschichte der Verluste, des Verlierens, der erzwungenen schmerzhaften Abschiede: von den Handpuppen des Knaben; von der Mutter, die ihn in einem Heim zur&uuml;cklie&szlig;; von Ulla; von den Illusionen und der Kompromisslosigkeit des Idealisten.<br /><br />Schlie&szlig;lich ist da der Reiz des <strong>Autobiographischen</strong>: Ist Moritz Schoppes Selbstfindungsweg vom Schauspiel-Eleven, enthusiastisch, aber an der Realit&auml;t scheiternd, zum gesetzten Schriftsteller, mit sich und der Welt im Reinen, blo&szlig;e Fiktion? Gedankenspiele &uuml;ber das Theater, die Kunst, das Leben, und Wunsiedel ist ihr Katalysator (Der Autor h&auml;tte aber auch Bad Hersfeld w&auml;hlen k&ouml;nnen ...)? Oder ist Schoppe Buselmeiers Alter Ego? Der Autor selbdritt: Schaut Buselmeier (alt) durch Schoppe (alt) auf Schoppe (jung), dabei auch Buselmeier (jung) ins Visier nehmend, ohne sich vollst&auml;ndig outen zu m&uuml;ssen? Schon 1989 hatte Buselmeier "<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/388423059X/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=388423059X">Schoppe. Ein Landroman</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=388423059X" alt="" width="1" height="1" border="0" />" ver&ouml;ffentlicht ... Gab es 1964 einen Regieassistenten Michael Buselmeier auf der Luisenburg? (Leider ist deren Archiv noch nicht im Internet einsehbar.) Fest steht: Nur einer, der Wunsiedel damals selbst erforscht hat, kann&nbsp;die G&auml;sschen, den Marktplatz, die Gastst&auml;tten, den Bahnhof, bestimmte Einwohner der titelgebenden Kleinstadt in ihrem Zustand jener l&auml;ngst vergangenen Epoche so akribisch, so detailverliebt und vor allem so authentisch ins Leben zur&uuml;ck holen wie der Autor. Und auch mit den Besprechungsr&auml;umen und Garderoben, dem gewaltigen Felsgebirge auf der Freilichtb&uuml;hne, den unterirdischen Labyrinthen, dank derer die Schauspieler links unten abgehen und ganz oben, quasi aus den Wolken herab, wieder auftauchen k&ouml;nnen, muss er bestens vertraut sein.<br /><br />Wie dem auch sei: Als <em>windfall profit</em> holt dieser erfolgreiche Roman die "kleine, aber gute lichte Stadt" (Jean Paul) ein wenig aus ihrer Schattenlage. Seit Jahrzehnten z&auml;hlt die herbe, notorisch unterk&uuml;hlte Gegend unverdienterma&szlig;en zu den Verlierern. Weitab von den Transitwegen, erst "Zonenrandgebiet", dann, nach dem Fall des nahen "Eisernen Vorhangs", chancenlos gegen die "Billiglohnl&auml;nder", sind viele Einwohner weggezogen, um ihr Gl&uuml;ck anderswo zu suchen. Die heimischen M&auml;rkte sind weggebrochen, Geb&auml;ude verfallen, Niveaus gesunken, Touristen ausgeblieben. Obwohl Moritz Schoppe das Provinztheater der Luisenburg-Festspiele schon in der Bl&uuml;tezeit der Sechziger als plumpe Anbiederung an die schlichten Bed&uuml;rfnisse des l&auml;ndlichen Publikums verachtet und der Autor den Niedergang der Stadt bis 2008 ungesch&ouml;nt vor Augen f&uuml;hrt, ist Buselmeiers Ton stets gelassen, niemals b&ouml;se, eher wehm&uuml;tig-bedauernd. Die Wunsiedel gewidmeten Teile seines Romans klingen wie verhaltene Liebeserkl&auml;rungen an das St&auml;dtchen und seine Umgebung.</p>
<p>Buselmeiers "Wunsiedel" steht zu Recht auf der <em>shortlist</em> f&uuml;r den Deutschen Buchpreis 2011.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-buselmeier-wunsiedel.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3884233629/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3884233629" target="_blank">"Wunsiedel" von von Michael Buselmeier bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[03.11.2011 15:01: Tanz unter Sternen von Titus Müller]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-titus-mueller-tanz-unter-sternen.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-titus-mueller-tanz-unter-sternen.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/482.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Tanz unter Sternen von Titus Müller"></a>
							<h2>03.11.2011 15:01: Tanz unter Sternen von Titus Müller</h2>
							<h3>&quot;My Heart Will Go On&quot;</h3>
							<p><small>Rezension vom 03.11.2011 15:01<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Titus M&uuml;llers historischer Roman "Tanz unter Sternen" beginnt in Berlin im Jahre 1912. Die M&auml;nner tragen Zylinder und Gehr&ouml;cke. Immer mehr Gaslaternen werden gegen elektrische ausgetauscht. Man trinkt "Sinalco", w&auml;scht sich mit "Sunlicht", scheuert mit "Vim". Das gerade eingef&uuml;hrte Label "Made in Germany" sorgt f&uuml;r weltweite Nachfrage nach deutschen Produkten. Es gibt aber auch Flickschuster, Lumpensammler, Schlafg&auml;nger als Wohnungsuntermieter.<br /><br />Mit drei Szenen auf wenigen Anfangsseiten fesselt der Autor den Leser sofort.<br />Kaltbl&uuml;tig erschie&szlig;t der Engl&auml;nder Lyman einen Journalisten, der ihm einen geheimen Artikel zum Kauf anbietet.<br />Matheus, ein Baptisten-Pastor mit hypochondrischem Krankheitswahn, wird von rei&szlig;enden Wassermassen durch einen Spalt in der Schiffswand ins tosende Meer gesogen. Er kann kaum noch atmen, sinkt tiefer und tiefer, japst noch einmal nach Luft - dann erwacht er aus seinem entsetzlichen Albtraum. Vor sechs Jahren befand er sich auf einem Mittelmeerdampfer, der in Seenot geriet. Alle Passagiere konnten gerettet werden. Damals schwor sich Matheus, nie mehr in See zu stechen. Deshalb hat er auch das Telegramm aus Chicago, eine Einladung des <em>Bible Institute</em>, in einer Schublade versteckt, ohne seiner Frau C&auml;cilie davon zu berichten.<br />Nele, eine Barfu&szlig;t&auml;nzerin, erhofft sich mit ihrem ersten Auftritt im legend&auml;ren Berliner Variet&eacute; "Wintergarten", endlich entdeckt zu werden, den Durchbruch zu schaffen, nachdem sie all ihr m&uuml;hselig als Zinnfigurenmalerin erarbeitetes Geld vollst&auml;ndig in private Tanzstunden investiert hatte. Aber ihr Soloauftritt erf&uuml;llt weder die Erwartungen des Publikums noch die des l&uuml;sternen Direktors - alle wollen mehr aufreizende Haut sehen -, und Nele wird gefeuert.<br /><br />Die Wege dieser drei Personen sind vorbestimmt, und sie werden sich im weiteren Handlungsverlauf kreuzen.<br /><br />C&auml;cilie, eine verw&ouml;hnte Tochter aus reichem Hause, f&uuml;hlt sich in ihrer Ehe mit Matheus gelangweilt und vernachl&auml;ssigt, denn der widmet seine Aufmerksamkeit mehr seinen Gemeindemitgliedern als ihr. Nur klein sind ihre Gewissensbisse, als sie sich zu einem T&ecirc;te-&agrave;-t&ecirc;te mit dem attraktiven Lyman trifft. Er hatte C&auml;cilie in Begleitung ihres siebenj&auml;hrigen Sohnes Samuel in der Stadt beobachtet und ihr geschickt einen Zettel mit Treffpunkt und Uhrzeit zugesteckt.<br />Als Matheus die beiden zuf&auml;llig in einem Caf&eacute; entdeckt, stellt er C&auml;cilie zur Rede. Es kommt zu einem heftigen Streit; C&auml;cilie bereut ihr Vorgehen. Im Kampf um seine Ehe unterdr&uuml;ckt Matheus seine traumatische Angst und bucht die &Uuml;berfahrt nach New York auf dem damals gr&ouml;&szlig;ten Passagierschiff der Welt, der Titanic. Auf diesem Luxusliner, in einer Doppelstockkabine der 2. Klasse, wird er die Liebe seiner Frau zur&uuml;ckgewinnen. Doch es kommt alles anders. Denn Lyman scheint C&auml;cilie nicht aufgeben zu wollen. Er folgt ihr auf Schritt und Tritt und bucht ebenfalls ein Ticket auf der Titanic - er kann sich eine Kabine der 1. Klasse leisten.<br /><br />Nele beschlie&szlig;t, ihr Gl&uuml;ck in Amerika zu suchen. Allerdings wird sie die &Uuml;berfahrt in der Massenunterkunft der 3. Klasse &uuml;berstehen m&uuml;ssen.<br /><br />Das historische Desaster nimmt seinen Lauf. W&auml;hrend die Titanic sich den Eisbergen n&auml;hert, eskaliert die schicksalhafte Verkn&uuml;pfung der Protagonisten in dramatischer Weise. C&auml;cilie f&auml;llt auf Lymans Werben herein und l&auml;sst sich zu einer folgenschweren Unterschrift unter ein Dokument dr&auml;ngen. Lautstark streitet sie sich mit Matheus. Sohn Samuel ertr&auml;gt die ihn belastende Stimmung nicht mehr, er haut ab und ger&auml;t an Adam, der die reichen Passagiere in ihren Kabinen beraubt. Nele begegnet Matheus auf Deck, nimmt seinen Herzschmerz wahr, sp&uuml;rt, dass sie diesen sensiblen Mann liebt. Als alles auseinanderzubrechen droht, rammt die Titanic einen Eisgiganten - das Ende steht unmittelbar bevor.<br /><br />In dieser Ausnahmesituation zeigen sich die wahren menschlichen Charaktere. Titus M&uuml;ller entwickelt seine Figuren weiter, heftige Ver&auml;nderungen finden statt. Der englische Dandy entpuppt sich als egoistischer Feigling: Verh&uuml;llt mit einem <em>shawl</em> gibt er sich als Frau aus und erschleicht sich damit einen Platz bei C&auml;cilie in einem der wenigen Rettungsboote, und er schie&szlig;t sogar auf die hilflosen Menschen, die sich in &auml;u&szlig;erster Not im eisigen Wasser am Bootsrand festhalten wollen. Im Gegensatz zu ihm helfen Matheus und Nele auf dem sinkenden Koloss, wo sie nur k&ouml;nnen; zuletzt reicht Matheus einer hilflos verzweifelten Dame seine eigene Rettungsweste.<br /><br />C&auml;cilie erkennt jetzt, welch ein Unmensch neben ihr sitzt und was sie dagegen in Matheus gehabt hat. Sie hofft, er werde sich noch retten k&ouml;nnen, denn sie m&ouml;chte so vieles wieder gutmachen. W&auml;hrend das Schiffsorchester standhaft bis zum Schluss spielt, werden immer mehr Menschen haltlos &uuml;ber die Planken gerissen oder sehen keinen Ausweg mehr, als in die eiskalten Fluten zu springen. In k&uuml;rzester Zeit verschwindet das als "unsinkbar" geltende Wunderwerk der Technik im finsteren Ozean.<br /><br />Wer James Camerons "Titanic"-Film von 1997 gesehen hat, wird das traumhafte Schiff auf immer genau vor Augen haben. Cameron hatte es aufw&auml;ndig rekonstruiert. Wir sehen, wie das gl&auml;nzende Leben der <em>high society</em> streng abgetrennt ist von dem der &Auml;rmsten unter Deck, und niemand wird die herzzerrei&szlig;ende Geschichte vergessen k&ouml;nnen, die sich zwischen Rose (Kate Winslet) und Jack (Leonardo DiCaprio) abspielt, als beide diese gewaltige gesellschaftliche H&uuml;rde zu &uuml;berwinden versuchen.<br /><br />Titus M&uuml;llers anschauliche und anregende Beschreibungen versetzen uns an die aus dem Film bekannten Orte, lassen diese Bilder unweigerlich wieder auferstehen. Damit steht der Autor im Wettbewerb mit dem Filmemacher, wenigstens f&uuml;r die Leser, die den Film kennen, und das werden die meisten sein. Lohnt es sich auch f&uuml;r sie, dieses Buch zu lesen?<br /><br />Selbstverst&auml;ndlich, finde ich. Die M&ouml;glichkeiten der Charaktergestaltung sind im Roman naturgem&auml;&szlig; erheblich differenzierter als im Film, wo wir nur das &Auml;u&szlig;ere wahrnehmen k&ouml;nnen und uns im &Uuml;brigen "unseren Teil denken" m&uuml;ssen.<br /><br />Titus M&uuml;llers Konzept &uuml;berzeugt, sowohl was den Plot als auch die Personenzeichnung betrifft. Kleine, fast beil&auml;ufig eingef&uuml;gte Beobachtungen &uuml;berraschten mich immer wieder. Was geht in den K&ouml;pfen von Menschen vor, die den Tod vor Augen haben? M&uuml;ller vermutet ganz Unerwartetes: "Teure Kirschzahnpaste. Was die Leute liegen lassen, es ist ein Skandal!" (S. 291) "Ich habe vierzig Kleider auf dem Schiff und ein Dutzend Federboas. Wer ersetzt mir das?" (S. 297) Warum l&auml;sst die Psyche solche absurd deplatzierten Gedanken aufkommen?<br /><br /><em>Last but not least</em> fand ich M&uuml;llers ausgew&auml;hltes, feines Vokabular sehr ansprechend, so dass das zugegebenerma&szlig;en etwas abgedroschene Thema "Der Untergang der Titanic" in Titus M&uuml;llers guter Bearbeitung wieder eine reizvolle, spannende Unterhaltungslekt&uuml;re ist.<br /><br />In einem ca. 30-seitigen Anhang findet der Leser die historischen Fakten: "Die RMS Titanic, ihre Passagiere und die Ursachen des Ungl&uuml;cks".</p>
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							<p>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[01.11.2011 17:41: Runen von Elías Snæland Jónsson]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-elias-snaeland-jonsson-runen.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-elias-snaeland-jonsson-runen.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/481.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Runen von Elías Snæland Jónsson"></a>
							<h2>01.11.2011 17:41: Runen von Elías Snæland Jónsson</h2>
							<h3>Runen, Raunen, Rätsel</h3>
							<p><small>Rezension vom 01.11.2011 17:41<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Welche Mythen, welche Mystik, welche Magie, wie viel Aberglaube ranken sich f&uuml;r den Laien um das Wort "Runen"! Das kommt einerseits daher, dass diese bis zu 1600 Jahre alten Schriftzeichen, die man auf Steineinritzungen, Grabplatten und Waffen vorwiegend im skandinavischen Raum fand, f&uuml;r uns Normalb&uuml;rger nicht zu entziffern sind. Da sie zudem aus dunklen Tiefen der Geschichte stammen, &uuml;ber die wir kaum zuverl&auml;ssige Zeugnisse besitzen, wirken sie geheimnsivoll und lassen viel Raum f&uuml;r Spekulationen aller Art. Zum anderen wurden Runen w&auml;hrend des Nationalsozialismus als Symbole hehren Germanentums verherrlicht und f&uuml;r ideologische und politische Zwecke instrumentalisiert. Jeder kennt deswegen noch heute die "Sig"-Rune, die als Emblem der SS vereinnahmt wurde.<br /><br />Mehr Informationen erh&auml;lt man aus einem knapp zehnseitigen "Einblick in die Runenkunde", verfasst von Richard K&ouml;lbl, am Ende des Romans. Es empfiehlt sich, finde ich, diese Einf&uuml;hrung zu lesen, bevor man sich dem Thriller "Runen" von El&iacute;as Sn&aelig;land J&oacute;nsson widmet.<br /><br />H&auml;tte die TV-Nachrichtensprecherin Melkorka geahnt, dass dies die letzten Stunden mit ihrem geliebten Gro&szlig;vater H&ouml;skuldur Steingrimsson sein w&uuml;rden, h&auml;tte sie sich doch etwas mehr Zeit f&uuml;r seine Einladung genommen. Er war von seiner kleinen Insel nach Reykjavik gekommen, hatte sich ein Zimmer im Hotel gemietet und seine Enkelin zum gemeinsamen Abendessen geladen. Denn es war sein 90. Geburtstag.<br /><br />Am n&auml;chsten Tag klingelt die Polizei an Melkorkas T&uuml;r, und sie bringen schreckliche Nachrichten. Ihr Gro&szlig;vater habe sich erschossen - und zwar vor einem deutschen Soldatengrab, in Uniform, mit einer SS-Armbinde und einem Runenzeichen am Kragen. Melkorka ist sprachlos. Das kann nicht wahr sein: Ihr liebenswerter Gro&szlig;vater soll ein Nazi, ja ein ehemaliger SS-Offizier gewesen sein?<br /><br />Ein mit H&ouml;skuldur befreundeter Anwalt regelt dessen Nachlass. Er teilt Melkorka mit, dass sie H&ouml;skuldurs Haus erbt, und &uuml;berreicht ihr eine schwarze Aktentasche. Darin befinden sich:<br />&bull; ein Umschlag mit einem Zettel und einer f&uuml;r sie nicht verst&auml;ndlichen Botschaft "Zur Entfesselung aus L&oelig;&eth;ingur: 324136",<br />&bull; ein P&auml;ckchen, das einen Siegelring mit Totenkopf, SS-Zeichen, Hakenkreuz und Gravur "H. Himmler, H. Steingrim August 1943" enth&auml;lt,<br />&bull; ein Notizbuch mit der Inschrift "DEUTSCHES AHNENERBE" und eingeklebten Schwarzwei&szlig;fotos. Auf einem davon posieren zwei SS-Offiziere vor einem deutschen U-Boot.<br /><br />Melkorka wirft einen Blick in das Notizbuch: nichts als Buchstabenreihen, die keinen Sinn ergeben. Traurig, w&uuml;tend, ohnm&auml;chtig und schaudernd steckt Melkorka alles zur&uuml;ck in die Tasche.<br /><br />Sie braucht eine Auszeit, um herauszufinden, was dieses geheimnisvolle Erbe zu bedeuten hat. Dazu muss sie Fachleute konsultieren - Historiker, Runenforscher. Einem Professor der Uni Reykjavik gelingt es, das Buch zu &uuml;bersetzen. Ganz offensichtlich war Gro&szlig;vater H&ouml;skuldur der wichtigste Mann f&uuml;r Heinrich Himmler, den Reichsf&uuml;hrer der SS und fanatischen Anh&auml;nger der Runenmythologie, als er das Geheimnis einer m&auml;chtigen germanischen Waffe ("Thors Hammer") ergr&uuml;nden wollte.<br /><br />Doch noch steht Melkorka am Anfang ihrer Recherche. Wer sind die zwei Soldaten, die vor dem U-Boot posieren? Wurde dieses U-Boot wirklich in den Wirren des Krieges vom Meer verschluckt? Was geschah mit seiner Besatzung? Und wo verblieben die mitgef&uuml;hrten Goldreserven der Deutschen Reichsbank?<br /><br />Schneller als der Wind verbreitet sich, dass eine junge Frau auf brisantes historisches Geheim-Material gesto&szlig;en sei. Sie hat schlafende Hunde geweckt - eine t&ouml;dliche Meute, die sich an ihre Spur heften.<br /><br />In einem durchgehenden Handlungsstrang beschreibt der Autor in sehr fl&uuml;ssiger, eing&auml;ngiger Sprache, wie Melkorka sich peu &agrave; peu der L&ouml;sung n&auml;hert. Der Leser ist immer dichtauf und auf Augenh&ouml;he mit der Protagonistin, so dass der Roman sehr stringent und bestens nachvollziehbar bleibt. Das Dritte Reich, die Bedeutung der Runen, die nordische Edda-Sage mit ihren vielen Ges&auml;ngen um Odin und andere G&ouml;tter - all dies hat J&oacute;nsson zu einem "Thriller" (Klappentext) verbunden: Weder rei&szlig;erisch noch grausam, sondern fesselnd, aufschlussreich und mit unerwarteten Wendungen, die den Leser bis zum Schluss im Bann halten.<br /><br />Auf der Frankfurter Buchmesse 2011 pr&auml;sentierte sich das kleine Land mit seiner umfangreichen Literatur unter dem Motto "Sagenhaftes Island" als Ehrengast. Dabei wurde auch "Runen" von El&iacute;as Sn&aelig;land J&oacute;nsson vorgestellt. Die skandinavischen Thriller haben sich die vordersten Pl&auml;tze der Bestseller-Listen in diesem Genre erobert: Island wird sich in Zukunft auch dort etablieren.</p>
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							<p>
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							</p>
						</div>
					]]>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[29.10.2011 12:37: Crash von Lorraine Adams]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-lorraine-adams-crash.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-lorraine-adams-crash.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/480.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Crash von Lorraine Adams"></a>
							<h2>29.10.2011 12:37: Crash von Lorraine Adams</h2>
							<h3>Die Medien - Seife in den Händen der Politik und Geheimdienste</h3>
							<p><small>Rezension vom 29.10.2011 12:37<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Lorraine Adams wurde 1992 mit dem Pulitzer-Preis f&uuml;r investigativen Journalismus ausgezeichnet. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an ihren Roman "Crash".<br /><br />Der Roman beginnt sehr spannend und hochtechnisch, wie M&auml;nner das lieben: Der Bordcomputer eines Kampfjets spielt auf einmal verr&uuml;ckt. Im Cockpit sitzt Mary, eine der wenigen schwarzen Kampfpilotinnen der <em>US Air Force</em>. Sie kann nicht verhindern, dass ihre Maschine abst&uuml;rzt - &uuml;ber Washington, D.C.! Mit Schleudersitz und Fallschirm kann sie sich retten und landet sicher in einem Baum. Die Absturzstelle wird blitzschnell gesichert, alle Maschinenteile sowie Rasensoden und abgebrannte B&auml;ume werden umgehend abtransportiert. Klar, dass dieser Unfall gr&ouml;&szlig;ter Geheimhaltung unterliegen muss. In der Tat wird Mary niemals erfahren, warum ihre Hi-tech-Apparate ganz unbegr&uuml;ndet versagt haben, so dass sie den Flug nicht mehr kontrollieren konnte. Einzig Frank, seit langem ihr <em>wingman</em> im Begleitjet, sch&ouml;pft Verdacht, forscht neugierig nach und warnt Mary, sich von Will Holmes fernzuhalten.<br /><br />Will Holmes ist Geheimdienstler und Leiter eines zukunftsweisenden Avionik-Projekts. Durch Fernsteuerung will man verhindern, dass Selbstmordpiloten ihre anvisierten Ziele treffen. Die Versuchsreihe befindet sich in der Betaphase, und Holmes hatte eine Fehlentscheidung getroffen, einen Test einfach zu fr&uuml;h angesetzt. Nun muss der Crash geheim bleiben und vertuscht werden. Dazu erarbeitet Holmes einen sauberen Bericht, ein Geheimdossier, und Mary und Frank werden aus dem Weg geschafft und nach Bagram in Afghanistan versetzt, wo Holmes sie weiterhin nicht aus den Augen lassen wird.<br /><br />Die Redaktion der renommierten <em>Washington Post</em> ist ein Tollhaus: Es geht um die Besetzung des neuen Chefpostens, um interne Rangeleien unter den Journalisten und nat&uuml;rlich um die Schlagzeilen des Tages. Reporter fressen alles, selbst widerspr&uuml;chliche, noch nicht verifizierte, bisweilen schlicht falsche Meldungen aus dem Wei&szlig;en Haus und den anderen Polit-Tempeln. Als Insider am&uuml;siert es Holmes, dass die <em>Post</em>-Artikel im Ruf stehen, gr&uuml;ndlich recherchiert und gut geschrieben zu sein.<br /><br />Auch Ausschnitte des Geheimdossiers gelangen an die Medien, verschwinden aber bald wieder. Don Grady, fr&uuml;herer Chef der <em>Washington Post</em> und jetzt Bestseller-Autor mit Zugang zu den h&ouml;chsten R&auml;ngen der Macht, ist im Besitz des vollst&auml;ndigen Berichts, gibt ihn aber nicht heraus, denn er will die brisanten Informationen in einem eigenen Buch vermarkten.<br /><br />Als ehemalige Journalistin befindet sich Lorraine Adams hier auf gewohntem Terrain: Ihre Darstellung des aufreibenden, turbulenten Alltagsgesch&auml;fts der Medien &uuml;berzeugt durch Kompetenz und Authentizit&auml;t. Aber inhaltlich wirkt Adams' Roman leider chaotisch: Der urspr&uuml;ngliche, eigentliche Plot, n&auml;mlich die Aufkl&auml;rung des Absturzes, wird geradezu in den Hintergrund gedr&auml;ngt, &uuml;berwuchert von zu vielen und nicht immer motivierten Nebenstr&auml;ngen und -schaupl&auml;tzen, wie zum Beispiel ...<br />&bull;... Don Gradys Dinnerpartys, deren Geladene sich als Privilegierte betrachten, wo Promis politisieren und der Gastgeber sich selber zelebriert: Allein aus Dons Mimik glauben viele mehr zu erfahren als bei einer Pressekonferenz;<br />&bull;... die undurchschaubaren Aktivit&auml;ten der Geheimdienste, ihre Manipulationen im Afghanistan-Einsatz, die Vernachl&auml;ssigung ihrer eigentlichen Verantwortung;<br />&bull;... die Anwerbung eines iranischen Atomwissenschaftlers, der auf geheimnisvolle Weise get&ouml;tet wird;<br />&bull;... der pl&ouml;tzliche Einsatzbefehl an Mary und Frank, der, wie sie sp&auml;ter erfahren, unschuldige M&auml;dchen t&ouml;tet.<br /><br />Das Lesen ist passagenweise kein Vergn&uuml;gen. Verquere, ungelenke S&auml;tze sind manchmal schwierig zu verstehen. Liegt dies an der &Uuml;bersetzung oder schon am Originaltext? "The Room and the Chair" ist der Titel des amerikanischen Originals; wie rei&szlig;erisch und schlicht dagegen die "deutsche" Version: "Crash".<br /><br />Der unzureichende inhaltliche Tiefgang l&auml;sst den Leser unbefriedigt zur&uuml;ck: Lorraine Adams rei&szlig;t vieles an, aber manches Problem bleibt ungel&ouml;st, undurchsichtig. Die zugegebenerma&szlig;en &auml;u&szlig;erst vielschichtigen Zusammenh&auml;nge zwischen Politik, Milit&auml;r, Geheimdiensten, Kriegshandlungen und Aktivit&auml;ten der Medien kann sie nur schwer begreiflich machen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-lorraine-adams-crash.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[26.10.2011 17:47: Isenhart von Holger Karsten Schmidt]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-holger-karsten-schmidt-isenhart.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-holger-karsten-schmidt-isenhart.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/479.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Isenhart von Holger Karsten Schmidt"></a>
							<h2>26.10.2011 17:47: Isenhart von Holger Karsten Schmidt</h2>
							<h3>Morden im Dienste der Erkenntnis</h3>
							<p><small>Rezension vom 26.10.2011 17:47<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Als das Kind im Jahre 1171 geboren wird, sind die Umst&auml;nde widrig, und es ist dem Tode geweiht. Doch ein Fremder haucht dem S&auml;ugling in der finsteren H&uuml;tte der Hebamme Leben und seine Seele ein und entschwindet auf Nimmerwiedersehen. Kurz darauf betritt Walther von Ascisberg die Kate - zu sp&auml;t, um den Unbekannten mit seinen dunklen K&uuml;nsten dingfest zu machen. Den S&auml;ugling rei&szlig;t er an sich, um ihn zu ersticken - besinnt sich aber, beatmet ihn und schenkt ihm damit zum zweiten Mal das Leben. Damit haften dem kleinen Jungen von Anfang an mystische Z&uuml;ge an: Ist der zwei Mal "Wiedergeborene" ein "Untoter"? Steht er mit geheimen M&auml;chten im Bunde?<br /><br />Walther nimmt den kleinen Jungen mit zu seinem Waffenbruder F&uuml;rst Sigimund [sic] von Laurin. Die Ehefrau des Schmieds soll das Baby stillen, und wenn es den Winter &uuml;berlebt, soll es mit Konrad, dem Stammhalter, gro&szlig;gezogen werden. Dabei werden dem "Bastard" seltene Privilegien zuteil: Er erh&auml;lt Unterricht gemeinsam mit Konrad, als w&auml;re er dessen leiblicher Bruder. Isenhart lernt schnell und eifrig: lesen und schreiben, Latein, Mathematik und Kampfeskunst. Wissbegierig und kritisch, hinterfragt er oft, was Pater Hieronymus ihm vorstellt; auf Grund seiner eigenen Beobachtungen und &Uuml;berlegungen kommt er manchmal zu ganz anderen, einleuchtenderen Erkl&auml;rungen zum Beispiel f&uuml;r Naturph&auml;nomene. Doch Pater Hieronymus droht ihm mit Pr&uuml;geln, wenn er die traditionelle Lehre oder gar Gottes Sch&ouml;pfertum anzweifelt.<br /><br />Im Laufe der Zeit w&auml;chst zwischen Isenhart und Konrads j&uuml;ngerer Schwester Anna eine zarte Liebesbeziehung, die sie jedoch nur in aller Heimlichkeit ausleben k&ouml;nnen. Wegen des Standesunterschiedes ist eine Verm&auml;hlung nat&uuml;rlich unvorstellbar, und Anna ist auch schon einem alten Burgherrn versprochen. Dieser Beziehungskonflikt endet auf tragische Weise, als Isenhart Anna grausam ermordet auf dem Waldboden liegend findet - der T&auml;ter hat ihr das Herz herausgerissen. Schnell ergreifen die H&auml;scher den H&auml;ndler Alexander von Westheim; der wird verurteilt und hingerichtet, obwohl er seine Unschuld beteuert und den Abt des Klosters von Mullenbrunnen der Tat bezichtigt.<br /><br />Jahre sp&auml;ter wird erneut ein junges, reines M&auml;dchen ermordet aufgefunden, ebenfalls mit herausgerissenem Herzen. Da wird Isenhart klar, dass von Westheim unschuldig get&ouml;tet wurde und offenbar ein Serient&auml;ter sein Unwesen treibt. Was f&uuml;r ein Mensch mag das sein? Um Lust geht es ihm nicht, denn er hat sich an den Jungfrauen nicht vergangen. Warum ist er nur an den Herzen der Toten interessiert?<br /><br />Diversen Hinweisen und Verdachten folgend, macht Isenhart sich mit Konrad auf den Weg. Bei Walther von Ascisberg erf&auml;hrt er erstmals etwas &uuml;ber seine Herkunft, &uuml;ber eine Beziehung seines Vaters zu einer Magd. Seinen Vater habe man zuletzt in Toledo gesehen; nach entsetzlichen Ereignissen soll er Gott abgeschworen und sich mit einem arabischen Medicus umgeben haben. War er auch in Jerusalem? Isenhart ist fest entschlossen, seinen Vater zu finden; gleichzeitig folgt er den Spuren des T&auml;ters, der noch weitere Opfer ohne Herzen zur&uuml;ck l&auml;sst ...<br /><br />Im gruseligen anatomischen Kellerlabor einer Burg findet Isenhart genaue Aufzeichnungen &uuml;ber die Beschaffenheit des menschlichen K&ouml;rpers, und er versteht, dass der M&ouml;rder offenkundig von wissenschaftlichem Erkenntnisdrang geleitet wird. Was Isenhart fasziniert, ja geradezu zu einer neuen Bewertung der Taten bringt, schockiert Konrad, der die Gebote der Kirche uneingeschr&auml;nkt achtet.<br /><br />Holger Karsten Schmidt entf&uuml;hrt den Leser in die Welt des Mittelalters. Das Alltagsleben ist nicht nur f&uuml;r die einfache Bev&ouml;lkerung ein harter &Uuml;berlebenskampf, sondern auch f&uuml;r die Adligen und ihr Gefolge. Die unerbittliche Natur, Krankheiten, menschliche Grausamkeit, Machtk&auml;mpfe und die Kreuzz&uuml;ge bringen unendliches Leid, kosten unz&auml;hlige Menschenleben. All dies schildert der Autor fachkundig und anschaulich. Aber es geht ihm um mehr. Der Roman f&uuml;hrt vor, in welchen Konflikten sich das seinen Verstand gebrauchende Individuum im geschlossenen und streng hierarchisch gegliederten Weltbild des Mittelalters einen Weg suchen musste. Die Anschauung legte dem denkenden Menschen schon damals gewisse Schlussfolgerungen nahe: Dass B&auml;ume ihr Laub abwerfen, ist eine Schutzfunktion; wenn wir genau beobachten, wie V&ouml;gel fliegen, k&ouml;nnen auch wir Menschen vielleicht eines Tages fliegen; wenn wir etwas &uuml;ber unseren K&ouml;rper wissen m&ouml;chten, m&uuml;ssen wir ihn untersuchen. Doch in einer Gesellschaft, die sich allein nach dem richtet, was die Kirche und die Herrschenden vorschreiben und zulassen, sind derlei Gedanken und Verfahren der Erkenntnisgewinnung ketzerisch und verboten. Isenhart wird im Laufe seiner Reisen immer st&auml;rker in solche Konflikte hineingezogen. Er w&auml;chst an ihnen und entwickelt sich, erzogen, angetrieben und geleitet, zu einem K&auml;mpfer f&uuml;r ein aufgekl&auml;rteres Weltbild (f&uuml;r das seine Zeit nat&uuml;rlich noch lange nicht reif ist).<br /><br />So ganz klar ist mir nicht geworden, welches Genre der Autor eigentlich vorrangig bedienen will. Sein Roman ist ein Krimi, denn mit strenger Logik werden Morde aufgekl&auml;rt. Viel Raum nehmen Medizin, Philosophie und fortschrittliche Gedanken ein. Daneben spielt der Autor aber auch mit Fantasy-Motiven (Wiederg&auml;nger, Untote; Schauerstimmungen; die doppelte Wiederbelebung des S&auml;uglings, mystisch &uuml;berh&ouml;ht durch das "Einhauchen der Seele"; die eigenartigen Wandlungen des Abts von Mullenbrunnen, den wir in Toledo wiederfinden, usw.), die mich bisweilen f&uuml;rchten lie&szlig;en, die Sache k&ouml;nne ins Irrationale kippen. Doch bleiben diese Stimmen letztendlich bei den Abergl&auml;ubischen, den Ungebildeten, den Mystifizierern, w&auml;hrend die Romanhandlung im Wesentlichen auch f&uuml;r uns moderne Menschen glaubhaft und &uuml;berzeugend ist. Dessen ungeachtet h&auml;tte der Autor etliche Nebenstr&auml;nge, st&auml;ndige Wiederholungen und &auml;hnliche Seitenf&uuml;ller ohne Schaden weglassen k&ouml;nnen.<br /><br />Unterm Strich ein gutes Buch!</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-holger-karsten-schmidt-isenhart.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[25.10.2011 11:06: Verfallen von Esther Verhoef]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-esther-verhoef-verfallen.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-esther-verhoef-verfallen.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/478.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Verfallen von Esther Verhoef"></a>
							<h2>25.10.2011 11:06: Verfallen von Esther Verhoef</h2>
							<h3>Dianne, die unbekannte Blutsschwester</h3>
							<p><small>Rezension vom 25.10.2011 11:06<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Dianne und Eva sind Nachbarskinder, sie werden zu Freundinnen, zu Blutsschwestern. Sie haben sich ewige Treue und gegenseitiges Vertrauen geschworen. Dianne, die &auml;ltere, ist immer die St&auml;rkere, die F&uuml;hrende, zu der Eva aufschaut. Dianne verbringt Tage in Evas Familie, wo sich eine liebenswerte, f&uuml;rsorgliche Mutter k&uuml;mmert, w&auml;hrend Diannes Eltern als Weltverbesserer und Demonstranten auf Egotrip sind.<br /><br />Eva wird Journalistin bei einer lokalen Zeitung. Als man ihr sang- und klanglos k&uuml;ndigt, f&uuml;hlt sie sich elend, ist w&uuml;tend auf sich selber, denn ihr fehlte der Mut zum Widerspruch, sie war zu beherrscht, geradezu duckm&auml;userisch. Dianne h&auml;tte sich das nicht gefallen lassen, sie w&auml;re ihrem Gegen&uuml;ber eher aggressiv an den Kragen gesprungen.<br /><br />Nun braucht Eva Abstand, muss sich besinnen. Schon eine Woche fr&uuml;her als geplant tritt sie eine Reise nach Frankreich an, um Urlaub bei Dianne zu machen. Die hat, um naturverbunden zu leben, ein kleines Haus ("Le Paradis") in einem kleinen abgeschiedenen Dorf gemietet. Eva ist total gespannt, wo Dianne doch am Telefon so richtig ins Schw&auml;rmen geraten war.<br /><br />Nach &uuml;ber tausend Kilometer Anreise aus den Niederlanden findet Eva mit M&uuml;he ein einsames, armseliges und verwittertes Haus, von d&uuml;sterem Wald umgeben. Dianne ist nicht da, nachdem auch ihr Handy schon den ganzen Tag abgeschaltet war. In einer Gie&szlig;kanne findet Eva einen Hausschl&uuml;ssel; sie packt ihre Taschen aus, um erst einmal f&uuml;r die Nacht einzuziehen und auf Dianne zu warten. Am n&auml;chsten Morgen spricht sie mit dem Nachbarn, erkundigt sich in der Dorfkneipe und im kleinen Supermarkt. &Uuml;berall trifft sie auf eisige Ablehnung, wird barsch der T&uuml;r verwiesen. Daniel, der zehnj&auml;hrige Nachbarsjunge, berichtet Eva, was die Leute so reden: Sie wollen hier keine Fremden, die sich in Dinge einmischen, die sie nichts angehen. Eva versteht gar nichts mehr. Wie passen diese Zust&auml;nde zu Diannes rosigen Beschreibungen? Dass man auch Eva vergraulen will, wird offensichtlich, als man mutwillig die Hintert&uuml;r eintritt und ihr eine aufgeschlitzte Katze auf der M&uuml;lltonne pr&auml;sentiert. Hilfe suchend wendet Eva sich an die Dorfpolizei, doch f&uuml;r derlei Gepl&auml;nkel hat man dort keine Zeit, denn es gibt Vordringlicheres: Gerade wurde ein Ehepaar grausam ermordet.<br /><br />Esther Verhoef beginnt ihren Roman mit der Beschreibung einer brutalen Exekution. Langsam baut sie ihren konzentrierten Spannungsbogen auf, der zun&auml;chst auf der Erschaffung dichter Atmosph&auml;re, der Gestaltung der Handlungsorte und der Portr&auml;tierung der Personen aufbaut (wobei die Erz&auml;hlung pingeligste Details ins Visier nimmt). In Diannes unwirtlichem Haus sp&uuml;rt Eva unterschwellig, dass da drau&szlig;en etwas ist, das ihr Leben bedroht. Als ihre Angst &uuml;berm&auml;chtig wird und sie sich entschlie&szlig;t, doch abzureisen, kommt Erwin, ihre erst frische Beziehung, ins Spiel.<br /><br />Eva, die graue, ver&auml;ngstigte Maus, gewinnt Kraft und Selbstvertrauen, w&auml;chst &uuml;ber sich hinaus. Sie muss Dianne finden. Dazu nimmt sie den Kampf gegen die feindseligen D&ouml;rfler auf. Man entf&uuml;hrt sie, h&auml;lt sie in einem Keller gefangen, aber sie beh&auml;lt die Nerven. Schlie&szlig;lich wird sie sich sogar als Lockvogel anbieten, um einen der Hauptverd&auml;chtigen zu &uuml;berf&uuml;hren. Diese Pers&ouml;nlichkeitsentwicklung von einem Extrem zum anderen halte ich f&uuml;r etwas &uuml;berzogen ...<br /><br />Jemandem "verfallen" zu sein hei&szlig;t, ihm h&ouml;rig geworden, sich ihm willenlos ausgeliefert zu haben. Verhoef entwickelt nachvollziehbar eine solche obsessive Beziehung, die so weit geht, dass ein Partner sich den Gewalttaten des anderen anschlie&szlig;t und schlie&szlig;lich sogar zum M&ouml;rder wird.<br /><br />Esther Verhoef, 1968 geboren, ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der Niederlande. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Niederl&auml;ndischen Thrillerpreis.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-esther-verhoef-verfallen.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[23.10.2011 18:01: Das Lied vom Tun und Lassen von Jan Böttcher]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jan-boettcher-das-lied-vom-tun-und-lassen.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jan-boettcher-das-lied-vom-tun-und-lassen.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/477.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das Lied vom Tun und Lassen von Jan Böttcher"></a>
							<h2>23.10.2011 18:01: Das Lied vom Tun und Lassen von Jan Böttcher</h2>
							<h3>Fragen, auf die es keine Antworten gibt ...</h3>
							<p><small>Rezension vom 23.10.2011 18:01<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Der 60-j&auml;hrige Musik- und Englischlehrer Manuel Mauss hat Sommerferien. Eigentlich k&ouml;nnte er jetzt im Garten seines Bauernhauses relaxen oder in dem alten ehemaligen Backhaus seine Musikanlage aufdrehen und seine Plattensammlung abspielen.<br /><br />Doch zun&auml;chst muss er mit dem einarmigen Hausmeister s&auml;mtliche Werkb&auml;nke aus der Werkstatt im Keller der Privatschule auf den Dachboden schleppen. Mit seinem letzten Abi-Jahrgang hatte Mauss n&auml;mlich Instrumente gebaut. Aber damit ist nun endg&uuml;ltig Schluss.<br /><br />Mauss ist ein Kauz, beliebt bei den Sch&uuml;lern, aber unbeliebt bei seinen Kollegen, die seinen sehr speziellen Unterrichtsstil teils neidisch bel&auml;cheln, teils verurteilend ablehnen. Zwar gilt er als streng und konsequent, aber mit seinen Projekten biedere er sich bei seinen Sch&uuml;lern an, hei&szlig;t es. Auch auf dem Pausenhof umgibt er sich gern mit ihnen, l&auml;dt sie zu offenen Diskussionsrunden ein, duzt sich mit ihnen. In seinem Musik-Leistungskurs hat er ein tolles Projekt durchgezogen, unter Einsatz aller modernen Medien. Fasziniert von dem freien Unterrichtstil erkl&auml;rten viele Eleven Mauss zu ihrem Lieblingslehrer. Doch wie schnell Sch&uuml;ler ihre schulischen Bande l&ouml;sen, auch ihre Favoriten ad acta legen, wird Mauss sp&auml;ter leidvoll feststellen. Nach dem Abitur setzen einige von ihnen sein Projekt in die Praxis um, gr&uuml;nden die Musikband "Animal Museums", touren durch Frankreich und Spanien und geben Konzerte. Ihre Kontakte zu Mauss als Internet-Manager werden immer weniger.<br /><br />Mauss' starke Orientierung auf seine Sch&uuml;ler offenbart seine Lebensunsicherheit. In den Pausen meidet er seine Kollegen bewusst; statt im Lehrerzimmer findet man ihn im Keller-Werkraum auf seinem Sofa liegend. Auch in seinem Dorf h&auml;lt er einzig Kontakt zu einem anderen schr&auml;gen Vogel, Singer, der ein altes, bauf&auml;lliges Haus gekauft hat und alles in Eigenarbeit renovieren m&ouml;chte.<br /><br />Clarissa Winterhof sa&szlig; in Mauss' Abi-Jahrgang - eine sehr leistungsstarke Sch&uuml;lerin und eine Au&szlig;enseiterin. Doch in den letzten Jahren hat sie sich gewandelt: Sie verweigert Leistungen, ist verschlossen, kleidet sich immer schwarz, sucht nach dem "Wir" in der Gruppe. In der Band ist sie integriert, aber wirklich gl&uuml;cklich und frei ist sie nicht. All ihre Gedanken, Gef&uuml;hle und Ereignisse vertraut sie einem Tagebuch-Blog im Internet an. Sie ist die einzige, die mit dem Selbstmord ihrer Klassenkameradin Meret nicht so leicht fertig wird. Warum ist Meret vom Dach der Schule gesprungen?<br /><br />Um dieser Frage nachzugehen, kommt auch ein Gutachter der Schulbeh&ouml;rde zur Inspektion: Johannes Engler hospitiert in Unterrichtsstunden, macht sich eine Bild vom Geb&auml;ude und vom Tatort, sammelt Eindr&uuml;cke - und trifft auf Clarissa.<br /><br />Engler ist geschieden (Frau und Sohn leben in Potsdam) und in Geldn&ouml;ten. Er wirkt unsicher und orientierungslos. In seinem Pensionszimmer sch&uuml;ttet Clarissa ihm ihr Herz aus: Seit Merets Tod sei das Leben so sinnlos; die Ignoranz und die Trauerresistenz ihrer Klassenkameraden seien ihr unertr&auml;glich. Ihrer Vertraulichkeit und ihren Ann&auml;herungsversuchen kann Engler nicht widerstehen.<br /><br />Jedem der drei Protagonisten, die sich begegnen, miteinander kommunizieren und Gemeinsames erleben, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Was als eine Wahrheit erscheint, ergibt sich aus jeder jeweiligen Perspektive ganz neu, wird relativiert, gebrochen, in Frage gestellt. So glaubt Engler, Clarissa sei zudringlich geworden, w&auml;hrend Clarissa ihn l&auml;ngst gerne los w&auml;re, seine st&auml;ndigen Anrufe nervig findet. Mauss wiederum interpretiert Clarissas Erscheinungsbild - sie sei abgemagert, weinerlich, verschlossen, aggressiv im Gespr&auml;ch - als Folge von Liebesleid: Sie hatte was mit einem &auml;lteren Mann ...<br /><br />Der junge Autor und Musiker Jan B&ouml;ttcher, 1973 in L&uuml;neburg geboren, hat zweifellos literarische und musikalische Qualit&auml;ten. F&uuml;r seinen Roman "Geld oder Leben" erhielt er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2007 den Ernst-Willner-Preis. Dennoch hat mich "Das Lied vom Tun und Lassen" nicht recht fesseln k&ouml;nnen. Da wechseln Passagen im Berichtsstil, in Dialogform, teils sehr pers&ouml;nliche, dann wieder ganz sachlich-distanzierte einander ab, unterst&uuml;tzt durch Kursivdruck, dazu Gedichte und Songtexte inklusive Download-Links - alles gut ausgef&uuml;hrt, abwechslungsreich und funktional legitimiert, aber trotzdem wirkt diese Erz&auml;hlweise konstruiert, zu stilisiert. Da obendrein (bzw. entsprechend) auch die drei Protagonisten eigenwillig charakterisiert sind, habe ich mich nie emotional ber&uuml;hrt gef&uuml;hlt. Bis zum Ende des Romans bleiben sie ihren Problemen verhaftet und k&uuml;nstlich. Au&szlig;erdem h&auml;ngt &uuml;ber allem die gro&szlig;e Frage, warum Meret sich denn nun umgebracht hat. Wir erfahren, dass sie immer schon unter Depressionen litt, Tabletten dagegen einnahm, gemobbt wurde. Aber diese Spuren sind denn doch ein bisschen d&uuml;rftig, und der Autor l&auml;sst den Leser auch hinsichtlich dieses Plots ratlos zur&uuml;ck. So setzt sich der Autor mit seinem Roman zwischen mehrere St&uuml;hle und besetzt keinen richtig: Will er das Suizid- oder das Mobbing- oder ein Sch&uuml;ler-Lehrer- oder ein Beziehungsthema bearbeiten, oder m&ouml;chte er die Relativierung von Wahrheit gestalten, oder stand das sprachliche Spiel mit Perspektiven und Stilmitteln im Zentrum seiner Aufmerksamkeit?</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jan-boettcher-das-lied-vom-tun-und-lassen.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[21.10.2011 13:46: Todesinstinkt von Jed Rubenfeld]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jed-rubenfeld-todesinstinkt.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jed-rubenfeld-todesinstinkt.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/476.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Todesinstinkt von Jed Rubenfeld"></a>
							<h2>21.10.2011 13:46: Todesinstinkt von Jed Rubenfeld</h2>
							<h3>Ein Krimi, eine Lovestory und noch viel mehr</h3>
							<p><small>Rezension vom 21.10.2011 13:46<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Der historische Krimi "Todesinstinkt" von Jed Rubenfeld ist ein schwergewichtiger Schm&ouml;ker von &uuml;ber 600 Seiten. Vor dem Hintergrund tats&auml;chlicher historischer Ereignisse in Amerika und Europa entwickelt der Autor seine Fiktion. Zwei parallel verlaufende Handlungsstr&auml;nge durchziehen den gesamten Roman.<br /><br />Am 16. September 1920 erlebte Amerika den bis dahin gr&ouml;&szlig;ten Terrorakt seiner Geschichte. Vor dem Bankhaus J.P. Morgan an der Wall Street explodiert eine Bombe. 38 Menschen sterben, viele Unschuldige werden verletzt. 1944 schlie&szlig;t das FBI die Akten: Die T&auml;ter wurden nie gefasst; allein ein Verdacht - die Mutma&szlig;ung, es sei das Werk italienischer Anarchisten gewesen - blieb haften.<br /><br />Welch eine Chance f&uuml;r Jed Rubenfeld, diese L&uuml;cke mit Inhalt zu f&uuml;llen. Sein Protagonist, Jimmy Littlemore, Detective der New Yorker Polizei, wird auf akribische Weise die Hintergr&uuml;nde zu diesem Attentat aufdecken.<br /><br />Nat&uuml;rlich hat er einen Gegenspieler beim FBI, der ihn ausbremsen will. Doch Littlemore l&auml;sst sich nicht beirren, erh&auml;lt Unterst&uuml;tzung vom Finanzminister, wird nach Washington versetzt und hinterfragt eigenartige Zusammenh&auml;nge: Just am Tag der gigantischen Explosion wurden in einer h&ouml;chst geheimen Aktion die amerikanischen Goldreserven vom Schatzamt in neue, sichere Tresorr&auml;ume transportiert; ein Wachmann starb, Goldbarren verschwanden ... Kann das Zufall sein? Der Autor f&uuml;hrt Littlemore mit Zeugen des realen Ereignisses und seines Umfeldes zusammen, wie zum Beispiel mit Edwin Fisher, einem Geheimagenten, der ein Zweiergespr&auml;ch belauscht hatte, dessen Inhalt der geplante Wall-Street-Anschlag war. Littlemore deckt eine Schmiergeldaff&auml;re auf, die fast zu einem Krieg zwischen Amerika und Mexiko gef&uuml;hrt h&auml;tte. Wer sind die wahren Drahtzieher?<br /><br />Im zweiten Handlungsstrang treffen wir Dr. Stratham Younger, Arzt und Psychoanalytiker, der in Begleitung einer jungen, h&uuml;bschen Physikerin, Colette Rousseau, aus Frankreich nach New York gekommen ist. Sie sind mit Freund Littlemore in unmittelbarer N&auml;he des Anschlagsortes verabredet.<br /><br />Dr. Younger hatte Colette im 1. Weltkrieg kennengelernt, als sie - damals ganz ungew&ouml;hnlich f&uuml;r eine Frau - einen Lastwagen lenkte. In dem befand sich ein R&ouml;ntgenger&auml;t, das Younger bei seinen Operationen im Feldlazarett beste Dienste leistete. An ihrer Seite hatte Colette stets ihren j&uuml;ngeren Bruder Luc, der nach dem Trauma eines Kriegs-Massakers in seinem Dorf das Sprechen eingestellt hatte. Younger verliebte sich in die unnahbare, spr&ouml;de Wissenschaftlerin, doch sie wies sein Werben konsequent ab. Wahrscheinlich liebt sie noch immer den Mann, den sie im Krieg kennengelernt hatte, und nur die Suche nach dem Verschollenen treibt sie an. So reist sie durch halb Europa - und Younger immer hinterher.<br /><br />Rubenfeld hat dem Roman den Titel "Todesinstinkt" (im Original "The Death Instinct") gegeben. Todestrieb - als Gegenpol zum Sexualtrieb - ist einer der umstrittensten Begriffe in Sigmund Freuds Theorien zur Psychoanalyse. Er &auml;u&szlig;ert sich in Formen der Autoaggression bis hin zum Selbstmord. Viele Soldaten des 1. Weltkriegs kehrten derart traumatisiert zur&uuml;ck; niemand verstand ihr seltsames Verhalten, niemand konnte helfen. In der Handlung des Romans &uuml;berzeugt Dr. Younger Colette, dass sie ihren Bruder bei Sigmund Freud in Wien therapieren lassen solle.<br /><br />&Uuml;ber Colette findet eine weitere Koryph&auml;e der Wissenschaften Eingang in die fiktive Handlung: Sie war n&auml;mlich eine der besten Sch&uuml;lerinnen von Madame Marie Curie, bis heute die einzige Frau, der zweimal ein Nobelpreis in unterschiedlichen Disziplinen verliehen wurde (1903 f&uuml;r Physik, 1911 f&uuml;r Chemie). Teile ihrer Biografie baut der Autor in seinen Roman ein. Und der Autor stellt uns horrorm&auml;&szlig;ig vor Augen, wie furchtbar der falsche Umgang mit Radium ist, dem Element, das Marie Curie 1898 entdeckt hatte und lange nicht nur als unbedenklich, sondern gar als gesundheitsf&ouml;rdernd galt. In einer New Yorker Fabrik pinselten Frauen bis 1925 ohne jeglichen Schutz Leuchtziffern auf Uhren und erkrankten am "Radiumkiefer": Ihre Gesichter waren durch Zungen- und Lippenkrebswucherungen entstellt.<br /><br />Hautnah l&auml;sst Jed Rubenfeld den Leser das Zeitgeschehen miterleben: in Amerika h&ouml;chste Arbeitslosigkeit, die Prohibition, das gerade eingef&uuml;hrte Wahlrecht f&uuml;r Frauen und Neger, deren systematische Verfolgung durch den Ku-Klux-Klan; in Europa leiden die Menschen nach dem Weltkrieg bittere Not (Der Hunger ist so gro&szlig;, dass sie sogar Hunde essen.), und der b&ouml;se Hauch des Antisemitismus weht durchs Land.<br /><br />Insgesamt f&uuml;hle ich mich allerdings erschlagen von dem allzu &uuml;berfrachteten, allzu breit angelegten Handlungsumfang dieses Historienkrimis. Ein bisschen weniger w&auml;re wohltuend, intensiver und nachhaltiger gewesen. Reichlich unn&ouml;tig ist zum Beispiel die Einbindung von Sigmund Freud als handelnder Figur und des mit ihm verbundenen Begriffs des Todesinstinkts, der dann auch noch den Titel liefert. Ein psychisch kranker junger Mann muss f&uuml;r diese Verkn&uuml;pfung herhalten, denn zum Wall-Street-Anschlag und damit zur eigentlichen Krimihandlung gibt es keinerlei Bezug.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jed-rubenfeld-todesinstinkt.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[20.10.2011 19:37: Cevdet und seine Söhne von Orhan Pamuk]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-orhan-pamuk-cevdet-und-seine-soehne.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-orhan-pamuk-cevdet-und-seine-soehne.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/475.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Cevdet und seine Söhne von Orhan Pamuk"></a>
							<h2>20.10.2011 19:37: Cevdet und seine Söhne von Orhan Pamuk</h2>
							<h3>Die türkische Oberschicht im Wandel der Zeit</h3>
							<p><small>Rezension vom 20.10.2011 19:37<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Orhan Pamuk gilt als wichtigster Schriftsteller der T&uuml;rkei. Sein Werk wurde in mehr als 35 Sprachen &uuml;bersetzt und weltweit ver&ouml;ffentlicht, und 2006 wurde er mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Die Figuren seiner Romane l&auml;sst er als Vermittler zwischen der europ&auml;ischen Kultur und der Tradition seines Landes agieren. Er selber engagiert sich politisch als Menschenrechtler.<br /><br />1952 in Istanbul geboren, wuchs Pamuk als Sohn einer gutb&uuml;rgerlichen Familie im Istanbuler Stadtteil &#350;i&#351;li auf. Den Wohlstand hatte sein Gro&szlig;vater als Ingenieur im Eisenbahnbau erwirtschaftet. Schon als Kind entdeckte Pamuk seine k&uuml;nstlerische Begabung und war fasziniert von der Literatur Thomas Manns, Kafkas, Dostojewskis, Tolstois u.a., deren Romane ihm sein weltoffener Vater zum Lesen anbot. 1977 beendete er sein Literaturstudium und wurde Journalist und Schriftsteller. 1982 erschien sein Erstlingswerk "Cevdet Bey ve O&#287;ullar&#305;" ("Herr Cevdet und seine S&ouml;hne"), aber Pamuk str&auml;ubte sich drei&szlig;ig Jahre lang gegen &Uuml;bersetzung und weitere Verbreitung dieses Romans. Erst jetzt ist "Cevdet und seine S&ouml;hne" bei Hanser erschienen - ein episch breiter Gesellschaftsroman, in dem sich Figuren aus der n&auml;chsten Verwandt- und Bekanntschaft des Autors mit ihren individuellen Charakteren, Lebenszielen und kulturpolitischen Einstellungen wiederfinden. Als Anregung und Vorbild f&uuml;r seine Geschichte um Cevdet, seine S&ouml;hne, seine Tochter und seine Enkel benennt Pamuk ausdr&uuml;cklich Thomas Manns "Buddenbrooks" und Leo Tolstois "Anna Karenina".<br /><br />Die Handlung beginnt im Jahre 1905. Cevdet Isikci hat ein klares, ehrgeiziges Ziel vor Augen: Er will ein Gesch&auml;ft f&uuml;hren, seinen Reichtum mehren und eine Familie gr&uuml;nden. Als t&uuml;chtiger Gesch&auml;ftsmann ("Lampen-Cevdet") arbeitet er zwischen j&uuml;dischen, griechischen und armenischen H&auml;ndlern, verst&ouml;&szlig;t damit aber gegen die Tradition und wird f&uuml;r seine Ambitionen bel&auml;chelt. Eintritt in die sogenannte bessere Gesellschaft verspricht sich Cevdet durch die Heirat mit einer Frau aus dem Hause eines Paschas. Die Verm&auml;hlung wird nach einem Tevla-Spiel verabredet, und der v&ouml;llig verarmte, dennoch arrogante Pascha willigt gn&auml;dig ein - eine bessere Partie h&auml;tte er f&uuml;r seine Tochter kaum aushandeln k&ouml;nnen. In Ni&#351;anta&#351;&#305;, einem der besten Wohnviertel Istanbuls, baut Cevdet ein Steinhaus und kann sich sogar bald ein Sommerhaus auf einer t&uuml;rkischen Insel leisten. Obwohl die Eheleute noch keine Kinder haben, h&auml;ngt &uuml;ber Cevdets Laden schon das zukunftsweisende Schild "Cevdet und seine S&ouml;hne".<br /><br />W&auml;hrend Cevdet sich weder von Politik noch Kultur noch jeglicher Unterhaltung von der Verfolgung seiner Lebensziele ablenken l&auml;sst, muss er mit Entsetzen, ja geradezu Hass mit ansehen, wie Nusret, sein leichtlebiger Bruder, sein Leben zubringt. Nach dem Medizinstudium in Paris hat Nusret sich mit den Umbr&uuml;chen befasst, die die franz&ouml;sische Revolution f&uuml;r Europa mit sich brachte, und steht in Kontakt mit den Jungt&uuml;rken, einer illegalen Bewegung, die f&uuml;r Liberalisierung, Modernisierung und St&auml;rkung des Osmanischen Reiches k&auml;mpft. Nun liegt er, schwer an TBC erkrankt, in einem Hotelzimmer. Die Figur Nusrets repr&auml;sentiert die Anf&auml;nge politischer Ver&auml;nderungen, erste Verst&ouml;&szlig;e gegen Konventionen, erste Beispiele des Andersseins in der Gesellschaft.<br /><br />Cevdet findet in seinem Sohn Osman einen w&uuml;rdigen Nachfolger, der das Gesch&auml;ft in seinem Sinne fortf&uuml;hrt und erweitert. Nach alter Tradition (die Mutter verlangt es so) lebt die gesamte Gro&szlig;familie immer noch im v&auml;terlichen Haus: Osman und sein Bruder Refik, beider Frauen und Kinder, sowie ihre j&uuml;ngere Schwester.<br /><br />Der zweite und umfangreichste Teil des Romans spielt in den drei&szlig;iger Jahren. Atat&uuml;rk und seine umw&auml;lzenden Reformen bestimmen die Entwicklung des Landes und die Lebensweise der Menschen. W&auml;hrend Osman der ruhigere, best&auml;ndige Sohn ist, bleibt Refik in den Diskussionen mit seinen ehemaligen Studienfreunden ein Suchender. Die Wohlstandselite kann es sich erlauben, sich Gedanken der Aufkl&auml;rung (Freiheit, Gleichheit, Br&uuml;derlichkeit) und des Fortschritts hinzugeben und ihre individuellen Vorteile zu genie&szlig;en. Auch eine Reise nach Europa, wo das Leben so modern, so reizvoll ist, kann man sich leisten.<br /><br />Bald ertr&auml;gt der melancholische Refik, dessen Lieblingsautor H&ouml;lderlin ist, das Leben als Kaufmann mit Ehefrau nicht l&auml;nger. Es zieht ihn zu seinem Studienfreund &Ouml;mer, der als Ingenieur beim Eisenbahnbau t&auml;tig ist. Monatelang bleibt Refik weg von zu Hause, denkt &uuml;ber gesellschaftliche Verbesserungen f&uuml;r die Menschen auf dem Dorfe nach und verfasst eine Abhandlung, die er sp&auml;ter in der Hoffnung, irgendetwas bewirken zu k&ouml;nnen, im Landwirtschaftsamt vorlegt. Doch hier sieht man keinen besonderen Bedarf ...<br /><br />Den dritten und letzten Teil widmet Pamuk dem Enkel Ahmet, der sich, in einer Dachgeschosswohnung wohnend, dem K&uuml;nstlerleben hingibt. Der Roman endet im Jahre 1978.<br /><br />"Cevdet und seine S&ouml;hne" war meine erste Begegnung mit Orhan Pamuk: ein geradezu wunderbarer Roman voller Poesie; manchmal an die Atmosph&auml;re in "Tausend und eine Nacht" erinnernd; manchmal getragen langsam, dann wieder umso intensiver in den Beschreibungen der Szenen und Handlungsorte; manchmal voranschreitend, dann in dichter Handlungsabfolge. Die Personen - aus einer mir bisher unbekannten Welt - sind dennoch so nah, so &uuml;berzeugend.<br /><br />Besonders gut gef&auml;llt mir, dass Pamuk seine Individuen ganz nat&uuml;rlich-menschlich sein l&auml;sst. Ihre Ansichten und Aussagen sind sehr differenziert, k&ouml;nnen f&uuml;r vieles stehen. Nie zeigen sie wie mit dem didaktischen Finger auf etwas, das nur so sein soll, nur so richtig ist. Pamuk weckt beim Lesen ein gutes, ein sinnliches Gef&uuml;hl. Durchweg stehen die M&auml;nner im Mittelpunkt des Romans; die Frauen f&uuml;llen den Raum als schm&uuml;ckendes Beiwerk. Einzig Schwester Ai&#351;e wehrt sich gegen die st&auml;ndige Aufsicht ihrer Mutter und ihres Bruders, die sie vom Klavier- und Schulunterricht abholen. Endlich einmal frei und unbeobachtet, l&auml;sst sie sich vom Sohn des Lehrers, f&uuml;r den sie ein gewisses Interesse hegt, nach Hause begleiten. Doch dieses Aufb&auml;umen h&auml;lt nur kurz an. Ob reum&uuml;tig oder einsichtig oder einfach &auml;lter und abgekl&auml;rter: Schlie&szlig;lich kehrt sie zu den alten Traditionen zur&uuml;ck, l&auml;sst sich wieder abholen und stimmt der Wahl des f&uuml;r sie vorgesehenen Mannes zu ... "Emanzipation" ist noch ein Fremdwort.<br /><br />Welche Weitsicht zeigte der erst 22-j&auml;hrige Autor; welch eine literarische Leistung hat er vollbracht! Bis zur Ver&ouml;ffentlichung der endg&uuml;ltigen Fassung von "Cevdet Bey ve O&#287;ullar&#305;" lie&szlig; er sich acht Jahre Zeit.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-orhan-pamuk-cevdet-und-seine-soehne.htm" target="_blank">
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[19.10.2011 13:14: Die Larve von Jo Nesbø]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jo-nesbo-die-larve.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jo-nesbo-die-larve.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/474.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die Larve von Jo Nesbø"></a>
							<h2>19.10.2011 13:14: Die Larve von Jo Nesbø</h2>
							<h3>Die Ratte</h3>
							<p><small>Rezension vom 19.10.2011 13:14<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Oslos Drogenszene beherrscht ein einziger "Ataman" - ein Gespenst, das bisher noch niemand gesehen hat. Zwei russische Killer machen f&uuml;r ihn die Drecksarbeit; sie organisieren und kontrollieren sein eintr&auml;gliches und todbringendes Gesch&auml;ft.<br /><br />Drei junge Leute - Gusto, seine Stiefschwester Irene und Oleg - sind als kleine Dealer mit dabei. Sie vertickern die neue synthetische Droge Violin. Nun liegt Gusto in seiner versifften Wohnung im Sterben: Seine letzte Spritze h&auml;ngt ihm noch in der Armbeuge, aus der Schussverletzung in seiner Brust rinnt Blut, und eine dicke Ratte knabbert an seinen Schuhen. Die riesige Leiche versperrt ihr das Eingangsloch zu ihrem Nest hinter der Wand. Sie krabbelt in Gustos &Auml;rmel, bei&szlig;t sich in seinen K&ouml;rper hinein (und h&auml;tte dem Roman auch gut den Titel "Die Ratte" verleihen k&ouml;nnen). Oleg hat man verhaftet. Zwar schweigt er zum Tatmotiv, aber wahrscheinlich hat er wegen des bisschen Stoffs seinen Freund Gusto aus dem Leben gepustet. Irene ist schon seit Monaten verschwunden.<br /><br />Harry Hole, der seit drei Jahren in seinem selbstgew&auml;hlten Exil in Hongkong lebt, kehrt nach Oslo zur&uuml;ck. Sein wei&szlig;er Leinenanzug kann nicht ablenken von einer h&auml;sslichen Narbe, die sein Gesicht entstellt. Er will seiner ehemaligen Lebensgef&auml;hrtin Rakel zur Seite stehen und Oleg, ihren Sohn, aus dem Gef&auml;ngnis holen. Mit ihm hatte er viele gemeinsame Stunden verbracht, hatte einst wie ein Vater f&uuml;r ihn sorgen wollen. Er h&auml;lt ihn f&uuml;r einen guten Jungen. Als Hole ihn nun im Gef&auml;ngnis besucht, findet er ihn nur noch als Schatten seiner selbst vor: einen abgemagerten, von Drogen zerfressenen S&uuml;chtigen, der jede Zusammenarbeit mit ihm ablehnt. Kurze Zeit sp&auml;ter wird ein anderer Junkie verhaftet, und Oleg kommt frei. Harry Hole sieht somit seinen Auftrag als beendet an und bucht seinen R&uuml;ckflug nach Hongkong. Doch dann packt ihn sein Ermittlergeist; sein Sp&uuml;rsinn rei&szlig;t ihn aus dem Sitz, als er schon im Flugzeug Platz genommen hat, und er verl&auml;sst die Maschine, um all die noch offenen Fragen zu kl&auml;ren.<br /><br />Jetzt recherchiert er im Drogenmilieu, tastet sich in korrupte Polizei- und Politikerkreise vor, die das Monopolgesch&auml;ft des gro&szlig;en "Atamans" dulden, und entdeckt das Labor, in dem Violin hergestellt wird. Mit eigenen Augen sieht er, wie brutal seine Gegner foltern und t&ouml;ten k&ouml;nnen, und riskiert mit diesem Wissen sein Leben. Doch Harry Hole l&auml;sst sich davon nicht abschrecken. Er k&auml;mpft bis zum letzten Atemzug.<br /><br />Jo Nesb&oslash;, einer der besten skandinavischen Thriller-Autoren, f&auml;hrt in diesem wohl letzten Harry-Hole-Fall zur H&ouml;chstform auf. In einem separaten Handlungsstrang (kursiv gedruckt) gestaltet er die wohl armseligste, schockierendste Geschichte eines Junkies, der nichts als eine Marionette in den H&auml;nden des Drogenbosses und seiner Killer sein durfte. Obwohl Harry Hole im Gegensatz dazu als aktiver, starker, cleverer Sp&uuml;rhund profiliert ist, nimmt er dennoch nicht wahr, wie nah ihm der "Ataman" ist - so dass er ihn f&ouml;rmlich riechen kann.<br /><br />"Die Larve" ist ein durchweg spannender, vielschichtiger Top-Thriller, bis man auf den letzten hundert Seiten fast zu atmen vergisst. Die Angaben zu "Quellen, Hilfen und Danksagungen" (S. 563) belegen zudem, dass Nesb&oslash; bestens recherchiert hat. All das reale Grauen, all die Wahrheiten, die in diesem fiktionalen Roman verarbeitet sind, hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jo-nesbo-die-larve.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[03.10.2011 13:53: Die Augenblicke des Herrn Faustini von Wolfgang Hermann]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-wolfgang-hermann-die-augenblicke-des-herrn-faustini.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-wolfgang-hermann-die-augenblicke-des-herrn-faustini.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/473.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die Augenblicke des Herrn Faustini von Wolfgang Hermann"></a>
							<h2>03.10.2011 13:53: Die Augenblicke des Herrn Faustini von Wolfgang Hermann</h2>
							<h3>Faustini begibt sich in Reparatur</h3>
							<p><small>Rezension vom 03.10.2011 13:53<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>"Herr Faustini, Sie sind ein sensibler Mensch, und das ist eine besondere Gabe." So diagnostiziert Frau Angela Nussb&auml;chle nach vier Therapiesitzungen das Befinden ihres Patienten. Faustini hatte das dringende Bed&uuml;rfnis, sich in "Reparatur" zu begeben, denn er "hat so ein Gef&uuml;hl, als h&auml;tte er ein Gef&uuml;hl". "Mir ist nicht klar, wen ich meine, wenn ich Ich sage" (S. 19). Er empfindet das Leben als indirekt und ist meistens zu zweit: "einer, der etwas tut, und der andere, der bemerkt, dass einer etwas tut" (S. 21). Also kann er die Nachfrage der &Auml;rztin, ob er sich einsam f&uuml;hle, guten Gewissens verneinen. Schlie&szlig;lich entl&auml;sst sie ihn, auch, weil sie selbst in Urlaub f&auml;hrt, mit dem dienlichen Therapie-Hinweis, er k&ouml;nne sich nur selber reparieren. Das k&ouml;nne so aussehen, dass er sich selber erobere, seinen Mittelpunkt finde, "an dem alles zusammenkommt" (S. 23).<br /><br />Faustini nimmt sein Leben in die Hand und sucht mit dem Finger auf der Europakarte seinen ersten Zielort: Edenkoben. F&uuml;r Frau Robatscher von der &ouml;sterreichischen Bundesbahn (Sie hatte ihm schon einmal eine Verbindung &uuml;ber die Via Mala ins Tessin vermittelt) buchstabiert er das Reiseziel auf f&uuml;r sie unverst&auml;ndliche Weise: "E wie einerlei ist keinerlei, d wie das w&auml;re doch gelacht ...".<br /><br />So sitzt er bald im ICE und empfindet Zeit in neuen Dimensionen. Als Langsamkeitsspezialist erlebt er das Dahinrasen des Zuges als etwas Besonderes. Er philosophiert &uuml;ber ein Leben mit einer Netzkarte, in der die Zeit "ordnungsgem&auml;&szlig; nach Fahrplan abrollen" w&uuml;rde. Wo aber "w&uuml;rden die Augenblicke bleiben" (S. 33)?<br /><br />Auf seiner Reise zum sich zusammenf&uuml;genden Mittelpunkt macht Faustini Bekanntschaft mit Emil, dem Mann mit dem kleinen, kurzen J&auml;ckchen, der im Supermarkt nichts zu essen findet, mit einem Ehepaar, das gegen ein Gro&szlig;bauprojekt bis nach Strassburg prozessieren wird, mit einer Frau mit dem Zaubergang, mit einem holl&auml;ndischen Ehepaar, das sich zur Goldhochzeit eine Rheinschifffahrt g&ouml;nnt und Faustini als abendlichen T&auml;nzer f&uuml;r die Braut einl&auml;dt ...<br /><br />"Die Augenblicke des Herrn Faustini" ist ein ungew&ouml;hnlicher und anspruchsvoller Roman - und ein Designerst&uuml;ck. Schon das surrealistische Cover (Magrittes Mann mit der Melone) suggeriert, dass Faustinis Begegnungen mit verschiedenen Menschen an verschiedenen Orten nicht einfach Normalit&auml;t widerspiegeln, sondern mit der Realit&auml;t spielen und ungesehene Perspektiven aufbrechen. Der Autor - Jahrgang 1961, Studium der Philosophie und Germanistik, Promotion &uuml;ber H&ouml;lderlin, Arbeit an den Universit&auml;ten Wien und Tokio, heute freier Schriftsteller in Bregenz - l&auml;sst den Leser sp&uuml;ren, mit welcher Freude er sich gerade auf dieser literarischen Spielwiese austobt. Die philosophierend-surreale Aufbereitung von Faustinis Lebensaugenblicken ist eine faszinierende, perfekte Installation - konstruiert, aber am&uuml;sant, ironisch und fl&uuml;ssig lesbar.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-wolfgang-hermann-die-augenblicke-des-herrn-faustini.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[02.10.2011 12:26: Zwischen zwei Nächten von Edith Kneifl]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-edith-kneifl-zwischen-zwei-naechten.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-edith-kneifl-zwischen-zwei-naechten.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/472.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Zwischen zwei Nächten von Edith Kneifl"></a>
							<h2>02.10.2011 12:26: Zwischen zwei Nächten von Edith Kneifl</h2>
							<h3>Zerrieben</h3>
							<p><small>Rezension vom 02.10.2011 12:26<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Die erste weibliche Autorin, die mit dem begehrten Glauser-Preis f&uuml;r den besten deutschsprachigen Krimi des Jahres ausgezeichnet wurde, ist die 1954 in Wels (&Ouml;sterreich) geborene Edith Kneifl, und sie erhielt den Preis gleich f&uuml;r ihren ersten Krimi "Zwischen zwei N&auml;chten". Das war 1992. Inzwischen hat die promovierte Psychologin viele Erz&auml;hlungen, Essays, Drehb&uuml;cher und f&uuml;nfzehn weitere Kriminalromane ver&ouml;ffentlicht, zuletzt "<a href="rezension-edith-kneifl-stadt-der-schmerzen.htm" target="_blank">Stadt der Schmerzen</a>" (2011), und sich als wichtigste und erfolgreichste Kriminalautorin &Ouml;sterreichs etabliert. Ihren Deb&uuml;troman hat der Haymon-Verlag nun nach zwei Jahrzehnten neu herausgegeben.<br /><br />Annas Koffer sind gepackt, die Scheidung ist eingereicht, ihr Architekturb&uuml;ro wird sie verkaufen, und morgen wird sie nach New York fliegen. Dort lebt Ann-Marie, ihre langj&auml;hrige Freundin. Mit ihr will sie an der Lower East Side eine gemeinsame Zweizimmerwohnung beziehen und ein neues Leben beginnen.<br /><br />Doch Ann-Marie wartet am Kennedy-Airport vergeblich auf ihre Freundin, denn in der Nacht zuvor ist Anna &uuml;ber die Terrassenbr&uuml;stung ihrer Wohnung im siebten Stock in den Tod gesprungen.<br /><br />Ann-Marie erh&auml;lt die Nachricht von Frau Maricek, Annas Putzfrau, und kann sie nicht fassen: Warum jetzt ein Suizid, wo doch alles bestens geplant und die hoffnungsfrohe Zukunft zum Greifen nahe war? V&ouml;llig von der Rolle kratzt die Lebensk&uuml;nstlerin Ann-Marie ihr weniges Geld zusammen, pumpt sich den Rest von Freunden und ihren armen puertoricanischen Nachbarn und kauft ein Flugticket nach Wien. Bald steht sie dort an Annas offenem Grab, sieht den Sarg in der Grube verschwinden - ein Bild, das sie nie vergessen will.<br /><br />Inmitten der illustren Trauergesellschaft f&uuml;hlt sich Ann-Marie deplaziert. Sie durchschaut schnell die Scheinheiligkeit der G&auml;ste, deren einziges Lebensziel im Geldanh&auml;ufen besteht. Beim Leichenschmaus in einem standesgem&auml;&szlig; feudalen Lokal dreht sich ihr beim Anblick der gierig zuschlagenden Wohlsituierten der Magen um. Erste Gespr&auml;chspartner findet Ann-Marie in Frau Maricek und ihrem Sohn, einem Punk, die beide, genau wie sie, wahrscheinlich nur notgedrungen geduldete G&auml;ste in diesem Milieu sind. Die Mariceks best&auml;rken Ann-Marie in ihrem Bauchgef&uuml;hl, dass Anna niemals Selbstmord begangen haben k&ouml;nne; sie sei ja so fr&ouml;hlich gewesen, wei&szlig; Frau Maricek zu berichten. Und der Junge spricht offen aus, was keiner zu denken wagt: K&ouml;nnte es vielleicht auch ein Mord gewesen sein?<br /><br />R&uuml;ckblende: Zwei Monate vor dem unerwarteten Todesfall erh&auml;lt Ann-Marie nach vielen Jahren der Distanz einen ziemlich aufgel&ouml;sten Brief von Anna, in dem sie sie bittet, sie in Wien zu besuchen. Ann-Marie folgt dem Wunsch, und die beiden haben ein paar Tage Zeit, sich intensiv auszutauschen.<br /><br />In subtiler Dichte und Tiefe entwickelt die Autorin nun die Psychogramme zweier kontr&auml;rer Pers&ouml;nlichkeiten. Dem Leser wird behutsam vermittelt, dass die innige Freundschaft der beiden Frauen schon vor Jahren Risse bekommen hat: Ann-Marie setzte sich n&auml;mlich bewusst nach New York ab, weil sie es nicht mehr ertragen konnte, wie Anna, nachdem ihr ihr Vater sein Architekturgesch&auml;ft vermacht hatte, sich ganz selbstverst&auml;ndlich einem bequemen und oberfl&auml;chlichen Leben in Wohlstand hingab. Im gemachten Nest sitzend, lie&szlig; die verw&ouml;hnte Frau ihr pers&ouml;nliches Chaos gern von anderen aufr&auml;umen und entfernte sich politisch weit von den fr&uuml;her geteilten Idealen: W&auml;hrend der gemeinsamen Studienzeit hatten die beiden in einer WG gelebt, f&uuml;r die Frauenbewegung gek&auml;mpft, waren auf die Stra&szlig;e gegangen, hatten Sexshops beschmiert usw.<br /><br />Doch all das ist lange vergangen. Inzwischen hat Anna in der von M&auml;nnern beherrschten Dom&auml;ne ihres Architekturb&uuml;ros keine Verantwortung mehr. Ihre Ehe mit Alfred ist zerr&uuml;ttet; Alfred geht fremd, blamiert sie bei gemeinsamen Freunden als frigide. Sie zieht sich zur&uuml;ck. Alkohol und Bar-Bekanntschaften lenken sie nur kurz von ihren schweren psychischen Bedr&auml;ngungen ab: Angstattacken, Ablehnung ihres eigenen h&auml;sslichen K&ouml;rpers, Empfindungen von Einsamkeit und Leere. Sprachlich &auml;u&szlig;ert sich diese manisch-depressive Stimmung in einem langen Monolog ohne jegliches Satzzeichen (S. 88-102): Gedanken kreisen und kreisen, wie in einer Spirale, aus der sie keinen Ausgang mehr finden. Bei Ann-Marie (wie auch beim Leser) kommen Zweifel auf: Was glaubt Anna in New York finden zu k&ouml;nnen? W&uuml;rde sie &uuml;berhaupt in der Lage sein, ein gemeinsames Leben mit Ann-Marie zu f&uuml;hren, abgedreht wie diese ist, und in einer Umgebung voller Kriminalit&auml;t und Armut? Oder hat sie wom&ouml;glich selbst ihre Grenzen erkannt und sich tats&auml;chlich umgebracht? Wir m&ouml;chten nicht wahrhaben, was vielleicht doch sein k&ouml;nnte ...<br /><br />Doch noch sind wir mit Ann-Marie auf der Suche nach der Wahrheit. Obwohl sie Alfred abgrundtief hasst, muss sie noch mit ihm sprechen, will ihn aushorchen. Wir Leser bleiben permanent angespannt; die st&auml;ndigen Szenenwechsel treiben uns voran: Ann-Marie im Gespr&auml;ch mit Personen, die Anna kannten; Ann-Marie im Gespr&auml;ch mit Anna; Ann-Marie auf der Hatz nach einem potenziellen M&ouml;rder; dazu die Phasen des ersch&uuml;tternden Lebensberichts einer innerlich zerst&ouml;rten Frau.<br /><br />"Zwischen zwei N&auml;chten" ist kein Kriminalroman im herk&ouml;mmlichen Sinne, sondern ein psychologisches Meisterwerk.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-edith-kneifl-zwischen-zwei-naechten.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3852188881/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3852188881" target="_blank">"Zwischen zwei Nächten" von von Edith Kneifl bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[01.10.2011 12:30: Das süße Antlitz des Todes von Andrea/Carlo Camilleri/Lucarelli]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-carlo-camilleri-lucarelli-das-suesse-antlitz-des-todes.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-carlo-camilleri-lucarelli-das-suesse-antlitz-des-todes.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/471.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das süße Antlitz des Todes von Andrea/Carlo Camilleri/Lucarelli"></a>
							<h2>01.10.2011 12:30: Das süße Antlitz des Todes von Andrea/Carlo Camilleri/Lucarelli</h2>
							<h3>Ein Krimi auf leisen Sohlen</h3>
							<p><small>Rezension vom 01.10.2011 12:30<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Der Verleger Daniele di Gennaro lud im Fr&uuml;hjahr 2005 die weit &uuml;ber Italien hinaus bekannten Bestsellerautoren Andrea Camilleri und Carlo Lucarelli zu einem gemeinsamen Interview. Aus einem zun&auml;chst geplanten Filmprojekt entstand schlie&szlig;lich die Idee zu diesem kleinen, sanften Kriminalroman "Das s&uuml;&szlig;e Antlitz des Todes".<br /><br />Carlo Lucarelli, geboren 1960 in Parma, lebt heute in Bologna, wo er als Schriftsteller, Journalist, Drehbuchautor, Fernsehmoderator und Regisseur arbeitet. Mit Marcello Fois und Loriano Macchiavelli gr&uuml;ndete er die "Gruppe 13", eine Produktionskooperative italienischer Kriminalautoren. Lucarelli liebt die Vielseitigkeit: So erschien 2008 ein historischer Roman, der den Leser auf faszinierende Weise nach Eritrea in die Zeit des italienischen Kolonialismus eintauchen l&auml;sst (Rezension: <a href="rezension-recensione-carlo-lucarelli-l-ottava-vibrazione.htm" target="_blank">L'ottava vibrazione <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a>), und er schrieb alternierend an drei Krimiserien, die von ganz unterschiedlichen Hauptcharakteren gepr&auml;gt waren: Commissario De Luca, Sovrintendente Coliandro und Ispettore Grazia Negro. Letztere ist aus Apulien nach Bologna versetzt worden und k&auml;mpft sich in der italienischen Machowelt eigenwillig und selbstbewusst durch.<br /><br />Andrea Camilleri, 1925 im s&uuml;dsizilianischen Porto Empedocle geboren, muss man nicht mehr vorstellen. Er hat seine Heimatinsel, ihre Mentalit&auml;t und Sprache literarisch erschlossen und weltbekannt gemacht und f&uuml;r sein umfangreiches Werk zahlreiche Literaturpreise erhalten. 1994 erschien der erste Krimi um Salvo Montalbano, den differenziert gestalteten Commissario, der auf intelligente, markante, auch schlitzohrige Weise in der fiktiven, nach Camilleris Geburtsort gestalteten Stadt Vig&agrave;ta ermittelt. 1999 strahlte das italienische Staatsfernsehen RAI die erste von mittlerweile 22 h&ouml;chst erfolgreichen Verfilmungen mit dem gro&szlig;artigen Luca Zingaretti in der Hauptrolle aus. Obwohl sie in Italien Kultstatus genie&szlig;en, hat das ZDF den deutschen Zuschauern nur vier Teile geg&ouml;nnt, die 2001 am sp&auml;ten Sonntagabend ausgestrahlt wurden und dann folgen- und sogar wiederholungslos im Archiv verschwanden ... Immerhin sind die liebenswerten Filme in italienischer und neuerdings auch in deutscher Sprache auf DVDs erh&auml;ltlich - siehe unten.<br /><br />Lucarelli und Camilleri f&uuml;hren nun im "S&uuml;&szlig;en Antlitz des Todes" ihre bew&auml;hrten Protagonisten Grazia Negra und Salvo Montalbano zusammen, um den Mord an einem Spediteur aufzukl&auml;ren. In Form eines regen Briefwechsels, der unbedingt geheim bleiben muss, um beider Leben nicht in Gefahr zu bringen, ziehen die Autoren ihre Figuren wie bei einer Schachpartie.<br /><br />Bewusst verzichtet das Autorenduo darauf, dem Typus des Mafia-Thrillers mit brutalen Einlagen zu huldigen; der besondere Gusto dieses B&uuml;chleins liegt stattdessen in stilistisch fein pointierter und ausgefeilter Sprache mit Esprit und charmantem Witz. Neben n&uuml;chternen Dokumenten, Verh&ouml;rprotokollen, Dienstberichten, Akten und Fotografien tauschen die beiden Partner auch Pers&ouml;nliches aus. Zum Beispiel macht Montalbano wieder einmal seine stets krisenanf&auml;llige Fernbeziehung zu Livia zu schaffen: Der f&auml;llt ein Brief von Grazia an ihren Salvo in die H&auml;nde, in dem sie ihm ihre Privatadresse mitteilt - was nat&uuml;rlich Grund genug ist, um eine Eifersuchtsattacke zu erleiden! Dabei m&ouml;chte Grazia doch nur durch vorget&auml;uschte Liebesbriefe die kriselnde Beziehung zu ihrem Freund Simone wieder in Schwung bringen ...<br /><br />Auch Montalbanos Faible f&uuml;r Kulinarisches darf nicht fehlen. Man schickt sich Cannoli und andere Geb&auml;ckk&ouml;stlichkeiten, handgemachte Tortellini mit besten Empfehlungen und Rezepten - gleich f&uuml;hlt sich der Italien-Fan heimisch wie am Herd einer "Mama".<br /><br />Auf knapp 100 Seiten entwickelt sich so ein in mehrfacher Hinsicht gen&uuml;sslicher Handlungsgang, den hartgesottenene Krimi-Liebhaber allerdings wenig spektakul&auml;r finden werden.<br /><br />Ein gelungenes Experiment zweier renommierter Autoren, die es nicht n&ouml;tig haben, einander ausstechen zu wollen, sondern einander auf Augenh&ouml;he reizvoll erg&auml;nzen.</p>
<p><strong>Rezensionen von B&uuml;chern Andrea Camilleris auf meiner Seite</strong>:</p>
<ol>
<li><a href="rezension-andrea-camilleri-das-graue-kleid.htm" target="_blank">Das graue Kleid <img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-andrea-camilleri-das-netz-der-grossen-fische.htm" target="_blank">Das Netz der gro&szlig;en Fische <img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-andrea-camilleri-streng-vertraulich.htm" target="_blank">Streng vertraulich <img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
</ol>
<p><strong>DVDs der Montalbano-Verfilmungen</strong>:</p>
<ol>
<li>in deutscher Sprache: &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B002PI1L0S/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B002PI1L0S">Vol. I</a> (Folgen 1-4, 4 DVDs)<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B002PI1L0S" alt="" width="1" height="1" border="0" /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B004H2ZFOI/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B004H2ZFOI">Vol. II</a> (Folgen 5-8, 4 DVDs)<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B004H2ZFOI" alt="" width="1" height="1" border="0" /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B004S3ZJ0G/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B004S3ZJ0G">Vol. III</a> (Folgen 9-12, 4 DVDs; Amazon nennt in seiner Produktbeschreibung offenkundig die falschen Folgen!)<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B004S3ZJ0G" alt="" width="1" height="1" border="0" /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B005ILLGRC/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B005ILLGRC">Vol. IV</a> (Folgen 13-16, 4 DVDs)<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B005ILLGRC" alt="" width="1" height="1" border="0" /></li>
<li>in italienischer Sprache: &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B000VQTL30/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000VQTL30">Vol. I</a> (Folgen 1-5, 5 DVDs)<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B000VQTL30" alt="" width="1" height="1" border="0" /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B000VQMZNI/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000VQMZNI">Vol. II</a> (Folgen 6-10, 5 DVDs)<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B000VQMZNI" alt="" width="1" height="1" border="0" /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B0012M80DE/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0012M80DE">Vol. III</a> (Folgen 11-14, 4 DVDs)<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B0012M80DE" alt="" width="1" height="1" border="0" /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B002E5U3W4/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B002E5U3W4">Vol. IV</a> (Folgen 15-18, 4 DVDs)<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B002E5U3W4" alt="" width="1" height="1" border="0" /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B004YNNAUQ/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B004YNNAUQ">Vol. V</a> (Folgen 19-22, 4 DVDs)<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B004YNNAUQ" alt="" width="1" height="1" border="0" /></li>
</ol></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-carlo-camilleri-lucarelli-das-suesse-antlitz-des-todes.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/346340611X/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=346340611X" target="_blank">"Das süße Antlitz des Todes" von von Andrea/Carlo Camilleri/Lucarelli bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[30.09.2011 11:48: Keks oder Colt von Jörg Heinrich]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-joerg-heinrich-keks-oder-colt.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-joerg-heinrich-keks-oder-colt.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/470.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Keks oder Colt von Jörg Heinrich"></a>
							<h2>30.09.2011 11:48: Keks oder Colt von Jörg Heinrich</h2>
							<h3>Wer dies liest, stirbt in aller Regel später!</h3>
							<p><small>Rezension vom 30.09.2011 11:48<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Seit 2006 ver&ouml;ffentlicht J&ouml;rg Heinrich (geboren 1966) in der M&uuml;nchner tz die Kolumne "Heinrich heute". Au&szlig;erdem arbeitet er f&uuml;r die Redaktion der ZDF-Sendung "Pelzig h&auml;lt sich".<br /><br />Nun hat er das k&ouml;stliche satirische B&uuml;chlein "Keks oder Colt" ver&ouml;ffentlicht. In 35 Kurzkapiteln wertet er darin Erkenntnisse des statistischen Bundesamtes aus, zum Beispiel zu Unf&auml;llen in Stra&szlig;enverkehr und Haushalt, zu Alkoholmissbrauch "und so weiter und so tot". Die kombiniert er mit abwegigen Situationen, vergleicht sie mit anderen abstrusen todbringenden Gefahren und kreiert damit h&uuml;bsch groteske Ergebnisse.<br /><br />So belegt die Statistik &uuml;berzeugend, dass die Besteigung des Tr&ouml;llfl&ouml;tjen wesentlich gef&auml;hrlicher ist als die Besteigung des Watzmanns. (&Uuml;brigens: Tr&ouml;llfl&ouml;tjen ist ein Stuhl aus dem Sortiment eines nordischen M&ouml;belhauses.)<br /><br />Wir lernen etwas &uuml;ber das bisher str&auml;flich untersch&auml;tzte Gefahrenpotenzial von Kindergeburtstagen - oder haben Sie sich schon einmal bewusst gemacht, dass bei einer "Reise nach Jerusalem" Pal&auml;stinenseraufst&auml;nde drohen? Und &uuml;berhaupt sind Kinder eine Risikogruppe der besonderen Art: Der Illustrierten "Sicher zuhause &amp; unterwegs" aus einem Hamburger Verlagshaus kann man entnehmen, welche Giftstoffe in Kinderpopeln zu finden sind ("Ene mene mopel, wer isst gerne Popel?").<br /><br />Wer unbedingt an einem Herzinfarkt sterben m&ouml;chte, dem r&auml;t Heinrich, dies an einem Montag anzugehen, denn da ist man im Krankenhaus nicht allein: Montags sterben die Leute besonders eifrig, und die &Auml;rzte kommen erholt aus ihrem Wochenende.<br /><br />Quasi unsterblich ist man dagegen bei einem netten Plausch unter einem Flugzeug: Bisher gab es noch keinen einzigen Todesfall in dieser Situation - wahrscheinlich, weil das Flugger&auml;t an hei&szlig;en Sommertagen ger&auml;umig Schatten spendet.<br /><br />Herrlich skurril und abgedreht, gew&uuml;rzt mit k&uuml;hnen Vergleichen ("Fallschirmspringen ist so ungef&auml;hrlich, man nennt es auch das Nordic Walking der L&uuml;fte") und flotten Spr&uuml;chen ("Pfusch am Beckenbau" &uuml;ber medizinische Irrt&uuml;mer in deutschen Krankenh&auml;usern) und garniert mit einf&uuml;hlsamen Illustrationen (von Oliver Weiss), bietet sich dieses B&uuml;chlein beispielsweise als ideales Mitbringsel f&uuml;r wenig empfindsame Freunde und Verwandte zu Anl&auml;ssen jeglicher Art an - oder auch als Beigabe zu einem Gutschein f&uuml;r ein Wellness-Wochenende im gef&auml;hrlichsten Ort Deutschlands (Bad T&ouml;lz), einer Flasche "Johnny Walker" und einer Schachtel Marlboro ...<br /><br />P.S.: Der Illustrator und Designer Oliver Weiss, ebenfalls 1966 geboren, arbeitet u.a. f&uuml;r den SPIEGEL, die ZEIT, die FAZ, die S&uuml;ddeutsche Zeitung und The Writer.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-joerg-heinrich-keks-oder-colt.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3836302942" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
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				<pubDate>2012-02-05 14:02:07</pubDate>
			</item></channel>
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