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		<title>Bücher Rezensionen</title>
		<link>http://www.buecherrezensionen.org</link>
		<description>Rezensionen und Leseeindrücke bei Bücher Rezensionen (Volltext)</description>
		<language>de-de</language>
		<lastBuildDate>Wed, 16 May 2012 14:18:27 GMT</lastBuildDate><item>
				<title><![CDATA[16.05.2012 14:07: In hellen Sommernächten von John Burnside]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-john-burnside-in-hellen-sommernaechten.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-john-burnside-in-hellen-sommernaechten.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/560.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="In hellen Sommernächten von John Burnside"></a>
							<h2>16.05.2012 14:07: In hellen Sommernächten von John Burnside</h2>
							<h3>Ein lautloser Tanz am Rand der Welt</h3>
							<p><small>Rezension vom 16.05.2012 14:07<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Liv, die Ich-Erz&auml;hlerin, hat am Ende des Romans endlich zu sich selbst gefunden. Sie wei&szlig; nun, wohin sie geh&ouml;rt, "was sie mit ihrem Leben anfangen will". Vor zehn Jahren, als sie gerade die Schule abgeschlossen hatte, hat sie in jenem Sommer der hellen N&auml;chte etwas erlebt, das sie selbst als "Privileg" beschreibt, n&auml;mlich etwas zu sehen, was nie geschehen sein konnte.<br /><br />Die ber&uuml;hmte Malerin Angelika Rossdahl beschlie&szlig;t, Oslo f&uuml;r immer zu verlassen und nach Kval&oslash;ya zu ziehen, eine norwegische Insel am n&ouml;rdlichen Polarkreis. Hier geht im Winter niemals die Sonne auf; im Sommer dagegen hat der Tag kein Ende, und die Menschen finden in der andauernden Helligkeit keinen Schlaf. In dieser unwirtlichen Welt w&auml;chst die kleine Liv in einer distanzierten, kalten, lieblosen Atmosph&auml;re auf. Sie kann sich weder an Oslo noch an einen Vater erinnern. Fr&uuml;h lernt sie, dass f&uuml;r Mutter nur die Malerei z&auml;hlt. Tagelang arbeitet sie in ihrem Atelier, ihrem Heiligtum, das niemand betreten darf, auch Liv nicht. Die beiden f&uuml;hren ein Leben in Freiheit und gegenseitiger Akzeptanz; keine der beiden er&ouml;ffnet der anderen ihre Gef&uuml;hle, Sehns&uuml;chte oder &Auml;ngste. Nur Nachbar Kyrre kommt gelegentlich in dieser bewusst isolierten Gemeinschaft vorbei, um Reparaturen vorzunehmen.<br /><br />Am Sonntag l&auml;dt Mutter ein paar Herren zu einer Teeparty. Sie erinnern Liv an die "Freier" aus dem griechischen Mythos um Penelope. Unnahbar, unber&uuml;hrbar, einer G&ouml;ttin gleich sitzt Mutter in der trauten Runde der sie Anbetenden. Liv meidet diese Plauderstunden, verdr&uuml;ckt sich gern und sucht die Gesellschaft Kyrres. &Uuml;ber die Jahre ist er ihr Vertrauter, ein Vaterersatz geworden. Als sie noch ein Kind war, hatte Mutter ihr die alten norwegischen Sagen, Legenden und Mythen vorgelesen, und so glaubt sie, was Kyrre ihr nun berichtet: "Hast du schon geh&ouml;rt?" Zwei Klassenkameraden sind im Fjord ertrunken, wahrscheinlich angelockt von der <em>Huldra</em>, einer feenhaften, M&auml;nner bet&ouml;renden Sch&ouml;nheit der nordischen Mythen. Dies ist der Anfang eines gruseligen Sommers mit den hellen N&auml;chten, die alle verr&uuml;ckt machen. Ein Sommergast mit leicht p&auml;dophiler Neigung verschwindet, sp&auml;ter auch Kyrre ...<br /><br />St&auml;ndig ist Liv mit Kamera und Fernrohr unterwegs. Sie h&auml;lt sich f&uuml;r eine "Spionin Gottes", eine "Zeugin", die Tag und Nacht Wache halten muss, in einer "Aufmerksamkeit, die keinerlei Zweck kennt". Doch sind ihre Beobachtungen nicht nur Interpretationen, Hirngespinste eines vereinsamten, vernachl&auml;ssigten, eigentlich traumatisierten jungen M&auml;dchens? Obwohl ihr bewusst ist, dass es keine <em>Huldra</em> gibt, wird sie mit fortschreitender Handlung von Angst verfolgt, verf&auml;llt in Panik, ist besessen von der Vorstellung, an allem sei ihre Klassenkameradin Maia schuld.<br /><br />Maia, Tochter eines Alkoholikers, ist ein geheimnisumwittertes Kind ohne Zuhause. Sie treibt sich &uuml;berall herum, macht sich an M&auml;nner heran, taucht pl&ouml;tzlich in Livs Leben auf, verschwindet genauso schnell wieder von der Bildfl&auml;che, gespenstergleich. F&uuml;r Liv ist sie die gefahrvolle <em>Huldra</em>.<br /><br />Livs Wahn wird von tiefer Eifersucht befeuert. Einstmals hatte Mutter sich an einem Portrait von Liv versucht, gab es dann aber unvollendet auf. Jetzt l&auml;dt sie Maia zu Sitzungen ins Atelier, ist von ihr gefangen, will den Blick, das noch unbekannte "Irgendwas" in ihr herausfinden. Liv bemerkt im ganzen Haus den unangenehmen Geruch, wenn Maia, der bevorzugte Eindringling, da ist.<br /><br />John Burnsides "In hellen Sommern&auml;chten", von Bernhard Robben einf&uuml;hlsam aus dem Englischen &uuml;bersetzt ("<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/0099422379/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0099422379">A summer of drowning</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=0099422379" alt="" width="1" height="1" border="0" />"), ist in jeder Beziehung ein faszinierender Roman. Un&uuml;bertroffen sind Burnsides ausgefeilte, fein ziselierte und wohlgesetzte Beschreibungen der Polarkreis-Landschaft mit ihrem Licht, der Einsamkeit, der stillstehenden Zeit, der endlosen Leere. Es ist falsch zu glauben, man w&uuml;rde in der hier lastenden Stille ein "Tonikum f&uuml;r die Seele" finden: Hintergrundger&auml;usche, zuf&auml;llige Ver&auml;nderungen in der Atmosph&auml;re k&ouml;nnen erschrecken. Burnsides S&auml;tze sind oft lang und verschlungen und dennoch leicht.<br /><br />Behutsam baut Burnside das Psychogramm Livs auf. Sie ist eine schizophrene Figur mit zweitem Gesicht. Im Zusammenleben mit ihrer Mutter ist sie zu einer beziehungsunf&auml;higen Frau geworden. Sie hat "keine Karriere, keinen Ehemann, ... keine Freunde". Obgleich eher abgesto&szlig;en und unbeachtet von der kalten Mutter, verehrt die vereinsamte Liv trotzdem die geniale, anerkannte K&uuml;nstlerin. Sind es die dunklen Mythen und Spukgeschichten, die Livs leerem Leben Inhalt geben und in die sie sich hineinsteigert, bis man gar in ihr selber die Z&uuml;ge einer <em>Huldra</em> vermuten k&ouml;nnte? "Ich bewirke nur, dass Dinge geschehen," sagt sie.<br /><br />Angesiedelt in der mystischen Welt der Natursch&ouml;nheiten des fernen Nordens, rei&szlig;t uns dieser verst&ouml;rende Roman zwischen Realit&auml;t und Irrealit&auml;t hin und her, ohne jemals in die N&auml;he platten Mystery-Kokolores zu geraten; Livs Welt ist durchwebt mit den Wesensz&uuml;gen einer nur ihr zug&auml;nglichen, jenseitigen Welt voller Geister und Spuk - ein faszinierendes Gebilde, in dem manches f&uuml;r immer ein R&auml;tsel bleiben muss.<br /><br />John Burnsides Roman ist das beste St&uuml;ck Literatur, das ich seit L&auml;ngerem gelesen habe - mit einer poetischen Sprache wie ein leichtf&uuml;&szlig;iger Tanz, in den man hineingezogen wird und in dem man sich in h&ouml;here Sph&auml;ren weiter und weiter bis zur Unendlichkeit drehen m&ouml;chte.<br /><br />Dieses Buch habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-john-burnside-in-hellen-sommernaechten.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3813504603/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3813504603" target="_blank">"In hellen Sommernächten" von von John Burnside bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3813504603" width="1" height="1">
							</p>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[14.05.2012 10:14: Le avventure di Pinocchio von Carlo Collodi]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-carlo-collodi-le-avventure-di-pinocchio.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-carlo-collodi-le-avventure-di-pinocchio.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/559.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Le avventure di Pinocchio von Carlo Collodi"></a>
							<h2>14.05.2012 10:14: Le avventure di Pinocchio von Carlo Collodi</h2>
							<h3>Mein Geheimtipp ...</h3>
							<p><small>Rezension vom 14.05.2012 10:14<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>... wenn Sie auf angenehme und unterhaltsame Weise Ihre Italienisch-Grundkenntnisse aufm&ouml;beln m&ouml;chten: Lesen Sie <em>La storia di un burattino</em> in der Reclam-Ausgabe!<br />- Wie bitte? Ein Kinderbuch? Sehe ich aus, als w&auml;re ich f&uuml;nf? Und &uuml;berhaupt: Das kann doch jeder mitsprechen - Geppetto schnitzt Marionette, die wird frech, l&uuml;gt sich 'ne lange Nase, begegnet Katz' und Fuchs und Fee und wird am Ende ein braver Junge - *g&auml;hn* ...<br />- Im Prinzip haben Sie ja Recht. Aber ...</p>
<p>Was Collodi da ausbreitet, ist weit mehr als das allseits bekannte TV-/Comic-Handlungsger&uuml;st. Die Wege des h&ouml;lzernen Abenteurers sind verschlungen. Immer wieder kehrt er zur&uuml;ck zu seinem Ausgangspunkt, wo es ihm gut gehen k&ouml;nnte, wo er nach seiner innersten &Uuml;berzeugung auch bleiben und sich einordnen m&ouml;chte - und immer wieder bringen ihn seine eigene Schw&auml;che und von au&szlig;en herangetragene Verlockungen von seinem Vorsatz ab; er zieht wieder davon, f&auml;llt erneut auf die Nase, bringt sich in gr&ouml;&szlig;te Gefahren, entt&auml;uscht alle, die es gut mit ihm meinen, aufs Bitterste.</p>
<p>Vordergr&uuml;ndig scheint die Moral schlicht, die dem uneinsichtigen Burschen und dem Zuh&ouml;rer/Leser immer wieder vor Augen gehalten wird, und ja, sie wirkt arg unzeitgem&auml;&szlig;: F&uuml;ge dich ein in die bestehende Ordnung, befolge deren Regeln, bleibe, wo du hingeh&ouml;rst, sei bescheiden und ma&szlig;voll, h&ouml;re auf die, die dir an Erfahrung, Weisheit, Alter &uuml;berlegen sind, und: Alles hat seinen Preis. Collodi hat das 1880 geschrieben, und ein Revoluzzer war er nicht.</p>
<p>Aber auch kein Duckm&auml;user, sondern ein bekannt kritischer, unkonventioneller Kopf. Das erkennt nicht erst der Leser des 21. Jahrhunderts. H&auml;tten Sie geahnt, dass die Erz&auml;hlung kritisch be&auml;ugt wurde, als sie in Fortsetzungen im <em>Giornale per i bambini</em> erschien? Die darin vertretene Moral sei nicht spezifisch christlich, wurde Collodi vorgeworfen. Sicher hatte er beim Schreiben nicht nur helle Kinder als Zielgruppe im Visier, sondern dachte auch an (vor-)lesende Erwachsene; f&uuml;r die zwinkert der freim&uuml;tig kommentierende Erz&auml;hler beim Belehren mit den Augen, zeigt Nachsicht beim Urteilen und teilt Seitenhiebe auf die Autorit&auml;ten aus. B&uuml;rgerliche Tugenden h&auml;lt er hoch, Philistertum gibt er der L&auml;cherlichkeit preis. Das hat die Story schon immer sympathisch gemacht und ihr zu unvorstellbarem Erfolg verholfen. H&auml;tten Sie geahnt, dass "Pinocchio" noch heute das zweitmeistverkaufte (nichtreligi&ouml;se) Buch in Italien ist (nach Alessandro Manzonis <em>I promessi sposi</em> von 1840)?</p>
<p>Die Verh&auml;ltnisse haben sich ver&auml;ndert, die zwischenmenschlichen Reibungen kaum. In der Schule wird Pinocchio gemobbt - als uncooler Streber! In wenigen Zeilen wird die Sache auf den Punkt gebracht, dass jedes Kind es nachvollziehen kann (S. 152):<br /><em>- E se io studio, che cosa ve ne importa?</em><br /><em>- A noi ce ne importa moltissimo, perch&eacute; ci costringi a fare una brutta figura col maestro ...</em><br /><em>- Perch&eacute;?</em><br /><em>- Perch&eacute; gli scolari che studiano, fanno sempre scomparire quelli, come noi, che non hanno voglia di studiare. E noi non vogliamo scomparire! Anche noi abbiamo il nostro amor proprio!</em><br /><em>- E allora che cosa devo fare per contentarvi?</em><br /><em>- Devi prendere a noia, anche tu, la scuola, la lezione e il maestro</em> [...]<br /><em>- E se io volessi seguitare a studiare?</em><br /><em>- Noi non ti guarderemo pi&uacute; in faccia, e alla prima occasione ce la pagherai! ...</em><br /><em>- In verit&agrave; mi fate quasi ridere - disse il burattino con una scrollatina di capo</em>.</p>
<p>Liest man <em>La storia di un burattino</em> als Erwachsener, erkennt man darin durchaus - im Prinzip - sich selbst wieder. Wenn das Kerlchen so schlicht und zeitlos, klar und stimmig, oft einsichtig, altklug, ja selbstironisch r&auml;sonniert, dann wieder schwach wird und in Larmoyanz zerflie&szlig;t, verstehen wir seine Schw&auml;che und seine Anfechtungen. Wir wissen ja selbst, wie schwer es ist, seinen Prinzipien treu zu bleiben, Versuchungen nicht nachzugeben, immer h&uuml;bsch vern&uuml;nftig zu handeln. Und wir werden nachdenklich und nachsichtig.</p>
<p>Warum die unpr&auml;tenti&ouml;se Reclam-Ausgabe? Aus drei Gr&uuml;nden lege ich sie Ihnen ans Herz:<br />Erstens bietet sie (wie alle italienischen Reclam-Fremdsprachentexte) sorgf&auml;ltig editierte Vokabelhilfen zu allem, was nicht zum Grundwortschatz geh&ouml;rt oder Probleme machen k&ouml;nnte. Wo erforderlich, verr&auml;t ein P&uuml;nktchen die korrekte Betonung des Wortes (<em>s<span style="text-decoration: underline;">e</span>ggiola</em>), Hinweise auf verwandte Formen erleichtern das Verst&auml;ndnis und Einpr&auml;gen. So macht es Spa&szlig;, Collodis wunderbare Sprache zu genie&szlig;en und immer wieder Neues zu entdecken.<br />Zweitens gibt es einen Anhang von fast 30 Seiten, der auch f&uuml;r Nicht-Literaturwissenschaftler einfach interessant und leicht verst&auml;ndlich verfasst ist. Die Herausgeberin, Elisabeth Profos-Sulzer, stellt u.a. "Sieben Erkl&auml;rungen f&uuml;r den Erfolg Pinocchios" zusammen und erl&auml;utert ihre einleuchtenden Thesen &uuml;berzeugend. H&ouml;chst aufschlussreich!<br />Drittens enth&auml;lt die Ausgabe die Illustrationen von Enrico Mazzanti, die schon die Erstausgabe von 1883 schm&uuml;ckten. Erstaunlich, wie gro&szlig;, schlaksig und ernst er Pinocchio abbildet - weit &uuml;berlegen dem s&uuml;&szlig;lich-d&uuml;mmlichen Disney-Naivling und seinen Verwandten, die leider den Blick des gro&szlig;en Publikums auf diesen Klassiker der Literatur seit Langem verf&auml;lschen.</p>
<p>Ich habe <em>Pinocchio</em> jetzt unter s&uuml;dlicher Urlaubssonne zum ersten Mal im Originaltext und mit Verstand gelesen und fand ihn unterhaltsam, &uuml;berraschend vielschichtig und anregend. &Uuml;berzeugen Sie sich selbst ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-carlo-collodi-le-avventure-di-pinocchio.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/315019749X/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=315019749X" target="_blank">"Le avventure di Pinocchio" von von Carlo Collodi bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=315019749X" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[13.05.2012 15:15: Der Beschützer von Belinda Bauer]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-belinda-bauer-der-beschuetzer.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-belinda-bauer-der-beschuetzer.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/558.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Beschützer von Belinda Bauer"></a>
							<h2>13.05.2012 15:15: Der Beschützer von Belinda Bauer</h2>
							<h3>Mach deinen Job, Heulsuse</h3>
							<p><small>Rezension vom 13.05.2012 15:15<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Seit Jonas Hollys Ehefrau Lucy an MS erkrankt ist, hat sich das Leben des Paares grunds&auml;tzlich ver&auml;ndert. Ihren Job als Kinderg&auml;rtnerin hat die mittlerweile schwer gehbehinderte Lucy aufgegeben. Jetzt erk&auml;mpft sie sich im zweihundert Jahre alten Cottage ihrer verstorbenen Eltern ihr Leben t&auml;glich neu. Den gemeinsamen Kinderwunsch weist sie weit von sich; viel n&auml;her sind ihr die Gedanken an Selbstmord. Aber ihre Begeisterung f&uuml;r Horrorfilme und ihr intensives Interesse an Jonas T&auml;tigkeit lenken sie noch gen&uuml;gend ab.<br /><br />Jonas, ein f&uuml;rsorglicher und verantwortungsvoller Mann, hat f&uuml;r Lucy seine Karriere im Polizeidienst an den Nagel geh&auml;ngt. Er will sich um sie k&uuml;mmern, ihr st&auml;ndiger Besch&uuml;tzer sein. Als Dorfpolizist in Shipcott in der englischen Grafschaft Somerset kann er das; seit Kindesbeinen kennt er hier alle Bewohner und ihre pers&ouml;nlichen Schicksalsschl&auml;ge, und er ist da sehr beliebt.<br /><br />Nun treibt ein Serient&auml;ter sein Unwesen - ausgerechnet auf die Schwerkranken im Dorf hat er es abgesehen, auf die Pflegef&auml;lle in den Familien. Wer ist nur dieser "Todesengel"?<br /><br />Detective Chief Inspector Marvel, ein arroganter, "unfehlbarer Polizei-Superheld" mit 25-j&auml;hriger Diensterfahrung, und sein Kollege werden aus London in dieses "Schei&szlig;kaff" mit seinen "Schei&szlig;landeiern" abgeordnet. Auf einen Insider wie den "Dorfbobby" Jonas kann Marvel allemal verzichten ("Wir kommen auch ohne Sie klar"), und so ermittelt er wild drauflos. Angeh&ouml;rige werden verd&auml;chtigt, und auf einen T&auml;ter schie&szlig;t er sich ein.<br /><br />Doch der M&ouml;rder kommuniziert mit Jonas. Er hinterl&auml;sst ihm handgeschriebene Botschaften unterm Scheibenwischer, am Gartenpfosten, auf einer WC-T&uuml;r: "Mach deinen Job, Heulsuse." Derart attackiert, dazu st&auml;ndig gemobbt von Marvel, ist Jonas schwer getroffen und unter Druck. Er muss seinen Job hinter Marvels R&uuml;cken machen, und er muss seine ihm Anbefohlenen sch&uuml;tzen. Selbst nachts macht er sich auf Spurensuche. Dabei hat er nat&uuml;rlich gro&szlig;e Angst um seine todkranke Lucy, die das n&auml;chste Opfer werden k&ouml;nnte.<br /><br />Belinda Bauers Psychothriller "Der Besch&uuml;tzer", &uuml;bersetzt von Marie-Luise Bezzenberger, startet auf hohem Spannungsniveau, als zu Beginn die bettl&auml;gerige Margaret Priddy mit einem Kopfkissen erstickt wird und das Katz-und-Maus-Spiel zwischen T&auml;ter und Jonas den Leser stark in die Ermittlerrolle mit einbezieht. Jonas erh&auml;lt nicht nur Nachrichten, sondern f&uuml;hlt sich auch st&auml;ndig beobachtet. Bald ist der Leser mit allen Dorbewohnern ebenso vertraut wie Jonas. Wer bleibt am Ende &uuml;brig? Und ein dunkles Geheimnis bleibt uns vorerst verborgen und h&auml;lt uns auf Distanz zu Jonas: Er m&ouml;chte zu gern verdr&auml;ngen, was er als Junge zusammen mit einem Freund angerichtet hat ...<br /><br />Die Autorin zeichnet ihre Figuren mit interessanten, sehr unterschiedlichen, teilweise skurrilen Charakterz&uuml;gen. Ein Mann zum Beispiel klaut Autos, macht eine Spritztour damit und gibt sie danach ihren Besitzern zur&uuml;ck - nicht ohne sie zuvor wieder perfekt aufzum&ouml;beln. Der Handlungsfaden ist logisch und gut nachvollziehbar, die Atmosph&auml;re passend: In der feuchten, dunklen Moorlandschaft mit heftigen Schneef&auml;llen entsteht eine ungem&uuml;tliche, bedrohliche Stimmung. Dazu mit etwas schwarzem Humor gew&uuml;rzt, ist "der Besch&uuml;tzer" ein absolut empfehlenswerter Krimi.<br /><br />F&uuml;r eine kleine Einschr&auml;nkung meiner Begeisterung sind ein paar Textl&auml;ngen und nicht ganz eindeutig aufgekl&auml;rte Fragen verantwortlich, die ich der immerhin mit dem Gold Dagger preisgekr&ouml;nten und als "Thriller-Queen" apostrophierten Belinda Bauer nicht einfach durchgehen lassen m&ouml;chte. Manch anderem Autor h&auml;tte man so etwas vielleicht eher zugestanden.<br /><br />Die englische Originalausgabe von 2011 tr&auml;gt den Titel "<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/0552158887/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=0552158887">Darkside</a>".</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-belinda-bauer-der-beschuetzer.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3442547016/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3442547016" target="_blank">"Der Beschützer" von von Belinda Bauer bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3442547016" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[12.05.2012 19:45: Der Mord des Jahrhunderts von Paul Collins]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-paul-collins-der-mord-des-jahrhunderts.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-paul-collins-der-mord-des-jahrhunderts.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/557.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Mord des Jahrhunderts von Paul Collins"></a>
							<h2>12.05.2012 19:45: Der Mord des Jahrhunderts von Paul Collins</h2>
							<h3>Die Macht der Medien - ein Staat im Staat</h3>
							<p><small>Rezension vom 12.05.2012 19:45<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Wer kennt nicht Orson Welles' Film "Citizen Kane" aus dem Jahr 1941? Schon Welles faszinierte die Biografie des US-amerikanischen Zeitungsverlegers William Randolph Hearst so sehr, dass er ihn zum Vorbild f&uuml;r seinen fiktiven Medienmogul Charles Foster Kane nahm und dessen Leben mit unerh&ouml;rtem Aufwand verfilmte. Daraus entstand ein Meilenstein der Kinogeschichte und nach Meinung vieler der wohl beste amerikanische Film aller Zeiten.<br /><br />Nun hat auch der amerikanische Autor und Spezialist f&uuml;r historische Pers&ouml;nlichkeiten Paul Collins den Stoff bearbeitet. In seinem Roman "Der Mord des Jahrhunderts" geht es um nichts weniger als die Entstehungsgeschichte des Boulevardjournalismus, den erbitterten Konkurrenzkampf der den Markt beherrschenden Medienmagnaten William Randolph Hearst und Joseph Pulitzer und um einen spektakul&auml;ren Mordfall. Diese reizvolle und eigentlich l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige Story hat Collins wie einen Tatsachenbericht stilistisch originell und packend gestaltet; um die wissenschaftliche Zuverl&auml;ssigkeit zu untermauern, gibt es einen 60-seitigen Anhang mit Quellennachweisen und Anmerkungen. Carina Tessari hat das Buch &uuml;bersetzt.<br /><br />New York ist im Jahr 1897 schon eine pulsierende Millionenstadt, und t&auml;glich legen Schiffe mit Einwanderern aus Europa in Ellis Island an. Das Stra&szlig;enbild bestimmen Pferdekutschen, M&auml;nner, die Anz&uuml;ge und Melonen tragen, fliegende H&auml;ndler. Nicht nur Tellerw&auml;scher, sondern jeder hier k&auml;mpft, um seinen Weg nach oben zu finden. Durch all das Gewimmel dringen &uuml;berall die Stimmen der Zeitungsjungen, die st&auml;ndig die neuesten Ausgaben unz&auml;hliger Bl&auml;tter anpreisen, die mehrmals am Tag und sogar sonntags erscheinen.<br /><br />In diesem hochmodernen, quirligen Moloch geh&ouml;rt es zum beinharten Alltag, dass Menschen unter die R&auml;der kommen, an Krankheit, Hunger oder durch Mord sterben, Leichen gefunden werden. So reagiert das New York Police Department weder besonders &uuml;berrascht noch engagiert, als zwei Jungen im East River ein B&uuml;ndel entdecken, darin in Wachstuch verschn&uuml;rt ein Brustkorb mit beiden Armen. Wahrscheinlich sind es halt wieder mal Einzelteile, die aus dem Leichenschauhaus an Medizinstudenten verkauft und nun im Fluss entsorgt wurden. Bald darauf finden Spazierg&auml;nger an einer B&ouml;schung ein weiteres, auf dieselbe Weise eingeschlagenes Paket, worin sich der zum Oberk&ouml;per passende Unterleib findet. Es war eindeutig ein Mann, der an einer Stichverletzung verstarb. Doch wo ist der Kopf? Und wer ist der Unbekannte?<br /><br />Nun ger&auml;t ganz New York in Aufruhr. Die Zeitungen heizen die Stimmung auf, &uuml;berbieten sich gegenseitig mit aufreizenden Schlagzeilen und setzen sogar ein Kopfgeld aus f&uuml;r die Aufkl&auml;rung des unheimlichsten und brutalsten Mordes des Jahrhunderts. "500 Dollar" bietet Joseph Pulitzer, ungarischst&auml;mmiger Herausgeber der "New York World", der m&auml;chtigsten und meistverkauften Zeitung. "1000 Dollar Belohnung" setzt William Randolph Hearst vom konkurrierenden "Evening Journal" f&uuml;r den "Kopfabschneider" dagegen. Abartig viel Geld ist das! Manche New Yorker trauen gar Hearst selber die Tat zu: Er habe sie initiiert, um seine Auflagen zu steigern ...<br /><br />Als "Bluthunde" auf Fahrr&auml;dern jagen die Reporter durch die Stadt, um der Polizei immer einen Schritt voraus zu sein. Hearst, der einstmals bei Pulitzer das ABC des Journalismus lernte, dann sein eigenes Imperium aufbaute und Pulitzer die besten Berichterstatter abwirbt, l&auml;sst eine eigene Ermittlertruppe bilden: Ein altgedienter Kriminalreporter und M&auml;nner, die mit Dienstmarke und Pistole ausger&uuml;stet das "Todeskommando" bilden, sollen des R&auml;tsels L&ouml;sung finden.<br /><br />Hinter der brutalen Tat steckt eine Dreiecksbeziehung. Bill Guldensuppe und Martin Thorn buhlen beide um die Gunst der Hebamme Augusta Nack. Dann wird Guldensuppe ermordet - ob von Thorn oder Nack, das wird ein Prozess kl&auml;ren. Wer hingerichtet wird, ist dem mit einer Collage alter Zeitungsartikel ungew&ouml;hnlich gestalteten Hardcoverumschlag schon vorweg zu entnehmen (verborgen unter dem Schutzumschlag). Doch ob das wirklich der Schuldige ist, darum geht es gar nicht wirklich; vielmehr z&auml;hlt allein die Show, und dazu geh&ouml;rt der aufgeblasene Verteidiger Howe, der, in schrillen Klamotten und mit dicken Klunkern behangen, vor den Geschworenen und der &Ouml;ffentlichkeit den Zweikampf gegen den Staatsanwalt als triumphierender Sieger beenden will. Die Journalisten berichten quasi live vom Schauplatz des Gefechts; ihre Handys und Laptops sind damals noch Brieftauben ...<br /><br />Der wahre Sieger auf ganzer Linie wird Hearst sein. St&auml;ndig innovativ, wird er als erster eine Zeitung auf gelbem Papier, in neuem Format und teils in Farbe drucken lassen. Sein "Morning Journal" wird damit zum Stammvater der "Yellow Press".<br /><br />Collins' Roman ist eine faszinierende Dokumentation &uuml;ber Aufstieg und Macht der popul&auml;ren Medien, die bis heute rei&szlig;erisch manipulieren und weltweit gesellschaftspolitisch Einfluss nehmen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-paul-collins-der-mord-des-jahrhunderts.htm" target="_blank">
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							</p>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[11.05.2012 23:53: Bleiernes Schweigen von Patrick/Ferruccio Fogli/Pinotti]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-patrick-fogli-ferruccio-pinotti-bleiernes-schweigen.htm</link>
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					<![CDATA[
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							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-patrick-fogli-ferruccio-pinotti-bleiernes-schweigen.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/554.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Bleiernes Schweigen von Patrick/Ferruccio Fogli/Pinotti"></a>
							<h2>11.05.2012 23:53: Bleiernes Schweigen von Patrick/Ferruccio Fogli/Pinotti</h2>
							<h3>Domino des Grauens</h3>
							<p><small>Rezension vom 11.05.2012 23:53<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Adriano und seine Schwiegertochter Elena arbeiten als Jour&shy;na&shy;lis&shy;ten f&uuml;r eine gro&shy;&szlig;e ita&shy;lie&shy;ni&shy;sche Zei&shy;tung. Schon seit den 80er Jah&shy;ren ver&shy;fol&shy;gen sie die ge&shy;sell&shy;schaft&shy;li&shy;che Ent&shy;wick&shy;lung ihres Landes, und es ersch&uuml;ttert sie immer wieder, wie stark Politik und Kirche, Wirtschaft und Finanzwesen, Polizei und Geheimdienste, Mafia und Freimaurerlogen miteinander verflochten sind. Betroffene Bev&ouml;lkerungskreise, manche Bereiche des Landes leben in Angst und Schrecken.<br /><br />Nur wenige mutige Menschen, wie zum Beispiel die weltweit sicher bekanntesten Staatsanw&auml;lte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, haben es gewagt, den Kampf gegen kriminelle Seil- und Machenschaften aufzunehmen. Im wohl gr&ouml;&szlig;ten Prozess dieser Art wurden 1986 mehr als 400 Verbrecher angeklagt, darunter die f&uuml;hrenden K&ouml;pfe der Cosa Nostra. Nachdem 1992 die endg&uuml;ltigen Urteile gesprochen worden waren, glaubte man, die "Hydra" sei geschw&auml;cht. Doch schon damals waren ihr neue K&ouml;pfe gewachsen, so dass sie mit brutaler Gewalt zur&uuml;ckschlagen konnte: Noch im selben Jahr wurden Falcone und Borsellino mit TNT-Bomben in die Luft gesprengt.<br /><br />Auch die italienische Bev&ouml;lkerung sollte die Allmacht gewisser Gruppen zu sp&uuml;ren bekommen, die selbst vor den Kulturg&uuml;tern ihres Heimatlandes keinen Halt macht. Bomben trafen die Uffizien ebenso wie Kirchen in Rom und den Padiglione d'Arte Contemporanea in Mailand.<br /><br />Die Ermittlungen dauern bis heute an. Zwar werden immer wieder T&auml;ter verhaftet, bekennen sich auch zu ihren Taten, doch sind diese Erfolge nur Tropfen auf einen hei&szlig;en Stein. Obendrein bleibt die Frage, ob diese <em>pentiti</em> (reuige Bekenner) vielleicht nur Bauernopfer sind - wer sind dann die wahren Strippenzieher?<br /><br />Inzwischen schleicht sich das gigantische Netzwerk von der &Ouml;ffentlichkeit weitgehend unbemerkt aus der Illegalit&auml;t. Durch geschickte Ausnutzung moderner globaler Wirtschaftsstrukturen etabliert es sich als eine Art riesiger anonymer Konzern in der allt&auml;glichen Legalit&auml;t nicht nur Italiens, sondern Europas und der Welt. Man steckt das reichlich vorhandene und t&auml;glich aus dubiosen Quellen neu zuflie&szlig;ende Geld in Fabriken, Ladenzentren, Firmenbeteiligungen, Immobilien ... Niemals kann es gelingen - so scheint es -, diese Einfl&uuml;sse einzugrenzen, geschweige denn zu eliminieren.<br /><br />In m&uuml;hseliger Kleinstarbeit haben die Autoren Patrick Fogli und Ferruccio Pinotti reale Geschehnisse der letzten drei&szlig;ig Jahre (bis Mitte 2010) zusammengetragen und analysiert, um sie nun in einem fiktionalen Roman ans Licht zu bringen. Im Original betitelten sie ihn "<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8856614723/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8856614723">Non voglio il silenzio</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8856614723" alt="" width="1" height="1" border="0" />" ("Ich will kein Stillschweigen") und gaben ihm den bezeichnenden Zusatztitel "Il romanzo delle stragi" ("Der Roman der Massaker"). 2011 in Italien erschienen, wurde das Buch jetzt von Verena von Koskull &uuml;bersetzt und vom Aufbau-Verlag herausgegeben.<br /><br />Der Ich-Erz&auml;hler ist Adrianos Sohn und Elenas Ehemann. Als Kinderbuchautor hatte er sich nie wirklich f&uuml;r die gef&auml;hrliche Arbeit der beiden interessiert. Doch eines Tages kann er sich nicht mehr bequem heraushalten. Er schliddert unversehens mitten hinein, als er einen anonymen Anruf erh&auml;lt: Zu einer Gerichtsverhandlung gebeten, muss er dort zusehen, wie ein Mann eine Anw&auml;ltin, ihren Mandanten und zwei Polizisten gezielt erschie&szlig;t und sich dann selbst die Kugel gibt. Im Sterben hat die junge Anw&auml;ltin ein Wort auf den Lippen, das alles ver&auml;ndern wird: "Solara". Dieses Wort steht auch, mit einem Fragezeichen versehen, in Elenas Notizbuch: "Wer ist Solara?" Wie nah an diesem Geheimnis waren Elena und Adriano damals gewesen, bei jenem furchtbaren Autounfall, der Elenas Leben kostete und nach dem Adriano, schwer verletzt und an den Rollstuhl gebunden, seine Recherchen beendete?<br /><br />In vielen Gespr&auml;chen mit Anw&auml;lten, &Auml;rzten, Geheimdienst- und Kirchenm&auml;nnern, <em>pentiti</em>, die Insiderwissen preisgeben, und insbesondere mit Vater Adriano erf&auml;hrt der Erz&auml;hler, wie ein Rad ins andere greift ... Nur ein R&auml;dchen am Rande zu sein, gibt noch lange keine Sicherheit: Selbst kleine Fische wissen oft mehr, als ihnen gut tut, und m&uuml;ssen sterben, bisweilen sogar durch eigene Hand. Ein zynisches Domino des Grauens.<br /><br />Ein beeindruckender, bedr&uuml;ckender Roman, dessen verr&auml;tselnde Gestaltung Aufmerksamkeit und Konzentration fordert: Textabschnitte beginnen anonym, springen zwischen wechselnden Gespr&auml;chspartnern, Zeiten und Orten hin und her.<br /><br />Die Mafia lebt weiter. Entstanden in der sizilianischen Feudalgesellschaft, als bewaffnete W&auml;chter die Interessen der Gro&szlig;grundbesitzer gegen aufm&uuml;pfige Bauern und Briganten wahren sollten, gewachsen und gest&auml;rkt durch Schutzgelderpressung in Sizilien und Kalabrien, dann von Amerikas Geheimdiensten als Macht gegen den Kommunismus unterst&uuml;tzt, unterminiert sie heute die ganze Welt und ist erheblich effizienter vernetzt denn je ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-patrick-fogli-ferruccio-pinotti-bleiernes-schweigen.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3351033877" width="1" height="1">
							</p>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[10.05.2012 23:55: Im Schatten der Pineta: Ein Toskana-Krimi von Marco Malvaldi]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/inhalt-marco-malvaldi-im-schatten-der-pineta-ein-toskana-krimi.htm</link>
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					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/inhalt-marco-malvaldi-im-schatten-der-pineta-ein-toskana-krimi.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/556.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Im Schatten der Pineta: Ein Toskana-Krimi von Marco Malvaldi"></a>
							<h2>10.05.2012 23:55: Im Schatten der Pineta: Ein Toskana-Krimi von Marco Malvaldi</h2>
							<h3>Derrick in der Toskana</h3>
							<p><small>Inhalt vom 10.05.2012 23:55<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Dies ist die deutsche Ausgabe von Marco Malvaldis Erstlingsroman "<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8838922195/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8838922195">La briscola in cinque</a>"<img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8838922195" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Sellerio 2007), den Monika K&ouml;pfer f&uuml;r Piper &uuml;bersetzt hat.<br /><br />Diese leichte, am&uuml;sante Urlaubslekt&uuml;re kann uns lesend in die Toskana entf&uuml;hren oder begleiten. Die Kriminalstory ist harmlos, die Stimmung sommerlich. Seine W&uuml;rze gewinnt der Roman aus den gepfefferten Wortscharm&uuml;tzeln zwischen Massimo, dem Barkeeper und Hobby-Detektiv, und seinen Stammkunden, einem bissig-boshaften Rentnerquartett. Nebenbei erfahren wir, wie eine Bar "funktioniert", wie man das Kartenspiel <em>briscola</em> zu viert oder zu f&uuml;nft spielt - und manch anderes, zum Beispiel, was passiert, wenn der Mensch zum Autofahrer mutiert ...<br /><br />Buecherrezensionen hat bereits das italienische Original ausf&uuml;hrlich unter die Lupe genommen - bitte lesen Sie hier:<br /><a title="Rezension zu 'La briscola in cinque' von Marco Malvaldi" href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-marco-malvaldi-la-briscola-in-cinque.htm" target="_blank">"La briscola in cinque" von Marco Malvaldi [Rezension]</a>.<br /><br />Dort finden Sie auch eine Zusammenstellung aller Romane Marco Malvaldis in den italienisch- und deutschsprachigen Ausgaben.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/inhalt-marco-malvaldi-im-schatten-der-pineta-ein-toskana-krimi.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492264247/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492264247" target="_blank">"Im Schatten der Pineta: Ein Toskana-Krimi" von von Marco Malvaldi bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[10.05.2012 16:26: La briscola in cinque von Marco Malvaldi]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-marco-malvaldi-la-briscola-in-cinque.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-marco-malvaldi-la-briscola-in-cinque.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/555.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="La briscola in cinque von Marco Malvaldi"></a>
							<h2>10.05.2012 16:26: La briscola in cinque von Marco Malvaldi</h2>
							<h3>Derrick in Toscana</h3>
							<p><small>Rezension vom 10.05.2012 16:26<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Der junge Mann hat's schwer, nachdem er an diesem fr&uuml;hen Augustmorgen aus der Diskothek schwankt. Zwar hat er's gerade noch geschafft, sein Auto in Gang zu setzen und den Nachhauseweg einzuschlagen, doch als ihn seine &uuml;bervolle Blase auf einen Parkplatz und zu Fu&szlig; an den M&uuml;llcontainer dort treibt, schauen ihm aus dessen Innerem die toten Augen eines M&auml;dchens entgegen. Zwar ist ihm klar, dass er nun die Polizei verst&auml;ndigen muss, doch leider ist der Akku seines Handys leer. Zwar findet er noch eine offene Bar in der N&auml;he, wo er den Telefonapparat ben&uuml;tzen darf, doch h&auml;lt ihn der diensthabende Polizist am anderen Ende der Leitung f&uuml;r einen besoffenen Scherzkeks und will ihm einfach nicht glauben. Aber Massimo, der <em>barista</em>, hat aufmerksam zugeh&ouml;rt; die Sache interessiert ihn, und er f&auml;hrt mit dem Leidgepr&uuml;ften zur sch&ouml;nen jungen Lolita-Leiche am unappetitlichen Ort ...<br /><br />Damit nimmt nicht nur Massimos Alltag Fahrt auf, sondern auch der seiner Stammkundschaft. Das ist im Wesentlichen sein Gro&szlig;vater Ampelio Viviani (82) und dessen drei nur geringf&uuml;gig j&uuml;ngere Kumpels. Deren Hauptbesch&auml;ftigung ist <em>farsi gli affari degli altri</em>, wobei auch gern giftige / witzige / hintergr&uuml;ndige / sexistische / pauschale / herzliche / stockkonservative Kommentare zur heutigen Jugend / dem Fernsehprogramm / den Frauen im Allgemeinen / den eigenen Frauen im Besonderen / den anwesenden Frauen im ganz Besonderen zur Unterhaltung beitragen.<br /><br /><em>Il bar</em> ist Mittelpunkt italienischen Lebens, und so passiert auch in Pineta, dem fiktionalen &Ouml;rtchen in der Provinz Livorno, nichts, ohne dass es in Massimos <em>BarLume</em> (ein nettes Wortspiel: <em>lume:</em> Lampe, Licht; <em>barlume:</em> fahler Lichtschein, Schimmer) wahrgenommen und er&ouml;rtert w&uuml;rde. Bei <em>caff&egrave;</em> oder <em>aperitivo</em> erfahren Massimo und sein &Auml;ltestenrat vieles aus direkt betroffenem Munde - und vor allem noch vor der Polizei in Gestalt des <em>dottor commissario</em> Vinicio Fusco (35), eines pingeligen, gestelzten Wichtigtuers in seiner Amtsstube.<br /><br />Massimo, 38 und geschieden, hat nicht nur einen Wissens-, sondern auch einen Intelligenzvorsprung vor Fusco. Er beobachtet, befragt, wertet aus, kombiniert - und ist derjenige, der den Mordfall an der siebzehnj&auml;hrigen Alina l&ouml;st. Die Alten h&ouml;ren gespannt zu und kommentieren eifrig (<em>Alla grazia di Derrick!</em>), Fusco man&ouml;vriert sich durch, so gut es geht, und der Gerichtsmediziner Walter Carli, ein Freund der Familie Alinas, liefert und bezieht sein Wissen ebenfalls in der <em>BarLume</em>. Alle anderen Personen bleiben blass.<br /><br />Welche Vorz&uuml;ge hat dieser Erstlingsroman, dass er den Grundstein f&uuml;r den Erfolg seines Autors Marco Malvaldi gelegt hat (siehe &Uuml;bersicht weiter unten)?<br /><br />Der unspektakul&auml;re Kriminalfall selbst ist sicher nicht verantwortlich. Die Leiche wird gefunden, ein paar Details zu Indizien und Motiven werden nach und nach in recht ausf&uuml;hrlichen Dialogen "enth&uuml;llt", mehrfach wiederholt und zusammengefasst - in klassischer <em>Whodunit</em>-Manier; nur am Rande werden Drogen und Sex erw&auml;hnt. Auf den letzten Seiten zieht Massimo wie einst Hercule Poirot neueste Funde aus der Tasche und tr&auml;gt den Rentnern r&uuml;ckschauend die Aufl&ouml;sung aller R&auml;tsel vor (nicht ohne auf Kurt G&ouml;dels &Uuml;berlegungen zu mathematischen Axiomen zu rekurrieren!).<br /><br />Auch die Personenzeichnung f&auml;llt nicht durch Au&szlig;ergew&ouml;hnliches auf. Massimo ist nett und n&uuml;chtern, gibt sich gern spitzfindig und professionell, wirkt aber bisweilen auch &uuml;berheblich und etwas k&uuml;nstlich. Die meisten anderen Charaktere k&ouml;nnen schon fast als Karikaturen durchgehen.<br /><br />Trotz (Wegen?) dieser Harmlosigkeit ist das Buch eine leichte, am&uuml;sante Urlaubslekt&uuml;re, die uns lesend in die Toskana entf&uuml;hren oder begleiten kann. Aufschlussreich f&uuml;r uns Nicht-Italiener ist, wie so eine Bar "funktioniert" - wann man kommt und geht, wie man gestikuliert, was man zubereitet, trinkt, isst, sagt - und was nicht ... Die bissig-boshaften Scharm&uuml;tzel der Alten sind oft lustig, ebenso wie so manche originelle Bemerkung der anderen Figuren und des Erz&auml;hlers, zum Beispiel dar&uuml;ber, was passiert, wenn der Mensch zum Autofahrer mutiert (S. 141 f.). <em>Last but not least</em> lernen wir ein Kartenspiel kennen - die titelgebende <em>briscola</em>, die man normalerweise zu viert, aber eben auch <em>in cinque</em> spielen kann; <em>il senato</em> (<em>i beneficiari INPS, la classe del '29</em> - kurz: die alten M&auml;nner) bringen Massimo (und dem Leser) die Regeln und Strategien bei - und fortan <em>va sempre bene, la briscola in cinque</em>, am liebsten <em>fuori all'ombra del tiglio grande</em> ...<br /><br />Sie m&ouml;chten das Buch auf Italienisch lesen? Tun Sie das besser nur, wenn Sie einigerma&szlig;en fit und flexibel sind, denn Ihr <em>dizionario</em> wird Sie im Stich lassen, wenn die <em>vecchietti</em> in ihrem Dialekt drauflos baldowern. Sie vertauschen "l" und "r" (<em>Fa der [del] male a qualcuno! Te ne trovi un artro [altro]!</em>), lassen viel unter den Tisch fallen (<em>Lui 'un ti vole [non ti vuole] ma nemmen vicino sai? quello che riparava le bicirette [biciclette]</em>), und die Umgangssprache bl&uuml;ht (<em>cavolo, incazzarsi, mi rompano i coglioni</em>). Dann entstehen Preziosen wie diese:<br /><em>Ci cascan tutti in piedi, con quest'incapacit&agrave; di intendere e di volere. Vale a di' che se vado in comune e d&igrave;o che quando mi sono sposato ero briao, posso anda' dalla mi' moglie e dinni di levassi dalle scatole?</em> (S. 152)</p>
<hr />
<p><strong>Die B&uuml;cher von Marco Malvaldi</strong>:</p>
<ol>
<li><a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8838922195/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8838922195">La briscola in cinque</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8838922195" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Sellerio 2007)<br /><a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3492264247/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492264247">Im Schatten der Pineta: Ein Toskana-Krimi</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3492264247" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (&uuml;bersetzt von Monika K&ouml;pfer; Piper 2011)</li>
<li><a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8838923345/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8838923345">Il gioco delle tre carte</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8838923345" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Sellerio 2008)<br /><a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3492264239/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492264239">Die Schnelligkeit der Schnecke: Ein Toskana-Krimi</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3492264239" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (&uuml;bersetzt von Sigrun Z&uuml;hlke; Piper 2012)</li>
<li><a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8838924791/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8838924791">Il re dei giochi</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8838924791" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Sellerio 2010)</li>
<li><a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8838925445/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8838925445">Odore di chiuso</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8838925445" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Sellerio 2011)<br /><a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3866123124/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3866123124">Das Nest der Nachtigall: Kriminalroman</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3866123124" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (&uuml;bersetzt von Luis Ruby; Pendo 2012)</li>
<li><a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8860195349/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8860195349">Scacco alla torre</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8860195349" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Felici 2011)</li>
<li><a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8838926085/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8838926085">La carta pi&ugrave; alta</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8838926085" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Sellerio 2012)</li>
</ol></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-marco-malvaldi-la-briscola-in-cinque.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/8838922195/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8838922195" target="_blank">"La briscola in cinque" von von Marco Malvaldi bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[09.05.2012 16:02: Berliner Zimmer von Sepp Mall]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-sepp-mall-berliner-zimmer.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-sepp-mall-berliner-zimmer.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/553.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Berliner Zimmer von Sepp Mall"></a>
							<h2>09.05.2012 16:02: Berliner Zimmer von Sepp Mall</h2>
							<h3>Spurensuche im Jetzt und im Damals</h3>
							<p><small>Rezension vom 09.05.2012 16:02<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Erst als sein Vater gestorben ist, wird Johannes, dem Ich-Erz&auml;hler, pl&ouml;tzlich bewusst, dass er einen Teil der ihm unbekannten, unwiederbringlichen Vergangenheit f&uuml;r immer verloren hat. Im Gegensatz zum &auml;lteren Bruder Gregor hat Johannes das elterliche Haus und die Heimatstadt in S&uuml;dtirol nach dem Abitur verlassen. Zusammen mit der dreizehnj&auml;hrigen Tochter Alma lebt und arbeitet er als Lehrer in unverbindlicher Distanz zur Familie, die sich gerade mal zu den j&auml;hrlichen Feiertagen notwendigerweise zusammenfindet.<br /><br />Gregor steht dem Vater n&auml;her; er tritt in dessen Fu&szlig;spuren, wird wie er Politiker und strebt das Amt des B&uuml;rgermeisters an. Doch als der Vater an einem Hirntumor erkrankt, zieht sich Gregor zur&uuml;ck, versenkt sich in seine Aufgaben f&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit - und versteckt sich dahinter. F&uuml;r Krankenhausbesuche und Arztgespr&auml;che nimmt er sich keine Zeit, und was da geschieht mit seinem Vater, will er lieber gar nicht wahrnehmen. So reist Johannes an - oft in Begleitung seiner Tochter - und tr&auml;gt die alleinige Verantwortung.<br /><br />Einf&uuml;hlsam beschreibt der Ich-Erz&auml;hler den Verfall des einstmals ordnungsliebenden, autorit&auml;ren Vaters. Zeit seines Lebens war er ein stiller, nicht sehr mitteilsamer Mann gewesen, und so l&auml;sst er auch die Krankheit mit allen Behandlungen &uuml;ber sich ergehen. Wohin sie ihn f&uuml;hrt, ist ihm klar: Einmal erw&auml;hnt er seinem Sohn gegen&uuml;ber, er habe sich soeben "das Dunkel" vorzustellen versucht - "f&uuml;r sp&auml;ter"; sein Sohn k&ouml;nne dies noch nicht verstehen. Alma ist eine kluge Beobachterin. Sie ist fest davon &uuml;berzeugt, dass ihr Gro&szlig;vater genau wei&szlig;, wie es um ihn steht, und umso mehr &auml;rgert sie, dass man ihm nicht die Wahrheit sagt.<br /><br />Alma ist es schlie&szlig;lich, die ihren Vater wachr&uuml;ttelt, ihm Fragen stellt: "Hast Du gewusst, dass er [Gro&szlig;vater] bei den Nazis war? [...] Hat er jemanden umgebracht in diesem Krieg?" (S. 41 f.). Doch Johannes wei&szlig; nichts aus jener Zeit, und seine Mutter hat alle Akten, Alben und sonstige Unterlagen vernichtet. Jetzt ist sie an Demenz erkrankt; keiner will es wahrhaben. Der mittlerweile leicht depressive Gregor hat sich bei ihr verkrochen - und wei&szlig; von einer Frau in Berlin.<br /><br />Dieser Spur folgt Johannes, als sich ihm anl&auml;sslich der Teilnahme an einem Schulkongress in Berlin die Gelegenheit bietet. Und tats&auml;chlich findet er Klara, die Liebe seines Vaters, die nur einen einzigen Tag w&auml;hrte. Bis heute hat Klara auf ein Zeichen gewartet; gern h&auml;tte sie den damals 18-j&auml;hrigen Soldaten Erwin mit dem seltsamen Dialekt wiedergetroffen ...<br /><br />Sepp Mall fesselt den Leser von Beginn seiner kleinen Erz&auml;hlung an durch seine feine Beobachtungsgabe und vor allem seine Phantasien, die er mit pr&auml;ziser Wortwahl ausbreitet. Bereits die Eingangsszene weitet sich ins Surreale: Der Dauerregen "&uuml;ber unserer Stadt", so malt es sich der Erz&auml;hler aus, f&uuml;hrt uns geradewegs in eine Zukunft auf dem Wasser, voller Lastk&auml;hne, Boote und F&auml;hren ... Diese Vision wird unterbrochen von einer nicht minder gespenstischen Szene: Ausgerechnet Gregor, der rationale Machtmensch, scheint seinen Verstand verloren zu haben. Ein penetrantes Klingeln an seiner T&uuml;r entsetzt ihn - denn der da vor der T&uuml;r steht und Einlass fordert, sei niemand anders als der Vater - der doch seit zwei Monaten verstorben ist.<br /><br />Eingestimmt und vorbereitet durch derlei Beobachtungen, Begebenheiten, Szenerien, erwartet uns schlie&szlig;lich eine &uuml;berraschende, beeindruckende Art der verfremdenden Stilisierung und Perspektivierung. Der Erz&auml;hler l&auml;sst den Vater doppelt wieder ins reale Leben zur&uuml;ckkehren. Als junger Soldat erlebt er den Bombenhagel Berlins; gleichzeitig wird er als alter, kranker Mann in einem Berliner Krankenhaus sterben. Simultan erz&auml;hlt Mall die Handlung auf vier Ebenen in zwei ineinanderflie&szlig;enden Zeitperioden.<br /><br />Eine sicher au&szlig;ergew&ouml;hnliche Art, Abschied zu nehmen. Johannes geht es wie vielen von uns. Wir leben als selbstbestimmte Individuen unsere Interessen aus, werden durch einen Beruf und vielleicht eine Familie eingebunden. All das f&uuml;llt uns restlos aus. Erst nach dem Tod eines Angeh&ouml;rigen empfinden wir nicht nur dessen physischen Verlust, sondern erleben zum ersten Mal die Notwendigkeit der Suche nach etwas, das wir festhalten k&ouml;nnen. Was bleibt, sind oft nur Andenken, Erinnerungen und Fragen nach der Vergangenheit: Wie war dieser Mensch, als er selber jung war?</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-sepp-mall-berliner-zimmer.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3852187214/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3852187214" target="_blank">"Berliner Zimmer" von von Sepp Mall bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3852187214" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[21.04.2012 14:33: Der Bahnwärter von Andrea Camilleri]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-camilleri-der-bahnwaerter.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-camilleri-der-bahnwaerter.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/552.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Bahnwärter von Andrea Camilleri"></a>
							<h2>21.04.2012 14:33: Der Bahnwärter von Andrea Camilleri</h2>
							<h3>Auf dass der Baum Früchte trage</h3>
							<p><small>Rezension vom 21.04.2012 14:33<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>So mancher Tourist, der in Italien reist, ertr&auml;umt sich hier und da, wie sch&ouml;n es w&auml;re, ein kleines H&auml;uschen auf dem Lande zu erwerben und dort fortan dem <em>dolce vita</em> zu fr&ouml;nen - fernab von Hi-Tech und unn&ouml;tigem Luxus. Den Einheimischen in den St&auml;dten geht es nicht anders. Und auch Andrea Camilleri nimmt dieses Konzept einer Idylle zum Anlass f&uuml;r eine kleine Erz&auml;hlung. Auf dem r&uuml;ckw&auml;rtigen Cover reflektiert er seine eigene Variante: ein Bahnw&auml;rterh&auml;uschen kaufen, ein kleines G&auml;rtchen anlegen, sich der Ruhe hingeben, begleitet vom Tirilieren der V&ouml;gel und nur unterbrochen vom gelegentlichen Schnaufen eines vorbeizockelnden Kleinbahnzuges ...<br /><br />Solcherma&szlig;en auf Sizilien-Sehnsucht und Romantik eingestimmt, nahm ich das B&uuml;chlein zur Hand, in Erwartung einer zarten, poetischen Handlung.<br /><br />Die verspricht der Anfang denn auch. Camilleri f&auml;hrt mit uns auf der Schmalspurstrecke von Vig&agrave;ta nach Castellovitrano an der K&uuml;ste Siziliens entlang. Eine Dampflok zieht Waggons der 1. und 3. Klasse. Es geht an drei Bahnw&auml;rterh&auml;uschen vorbei, angesichts derer er uns anschaulich deren typische Bauart erl&auml;utert. Doch dann &auml;ndert sich die Stimmung rasch.<br /><br />Die Faschisten sind an der Macht. Sie verstaatlichen die Privatbahnen, und viele Arbeitspl&auml;tze wechseln den Besitzer - Bahnw&auml;rter zum Beispiel wird jetzt, wer sich um die Partei verdient gemacht hat.<br /><br />Im M&auml;rz 1942 beziehen Nino und seine liebenswerte, f&uuml;rsorgliche Frau Minica ein Bahnw&auml;rterh&auml;uschen bei Vig&agrave;ta - obwohl Nino kein Faschist ist. Aber seine Aufgaben erf&uuml;llt er pflichtgem&auml;&szlig; und versorgt Mussolinis Soldaten, die die Bunkeranlagen der Fliegerabwehr entlang der K&uuml;ste bauen, mit klarem Brunnenwasser. Das Gl&uuml;ck des trauten Paares w&auml;re vollkommen, wenn nicht immer wieder die Bombardements der Alliierten ihre Idylle bedrohten - und wenn doch noch ihr Kinderwunsch in Erf&uuml;llung ginge. Ein "Kr&auml;uterweiblein" - ganz entgegen der Begrifflichkeit eine h&uuml;bsche, elegante Dame - hilft mit einer Pomade aus ...<br /><br />Abends ist Nino h&auml;ufig unterwegs, um mit Freund Tot&ograve; im Duo zu musizieren. Die jetzt angesagten Revolutionslieder interpretieren sie als Tanzmusik, wof&uuml;r sie kurzzeitig im Gef&auml;ngnis b&uuml;&szlig;en m&uuml;ssen: Provoziert, beleidigt, die Hymne verunglimpft h&auml;tten sie ...<br /><br />All dies wird unversehens belanglos, als ein Mann mit absonderlichen Neigungen Minica vergewaltigt, misshandelt, fast zu Tode pr&uuml;gelt. Sie muss im Krankenhaus operiert und wochenlang gepflegt werden, aber richtig gesund wird sie nie mehr.<br /><br />Liebevoll und verzweifelt zugleich nimmt sich Nino seiner Frau an, die, jetzt geistig verwirrt, jegliche Nahrung verweigert. St&auml;ndig buddelt sie sich mit den F&uuml;&szlig;en in den Boden ein, will hier drau&szlig;en Wurzeln schlagen, ein Baum mit starken &Auml;sten werden. Nino soll sie umpflanzen, veredeln, w&auml;ssern, d&uuml;ngen, damit sie Fr&uuml;chte tragen kann. Alles vergeblich: Es wollen sich keine Mispeln bilden. Kaum noch des Sprechens m&auml;chtig, w&uuml;nscht sich Minica, gef&auml;llt zu werden. Doch bevor Nino zur Axt greift, geschieht ein Wunder ...<br /><br />Die sch&ouml;ne Symbolik der zum Scheitern verurteilten Metamorphose zum erbl&uuml;henden und Fr&uuml;chte tragenden Baum ist der Kern der hintergr&uuml;ndigen, tiefgreifenden Parabel &uuml;ber die Verwandlung einer Frau, der man die Fruchtbarkeit genommen und die man damit zerst&ouml;rt hat. Diesen mystischen Textteil gestaltet Camilleri grauenerregend. Klapperd&uuml;rr ist Minica; sie st&uuml;tzt sich auf Pf&auml;hle, die Nino dicht um sie herum eingehauen hat, damit sie im Stehen schlafen kann ...<br /><br />Daneben l&auml;sst Camilleri Sizilien zur heftigsten Kriegszeit aufleben. Sein (fiktionales) Vig&agrave;ta wird in Angst und Schrecken versetzt und von Bombenangriffen fast v&ouml;llig zerst&ouml;rt. Denunzianten und Verbrecher betreiben ihr Handwerk verst&auml;rkt, die Carabinieri umso weniger. Unumschr&auml;nkter Lenker der Geschicke ist Don Simone, der Padrone. Vor ihm bleibt nichts geheim, er wei&szlig; alles &uuml;ber die Gemeinschaft und &uuml;ber die politischen Entwicklungen der Vergangenheit wie der Zukunft. Er kennt nicht nur Minicas Sch&auml;nder, sondern fl&uuml;stert dessen Namen Nino ins Ohr, als der verzweifelt an der Mole sitzt, - und liefert ihm gleich einen perfekt durchdachten Plan dazu ...<br /><br />Immer wieder faszinieren mich Vielseitigkeit und Einfallsreichtum des Autors. Wenngleich er einen unverkennbaren Stil pflegt und seinen sympathischen Werten treu bleibt, ist doch jede seiner zahlreichen Erz&auml;hlungen einzigartig. Auch "Der Bahnw&auml;rter" (im Original "<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8838923027/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8838923027">Il casellante</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8838923027" alt="" width="1" height="1" border="0" />", 2008, &Uuml;bersetzung von Moshe Kahn) ist unverwechselbar Camilleri pur - und doch wieder anders.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-camilleri-der-bahnwaerter.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3463405768/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3463405768" target="_blank">"Der Bahnwärter" von von Andrea Camilleri bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3463405768" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[20.04.2012 16:25: Tod sei Dank von Helen FitzGerald]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-helen-fitzgerald-tod-sei-dank.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-helen-fitzgerald-tod-sei-dank.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/551.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Tod sei Dank von Helen FitzGerald"></a>
							<h2>20.04.2012 16:25: Tod sei Dank von Helen FitzGerald</h2>
							<h3>Wills Liebe zu den Mädels mit den gelben Gesichtern</h3>
							<p><small>Rezension vom 20.04.2012 16:25<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Will Marion kann man nicht unbedingt als Gl&uuml;ckspilz bezeichnen. H&auml;tte er auf den weisen Ratschlag seiner Eltern geh&ouml;rt, vielleicht h&auml;tte sein Leben einen ganz anderen Verlauf nehmen k&ouml;nnen. War es tats&auml;chlich Liebe, die ihn zu Cynthia hingezogen hatte - oder unstillbare Begierde? Cynthia - eine junge Frau mit viel Erfahrung, die, ehe sie sich mit Will verm&auml;hlte, lange mit Heath Jones zusammen gewesen war, einem Mann mit sehr lockerer, brutaler Hand, der Cynthia sogar anschaffen lie&szlig;, damit gen&uuml;gend Geld f&uuml;r ihren t&auml;glichen Drogenbedarf vorhanden war. Dummerweise brachte er dann einen Kriminellen um, wof&uuml;r er nun im Knast sitzt. Aber er wird durchhalten, immer wieder den Bew&auml;hrungsausschuss anschreiben und um seine Entlassung bitten - und Cynthia wird immer auf ihn warten. Wie kann sie es &uuml;berhaupt mit so einer "Schwuchtel" von Mann wie Will aushalten? Was sie selbst betrifft, so bildet sie sich ein, eines Tages als S&auml;ngerin entdeckt zu werden.<br /><br />Cynthia schenkt Will ein weibliches Zwillingsp&auml;rchen: Georgie und Kay. Ihr selbst geht auf ihrem Egotrip alles, was mit K&uuml;che, Kinder und Kacke zu tun hat, am Allerwertesten vorbei, und als Junkie sieht sie sowieso alles rosarot ...<br /><br />So &uuml;bernimmt Will die volle Verantwortung und die Erziehung der beiden M&auml;dchen. Leider ist er arbeitslos. Seine Filmprojekte sind nie &uuml;ber das Entwicklungsstadium hinausgekommen. Seine Eltern, die als gl&uuml;ckliche Erben ohne M&uuml;he zu gro&szlig;em Reichtum gelangt sind und in Immobilien an Spaniens K&uuml;ste investiert haben, haben Will gegen ein kleines Sal&auml;r mit deren Verwaltung beauftragt. Doch das Gesch&auml;ft l&auml;uft nur noch mau, und so muss Will schauen, wie er &uuml;ber die Runden kommt.<br /><br />Als die M&auml;dels drei Jahre alt sind, begibt sich Cynthia eines Tages zum Einkaufen, findet aber nicht mehr den Weg nach Hause. F&uuml;r die n&auml;chsten Jahre schl&auml;gt sie ihre Zelte in Indien und &Auml;gypten auf.<br /><br />W&auml;hrend Kay immer schon ein gl&uuml;ckliches, lebensbejahendes Kind war, ist Georgie nicht nur stinkesauer auf ihren Vater Will, sondern hasst ihn abgrundtief. W&auml;re er nicht so ein Versager, w&auml;re Cynthia ja vielleicht geblieben. Eine schwierige Dreierbeziehung ...<br /><br />Obwohl die verm&ouml;genden Gro&szlig;eltern vor ihren Freunden nur so schw&auml;rmen von ihren gro&szlig;artigen Enkelinnen, f&uuml;r die sie alles tun w&uuml;rden ("solange 'alles' darin bestand, &uuml;berhaupt nichts zu tun"), kann ihr Sohn Will von ihnen weder eine milde monet&auml;re Gabe noch kleine Babysitter-Hilfen erwarten. Nolens volens findet er sich also als einziger Vater unter lauter M&uuml;ttern: beim Ballett, im Eltern-Kind-Kreis und beim Kaffeeklatsch, wo er weder &uuml;ber Cr&egrave;mes noch Vorh&auml;nge etwas Eigenes beitragen kann. Und dann noch die Anmache von Teilzeitwitwen oder B&uuml;rohengstgattinnen, die ihn gleichzeitig bewundern und nicht f&uuml;r voll nehmen: "Ist er nicht s&uuml;&szlig;?" Da sehnt er lieber Cynthias R&uuml;ckkehr herbei - doch vergebens.<br /><br />Mehr als zehn Jahre sp&auml;ter - die beiden M&auml;dels k&ouml;nnen sich kaum noch an sie erinnern - muss er ihre Mutter unbedingt finden. Die Zwillinge sind schwer krank - immer so gelb im Gesicht, und sie k&ouml;nnen nicht mehr urinieren. Ihre Nieren versagen, die Dialyse verschafft nur einen kurzen Zeitaufschub, ohne neue Spenderorgane werden sie sterben ... Um etwas &uuml;ber Cynthias Aufenthaltsort zu erfahren, begibt sich Will zu Heath ins Gef&auml;ngnis, beauftragt sogar einen Detektiv. All das tut er nur seinen T&ouml;chtern zu Liebe; dass er Cynthia suchen l&auml;sst, erfahren sie erst sehr viel sp&auml;ter.<br /><br />Helen FitzGeralds Roman "Tod sei Dank", aus dem Englischen &uuml;bersetzt von Steffen Jacobs, thematisiert die Probleme um Sterben oder Leben mit einer Spenderniere auf au&szlig;ergew&ouml;hnliche und faszinierende Weise. Viele Textpassagen gestaltet die Autorin inhaltlich, aber auch sprachlich &uuml;berraschend anders - mal berichtend, mal beschreibend, mal erz&auml;hlend, voller Tempo- und Perspektivwechsel; dazwischen Tabellen, Briefe, Tagebucheintr&auml;ge oder alphabetisch sortierte Aktenablagen ... Der Ton ist &uuml;berzeugend pfiffig, oft humorvoll (Die M&auml;dels ben&ouml;tigen eine "limitierte Gucci -Taschen-Niere"), immer passend zu Milieu und Personal - Heath: ordin&auml;r und aggressionsgeladen; Cynthia: fordernd und verlogen; Georgie und Kay: spritzig, dreist und frisch; Will: beschreibend, analysierend, tabellarisch ordnend.<br /><br />All das steht im Dienst der Charakterzeichnung. In einer peinlich blamablen Szene entlarvt sich Cynthia als verlogen und egozentrisch, als sie beklagt, dass dieses "scheu&szlig;liche Gruftie-M&auml;dchen im Krankenhaus" (und damit meint sie ihre Tochter ...) sich doch tats&auml;chlich geweigert hat, ihr Geld f&uuml;r den n&auml;chsten Schuss zu geben.<br /><br />R&uuml;hrseligkeit stellt sich niemals ein. Das Tempo des Romans l&auml;sst kaum Zeit, um sich in Emotionen zu vertiefen. Da gibt es schockierende Szenen bei Heath im Knast oder bei Mutter Cynthia, da ist der Apparate-Alltag, den die M&auml;dels nehmen, wie's halt kommt - realistisch, cool, manchmal makaber.<br /><br />Die Charaktere &uuml;berzeugen durch ihre Tiefe und beeindrucken bisweilen durch ihre Widerspr&uuml;chlichkeit. Heath und Georgie zum Beispiel geben sich nach au&szlig;en hin ganz anders, als sie wirklich sind. H&ouml;rt man sie selber sprechen, so bleibt einem die Spucke weg. Heath ist ein gewaltt&auml;tiger Drecksack, der sich als tugendhafter Helfer geriert und doch nichts anderes will, als die Notlage der M&auml;dchen f&uuml;r sich auszunutzen; Georgie, die immer unzufriedene, eifers&uuml;chtige Schwester, m&ouml;chte am liebsten ihren Vater und sich selbst t&ouml;ten - und entpuppt sich als sensibler, sich nach Liebe sehnender Mensch.<br /><br />Neben Georgie und Kay ist Vater Will die herausragende und tragischste Figur. Ohne zu z&ouml;gern w&uuml;rde er seinen Kindern sein eigenes Leben schenken, damit mit seinen Organe beide leben k&ouml;nnen; er googelt schon nach geeigneten T&ouml;tungsmethoden. Aber er erw&auml;gt noch weitere M&ouml;glichkeiten, und ihm wird noch viel einfallen, ehe es um Leben oder Tod geht ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-helen-fitzgerald-tod-sei-dank.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[18.04.2012 14:24: Das Ritual der Rache von Andrea Camilleri]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-camilleri-das-ritual-der-rache.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-camilleri-das-ritual-der-rache.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/550.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das Ritual der Rache von Andrea Camilleri"></a>
							<h2>18.04.2012 14:24: Das Ritual der Rache von Andrea Camilleri</h2>
							<h3>Irrungen und Wirrungen in Vigàta</h3>
							<p><small>Rezension vom 18.04.2012 14:24<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Commissario Salvo Montalbano sp&uuml;rt sein Alter immer mehr in seinen Knochen. Nicht nur seine Haare sind d&uuml;nner geworden, sondern auch seine Haut: Er ist emotional nicht mehr im Gleichgewicht. Seine Stimmungen schwanken - bald br&uuml;llt er &uuml;bellaunig, bald flucht er w&uuml;tend, und bisweilen f&auml;llt er in melancholische Tiefs, wo es ihm das Wasser in die Augen treibt. Ist er langsam reif f&uuml;r den Ruhestand?<br /><br />Ziemlich sp&auml;t erst bemerkt er, dass sich auch die Atmosph&auml;re in seinem Kommissariat in Vig&agrave;ta verd&uuml;stert hat. Die Stimmung seiner Leute ist angespannter geworden. Vor allem Mim&igrave; Augello ist in letzter Zeit derart gereizt, dass schon ein Wort gen&uuml;gt, um einen bitteren Streit zu entfachen. Sogar den allzeit dienstbaren Catarella schreit er an, nur weil der es vers&auml;umt hatte, ein Telefonat durchzustellen. Als Montalbano sich bei Fazio erkundigen will, was denn los sei, erh&auml;lt er auch von dem nur eine ungewohnt aggressive Abfuhr.<br /><br />Und dann noch diese st&auml;ndigen Anrufe von Livia, Salvos Dauer- und Fernbeziehung, die in Genua wohnt ... Ihre Busenfreundin Beba, Mim&igrave;s Ehefrau, beklage sich bei ihr schon seit L&auml;ngerem dar&uuml;ber, dass Ihr Mim&igrave; kaum noch zu Hause sei wegen der fortw&auml;hrenden n&auml;chtlichen Arbeitseins&auml;tze, die Salvo ihm auftr&auml;gt ... <br /><br />Doch Montalbano durchschaut schnell, was da los ist: Von wegen n&auml;chtliche Observierungen - Mim&igrave; hat wohl etwas anderes laufen ... Um den Frieden im Hause Augello nicht zu gef&auml;hrden, jammert Salvo, dass in letzter Zeit ungew&ouml;hnlich viel passiert sei, verspricht Besserung und bittet Livia, auch Beba geduldig zu stimmen.<br /><br />Zur&uuml;ck auf "Los": Montalbano findet keine Ruhe in seinem Bett. Drau&szlig;en &uuml;ber dem Meer tobt ein Gewitter, in seinem Kopf ein Albtraum: Mit Waffengewalt soll Montalbano in den Hubschrauber gezwungen und zur Regierungsbildung nach Rom geflogen werden; er soll das Amt des Innenministers &uuml;bernehmen, denn die Mafia hat die Macht &uuml;bernommen ... Salvo, der seine Gedanken gern in Selbstgespr&auml;chen oder Briefen an sich selbst kl&auml;rt, sinniert vor sich hin: Hat dieses Hirngespinst etwas zu bedeuten?<br /><br />Kaum erwacht und ein wenig beruhigt, wird Salvo erneut durch w&uuml;stes Klopfen an seine T&uuml;r aufgeschreckt. Catarella ist mit dem Jeep gekommen, um den Chef in unwegsames Gel&auml;nde zu bringen, wo Fazio und Mim&igrave; ihn schon erwarten. Ein Landbesitzer hat auf einer Ger&ouml;llhalde eine Leiche gefunden, der eine ganz besondere Behandlung zuteil geworden war. Erst wurde der Mann mit einem Genickschuss get&ouml;tet, dann sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen und die Fingerkuppen verbrannt, und zu guter Letzt wurde er in 30 Teile zerst&uuml;ckelt. Diese rituelle Art der Hinrichtung verr&auml;t die Handschrift der Mafia; so rechnet sie mit einem Verr&auml;ter ab, damit er nicht identifiziert werden kann. Dazu verhilft auch nicht die verschluckte Zahnbr&uuml;cke, die man im Darm fand, denn sie muss in S&uuml;damerika hergestellt worden sein. Kurzum: F&uuml;r Salvo ist das ein Fall f&uuml;r die Kollegen der Antimafiagruppe.<br /><br />Doch ausgerechnet jetzt fordert Mim&igrave; in einem Brief an Salvo, dass er ihm den Fall &uuml;bertragen solle. Er m&ouml;chte endlich mehr Machtbefugnisse und mehr Freiraum - ansonsten bleibe ihm nichts anderes &uuml;brig, als um eine Versetzung zu bitten ...<br /><br />W&auml;hrend Salvo noch hadert und seine Bedenken in einem Antwortbrief an Mim&igrave; formuliert, hat Camilleri l&auml;ngst einen weiteren Handlungsstrang entwickelt. Dolores Alfana, 30 Jahre alt und atemberaubend sch&ouml;n, er&ouml;ffnet dem Commissario ihre gro&szlig;e Sorge um Giovanni, ihren innig geliebten Mann, der, wie sie f&uuml;rchtet, spurlos verschwunden ist. Zwar ist er als Offizier auf einem Containerschiff oft monatelang auf den Meeren unterwegs, doch im Gegensatz zu sonst hat Dolores jetzt schon lange nichts mehr von ihm geh&ouml;rt, und die Handschrift auf den letzten Postkarten war offenkundig gef&auml;lscht. Montalbano ziert sich, in einer Privatsache nachzuforschen - vielleicht ist der Mann ja nur auf Landgang in einem anderen Liebeshafen -, aber kann man einer so bet&ouml;renden Dame eine Bitte abschlagen?<br /><br />Was es mit Mim&igrave;s n&auml;chtlichen &Uuml;berstunden auf sich hat, will Salvo nat&uuml;rlich auch erfahren. Ingrid, eine Vertraute, observiert heimlich und findet heraus, dass Mim&igrave; - noch nie ein Kostver&auml;chter - ein Liebesnest in einer leerstehenden Villa unterh&auml;lt. Das Anwesen geh&ouml;rt einem Metzger aus Vig&agrave;ta, der mit einer verheirateten Frau angebandelt hatte. Pech f&uuml;r ihn: Der geh&ouml;rnte Ehemann Giovanni ist ein F&uuml;rsorgefall von Don Balduccio Sinagra, dem Mafia-Boss vor Ort. Der hatte einst Giovannis Vater als Verr&auml;ter beseitigen lassen - f&auml;lschlicherweise, wie sich herausstellte. Um seine Schuld wiedergutzumachen, sorgte der Ehrenwerte f&uuml;r die Ausbildung des hinterbliebenen Sohnes - und schaffte nun, um Giovannis Ehe zu sch&uuml;tzen, den Fleischermeister-Nebenbuhler aus dem Felde, indem er ihn - wer wei&szlig; wie ... - zu einem Umzug nach Catania bewog.<br /><br />Wie Camilleri diese gro&szlig;en und kleinen Str&auml;nge stimmig miteinander verwebt, wie er jede Szene durch originelle Figuren, am&uuml;sante Dialoge und intelligente kleine Scharm&uuml;tzel lebendig gestaltet, wie er den Personen ebenso wie den Schaupl&auml;tzen anschaulich das besondere Flair Siziliens einhaucht, wie er beim Lesen sogar unseren Gaumen kitzelt, indem er gen&uuml;sslich die Zutaten der Speisen ausmalt - all das ist schlichtweg eine Wonne. Dazu geh&ouml;ren auch so kleine Gags wie der, dass Montalbano eines Abends einen Roman - "schon ein paar Jahre alt" - von Andrea Camilleri liest und interessante Aufschl&uuml;sse daraus erh&auml;lt. So trifft der Autor in seinem Roman sich selbst an, &auml;hnlich wie einst Hitchcock durch seine Filme huschte ...<br /><br />Einen besonderen Reiz &uuml;bt Camilleris Sprachstil aus. Vor allem Montalbano und Catarella leben und wirken durch die Art, wie sie mit Sprache umgehen: F&uuml;r den einen ist sie ein souver&auml;n beherrschtes Werkzeug: Niemand kann so perfekt schmeicheln, sich herausreden, t&auml;uschen, andeuten, unterschieben, aber auch einsch&uuml;chtern wie der Commissario ... F&uuml;r den anderen ist Sprechen oft genug ein Hindernislauf: "Catar&egrave;" stolpert &uuml;ber Fremdw&ouml;rter, verheddert sich in der Syntax, verdreht Namen, wirft mit Phrasen oder Brocken davon umher, so dass dem pr&auml;zisen Denker Salvo der Geduldsfaden rei&szlig;t, wenn er in dem hektischen Geschnatter keinen rechten Sinn erkennt. <br /><br />Die Popularit&auml;t von Camilleris Romanen gr&uuml;ndet zu einem gro&szlig;en Teil darauf, mit wie leichter Hand, wie treffsicher und konsistent dieser Autor ein sympathisches Sizilien aufleben l&auml;sst: Neben Schauplatz- und Figurenzeichnung tragen dazu im Original mindestens ebenso viel die dialektalen Vokabeln sowie Eigenheiten der Aussprache und Grammatik bei, die Camilleri meisterlich gestaltet. Bei allem Respekt f&uuml;r die Leistung des &Uuml;bersetzers Moshe Kahn muss doch gesagt werden, dass derlei prinzipiell nur teilweise in eine andere Sprache &uuml;bertragen werden kann, wobei der Ton, die W&auml;rme zwangsl&auml;ufig auf der Strecke bleibt. Notgedrungen l&auml;sst Moshe Kahn in seiner &Uuml;bersetzung also alle Hochdeutsch sprechen (was auch sonst?), beh&auml;lt aber - eine gute Idee - manch Sizilianisches einfach im Original bei: die verk&uuml;rzten und endbetonten jovial-vertraulichen Rufnamen "Catar&egrave;", "Adel&igrave;" usw., die Anrede "dottori" (statt "dottore"), den Restaurantnamen "Peppucciu 'u piscaturi" (~ Peppe il pescatore). Mehr Sizilianisch geht halt nicht.<br /><br />Doch wenn Sie gut Italienisch k&ouml;nnen: Springen Sie ins Wasser und g&ouml;nnen Sie sich den Genuss der Originalausgabe: "<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8838922853/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8838922853">Il campo del vasaio</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8838922853" alt="" width="1" height="1" border="0" />" (Sellerio, 280 Seiten); aller Anfang ist schwer, die sizilianischen Einsprengsel erst einmal befremdlich - doch schnell werden Sie sich in Vig&agrave;ta einleben. Und wenn Sie noch eins draufsetzen m&ouml;chten, dann lege ich Ihnen w&auml;rmstens die Verfilmungen der RAI ans Herz - mehr zu diesen Sch&auml;tzen finden Sie demn&auml;chst hier auf meiner Seite.<br /><br />Dieses Buch habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-camilleri-das-ritual-der-rache.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3785724314/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3785724314" target="_blank">"Das Ritual der Rache" von von Andrea Camilleri bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3785724314" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[14.04.2012 10:46: Die Nacht des Zorns von Fred Vargas]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-fred-vargas-die-nacht-des-zorns.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-fred-vargas-die-nacht-des-zorns.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/549.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die Nacht des Zorns von Fred Vargas"></a>
							<h2>14.04.2012 10:46: Die Nacht des Zorns von Fred Vargas</h2>
							<h3>Warte, warte nur ein Weilchen, bald trifft auch dich das Hackebeilchen ...</h3>
							<p><small>Rezension vom 14.04.2012 10:46<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Eines Tages musste Tuilot, der Meister der Kreuzwortr&auml;tsel, eine Entscheidung treffen, und da &uuml;berwog das Mitleid mit seiner Frau Lucette. Also erstickte er sie, aus reiner Barmherzigkeit. Um genau zu sein: Der Ruhest&auml;ndler stopfte sie mit Brotkrumen voll. Sie liebte Zwieback mit Rosinen am Morgen. Anschlie&szlig;end pflegte sie inbr&uuml;nstig all die Br&ouml;ckelchen und Br&ouml;selchen, die sich weitr&auml;umig um sie herum verstreut hatten, wegzuputzen. Der Grund f&uuml;r Tuilots Mitleid war die t&auml;gliche Auseinandersetzung des alten Paares um die putzigen Untermieter Toni und Marie, die Lucette nicht tolerieren wollte. Allabendlich, wenn sie schon schlief, besuchten ihn die schlauen, feinf&uuml;hligen kleinen Wesen, und er plauderte mit ihnen, bis sie durch ein Loch hinter dem Fallrohr wieder in den Keller verschwanden. Nun hatte Lucette, die die ihren Ekel erregenden Tierchen nicht mehr ertragen konnte, das Loch zuzementiert, und Tuilot trug das Seine dazu bei, dass sie nicht l&auml;nger zu leiden brauchte ...<br /><br />So makaber-skurril beginnt Fred Vargas' Kriminalfall "Die Nacht des Zorns", der in der &Uuml;bersetzung von Waltraud Schwarze jetzt erschienen ist, und wir f&uuml;hlen uns an den Stil von Ferdinand von Schirachs Sammlung "Verbrechen" (2009) erinnert.<br /><br />Doch dann erz&auml;hlt uns Fred Vargas eine mystisch-gruselige Legende aus dem Mittelalter, und die wird den kriminalistischen Hauptplot bestimmen.<br /><br />In der Normandie quert der Pfad Bonneval den Wald von Alance. Am Ende des 11. Jahrhunderts, noch vor dem 1. Kreuzzug, reitet ein Trupp bewaffneter M&auml;nner mit viel Get&ouml;se durch den Ort Ordebec. Es sind die "Mesnie Hellequin". Alle paar Jahrzehnte kehren sie unvermittelt zur&uuml;ck, um sich Menschen zu greifen, die eines unges&uuml;hnten Verbrechens schuldig sind. Aber nur Menschen mit vision&auml;ren F&auml;higkeiten k&ouml;nnen die Grauen erregenden R&auml;cher - Untote mit fehlenden K&ouml;rperteilen auf dreibeinigen Pferden - erkennen. Die seherische Gabe wurde seit Urzeiten von Generation zu Generation weitergegeben, und zwar immer nur an eine auserw&auml;hlte Person. Lina erhielt ihre Bestimmung von Gilbert, als er bei ihrer Taufe seine Hand &uuml;ber ihren Kopf hielt.<br /><br />Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg von der Pariser Polizei war diese ungeheuerliche Legende unbekannt, bis ihn eine alte, ver&auml;ngstigte Dame in seinem Kommissariat besucht. Die Witwe Valentine Vendermot ist extra aus Ordebec angereist, um ihm anzuk&uuml;ndigen, dass Leute sterben werden. Sie windet sich, sie traut sich nicht, das auszusprechen, was zu er&ouml;ffnen ihr untersagt ist. Es geht um Michel Herbier, einen im Dorf verhassten J&auml;ger, der verschwunden ist, und um ihre Tochter Lina. Die hat des Nachts das "w&uuml;tende Heer" vorbeiziehen sehen: in dessen Mitte der schreiende Herbier, Jean Glayeux, Michel Mortembot und ein vierter, Lina unbekannter Mann - allesamt Leute aus Ordebec. Linas Vorahnung ist das sicherere Todesurteil f&uuml;r die vier M&auml;nner.<br /><br />Eigentlich muss Adamsberg zwei andere F&auml;lle bearbeiten: 1.: Jemand hat Autos abgefackelt, wodurch ein bekannter Gro&szlig;unternehmer ums Leben gekommen ist. - 2.: Da qu&auml;lt doch tats&auml;chlich jemand Tauben, indem er ihnen die Beine zusammenbindet! Doch auf Dr&auml;ngen der Gendarmerie Ordebec begibt er sich in die Normandie.<br /><br />Leider versagt er als Polizist auf ganzer Linie, denn die vier Morde geschehen tats&auml;chlich, ohne dass er sie verhindern k&ouml;nnte. Wer steckt dahinter? An den mythischen Humbug glaubt Adamsberg nicht - er ist vielmehr &uuml;berzeugt, dass da jemand ganz bewusst die Angst der Menschen vor dem "Mesnie Hellequin" nutzt, um als selbsternannter Richter zu morden, die Schuld aber auf andere zu lenken.<br /><br />Ordebecs Realit&auml;t ist weitab von jeder Normalit&auml;t. Um fast jeden Bewohner rankt sich eine skurrile Geschichte. Die hellseherische Lina und ihre k&ouml;rperlich und geistig versehrten Br&uuml;der k&ouml;nnten einer Anstalt entlaufen sein. Welch ein Schauerm&auml;rchen tischt uns die Autorin mit allen leckeren Ingredienzien wie Mordwerkzeugen, Teufelsmalen usw. dazu auf! Vargas ist hier Spitze: Mit phantasievollen, originellen und grotesk-abstrusen Einf&auml;llen erhebt sie sich weit &uuml;ber den Abgrund des Mystery-/Fantasy-Genres, ohne je abzust&uuml;rzen. Dazwischen m&uuml;hen sich Adamsberg und seine wohl einzigartige Pariser Brigade redlich, ihre Arbeit zu tun - auf ihre ganz spezielle Weise. Mit von der Partie sind Adamsbergs "G&ouml;ttin" (ein Mannweib), ein Wissenschaftsass, der keinem leckeren Tr&ouml;pfchen widerstehen kann, ein Fischfreak, ein Schlafgest&ouml;rter, ein poetischer Kollege, der gern mal in Reimen spricht ...<br /><br />Am Ende zaubert Vargas einen T&auml;ter aus dem Hut und gestaltet einen &uuml;berzuckerten Schluss, s&uuml;&szlig; wie ein Baiser. Oh Schreck, der ganze Boden voller Br&ouml;sel, excus&eacute;z-moi, jetzt muss ich erst mal feucht feudeln ... Au revoir.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-fred-vargas-die-nacht-des-zorns.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/335103380X/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=335103380X" target="_blank">"Die Nacht des Zorns" von von Fred Vargas bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=335103380X" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[10.04.2012 14:30: Das Ende von Salvatore Scibona]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-salvatore-scibona-das-ende.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-salvatore-scibona-das-ende.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/548.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das Ende von Salvatore Scibona"></a>
							<h2>10.04.2012 14:30: Das Ende von Salvatore Scibona</h2>
							<h3>Ein verwirrend schöner Flickenteppich</h3>
							<p><small>Rezension vom 10.04.2012 14:30<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Umfassend belesenen Freunden ungew&ouml;hnlicher zeitgen&ouml;ssischer Prosa bringt dieser Roman (den Steffen Jacobs &uuml;bersetzt hat) sprachlichen Genuss und intellektuellen Gaumenkitzel. Zur schlichten Unterhaltung aufgeschlagen, kann er manchen Leser entt&auml;uschen.</p>
<p>Der Einstieg in den Roman ist ein wahrer Sprachgenuss. Die Beschreibung des B&auml;ckers Rocco ist ein Feuerwerk von Vokabeln, von bildhaften Vergleichen ("ein Mann in Form einer Gl&uuml;hbirne" mit "an Regenwolken erinnernden Tr&auml;nens&auml;cken", S. 9), von ungew&ouml;hnlichen Attributierungen (seine Backstube hat eine "Allez-hopp-T&uuml;r", S. 10), von eindringlichen Ausf&uuml;hrungen &uuml;ber sein Seelenheil und sein Schicksal. Trotz seiner t&auml;glichen F&uuml;nfzehn-Stunden-Plackerei schafft es der Mann nur selten, vielleicht sonn- oder feiertags, bis zu einer Fleischbeigabe bei Tisch. Er gibt alles und sein Bestes, und doch reicht das wohl nicht, um sein St&uuml;ckchen des <em>American Dream</em> zu verwirklichen. Der Preis ist hoch: Seine Frau verl&auml;sst ihn mit seinen Lieblingss&ouml;hnen f&uuml;r immer. Nur Mimmo, der mittlere Sohn, bleibt ihm noch eine Weile, ehe er auch den hergeben muss, denn er f&auml;llt f&uuml;r Amerikas Krieg in Korea.<br /><br />Rocco und seine Kunden und Freunde leben in Elephant Park, einem (fiktionalen) Stadtteil von Cleveland, Ohio. Das ist ein <em>Little Italy</em>, Heimstatt der italienischen Einwanderer. Ihre Charaktere, Historien, Eigenheiten, Abenteuer und Geheimnisse sind der Stoff, aus dem Salvatore Scibona seinen bunten Erz&auml;hlteppich webt, und er kreiert ein breites Repertoire von Protagonisten, darunter ...</p>
<ul style="list-style-type: circle;">
<li>Witwe Constanza Marini: Ihr seliger Gatte, der Arzt Nico, hatte ihr zu seinen Lebzeiten nicht nur medizinische Fachliteratur &uuml;ber "Blutkrankheiten, Anatomie, Ern&auml;hrung, Geburtshilfe und Hygiene" (S. 84) gekauft, sondern ihr &uuml;ber seine Beziehungen zur Universit&auml;tsleitung auch einen Sitzplatz im Vorlesungssaal verschafft. Jetzt kann sie sich mit illegalen Abtreibungen im Kellerraum ihrer Villa einen komfortablen Lebensstandard erwirtschaften und sich dessen endlich auch erfreuen. Denn Nico - "zum Teufel mit ihm" (S. 85) - fand es immer unschicklich, Geld f&uuml;r gutes Essen und Opernbesuche auszugeben.</li>
</ul>
<ul style="list-style-type: circle;">
<li>Ciccio, das lang ersehnte Kind von Carmelina und Enzo: Er wird seiner Mutter nie verzeihen, dass sie an einem Nachmittag in seinem neunten Lebensjahr die Familie ohne ersichtlichen Grund verl&auml;sst. Als Carmelina nach Jahren anl&auml;sslich einer Beerdigung nach Ohio zur&uuml;ckkehrt, zieht er bei Mrs. Marini in den Kellerraum ein.</li>
</ul>
<ul style="list-style-type: circle;">
<li>ein mysteri&ouml;s-kauziger Juwelier, der ein dunkles Geheimnis tr&auml;gt. Zu Ferragosto (Mari&auml; Himmelfahrt) steht er auf einer Br&uuml;cke und hadert mit seinem Leben. Er sucht nach dem Gegenstand seiner Furcht, denn wenn er seiner habhaft werden k&ouml;nnte, k&ouml;nnte er sie ablegen und "die Erf&uuml;llung des Wissenden empfinden" (S. 321). Zwei Frauen faszinieren und irritieren ihn: das M&auml;dchen "im Sch&uuml;rzenkleid mit seinen rosa Beinen" (S. 322), nach dem er vergeblich sucht, und "die Frau mit dem Zwiebelsack aus Jute auf der Schulter, die hinter ihm vor&uuml;ber ging und gekonnt ein Weihnachtslied pfiff" (S. 321). Sind sie real oder Figuren eines Wahns?</li>
</ul>
<p>Macht nicht schon diese kleine &Uuml;bersicht Appetit? Der Plot scheint vielschichtig und verspricht Spannung. Und doch hat meine anf&auml;ngliche Begeisterung leider nicht lange angehalten.</p>
<p>Figurenzeichnung und Plot-Gestaltung sind nicht so konsequent und strukturiert, wie man das wahrscheinlich gewohnt sein wird. Man m&ouml;chte sich gern mit den Personen auseinandersetzen, ihren Weg verfolgen - doch dann erh&auml;lt man in vielen angerissenen Episoden nur kurze Einblicke in individuelle Lebensphasen. Wilde Zeitspr&uuml;nge zwischen 1913 und 1953, leicht surreal anmutende Texteinsch&uuml;be (wie zum Beispiel Mrs. Marinis Heimsuchung durch den Teufel) und &auml;hnliche stilistische und strukturelle Eskapaden erschweren den inhaltlichen &Uuml;berblick ebenso, wie sie die gute alte Identifikation verhindern (wenn man die denn sucht). Manche Figuren driften ab, monologisieren seitenlang - ist das Traum oder ihre Wirklichkeit? Am Ende schlie&szlig;t man das Buch, und viele Fragen bleiben unbeantwortet.<br /><br />"Das Ende" erfordert h&ouml;chste Konzentration und ist durchaus keine leichte Lesekost. Aber durchweg beweist der Autor, &uuml;ber welch beeindruckende Phantasie und Sprachm&auml;chtigkeit er verf&uuml;gt.<br /><br />Salvatore Scibona, 1975 in Cleveland geboren, ist einer der wichtigsten amerikanischen Autoren der j&uuml;ngeren Generation. Nachdem "The End" 2008 in den USA erschien, wurde der Autor mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und f&uuml;r den National Book Award nominiert.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-salvatore-scibona-das-ende.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3716026409/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3716026409" target="_blank">"Das Ende" von von Salvatore Scibona bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3716026409" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[07.04.2012 16:50: Das späte Geständnis des Tristan Sadler von John Boyne]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-john-boyne-das-spaete-gestaendnis-des-tristan-sadler.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-john-boyne-das-spaete-gestaendnis-des-tristan-sadler.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/547.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das späte Geständnis des Tristan Sadler von John Boyne"></a>
							<h2>07.04.2012 16:50: Das späte Geständnis des Tristan Sadler von John Boyne</h2>
							<h3>Zweierlei Feigheit</h3>
							<p><small>Rezension vom 07.04.2012 16:50<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Nach dem Rausschmiss aus dem elterlichen Haus mehr als ein Jahr zuvor ist dies Tristan Sadlers letzter Versuch, sich mit seiner Familie zu vers&ouml;hnen. Vielleicht wird es kein Wiedersehen mehr geben, denn Tristan wird noch am Nachmittag zu seinem Ausbildungslager Aldershot zur&uuml;ckkehren. Wenn er dann mit seiner Kompanie an die Front ausr&uuml;ckt, erwartet ihn in den Sch&uuml;tzengr&auml;ben auf franz&ouml;sischem Boden das wahre Grauen.</p>
<p>Bis zu seiner Versto&szlig;ung war Tristan, der einzige Sohn, in der Metzgerei Sadler &amp; Son als w&uuml;rdiger Nachfolger fest eingeplant, doch jetzt gibt es kein Zur&uuml;ck mehr. Der Vater hat ihn endg&uuml;ltig aus der Familie ausgeschlossen und gibt ihm seinen aufrichtigen Herzenwunsch mit auf den Weg: "Die Wahrheit ist, Tristan, dass es das Beste w&auml;re, wenn dich die Deutschen gleich erwischten." (S. 42)</p>
<p>Was hat der junge Mann blo&szlig; angestellt? Schon der Titel stellt klar, dass Tristan &uuml;ber sehr lange Zeit ein Geheimnis h&uuml;ten wird, und sp&auml;testens nach der kaltherzigen Verabschiedung durch den Vater wird der Leser sich auf die Suche machen nach Hinweisen, die auf ein Vergehen welcher Art auch immer hindeuten.</p>
<p>Schon als Tristan siebzehn Jahre alt ist, will er sich, wie viele M&auml;nner im Europa unmittelbar vor und nach Ausbruch des 1. Weltkriegs, freiwillig f&uuml;r den Dienst an der Waffe melden. Doch daf&uuml;r ist er noch ein Jahr zu jung. Also t&auml;uscht er vor, er sei schon achtzehn.</p>
<p>Im Ausbildungslager lernt er einen au&szlig;ergew&ouml;hnlichen jungen Mann kennen: Anders als die anderen, h&auml;lt sich Will Bancroft, 19 Jahre alt, gern zur&uuml;ck und l&auml;sst sich nicht von der Hochstimmung und den Kriegsgespr&auml;chen der anderen anstecken.</p>
<p>Unruhe bringt Arthur Wolf in die Gruppe. Lautstark verk&uuml;ndet er seine abf&auml;llige Meinung &uuml;ber Soldaten und den Krieg. Er hat einen Antrag als Kriegsdienstverweigerer gestellt. Obwohl das Tribunal seinem Antrag stattgibt, wird Wolf Aldershot nicht lebend verlassen.</p>
<p>Will erkennt immer deutlicher, dass <em>niemand</em> das Heer verlassen, dass <em>niemand</em> der einmal in Bewegung geratenen T&ouml;tungsmaschinerie entrinnen kann. Mit dieser Einsicht geht seine innere Verwandlung einher, deren Richtung er im Briefwechsel mit seiner Schwester Marian auslotet: Was berichten die Zeitungen &uuml;ber diesen Krieg? Gibt es eine Bewegung, die sich f&uuml;r Menschenrechte einsetzt? Gibt es Gruppen, die sich gegen den Krieg zusammenschlie&szlig;en?</p>
<p>F&uuml;hlte sich Tristan in Aldershot seinem Kameraden Will noch eng verbunden, so verliert er ihn nun mehr und mehr; die beiden jungen M&auml;nner entfernen sich voneinander, und in einer eminent entscheidenden Situation steht Tristan nicht auf Wills Seite ... Will f&auml;llt im Krieg.</p>
<p>Orts- und Zeitwechsel: Neun Monate nach Kriegsende trifft sich Tristan mit Wills Schwester in deren Heimatstadt Norwich. Er hat alle Briefe, die sie ihrem Bruder w&auml;hrend des Krieges sandte, mitgebracht, um sie ihr zu &uuml;bergeben. Nicht wissend, was Will und Marian sich gegenseitig geschrieben haben, berichtet Tristan ihr, Will sei der tapferste und mutigste K&auml;mpfer &uuml;berhaupt gewesen, und Marian findet, das sei doch eine gute, erhebende Botschaft, die er auch den Eltern Bancroft &uuml;berbringen sollte.</p>
<p>Dass er selbst gro&szlig;e Schuld auf sich geladen hat, will Tristan Marian gegen&uuml;ber jetzt noch nicht gestehen. Dazu m&uuml;ssen volle sechzig Jahre verstreichen, in denen Tristan sich zu einem gefeierten Autor entwickelt. Als er 1979 in London einen Preis verliehen bekommt, begegnet er Marian, die in der Lounge seines Hotels auf ihn gewartet hat, erneut - und zum letzten Mal. Dabei kommt es zu dem titelgebenden Bekenntnis ...</p>
<p>John Boynes Roman "Das sp&auml;te Gest&auml;ndnis des Tristan Sadler" (den Werner L&ouml;cher-Lawrence &uuml;bersetzt hat) ist zun&auml;chst einmal ein Anti-Kriegsroman. Der Autor schont uns nicht, wenn er schildert, wie zum Teil noch Halbw&uuml;chsige zu blindem Gehorsam gedrillt werden; wie Sergeanten, schier dem Wahnsinn verfallen, die ihnen Unterstellten und Anvertrauten dem Feind zum freien Abschuss pr&auml;sentieren; wie Sch&uuml;tzengr&auml;ben eilends ausgehoben, mit Sands&auml;cken und Stacheldraht best&uuml;ckt werden, um dann zum Lebensraum v&ouml;llig ver&auml;ngstigter, hungernder, frierender junger Soldaten zu werden.</p>
<p>&Uuml;ber diesen zeitbedingten Vordergrund hinaus wirft Boyne grunds&auml;tzliche Fragen auf - sie dr&auml;ngen sich aus dem Handlungsverlauf heraus auf, aus dem Blick auf die Verhaltensweise der Protagonisten. Einerseits betreffen sie die &ouml;ffentliche Moral, die in der Gesellschaft geltenden sittlichen Regeln hinsichtlich Bindungen in der Familie, in der Liebe und in der Freundschaft - und den Versto&szlig; dagegen. Andererseits begegnen uns individuelle Schuld, Feigheit, Verlogenheit ebenso wie Prinzipientreue, standhafter Mut, Pflichterf&uuml;llung bis zum Irrsinn.</p>
<p>Der englische Originaltitel lautet "The Absolutist". Das englische Wort bezeichnet (in diesem selten verwendeten Sinne, der auch dem Ich-Erz&auml;hler erst erkl&auml;rt werden muss) einen radikalen Kriegsdienstverweigerer, der zu keinerlei T&auml;tigkeit bereit ist, die eine kriegerische Auseinandersetzung bef&ouml;rdern k&ouml;nnte. Auch die Pflege von Verwundeten im Lazarett lehnt er ab.<br />Mit dieser Titelwahl r&uuml;ckt der Autor den kompromisslosen Will Bancroft in den Mittelpunkt. Der "absolute" Kriegsgegner vertritt eine Position, die zu seiner Zeit inakzeptabel war - "Feigheit in ihrer extremsten Form" (S. 283) - und die Todesstrafe verdiente; der standhafte Will muss sterben.<br />Der deutsche Titel richtet uns dagegen auf Tristan Sadler aus, den sp&auml;ten Bekenner eigener Schuld. Er &uuml;berlebt, und das in vollem Bewusstsein seiner Verlogenheit. Seine Schande, so hatte er es sich gedacht, sollte erst nach seinem Tode bekannt werden. Von Marian muss er sich sagen lassen: "Sie sind wirklich ein Feigling, Tristan [...] Bis zum Ende" (S. 332).<br />Zwei kontrastierende Begriffe von Feigheit also, und die Titel akzentuieren sie unterschiedlich ...</p>
<p>John Boyne wurde 1971 in Dublin geboren und hat bisher neun Romane verfasst, darunter "<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3596806836/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3596806836">Der Junge im gestreiften Pyjama</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596806836" alt="" width="1" height="1" border="0" />". Er wurde mit zahlreichen internationalen Buchpreisen ausgezeichnet und u.a. f&uuml;r den British Book Award nominiert.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-john-boyne-das-spaete-gestaendnis-des-tristan-sadler.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[04.04.2012 14:45: Erleuchtung von Anne Chaplet]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-anne-chaplet-erleuchtung.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-anne-chaplet-erleuchtung.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/546.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Erleuchtung von Anne Chaplet"></a>
							<h2>04.04.2012 14:45: Erleuchtung von Anne Chaplet</h2>
							<h3>Blutige Erde in Klein-Rhoda und in Lima</h3>
							<p><small>Rezension vom 04.04.2012 14:45<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Kommissar Giorgio DeLange und drei Kollegen von der Frankfurter Polizei befinden sich im Rahmen eines Austauschprogramms in Peru. Die Sightseeing-Tour im Bus - Machu Picchu und Cuzco, 3.400m &uuml;ber dem Meeresspiegel - und die zahlreichen Horrorgeschichten der Reiseleiterin &uuml;ber die Gr&auml;ueltaten der spanischen Eroberer und die bluttriefenden lokalen Riten ("Nos ba&ntilde;amos en la sangre" - wir baden in Blut) sind DeLange schwer aufs Gem&uuml;t und den Magen geschlagen.<br /><br />Vor seiner Abreise nach Frankfurt m&ouml;chte DeLange unbedingt noch den Ort Ayla besuchen. Dort haben in den siebziger Jahren drei Deutsche eine Zeitlang gelebt, unter ihnen der sehr verm&ouml;gende und einflussreiche Finanzberater Dr. Karl-Heinz Neumann aus Frankfurt. Als Hippies wollten sie sich hier getreu dem Leitspruch "Love and Peace" ungez&uuml;gelter Freiheit hingeben.<br /><br />Der peruanische Kollege Tom&aacute;s versucht, DeLange seinen Plan auszureden. Ayla sei ein gef&auml;hrlicher Ort, die "Wiege des B&ouml;sen". Hier entstand die Bewegung "Sendero Luminoso" ("Leuchtender Pfad"), gegr&uuml;ndet von Professor Abimael Guzm&aacute;n, um die Indios zu "befreien". Doch die Gruppe wurde immer radikaler, bis es sich bald um reine Terroristen handelte, die statt Freiheit und Gleichheit den Tod in die D&ouml;rfer brachten. Wer sich ihnen nicht anschloss, wurde auf brutale Weise massakriert ...<br /><br />Welche Rolle hat Dr. Neumann, damals Charly genannt, in dieser Organisation gespielt? Der angesehene B&uuml;rger Frankfurts f&uuml;hrt ein ehrenwertes Leben; eine seiner Aktivit&auml;ten ist die Verwaltung des Spendenkontos einer Wohlt&auml;tigkeitsorganisation, deren Schirmherrin seine Ehefrau Margot von Braun ist. Doch hat er diese Fassade wom&ouml;glich nur aufgebaut, um dahinter Verbrechen im ganz gro&szlig;en Stil zu vertuschen?<br /><br />Kaum zur&uuml;ck in Frankfurt, wird DeLange in die Archivabteilung hinunter gestuft (eine v&ouml;llig unspannende, unmotivierte, &uuml;berfl&uuml;ssige Aktion). Er wird auch zusammengeschlagen und erh&auml;lt eine ganz klare Ansage: Sollte er sich weiterhin mit der Vergangenheit Neumanns besch&auml;ftigen, so sei nicht nur sein Leben bedroht, sondern auch das seiner T&ouml;chter und seiner Freundin, der Staatsanw&auml;ltin Karen Stark.<br /><br />Doch DeLange wei&szlig;, was er zu tun hat: Klammheimlich fliegt er wieder nach Lima, um Licht in das Dunkel des "Leuchtenden Pfades" zu bringen. Nat&uuml;rlich informiert er niemanden &uuml;ber seinen Aufenthaltsort ...<br /><br />Lima und Klein-Rhoda sind zwei Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein k&ouml;nnten, und doch verbindet sie ein seit Jahren nicht aufgekl&auml;rtes Verbrechen: Als sich Neumann im Jahr 1968 nach Peru absetzte, verschwand seine Mitbewohnerin Alexandra Raabe spurlos.<br /><br />Welch eine Steilvorlage f&uuml;r einen superspannenden, bildgewaltigen Krimi an exotischen Schaupl&auml;tzen mit scharfen sozialen und kulturellen Kontrasten auf der Basis ersch&uuml;tternder historischer Vorg&auml;nge! Doch leider nutzt die Autorin das Potenzial ihres Konzepts bei weitem nicht aus. Der &uuml;ber Jahre hin die Geschicke Perus bestimmende maoistische Anf&uuml;hrer Abimael Guzm&aacute;n - 1992 gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt - taucht nur als Name am Rande auf, und seine kommunistische Organisation "Sendero Luminoso" reduziert die Autorin auf die brutalen, blutigen Gemetzel der Terroristen und der ihnen nachfolgenden Milit&auml;rs - die Anfangszeit in den Sechziger Jahren, in der die tragische Entwicklung des Landes ihren Lauf nahm und in denen doch auch Charly Neumann wirkte, blendet sie zu sehr aus. Also eine Entt&auml;uschung: Ich hatte sehr viel mehr Informatives, Kontroverses und Tiefgang erhofft.<br /><br />W&auml;hrend der hessische Kommissar in Peru recherchiert, wird Klein-Rhoda zum Ort des Grauens, wo man t&auml;glich eine neue Leiche findet, ihr Gesicht bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen. Und wie versprochen, werden DeLanges T&ouml;chter und Karen Stark tats&auml;chlich massiv bedroht. Na, wer hat wohl ein Motiv, sich so hemmungslos durchsetzen zu wollen und daf&uuml;r sogar in immer gleicher Weise brutal zu morden?<br /><br />Aber Vorsicht! Liebe, Hass, sp&auml;te Vergeltung - zwar sind diese Motive bisweilen etwas wirr arrangiert, &uuml;berzogen gestaltet und nicht ganz &uuml;berzeugend zu Ende gef&uuml;hrt, aber zu schlicht ist Anne Chaplets "Erleuchtung" nun auch wieder nicht. Nach dem tollen Auftakt verliert er halt leider und wird durchschnittlich.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-anne-chaplet-erleuchtung.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[03.04.2012 14:23: 223 oder Das Faustpfand von Manfred Wieninger]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-manfred-wieninger-223-oder-das-faustpfand.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-manfred-wieninger-223-oder-das-faustpfand.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/545.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="223 oder Das Faustpfand von Manfred Wieninger"></a>
							<h2>03.04.2012 14:23: 223 oder Das Faustpfand von Manfred Wieninger</h2>
							<h3>&quot;Davon geht die Welt nicht unter.&quot;</h3>
							<p><small>Rezension vom 03.04.2012 14:23<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Franz Winkler wurde 1893 in Baumgarten im österreichischen Bezirk Krems geboren. Als 52-jähriger Revierinspektor wurde er im Januar 1945 von seiner Dienststelle in Mautern nach Persenbeug versetzt, um dort stellvertretender Postenkommandant zu werden. 1946 kehrte er nach Mautern zurück. Am 11. August 1967 starb er. Es war die kurze Amtszeit in Persenbeug, die ihn noch bis zu seinem Lebensende verfolgte. Warum?<br /><br />Am Vormittag des 25. April 1945 erhält der Persenbeuger Postenkommandant Engelbert Durchkowitsch telefonisch "einen denkbar unangenehmen Befehl": Er möge ein Auffanglager für Juden einrichten. Für den überzeugten NSDAP-ler ist es ein Ding der Unmöglichkeit, seinen Dörflern jetzt auch noch die "dreckigen, verlausten Itzigs zu Hunderten" (S. 28) zuzumuten, wo sie doch schon seit 1941 von ca. 2000 Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen aus dem Osten, aus Italien und Frankreich umgeben sind und ständig um ihre eigene Sicherheit fürchten. Da reicht Durchkowitsch die undankbare Aufgabe lieber an seinen neuen Stellvertreter, den als "Auswärtigen" ohnehin noch kritisch beäugten Franz Winkler weiter, nicht ohne ihm großzügig freie Hand zu lassen.<br /><br />Winkler ist ein korrekter, ruhiger Beamter. Auf das "Gebrabbel vom nahen Endsieg", "die endgültige Abrechnung mit den jüdisch-bolschewistisch verseuchten Elementen" und ähnliche Parolen pflegt er "mit undeutbarem Schweigen, bestenfalls mit unscheinbaren, indifferenten Gesten" (S. 34) zu reagieren. Er hat nur ein Ziel vor Augen: diesen Krieg zu überleben. Vielleicht bringt ihm die neue Aufgabe am Ende sogar noch ein paar Pluspunkte ein. Die Russen stehen schon vor Wien ...<br /><br />Ein Philanthrop ist Winkler nicht unbedingt, doch sucht er für die bald Ankommenden nach einer Bleibe und bemüht sich beim Bürgermeister um Lebensmittelkarten für sie. Die drei heruntergekommenen einstöckigen Holzbaracken, die einstmals für die Zwangsarbeiter eines projektierten Kraftwerks errichtet wurden, sind besser als nichts.<br /><br />Und dann kommen sie, die Unterzubringenden: Mit letzter Kraft schleppen sich klapperdürre, in Lumpen gekleidete Männer, Frauen, Kinder und Greise, auf dem Rücken kleine Bündel, ihr letztes Hab und Gut, herein nach Persenbeug. Diese 229 ungarischen Juden haben sich in Lagern rund um Wien schier zu Tode geschuftet, bis sie für den Todesmarsch nach Mauthausen zusammengetrieben wurden. Aber für 223 von ihnen wird Persenbeug die letzte Station sein.<br /><br />Denn in der Nacht des 2. Mai 1945 treibt ein SS-Rollkommando erst die Männer, dann die Frauen und Kinder aus dem Lager, um sie auf unbeschreiblich brutale, skrupellose, menschenverachtende Weise zu massakrieren.<br /><br />Tags darauf ringt Winkler beim Anblick der apokalyptischen Leichenberge um Fassung. Und er macht sich Vorwürfe: Wie konnte er die seinem Schutz Anbefohlenen ohne jegliche Bewachung durch seine Gendarmen allein lassen? Vielleicht hätten sie die furchtbare Hinrichtungsaktion verhindern können.<br /><br />Winkler nimmt Ermittlungen auf, und nichts und niemand kann ihm jetzt mehr Angst einjagen oder ihn gar aufhalten. Er hat drei Überlebende, etliche Zeugen wie die Bauern, die kaum zwanzig Schritte vom Tatort entfernt wohnen, dazu Bilddokumente, die ein Fotograf gemacht hat, und ein kleines Paket mit Pässen, Geldbörsen, Brillenetuis, Fotografien und ein paar Zloty - Dinge, die man bei den Toten fand.<br /><br />Nach drei Jahren der Recherche wird Winklers Anzeige am 26. Mai 1948 bei Gericht aufgenommen. Fünfzehn Jahre lang wird dann auf vielen Ämtern gründlich vertuscht, Akten und Indizien verschwinden - bis das Verfahren 1963 endgültig eingestellt wird. Das beschämende Kapitel wirft ein dunkles Licht auf die österreichische Gerichtsbarkeit und Politik: Die Täter konnten sich ihrer Verhaftung entziehen, sie brauchten keine Verantwortung zu übernehmen, ihre Tat wurde nicht gesühnt.<br /><br />Der niederösterreichische Autor Manfred Wieninger wurde durch seine Krimiserie um Kommissar Marek Miert bekannt. Aber schon lange widmet er sich auch der Geschichte seiner Heimat. Mit "223 oder Das Faustpfand" hat er nun ein tatsächlich geschehenes Verbrechen zum Gegenstand seines neuesten Buches werden lassen, wobei er die historischen Unterlagen behutsam bearbeitet und durch fiktionale Passagen ergänzt hat, so dass ein authentischer, gleichzeitig literarisch beachtlicher und anrührender Roman entstand. Seine umfänglichen Recherchen dazu hat er übrigens in "<a href="rezension-manfred-wieninger-das-dunkle-und-das-kalte.htm" target="_blank">Das Dunkle und das Kalte: Reportagen aus den Tiefen Niederösterreichs</a>" veröffentlicht.<br /><br />Die Romanfiguren sind die Zeitzeugen. Wir lesen Revierinspektor Winklers formal korrekt - unter Angabe des "Nationalen" (S. 210) - erfasste Zeugenaussagen ebenso wie Tagebucheintragungen eines Dreizehnjährigen und eines 60-jährigen Handelsvertreters; Kursivdruck betont die Authentizität. Den vielen unbekannten Juden gibt Wieninger Namen und Identität. Wir begleiten den 55-jährigen Mediziner Dr. Henrik Weisz auf einem Stück seines Leidensweges. Präzise Kalenderdaten und Ortsangaben dokumentieren den Wahrheitsgehalt des Erzählten bzw. Berichteten. Wieninger gestaltet auch die Sprache der Zeit entsprechend: bei Bedarf umständlich-hölzernes, distanzierendes Amtsdeutsch, Erzählpassagen und Dialoge in einem steifen, leicht altmodisch anmutenden Vokabular, reich durchsetzt mit niederösterreichischem Dialekt: "San a nur so Tschuschen, nur halt piefkinesische ..." (S. 38). So ähnelt Wieningers Kriminalroman ein wenig einem Dokudrama, der ausgestalteten Rekonstruktion eines geschichtlichen Geschehens.<br /><br />Seit bald sieben Jahrzehnten mindestens ist bekannt, wie die Juden im Dritten Reich geschunden und schließlich systematisch vernichtet wurden. Doch Wieninger konfrontiert uns mit ihren konkret erzählten Lebensbedingungen, mit tatsächlichen individuellen kaltblütigen Mordtaten, dazu mit menschenverachtenden Sprüchen aus dem kontemporären Alltag. Diese Mischung habe ich so noch nicht angetroffen, und sie bereitet mir erneut Angst vor meiner eigenen Spezies.<br /><br />Besonders eine Textseite (S. 145) hat mich so berührt, dass ich mich von dem beschriebenen Bild (der Berge verstümmelter Leichen) abwenden möchte - und doch weiterlesen muss: Denn auf eine poetische Weise, die bis in die tiefste Seele schmerzt, wird erzählt, wie viele der Namenlosen dem Fotografen Markus ihre Namen zuhauchen, "nicht lauter als ein Windhauch, der nicht einmal einen Grashalm zu bewegen vermag. Eva, Judith und Rosa Singer - der Kopf eines Gänseblümchens, der zur Nacht nach unten kippt und gegen seinen Stängel schlägt ... Ihre Schreie bleiben unhörbar für die Lebenden."</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-manfred-wieninger-223-oder-das-faustpfand.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[31.03.2012 19:58: Emily, allein von Stewart O&#39;Nan]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-stewart-o-nan-emily-allein.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-stewart-o-nan-emily-allein.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/544.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Emily, allein von Stewart O&#39;Nan"></a>
							<h2>31.03.2012 19:58: Emily, allein von Stewart O&#39;Nan</h2>
							<h3>Allein - aber nicht einsam</h3>
							<p><small>Rezension vom 31.03.2012 19:58<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Stewart O'Nans Roman "Emily, allein" ist ein ganz zarter, stiller, zur&uuml;ckhaltender, bescheidener Roman. Im Mittelpunkt steht die 80-j&auml;hrige Emily Maxwell, die in einem einstmals repr&auml;sentativen, gutb&uuml;rgerlichen Haus in Pittsburgh wohnt. Ihr Mann Henry verstarb vor ein paar Jahren an Krebs, die Kinder Margaret und Kenneth leben mit ihren Familien zu weit weg, als dass man sich mal eben treffen k&ouml;nnte. Geblieben sind ihr - neben dem immer dicker werdenden Spaniel Rufus - die einzigen festen Bezugspersonen Arlene, ihre Schw&auml;gerin, mit der sie so gut wie t&auml;glich zusammentrifft, und Betty, die mittwochs zum Putzen kommt. Emily kann sich mit ihrem Zustand durchaus gl&uuml;cklich sch&auml;tzen: Zwar nimmt sie besorgniserregend ab und ist ein bisschen gebrechlich, aber im Gro&szlig;en und Ganzen ist sie gesund und geistig rege. Nat&uuml;rlich ist sie sich der unvermeidlichen Tatsache bewusst, dass die ihr verbleibende Lebensspanne immer k&uuml;rzer wird.<br /><br />Wir begleiten Emily ein St&uuml;ck ihres Wegs von der Weihnachtszeit bis zum Sommer. Ihr Alltag ist nicht spektakul&auml;r, alles l&auml;uft ruhig aber best&auml;ndig dahin. Sonntags besucht sie mit Arlene den Gottesdienst, dienstags gehen sie zum Brunch in ein kleines Lokal, und ab und an besuchen sie den Club, in dem Henry viele Jahre lang Mitglied war.<br /><br />Wie sehr sehnt sich Emily nach ihren Kindern und ihren Enkeln! Ein Anruf, ein Postk&auml;rtchen, das w&uuml;rde sie gl&uuml;cklich machen. Aber sie will sich niemandem aufdr&auml;ngen, und ihr Verh&auml;ltnis zu Tochter Margaret ist auch seit Jahren belastet. Die ist geschieden, war lange alkoholabh&auml;ngig, ist oft arbeitslos und kann sich finanziell nur so gerade &uuml;ber Wasser halten. Sohn Kenneth hat ein besseres Los gezogen, als er Lisa, eine Tochter aus sehr reichem Hause, heiratete. Emily jedoch ist Lisas Welt der feinen Kreise am Cape Cod fremd. Zeitlebens war sie eine sparsame, prinzipientreue, ordentliche Frau, die, ganz <em>old-fashioned</em>, zum Beispiel noch Wert auf Weihnachtspost legt. &Uuml;ber die Jahre hin hat sich ihr Eindruck best&auml;tigt und verfestigt, Lisa enthalte ihr Sohn und Kinder bewusst vor und spreche Einladungen zeitlich so knapp aus, dass Emily ihnen gar nicht nachkommen kann. Nun hofft Emily, dass ihr gr&ouml;&szlig;ter Wunsch in Erf&uuml;llung gehen m&ouml;ge: Wenn doch die ganze Familie zum gemeinsamen Weihnachtsfest nach Pittsburgh kommen k&ouml;nnte ...<br /><br />Es sind die leisen, ruhigen T&ouml;ne, die in Stewart O'Nans Roman (&uuml;bersetzt von Thomas Gunkel) so bestechend wirken. Mit welchem Respekt, mit welch z&auml;rtlicher Hinwendung er sich der alten Dame widmet, ist geradezu ein Geschenk f&uuml;r die vielen &auml;lteren Menschen, die sich mit ihrem Alleinsein abfinden m&uuml;ssen und dennoch wie Emily das Beste daraus machen.<br /><br />Bisher habe ich noch keinen Roman dieser Art gelesen. Es gibt jede Menge sehr gute Literatur, die sich mit dem w&uuml;rdevollen Sterben auseinandersetzt, ebenso wie fragw&uuml;rdige Werke, die sich auf Kosten der Alten lustig machen.<br /><br />"Emily, allein" ist inhaltlich schlicht, aber bestechend sensibel f&uuml;r die kleinen Dinge, die das Leben ausmachen k&ouml;nnen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-stewart-o-nan-emily-allein.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3498050397" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[29.03.2012 19:35: Die Rembrandt Affäre von Daniel Silva]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-daniel-silva-die-rembrandt-affaere.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-daniel-silva-die-rembrandt-affaere.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/543.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die Rembrandt Affäre von Daniel Silva"></a>
							<h2>29.03.2012 19:35: Die Rembrandt Affäre von Daniel Silva</h2>
							<h3>Gewundene Wege von Amsterdam nach Ghom</h3>
							<p><small>Rezension vom 29.03.2012 19:35<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Gabriel Allon, seit Jahren als Top-Agent für den israelischen Mossad tätig, hat nach seinem letzten lebensgefährlichen Einsatz in den Tiefen der russischen Birkenwälder seinen Dienst quittiert. Er hat sich in Cornwall zur Ruhe gesetzt, kann sich wieder seiner Leidenschaft als Restaurator widmen und hat vor allem endlich Zeit für seine geliebte Frau Chiara. Die hatte er ja in letzter Sekunde aus ihrer Gefangenschaft durch Iwan Charkow befreit, wie uns in "<a href="rezension-daniel-silva-der-oligarch.htm" target="_blank">Der Oligarch</a>" berichtet wurde. Sie ist schwer traumatisiert und leidet immer noch. Doch lange währt ihre gemeinsame Abschottung nicht.<br /><br />Eines Tages kreuzt in ihrem Cottage Julian Isherwood auf, ein kleines Licht, der einst einen Mini-Auftrag des israelischen Geheimdienstes zu erledigen hatte. Es ist die schiere Verzweiflung, die ihn zu Gabriel treibt, denn er hat privat und anonym ein bislang verschollenes Gemälde von Rembrandt erworben und dann der National Gallery in Washington zum Kauf angeboten. Nun wurde der Restaurator, der das "Porträt einer jungen Frau" überholen sollte, erschossen in seinem Atelier aufgefunden, und das Bild ist verschwunden. Wenn es einer wieder auftreiben kann, dann Gabriel. Doch der zaudert noch. Aber Chiara ist nach dem ersten Blick auf das Foto des Gemäldes so beeindruckt, dass gleich alle Sorgen hintangestellt werden und man beschließt, gemeinsam alles zu tun, um Meisterwerk und skrupellosen Mörder aufzuspüren.<br /><br />Zuerst führt sie ihr Weg nach Amsterdam. Wo Rembrandt seine Kunst schuf, verkaufte im Jahre 1936 ein holländischer Galerist das Bild an einen reichen Juden, Jakob Herzfeld. Gabriel hat keine Hoffnung, dass es noch Angehörige dieser Familie gibt, da in Holland nahezu alle Juden in die Hände der Deutschen fielen. Doch stoßen Gabriel und Chiara im jüdischen historischen Archiv auf den Namen einer Überlebenden: Lena. Die scheue alte Dame lebt zurückgezogen und möchte eigentlich nicht über ihre Vergangenheit sprechen. Immerhin deutet sie an, dass Blut an dem Bild hänge und dass noch weitere Menschen sterben würden. Ihr Vater habe das Bild für einen mickrigen Betrag an einen SS-Mann namens Voss verkauft, im Gegenzug für das Versprechen, die beiden Töchter zu retten. Aber Voss hielt sein Wort nicht; nur Lena nahm er mit, denn sie war blondhaarig. So konnte sie entkommen.<br /><br />Nach dem Krieg konnten viele Nazis mit Hilfe der Kirche und anderer Organisationen nach Argentinien fliehen, unter ihnen auch Voss. Sein kostbares Gemälde ließ er im Gewahrsam Schweizer Banken zurück, und nun zieht der Krimi weite internationale Kreise. Das reiche, saubere und ehrenwerte Alpenländle gibt ja die gigantischen Werte, die im Dunkel seiner Tresore ruhen, nur ungern wieder heraus, und wenn, dann nur nach langwierigen rechtlichen Eigentumsnachweis-Prozeduren. So verblieben Kunstwerke, neben vielen weiteren Schätzen wie Diamanten, Schmuck, Wertpapieren u.ä. aus jüdischer Hand, bei dem eidgenössischen Bankier Martin Landesmann; für den häufelte sich damit so viel Startkapital an, dass er in der Folge ein gigantisches Konglomerat an internationalen Firmen aufbauen konnte und er schließlich zu einem der reichsten Männer der Welt wurde. Durch großzügige Spenden und phänomenale Wohltätigkeitsbälle in seiner Villa am Genfer See - einem Anziehungspunkt für die Haute-Volée - erwirbt er sich den Spitznamen "Heiliger Martin", und doch ist es ihm unangenehm, so apostrophiert zu werden. Denn schließlich weiß niemand besser als er selbst, wer sich hinter der Fassade des Gutmenschen verbirgt: ein geldgieriger, skrupelloser Verbrecher, der seine dreckigen Geschäfte mit jedem zu machen bereit ist - derzeit beispielsweise mit dem Iran.<br /><br />Als sich der Verdacht erhärtet, dass Landesmann dem Iran nützliche Gerätschaften zum Atomanlagen-, wenn nicht -waffenbau liefert, sind wir in Daniel Silvas Lieblingsmetier angekommen, dem Agententhriller. Die Geheimdienste CIA, MI5, MI6 und Mossad schließen sich im Unternehmen "Masterpiece" zusammen. Dessen Zielrichtung ist klar: den Gegner überführen, seine hässlichen Geschäfte beenden. Nur: Wie kommt man an den Mann und seine Schaltzentrale heran? Die Zeiten des Abhörens mittels Wanzen sind längst passé; heutzutage lassen subtilere Methoden wie das Einhacken in PC-Netzwerke, permanente Überwachung der Kommunikationswege und GPS-Ortungen keinen Atemzug des Feindes mehr ungehört verwehen, egal wo auf dem Globus er ausgehaucht wird. Wie immer hat Silva hier gut recherchiert und hält uns auf dem Laufenden über den Stand der Technik.<br /><br />Aber auch über die weltpolitischen Krisenherde. Silva hat da ein gutes Gespür bewiesen. Sein Thriller, im März 2010 in den USA erstveröffentlicht, ist noch zwei Jahre später unverändert brandaktuell. Auch die gestrige Tagesschau (28.3.2012) berichtete wieder, wie schon seit Wochen, über Irans geheimniskrämerische, von aggressiven Tönen gegen Israel begleitete Atompolitik und über die ziemlich unverhohlen geäußerte Bereitschaft Israels, dieser Bedrohung durch einen eigenmächtigen Präventivschlag gegen den Iran ein Ende zu setzen, egal wie hoch der Preis für die Region und die Welt sein kann. Wie der Iran bestreitet, an Atomwaffen zu bauen; wie immer wieder der böse Verdacht aufkommt, dass er dies insgeheim sehr wohl betreibe; wie jede Menge harmlose Einzelteile, die zu solchen Zwecken benötigt werden, aus Europa, Russland, China und den USA ins Land gelangen; wie derlei Machenschaften durch riskante investigative Untersuchungen aufgedeckt werden - damit holt Silvas fiktionaler Plot unsere Realität auf verblüffende und erschreckende Weise ein.<br /><br />Der Polit-Thriller genügt Silva aber offensichtlich nicht. Er stellt einen zweiten, sieben Jahrzehnte in die Vergangenheit ausgreifenden Handlungsstrang um Nazi-Verbrechen und das Rembrandt-Bild daneben (oder voran), der sogar den Titel gibt. Damit mag er eine historische Parallelität oder Kontinuität des Antisemitismus unterstreichen oder auch materielle und persönliche Verflechtungen suggerieren, aber so richtig schlüssig motiviert finde ich dieses duale Konzept nicht.<br /><br />Außerdem stört mich erneut, dass Silva in seinen Thrillern gern ein recht schlichtes Schwarz-Weiß-Bild pflegt; Gut und Böse sind immer klar verteilt. Zum Beispiel sind die Israelis grundsätzlich Opfer; der Rest der Welt hat sich gegen sie verschworen. Ursache - Folge ist bei ihm eine Einbahnstraße: Wechselwirkungen werden bei Silva nicht weiter gestaltet. (NB: Ich spreche von der Romanwelt und kommentiere nicht die reale Politik.)<br /><br />Trotz dieser gewissen Schlichtheit hat mir Daniel Silvas neuester Roman "Die Rembrandt Affäre" in der Übersetzung von Wulf Bergner gut gefallen. Er liest sich zügig und bietet - im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger - einen relativ konzentrierten Erzählstrang. Außerdem fand ich wohltuend, dass der Autor dieses Mal von der anschaulichen Ausgestaltung blutrünstiger Grausamkeiten anlässlich von Folterungen und Tötungen abgesehen hat.<br /><br />Etwas leiser, als man es sonst von Silva gewöhnt ist - und gerade deshalb für mich ein lesenswerter Thriller, der eigentlich gar nichts Neues erschafft, sondern aus tausend Dingen, die wir ohnehin täglich aus den Medien erfahren, einen großen Teppich webt.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-daniel-silva-die-rembrandt-affaere.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[29.03.2012 00:05: Der Sohn von Jessica Durlacher]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jessica-durlacher-der-sohn.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jessica-durlacher-der-sohn.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/542.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Sohn von Jessica Durlacher"></a>
							<h2>29.03.2012 00:05: Der Sohn von Jessica Durlacher</h2>
							<h3>Wer Hass sät, wird Hass ernten</h3>
							<p><small>Rezension vom 29.03.2012 00:05<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>2004 f&auml;hrt der dreizehnj&auml;hrige Mitch mit seinem Gro&szlig;vater Herman Silverstein in dessen Heimatstadt Baden-Baden. Die beiden haben ein vertrautes, inniges Verh&auml;ltnis zueinander, und dem Gro&szlig;vater liegt es am Herzen, seinem Enkel das Haus zu zeigen, in dem er seine Kindheit verbrachte. Nun ist es an der Zeit, seine Lebensgeschichte an die j&uuml;ngste Generation weiterzugeben.<br /><br />Als Einziger seiner Familie konnte Herman der Deportation der Nazis entkommen. Versteckt hinter der doppelten Wand eines Schrankes sah er durch die Ritzen, wie man seine Eltern mit Gewehrkolben schlug. In seinen H&auml;nden hielt er eine Pistole, die ein Freund der Familie hier deponiert hatte. Er konnte damit seine Eltern retten, aber der Schuss w&uuml;rde direkt treffen m&uuml;ssen ... und Herman z&ouml;gerte zu lange. Die kurze Unentschlossenheit konnte er sich Zeit seines Lebens nicht verzeihen.<br /><br />Nach dem Krieg heiratet Herman. Seine kleine Familie muss er geradezu manisch vor allen Unbilden des Lebens besch&uuml;tzen. Seine T&ouml;chter Sara und Tara sind oft aufgebracht, weil er ihnen ihre Freiheit &uuml;ber das Normalma&szlig; hinaus beschneidet.<br /><br />Wie soll es weitergehen, wenn Herman einmal nicht mehr ist? So nimmt er seinem kleinen Enkel, der in Amerika geboren wurde, ein Versprechen ab: "Sei stark! Sch&uuml;tze immer deine Liebsten. Werde ein K&auml;mpfer!" Und Mitch wird ihm diese Bitte erf&uuml;llen; er steckt seinen Lebensplan darauf ab: Schulabschluss, ein Jahr College und anschlie&szlig;end Ausbildung in der US-Elitetruppe der Marines.<br /><br />Als Mitch der Familie bekannt gibt, dass er in die Armee eintritt, bricht f&uuml;r seine Mutter Sara eine Welt zusammen. Sie k&auml;mpft um ihr Kind, will ihn nicht in einem sinnlosen Krieg irgendwo in Afghanistan verlieren. Wenn ihr Vater Herman noch lebte, so glaubt sie, h&auml;tte er sie sicher unterst&uuml;tzt, hat er doch am eigenen Leib erfahren m&uuml;ssen, was es hei&szlig;t, den schmerzlichen Verlust der Familie zu durchleiden. Viel mehr wei&szlig; Sara allerdings nicht &uuml;ber die grausamen Jahre des Krieges, denn Herman hat diese Zeit zu einem Tabu gemacht.<br /><br />Mitch l&auml;sst sich nicht umstimmen. Dass sein Vater Jacob diese Entscheidung bewundert, ver&auml;rgert Sara sehr.<br /><br />Mit Hermans Tod scheint, so empfindet es Sara, auch der Schutzschild zerbrochen zu sein, den er &uuml;ber der Familie auszubreiten vermochte. Bisher war ihnen das Gl&uuml;ck hold gewesen, doch nun schl&auml;gt das Schicksal mit unvorstellbarer, erbarmungsloser Grausamkeit zu. Zun&auml;chst trifft es Sara, dann andere Familienmitglieder, und besonders Tochter Tess wird &uuml;ber das, was man ihr angetan hat, nur mit ihrem Bruder Mitch sprechen k&ouml;nnen. Ist das alles nur Zufall - oder steckt etwas anderes dahinter?<br /><br />Die Autorin entwickelt nun einen atemberaubenden Krimi, in dessen Verlauf Sara gleichzeitig das ihr bis dahin unbekannte Leben der Gro&szlig;eltern und Eltern erforscht. Die Vergangenheit holt die Gegenwart ein in Form von Verbrechen, die gegen Saras Familie ver&uuml;bt werden. Sie werden zu unschuldigen Opfern eines Sohnes, der die Abscheu des Vaters - eines verurteilten Naziverbrechers - in jeglicher Form von Dem&uuml;tigung zu sp&uuml;ren bekam. &Uuml;berzeugt, dass es f&uuml;r ihn nie so gekommen w&auml;re, wenn man tats&auml;chlich alle Juden ausgerottet h&auml;tte, gibt er seinen Hass weiter ...<br /><br />Jessica Durlachers Buch "Der Sohn", 2010 erschienen und jetzt von Hanni Ehlers aus dem Niederl&auml;ndischen &uuml;bersetzt, ragt durch sein Konzept und die Bearbeitung - Historie verwoben mit der Fiktion eines aktuellen Krimis - aus der Masse der Neuerscheinungen heraus. Literarisch ist der Roman innovativ, zeitgem&auml;&szlig; und seri&ouml;s. Die Figuren sind mit ihren Emotionen - Liebe und Eifersucht, Angst und Ekel, Wut und Hass - authentisch und hautnah gestaltet. Der &uuml;berzeugende kriminalistische Handlungsstrang mit der Ohnmacht der Opfer, den unerwarteten Wendungen, den schockierenden Offenbarungen bis hin zum spektakul&auml;ren Auftritt Mitchs wird jeden Leser bis zum Schluss fesseln.<br /><br />Der niederl&auml;ndische Originaltitel lautet "De held". Der deutsche Titel "Der Sohn" ist etwas leiser, aber doch gut gew&auml;hlt, denn auch er erweist sich als offen: S&ouml;hne (und V&auml;ter) spielen in diesem Roman die zentralen Rollen; in welchem Sinn man sie "Helden" nennen kann, m&uuml;ssen Sie am Ende selbst entscheiden.<br />Dieses Buch habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-jessica-durlacher-der-sohn.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[27.03.2012 11:49: Das Ende der Unschuld von Megan Abbott]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-megan-abbott-das-ende-der-unschuld.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-megan-abbott-das-ende-der-unschuld.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/541.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das Ende der Unschuld von Megan Abbott"></a>
							<h2>27.03.2012 11:49: Das Ende der Unschuld von Megan Abbott</h2>
							<h3>Vom Ende des natürlichen Erwachsenwerdens</h3>
							<p><small>Rezension vom 27.03.2012 11:49<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Megan Abbotts neuester Roman "Das Ende der Unschuld" thematisiert das Erwachen von Sexualität, das Suchen danach, die frühe Vorstellung davon. Betroffen sind zwei 13-jährige Mädchen, Lizzie und Evie, und was sie er- und durchleben, ist geprägt von der eigenartigen Doppelgesichtigkeit Amerikas: Auf der einen Seite wird Körperlichkeit aus puritanischer Prüderie verteufelt und unterdrückt, auf der anderen ist den Bürgern jegliche Freiheit garantiert, ihr persönliches Profil zu entfalten und so zu leben, wie sie es für richtig halten. So müssen schon die kleinen Mädels frühzeitig BH tragen, ehe noch irgend etwas zu verstecken ist; gleichzeitig ist es wichtig, sich in der Schulgesellschaft beliebt und angesehen zu machen, was bedeutet, die anderen Gören auszustechen, die gleichaltrigen Jungs scharf zu machen, und das geht nun mal am besten mit hippen und knappen Klamotten. Das Ganze ist allerdings bloß eine oberflächliche Showveranstaltung, denn sich mit den Mitschülern tatsächlich einzulassen ist unter dem Niveau der angesagten Stars, denen alle nacheifern. Welche Highschool-Queen mag sich schon von einem pickeligen, fetthaarigen, hormongesteuert-unreifen Knaben betatschen lassen? Da schwärmt man doch eher für einen erwachsenen, vollendeten Mann.<br /><br />Dusty, Evies ältere Schwester, ist genau der Typ Mädchen, wie sie alle sein wollen: natürlich hübsch, schlank und fröhlich, dazu ein gefeierter Star der Schule, mit vielen Hockey-Pokalen dekoriert - und vor allem Papas Liebling. Dusty geizt nicht mit ihrer Ausstrahlung und bindet den Vater fest an sich. Für Schwester Evie lässt sie keinen Raum; die beiden sind sich spinnefeind und hassen sich innig. Aber in Lizzie, der Ich-Erzählerin, hat Evie seit Kindesbeinen eine Freundin und Vertraute. Sie sind Nachbarskinder, besuchen dieselbe Highschool, und Lizzie erwidert Evies Zuwendung. Das tut sie jedoch keineswegs nur, weil sie einander so nahe stehen, gemeinsam im Bett kuscheln und tuscheln - nein: Lizzie fühlt sich zu Evies Vater hingezogen. Dieser Mr. Verver, Alleinerzieher, ist ein toller Hecht, organisiert Gartenpartys, geht mit den Mädels Bowlen und fährt Rollschuh mit ihnen. Wenn er Lizzie seine Aufmerksamkeit schenkt, seine Hand leicht ihren Arm berührt, dann vibriert ihr Herz, ihr schwindelt, sie spürt ein Ziehen durch und durch. Doch vor Dusty muss sie sich in Acht nehmen, denn die duldet keine Nebenbuhlerin.<br /><br />Alles ändert sich, als Evie eines Tages vom Erdboden verschwindet. Und Lizzie weiß etwas darüber. Da gab es jemanden, der des Nachts zigarettenrauchend im Garten unterm Birnbaum stand und zu Evies Fenster schaute. Oft ist er mit seinem rotbraunen Auto an ihnen vorbei gefahren. Jetzt rückt Lizzie in den Mittelpunkt: Der Polizei erzählt sie tolldreiste Geschichten, und Mr. Verver ist ihr dankbar ergeben. Das erträgt Dusty nicht, sie zieht zu den Großeltern.<br /><br />Nach Tagen taucht Evie wieder auf, doch sie kehrt völlig verändert zurück. Sie war in den Händen eines Mannes. Was er mit ihr angestellt haben mag? Für Lizzie hat die Phantasie keine Grenzen.<br /><br />Doch jetzt finden Evie und Lizzie nicht mehr recht zueinander. Ihre Freundschaft hat einen Riss bekommen, sie vertrauen einander nicht mehr. So wendet sich Lizzie der unnahbaren, eingebildeten Schönheit Dusty zu. Die raunt ihr im Geheimen ein Gespinst aus Lügen zu ... Der Leser glaubt es kaum, in welch abstruser, verquerer, verstörter Gedankenwelt die Mädchen stecken. Sie intrigieren aus reinem Egoismus, verletzen damit andere zutiefst, und die Folgen sind tödlich.<br /><br />Wie amerikanisch, wie repräsentativ ist, was uns hier erzählt wird? Ist das normal, dass sich pubertierende Mädchen nicht mit gleichaltrigen Jungs amüsieren, sondern lieber Männer, die ihre Väter sein könnten, heiß begehren, an geschlechtliche Berührungen denken? Zu mehr darf es freilich niemals kommen, denn eine Beziehung muss - wie Dusty immer betont - rein sein ...<br /><br />Megan Abbott wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Edgar-Allan-Poe-Award, der höchsten Auszeichnung für amerikanische Krimiautoren. Ihr psychologischer Roman "Das Ende der Unschuld", übersetzt von Isabel Bogdan, ist kein reinrassiger Krimi. eine Lektüre, die wohl eher Frauen anspricht. Einen nachhaltigen Eindruck hat das Buch bei mir dennoch nicht hinterlassen - dazu erscheint mir das ganze Konzept denn doch zu typisch amerikanisch.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-megan-abbott-das-ende-der-unschuld.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[26.03.2012 17:53: Die romantischen Jahre von Paul Ingendaay]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-paul-ingendaay-die-romantischen-jahre.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-paul-ingendaay-die-romantischen-jahre.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/540.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die romantischen Jahre von Paul Ingendaay"></a>
							<h2>26.03.2012 17:53: Die romantischen Jahre von Paul Ingendaay</h2>
							<h3>Der Held des Antragsformulardurchschlags</h3>
							<p><small>Rezension vom 26.03.2012 17:53<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/2-star.gif" alt="2 Sterne"></small></p>
							<p><p>Das Cover spricht den Betrachter auf etlichen Ebenen an: Wir sehen zwei Autos - Modelle aus den Sechzigern -, die, ehe sie aneinander vorbeigebraust sind, angehalten haben. Die beiden Fahrer strecken sich zum Anderen hin&uuml;ber - der gepflegte junge Herr aus dem Fenster seines himmelblauen Kompaktwagens und die aparte junge Dunkelhaarige vom schwarzen Ledersitz ihres roten Cabrioflitzers - und k&uuml;ssen einander z&auml;rtlich. Dar&uuml;ber der Titel "Die romantischen Jahre" ... Der Klappentext k&uuml;ndigt als "Helden" einen Versicherungskaufmann an, der eine Aff&auml;re mit einer verheirateten Frau beginnt - aber sein Leben in "tragikomischer Tradition als mittelschweren Schadensfall" betrachtet ... Also b&uuml;rgerliche Wohlstandskinder-Idylle? Unterhaltsame Sixties-Nostalgie? Vielleicht doch irgendwo Hippie-Aufbruch? Achtundsechziger als Existenzgr&uuml;nder? Gesellschaftlicher Konflikt Romantik versus Materialismus? Da kann uns vielerlei erwarten zwischen heiler und gebrochener Welt.<br /><br />Doch welch eine Mogelpackung! Ein junges P&auml;rchen, auf der H&ouml;he der Zeit, chic motorisiert, das sich m&ouml;glicherweise auf verschlungenen Pfaden kennenlernt, ihr zartes Liebespfl&auml;nzchen hegt und pflegt, in Konflikte der Umbruchsjahre ger&auml;t oder auch eine Idylle dagegen h&auml;lt - egal was: Man sucht es vergeblich. Die Schnittmenge zwischen den geweckten Erwartungen und dem nachfolgenden Inhalt ist nur mit der Lupe aufzusp&uuml;ren.<br /><br />F&uuml;r seinen Deb&uuml;troman "Warum du mich verlassen hast" wurde Paul Ingendaay 2006 mit dem Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet. Angesichts dieser Vorschusslorbeeren ignorieren wir also unsere Entt&auml;uschung, um hoffentlich zum wahren inneren Wert des Romans zu finden.<br /><br />Der Versicherungskaufmann Marko Theunissen h&auml;ngt nach Jahren sein Literaturstudium an den Nagel. Orientierungslos wie er ist, l&auml;sst er sich von Anton Orzegowski, dem pers&ouml;nlichen Versicherungsagenten seiner damaligen Freundin Martina, belehren, wie man schnell zu Geld kommt: Kurze Ausbildung, schon besteht man die Pr&uuml;fung zum Versicherungsvertreter und verdient, je nach Engagement und &Uuml;berzeugungskraft, die schnelle Mark. Mit 37 Jahren muss Marko doch nun endlich was aus seinem Leben machen!<br /><br />In Kleinhoek, einem Kaff am linken Niederrhein, kann er eine Agentur &uuml;bernehmen. Doch anders als sein Vorg&auml;nger Willi, der manchen Schaden zum Besten seiner D&ouml;rfler zu regeln wusste, hat's der Marko schwer. Als Zugezogener Versicherungen an den Bauern zu bringen ist schier ein Ding der Unm&ouml;glichkeit, und daran wird sich auch in drei&szlig;ig Jahren nichts &auml;ndern.<br /><br />So lesen wir alles, was wir sowieso schon &uuml;ber die Versicherungsbranche wussten oder wenigstens ahnten - &uuml;ber Policen, Provisionen, Platzhirsche und die Pirsch auf die ahnungslosen Kunden, bei der allein die Quote z&auml;hlt. Auf der Hauptversammlung am Jahresende wird die Bestenliste der bitter rivalisierenden Topverk&auml;ufer zelebriert und mit Boni aufgewertet. Ja, da schwingt zwischen den Zeilen des Autors Ironie, aber solch zarter Esprit schafft es kaum, den Leser &uuml;ber Hunderte Seiten an ein Thema zu fesseln, das mittlerweile wirklich jedem einigerma&szlig;en informierten B&uuml;rger vertraut sein muss und mit dem sogar die Werbung recht kess ironisch umgeht.<br /><br />Es gibt auch ein bisschen Nachdenklichkeit anl&auml;sslich zweier Selbstmorde, die Marko immer wieder besch&auml;ftigen: Einen hat Bruder Gregor, sein Lehrer im katholischen Internat, begangen, den anderen eine Kollegin, die die Intrigen der Branche nicht mehr ausgehalten hat. Doch das bleiben nur angerissene, nicht zu Ende gef&uuml;hrte menschliche Ausnahmesituationen.<br /><br />Und die Liebe vom Titelbild? Wenn denn wenigstens Markos heimliche Beziehung zur seitenspringenden Angela ein prickelndes, geheimnisvolles Abenteuer w&auml;re, bei dem man gerne M&auml;uschen sein m&ouml;chte! Aber auch hier erwarten uns mehr Frust als Lust.<br /><br />So bleibt nur noch die Hoffnung auf den runden Geburtstag von Vater Rudolf. Der alte Herr wird 75, hat eine Makulaerkrankung und ist leicht dement. Vor langer Zeit hat der angesehene und wohlhabende Notar seine Frau Irene f&ouml;rmlich vom Centrecourt weg geheiratet - eine Toptennisspielerin, gerade siebzehn Jahre alt. Die Ehe war von Anfang an eine Farce, wiewohl sie mit drei Kindern gesegnet wird. Aber Sonja leidet unter der verlogenen Beziehung der Eltern und zieht in die Welt hinaus, um sie zu verbessern; Marko kennen wir schon; wenigstens aus dem j&uuml;ngsten Sohn Robert wird was Anst&auml;ndiges: Psychologe, verheiratet, zwei Kinder. Schlie&szlig;lich schafft Frau Irene den Absprung, und sie trennt sich von Rudolf. Zu seinem Ehrentag sollen nun alle zusammenkommen, um in trauter Runde zu feiern, wie es sich in diesem ehrenwerten Haus schickt - oder will man etwa die gro&szlig;e Abrechnung mit ihm machen? Lassen Sie sich &uuml;berraschen - es kommt alles ganz anders.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-paul-ingendaay-die-romantischen-jahre.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[14.03.2012 21:07: Die Münze von Akragas von Andrea Camilleri]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-camilleri-die-muenze-von-akragas.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-camilleri-die-muenze-von-akragas.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/539.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die Münze von Akragas von Andrea Camilleri"></a>
							<h2>14.03.2012 21:07: Die Münze von Akragas von Andrea Camilleri</h2>
							<h3>Taler, Taler, du musst wandern ...</h3>
							<p><small>Rezension vom 14.03.2012 21:07<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Andrea Camilleri assoziieren die meisten deutschen Leser mit Commissario Montalbano. Dabei hat dieser engagierte sizilianische Autor neben jener Krimireihe unz&auml;hlig viele Erz&auml;hlungen mit ganz anderen Themen ver&ouml;ffentlicht. Diese zumeist kleinen, netten, aber hintergr&uuml;ndigen Geschichten liefern einen faszinierenden Blick auf die Menschen, ihre Charaktere, ihr Umfeld, ihr Verhalten - und in manchen F&auml;llen tiefe Einsichten zu ihrer Wesensver&auml;nderung. Nach "Streng vertraulich" und "Das Netz der gro&szlig;en Fische" aus dem Jahr 2011 ist jetzt "Die M&uuml;nze von Akragas", &uuml;bersetzt von Annette Kopetzki, bei Nagel &amp; Kimche erschienen.<br /><br />Wir befinden uns (nat&uuml;rlich) in Camilleris Heimat Sizilien in der fiktiven Stadt Vig&agrave;ta, im Dezember des Jahres 1909. Ein Landbaron l&auml;sst drei M&auml;nner den kn&uuml;ppelharten, steinigen Boden umgraben. Einer von ihnen, Cosimo, traut seinen Augen nicht, als er mit seiner Schaufel einen Brocken auseinanderbricht und ihm eine kleine, mit Erde verkrustete Goldm&uuml;nze entgegenf&auml;llt. Er ist ein armer Gesell, aber f&uuml;r ihn ist es keine Frage, dass er mit diesem zuf&auml;llig gewonnenen Kapital seine Schulden bezahlt: Endlich kann er sich bei Dottor Gibilaro bedanken, der ihm sein verletztes, schon mit Wundbrand infiziertes Bein gerettet hatte; Gibilaros Kollege, Amtsarzt seines Zeichens, hatte es amputieren wollen ...<br /><br />Der Dottore ist ganz aus dem H&auml;uschen, erkennt er doch als Numismatiker sofort diesen einzigartigen Schatz. Diese M&uuml;nze war gepr&auml;gt worden zur Bezahlung der S&ouml;ldner Kampaniens, die 406 v. Chr. f&uuml;r die Akraganiter gegen die siegreichen Karthager k&auml;mpften. Doch die M&uuml;nze, so glaubt der Dottore von Anfang an, wei&szlig;, wohin sie geh&ouml;ren wird, und in der Tat gelangt sie nicht in des Arztes H&auml;nde. Gibilaro sitzt bei der &Uuml;bergabe aufgeregt im Sattel seines Pferdes, reicht seinen Arm unruhig zu Cosimo hinunter, verheddert sich nerv&ouml;s in seinem Steigb&uuml;gel und st&uuml;rzt zu Boden. Schwer verletzt muss er f&uuml;r eine Zeitlang ins Krankenhaus. M&uuml;nze ade! Hoffentlich ist sie noch bei Cosimo ...<br /><br />Als der Dottore endlich wieder gesundet ist und er Cosimo auf dem Gut des Landjunkers aufsuchen will, muss er feststellen, dass man alle drei entlassen und andere eingestellt hat. Der Aufseher hatte sie beobachtet, wie sie unt&auml;tig waren ... Sicher sind die M&uuml;nze und der leidige Unfall schuld daran. Seitdem hat man Cosimo nicht mehr gesehen. Er wird sich doch wohl nicht mit der M&uuml;nze auf und davon gemacht haben? Da steht der Dottore nun vor Cosimos einfachem Haus, welches - ganz ungew&ouml;hnlich - von au&szlig;en verriegelt ist; kein Ger&auml;usch ist zu vernehmen. Mit Gewalt verschafft sich der Dottore Zutritt, und da liegt Cosimo, ermordet und nackt.<br /><br />Nun entwickelt Andrea Camilleri einen kleinen Krimiplot, denn wer w&auml;re nicht scharf auf diese wertvolle M&uuml;nze? Melluso, Polizist in Vig&agrave;ta, tut sein Bestes. Auch das Gericht wird um ein Urteil gebeten: Sollte die M&uuml;nze jemals wieder auftauchen, wem geh&ouml;rt sie dann? Den Erben des Finders Cosimo? Das w&auml;ren Sohn Pietro, ein inhaftierter M&ouml;rder, und Schwester Rosalia, ein Dienstm&auml;dchen.<br /><br />Die M&uuml;nze wandert unterdessen von Hand zu Hand und landet schlie&szlig;lich, Melluso sei Dank, wieder in Vig&agrave;ta. Der Mord und der sagenhafte M&uuml;nzenfund werden zur Schlagzeile gro&szlig;er italienischer Zeitungen, und kein Geringerer als K&ouml;nig Viktor Emanuel III schickt einen Marchese hinunter in die sizilianische Provinz. Welch eine Ehre f&uuml;r den Dottore - er wei&szlig;, was sich geh&ouml;rt ...<br /><br />W&auml;hrend wir Leser nun damit rechnen, dass ein cleverer Trickbetr&uuml;ger auf raffinierte Weise einen Dummkopf &uuml;bert&ouml;lpelt, &uuml;berrascht uns Andrea Camilleri mit einer moralisch sauberen Wendung: Jemandem, der sich treu bleibt, ist der verdiente Lohn gewiss.<br /><br />Wie der Autor in seinen Anmerkungen versichert, st&uuml;tzt er sich auf eine alte Legende, die in seiner Familie von Generation zu Generation weitererz&auml;hlt wurde: Ein Bauer schenkte einem fernen Verwandten, einem Arzt und Numismatiker, eine Goldm&uuml;nze, die er im Erdboden gefunden hatte, und das war die M&uuml;nze von Akragas, dem heutigen Agrigent.<br /><br />Stilistisch ist die Bearbeitung unverkennbar ein typischer Camilleri. So gut, wie er sein Sizilien kennt, so punktgenau beschreibt er Handlungsorte und menschliches Verhalten und stellt seine Figuren auf dieser B&uuml;hne des Lebens um 1900 auf. Sie agieren zeitgem&auml;&szlig;, und ihre Dialoge - kurz, knapp, manchmal deftig, manchmal angemessen devot - zeigen, wessen Kind sie sind. Verschmitzt, wie Camilleri ist, gibt es gen&uuml;gend ironische Textstellen, die uns schmunzeln lassen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-andrea-camilleri-die-muenze-von-akragas.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[14.03.2012 01:06: Der kalte Traum von Oliver Bottini]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-oliver-bottini-der-kalte-traum.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-oliver-bottini-der-kalte-traum.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/538.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der kalte Traum von Oliver Bottini"></a>
							<h2>14.03.2012 01:06: Der kalte Traum von Oliver Bottini</h2>
							<h3>Eine schwer erträgliche Wirklichkeit kehrt zurück</h3>
							<p><small>Rezension vom 14.03.2012 01:06<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Zwanzig Jahre nach dem B&uuml;rgerkrieg auf dem Balkan, dem Worte in vielerlei Hinsicht kaum beikommen k&ouml;nnen, versuchen Autoren, dieses Geschehen und seine Auswirkungen auf die Menschen in Romangestalt zu fassen - "Drift" von Michel Bozikovic <a title="Rezension zu 'Drift' von Michel Bozikovic" href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michel-bozikovic-drift.htm" target="_blank">[Lesen Sie hier meine Rezension.]</a>, "<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3871347124?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3871347124">Die Tigerfrau</a>" von T&eacute;a Obreht, und nun "Der kalte Traum" von Oliver Bottini.<br /><br />Obwohl zahlreiche Fl&uuml;chtlinge mitten unter uns leben, obwohl einige der damals betroffenen Gegenden inzwischen zur EU geh&ouml;ren oder zuk&uuml;nftig geh&ouml;ren werden, und trotz der ausf&uuml;hrlichen medialen Berichterstattung damals ist es erstaunlich, wie wenig die meisten von uns konkret &uuml;ber die Bev&ouml;lkerung, die Ereignisse, die Hintergr&uuml;nde, die Geographie wissen - aber jeder hat vor Augen und Ohren, wie sich der Hass zwischen Serben, Kroaten, Bosniern, Krajina-Serben, Moslems, Orthodoxen in Gefechten und Grausamkeiten entlud, wie sie einander brutal niedermetzelten und aus dem Land vertrieben. Ebenso wie viele Familien wurde auch der fr&uuml;here "Vielv&ouml;lkerstaat" Jugoslawien auseinandergerissen. Die heutige politische Landschaft - Slowenien und Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro - k&ouml;nnen wir auch auf der &Uuml;bersichtskarte betrachten, die Oliver Bottini seinem Roman "Der kalte Traum" beigef&uuml;gt hat, gefolgt von einem mehrseitigen Namens- und Ortsglossar.<br /><br />Bottinis Anliegen war, einen au&szlig;ergew&ouml;hnlich gut recherchierten Politthriller zu schaffen, einen fiktiven Krimiplot, der dem Leser den kalten Schauer &uuml;ber den R&uuml;cken jagt, eingebunden in die historischen Ereignisse zwischen 1991 und 2010. Der Fokus des Autors richtet sich auf den Balkan, aber das globale Zeitgeschehen blendet er nicht aus - die alliierten Bombenangriffe auf Basra, irakische Raketen auf Israel, Demonstrationen gegen den Golfkrieg, die RAF ermordet Detlev Karsten Rohwedder, Berlin wird Hauptstadt Gesamtdeutschlands, die Anerkennung Kroatiens durch Genschers Au&szlig;enpolitik, und bei den Australian Open verliert Ivan Lendl gegen Boris Becker ...<br /><br />Als die serbische Armee 1991 Slowenien und Kroatien &uuml;berf&auml;llt und der B&uuml;rgerkrieg in Jugoslawien seinen Lauf nimmt, da sieht der 20-j&auml;hrige Deutsche Thomas <span class="st">&#262;</span>avar, Sohn kroatischer Gastarbeiter, noch einer gl&uuml;cklichen Zukunft entgegen, ist er doch frischgebackener Abiturient, stolzer Autobesitzer, verliebt in die Serbin Jelena und hat einen Job als Chauffeur f&uuml;r Josip Vrdoljak, den Mitbegr&uuml;nder der "Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft", einer rechtskonservativen Partei. Dann aber w&uuml;hlen ihn die Kriegsbilder im Fernsehen auf, die Berichte, die er im Radio h&ouml;rt, und eine Gro&szlig;demonstration in Stuttgart, bei der Vrdoljak auf der Rednerb&uuml;hne spricht und sein Vater in der Menge zuh&ouml;rt ... Obendrein angestachelt von h&auml;uslichen Diskussionen, erwacht in Thomas ein Verantwortungsgef&uuml;hl f&uuml;r die Heimat seiner Eltern. Ist Kroatien denn nicht auch seine Heimat? Muss nicht auch er einen Beitrag leisten, in den Krieg ziehen? Wenn er geht, wird er Jelena verlieren, die ohnehin als Serbin einen schweren Stand in der kroatischen Familie <span class="st">&#262;</span>avar hat.<br /><br />So wird Thomas zum "Kriegstouristen", zu einem, der nicht st&auml;ndig im Einsatz ist. Als erstes versucht er, in einem Auto des Roten Kreuzes Waffen zu schmuggeln. Dabei wird er sofort erwischt und verhaftet, aber durch einen Prot&eacute;g&eacute;, Dr. Richard Ehringer, Politiker im Referat Jugoslawien des Ausw&auml;rtigen Amtes, wieder freigeboxt. Dann folgen Kriegseins&auml;tze. Unter General Ante Gotovina, dem 2011 zu 24 Jahren Haft verurteilten Kriegsverbrecher, nimmt er an der Operation "Sturm" teil, einer der vier gro&szlig;en S&auml;uberungsaktionen der Kroaten. Im Jahre 1995 verliert sich das Leben Thomas <span class="st">&#262;</span>avars spurlos - angeblich ist er tot, in einem Massengrab verscharrt.<br /><br />Doch im Jahr 2010 interessieren sich auf einmal mehrere Menschen f&uuml;r Thomas. Da tauchen zwei kroatische Geheimdienstler bei Thomas' bestem Freund Marcus Bachmeier in seinem Heimatort Rottweil auf. Was mag er den beiden Schl&auml;chtern erz&auml;hlt haben? Wenig sp&auml;ter findet die Polizei Marcus tot in seiner Scheune auf ...<br /><br />Seit Jahren hat der Kripobeamte Lorenz Adamek nichts mehr von seinem Onkel Dr. Richard Ehringer geh&ouml;rt - nun erh&auml;lt er einen Anruf von ihm: Lorenz m&ouml;ge doch mal die Datenbanken nach einem Thomas <span class="st">&#262;</span>avar durchsuchen. Das sei ein alter Bekannter, den er aus den Augen verloren habe ...<br /><br />In Zagreb ist eine investigative Journalistin, Yvonne Ahrens, auf der Suche nach einem Mann, von dem sie nur ein Zeitungsfoto besitzt. Es zeigt einen kroatischen Soldaten, der einem greisen serbischen Zivilisten eine Pistole an die Schl&auml;fe h&auml;lt; Bildunterschrift: "Ein serbischer Schl&auml;chter zittert vor der gerechten Strafe durch den jungen Kapetan". Und wir ahnen es schon: Der junge Kapetan ist Thomas <span class="st">&#262;</span>avar.<br /><br />Warum wird ausgerechnet jetzt die Hetzjagd auf Thomas <span class="st">&#262;</span>avar er&ouml;ffnet? Wie wird sie verlaufen? Der mehrfach preisgekr&ouml;nte deutsche Autor Oliver Bottini schildert auf ersch&uuml;tternde, fesselnde Weise, was sich da abspielt. Am Ende bleibt der Eindruck des Grauens in einem irrwitzigen Krieg, das Gef&uuml;hl der Ohnmacht gegen verlogene Politiker - und der Horror vor dem Wesen Mensch, das vor nichts zur&uuml;ckschreckt. Kleine und gro&szlig;e Verbrecher haben da ihr dreckiges Handwerk betrieben, sind nach wie vor in Netzwerken verbunden, sch&uuml;tzen einander, r&auml;umen Zeugen aus dem Weg. Lange hat sich Kroatien geweigert, seine Kriegsverbrecher an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag auszuliefern; erst unter dem Druck der EU-Beitrittsverhandlungen hat sich etwas bewegt. Viele Folterknechte laufen immer noch frei herum und besetzen hohe, einflussreiche Posten.<br /><br />Bottinis Politthriller k&ouml;nnte fast eine geschichtliche Lektion sein. Ein wenig W&auml;rme erh&auml;lt "Der kalte Traum", der leider kein Traum geblieben ist, durch die kitschfrei erz&auml;hlte intensive Beziehung zweier Menschen, die ihre Liebe nur im Geheimen leben k&ouml;nnen.<br /><br />Alles hat seinen Preis, auch die Lekt&uuml;re dieses gro&szlig;artigen Buches: Der Leser wird stark gefordert durch die vielen, f&uuml;r unseren Sprachraum schwierig zu merkenden Namen, und da hilft auch das Glossar kaum weiter. Aber die meisten sind ohnehin nur Schall und Rauch: Die Kernhandlung wird sehr lange im Ged&auml;chtnis bleiben.<br /><br />Dieses Buch habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-oliver-bottini-der-kalte-traum.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3832196595/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3832196595" target="_blank">"Der kalte Traum" von von Oliver Bottini bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[12.03.2012 00:01: Du und ich von Niccolò Ammaniti]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-niccolo-ammaniti-du-und-ich.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-niccolo-ammaniti-du-und-ich.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/526.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Du und ich von Niccolò Ammaniti"></a>
							<h2>12.03.2012 00:01: Du und ich von Niccolò Ammaniti</h2>
							<h3>Lorenzo wird enttarnt</h3>
							<p><small>Rezension vom 12.03.2012 00:01<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>"Du und ich" ist der deutsche Titel des neuesten Romans "Io e te" (2010) von Niccol&ograve; Ammaniti. Piper hat das Buch jetzt in der &Uuml;bersetzung von Ulrich Hartmann als <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3492055044/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492055044">gebundene Ausgabe</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3492055044" alt="" width="1" height="1" border="0" />, in elektronischer Version <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B0070XF0FU/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0070XF0FU">f&uuml;r den Kindle</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B0070XF0FU" alt="" width="1" height="1" border="0" /> sowie als <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3869521163/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3869521163">H&ouml;rbuch</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3869521163" alt="" width="1" height="1" border="0" />, gelesen von Hans L&ouml;w, auf den Markt gebracht, und das ist gut so.</p>
<p>Der italienische Kultautor f&uuml;hrt uns wieder in die Innen- und Au&szlig;enwelt eines empfindsamen, intelligenten, nachdenklichen Vierzehnj&auml;hrigen, der sich in einer schwierigen Lage bew&auml;hren muss. Lorenzo w&auml;chst in einer wohlhabenden b&uuml;rgerlichen Familie in Rom auf: Mama betreibt eine Galerie, Papa ist ein wichtiger Gesch&auml;ftsmann, den Haushalt f&uuml;hrt Faktotum Nihal, man wohnt in einem Palazzo, den man der Gr&auml;fin Nunziante abgekauft hat, man hat Urlaubsdomizile auf Capri und in Cortina, und der Sohn besucht eine Privatschule. In diesem Umfeld hat Lorenzo eine umfassende Allgemeinbildung und einen guten Geschmack gewonnen, und er kann seine Mitmenschen und sich selbst analysieren.</p>
<p>Aber er isoliert sich. Deswegen machen sich seine Eltern um ihn und mit ihm Sorgen. Als er j&uuml;nger war, heuerten sie Au-Pair-M&auml;dchen an, damit er Gesellschaft habe, und sie lie&szlig;en ihn psychiatrisch untersuchen. In der Tat hapert es mit seinem Selbstbewusstsein und seiner Akzeptanz durch Gleichaltrige: "Verzieh dich, du Bazille." (S. 41) So will er vor allem seine Ruhe haben und beobachtet seine Mitsch&uuml;ler aus sicherer Distanz.</p>
<p>Eine Zeitlang versucht er es mit Mimikry - "... eine Fliege, die Wespen imitiert. [...] Sie tut nichts, sie ist harmlos. Doch als Wespe verkleidet wird sie von den V&ouml;geln, den Eidechsen, sogar den Menschen gef&uuml;rchtet. Sie kann ganz ruhig in Wespennester eindringen, die zu den gef&auml;hrlichsten und bestbewachten Orten der Welt geh&ouml;ren, und niemand erkennt sie. [...] Das war es, was ich tun musste. Die Gef&auml;hrlichsten imitieren." (S. 42) - aber bald sieht er ein, dass er damit nicht zu sich selbst findet. Er sucht die N&auml;he der attraktiven Alessia Roncato und drei weiterer Mitsch&uuml;ler, die er wegen ihrer engen Freundschaft untereinander und ihrer arroganten Selbstsicherheit und Abgehobenheit bewundert. Lorenzos Mutter weint heimliche Tr&auml;nen des Gl&uuml;cks, als er ihr eines Tages berichtet, dass Alessia ihn eingeladen hat, die Winterferien mit ihrer Familie in Cortina zu verbringen ...</p>
<p>Damit haben wir das erste Drittel des Buches genossen, und es sind lediglich die Grundlagen geschaffen f&uuml;r das, was kommen muss. Denn Lorenzo muss erfahren, dass die Welt noch ganz andere Seiten zu bieten hat. Im r&ouml;mischen Innenstadtverkehr kollidiert Mamas feiner BMW mit dem Au&szlig;enspiegel eines Smart, und dessen derber Besitzer steigert sich, angeheizt durch seine robuste Beifahrerin, in &uuml;belste Schimpftiraden, bis die feine Dame gedem&uuml;tigt auf dem Pflaster liegt.</p>
<p>Lorenzos wichtigste Partnerin im Kammerspiel dieses kleinen Romans tritt aber erst jetzt in die Handlung ein: Es ist Olivia, Lorenzos Halbschwester aus der ersten Ehe seines Vaters mit einer Mail&auml;nder Zahn&auml;rztin. Sie ist nicht nur neun Jahre &auml;lter, sondern hat ein erheblich ungesch&uuml;tzteres Leben hinter sich als ihr Halbbruder. Die Tiefen, die sie durchschritten hat, waren Lorenzo bis jetzt g&auml;nzlich unbekannt. Den bitteren Wahrheiten - &uuml;ber sie, &uuml;ber seine Eltern, &uuml;ber die Welt, &uuml;ber sich selbst - kann Lorenzo nicht ausweichen, denn so, wie er selbst diese Episode seines Lebens eingef&auml;delt hat, sind die beiden gezwungen, sich aufeinander einzulassen, einander zu akzeptieren - und sich selbst.</p>
<p>Niccol&ograve; Ammaniti beherrscht zwei Kunstst&uuml;cke besonders gut: Erstens: Aus einem unscheinbaren Anfangsereignis - ein mehr oder weniger durchschnittlicher Erwachsener trifft auf einen anderen oder hat eine Idee, einen Plan, eine Obsession - entwickelt er einen Handlungsstrang, der mehr und mehr aus den Fugen ger&auml;t, sich ins Absurde steigert und am Ende wom&ouml;glich alle Beteiligten (und Unbeteiligte) verschlingt [<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3596177596/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3596177596">Fort von hier</a><img style="border: none!important; margin: 0px!important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596177596" alt="" width="1" height="1" border="0" /> ("Ti prendo e ti porto via", 1999); "Che la festa cominci" (2009; <a href="rezension-recensione-niccolo-ammaniti-che-la-festa-cominci.htm" target="_blank">lesen Sie hier meine Rezension der italienischen Originalausgabe)</a>]. Zweitens: Er man&ouml;vriert einen Heranwachsenden in eine Lage, in der er ganz unerwartet mit den wesentlichen Dingen des Lebens konfrontiert wird, damit fertig werden muss und daran w&auml;chst [<a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3442457181/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3442457181">Ich habe keine Angst</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3442457181" alt="" width="1" height="1" border="0" /> ("Io non ho paura", 2001); <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3596177588/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3596177588">Wie es Gott gef&auml;llt</a><img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596177588" alt="" width="1" height="1" border="0" /> ("Come Dio comanda", 2006; <a href="rezension-recensione-niccolo-ammaniti-come-dio-comanda.htm" target="_blank">lesen Sie hier meine Rezension der italienischen Originalausgabe)</a>); Du und ich ("Io e te", 2010)]. Beide Modelle gestaltet Ammaniti, obwohl ihre Plots auf der Realismus-Skala weit auseinander liegen, &uuml;berzeugend und &auml;u&szlig;erst erfolgreich - Beweis f&uuml;r seine wahre Qualit&auml;t. Seine B&uuml;cher - beide Modelle - sind au&szlig;erdem unterhaltsam, packend, witzig und trocken-realistisch erz&auml;hlt, was f&uuml;r ungetr&uuml;bten Lesespa&szlig; sorgt. Die Dialoge sind knapp, die Episoden pointiert, Situationen und Sprache sind mitten aus dem italienischen Alltagsleben gegriffen. Tiefsch&uuml;rfende Reflexionen, bedeutungsschwangere Andeutungen, ausschweifende Schilderungen sucht man vergeblich. Und doch &uuml;berrascht jedes einzelne Buch den Leser durch seinen eigenst&auml;ndigen Charakter.</p>
<p>Thematisch ist "Du und ich" in diesem Kontext eher besinnlich, am Ende anr&uuml;hrend, aber dennoch - falls das denn ein Gegensatz ist - eine unterhaltsame Lekt&uuml;re.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-niccolo-ammaniti-du-und-ich.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492055044/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492055044" target="_blank">"Du und ich" von von Niccolò Ammaniti bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[10.03.2012 15:08: Niceville von Carsten Stroud]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-carsten-stroud-niceville.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-carsten-stroud-niceville.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/536.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Niceville von Carsten Stroud"></a>
							<h2>10.03.2012 15:08: Niceville von Carsten Stroud</h2>
							<h3>Das Böse fordert Vergeltung</h3>
							<p><small>Rezension vom 10.03.2012 15:08<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Wer fünfhundert Seiten, vollgepackt mit Verbrechen und reichlich Mystery, arrangiert in etlichen parallelen Handlungssträngen, durchhält, um am Ende so gut wie keinen Schritt näher an die Lösung all der aufgeworfenen Rätsel gekommen zu sein, der muss schon so etwas wie Lesesportsgeist mitbringen. Denn aufgepasst: Geduldiges Warten ist angesagt. Fortsetzung folgt im Februar 2013, der dritte Teil dann im Februar 2014. Bis dahin werden uns Autor Carsten Stroud und sein Übersetzer Dirk van Gusteren an der langen Leine halten, peu à peu das Dunkel lichten, bis wir endlich nach zwei Jahren (!) den vollen Durchblick genießen werden.<br /><br />Der Titel lässt schon Ironie vermuten - ist jedoch sogar blanker Sarkasmus. Das Kleinstädtchen "Niceville", wo der Dreiteiler spielt, ist ein netter Ort; bloß verschwanden da seit 1928 mehr als 200 Menschen spurlos. Bevor die Weißen sich hier niederließen und die Gründerfamilien - die Cottons, die Teagues, die Haggards und die Walkers - ihren Reichtum anhäuften, gehörte das Land den Cherokee-Indianern. Schon die wussten und spürten das Böse, die Bedrohung, die ihren Ursprung in "Tallulah's Wall", einem riesigen Felsmassiv in der Nähe, hat. Oben auf einem Plateau ruht der "Crater Sink", ein tiefer, undurchsichtiger See. Irgend etwas Undefinierbares an diesem Gewässer fordert Vergeltung, frisst alles Lebende auf, und mit jeder Generation pflanzt sich das Böse fort und fort ...<br /><br />Rätselhafte Gefahr geht von einem alten Spiegel aus dem 17. Jahrhundert aus. Auf dem Nachhauseweg von der Schule verschwindet der Junge Rainey spurlos, nachdem er wie jeden Tag seine Nase am Schaufenster einer Pfandleihe plattgedrückt hatte, um fasziniert in diesen Spiegel zu starren. Jahre zuvor war bei einem Autounfall eine Frau verstorben, die mit ihren letzten Atemzügen immer wieder rief: "Sie benutzt die Spiegel."<br /><br />Neben diesem eigenartigen, mystischen Geschehen, das Carsten Stroud breit anlegt, gibt es im beschaulichen Niceville auch ganz normale Verbrechen wie zum Beispiel einen Banküberfall. Vier Polizisten nehmen sofort die Verfolgung der beiden Räuber auf, doch ein Ex-Cop, der mit den Gangstern Kasse machen möchte, erschießt seine Kollegen skrupellos mit einem Präzisionsgewehr.<br /><br />Ein Mann verliert einen Sorgerechtsstreit vor Gericht, will sich für dieses erlittene Unrecht an der Gesellschaft rächen und verbreitet im Internet anonym pornografische Bilder; damit treibt er einen anderen zu einer amokartigen Geiselnahme mehrerer Kinder. Und so geschieht noch dies und das. Die wenigen Guten kann man an einer Hand abzählen, denn so gut wie jeder im netten Niceville hat Dreck am Stecken. Moralisch ist es recht trübe da, die Aufklärung hat den Ort noch nicht ganz erreicht, und passend dazu ziehen schwarze Krähenschwärme ihre Bahnen und verdüstern den Himmel symbolisch wie konkret.<br /><br />Im Laufe des Bandes lernen wir wohl alle Einwohner, mit denen Stroud sein Städtchen bevölkert, namentlich kennen. Jedem Kapitel spendiert er eine Überschrift, die zunächst als harmloser Aussagesatz daherkommt, aber alsbald ihren Zynismus erkennen lässt. Die Handlungsorte wechseln am laufenden Band. Angesichts dieser Vielfalt erstaunt es, dass der Leser nicht den Faden verliert. Aber vielleicht behält er den Überblick auch nur dann problemlos, wenn er das Buch an einem Wochenende in einem Rutsch durchlesen kann. Ansonsten empfiehlt es sich, einen Spickzettel anzulegen - auch als Erinnerungsstütze für den nächsten Band zwölf Monate später ...<br /><br />Ein Krimi der anderen Art. Ich bin kein Fan des Fantasy-Genres und erhoffe mir deshalb, dass die in diesem ersten Teil angelegten mystischen Elemente in den Fortsetzungen nicht überhand nehmen und uns in zwei Jahren ein überzeugender, logischer Schluss erwartet.<br /><br />Also dann bis zum nächsten Jahr in "Niceville - die Rückkehr".</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-carsten-stroud-niceville.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[06.03.2012 14:26: Das erste Jahr ihrer Ehe von Anita Shreve]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-anita-shreve-das-erste-jahr-ihrer-ehe.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-anita-shreve-das-erste-jahr-ihrer-ehe.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/535.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Das erste Jahr ihrer Ehe von Anita Shreve"></a>
							<h2>06.03.2012 14:26: Das erste Jahr ihrer Ehe von Anita Shreve</h2>
							<h3>Der Preis der Eifersucht</h3>
							<p><small>Rezension vom 06.03.2012 14:26<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Patrick und Margaret haben vor f&uuml;nf Monaten in Boston geheiratet. "Das erste Jahr ihrer Ehe" verbringen sie in Kenias Hauptstadt Nairobi. Dort widmet sich Patrick neben seiner praktizierenden T&auml;tigkeit als Arzt intensiv seinen pharmakologischen Forschungsarbeiten. Margaret wird erst sp&auml;ter nach einer Arbeit suchen.<br /><br />Zun&auml;chst ist Margaret von der afrikanischen Exotik inklusive Flora und Fauna begeistert. Doch bald bekommt sie die Schattenseiten und Extreme des Landes am eigenen Leib zu sp&uuml;ren: Patrick und sie werden mehrfach bestohlen, ihr gemietetes Haus wird restlos gepl&uuml;ndert. W&auml;ren die beiden vor Ort gewesen, h&auml;tten die Einbrecher sie schonungslos erschlagen.<br /><br />Doch noch sind wir am Anfang des Romans. Das junge Paar wird von Arthur und Ehefrau Diana, die ihnen ein Cottage vermietet haben, zu einem Abendessen geladen. Man kennt sich eigentlich kaum, und doch entsteht der Plan, gemeinsam eine Bergtour zu unternehmen. Auf den Mount Kenya soll es gehen, Afrikas zweith&ouml;chsten Berg, 5.100m hoch. Mit Bergf&uuml;hrer, Lastentr&auml;ger, Zwischen&uuml;bernachtungen, richtiger Ausr&uuml;stung und Medikamenten sollte das sogar f&uuml;r Untrainierte wie Margaret zu schaffen sein. Ein holl&auml;ndisches Ehepaar, gute Freunde von Arthur und Diana, wird sich anschlie&szlig;en.<br /><br />In der Zeit bis zur Expedition kommen sich Diana, Arthur, Patrick und Margaret etwas n&auml;her. Man nimmt die leichten charakterlichen Besonderheiten und Verhaltensweisen wahr; aber Freundschaft will nicht aufkommen, nicht einmal Sympathie. Diana erweist sich als ruhelose, selbstgef&auml;llige Sch&ouml;nheit, die immer die erste Geige spielen muss; Arthur, ein arroganter Verkaufsleiter, ist Margaret unangenehm, da er st&auml;ndig seine Hand auf ihre Schulter legen, sie leicht an der H&uuml;fte umfassen muss. Selbst Patrick f&auml;llt dies auf.<br /><br />Der Anstieg auf den Mount Kenya wird f&uuml;r alle zur Belastung, weil Margaret, v&ouml;llig &uuml;berfordert, immer die Letzte ist. Nach Sumpflandschaft und Schotterhalden droht nun die Querung des Gletschers, bei der alle diszipliniert angeseilt nur dem F&uuml;hrer folgen m&uuml;ssen. Pl&ouml;tzlich l&ouml;st sich Diana vom Seil, setzt sich von der Gruppe ab, keiner kann sie zur&uuml;ckhalten, da verliert sie den Halt und st&uuml;rzt in eine Eisspalte.<br /><br />Alle sind sich einig: Die Schuldige ist Margaret. Denn Ausl&ouml;ser der t&ouml;dlichen Katastrophe war am Morgen vor dem Aufbruch eine verf&auml;ngliche Lage, in die Arthur und Margaret geraten waren und die zu einem Streit zwischen Diana und Arthur gef&uuml;hrt hatte; Diana hat ihre Wut mit sich auf den Gletscher getragen.<br /><br />Arthur schreit mit schmerzverzerrtem Gesicht, und auch Patrick kann nur auf diese hilflose Weise seine Emotionen ausdr&uuml;cken. Doch sie gelten mehr seiner Partnerschaft mit Margaret. Fortan leben sie eher nebeneinander her, und ihr Bem&uuml;hen, ihre Liebe zu vertiefen, scheitert immer wieder an schicksalhaften, dummen Situationen.<br /><br />Margaret findet eine Anstellung als Fotografin bei Nairobis einziger liberaler Zeitung. St&auml;ndig ist sie unterwegs mit Redakteur Rafiq, der aus Idi Amins Uganda vertrieben worden war. Sie f&uuml;hlt sich zu Rafiq hingezogen, doch der kann eine Liaison mit einer verheirateten Frau nicht zulassen ...<br /><br />Um ihre Ehe doch noch irgendwie zu kitten, l&auml;sst Margaret sich von den &Uuml;berredungsk&uuml;nsten ihres Mannes dazu bewegen, noch einmal auf den Mount Kenya zu steigen, zum Gedenken an Diana und zur Abbitte. Doch nur Margaret erreicht den Gipfel, w&auml;hrend Patrick von seiner H&ouml;henkrankheit bezwungen wird - eine Metapher f&uuml;r ihre gescheiterte Zweisamkeit?<br /><br />Anita Shreves Roman "Das erste Jahr ihrer Ehe" hat mich bis zum H&ouml;hepunkt der Spannungskurve, der Katastrophe auf dem Gletscher, sprachlich und inhaltlich begeistert. Doch danach pl&auml;tschert die Erz&auml;hlung leider nur noch an der Oberfl&auml;che weiter. Mit der Gestaltung der Beziehungskrise, die zwischen Diana und Arthur schon vor der Bergtour vorhanden gewesen sein muss, beweist die Autorin, dass sie einen Plot glaubhaft und realistisch entwickeln kann, aber es gelingt ihr nicht, ihn wirklich befriedigend zu Ende zu bringen. Denn Arthur fliegt nach London, und das war's dann. Der Beziehung scheinen Vertrauen und Glaube, die eine Partnerschaft durch manche Krise tragen k&ouml;nnen, schon im "erste[n] Jahr ihrer Ehe" abhanden gekommen zu sein. <br /><br />Auch die Behandlung der Schuldfrage im Zusammenhang mit der Katastrophe &uuml;berzeugt nicht recht. Wie kann denn ein nichtiger Anlass, ein allt&auml;gliches Missverst&auml;ndnis, die Fehldeutung einer harmlosen Situation, eine intelligente Erwachsene dazu treiben, in vollstem Bewusstsein der t&ouml;dlichen Gefahren um sie herum jegliche Kontrolle &uuml;ber sich aufzugeben? Und worin besteht Margarets Schuld, ob vorgeblich oder echt? Was rechtfertigt die Urteile der anderen Betroffenen gegen sie? Wieso spricht sie nicht ein paar einfache Worte zu ihrer Entlastung? Der Autorin geht es offenbar um die Zuspitzung, nicht um die schl&uuml;ssige Motivierung, und das l&auml;sst uns fragend zur&uuml;ck, vor allem wenn wir nicht so puritanisch durchtr&auml;nkt sind wie die Protagonisten.<br /><br />Bei zahlreichen anderen im Grunde interessanten Themenkreisen erweist sich der Untergrund als &auml;hnlich sandig. Zum Beispiel deckt Chefredakteur Obok mit Rafiq ein grausames Verbrechen auf: Man findet die Leichen von 60 Studenten, verscharrt in einem Massengrab. Rafiq wird des Landes verwiesen, Obok verhaftet und in st&auml;ndig wechselnden Erdl&ouml;chern gefangen gehalten. Margaret engagiert sich, schreibt an internationale Zeitungen, auch an Amnesty International ... und das war's schon wieder. Schade, da w&auml;re doch noch so viel mehr Z&uuml;ndstoff drin gewesen. Es ist das Jahr 1977; Kenia, seit vierzehn Jahren unabh&auml;ngig, befindet sich im Umbruch; Jomo Kenyatta, sein erster und einziger Pr&auml;sident, hat seinen Glanz eingeb&uuml;&szlig;t; nach langj&auml;hrigem Aufschwung sind Freiheiten geschrumpft, Entt&auml;uschungen gewachsen ... Wenn das alles gar nicht interessiert, wozu ist die Handlung der Beziehungsstory dann hier angesiedelt und nicht in den USA verblieben, wo es auch hohe Berge gibt?<br /><br />Wie Titel und Coverfoto schon nahelegen, bleibt Anita Shreves "Das erste Jahr ihrer Ehe" (&uuml;bersetzt von Mechtild Sandberg) also auf dem Niveau eines durchaus gut lesbaren, netten Unterhaltungsromans, der wahrscheinlich mehrheitlich Frauen ansprechen soll und wird.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-anita-shreve-das-erste-jahr-ihrer-ehe.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[03.03.2012 19:08: Unter Feinden von Georg M. Oswald]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-georg-m-oswald-unter-feinden.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-georg-m-oswald-unter-feinden.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/534.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Unter Feinden von Georg M. Oswald"></a>
							<h2>03.03.2012 19:08: Unter Feinden von Georg M. Oswald</h2>
							<h3>Weltstadt ohne Herz</h3>
							<p><small>Rezension vom 03.03.2012 19:08<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Georg M. Oswalds neuer Krimi "Unter Feinden" spielt in M&uuml;nchen - und zieht allen wei&szlig;-blauen Erwartungen schnell die Schuhe aus. Denn der bayrischen "Weltstadt mit Herz" gehen in diesem Roman nicht nur Wei&szlig;wurscht-Gem&uuml;tlichkeit und Bussi-Bussi-Schickeria ab, sondern Gesetz und Moral gleich mit.<br /><br />Markus Diller und Erich Kessel hei&szlig;en die beiden Polizeibeamten in Zivil, die da im BMW (na wenigstens das ...) sitzen und eine konspirative Wohnung observieren. Hier im Stadtteil Westend sind 50% der Einwohner Ausl&auml;nder, und damit sind nicht etwa Preu&szlig;en (oder gar Franken) gemeint, sondern zum Beispiel die "Arabs", die sich da dr&uuml;ben unter einem Basketballkorb tummeln. Als Diller kurz den Wagen verl&auml;sst, zieht es seinen zur&uuml;ckgelassenen Partner hin zu den Typen. Denn Hauptkommissar Kessel ist hochgradig drogenabh&auml;ngig und braucht dringend neuen Stoff (und damit ist nicht Wei&szlig;bier gemeint). Wenngleich keine Bayern, verf&uuml;gen die Typen doch &uuml;ber eine gesunde Menschenkenntnis: <em>Dope</em> an einen <em>cop</em> vertickern? Bestimmt nicht! Abhauen soll er gef&auml;lligst. Aber Kessels Not ist gro&szlig;, er zieht die Waffe, verschafft sich damit sein T&uuml;tchen, kehrt zum Wagen zur&uuml;ck - und dann nichts wie weg. Den riesigen "Pitbull", der ihn mit seinem Baseballschl&auml;ger bedroht, &uuml;berrollt er, ohne das Bremspedal zu ber&uuml;hren ...<br /><br />Das war's dann wohl f&uuml;r die beiden langj&auml;hrigen Freunde und Kollegen: Ende der Karriere. Dabei hat Diller sich gerade ein Reihenh&auml;uschen leisten k&ouml;nnen und seinen Sohn Luis auf einer teuren Privatschule angemeldet. Und Kessel ist erst seit kurzem wieder im Dienst, angeblich <em>clean</em> mit einwandfreiem Bluttest.<br /><br />Doch am n&auml;chsten Morgen sieht die Welt &uuml;berraschenderweise ganz anders aus: M&uuml;nchen leuchtet - und damit ist das Gegenteil des Zaubers gemeint, den Thomas Mann einst in diese Formulierung bannte. In der Nacht hatte sich aufgestaute Wut entladen, wie schon andere Metropolen der Welt das durchlitten haben: Erst gingen die Ghettos in Flammen auf, Barrikaden wurden errichtet, die Krawalle weiteten sich aus, in der Innenstadt wurden noble Gesch&auml;fte gepl&uuml;ndert. Beamte und Bundesgrenzschutz r&uuml;cken an, um des Ausnahmezustandes Herr zu werden.<br /><br />Da sind Diller und Kessel also vorerst aus der Schusslinie. Der erstere macht <em>business as usual</em>; er muss Sicherheitsma&szlig;nahmen f&uuml;r die in wenigen Tagen stattfindende Sicherheitskonferenz der G8-Staaten organisieren. Gerade wurde am M&uuml;nchner Flughafen ein Mann verhaftet, den der pakistanische Geheimdienst als Terrorist angek&uuml;ndigt hatte. Jetzt sitzt er in Stadelheim ein, und Diller muss seine wahre Identit&auml;t kl&auml;ren.<br /><br />Kessel meldet sich derweil krank. Gefangen in einem Wust von Erpressung und dunklen Gesch&auml;ften, wird er immer tiefer in den Abgrund gesogen, begeht eine Straftat nach der anderen. Gl&uuml;cklicherweise ist der Leser inzwischen parteiisch und nachsichtig, wohl wissend, dass es, wenn Kessel untergeht, auch Diller mit hinabz&ouml;ge, und dem w&uuml;nscht man wirklich nichts B&ouml;ses. Zuhause hat er schlie&szlig;lich noch gen&uuml;gend andere Probleme.<br /><br />Dem ungleichen Ermittlerpaar sitzt dennoch jemand im Nacken, der sie verd&auml;chtigt und der Wahrheit sehr nahe kommt: Didem Osmanoglu, die Vorzeige-Staatsanw&auml;ltin t&uuml;rkischer Herkunft. Doch die Ereignisse &uuml;berst&uuml;rzen sich, bis nach einer eiskalt eingef&auml;delten Aktion am Schluss ausgerechnet Kessel auf haarstr&auml;ubende Weise als Held aus der Geschichte herauskommt - was wiederum einen ganz besonderen Beigeschmack hat, und damit ist nicht blo&szlig; bayrische Speziwirtschaft gemeint.<br /><br />Der Autor Georg M. Oswald, ein echtes M&uuml;nchner Kindl des Jahrgangs 1963, lebt und arbeitet (als Rechtanwalt) in seiner Geburtsstadt. In seinem neuesten Krimi zeigt er uns die sch&auml;bigsten Seiten von "Italiens n&ouml;rdlichster Stadt": ganze Stadtviertel, die die Einheimischen ger&auml;umt haben, um sie Migranten, Asozialen, Gangs zu &uuml;berlassen; Brennpunkte, in denen Lebensunterhalte mit Drogen und Erpressung verdient werden und in denen Gesetz und Ordnung Fremdw&ouml;rter sind. Da gen&uuml;gt schon ein kleines F&uuml;nkchen, um einen Fl&auml;chenbrand auszul&ouml;sen, wie wir ihn aus dem Fernsehen kennen, zum Beispiel aus Paris. So ein Szenario entwickelt Oswald sehr <em>cool</em>, sehr n&uuml;chtern, absolut &uuml;berzeugend und fernab jeglicher voralpiner Heimatt&uuml;melei: Hier f&auml;llt keine einzige bayrische Vokabel. Und auch das Ermittlerduo Diller und Kessel, das, wenn's sein muss, Dienstvorschriften und Gesetze missachtet, unterscheidet sich wohltuend von den bl&ouml;delnden Lokalkommissaren aus etlichen deutschen Roman-Regionen.<br /><br />Endlich mal wieder ein richtig guter deutscher Krimi - keine hohe Literatur, aber beste Unterhaltung und Spannung mit Niveau.</p>
<p>Dieses Buch habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-georg-m-oswald-unter-feinden.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492053831/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492053831" target="_blank">"Unter Feinden" von von Georg M. Oswald bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[01.03.2012 14:59: Die Erleuchteten von Miguel Syjuco]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-miguel-syjuco-die-erleuchteten.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-miguel-syjuco-die-erleuchteten.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/533.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die Erleuchteten von Miguel Syjuco"></a>
							<h2>01.03.2012 14:59: Die Erleuchteten von Miguel Syjuco</h2>
							<h3>Who is who?</h3>
							<p><small>Rezension vom 01.03.2012 14:59<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Die literarische Gestaltung in Miguel Syjucos Deb&uuml;troman "Die Erleuchteten" (&uuml;bersetzt von Hannes Riffel) imitiert die Schnelllebigkeit und den Medienkonsum unserer Zeit und spielt mit der Allverf&uuml;gbarkeit von Information. Wir zappen nach Lust und Laune durch die TV-Kan&auml;le, recherchieren und surfen im Internet, bloggen und kommunizieren elektronisch, und auch wir Leser der "Erleuchteten" werden zwischen all den kleinen, durch das Schriftbild voneinander abgesetzten Inhalten hin- und hergeswitcht. Gleichwohl h&auml;lt uns das Medium Buch in seiner schlichten wie starren "chronologischen" Struktur fest: Wir lesen Seite f&uuml;r Seite weiter, egal ob sie aus Papier oder elektronisch vor uns liegt. Zur&uuml;ckbl&auml;ttern macht kaum Sinn; wir m&uuml;ssen uns dem verwirrenden Prinzip stellen.<br />Den Leser zu verwirren muss dem Autor Spa&szlig; gemacht haben. Er spielt mit unserer Neugier und unserem Verstand, entwickelt seine Story realistisch, versetzt sie dazu immer wieder mit Zitaten inklusive Quellenangaben sowie Bruchst&uuml;cken aus mehr als 100 Jahren philippinischer Historie. Wir vertrauen ihm, glauben festen Boden unter unseren F&uuml;&szlig;en - und schon entzieht er ihn uns durch Absurdit&auml;ten und Fantasien.<br /><br />Doch worum geht es &uuml;berhaupt? Der philippinische Schriftsteller Crispin Salvador lebt in New York im selbst gew&auml;hlten Exil. Als Literaturdozent hat er diverse B&uuml;cher herausgegeben, schreibt f&uuml;r Zeitungen, h&auml;lt Vorlesungen. Seine temporeichen, leidenschaftlich monologisierenden Vortr&auml;ge begeistern seine Studenten. Unter seinesgleichen wird er weniger gesch&auml;tzt, am wenigsten von anderen philippinischen Literaten; in jenen Kreisen h&auml;lt man ihn f&uuml;r einen infamen, egozentrischen Intellektuellen, der sich 1972, bevor Ferdinand Edralin Marcos das Kriegsrecht ausrief, bequem aus Manila abgesetzt und sp&auml;ter, bei einem Kongress, seine Gegner d&uuml;piert habe.<br />Als man ihn eines Tages tot aus dem Hudson River zieht, stellt sich f&uuml;r die ermittelnde Polizei die Frage, ob der zur&uuml;ckgezogen lebende Autor sein Ende selbst gesucht hat oder ermordet wurde. Die gro&szlig;en Zeitungen zerrei&szlig;en sich das Maul: Salvador sei kein authentischer philippinischer Autor gewesen, zu mittelm&auml;&szlig;ig f&uuml;r einen Mord ...<br /><br />F&uuml;r Student Miguel, selbst ein philippinischer Emigrant, ist der Tod seines Mentors Anlass, sich mit dessen Leben n&auml;her zu besch&auml;ftigen. Er hatte sich auch privat mit ihm ausgetauscht, gerne mit ihm Cheeseburger gegessen. Vielleicht findet er eine Erkl&auml;rung f&uuml;r den r&auml;tselhaften Tod in Salvadors letztem Werk "The Bridges Ablaze", einer umfangreichen, noch unvollst&auml;ndigen Abrechnung mit dem politischen System der Philippinen - doch leider ist das Manuskript verschollen.<br />Nun will Miguel eine Biografie seines gro&szlig;en Vorbilds verfassen, ihn posthum w&uuml;rdigen, ihm ein Denkmal setzen. Gleichzeitig soll damit eine Anklageschrift gegen sein Heimatland entstehen, und au&szlig;erdem will er darin die Schuld zum Ausdruck bringen, die er (Miguel) selbst den philippinischen Toten gegen&uuml;ber empfindet.<br />Mit diesen Intentionen bucht Miguel einen Flug nach Manila, um sich auf eine "atemberaubende Spurensuche" (so die Cover-Ank&uuml;ndigung) zu begeben. Sie etabliert den zweiten Handlungsstrang, der auf Miguels Vorgeschichte basiert. Als f&uuml;nftes von sechs Kindern wurde er in einer politisch ambitionierten Familie auf den Philippinnen geboren. Als die Eltern starben, &uuml;bernahmen die Gro&szlig;eltern seine Erziehung. Doch er entfremdet sich ihnen, will sich nicht politisch einbinden lassen, reist schlie&szlig;lich nach New York, um dort Literaturwissenschaften zu studieren.<br /><br />Die Erz&auml;hlung der Erlebnisse Miguels in Manila wird immer wieder unterbrochen durch eingeschobene Ausz&uuml;ge aus einem Zeitungsinterview mit Salvador in "The Paris Review", aus Salvadors Werken, wie "The Enlightened" und "Manila Noir", aus der "im Entstehen begriffenen Biografie <em>Crispin Salvador: Eight Lives Lived</em> von Miguel Syjuco"; sie wird aufgelockert durch <em>running gags</em>, Witze um einen Studenten, Zeitungsausschnitte (aus der Internetausgabe "Philippine-Gazette.com.ph"), einen Internet-Blog (in dem auch crispin1037@salvador.gob.sv schreibt) und so weiter ...<br /><br />In diesem bunten Kaleidoskop verschiedener Textsorten, -bausteine und Stile erschlie&szlig;en sich dem Leser die eigentlich interessanten Fragmente und Zusammenh&auml;nge nur h&auml;ppchenweise: das Leben der Protagonisten und ihre Verflechtung mit der neueren Geschichte der Philippinen. Die wurden schon 1565 spanische Kolonie. Von 1896 bis 1898 fand unter der F&uuml;hrung des Katipunan-Geheimbunds die Philippinische Revolution statt, die in ihrer Endphase praktisch in den Spanisch-Amerikanischen Krieg &uuml;berging. Die Marcos-Diktatur (1972-1986) brachte furchtbare Repressalien gegen die Bev&ouml;lkerung, bis das Land 1987 eine Pr&auml;sidialrepublik wurde. Der Buchtitel, "Die Erleuchteten", bezieht sich auf die privilegierten Wohlstandsfamilien in der philippinischen Gesellschaft. Die Salvadors geh&ouml;ren seit Generationen dazu: Sie sind Unternehmer, die mit Zuckerplantagen und Beziehungen in politischen Kreisen zu Ansehen und Reichtum gelangten. Sie konnten ihre Kinder im Ausland studieren lassen, und die brachten freiheitliche, aufkl&auml;rerische Ideen ins Land.<br /><br />Dieses Panoptikum aus privaten und historischen, fiktionalen und realen Ereignissen ist in seiner sprachlichen und formalen Gestaltung experimentell und witzig, originell und geistreich, aber nach meinem Empfinden zu artifiziell und gesucht konstruiert - und gewiss nicht "atemberaubend". Der sehr breit angelegte, vielschichtige Erz&auml;hlstrom hat mich nicht in seinen Bann ziehen k&ouml;nnen. Immer wieder haben mich die Stil- und Themenwechsel herausgerissen, mir die Spannungsb&ouml;gen gebrochen, die Zusammenh&auml;nge verborgen.<br />Dar&uuml;ber hinaus scheint mir das Spiel mit der Perspektive &uuml;berdreht und r&auml;tselhaft: <em>Who is who?</em> Der reale Autor, Miguel Syjuco, fungiert als (namensgleicher) fiktionaler Erz&auml;hler und tritt als Protagonist auf; ein weiterer Erz&auml;hler ist Crispin Salvador, eine rein fiktive Gestalt, deren Lebenslauf jedoch viele Parallelit&auml;ten zu dem des Autors aufweist. Das <em>story-telling</em> geht flie&szlig;end von einem Erz&auml;hler zum anderen &uuml;ber. Das Vexierspiel hat Methode, wie der Prolog ank&uuml;ndigt und der Epilog aufgreift:<br /><br />"Die zersplitterten Tatsachen sind hier zu Ihrer Begutachtung zusammengetragen, wie bei einem zerbrochenen Spiegel."<br />- Miguel Syjuco, auf dem Weg nach Manila, am 1. Dezember 2002" (S. 28)<br /><br />"Und mit dieser Fiktion der M&ouml;glichkeiten, verflochten mit den M&ouml;glichkeiten der Fiktion, habe ich mein eigenes ungelebtes Leben dort hineingewebt [...] in dem Bewusstsein, dass wir nur dann erleuchtet sind, wenn wir etwas Neues beginnen, von dem wir dachten, dass es das Ende ist.<br />- Crispin Salvador, auf dem Weg nach Manila, am 1. Dezember 2002" (S. 444)<br /><br />F&uuml;r diesen Roman (Originaltitel "Ilustrado") erhielt Miguel Syjuco (1976 in Manila geboren) 2008 den <em>Man Asian Literary Prize</em>, Asiens "Booker Prize".</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-miguel-syjuco-die-erleuchteten.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[25.02.2012 18:53: Nur eine Ohrfeige von Christos Tsiolkas]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-christos-tsiolkas-nur-eine-ohrfeige.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-christos-tsiolkas-nur-eine-ohrfeige.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/532.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Nur eine Ohrfeige von Christos Tsiolkas"></a>
							<h2>25.02.2012 18:53: Nur eine Ohrfeige von Christos Tsiolkas</h2>
							<h3>Jeder kämpft für sich allein</h3>
							<p><small>Rezension vom 25.02.2012 18:53<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Ein Insekt ber&uuml;hrt kurz die Oberfl&auml;che eines Waldsees, Wellen bilden sich, ziehen immer gr&ouml;&szlig;ere Kreise und verebben irgendwann. Wie viel weiter reichende Konsequenzen dagegen eine Ohrfeige haben kann, beschreibt Christos Tsiolkas in seinem Gesellschaftsroman.<br /><br />An einem wundersch&ouml;nen australischen Sommertag l&auml;dt das Ehepaar Hector und Aisha Freunde und Verwandte zu einem Barbecue. Hector ist Sohn griechischer Einwanderer, seine Frau eine Inderin. Auch ihre G&auml;ste bilden einen bunten Mix unterschiedlichster Herkunft, religi&ouml;ser Zugeh&ouml;rigkeit und sozialer Stellung; verschiedenste Kulturen und politische Meinungen begegnen sich. Man kennt sich, man toleriert sich. &Auml;ltere, wie Hectors Eltern, und J&uuml;ngere, wie die Highschoolstudenten Richie und Conny oder die Kinder der Ehepaare, unterhalten sich pr&auml;chtig, jeder auf seine Weise.<br /><br />Doch dann kommt es zu einem Zwischenfall. Dessen Ausl&ouml;ser ist der dreij&auml;hrige Hugo, ein unerzogener und nerviger Balg, der immer noch an Mutters Brust gestillt wird und sofort lauthals loszuschreien pflegt, sobald er nicht seinen Willen bekommt. Der will sich einfach nicht in das Kricketspiel der anderen integrieren lassen. Rocco, der Sohn Harrys, eines Cousins von Gastgeber Hector, will Hugo den Schl&auml;ger abnehmen, doch dieser holt schon zum Schlag aus. Ehe er Roccos Kopf trifft, landet Harrys Hand im Gesicht des kleinen Jungen. Hugos Vater ist entsetzt &uuml;ber diese Z&uuml;chtigung seines geliebten Kindes durch einen anderen Mann. Mit w&uuml;sten Beschimpfungen und der Drohung, sie w&uuml;rden diesen Kindesmissbrauch anzeigen, packen die Eltern ihren Sohn und verlassen den Tatort. Die Party ist zu Ende.<br /><br />Im weiteren Verlauf des Romans geht es dem Autor gar nicht so sehr um die Kl&auml;rung dieses Sachverhalts, um richtig oder falsch der Ohrfeige. Zwar wird bei Gericht ein Urteil gef&auml;llt, aber der Leser muss sich doch seine eigene Meinung bilden ...<br /><br />In acht ungef&auml;hr gleich langen Kapiteln kommen je vier M&auml;nner und Frauen - die Protagonisten - nacheinander zu Wort. Der Leser liegt mit seiner Erwartungshaltung, nun werde der Autor den Nachmittag und den Vorfall aus acht verschiedenen Perspektiven immer wieder neu aufrollen, v&ouml;llig falsch. Nein: Die Handlung flie&szlig;t zeitlich weiter. Am Rande wird die "Ohrfeige" nat&uuml;rlich immer wieder mal thematisiert, ist sie doch Ausl&ouml;ser der nachfolgenden Ereignisse. Aber der eigentliche Sachverhalt ist dem Autor nebens&auml;chlich. Vielmehr geht es um die Lebensweise seiner Figuren, um das Zwischenmenschliche wie Liebe und Hass, Respekt und Verachtung, Toleranz und Unterdr&uuml;ckung, Erziehung und Vernachl&auml;ssigung. Insgesamt f&uuml;gen sich die differenziert vorgestellten Personen zu einem gesellschaftlichen Gesamtbild, als dessen gemeinsamer Nenner sich herauskristallisiert, dass bei keiner der erste, vordergr&uuml;ndige, vermeintlich positive Eindruck, den sie w&auml;hrend der Gartenparty vermittelte, Bestand hat. Die polierten Glasscheiben, hinter denen diese Menschen leben, haben bei n&auml;herer Betrachtung unendlich viele Risse. Abgr&uuml;nde tun sich auf.<br /><br />Alkohol, Drogen, Sex (mit unsch&ouml;nen Beschreibungen), unertr&auml;gliche Streitereien der Partner, ausgefochten mit einem Vokabular voller Beleidigungen und Menschenverachtung, bestimmen ihr Leben. Es gibt keine einzige intakte Beziehung, weder unter Freunden noch unter Verwandten. Betrogen, hintergangen und doch voller Sehnsucht nach einem anderen Leben stecken die Figuren in Lebensl&uuml;gen, die jetzt teilweise ans Tageslicht durchbrechen, gebeichtet werden.<br /><br />Gibt es denn gar kein Gl&uuml;ck? Nirgendwo? Schonungslos und eigentlich ohne Hoffnung auf Besserung in naher Zukunft beschreibt der Autor seine Einsichten in die australische Gesellschaft, und die unterscheidet sich im Prinzip nicht von den anderen der gesamten westlichen Welt ...<br /><br />Christos Tsiolkas, 1965 im australischen Melbourne geboren, ist Sohn griechischer Immigranten. Sein Roman "The Slap" erhielt den "Commonwealth Writers' Prize" und ist f&uuml;r den "Man Booker Prize" nominiert. Nicolai von Schweder-Schreiner hat ihn ins Deutsche &uuml;bersetzt.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-christos-tsiolkas-nur-eine-ohrfeige.htm" target="_blank">
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[22.02.2012 02:04: Fango von Niccolò Ammaniti]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/inhalt-niccolo-ammaniti-fango.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/inhalt-niccolo-ammaniti-fango.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/531.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Fango von Niccolò Ammaniti"></a>
							<h2>22.02.2012 02:04: Fango von Niccolò Ammaniti</h2>
							<h3>Variationen in Splatter und Trash</h3>
							<p><small>Inhalt vom 22.02.2012 02:04<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Sechs Geschichten, schwere Kost - eine d&uuml;sterer, brutaler, blutr&uuml;nstiger, sexuell expliziter als die andere. Einerseits Vor&uuml;bungen zur Handlungsgestaltung in Ammanitis sp&auml;teren Romane, aber noch ohne deren stilistische Leichtigkeit und Ironie.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/inhalt-niccolo-ammaniti-fango.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[21.02.2012 15:05: Erleuchtung von Anne Chaplet]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-anne-chaplet-erleuchtung.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-anne-chaplet-erleuchtung.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/529.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Erleuchtung von Anne Chaplet"></a>
							<h2>21.02.2012 15:05: Erleuchtung von Anne Chaplet</h2>
							<h3>Peru in den Neunzigern: Nos bañamos en la sangre</h3>
							<p><small>Leseeindruck vom 21.02.2012 15:05<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Ein paar Kollegen des Frankfurter Polizeipr&auml;sidiums unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Giorgio DeLange haben eine Gegeneinladung der <em>Polic&iacute;a de Investigaci&oacute;nes</em> in Perus Hauptstadt Lima angenommen. Nach einer anstrengenden Sightseeing-Tour im Bus - Machu Picchu und Cuzco, 3.400m &uuml;ber dem Meeresspiegel - kommen sie endlich in Ayacucho an, 400km weiter und "nur noch" 2.800m hoch gelegen. Die mittelgro&szlig;e Stadt mit vielen H&auml;usern und Kirchen im Spanischen Kolonialstil wird auch "Winkel der Toten" genannt.<br /><br />W&auml;hrend der langen Fahrt hatte die Reisef&uuml;hrerin die Gruppe mit zahlreichen Horrorgeschichten &uuml;ber die Gr&auml;ueltaten der spanischen Eroberer und die bluttriefenden lokalen Riten unterhalten; "Nos ba&ntilde;amos en la sangre" (wir baden in Blut), hatte der peruanische Kollege Tom&aacute;s Rivas seinem deutschen Gast zugeraunt. Der ist jetzt am Ende seiner Kr&auml;fte. Der unertr&auml;gliche Gestank im &Uuml;berlandbus, proppenvoll mit Einheimischen, die mit Genuss ihre Meerschweinchen verzehren, und ein gef&auml;hrlicher Zwischenstopp, zu dem eine Milit&auml;reinheit den Bus zwang, sind ihm auf den Magen geschlagen. Ein H&ouml;llentrip! Seine Sitznachbarin, eine Rucksacktouristin, gab ihm mit ihren Storys den Rest, tr&ouml;stete ihn aber auch mit der Auskunft, er sei keineswegs sterbenskrank, er leide blo&szlig; an einer H&ouml;henkrankheit.<br /><br />Der letzte Tag steht den Kollegen zur freien Verf&uuml;gung. Giorgio DeLange m&ouml;chte nach Ayla. Dort hat ein alter Bekannter von ihm (namens Charly) vor vielen Jahren eine Grundschule gegr&uuml;ndet. Doch Tom&aacute;s versucht, ihm dieses Ziel auszureden: Er habe die Schule besucht, an der Lehrer aus Italien, Frankreich und Deutschland unterrichteten. Anfangs seien alle mit ehrlichen Interessen gekommen, doch so sei es nicht lange geblieben.<br /><br />Ayla wurde zur "Wiege des B&ouml;sen". Der Philosophieprofessor Abimael Guzm&aacute;n lehrte an der Universit&auml;t Ayacucho &uuml;ber Mao und Marx und schickte infiltrierte Lehrer aufs Land. Sie gr&uuml;ndeten die Bewegung "Sendero Luminoso" ("Leuchtender Pfad"), um die Indios zu "befreien" und die Fackel der Revolution zu entz&uuml;nden. Neben einigen wenigen Weltverbesserern waren die meisten Aktivisten Terroristen und Gewaltt&auml;ter, die Menschen brutal niedermetzelten; heute sind nur noch Verbrecher &uuml;briggeblieben, und der Boden Perus ist mit Blut getr&auml;nkt.<br /><br />Schlie&szlig;lich bringt Tom&aacute;s seinen Kollegen selber nach Ayla; dort stehen nur noch Mauerreste.<br /><br />Warum interessiert sich Giorgio DeLange f&uuml;r Charly? Der ist inzwischen eine angesehene Pers&ouml;nlichkeit in Frankfurt - Dr. Karl-Heinz Neumann-von Braun. War er vielleicht auch ein <em>Senderista</em>? Giorgio hat eine noch offene Akte von 1968 &uuml;ber eine vermisste Person namens Alexandra Raabe. "Raabe/Simon/Neumann" stand damals auf dem Klingelschild einer restlos verw&uuml;steten Wohnung. Neumann verschwand nach Peru, und auch Tom&aacute;s kann sich dunkel erinnern: zwei M&auml;nner und eine Frau, Chhanka. Sie war der Teufel ...<br /><br />Super: Welch ein ungew&ouml;hnlicher Plot, welch exotischer Schauplatz, welch aufw&uuml;hlender realpolitischer Hintergrund!<br /><br />In der Tat wissen die meisten von uns nur wenig &uuml;ber Peru, ein Land, dessen mysteri&ouml;se &Uuml;berreste einer untergegangenen Kultur Touristen aus aller Welt anziehen, das jedoch eine grauenvolle Historie durchleiden musste. Ein Teil von ihr ist Abimael Guzm&aacute;n, der Anf&uuml;hrer der maoistischen Terrororganisation "Sendero Luminoso". 1992 wurde er gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt.<br /><br />Ein packend gestalteter Thriller vor so einem Hintergrund - das verdient beste Empfehlungen und l&auml;sst auf ein erstklassiges Buch hoffen ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-anne-chaplet-erleuchtung.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[20.02.2012 18:25: Wahr von Riikka Pulkkinen]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-riikka-pulkkinen-wahr.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-riikka-pulkkinen-wahr.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/528.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Wahr von Riikka Pulkkinen"></a>
							<h2>20.02.2012 18:25: Wahr von Riikka Pulkkinen</h2>
							<h3>Liebe kann zum Gefängnis werden</h3>
							<p><small>Rezension vom 20.02.2012 18:25<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Die 70-j&auml;hrige Elsa ist an einer der aggressivsten Krebsvarianten erkrankt, ihr bleibt nur noch wenig Lebenszeit. Bis vor kurzem hat sie noch erfolgreich als Psychologin praktiziert.<br /><br />Auf ihrem Lebensweg hat sie sich zu einem starken, unnachgiebigen Charakter entwickelt, der sich keine Vorschriften machen lassen m&ouml;chte. So bestimmt Elsa, dass sie nicht in einem Hospiz untergebracht werden soll, sondern ihre letzten Tage zuhause verbringt, so normal wie m&ouml;glich und ohne viel Aufhebens.<br /><br />Ihr Mann Martti, ein bekannter Maler und Vision&auml;r, ergibt sich der Situation, f&uuml;rchtet jedoch die nahenden Gef&uuml;hle des Verlustes, der Trauer. Um seine Schw&auml;chen wissend und sich als Versager einsch&auml;tzend, glaubt er den ihn erwartenden Belastungen nicht gewachsen zu sein.<br /><br />Tochter Eleonoora, Chirurgin, &uuml;bernimmt das Organisatorische, arrangiert den Tagesablauf, h&auml;lt Kontakt mit den &Auml;rzten. Ein Krankenbett, eine Schmerzpumpe und sanit&auml;re Hilfsmittel werden geliefert. F&uuml;r ihre erwachsenen T&ouml;chter Maria und Anna ist es eine Selbstverst&auml;ndlichkeit, sich stundenweise um die Gro&szlig;mutter zu k&uuml;mmern.<br /><br />Gemeinsam feiern sie ein gl&uuml;ckliches Weihnachtsfest, saunieren im Sommerhaus, baden im See, fangen Fische. Dann stirbt Elsa einen f&uuml;r alle unerwartet schnellen Tod. Elsas letzte Gedanken gelten ihrer Tochter Eleonoora: Sie muss sie unbedingt sprechen, sie um Verzeihung bitten. Doch vergeblich - ihre Tochter nimmt das Handygespr&auml;ch nicht an ...<br /><br />Das zentrale Thema in Riikka Pulkkinens Roman "Wahr" ist mitnichten die Sterbebegleitung, so naheliegend das auch w&auml;re. Es sind vielmehr die Lebenden, die engsten Verwandten, insbesondere Eleonoora und Anna, die den Plot bestimmen. Eine Episode, die schon Jahre zur&uuml;ck liegt, hat sie gepr&auml;gt, sie zu sehr gef&uuml;hlsempf&auml;nglichen, verletzbaren Menschen gemacht. "Wahr" ist die Auseinandersetzung mit Liebe, Vertrauen, Bindung, L&uuml;gen, Wut, Hass, Verachtung, Verantwortung und einer ganz gro&szlig;en Schuld, die einer aus ihrer Mitte tr&auml;gt. Jemand hat sich v&ouml;llig ausgeliefert, all seine Liebe gegeben, um sich in dem tiefen Gef&uuml;hl des Sich-selbst-Verlierens dann wieder zu finden. Eine Liebe, die zum eigenen Gef&auml;ngnis wurde ...<br /><br />Warum leidet Eleonoora so sehr? Ihre gro&szlig;e Angst vor dem baldigen Verlust ihrer Mutter ist nicht zu &uuml;bersehen. Sie kann kaum noch essen, ist abgemagert bis auf die Knochen. Wie sah ihre Kindheit aus, als Mutter Elsa st&auml;ndig auf Forschungsreisen ging und sich ein Kinderm&auml;dchen, die junge Studentin Eeva, aufopferungsvoll um sie k&uuml;mmerte? Hat sie damals vielleicht etwas erlebt, das einem kleinen Kind weh tat? Hat sie schon einmal jemanden verloren, dem sie ihr Vertrauen schenkte? Lebte sie in einer gro&szlig;en Lebensl&uuml;ge, die sie erst sp&auml;t versteht?<br /><br />Auch Anna hat eine besondere Bindung zu ihrer Gro&szlig;mutter. Die beiden plaudern recht offen &uuml;ber Annas jetziges Leben und ihre kleine Krise, die alle aufschreckt. Hatte sie eine Depression, eine Beziehung mit einem Mann mit Kind? Gemeinsam planen sie ein Picknick im Freien, Anna st&ouml;bert im Kleiderschrank und entdeckt ein feines Kleid mit einer breiten Sch&auml;rpe. Ach, das sei von Eeva, dem Kinderm&auml;dchen ...<br /><br />Offensichtlich gibt es in der Familie ein Tabuthema, doch nach und nach erf&auml;hrt Anna mehr von dem Geheimnis, das alle tief in sich tragen und nie verarbeitet haben. Anna entdeckt Parallelit&auml;ten zu ihrem eigenen Leben. Da gab es jemanden, der genau wie sie bis zur Selbstaufgabe geliebt hatte. Sie muss daraus lernen, sich selber sch&uuml;tzen. An Eevas dramatischem Ende tr&auml;gt f&uuml;r Anna nur einer Schuld; den stellt sie zur Rede, verurteilt ihn. Aber er akzeptiert das nicht f&uuml;r sich; f&uuml;r ihn gibt es nichts zu bereuen; er ist mit sich im Reinen, und Anna wendet sich ab.<br /><br />"Wahr" ist ein Roman intensiver Emotionen, die man sich so feinf&uuml;hlig, wie die Autorin Riikka Pulkkinen sie ohne Kitsch aufbereitet hat (und von Elina Kritzokat aus dem Finnischen &uuml;bersetzt wurden), kaum noch vorstellen kann. Gibt es in unserer oberfl&auml;chlichen, konsum- und medienorientierten Welt tats&auml;chlich noch Menschen, die zu solcher Hinwendung f&auml;hig sind? Die Autorin entwickelt vier solch beeindruckende Charaktere.<br /><br />Ihr Sprachstil wirft den Leser in st&auml;ndig wechselnde Zeiten, l&auml;sst die Figuren aus ihren Perspektiven erz&auml;hlen. Manchmal kann das mitten im Text geschehen. Aus einer Person erw&auml;chst die gef&uuml;hlsm&auml;&szlig;ig &auml;hnlich veranlagte andere. Diese Mittel lockern die nahezu durchgehend melancholische Atmosph&auml;re etwas auf.<br /><br />Dennoch: Wenig Handlung, kaum Erheiterndes - da muss man sich wohl einen sonnigen Tag aussuchen, um von der insgesamt dunklen, tr&uuml;ben Stimmung nicht hinuntergezogen zu werden.<br /><br />Riikka Pulkkinen, 1980 geboren, ist eine der erfolgreichsten jungen Autorinnen Finnlands. "Wahr" wurde f&uuml;r den wichtigsten finnischen Literaturpreis, den Finlandia-Preis, nominiert.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-riikka-pulkkinen-wahr.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[16.02.2012 19:52: Katzentisch von Michael Ondaatje]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-ondaatje-katzentisch.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-ondaatje-katzentisch.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/527.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Katzentisch von Michael Ondaatje"></a>
							<h2>16.02.2012 19:52: Katzentisch von Michael Ondaatje</h2>
							<h3>Alles, was neu im Leben war, sollte so sein.</h3>
							<p><small>Rezension vom 16.02.2012 19:52<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Eine Schiffspassage von Colombo nach England dauerte 1954 ungef&auml;hr 21 Tage und war sicher f&uuml;r die allermeisten Passagiere ein beeindruckendes, unvergessliches Erlebnis. Durch den Indischen Ozean, den Golf von Aden, das Rote Meer, den Suez-Kanal und das Mittelmeer ging die Reise. In Port Said, Aden und anderen exotischen H&auml;fen legte das Schiff an. Wie &uuml;berw&auml;ltigend mussten all die neuartig-fremden Eindr&uuml;cke erst f&uuml;r drei elfj&auml;hrige Jungen sein, die ohne ihre Eltern allein losgeschickt wurden!<br /><br />Die drei unterscheiden sich in vielfacher Hinsicht: Cassius ist hochm&uuml;tig, sp&ouml;ttisch, k&uuml;hn; t&auml;glich aufs Neue stiftet er die anderen zur &Uuml;bertretung irgendwelcher Verbote an. Der stille Ramadhin dagegen leidet an Asthma und an einem Herzfehler. Und Michael (der Ich-Erz&auml;hler), Spitzname "Mynah", teilt eine enge Kabine in der dritten Klasse mit Mr. Hastie, der dort des Nachts mit drei anderen M&auml;nnern Karten spielt.<br /><br />Wiewohl alleine reisend, steht Michael doch unter Beobachtung. Zwei Frauen haben ein Auge auf ihn: Miss Flavia, eine Bekannte des Onkels, bei dem Michael in Colombo gelebt hatte, erkundigt sich nach seinem Befinden, wenn sie - was h&ouml;chst selten eintritt - aus der 1. Klasse den Weg zu ihm findet. Viel h&auml;ufiger begegnet er seiner entfernten Cousine Emily. Die gro&szlig;e Plattensammlung, die Wildheit und der ungez&auml;hmte Geist der jungen Dame bezaubern Michael, und er sp&uuml;rt ein erstes Begehren, eine Intimit&auml;t, die sich f&uuml;r ihn so nie wiederholen wird.<br /><br />Dem bisschen Kontrolle k&ouml;nnen sich die Jungen auf dem gro&szlig;en Passagierdampfer "Oronsay" mit Leichtigkeit entziehen. Hier sind sie frei wie die M&ouml;wen und reizen ihre Grenzenlosigkeit reichlich aus. In der Dunkelheit treiben sie sich &uuml;berall herum, erforschen alle Decks, G&auml;nge, Treppen, R&auml;ume. In den hochh&auml;ngenden Rettungsbooten versteckt, mampfen sie gem&uuml;tlich das aus der 1. Klasse geklaute Fr&uuml;hst&uuml;ck - und beobachten manch geheimes Stelldichein an Deck.<br /><br />Eine Person erweckt ihre besondere Neugierde: ein in Ketten geschlossener Mann, der, von Wachen begleitet, f&uuml;r kurze Zeit aus den dunklen Tiefen des Schiffsbauchs hervorgeholt wird. Was mag dieser Gefangene wohl verbrochen haben?<br /><br />Beinahe zu weit treiben sie ihre Abenteuer, als Cassius und Michael in das Auge eines Taifuns blicken wollen. Sie lassen sich dazu an der Reling festbinden und entgehen nur durch einen beherzten Rettungseinsatz der Mannschaft knapp dem Tod. Als der Kapit&auml;n sie zu sich zitiert, erz&auml;hlen sie ihm schon wieder eine haarstr&auml;ubende L&uuml;gengeschichte.<br /><br />Man kann sich wirklich nicht beklagen, was an Freizeitbesch&auml;ftigung und Unterhaltung an Bord geboten wird. Die Jungen vergn&uuml;gen sich im Schwimmbad, und am Abend tritt eine Akrobatiktruppe auf. Zu den Mahlzeiten finden sich die etwa 600 Passagiere auf den Decks ihrer Klasse ein. Michael sitzt weitab vom Zentrum der besseren Gesellschaft am unattraktiven "Katzentisch". Ein illustres Tr&uuml;ppchen von neun Leuten unterh&auml;lt sich hier in trauter Runde: ein Botaniker, ein Schneider, ein ehemaliger Schiffsabwracker, ein Literat, eine alte Jungfer, die Jungen und der Pianist, der zumeist dumme, obsz&ouml;ne Witze zum Besten gibt.<br /><br />In England wird Michael von seiner Mutter erwartet. Erinnern kann er sich nicht an sie, denn sie ging fort, als er drei Jahre alt war.<br /><br />Wer m&ouml;chte nicht gerne einer dieser Jungen gewesen sein und solch eine fantastische Reise erlebt haben? Aber Michael Ondaatjes Buch "Katzentisch" ist kein blo&szlig;er Abenteuerroman. An der Oberfl&auml;che liest es sich wie ein M&auml;rchen, voll wunderbarer Vergleiche und Metaphern, doch steckt viel mehr darunter; es besticht durch seine Vielschichtigkeit. Erst durch diese Reise wird Michael zu dem Mann, der er heute ist. Nur auf dem Schiff ist er noch "Mynah" (ein anderer Name f&uuml;r den Beo, den sprachbegabten und leicht zu z&auml;hmenden Vogel aus S&uuml;dostasien), ein <em>Beo</em>bachter und Erz&auml;hler auf dieser Reise, deren Bedeutung er in seiner heutigen R&uuml;ckschau erkennt: Sie hat seinem Leben die Initialz&uuml;ndung und eine Richtung gegeben.<br /><br />Ein weiterer Passagier, der englische Lehrer Mr Fonseka, der sich nur mit seinen B&uuml;chern besch&auml;ftigt, er&ouml;ffnet Michael die Welt der Literatur; sp&auml;ter wird Michael selbst Schriftsteller.<br /><br />Fiktion und Biographisches scheinen nicht nur hier offensichtlich ineinanderzuflie&szlig;en. In seiner Danksagung widmet Michael Ondaatje seinen Roman "Dennis Fonseka, in memoriam", zusammen mit drei Versen wie aus einem Gedicht: "Das Schiff kam furchtlos aus dem Nebel, / und sie stiegen ein. / Alles, was neu im Leben war, sollte so sein". Aber wenige Seiten weiter betont Ondaatje in seiner "Nachbemerkung des Verfassers" nachdr&uuml;cklich, dass "'Katzentisch' ein Werk der Fiktion" sei - eine r&auml;tselhafte Distanzierung nach so viel N&auml;he im Roman selbst.<br /><br />Ondaatje entwickelt seine Figuren gem&auml;chlich. Keiner ist so, wie er sich nach au&szlig;enhin gibt; jeder verbirgt ein Geheimnis. Manche Gestalt hat Tragik, andere sind hinrei&szlig;end skurril, insgesamt ein Panoptikum gesellschaftlicher Au&szlig;enseiter: Die alte Jungfer Perinetta Lasqueti bl&auml;ttert in ihren Krimis, um sie anschlie&szlig;end ins Meer zu werfen. Die Tauben, die sie nach England bringen soll, tr&auml;gt sie in und unter ihrer Kleidung an Deck spazieren. Ein stinkreicher Baron wird von einem ayurvedischen Heiler begleitet, nachdem kein Arzt der Welt nach Colombo reisen wollte, um ihn von seiner Tollwut zu heilen - und dann stirbt er am Biss eines Hundes, den die Jungen in einem Hafen an Bord geschmuggelt hatten ... Liebe, Verf&uuml;hrung, Entt&auml;uschung, Mord sind nur wenige der Zutaten, die den Leser an die Handlung fesseln, bis der Roman mit einer Frage Michaels endet: "Woran lag es, dass wir alle drei den Drang versp&uuml;rten, andere zu besch&uuml;tzen, die offenbar gef&auml;hrdeter waren als wir?"<br /><br />Ein Roman voller Melancholie, doch immer wieder blitzen leuchtend blaue Wellen der Heiterkeit auf. Melanie Walz hat all dies ins Deutsche &uuml;bersetzt.<br /><br />Michael Ondaatje wurde 1943 in Colombo (Sri Lanka) geboren, hat niederl&auml;ndisch-tamilisch-singhalesische Wurzeln und lebt heute in Toronto. F&uuml;r seinen Roman "Der englische Patient" (1993) wurde er mit dem Booker-Preis ausgezeichnet.<br /><br />&Uuml;brigens: Auf dem sch&ouml;nen Titelbild der Hanser-Ausgabe bewundern wir durch hohe Palmen hindurch einen majest&auml;tischen schwarz-wei&szlig;-roten Dampfer auf Reede vor einer sonnenbestrahlten K&uuml;stenstadt im Hintergrund. Das weckt Fernweh, und gleich umweht uns nostalgische Exotik. Die fl&auml;chige Machart in kr&auml;ftigen Farben erinnert an Reiseplakate aus der 1. H&auml;lfte des 20. Jahrhunderts ("Cunard Line"), an Comics ("Tim und Struppi") - und an die verbl&uuml;ffend &auml;hnliche Titelgestaltung von Christian Krachts neuem Roman "Imperium", ebenfalls im Februar 2012 erschienen (bei Kiepenheuer &amp; Witsch, zehn Tage nach "Katzentisch"), ebenfalls in der s&uuml;dlichen Hemisph&auml;re und noch etliche Jahrzehnte fr&uuml;her angesiedelt. Zeichen der Zeit? Zieht es uns weg von hier und heute? Aber das ist eine andere Geschichte.<br /><br />Dieses Buch habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-ondaatje-katzentisch.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[14.02.2012 15:18: Weißer Tod von Liza Marklund]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-liza-marklund-weisser-tod.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-liza-marklund-weisser-tod.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/525.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Weißer Tod von Liza Marklund"></a>
							<h2>14.02.2012 15:18: Weißer Tod von Liza Marklund</h2>
							<h3>Morde in der Kälte Stockholms - Exekutionen in der Hitze Afrikas</h3>
							<p><small>Leseeindruck vom 14.02.2012 15:18<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Nach Jahren in Washington ist Annika Bengtzon mit ihren beiden Kindern nach Schweden zur&uuml;ckgekehrt. Sie ist Journalistin f&uuml;r das Abendblatt, Stockholms meistverkaufte Zeitung. Das Land ertrinkt im Schnee. Eigentlich sollte sie &uuml;ber die Sicherheit des IKEA-Daches berichten, doch dann erh&auml;lt sie eine Nachricht, die sie veranlasst, ihr Ziel sofort zu &auml;ndern: Hinter einer Kita hat ein Mann eine Leiche entdeckt. Bevor die Polizei erste Absicherungen vornehmen kann, hat Annika schon die Fotos vom Fundort in ihrer Kamera und an die Redaktion verschickt: Eine junge Frau mit kleinen F&uuml;&szlig;en und hochhackigen Stiefeln liegt zugeschneit auf dem Waldboden.<br /><br />Zur&uuml;ck in ihrem B&uuml;ro surft Annika im Internet. Gibt es einen Zusammenhang mit den drei seit Herbst get&ouml;teten Frauen? Alle wurden mit einem Messer erstochen.<br /><br />Annika wird in den Konferenzraum gebeten. Dort erwarten sie drei M&auml;nner, u.a. der Chef des Justizministeriums. Annika erstarrt vor Angst - geht es etwa um Thomas, ihren Mann? Ist ihm etwas zugesto&szlig;en? Er begleitet gerade eine EU-Delegation in Nairobi. Bei ihren letzten Versuchen, ihn anzurufen, ist sie nur bis zu seiner Mailbox durchgedrungen. Tats&auml;chlich hat es einen Zwischenfall gegeben, aber viel k&ouml;nnen die M&auml;nner ihr nicht berichten. Thomas lebe, aber von der siebenk&ouml;pfigen Gruppe fehle seit gestern jede Spur. Einen Dolmetscher und einen Bodyguard habe man mit t&ouml;dlichen Kopfsch&uuml;ssen gefunden. Man m&uuml;sse von einer Entf&uuml;hrung ausgehen ...<br /><br />Die Autorin entwickelt zwei parallel verlaufende, spannende Handlungsstr&auml;nge auf zwei Kontinenten der Welt. Durch den Ich-Erz&auml;hler Thomas erlebt der Leser hautnah, was wirklich geschah. Die Gruppe - bestehend aus der deutschen Staatssekret&auml;rin, dem rum&auml;nischen und franz&ouml;sischen Delegierten sowie Bodyguards - war in zwei Landcruisern auf staubigen Pisten unterwegs, deren Verlauf zu beiden Seiten mit &Ouml;lf&auml;ssern markiert ist. Pl&ouml;tzlich zerrten M&auml;nner mit Maschinengewehren sie aus den Autos und verfrachteten sie auf einen Lastwagen. Nun sitzen sie schon seit 36 Stunden gefesselt, hungrig und durstig mit dicken Zungen in der Mittagshitze auf dem Weg ins Nirgendwo. Hoffentlich nicht in Richtung Somalia, wo Chaos und Anarchie herrschen ...<br /><br />So schockierend die Frauenmordserie ist, Annika wird sich nur mit &auml;u&szlig;erster M&uuml;he darauf konzentrieren k&ouml;nnen, denn im Gegensatz zum Leser wei&szlig; sie nicht, was in Afrika geschieht. Thomas' Mission ist lebensgef&auml;hrlich. Er arbeitet f&uuml;r Frontex, eine Organisation, die mit viel Geld daf&uuml;r sorgt, dass die &auml;rmsten Staaten der Dritten Welt ihre Grenzen dicht machen, um das reiche Europa vor einer drohenden V&ouml;lkerwanderung zu sch&uuml;tzen.<br /><br />Ein toller Plot - politisch h&ouml;chst brisant und realistisch. Die Bestsellerautorin Liza Marklund wird routiniert wie &uuml;blich ihr Bestes geben.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-liza-marklund-weisser-tod.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[13.02.2012 14:51: Die Legende unserer Väter von Sorj Chalandon]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-sorj-chalandon-die-legende-unserer-vaeter.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-sorj-chalandon-die-legende-unserer-vaeter.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/524.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Die Legende unserer Väter von Sorj Chalandon"></a>
							<h2>13.02.2012 14:51: Die Legende unserer Väter von Sorj Chalandon</h2>
							<h3>Délivrance</h3>
							<p><small>Rezension vom 13.02.2012 14:51<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Lupuline will ihrem Vater zu seinem 84. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk machen.<br /><br />Als sie noch ein kleines M&auml;dchen von 12 Jahren war, pflegte er sie abends vorm Einschlafen mit ungew&ouml;hnlichen Geschichten zu faszinieren. Er erz&auml;hlte ihr Episoden aus den Kriegsjahren - wie er als Kommandant der franz&ouml;sischen Widerstandsbewegung ma&szlig;geblich an Sabotageakten gegen die deutschen Besatzer beteiligt gewesen war, wie er zeitweise einen abgest&uuml;rzten englischen Piloten gepflegt und ihm zur Flucht verholfen hatte. Aber bis zum heutigen Tag belastet den Vater, dass ein ganzes Dorf t&ouml;dliche Vergeltung f&uuml;r die Erschie&szlig;ung eines deutschen Soldaten hinnehmen musste. Lupuline ist stolz auf das Widerst&auml;ndler-Heldentum und w&uuml;nscht sich, dass deren Erlebnisse nicht verloren gehen. Und genau zu diesem Zweck hat sie einen Profi engagiert, dessen Annonce sie in der Zeitung gelesen hatte: Marcel Fr&eacute;maux, ein ehemaliger Journalist, h&ouml;rt sich die pers&ouml;nlichen Erz&auml;hlungen seiner Auftraggeber an, rekonstruiert mit ihnen die Vergangenheit und verfasst auf dieser Basis ihre Biografien.<br /><br />Lupuline erl&auml;utert ihm, wie sie sich die Gestaltung des Buches vorstellt; der Titel k&ouml;nnte "Lille-D&eacute;livrance" lauten (Befreiung von ...). Einmal w&ouml;chentlich soll Fr&eacute;maux dem Vater eine Stunde lang zuh&ouml;ren, ohne ihn mit Gegenfragen aus dem Konzept zu bringen.<br /><br />Fr&eacute;maux hatte Lupuline gleich wiedererkannt. Als seine Familie zwanzig Jahre zuvor seinen Vater Pierre zu Grabe trug, stand sie abseits, Hand in Hand mit ihrem Vater. Sie gingen bald wieder weg, ohne zu kondolieren. Schon damals trug sie rote Schuhe.<br /><br />Beim ersten Treffen stellt sich der massive alte Mann an Kr&uuml;cken seinem Gegen&uuml;ber als Tescelin Beuzaboc vor; dies war in den alten Zeiten sein Codename. Er ist ein guter Erz&auml;hler. Beim Zuh&ouml;ren vertieft sich Fr&eacute;maux in seine Gesichtsz&uuml;ge, die seine Stimmungen deutlich widerspiegeln. Nach einigen Wochen aber beschleichen Fr&eacute;maux ungute Gef&uuml;hle. Auf eigenartige Weise fehlt den Schilderungen Hintergrund und Tiefe: Wer waren die Mitglieder der Gruppe, wer gab die Befehle, wer besorgte den Sprengstoff? Fr&eacute;maux wagt es kaum zu denken: Sitzt hier jemand vor ihm, der eine Vergangenheit lebt, die gar nicht seine war?<br /><br />In Fr&eacute;maux brodeln umso heftigere Gef&uuml;hle - Wut, Hass, Rachegel&uuml;ste -, als sein eigener Vater Pierre tats&auml;chlich in der R&eacute;sistance agiert und unter dem Decknamen Brumaire der Gruppe Vengeance angeh&ouml;rt hatte. Wie soll er sich nun weiter verhalten? Soll er seinen Auftrag zu Ende f&uuml;hren? Soll er Lupuline aus ihren Tr&auml;umen holen, sie mit der Lebensl&uuml;ge ihres Vaters konfrontieren?<br /><br />Sorj Chalandons Roman "Die Legenden unserer V&auml;ter" ist ein aufw&uuml;hlender Roman. Mit der R&eacute;sistance l&auml;sst er ein wichtiges Kapitel franz&ouml;sischer Geschichte aufleben, das das positive Selbstverst&auml;ndnis vieler Franzosen bis heute st&uuml;tzt - und kratzt daran.<br /><br />Dazu konstruiert Chalandon aussagekr&auml;ftige, reizvoll parallele Konstellationen und gestaltet sie dramaturgisch effektvoll wie in einem Vier-Personen-Kammerspiel: Zwei V&auml;ter (Beuzaboc und Brumaire) pr&auml;sentieren ihren Kindern (Lupuline und Fr&eacute;maux) ihre Erinnerungen (erfundene und wahre). W&auml;hrend die eine das Erz&auml;hlte aufsaugt, sich das (fiktive) Bild stolz zu eigen macht, lehnt der andere die brutale Realit&auml;t ab. Der kleine Marcel wollte gar nicht erst h&ouml;ren, was sein Vater dem &auml;lteren Bruder leise ins Ohr fl&uuml;sterte &uuml;ber Deportationen und das Grauen in Konzentrationslagern. Um die Angst von sich fernzuhalten, paradierte der Junge lieber trompetend mit seinen H&auml;nden vorm Mund durchs Zimmer.<br /><br />Die Gegenwart konfrontiert die gegens&auml;tzlichen Positionen miteinander. Schon als sich der Sarg des Vaters in die Erde senkte, wurde dem Sohn bewusst, dass er ihn ohne jegliche Erinnerung hatte gehen lassen: "Ich habe es vers&auml;umt, ihn zu best&uuml;rmen, ihn zu befragen ... Ich habe als Sohn versagt." (S. 17)<br /><br />Nun trifft es Fr&eacute;maux mit blankem Zynismus, dass ihm eine menschliche L&uuml;ge gegen&uuml;ber sitzt, jemand, dessen geklaute Vita voller erfundener Tapferkeit das Andenken des eigenen Vaters besudelt. Denn Beuzaboc hatte nie gek&auml;mpft; selbst seine (echte) Beinverletzung stammt keineswegs von einem Bombenangriff der Engl&auml;nder. Fr&eacute;maux' Vater - der wahre Freiheitsk&auml;mpfer - war dagegen gesch&auml;digt, traumatisiert und desillusioniert zur&uuml;ckgekehrt wie viele andere. Doch f&uuml;r seine Vergangenheit interessierte sich niemand mehr, ihm wurden keine Ehren zuteil; die Menschen wollten vergessen. So wurde er ein Mann des Schweigens und starb schlie&szlig;lich mit 66 Jahren, an Krebs und an seiner verwundeten Seele.<br /><br />Sorj Chalandon, 1952 in Tunis geboren, berichtete von 1974 bis 2007 als Journalist aus Libanon, Iran, Irak, Somalia und Afghanistan. F&uuml;r seine Reportagen &uuml;ber Nordirland und den Klaus-Barbie-Prozess und f&uuml;r seine bisher f&uuml;nf Romane erhielt er zahlreiche Auszeichnungen; 2011 war er sowohl f&uuml;r den <em>Grand Prix du roman de l'Acad&eacute;mie francaise</em> als auch f&uuml;r den <em>Prix Goncourt</em> nominiert. "La l&eacute;gende de nos p&egrave;res" (2009) erscheint jetzt als sein erstes Buch in deutscher &Uuml;bersetzung - die Brigitte Gro&szlig;e geleistet hat - bei dtv premium.<br /><br />Dieses Buch habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-sorj-chalandon-die-legende-unserer-vaeter.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3423248998/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3423248998" target="_blank">"Die Legende unserer Väter" von von Sorj Chalandon bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[11.02.2012 18:02: Ewig Dein von Daniel Glattauer]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-daniel-glattauer-ewig-dein.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-daniel-glattauer-ewig-dein.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/523.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Ewig Dein von Daniel Glattauer"></a>
							<h2>11.02.2012 18:02: Ewig Dein von Daniel Glattauer</h2>
							<h3>Bald sind wir wieder ganz normal</h3>
							<p><small>Rezension vom 11.02.2012 18:02<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Das Thema Lebenspartner - und M&auml;nner &uuml;berhaupt - hat die 36-j&auml;hrige Judith ad acta gelegt. Kennst du einen, dann kennst du sie alle, so lautet die Schlussfolgerung aus ihren bisherigen Erfahrungen.<br /><br />Doch an diesem Gr&uuml;ndonnerstag &auml;ndert sich alles in ihrem Leben. Da latscht ihr doch in der unertr&auml;glichen F&uuml;lle an der K&auml;setheke des Supermarktes ein Mann auf die Hacken. Dann steht er neben ihr in der Kassenschlange. Kein markanter, auff&auml;lliger Traumtyp - sp&auml;ter wird sie sich nur noch an seine geschickten, geschmeidigen H&auml;nde erinnern, mit denen er seine Eink&auml;ufe auf dem F&ouml;rderband drapiert, darunter eine riesige gelbe Bananenstaude. Sicher ist er ein f&uuml;rsorglicher Familienvater, der im Haushalt zufasst.<br /><br />Vor drei Jahren hat Judith das Lampengesch&auml;ft &uuml;bernommen, nachdem ihre mittlerweile getrennt lebenden Eltern es heruntergewirtschaftet hatten. Unter Mitwirkung der 16-j&auml;hrigen Bianca, die stundenlang vorm Spiegel stehen kann, l&auml;uft der Verkauf langsam, aber best&auml;ndig wieder an.<br /><br />Als Bianca der Chefin im Hinterzimmer meldet, dass da ein Mann f&uuml;r sie sei, sieht sie den Bananenmann aus dem Supermarkt wieder; er habe in der Nachbarschaft sein Architekturb&uuml;ro und wolle nur mal "Guten Tag" sagen. Vielleicht treffe man sich mal wieder ... Kaum ist er gegangen, hat Bianca die Sache schon durchschaut und kommentiert fachkundig: "Chefin, der steht volle auf Sie."<br /><br />Schon bald schl&auml;gt das Schicksal erneut zu. Judiths Freund Gerd hat zu einer gro&szlig;en Geburtstagsparty in die Phoenix-Bar geladen - und wer betritt die Kneipe? Der Bananenmann in Begleitung zweier Damen. Er stellt sich Judith vor: Hannes Berg- (oder war es Burg-?) -meier (-hofer? ...), 42 Jahre alt, ledig. Bevor Judith zur Party zur&uuml;ckkehrt, ergreift Hannes die Gelegenheit beim Schopf, sich zu einem Kaffee zu verabreden - eine Zielstrebigkeit, die nach Judiths Empfinden viel zu fr&uuml;h kommt.<br /><br />Hannes ist nicht wirklich Judiths M&auml;rchenprinz, aber irgend etwas hat er an sich; er ist ganz anders als alles bisher Dagewesene, ein Mann im drittbesten Alter, eher langweilig, aber aufrichtig, ja entwaffnend ehrlich, und mit einem strahlenden Gebiss im Munde. Und welch au&szlig;ergew&ouml;hnliche Liebesmetapher bringt er &uuml;ber seine Lippen: Er sei schon beim ersten Blick "von den Socken" gewesen. Judith sei umwerfend, findet er. Verliebt ist Judith nicht, aber so hofiert zu werden genie&szlig;t sie in vollen Z&uuml;gen.<br /><br />Langsam und sehr behutsam wird die Beziehung enger, wenngleich Judith das eigentlich gar nicht so recht will. Als sie Hannes ihren Eltern und dem Freundeskreis vorstellt, sind alle begeistert. Hannes sei ein echter Lottogewinn.<br /><br />Nun trifft man sich t&auml;glich, schickt einander SMS oder telefoniert, Rosen liegen vor der T&uuml;r, und Hannes schl&auml;ft fast jede Nacht bei Judith.<br /><br />Unter diesem Gef&uuml;hls&uuml;berschwang droht Judith zu ersticken; sie braucht ein bisschen Abstand. Hannes zieht sich brav zur&uuml;ck, doch muss er ihr t&auml;glich beweisen, wie sehr er sie liebt - nicht ohne sich dabei zu vergewissern, dass auch Judith auf Dauer nicht ohne ihn leben kann.<br /><br />Doch Judith kann das nicht nur - sie m&ouml;chte das schlie&szlig;lich auch lieber. Aber sie wird ihn einfach nicht los. Will oder kann er es nicht verstehen, dass sie Schluss machen will? Verst&auml;ndnis f&uuml;r ihren Wunsch findet sie ohnehin bei niemandem - im Gegenteil: Alle verurteilen ihren kaltherzigen, gemeinen Abgang. Hannes liebe sie doch nur; das sei doch nicht verwerflich. Wenigstens bei Bianca und deren Freund Basti findet sie Verst&auml;ndnis und erh&auml;lt praktische Tipps. Doch ehe die Rettung naht, muss Judith noch die H&ouml;lle durchleben ...<br /><br />Daniel Glattauers Roman "Ewig Dein" habe ich verschlungen. Schon die ersten Textpassagen - "Er" und "Sie" im lockeren Dialog im Supermarkt - haben mir sprachlich so gut gefallen, dass ich mir sicher war, das Buch erst mit dem letzten Wort wieder zur Seite legen zu k&ouml;nnen.<br /><br />Ich verspreche Ihnen nicht zu viel: Ihnen wird es genauso ergehen! Unverbraucht, witzig, spritzig, modern, frech und frisch f&uuml;hrt uns der Autor durch einen psychologischen Roman, bei dem ich mich wie auf einer immer schneller werdenden Treibjagd f&uuml;hlte. Mich hat beeindruckt, mit welcher Reife, wie wissenschaftlich stimmig und glaubw&uuml;rdig Glattauer seine Protagonistin Judith von einer selbstsicheren, eigenst&auml;ndigen Gesch&auml;ftsfrau in eine g&auml;nzlich Fremde transformiert (N&auml;heres will ich nicht verraten ...), und es hat mich schockiert, welche Mechanismen so einen Prozess ausl&ouml;sen k&ouml;nnen.<br /><br />Glattauer erschafft zwei Menschen, deren Psychogramme so eng miteinander verwoben sind, dass es schier keinen Ausweg mehr gibt. Dabei qu&auml;lt den Leser immer wieder die Frage, wer Hannes eigentlich ist. Ist seine obsessive Liebe, die Judith in den Wahnsinn treibt, krankhaft? Ist er ein gef&auml;hrlicher Stalker? Oder tut man ihm wom&ouml;glich unrecht, liegt man mit seinen Bef&uuml;rchtungen restlos falsch, und ist es vielmehr Judith, die unbegr&uuml;ndete &Auml;ngste und hyperneurotische Wahnvorstellungen pflegt? Beurteilen nicht auch alle Au&szlig;enstehenden Hannes als v&ouml;llig harmlos, und hat er sich nicht letztendlich, ganz ihrem Wunsch entsprechend, von Judith distanziert?<br /><br />Der Autor gibt den psychischen Druck seiner Figuren an uns weiter, und so rotieren wir wie sie in einer sich immer schneller drehenden Spirale abw&auml;rts, im Sog eines dunklen Tunnels, in dem die Anspannung einfach nicht nachl&auml;sst. Mir lief es beim Lesen hei&szlig; und kalt &uuml;ber den R&uuml;cken. "Ewig Dein" wird mich wohl die n&auml;chste Zeit im Bann halten.</p>
<p>&Uuml;brigens: Besonders empfehlen m&ouml;chte ich auch die <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3899033493/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3899033493">H&ouml;rbuch-Version</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3899033493" alt="" width="1" height="1" border="0" />. Andrea Sawatzki hat die ideale Stimme f&uuml;r diese Psycho-Kost und gestaltet sie eindringlich.<br /><br />Dieses Buch habe ich in die Liste <a href="http://www.buecherrezensionen.org/#tipps" target="_blank">meiner ganz privaten aktuellen Lesetipps</a> aufgenommen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-daniel-glattauer-ewig-dein.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[10.02.2012 16:23: Totenstimmung von Arnold Küsters]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-arnold-kuesters-totenstimmung.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-arnold-kuesters-totenstimmung.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/522.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Totenstimmung von Arnold Küsters"></a>
							<h2>10.02.2012 16:23: Totenstimmung von Arnold Küsters</h2>
							<h3>Bluesharps in D, E, A, D</h3>
							<p><small>Rezension vom 10.02.2012 16:23<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Warum sucht ein psychisch kranker T&auml;ter als Opfer seiner abartig morbiden Folterungen ausgerechnet Behinderte aus? Ist es, weil sie sich in ihrer Gutgl&auml;ubigkeit schnell anderen anvertrauen und weil sie in mancher Hinsicht die Schw&auml;chsten in der Gesellschaft sind? Und warum schenkt er ihnen Mundharmonikas ("Bluesharps") in verschiedenen Tonarten?<br /><br />Die M&ouml;nchengladbacher Feuerwehr bek&auml;mpft im Dohrer Busch, einem W&auml;ldchen im Ortsteil Giesenkirchen, die &uuml;bergro&szlig;e Population der Eichen-Prozessionsspinner, einer Nachtfalterart, bzw. ihre zwiesp&auml;ltigen Produkte: Ungef&auml;hr im Mai fressen die Tierchen - dann noch im Stadium der Raupen - die B&auml;ume kahl und &uuml;berziehen die &Auml;ste mit einem feinen Fadennetz, das den Pflanzen nicht gut bekommt, aber immerhin je nach Lichteinfall durchaus reizvolle Fotomotive bietet.<br /><br />Einer der Arbeiter richtet seinen Flammenwerfer auf das Laub am Boden - und schon ist es zu sp&auml;t. Weggesengt ist das Gesicht einer Unbekannten, ihre Kleidung brennt, ihr ganzer K&ouml;rper steht in Flammen. Die M&ouml;nchengladbacher Polizei unter Leitung von Frank Borsch und seinem Kollegen Michael Eckers, genannt Eckie, &uuml;bernimmt die Ermittlungen. Zwar ist der Feuerwehrmann nicht vernehmungsf&auml;hig, doch die Ergebnisse des Pathologen hinsichtlich der Vorgeschichte sind schockierend genug: Die Frau habe noch gelebt, als der T&auml;ter sie da im Wald ablegte; dann habe er sie mit Raupen &uuml;bersch&uuml;ttet. Deren Haare enthalten ein Eiwei&szlig;gift, das f&uuml;r viele Menschen gef&auml;hrlich ist und eine allergische Reaktion ausl&ouml;sen kann. An so einer &Uuml;berempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems ("anaphylaktischer Schock") sei die von Bl&auml;ttern &uuml;berdeckte Frau gestorben.<br /><br />Seit zwei Tagen wird sowohl in einer Wohngruppe als auch in einer Behindertenwerkstatt Elvira Theissen vermisst, eine Frau mit Down-Syndrom. Vieles deutet darauf hin, dass sie die Tote aus dem Dohrer Busch ist. Aber das erste Gespr&auml;ch mit dem Sozialarbeiter Volker Radermacher bringt die Ermittler nicht recht weiter. F&uuml;r ihn gibt es keine "Behinderten". Menschen wie Elvira sind Menschen mit besonderen Bed&uuml;rfnissen, die zwar eingeschr&auml;nkt, aber mobil am &ouml;ffentlichen Leben teilhaben k&ouml;nnen.<br /><br />Dann wird Frank Borsch mit der Post ein einzelner Finger zugestellt, und auch in einem Spargelfeld tauchen einzelne abgetrennte Finger auf. Die dazugeh&ouml;rige Person wird nie gefunden.<br /><br />Nach diesem spannenden Einstieg bleibt der Spannungsbogen leider &uuml;ber mehr als 100 Seiten so flach wie die typische Landschaft am Niederrhein. Die Polizei schie&szlig;t sich auf einen Tatverd&auml;chtigen ein, kommt jedoch keinen Schritt voran. Mundharmonikas, lebensgro&szlig;e Puppen, seltsame, zun&auml;chst unverst&auml;ndliche Textpassagen und &auml;hnliche Motive halten den Leser am Krimiplot bei Stimmung, aber schlafraubend ist das nicht wirklich. Wie bei Regionalkrimis &uuml;blich, schafft der Autor Arnold K&uuml;sters, ein M&ouml;nchengladbacher nat&uuml;rlich, Attraktivit&auml;t f&uuml;r sein Buch, indem er Seite um Seite mit authentischem Lokalkolorit f&uuml;llt. Wer dort lebt, wird all die Stra&szlig;en, Pl&auml;tze, Lokale und Brennpunkte, wo sich Alkis, Drogenabh&auml;ngige, Kleinkriminelle aufhalten und auch viele Migranten anzutreffen sind, wiedererkennen und sich ganz zu Hause f&uuml;hlen. Manche Protagonisten stammen sogar aus K&uuml;sters' privatem Umfeld. Selber ein Fan der Bluesharp, spielt der Autor seit zw&ouml;lf Jahren in einer Band "Stixx", und da etliche Bandmitglieder (und andere Bekannte) damit einverstanden waren, zu Romanhelden zu werden, spielen sie jetzt als Kommissar oder Betreuer der Behindertenwerkstatt mit.<br /><br />Auf den letzten etwa 70 Seiten legt der Autor auch f&uuml;r Nicht-Niederrheiner wieder einen Zahn zu: Ein Behinderter, den man an einem unappetitlichen Ort auf einen Stuhl gebunden hatte, wird tot geborgen; ein Archivar wird entf&uuml;hrt. Schlie&szlig;lich wird nat&uuml;rlich der T&auml;ter gefasst, dessen Motive leider dem Klischee so vieler Psychothriller entsprechen - wahrscheinlich realistisch, aber eben wieder nicht originell.<br /><br />Ein durchwachsenes Fazit also: Der sehr stark ortsgepr&auml;gte Krimi ist nicht aufregend, aber nett zu lesen. Es darf Sie also nicht wundern, wenn Sie demn&auml;chst, wenn die ersten Sonnenstrahlen den Rheydter Markt erw&auml;rmen, manchen hiesigen B&uuml;rger treffen, der, gem&uuml;tlich im "Gregory's" sein K&auml;ffchen schl&uuml;rfend, dieses B&uuml;chlein in H&auml;nden h&auml;lt. Der wird bei der Lekt&uuml;re bestimmt nicht in "Totenstimmung" geraten, aber sicher den einen oder anderen Passanten identifizieren - denn hier kennt jeder jeden ...<br /><br />&Uuml;brigens: Die Gestaltung des Covers finde ich v&ouml;llig daneben. Da schaut uns ein putziger Spatz an, der auf einem Zaunpfahl hockt - ein x-beliebiges Bildchen aus dem Internet-Fundus. Dar&uuml;ber steht - in Zitronengelb! - "Totenstimmung" ... Unstimmiger geht's nimmer, und obendrein liefert die gesamte Handlung keinen einzigen Bezug zu diesem niedlichen kleinen Etwas. Dabei w&auml;re doch jedes schaurig-sch&ouml;ne Motiv aus den vielen Verpuppungsstadien der <em>Thaumetopoea processionea</em> (Prozessionsspinner) totenstimmungsvoller gewesen. Wie kann sich ein Verlag so eine optische Steilvorlage f&uuml;r ein attraktives Titelbild entgehen lassen? Wie kann ein Autor so einer lieblosen, kontraproduktiven Vermarktung zustimmen?</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-arnold-kuesters-totenstimmung.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3492272975/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492272975" target="_blank">"Totenstimmung" von von Arnold Küsters bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3492272975" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[09.02.2012 23:47: Come Dio comanda von Niccolò Ammaniti]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-recensione-niccolo-ammaniti-come-dio-comanda.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-recensione-niccolo-ammaniti-come-dio-comanda.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/537.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Come Dio comanda von Niccolò Ammaniti"></a>
							<h2>09.02.2012 23:47: Come Dio comanda von Niccolò Ammaniti</h2>
							<h3>&quot;Cristiano, c&#39;e l&#39;hai un cuore?&quot; - &quot;No. L&#39;ho perso.&quot;</h3>
							<p><small>Rezension vom 09.02.2012 23:47<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Klipp und klar gesagt: Nach meiner pers&ouml;nlichen <em>classifica</em> ist dies - nach "Io non ho paura" (2001) - des Autors zweitbester Roman. 2006 erschienen, bringt er meisterhaft zwischen zwei Buchdeckel, was ich an Ammanitis B&uuml;chern am liebsten mag und was er am besten kann: eine anr&uuml;hrende Initiationsgeschichte in ungesch&ouml;ntem gesellschaftlichen Kontext hinrei&szlig;end erz&auml;hlen. Seine &uuml;bersch&auml;umende Fantasie z&uuml;gelt Ammaniti hier wenigstens so weit, dass sich die Handlung einigerma&szlig;en in den harten Alltagsgrenzen dessen entfaltet, was tats&auml;chlich passieren k&ouml;nnte. Dichtauf folgen "Ti prendo e ti porto via" (1999), das vom Plot her exaltierter, vom Personenkreis her privater und von den Botschaften her weniger relevant ist. "Io e te" (2010) ist intimer, "Che la festa cominci" (2009) &uuml;berdrehter, und "Fango" (1999) steckt noch zu tief in der Pulp-fiction-Trash-Noir-Grottesk-Phase, die den Autor bis heute gepr&auml;gt hat.<br /><br />Dem letzten der vier Hauptteile sind zwei Song-Zeilen des Liedermachers Edoardo Bennato vorangestellt: "Ti hanno iscritto / a un gioco grande". Das trifft auf sarkastische Weise, was Cristiano Zena widerf&auml;hrt. Der trotz widrigster Umst&auml;nde bisher noch halbwegs intakte Dreizehnj&auml;hrige ger&auml;t in einen Strudel, den andere ausl&ouml;sen, die es aus ihrer (schiefen) Perspektive durchaus gut mit ihm meinen. Am Ende bleibt er allein zur&uuml;ck, mitten im Chaos seiner ruinierten Lebensumst&auml;nde.<br /><br />Cristianos Leitfigur ist sein Vater Rino. Dem ist die Frau davongelaufen, er ist arbeitslos und wohnt mit seinem Sohn in einem heruntergekommenen Haus zwischen Industriegebiet und Niemandsland. Der Mann hat die Mentalit&auml;t eines Kettenhundes: Er ist unfasslich leicht entz&uuml;ndbar, jederzeit bereit, einen vermeintlichen Feind zu zerfleischen. Brutal in Gedanken und Taten, kennt er keine Grenzen. Am Rand der Gesellschaft schl&auml;gt er sich durch, weltanschaulich nach rechts driftend, t&auml;towiert, verachtet und r&auml;tselhaft, nur noch f&uuml;r wenige Frauen attraktiv.<br /><br />Im Mittelpunkt von Rino Zenas Trachten steht sein Sohn, sein einziger Halt und Lebenssinn. Dieses wertvolle Gut beansprucht er eifers&uuml;chtig und stolz, und er verteidigt seinen Besitz mit List, zum Beispiel gegen die Beh&ouml;rden in Gestalt des Sozialarbeiters Beppe Trecca. Cristianos Erziehung hat nur ein Ziel: Lebenst&uuml;chtigkeit nach dem Vorbild des Vaters. Kleine &Uuml;bungen auf diesem Weg sind, n&auml;chtens einen Kettenhund zu erschie&szlig;en und einen ungebremsten <em>capucciotto</em> gegen des Vaters Nasenbein zu donnern: Gelobt sei, was hart macht.<br /><br />Die Vater-Sohn-Beziehung ist von gegenseitigem Respekt und blindem Vertrauen gepr&auml;gt, auch von rauen Emotionen, und wir ahnen, dass Rino vielleicht ein Herz hat, versch&uuml;ttet unter all dem M&uuml;ll, den er in seinem Leben angesammelt hat. In einigen Schl&uuml;sselszenen findet Rino beeindruckende Bilder und Worte f&uuml;r seinen Sohn: "Io non posso cadere." - "Perch&eacute;?" - "Perch&eacute; so il segreto per non cadere." (S. 324) - dann l&auml;sst er den gespannten Cristiano das Geheimnis selber suchen.<br /><br />So angeleitet, lernt Cristiano Zena sich zu behaupten. Wenn er eigenst&auml;ndig, unkontrolliert handelt, ger&auml;t er in gr&ouml;&szlig;te Kalamit&auml;ten, aus denen der Vater ihn wieder heraushauen muss. Er bewahrt sich Zuneigung und Bewunderung f&uuml;r seinen Vater, und auch sein Bewusstsein f&uuml;r Recht und Unrecht bleibt im Grunde erhalten, doch in seinem "gioco grande" kann er nur Verlierer sein: "Cristiano, c'e l'hai un cuore?" fragt ihn Beppe, und weise antwortet der Junge: "No. L'ho perso." (S. 460)<br /><br />Ein Roman voller besch&auml;digter Leben:<br /><br />Auch Rinos Kumpel Danilo ist ein Verlierer. Nach dem Tod der kleinen Tochter hat ihn seine Frau verlassen, und er st&uuml;rzte tief; jetzt will er seinen verlorenen Status wiedergewinnen, und dazu sind ihm alle Mittel recht - der Gelegenheitsarbeiter f&uuml;hlt sich allen &uuml;berlegen, hat hochfliegende Pl&auml;ne, ist freilich nicht besser als andere und &uuml;bersch&auml;tzt sich ebenso wie sie. Von ihm stammt der fatale Plan, einen Bancomat aufzubrechen ...<br /><br />Mitleid und Schauder erregt "Quattro Formaggi", der zweite Gef&auml;hrte der Zenas. Geistig etwas zur&uuml;ckgeblieben, lebt er am liebsten in seiner <em>presepe</em>, einer riesigen Weihnachtskrippe aus liebevoll gesammeltem M&uuml;ll (<em>tipo</em> &Uuml;berraschungsei-Fig&uuml;rchen), deren Parallelwelt kindliche Gedanken, Religi&ouml;ses und fatalerweise auch derbe Sexbesessenheit verdinglicht.<br /><br />Beppe Trecca, der Sozialarbeiter, verf&auml;llt g&auml;nzlich unerwartet der Frau des besten Freundes. Dieser Schicksalsschlag st&uuml;rzt das Weichei in ein moralisches Wechselbad - bald f&uuml;hlt er sich als draufg&auml;ngerischer, kaltbl&uuml;tiger Verf&uuml;hrer, bald ist er reum&uuml;tiger S&uuml;nder. Leider kann er dadurch seinen wichtigen Alltagsaufgaben nicht mehr so nachgehen, wie es f&uuml;r Cristiano zu w&uuml;nschen w&auml;re ...<br /><br />Der &auml;u&szlig;ere Schein t&auml;uscht ohnehin in dieser scheinheiligen Gesellschaft: Spontan beschlie&szlig;t Cristiano in der Tierhandlung, das niedliche Frettchen zu klauen, steckt es in seine Hose, t&uuml;rmt - und wird nat&uuml;rlich sofort erwischt; die biestigen Wohlstandsm&auml;dchen dagegen - die eh nur an Joints, Saufen und Sex denken - pl&uuml;ndern sich geradezu durch die Boutiquen und hinterlassen auch noch die unschuldigsten Eindr&uuml;cke.<br /><br />In den unz&auml;hligen Kapiteln, aus denen sich diese Leben zusammensetzen, beweist sich Ammanitis unersch&ouml;pfliche Fabulierkunst - dicht, fettfrei, auf den Punkt formuliert, aber verschwenderisch kreativ wie die <em>mensoloni</em> der Barockbalkone im sizilianischen S&uuml;dosten: F&uuml;r ein, zwei Abs&auml;tzchen schweift der Meister kurz mal ab, blo&szlig; um einen Spitznamen, eine Narbe, eine Macke einer Figur zu begr&uuml;nden, und liefert dazu eine Episode ab, die anderen Autoren als Steilvorlage f&uuml;r einen ganzen Roman dienen k&ouml;nnte ... Wie, beispielsweise, hat denn Danilo sein T&ouml;chterchen verloren? Weil sich ein Kindersitz, wiewohl vielfach getestet, nicht &ouml;ffnen lie&szlig;, als Danilo eines Tages ... (S. 134 ff.). Und wie kommt er selbst ums Leben? "La ruota destra colp&igrave; a centosessanta chilometri orari il marciapiede e si stacc&ograve; dal mozzo e la macchina si ribalt&ograve; e cominci&ograve; ad avvitarsi su se stessa e si accartocci&ograve; contro un'enorme fioriera di cemento che era stata messa l&igrave; dalla nuova giunta comunale per impedire alle auto di entrare in quello che chiamavano centro storico" (S. 297).<br /><br />Im &Uuml;brigen ist auch dieser Ammaniti nichts f&uuml;r Zartbesaitete: Wenn Rino und Konsorten zuschlagen, dann richtig und ganz nach Comic-Art (mit "CRICK", "STOCK", Bomben im Hirn und Willie the Coyote). Auch das Strukturprinzip ist bew&auml;hrt, unterhaltsam und leserfreundlich: Ein halbes Dutzend Handlungsstr&auml;nge wird im Wesentlichen chronologisch abgearbeitet, in 244 Kapitelchen, die h&uuml;bsch alternierend jeweils einer Person und Phase gewidmet sind, wobei diese Schnipselchen zu einander hinf&uuml;hren, einander spiegeln, erg&auml;nzen, relativieren - und meist ein <em>cliffhanger</em> am Kapitelende zum Weiterlesen zwingt ...<br /><br />Dass all dies Gott befohlen haben k&ouml;nnte (oder es ihm gef&auml;llt, wie es in der deutschen &Uuml;bersetzung hei&szlig;t), kann nur zynisch gemeint sein. Und doch schimmern durch die Oberfl&auml;che der alles beherrschenden Brutalit&auml;t - physisch, psychisch, verbal, sozial, biographisch - immer wieder einfache Moralvorstellungen, die sich als Sorge um die pflegebed&uuml;rftige Mutter, im bedingungslosen Eintreten f&uuml;reinander, in Freundschaft und Skrupeln manifestieren, letzten Endes aber aus einer anderen Welt stammen als die, in der Cristiano mitspielen muss.<br /><br />P.S.: Falls Sie das Buch &uuml;ber einen Versand kaufen: Was Sie erhalten, ist kein M&auml;ngelexemplar. Die Taschenb&uuml;cher der <em>Piccola Biblioteca Oscar Mondadori</em> sehen oft so aus, als w&auml;ren die Papierb&ouml;gen per Hand geschnitten und zusammengetackert worden ...</p>
<p><strong>Die B&uuml;cher von Niccol&ograve; Ammaniti</strong>:</p>
<ol>
<li><strong>Io e te</strong> (2010): <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/880620680X/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=880620680X">Taschenbuch in italienischer Sprache</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=880620680X" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Einaudi, 116 Seiten)<br /> &bull; deutsch: <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3492055044/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492055044">Du und ich</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3492055044" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Piper 2012, 160 Seiten)</li>
<li><strong>Che la festa cominci</strong> (2009): <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8806191012/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8806191012">Taschenbuch in italienischer Sprache</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8806191012" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Einaudi, 328 Seiten)<br /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8895703294/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8895703294">H&ouml;rbuch in italienischer Sprache</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8895703294" alt="" width="1" height="1" border="0" /> - gelesen von Giorgio Tirabassi, Verlag Emons 2010<br /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B001ABSMKS/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B001ABSMKS">Film-DVD</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B001ABSMKS" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (italienische/franz&ouml;sische Fassung; italienische Untertitel)</li>
<li><strong>Come Dio comanda</strong> (2006): <br /> &bull; italienisch: <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8804589310/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8804589310">Taschenbuch</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8804589310" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Mondadori, 477 Seiten)<br /> &bull; deutsch: <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3596177588/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3596177588">Wie es Gott gef&auml;llt</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596177588" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Fischer 2010, 484 Seiten)<br /> &bull; <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B003XMBZ7O/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B003XMBZ7O">Film-DVD (Blu-ray)</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B003XMBZ7O" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (italienische Fassung; englische Untertitel)</li>
<li><strong>Io non ho paura</strong> (2001):<br /> &bull; italienisch: <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8806188674/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8806188674">Taschenbuch</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8806188674" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Einaudi, 219 Seiten)<br /> &bull; italienisch mit deutschen Vokabelhilfen: <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3150197368/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3150197368">Taschenbuch</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3150197368" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Reclam 2008, 304 Seiten. Die Vokabelangaben unten auf jeder Seite sind eine sehr komfortable Leseerleichterung!)<br /> &bull; deutsch: <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3442457181/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3442457181">Ich habe keine Angst</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3442457181" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Goldmann 2004, 252 Seiten)<br /> &bull; die wunderbare Verfilmung: <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/B0002XGXC4/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B0002XGXC4">DVD</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B0002XGXC4" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (italienische/deutsche Fassung, italienische/deutsche Untertitel, 2004, 105 Minuten)</li>
<li><strong>Ti prendo e ti porto via</strong> (1999):<br /> &bull; italienisch: <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8804476796/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8804476796">Taschenbuch</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8804476796" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Mondadori, 452 Seiten)<br /> &bull; deutsch: <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3596177596/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3596177596">Fort von hier</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3596177596" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Fischer 2008, 448 Seiten)</li>
<li><strong>Fango</strong> (Kurzgeschichten, 1996): <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8804468645/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8804468645">Taschenbuch</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8804468645" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Mondadori, 317 Seiten)</li>
<li><strong>Branchie</strong> (1994): <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8806143549/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8806143549">Taschenbuch in italienischer Sprache</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8806143549" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Einaudi, 185 Seiten)</li>
</ol>
<p><strong>Rezensionen italienischsprachiger B&uuml;cher auf meiner Seite:</strong></p>
<ol>
<li><a href="rezension-recensione-simonetta-agnello-hornby-la-monaca.htm" target="_blank">Agnello Hornby, Simonetta: La monaca <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-simonetta-agnello-hornby-la-zia-marchesa.htm" target="_blank">Agnello Hornby, Simonetta: La zia Marchesa<img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-niccolo-ammaniti-che-la-festa-cominci.htm" target="_blank">Ammaniti, Niccol&ograve;: Che la festa cominci <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-niccolo-ammaniti-come-dio-comanda.htm" target="_blank">Ammaniti, Niccol&ograve;: Come Dio comanda <img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-niccolo-ammaniti-io-e-te.htm" target="_blank">Ammaniti, Niccol&ograve;: Io e te <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-maria-corti-otranto-l-ora-di-tutti.htm" target="_blank">Corti, Maria: Otranto - L'ora di tutti <img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-roberto-cotroneo-otranto.htm" target="_blank">Cotroneo, Roberto: Otranto <img src="pics/1-star_s.gif" alt="1 Stern" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-carlo-lucarelli-l-ottava-vibrazione.htm" target="_blank">Lucarelli, Carlo: L'ottava vibrazione <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-michela-murgia-accabadora.htm" target="_blank">Murgia, Michela: Accabadora <img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-giorgio-todde-l-estremo-delle-cose.htm" target="_blank">Todde, Giorgio: L'estremo delle cose<img src="pics/3-star_s.gif" alt="3 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-andrea-vitali-la-leggenda-del-morto-contento.htm" target="_blank">Vitali, Andrea: La leggenda del morto contento <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
</ol></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-recensione-niccolo-ammaniti-come-dio-comanda.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/8804589310/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8804589310" target="_blank">"Come Dio comanda" von von Niccolò Ammaniti bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[08.02.2012 13:59: Der Russe ist einer, der Birken liebt von Olga Grjasnowa]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-olga-grjasnowa-der-russe-ist-einer-der-birken-liebt.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-olga-grjasnowa-der-russe-ist-einer-der-birken-liebt.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/521.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Russe ist einer, der Birken liebt von Olga Grjasnowa"></a>
							<h2>08.02.2012 13:59: Der Russe ist einer, der Birken liebt von Olga Grjasnowa</h2>
							<h3>Entwurzelt und heimatlos</h3>
							<p><small>Rezension vom 08.02.2012 13:59<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Mit der Ich-Erz&auml;hlerin Mascha erh&auml;lt Olga Grjasnowas Deb&uuml;troman "Der Russe ist einer, der Birken liebt" stark autobiografische Z&uuml;ge. Beide sind entwurzelte junge Frauen aus j&uuml;dischen Familien und Fl&uuml;chtlingskinder aus Aserbaidschan, die in Deutschland ihre erste Anlaufstelle finden. Dank ihres au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Talents f&uuml;r Fremdsprachen - sie beherrschen Russisch, Polnisch und Arabisch - arbeiten sie im Deutschunterricht grammatikalisch fehlerfrei mit; ihre Deutschlehrerin bem&auml;ngelt nur den immer noch vorhandenen slawischen Akzent.<br /><br />Mascha, inzwischen 27 Jahre alt, m&ouml;chte gern als Dolmetscherin f&uuml;r die UN arbeiten. Sie studiert Sprachen, erweitert ihr Repertoire noch um Italienisch, Franz&ouml;sisch, Englisch und Spanisch. Als Hochbegabte erh&auml;lt sie Stipendien und sammelt w&auml;hrend ihrer Auslandspraktika in Moskau, Br&uuml;ssel, Wien und Warschau wertvolle Erfahrungen.<br /><br />Unter dieser glanzvollen Oberfl&auml;che verbirgt sich aber eine doppelt traumatisierte junge Frau. Die Pogrome in Baku verfolgen Mascha noch immer, und &uuml;ber den Verlust ihrer gro&szlig;en Liebe Elias, im Diminutiv auch gern Elischa genannt, kommt sie zeitlebens nicht hinweg. Bei einem Fu&szlig;ballspiel hatte er sich den Oberschenkel gebrochen, war nach Operationen nach Hause zur&uuml;ckgekehrt, doch seine Wunde eiterte, er hatte Fiebersch&uuml;be, und die &Auml;rzte konnten ihn nicht mehr retten.<br /><br />Mascha qu&auml;lt nicht nur die unab&auml;nderliche Tatsache, dass Elias nicht mehr da ist. Oft und oft erscheint er ihr in ihren Erinnerungen; sie peinigt sich mit Selbstvorw&uuml;rfen, f&uuml;hlt sich mitschuldig, denn sie h&auml;tte die Wunde beobachten m&uuml;ssen. Weinkr&auml;mpfe, Atemnot bis zur Bewusstlosigkeit und Gewichtsverlust sind die physischen Auswirkungen ihres psychischen Schmerzes. Sie muss starke Beruhigungsmittel schlucken. In ihrem t&uuml;rkisch-muslimischen Freund Cem findet sie immer wieder geduldigen, einf&uuml;hlsamen, aufbauenden Zuspruch.<br /><br />Mascha, die Heimatlose, fliegt nach Israel. Am Flughafen muss sie strenge Kontrollen durchlaufen. Nach dem Grund ihres Einreisewunsches gefragt, ist er ihr eigentlich gar nicht klar - aber ihre Antwort, sie sei gekommen, "um zu trauern" (S. 162), trifft wohl den Kern.<br /><br />Olga Grjasnowa beschreibt ein atemberaubendes, quirliges, &uuml;berhitztes Leben und Klima in Israel - eine Multikulti-Gesellschaft, in der sich alle Facetten zwischen Modernit&auml;t und Weltoffenheit bis hin zu rigider Traditionsbewahrung und ultraorthodoxem Judentum finden. Auf den Stra&szlig;en und in den Cafes herrscht ein verwirrendes Sprachen-Tohuwabohu. An der Klagemauer in Jerusalem f&uuml;hlt sich Mascha zwischen all den Betenden und in einer befremdlichen Atmosph&auml;re leicht fehl am Platz. &Uuml;berall sind Checkpoints zu passieren. W&auml;hrend einer Busfahrt beobachtet Mascha eine junge Frau in Uniform, die sich gerade ihre N&auml;gel lackiert, auf dem Sitz neben ihr ihre Damenhandtasche - und ihr schweres Maschinengewehr ... Der ganz normale Alltagswahnsinn: ein Tanz auf dem Vulkan.<br /><br />W&auml;hrend Maschas j&uuml;dische Eltern einstmals engagierte Kommunisten waren, ist sie selber weder religi&ouml;s noch hat sie politische &Uuml;berzeugungen. Nur kurz st&uuml;rzt sie sich in ein Liebesverh&auml;ltnis mit einer israelitischen Frau und einem pal&auml;stinensischen Mann. Zur Ruhe kommt sie nicht in diesem pulsierenden Land. Ihre Melancholie, ihre Depressionen und ihre Albtr&auml;ume l&auml;hmen sie. Im Schlussbild des Romans steht sie hilflos auf freiem Feld in Pal&auml;stina, hat Nasenbluten, ist handlungsunf&auml;hig wie ein kleines Kind. Sami, ihr erster Geliebter aus Studentenzeiten, z&ouml;gert nicht: Er holt sie zur&uuml;ck nach Deutschland.<br /><br />Wer ist diese Mascha wirklich? Wie passt diese Schlussszene zu einer weltgewandten Frau mit au&szlig;ergew&ouml;hnlichem Sprachgef&uuml;hl? Eigentlich hat sie ihre tief verletzte Seele nur &uuml;berdeckt - mit pseudo-feministischem Verhalten, mit freier bisexueller Liebe, mit hei&szlig;en Partys und Drogenkonsum ...<br /><br />"Der Russe ist einer, der Birken liebt" - das ist das bemerkenswerte Erstlingswerk einer jungen Russin, die selbst immer noch nicht angekommen ist. 1984 in Baku, Aserbaidschan, geboren, wuchs Olga Grjasnowa im Kaukasus auf. Nach Auslandsaufenthalten in Polen, Russland und Israel studiert sie jetzt Tanzwissenschaften an der FU Berlin. Sie ist Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. 2011 erhielt sie das Grenzg&auml;nger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-olga-grjasnowa-der-russe-ist-einer-der-birken-liebt.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3446238549/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3446238549" target="_blank">"Der Russe ist einer, der Birken liebt" von von Olga Grjasnowa bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[05.02.2012 13:54: Verleumdung von Benni/Karen Vad Bødker/Bruun]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-benni-bodker-karen-vad-bruun-verleumdung.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-benni-bodker-karen-vad-bruun-verleumdung.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/520.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Verleumdung von Benni/Karen Vad Bødker/Bruun"></a>
							<h2>05.02.2012 13:54: Verleumdung von Benni/Karen Vad Bødker/Bruun</h2>
							<h3>Blut fordert Blut</h3>
							<p><small>Rezension vom 05.02.2012 13:54<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Das d&auml;nische Autorenpaar Karen Vad Bruun und Benni B&oslash;dker beginnt mit seinem Deb&uuml;troman "Verleumdung" eine Krimi-Serie um die Forensikerin Linnea Kirkegaard und die Auftragskillerin Peggy-Lee Wu.</p>
<p>W&auml;hrend einer Milit&auml;raktion im Irak verh&ouml;ren d&auml;nische Soldaten - Jonas, Hauptmann Overbye und einige weitere - einen siebzehnj&auml;hrigen Iraker und foltern ihn. Zeuge des Geschehens ist der irakische Dolmetscher Firaz Khalid, ein Krimineller, der sich kein noch so krummes Gesch&auml;ft zwischen Irakern und den UN-Truppen entgehen l&auml;sst.</p>
<p>Nach dem Ende des Einsatzes werden die Beteiligten unehrenhaft aus dem Dienst entlassen. Schwer traumatisiert muss Jonas sich in D&auml;nemark wieder einleben. Nur dank seiner starken Frau Lex findet er den Weg zur&uuml;ck ins Leben.</p>
<p>Auch Linnea Kirkegaard kehrt aus dem Ausland zur&uuml;ck. Sie hat in Amerika bei der Identifizierung vieler Toter - u.a. am Ground Zero - gute Arbeit geleistet und sich Anerkennung verschafft. Nun kommt sie zur Beerdigung ihres Vaters.</p>
<p>Da findet man in einem Waldst&uuml;ck verbuddelt eine bis aufs Skelett verweste Leiche. Schon hier kann Linnea der Polizei erste Erkenntnisse &uuml;bermitteln: Es handelt sich um einen etwa drei&szlig;igj&auml;hrigen Mann, tot seit mindestens einem Jahr. Knochenbau und Sch&auml;delform lassen vermuten, dass er aus dem Nahen Osten stammt. Ein Einschussloch &uuml;ber dem Ohr deutet auf eine Art Hinrichtung.</p>
<p>Neben der Leiche liegt ein wertvolles Artefakt aus Ton, das drei- bis viertausend Jahre alt sein muss. Die Polizei interessiert sich nicht weiter daf&uuml;r und m&ouml;chte diesen Fall am liebsten als Selbstmord abhaken und zu den Akten legen. Linnea aber nimmt den merkw&uuml;rdigen Gegenstand an sich.</p>
<p>Um den Toten identifizieren zu k&ouml;nnen, kontaktiert Linnea eine ehemalige Kollegin in Virginia. Dort arbeitet man schon seit Jahren mit einem Computerprogramm zur Rekonstruktion von Gesichtern ("kraniofaziale Approximation"). Schon bald kann Linnea ein Gesicht pr&auml;sentieren; es erscheint auf den Titelseiten aller Zeitungen, und sofort erkennt ein Beamter der Einwanderungsbeh&ouml;rde den Mann: Es ist Firaz Khalid. Was wollte er in D&auml;nemark? Als sp&auml;ter auch Jonas ermordet wird, ist klar, dass es zwischen den Toten eine Beziehung geben muss ...</p>
<p>Was sich eigentlich als spannender Plot verarbeiten lie&szlig;e, haben die Autoren leider nicht sehr wirkungsvoll umgesetzt. Sie verraten schon fr&uuml;hzeitig sehr viel. Bereits im Prolog lernt der Leser Kevin Love kennen; dieser S&ouml;ldner und universelle H&auml;ndler ist der ganz gro&szlig;e Drahtzieher im Hintergrund. Als Firaz, sein Mittelsmann, pl&ouml;tzlich als Leiche wieder auftaucht, wei&szlig; er, dass er sich selber nach Kopenhagen aufmachen muss, denn, so sagt er mit Shakespeare, "etwas ist faul im Staate D&auml;nemark" (S. 15; "Something is rotten in the state of Denmark", "Hamlet", Akt I, Szene IV, Zeile 90).</p>
<p>Kevin Loves illegale Gesch&auml;fte mit Antiquit&auml;ten versuchen andere hinter seinem R&uuml;cken zu ihrem eigenen Vorteil abzuwickeln. Das will Kevin Love nat&uuml;rlich abstellen, und so engagiert er die Auftragskillerin Peggy-Lee Wu, die im US Marine Corps eine optimale Ausbildung genossen hat und jetzt die Drecks- und Aufr&auml;umarbeiten &uuml;bernehmen soll.</p>
<p>W&auml;hrend die Polizei etwas t&ouml;lpelhaft im Dunkeln tappt und Linnea ganz auf sich gestellt der Spur des antiken Artefakts folgt, kann der Leser schnell eins und eins zusammenz&auml;hlen. Da rettet auch nicht mehr viel, dass Linnea f&auml;lschlicherweise f&uuml;r jemand anderes gehalten und entf&uuml;hrt wird.</p>
<p>Dar&uuml;ber hinaus haben auch die deutschen Herausgeber meines Erachtens nicht sehr gl&uuml;cklich agiert. Die Covergestaltung mit dem Antlitz einer Ratte finde ich genauso wenig motiviert wie die Auswahl des Titels "Verleumdung". Warum hat man nicht den Originaltitel "Blod vil have blod" &uuml;bersetzt? Das ist ein Zitat aus Shakespeares "Macbeth" ("blood will have blood", Akt III, Szene IV, Zeile 121), dr&uuml;ckt aus, dass eine Bluttat weitere nach sich zu ziehen pflegt, passt zur Handlung und kommt deshalb auch im Text vor (S. 379).</p>
<p>Aber aller Anfang ist halt schwer. Dr&uuml;cken wir dem Autorenteam die Daumen f&uuml;r mehr Gl&uuml;ck mit ihrem zweiten Band.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-benni-bodker-karen-vad-bruun-verleumdung.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3548283721/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3548283721" target="_blank">"Verleumdung" von von Benni/Karen Vad Bødker/Bruun bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[02.02.2012 15:19: Der letzte Sommer auf Long Island von Colson Whitehead]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-colson-whitehead-der-letzte-sommer-auf-long-island.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-colson-whitehead-der-letzte-sommer-auf-long-island.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/519.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der letzte Sommer auf Long Island von Colson Whitehead"></a>
							<h2>02.02.2012 15:19: Der letzte Sommer auf Long Island von Colson Whitehead</h2>
							<h3>Die weichgespülte Enkelgeneration</h3>
							<p><small>Rezension vom 02.02.2012 15:19<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>1985: Wer sich als Farbiger auf Sag Harbor, dem Urlaubsparadies auf Long Island unweit von New York, ein Ferienhäuschen leisten kann, hat es in die gehobene Mittelschicht der Vereinigten Staaten geschafft. Großvater Cooper gehörte einst zu den ersten, die hier in Eigenarbeit einen Grundstein legten. Für die Enkel Elena, Benji und Reggie ist es zur Normalität geworden, dass sie jeden Sommer hierher kommen. Ihr Vater ist Arzt, ihre Mutter Anwältin, die Kinder besuchen in fein gebügelten Uniformen Privatschulen, zusammen mit Weißen. Sie sind eine Bilderbuchfamilie wie die "Cosby Familie" in der täglichen Sitcom, die auch weiße Amerikaner gerne anschauen.<br /><br />Die Eltern gehörten noch zu den Schwarzen, die ihre Rechte erkämpfen mussten, damals beim Marsch auf Washington, 1963, an dem sie selber teilnahmen. Benji beeindruckt dies nicht so wirklich; Politik ist nicht sein Ding, und die Errungenschaften der Bürgerrechtsbewegung sind zur Selbstverständlichkeit geworden. Es ist ihm geradezu peinlich, wenn über die "Berühmten Schwarzen Menschen" gesprochen wird. Er hatte noch nie von ihnen gehört; jetzt hält er lieber den Mund und nickt in geheucheltem Stolz. Jahre später erinnert er sich an den Namen des Essayisten W. E. B. Du Bois, der, wenn Mutter ihn mit besonderem Respekt im Ton aussprach, eine Aura bekam. 1897 hatte Du Bois in seinem Aufsatz "Strivings of the Negro People" geschrieben: "Man verspürt sie immerzu, diese Zweiheit - ein Amerikaner, ein Neger; zwei Seelen, zwei unversöhnt miteinander konkurrierende Bestrebungen" (S. 22).<br /><br />Der Sommer 1985 ist anders. Für Schwester Elena ist der Strand Kinderkram, die City ist angesagt, und die Eltern schauen nur gelegentlich an den Wochenenden vorbei. Benji, 15 Jahre alt, Zahnspangenträger und voll im Griff der Pubertät, will endlich Ben gerufen werden. Als Älterer soll er auf seinen Bruder Reggie aufpassen, aber so wie früher will er ihn nicht mehr im Schlepptau an sich kleben haben.<br /><br />Sehr gemächlich beginnt "der letzte Sommer auf Long Island"; man schaut, wer schon hier ist, wer noch hier ist, wer wie lange bleibt. Bald findet sich die Clique wieder - NB ("Nigger Bitte"), der "Raconteur barocker Teenagerfaxen", Marcus, Randy, Clive und andere. Alle tragen Markenklamotten, "gemäß der Gefiedertheorie des sozialen Umgangs" (S. 58). Besonders angesagt ist Randy, dank seines Autos, mit dem sie in diesem Sommer am Ozean cruisen.<br /><br />Und recht viel mehr geht auch nicht ab in diesem Sommer. Man genießt Benjis sturmfreie Bude, jobbt im Restaurant oder bei "Jonni Waffle", der Eisdiele mit Belgischen Waffeln als Spezialität. Da ist es schon ein Highlight, wenn Popstars wie Lisa Lisa oder die U.T.F.O.-Rapper sich für eine Eiskugel anstellen, selbst wenn sie ganz und gar unangesagte Adidas-Trainingsklamotten tragen.<br /><br />Randy kommt auf die Idee mit den Luftgewehren. Echt cool, als Randy zunächst einmal ein Rotkehlchen erledigt. Später zielt er auf NBs Füße und ruft: "Tanz, Nigger, tanz" (S. 159). So richtig uncool findet dies nur Benji. An Marcus, dem Loser, testet und reizt man Entfernungen und Schmerzpunkte aus. Eine Kugel dringt knapp unter Benjis Auge in die Haut ein. Nebenbei erwähnt der Autor, dass im späteren Leben einer aus der Clique durch echte Kugeln ums Leben kommt, ein anderer von der Taille abwärts gelähmt wird. Warum? Wieso? Der Autor bleibt sich treu: Bloß nichts Spektakuläres ...<br /><br />Auch Benji erlebt die Rassenproblematik, wenn auch in kieselglattgeschliffener Ausformung: In Sag Harbor gehört der Strand den Schwarzen, den Weißen hingegen das Ufergebiet hinter der Stadt. "Jede Infiltration musste überprüft werden ... Ein paar Weiße kamen den Strand herauf, deshalb holten wir das Fernglas" (S. 46). Die Jungs in Benjis Clique zelebrieren ihre Gemeinschaft mit einem internen Begrüßungsritual per hippem Handabklatschen. Mit dem Wort "Nigger" gehen sie lässig um, wenngleich es bei den Eltern, denen dessen historische Belastung hautnah vertraut ist, Verärgerung auslöst; andererseits nutzen die es selber, um Asoziale innerhalb ihrer eigenen Rasse zu bezeichnen. Die Emotionen wallen zu ihrem Höhepunkt auf, als ein weißer Erwachsener - als Lob für gute Leistung und nicht ahnend, was er auslöst - über die weich federnde Fülle von Benjis schwarzen Locken tätschelt: Das empfinden alle aus der Clique als "rassistischen Scheiß"; so jemandem würden sie alle "in den Arsch treten" (S. 116). Aber dann belassen sie es natürlich bei der soften Diskussion darüber.<br /><br />Diese Retrospektive des Autors Colson Whitehead ist kein mitreißender Roman. Ganz unaufgeregt erzählt er einzelne Episoden einer schwarzen Jugend der Achtziger-Jahre, aus der Sicht des Ich-Erzählers Benji. Es entsteht der Eindruck einer oberflächlichen Generation, die sich für Bands und ihre Songs, für Klamotten, Sitcoms, Filme, Tiefkühl- und Dosenkost und nicht viel anderes interessiert. Welch ein Aufschrei, als der Coca-Cola-Konzern 1985 die Rezeptur ändert! Dieser heiße Sommer, der sich gemächlich gibt und wenig Aktion bietet, wird ihr letzter sein; ihre Wege werden sich trennen, sie werden sich an Universitäten einschreiben und Ausbildungen beginnen. Als Benji, endlich von seiner Zahnspange befreit, zum ersten Mal geküsst wird, fühlt er sich schon fast wie ein Mann.<br /><br />Nicht jeden Leser wird dieser typisch amerikanische Roman begeistern. Zum Beispiel erfordert die recht spezielle Kultur aus Songs, Literatur und Gesellschaftspolitik etwas Insiderwissen. Wer das mitbringt und/oder sich auf die pointierten, subtilen Beobachtungen einlässt und den intellektuell gewürzten, ironisch-humorvollen Sprachstil des Autor wie eine Kugel Eis langsam im Munde zergehen lässt, der kann das besondere Feeling des letzten Sommers auf Long Island spüren.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-colson-whitehead-der-letzte-sommer-auf-long-island.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[31.01.2012 14:15: Der Mord des Jahrhunderts von Paul Collins]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-paul-collins-der-mord-des-jahrhunderts.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-paul-collins-der-mord-des-jahrhunderts.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/518.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Der Mord des Jahrhunderts von Paul Collins"></a>
							<h2>31.01.2012 14:15: Der Mord des Jahrhunderts von Paul Collins</h2>
							<h3>500 Dollar Belohnung! Der Kampf der ersten Medienmogule</h3>
							<p><small>Leseeindruck vom 31.01.2012 14:15<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>"500 Dollar Belohnung" - so eine Schlagzeile hatte es bis dato noch nicht gegeben. Sie steht auf Seite eins der "New York World", der m&auml;chtigsten und meistverkauften Zeitung. Ihr Herausgeber und Verleger ist der ungarische Einwanderer Joseph Pulitzer. Sein B&uuml;ro hat er in der obersten Etage eines Geb&auml;udes mit - man stelle sich vor! - 18 Stockwerken; der Anblick des riesigen Wolkenkratzers beeindruckt die Passagiere der F&auml;hren, die von Brooklyn her&uuml;ber nach Manhattan kommen, st&auml;rker als die Statue of Liberty.<br /><br />Wir befinden uns im Jahr 1897. New York hat zwei Millionen Einwohner, ein Gewirr von Fahrr&auml;dern und Pferdekutschen bestimmt das Stra&szlig;enbild. In einer Zeit ohne Internet, Fernsehen, Radio, Kino und sogar noch ohne Telefon sind es die Zeitungen, um die sich die Menschen rei&szlig;en, um das Neueste zu erfahren, sich unterhalten zu lassen, ihre Sensationsgier zu stillen. Die Zeitungen haben einen unermesslichen Einfluss auf die Massen, und sie k&ouml;nnen ihren Machern unermesslichen Einfluss und Reichtum verschaffen ...<br /><br />In aller Munde ist der grausame Fund zweier Pakete mit Leichenteilen - der unheimlichste und brutalste Mord des Jahrhunderts. "1000 Dollar Belohnung" setzt William Randolph Hearst vom konkurrierenden "Evening Journal" als Kopfgeld f&uuml;r den "Kopfabschneider" dagegen. Abartig viel Geld ist das! Manche New Yorker trauen gar Hearst selber die Tat zu: Er habe sie initiiert, um seine Auflagen zu steigern ...<br /><br />Hearst l&auml;sst seine "Bluthunde" frei, jagt seine Journalisten an die Tatorte und zum <em>Bellevue</em>-Leichenschauhaus ("sch&ouml;ne Aussicht" - was f&uuml;r ein zynischer Name f&uuml;r so einen elenden Ort, den Treffpunkt der Toten und Totent&auml;nzer!), wo sie in aggressiven Interviews das Letzte aus den ermittelnden Polizeibeamten herauszusaugen versuchen, ebenso wie aus den vielen Menschen, die sich versammelt haben, um die K&ouml;rperteile zu identifizieren.<br /><br />Nach dem ersten Fund geht die Polizei zun&auml;chst davon aus, es handle sich um von Medizinstudenten entsorgte Leichenteile. Der Handel mit solchen ist ein lukratives Nebengesch&auml;ft; erst k&uuml;rzlich wurde der Verwalter verhaftet, weil er &uuml;ber Jahre hinweg K&ouml;rper an die medizinische Fakult&auml;t verkauft hatte.<br /><br />Doch bald liegt ein zweites Paket vor, und der Gerichtsarzt stellt fest, dass beide <em>corpora delicti</em> zweifelsfrei von ein und derselben Person stammen. Verletzungen, Stichwunden und Kampfspuren weisen eindeutig auf einen Mord hin. Und dem Opfer wurde ein ganzer Hautlappen weggeschnitten.<br /><br />F&uuml;r Ned Brown, den 19-j&auml;hrigen Studenten und Mitarbeiter der "New York World", k&ouml;nnte diese Reportage zur Chance seines Lebens werden. Denn er hat die Leichenteile - muskul&ouml;se Arme und zarte Finger - schon mal irgendwo gesehen, n&auml;mlich bei den athletischen Masseuren in t&uuml;rkischen B&auml;dern. Und tats&auml;chlich wird seit Tagen jemand in einem solchen Etablissement vermisst: Bill Guldensuppe hei&szlig;t der kr&auml;ftige Deutsche mit einer T&auml;towierung auf der Brust.<br /><br />Ein faszinierender Krimi mit einem fiktionalen Plot um einen sadistischen Mord, eingebunden in das Zeitkolorit der brodelnden Metropole New York am Ende des 19. Jahrhunderts. Nicht minder reizvoll zu lesen ist die Historie &uuml;ber den gigantischen Aufstieg und die Rivalit&auml;t der Zeitungen und ihrer Mogule Pulitzer und Hearst um Macht und Einflussnahme auf die amerikanische Gesellschaft. Gegenseitig jagen sie sich die besten Journalisten und Illustratoren ab. Das Etikett "Yellow Press" b&uuml;rgert sich ein (f&uuml;r "Boulevardpresse"), eine Anspielung auf den Comic "The Yellow Kid" und das gelbliche Zeitungspapier; noch heute ist es ein Synonym f&uuml;r rei&szlig;erischen Sensationsjournalismus, der weder Grenzen noch Tabus kennt.<br /><br />Dieses Buch ist ein MUSS!</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-paul-collins-der-mord-des-jahrhunderts.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[30.01.2012 12:21: Wahr von Riikka Pulkkinen]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-riikka-pulkkinen-wahr.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-riikka-pulkkinen-wahr.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/517.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Wahr von Riikka Pulkkinen"></a>
							<h2>30.01.2012 12:21: Wahr von Riikka Pulkkinen</h2>
							<h3>In Würde sterben</h3>
							<p><small>Leseeindruck vom 30.01.2012 12:21<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Die 70-j&auml;hrige Elsa ist unheilbar an Krebs erkrankt. Bis vor kurzem hat sie noch erfolgreich als Psychologin praktiziert. Ihre Tochter, die &Auml;rztin Eleonoora, ist zun&auml;chst f&uuml;r eine Unterbringung auf einer Hospizstation. Doch ihre eigenen erwachsenen T&ouml;chter wollen - ebenso wie Elsas Ehemann Martti - die Gro&szlig;mutter nach Hause holen, um mit Hilfe ambulanter Dienste die Sterbebegleitung gemeinsam zu &uuml;bernehmen. Sechs Monate werden vielleicht noch bleiben, und an das soeben gl&uuml;cklich gefeierte Weihnachtsfest werden sich alle gern erinnern.<br /><br />Die Thematik "Sterben" sensibilisiert alle Beteiligten. Martti, ein bekannter Maler und melancholischer Vision&auml;r, erwacht nachts aus einem Albtraum, in dem eine fremde Frau auf ihn zu lief ... Neben ihm liegt seine bald dahinscheidende Frau. Die Trauer und der Gedanke, er sei all den ihn erwartenden Belastungen nicht gewachsen, treiben ihn aus dem Bett.<br /><br />Tochter Eleonoora erinnert sich voller Wehmut an die sch&ouml;nen Jahre ihrer Kindheit, in denen die Mutter den Kindern ihre volle Zuwendung schenkte. Wie hat sie sich jetzt ver&auml;ndert: Abgemagert bis auf die Knochen ist sie launisch, gibt Widerworte, verh&auml;lt sich wie ein kleines Kind. Eleonooras Schmerz ist ihrem K&ouml;rper anzusehen: Sie versp&uuml;rt keinen Hunger mehr. Sie verbirgt ihre tiefe Trauer hinter einer Maske der Sachlichkeit, der Organisation des Tagesablaufs, kompetenten Arztgespr&auml;chen.<br /><br />Die j&uuml;ngere Tochter Anna leidet, weil sie die wachsende Trauer der Mutter hinter ihrer vorgespielten H&auml;rte durchschaut. Sie m&ouml;chte ihre Mutter so gerne in ihre Arme nehmen. Anna studiert noch. Irgend etwas hatte sie einmal kurzfristig aus der Bahn geworfen - vielleicht ein Mann mit Kind? Sie hatte tagelang in ihrer Wohnung am Boden gelegen, bis ihre Mutter sie vorfand; aber ihr anvertraut hat sie sich nie.<br /><br />Es ist traurig und gleichzeitig ermutigend, von einer Familie zu lesen, in der drei Generationen fest zueinander stehen. Offenbar sind sie schon immer verantwortungsbewusst, vertrauensvoll und liebevoll miteinander umgegangen, und da nun die schwerste Zeit des Lebens auf sie zukommt, kann sich alles bew&auml;hren - oder aber zerbrechen ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-riikka-pulkkinen-wahr.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
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				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[29.01.2012 18:08: Du sollst nicht sterben von Peter James]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-peter-james-du-sollst-nicht-sterben.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-peter-james-du-sollst-nicht-sterben.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/516.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Du sollst nicht sterben von Peter James"></a>
							<h2>29.01.2012 18:08: Du sollst nicht sterben von Peter James</h2>
							<h3>Auf Highheels lebt sich&#39;s gefährlich</h3>
							<p><small>Rezension vom 29.01.2012 18:08<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Am Neujahrsmorgen entdeckt das Zimmermädchen in einem Hotelzimmer eine reglose nackte Frau. Offenkundig wurde sie vergewaltigt; nun liegt sie gefesselt und geknebelt wie eine Gekreuzigte auf ihrem Bett, aber, Gott sei Dank, sie lebt.<br />Der Taxifahrer Jak war in der Sylvesternacht im Einsatz. Zwar muss er irgendwie Geld verdienen, aber eigentlich hasst er seine Gäste, die, wenn sie zu ihm ins Auto steigen, seine Privatsphäre stören und, wenn alkoholisiert, seinen Wagen vollkotzen könnten. Am widerwärtigsten sind ihm zugedröhnte, drogenabhängige Frauen. Nur Frauen mit sexy Stöckelschuhen sind ihm immer willkommen. Kleine, feine Sandaletten in Rot und mit zarten Lederriemen erregen ihn; die muss er besitzen, in seiner Sammlung katalogisieren. Diese Nacht hat er wieder ein Paar mit nach Hause bringen können.<br />Jak, dessen Zuhause ein von Freunden gemietetes Schiff ist, ist schon seit Jahren in Therapie, denn normal ist er nicht - aber ist er auch gefährlich? Ist er der legendäre Schuh-Dieb, der vor neun Jahren mehrere Frauen vergewaltigt und dann als Trophäen Höschen und Designer-Highheels vom Tatort mitgenommen hatte?<br />Detective Superintendent Roy Grace sitzt vor den Aktenkartons. Fünf ungelöste Kapitalverbrechen lasten noch auf ihm und werden jetzt erst einmal ins nächste Jahr verschoben. Er freut sich auf den Sylvesterabend mit seiner Geliebten Cleo, die bald ihr gemeinsames Kind zur Welt bringen wird. Seine Ex-Ehefrau Sandy ist seit neun Jahren verschwunden; nun wird er sie offiziell für tot erklären und Cleo endlich heiraten können.<br />Zwei zeitlich versetzte Erzählstränge, rasant erzählt. Verschwundene, vergewaltigte, getötete Frauen, und allzu leicht möchte man jetzt schon Jak als mordenden Psychopathen erkennen.<br />Doch der Bestsellerautor Peter James entfaltet einen weiteren Kreis von Personen, die für den Leser bald zu den Verdächtigen zählen - aber nicht für Roy Grace, der sich ganz auf Jak eingeschossen hat. Der sitzt denn auch kurzzeitig in Untersuchungshaft, wird dann aber mangels Beweisen wieder entlassen - und schon hat der Täter wieder zugeschlagen ...<br />Roy Grace kann diesen komplexen Fall nur mit einer gigantischen Einsatztruppe lösen. Das führt natürlich zu einer Vielzahl namentlich genannter Personen, über die der Leser den Überblick behalten soll. Das ist kaum zu schaffen, und so erschlagen einen all die Namen, ehe man sie gleich wieder vergisst. Mir gefällt die Konzentration auf einige wenige Charaktere besser.<br />Das persönliche Schicksal des Ermittlers bedrückt den Leser. Roy Grace trauert um seine seit zehn Jahren verschwundene Frau, er sehnt sich nach Aufklärung dieses Falles. Gemein für ihn und uns Leser: Der Autor lässt uns tatsächlich bis zum Schluss verhungern ... (Wahrscheinlich hebt er sich die Lösung als Plot für den letzten Band seiner Krimi-Serie auf, und wir befinden uns ja erst im 6. ...)<br />Im Nachwort geht der Autor auf die Situation von Vergewaltigungsopfern ein. Zumeist stehen die Täter ihren Opfern durchaus nahe - sie stammen oft aus dem familiären oder dem Freundeskreis. "Vergewaltigung durch Fremde", so wie er sie in seinem Krimi "Du sollst nicht sterben" entwickelt, seien "extrem ungewöhnlich" (S. 396).<br />Peter James' Täter sind perverse, krankhafte Psychopathen, die an ihren kindlichen Traumata leiden und beispielsweise die Hass-Liebe zu ihren Müttern auf die gleiche Weise weitergeben, wie sie sie selbst durchleiden mussten. Dabei entwickeln sich die aufs tiefste gedemütigten und verletzten Seelen zu Monstern, die ihre perfiden Taten bewusst und gut durchdacht vorbereiten und in ihrer Triebsteuerung fast gefühllos ausführen. Immerhin scheint noch eine letzte Hemmschwelle vorhanden zu sein, die Opfer nach der Vergewaltigung zu töten. Doch warum musste die knapp 20-jährige Rachael vor neun Jahren sterben, und wohin verschwand ihre Leiche?<br />In seiner Intention, einen spannenden, aufwühlenden Thriller zu präsentieren, verschont uns Peter James nicht mit unvorstellbaren, abartigen Sexualpraktiken der Vergewaltiger. Immer wieder frage ich mich, ob es nicht dies genügt, so etwas nur anzudeuten - und ob es nicht sogar noch prickelnder wäre, solche letzten Details im Dunkel zu lassen (von Menschenwürde und ähnlichen Aspekten ganz zu schweigen ...)?<br />Nachdem der mutmaßliche Täter in Haft sitzt, ist der Fall für Roy Grace abgeschlossen; doch dann dreht Peter James auf den letzten Seiten noch einmal kräftig an der Spannungsschraube. Und tatsächlich muss man den Schluss besonders gelungen finden, verleiht James dem Vergewaltigungsopfer doch die Kraft, ihre große Angst zu überwinden und sich dem Täter zu stellen. Auf welche Weise sie das schafft, gestaltet der Autor nicht nur überzeugend, sondern er entlässt uns mit ihrer Kraft und der Zuversicht, sich wehren zu können - und wenn es sein muss, auch mit dem Risiko, sein Leben zu verlieren ...<br />Ein solider Krimi, der nicht nur die Täter sehr differenziert darstellt, sondern auch die Opfer, die zu solchen werden, weil sie aus der Norm fallen - hinsichtlich ihres Verhaltens, ihres Aussehens oder - wie in diesem Thriller - wegen eines Ticks, einer Manie. Es war ihr Hang zu Designerschuhen, der die Dame im Hotel und ihre Leidensgenossinnen zur Attraktion für den Täter werden ließ ...</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-peter-james-du-sollst-nicht-sterben.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3502101981" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[29.01.2012 01:49: La zia Marchesa von Simonetta Agnello Hornby]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-recensione-simonetta-agnello-hornby-la-zia-marchesa.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-recensione-simonetta-agnello-hornby-la-zia-marchesa.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/530.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="La zia Marchesa von Simonetta Agnello Hornby"></a>
							<h2>29.01.2012 01:49: La zia Marchesa von Simonetta Agnello Hornby</h2>
							<h3>A lu servu pacenza, a lu patruni prudenza.</h3>
							<p><small>Rezension vom 29.01.2012 01:49<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Elegante Biographie einer adligen sizilianischen Vorfahrin der Autorin in der zweiten H&auml;lfte des 19. Jahrhunderts. Nicht zuletzt wegen ihrer roten Haare hat Tante Costanza Safamita es als M&auml;dchen und junge Frau schwer, akzeptiert zu werden. Ihre eigene ungl&uuml;ckliche Mutter zeigt ihr die kalte Schulter. Aber gef&ouml;rdert und gesch&uuml;tzt durch einen liebevollen Vater, dank ihrer Klugheit und ihres unbeugsamen Charakters setzt sie ihren Kopf gegen Widerst&auml;nde innerhalb der weitverzweigten Familie und in der Gesellschaft durch. Im Verlauf dieser Entwicklung lernt sie alle H&ouml;hen und Tiefen ihrer Zeit kennen. Am Ende erreicht sie wenigstens "un certo equilibrio", "trova la tranquillit&agrave; a casa sua", "si conforta" in den Begrenzungen, die sie akzeptieren muss.<br /><br />Im Hintergrund der individuellen Schicksale ahnen wir die Umw&auml;lzungen der Epoche, die auch durch Unzul&auml;nglichkeiten der sehr unterschiedlichen Br&uuml;der Costanzas und ihrer eigenen Partner bef&ouml;rdert werden. In vielen Szenen lesen wir von Arbeit, Lebensumst&auml;nden und Ansichten der "einfachen Leute" auf dem Land und in den Pal&auml;sten Palermos.<br /><br />Simonetta Agnello Hornbys gro&szlig;artiger, pr&auml;ziser, geduldiger Schreibstil bereitet dauerhaften Genuss. Die Autorin reiht pr&auml;gnant gestaltete kleine Szenen aneinander, und wie Vignetten bleiben sie in der Erinnerung haften. Vokabular und Grammatik sind makellos und anspruchsvoll; gelegentliche sizilianische Phrasen schaffen Authentizit&auml;t und W&auml;rme (ohne das Verst&auml;ndnis zu erschweren). (Den Link zur deutschen Ausgabe finden Sie unten.)</p>
<p>Die altv&auml;terlichen Kapitel&uuml;berschriften bestehen aus jeweils einem sizilianischen Sprichwort und einer pointierten Zusammenfassung des Kapitelinhalts - sie allein sind ein Lekt&uuml;revergn&uuml;gen f&uuml;r sich, und es sind 84 St&uuml;ck! Wie bei ihren anderen Familienromanen auch liefert Simonetta Agnello Hornby dem geneigten Leser eine strukturierte Zusammenstellung der Clan-Angeh&ouml;rigen inklusive ihres Personals mit, auf dass er nicht den &Uuml;berblick verliere - <em>molto gentile, signora!</em></p>
<p><strong>Weitere empfehlenswerte B&uuml;cher von Simonetta Agnello Hornby</strong>:</p>
<ol>
<li><strong>La Monaca</strong> (2010): <a href="rezension-recensione-simonetta-agnello-hornby-la-monaca.htm" target="_blank">Rezension der italienischen Originalausgabe</a> (auf Deutsch noch nicht erschienen)</li>
<li><strong>La zia Marchesa</strong> (2005): <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8807818833/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8807818833">Taschenbuch in italienischer Sprache</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8807818833" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Feltrinelli, 322 Seiten)<br /> <strong>Die Marchesa</strong> (2007): <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3492250475/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492250475">Taschenbuch in deutscher Sprache</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3492250475" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Piper, 448 Seiten)</li>
<li><strong>La Mennulara</strong> (2004): <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/8807817942/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8807817942">Taschenbuch in italienischer Sprache</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=8807817942" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Feltrinelli, 209 Seiten)<br /> <strong>Die Mandelpfl&uuml;ckerin</strong> (Neuauflage im September 2011): <a title="Mit einem Einkauf &uuml;ber diesen Link unterst&uuml;tzen Sie mein Angebot - danke!" href="http://www.amazon.de/gp/product/3492271863/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3492271863">Taschenbuch in deutscher Sprache</a><img style="border: medium none ! important; margin: 0px ! important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3492271863" alt="" width="1" height="1" border="0" /> (Piper, 320 Seiten)</li>
</ol>
<p><strong>Rezensionen italienischsprachiger B&uuml;cher auf meiner Seite:</strong></p>
<ol>
<li><a href="rezension-recensione-simonetta-agnello-hornby-la-monaca.htm" target="_blank">Agnello Hornby, Simonetta: La monaca <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-simonetta-agnello-hornby-la-zia-marchesa.htm" target="_blank">Agnello Hornby, Simonetta: La zia Marchesa<img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-niccolo-ammaniti-che-la-festa-cominci.htm" target="_blank">Ammaniti, Niccol&ograve;: Che la festa cominci <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-niccolo-ammaniti-come-dio-comanda.htm" target="_blank">Ammaniti, Niccol&ograve;: Come Dio comanda <img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-niccolo-ammaniti-io-e-te.htm" target="_blank">Ammaniti, Niccol&ograve;: Io e te <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-maria-corti-otranto-l-ora-di-tutti.htm" target="_blank">Corti, Maria: Otranto - L'ora di tutti <img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-roberto-cotroneo-otranto.htm" target="_blank">Cotroneo, Roberto: Otranto <img src="pics/1-star_s.gif" alt="1 Stern" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-carlo-lucarelli-l-ottava-vibrazione.htm" target="_blank">Lucarelli, Carlo: L'ottava vibrazione <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-michela-murgia-accabadora.htm" target="_blank">Murgia, Michela: Accabadora <img src="pics/5-star_s.gif" alt="5 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-giorgio-todde-l-estremo-delle-cose.htm" target="_blank">Todde, Giorgio: L'estremo delle cose<img src="pics/3-star_s.gif" alt="3 Sterne" /></a></li>
<li><a href="rezension-recensione-andrea-vitali-la-leggenda-del-morto-contento.htm" target="_blank">Vitali, Andrea: La leggenda del morto contento <img src="pics/4-star_s.gif" alt="4 Sterne" /></a></li>
</ol></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-recensione-simonetta-agnello-hornby-la-zia-marchesa.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/8807818833/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=8807818833" target="_blank">"La zia Marchesa" von von Simonetta Agnello Hornby bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[27.01.2012 13:52: Drift von Michel Bozikovic]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michel-bozikovic-drift.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michel-bozikovic-drift.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/515.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Drift von Michel Bozikovic"></a>
							<h2>27.01.2012 13:52: Drift von Michel Bozikovic</h2>
							<h3>Auf Identitätssuche im brutalen Balkan-Bürgerkrieg</h3>
							<p><small>Rezension vom 27.01.2012 13:52<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/3-star.gif" alt="3 Sterne"></small></p>
							<p><p>Am Ende der Romans kann man es kaum noch verkraften. Man lebt im Delirium zweier drogens&uuml;chtiger Menschen. Jeden Tag aufs Neue beschaffen sie sich ihren Stoff, ziehen ihre Linien durch die Nase, betrinken sich bis zum Erbrechen. Beide sind auf der Flucht: Sie leiden an ihrer Vergangenheit, und ihren jetzigen Zustand k&ouml;nnen sie selbst nicht mehr ertragen.<br /><br />Der eine ist ein junger Mann, Sohn erfolgreicher kroatischer Einwanderer in der Schweiz, erst neunzehn Jahre alt und soeben von seiner Freundin verlassen. Angetrieben von einem diffusen Motiv-Mix aus Heimatgef&uuml;hl und Heimatlosigkeit, Frustration und Rebellion, Romantik und Melodramatik verl&auml;sst er klammheimlich sein Elternhaus, um im 4WD-Zweitwagen seiner Mutter in den B&uuml;rgerkrieg zu ziehen, der in Kroatien "los geht". Kann der Irrsinn t&ouml;dlicher K&auml;mpfe, kann die vage Hoffnung auf einen "gerechten Sieg" &uuml;ber einen Feind, der gar nicht seiner ist, ihm Erf&uuml;llung bringen, ihm Entscheidungen &uuml;ber sein weiteres Leben erleichtern?<br /><br />Im Land seiner Vorv&auml;ter angekommen, nimmt ihn die 6-Mann-Kampfeinheit "Falke" auf, steckt ihn in eine Uniform und stattet ihn mit einem passenden Waffenarsenal aus. Noch nie hat er eine Waffe in der Hand gehabt, scheint aber ein Naturtalent zu sein, denn egal wohin er zielt: Treffer, versenkt. Gesch&auml;tzt und anerkannt findet er hier eine neue Familie und verliebt sich in Marina, eine seiner Kampfgef&auml;hrtinnen. Dass er sich aber mitnichten im Sandkasten eines Spielplatzes befindet, macht der Autor Michael Bozikovic in aller H&auml;rte deutlich. Nachtm&auml;rsche, Eingraben in Erdl&ouml;cher, Granatenbesch&uuml;sse durch Panzer, partisanen&auml;hnliche Nahk&auml;mpfe, Verluste in der kleinen Truppe, und auch der junge Mann wird schwer verletzt. Marina lebt, aber N&auml;heres sieht er erst zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt. Er k&auml;mpft um die Liebe, verliert und ertr&auml;nkt sich in Drogenexzessen ...<br /><br />Martin, der Protagonist des zweiten Handlungsstrangs, ist von seiner Frau Helena zum Teufel gejagt worden. In ihren Augen ist er ein Waschlappen, bringt nichts zustande. Dass sich sein gerade fertiges Manuskript zum Bestseller entwickeln werde, glaubt sie nicht. Warum kriegt Martin nicht die Kurve? Schon mittags ist er betrunken, treibt sich in Bars herum, hat seine Dealer, die ihn mit Stoff versorgen, und er hat eine Waffe. In zugedr&ouml;hntem Zustand spannt er den Hahn, z&auml;hlt von f&uuml;nf an r&uuml;ckw&auml;rts und ... Im &Uuml;brigen zieht sich der Handlungsstrang um Martin bisweilen z&auml;hfl&uuml;ssig, wenn sich dessen Gedankeng&auml;nge - sofern er denn bei klarem Verstand ist - permanent um seine verlorene Beziehung mit Helena winden.<br /><br />Der Autor sch&auml;rft die jeweils eigene Identit&auml;t seiner beiden Hauptpersonen durch einen streng separierten Sprachstil: Pr&auml;teritum bei Martin, Pr&auml;sens bei dem Neunzehnj&auml;hrigen; vor allem aber stilisiert er letzteren in dessen Erz&auml;hlstrang konsequent zur unpers&ouml;nlichen, namenlosen Gestalt: "Man" ist adoleszent, "man" schie&szlig;t, "man" wird erwischt, niemand h&ouml;rt "einen" ... Das leuchtet zwar irgendwie ein, aber &uuml;ber so viele Seiten hin wirkt es gek&uuml;nstelt und umst&auml;ndlich ("man ... sagt den Vornamen", S. 88) - und die unvermeidlich mitschwingende verallgemeinernde Funktion des "man" passt gar nicht: Nein, <em>so </em>verh&auml;lt "man" sich nicht unbedingt.<br /><br />Trotz der sprachlich untermauerten Trennung sind die Parallelen zwischen den Figuren verbl&uuml;ffend: Beide rennen vor ihrer Realit&auml;t davon, beide sind im Teufelskreis der sie benebelnden Drogen gefangen, beide werden von ihren inneren Qualen, tiefen seelischen Verletzungen und Depressionen zum Selbstmord getrieben. Und es gibt noch mehr Verkn&uuml;pfungen: Man erliest, dass "man" sehr wohl einen Namen hat, n&auml;mlich "Julien", und "Julien" hei&szlig;t auch der Protagonist in Martins Manuskript. Welche Beziehung besteht zwischen ihnen? Sie sind sich n&auml;her, als man es f&uuml;r m&ouml;glich h&auml;lt.<br /><br />"Drift" ist ein literarisch beeindruckender Roman, will kein leichter Stoff, schon gleich keine entspannende Unterhaltung sein. Hier wird nichts besch&ouml;nigt - weder der brutale B&uuml;rgerkrieg, der uns - anonym wie sein Protagonist - so nahe kommt, dass wir die Panzer rollen h&ouml;ren, noch der Seelen-Krieg, den die beiden Menschen ausk&auml;mpfen, ohne ihn je f&uuml;r sich gewinnen zu k&ouml;nnen. Der Autor Michel Bozikovic l&auml;sst uns in Abgr&uuml;nde der Gewalt schauen und gleichzeitig in die Todesspirale zweier Menschen, die ihr Leben nicht in den Griff bekommen, die Kontrolle &uuml;ber ihr Denken verlieren, in hoffnungsloser Verzweiflung im Rausch versinken. Menschen, die sich selbst zerst&ouml;ren, einen inneren Krieg mit sich f&uuml;hren, nirgendwo mehr einen Lichtblick sehen, kann man nicht mehr aufhalten - diese grausame Erkenntnis schmerzt auch den Leser, dem der Autor seine Figuren so nahe zu bringen vermag, dass der Punkt kommt, wo man eigentlich nicht mehr weiter lesen m&ouml;chte, wie Menschen unter Alkohol, Drogen und Nikotin zwischen Halluzinationen und Wahn durch die Zeit taumeln. Der depressiven Stimmung kann man sich kaum mehr entziehen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michel-bozikovic-drift.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[26.01.2012 13:22: Gefährten von Michael Morpurgo]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-morpurgo-gefaehrten.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-morpurgo-gefaehrten.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/514.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Gefährten von Michael Morpurgo"></a>
							<h2>26.01.2012 13:22: Gefährten von Michael Morpurgo</h2>
							<h3>Ein Kavalleriepferd auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs</h3>
							<p><small>Rezension vom 26.01.2012 13:22<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/5-star.gif" alt="5 Sterne"></small></p>
							<p><p>Mein Name ist Joey, ich bin ein Ackergaul. Wie Captain Nicholls mich erwarb und ich zum Kavalleriepferd wurde, wie ich in die Militärschule ging, mit dem Schiff von England nach Frankreich gebracht wurde und auf dem Schlachtfeld im Galopp immer nach vorne gegen den Feind (die Deutschen) preschen muss, das will ich euch ganz genau erzählen.<br /><br />Eigentlich gehöre ich Albert. Aber sein Vater braucht dringend Geld, um den Hof zu sanieren, und deshalb hat er mich Captain Nicholls angepriesen - ich sei das beste Pferd im Dorf. Und damit hat er nicht übertrieben. Nicholls ist begeistert, ein Tierarzt untersucht mich, und der Handel ist perfekt. Erst als sich mein Bauer abwendet, begreife ich, dass mir der endgültige Abschied bevorsteht. Ich muss meinem Schmerz darüber Ausdruck geben, und mein Schreien wird durchs ganze Dorf gehört. Auch Albert ist gekommen; er will mich nicht alleine ziehen lassen, will sich als Freiwilliger melden, aber mit seinen 16 Jahren ist er noch zu jung. Captain Nicholls verspricht ihm, er werde sich immer gewissenhaft um mich kümmern.<br /><br />In der Militärschule werde ich von einem strengen Corporal zugeritten, der mich mit seinen Sporen piesackt und meinem Maul mit einer quälend klobigen Kandarre zusetzt. Captain Nicholls schaut immer wieder nach mir, malt sogar ein Bild von mir und vertraut mir seine höllische Angst vor diesem sinnlosen Krieg an, in den wir demnächst ziehen werden.<br /><br />Aber worum es dort geht, verstehe ich es erst dann so richtig, als wir mit dem Schiff aufs Festland gebracht werden und ich viele Schwerverletzte auf Bahren liegen sehe.<br /><br />Treu und ehrgeizig gebe ich alles für Captain Nicholls, der mit mir aufs Schlachtfeld reitet. Doch dort ist es so grauenvoll, dass ich es nie durchgehalten hätte, wenn ich nicht einen guten Freund gefunden hätte: den schwarzen Hengst Topthorn.<br /><br />Ob ich Albert jemals wiedersehe, das kann ich euch jetzt noch nicht berichten. Wenn ihr wissen wollt, wie ich all die Gefahren und Abenteuer meistere - sie werden euch sehr traurig, aber manchmal auch wieder glücklich machen -, so lest doch meine ganze Geschichte. Michael Morpurgo hat sie in seinem Roman "Gefährten" für mich aufgeschrieben, und ab Februar 2012 werde ich sogar in den deutschen Kinos zu sehen sein, denn Steven Spielberg hat das Buch schon verfilmt.</p>
<hr />
<p>P.S.: Dieses ergreifende Jugendbuch beschreibt mit Feingefühl die Realität und Sinnlosigkeit eines Krieges. Die kaum vermeidlichen Grausamkeiten mögen auch manch sensibles Kind in der empfohlenen Altersgruppe (ab 12 Jahren) bedrücken. Andererseits finden sie Entlastung, beispielsweise durch das von allen geschätzte und liebevoll behandelte Pferd Joey. Dieses zuverlässige Tier, das stets sein Bestes gibt, kennt keine Feindschaft und hilft, die Gräben zu überbrücken; zeitweise wird es vor den Karren gespannt, um Schwerverletzte, egal welcher Nationalität, ins Lazarett zu transportieren.<br /><br />Der Schriftsteller Michael Morpurgo, 1943 in St. Albans, Hertfordshire, geboren, ist einer der bekanntesten britischen Kinder- und Jugendbuchautoren. Seine Werke - es sind mehr als 90 Romane - wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem renommierten "Whitebread Children's Award".</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-michael-morpurgo-gefaehrten.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[23.01.2012 14:45: Eine Frau bei 1000° von Hallgrímur Helgason]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-hallgrimur-helgason-eine-frau-bei-1000-grad.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-hallgrimur-helgason-eine-frau-bei-1000-grad.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/513.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Eine Frau bei 1000° von Hallgrímur Helgason"></a>
							<h2>23.01.2012 14:45: Eine Frau bei 1000° von Hallgrímur Helgason</h2>
							<h3>Jeder für sich und Gott gegen alle</h3>
							<p><small>Rezension vom 23.01.2012 14:45<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>"Eine alte Frau wird tot in einer Garage aufgefunden, ihre gekr&uuml;mmten Finger umklammern eine deutsche Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg, auf ihrem Arm eine Hakenkreuznarbe." Sie hatte sich den Termin zu ihrer Feuerbestattung schon vor einiger Zeit per Handy reservieren und sich dabei auch best&auml;tigen lassen, dass die Temperatur des Ofens 1000 Grad betragen werde. Auf die Dame ist Verlass: P&uuml;nktlich am Montag, 14. Dezember, um 13.30 Uhr wird ihre Leiche &uuml;berf&uuml;hrt. Ihre H&auml;nde werden abges&auml;gt und samt explosivem Inhalt einem Sprengkommando &uuml;bergeben. "Ich habe immer noch Phantomschmerzen in den eingebildeten Handgelenken", verr&auml;t sie - die soeben einge&auml;scherte Ich-Erz&auml;hlerin ...<br /><br />Nur der isl&auml;ndische Autor Hallgr&iacute;mur Helgason kann einen Lebensbericht so skurril und makaber gestalten, wie es dieser Schluss seines neuesten Romans "Eine Frau bei 1000&deg;" erahnen l&auml;sst. Die am Ende todkranke schrullige Alte mit pinkfarbener Frisur war einst eine mond&auml;ne Dame mit unkonventionellem Lebenswandel. 1929 wird sie als Herbj&ouml;rg Mar&iacute;a Bj&ouml;rnsson in einem Blechschuppen in Island geboren; 2009 verbringt sie die letzten Tage ihres Lebens in einer Garage in Reykjavik.<br /><br />Ihre knapp 40 kg "Weiberfleisch" siechen im Krankenbett dahin, mehr tot als lebendig, die Pall-Mall-Schachtel liegt immer griffbereit. Wegen ihrer Atemnot sind Herbj&ouml;rgs Wege zum Klo ihr "t&auml;glicher Bu&szlig;gang". T&auml;glich schaut der Pflegedienst vorbei, nicht ohne sich zu wundern, wie sie da wie eine Henne auf ihrem Ei hockt; denn zwischen ihren Beinen versteckt sie eine deutsche Handgranate - ihr pers&ouml;nliches "feu de Cologne", das ihr ihr Vater im Krieg als Verteidigungswaffe in die H&auml;nde gedr&uuml;ckt hat.<br /><br />So gut wie jetzt ist es ihr im Leben noch nie gegangen, behauptet Herbj&ouml;rg, besitzt sie doch einen Laptop, der ihr per Internet die Welt erschlie&szlig;t und ihr per Facebook und Konsorten inkognito-Auftritte erlaubt. Unter dem <em>nickname</em> "Linda" genie&szlig;t sie, die in Wahrheit abgetakelte "Matratzenhy&auml;ne", als vorgebliche isl&auml;ndische Miss World von 1988 die Begehrlichkeit der M&auml;nner. Unter dem Namen eines Bischofs schreibt sie ihrer Schwiegertochter einen Brief, der ihr ihre Untreue vorh&auml;lt und sie auffordert, Bu&szlig;e zu tun und dazu s&auml;mtliche Gottesdienste zu besuchen.<br /><br />Nun hat sie Zeit, auf den Spuren ihres Lebens zu wandeln. Sie befindet sich auf einem "Rundflug", springt mit dem Fallschirm hier und da ab, landet neben sich selbst, klopft sich auf die Schulter (S.140).<br /><br />Und ebenso willk&uuml;rlich gestaltet der Autor seinen Roman. In kurzen Kapiteln springt er hin und her zwischen den Phasen eines wilden, draufg&auml;ngerischen und schaurig-brutalen Lebens. Vater Hans ist der einzige Isl&auml;nder, der als &Uuml;berarier aus &Uuml;berzeugung f&uuml;r die Deutschen in den Krieg zieht. Doch nach sieben Jahren beh&uuml;teter, liebevoller Kindheit verl&auml;sst Gudrun sie. Das M&auml;dchen wird zu einer Familie auf der friesischen Insel Amrum in Pflege gegeben. Fr&uuml;h macht sie die Erfahrung, dass sie nirgendwohin geh&ouml;rt und &uuml;berall aneckt: Ist sie nun isl&auml;ndisch wie ihr Vater - oder d&auml;nisch wie ihre Mutter - oder doch Deutsche, da sie die Sprache beherrscht? Dieses Dilemma wird f&uuml;r ihr ganzes Leben gelten. W&auml;hrend der grausamen Kriegszeiten fl&uuml;chtet sie als Einzelk&auml;mpferin von einem Ort zum anderen. Sie verr&auml;t in ihrer Not das Versteck eines Engl&auml;nders - und f&uuml;hlt sich als Kriegsverbrecherin. Sie wird Zeugin, wie ein junger deutscher Offizier einen wehrlosen, beinamputierten und verr&uuml;ckten Juden erschie&szlig;t, der sich als Aaron Hitler, der kleine Bruder "seiner Hoheit", ausgibt. Sie muss Vergewaltigungen &uuml;ber sich ergehen lassen, f&auml;llt auf eine hilfsbereite Frau herein, wird in einem Haus festgehalten und als Hure den Russen feilgeboten. Mitten im Irrsinn des sinnlosen Krieges werden Menschen auf der Flucht neben ihr erschossen, und sie fragt sich: Warum die und nicht sie selbst? Ihre grausamen Erlebnisse lassen sie an Gott zweifeln: "Jeder f&uuml;r sich und Gott gegen alle" (S. 372). Dies alles kann sie nur mit Sarkasmus, Zynismus und rabenschwarzem Humor verarbeiten; Wut und Trauer zugleich pr&auml;gen ihren biestigen, schonungslosen Charakter.<br /><br />Nach Stationen in Hamburg, Berlin, Paris, Argentinien und Kapstadt kehrt sie nach Island zur&uuml;ck. Sie hat vier isl&auml;ndische M&auml;nner mit schlechtem Benehmen ertragen und drei undankbare S&ouml;hne geboren, die schon jetzt, da sie mit dem baldigen Ableben der Mutter rechnen, ihr gesamtes Verm&ouml;gen verh&ouml;kert haben. Wirklich geliebt hat sie nur ihre kluge, hellsichtige Mutter; die achtet sie, weil sie immer ein besserer Mensch als sie selber war. Fast um den Verstand bringt Herbj&ouml;rg der pl&ouml;tzliche Tod ihrer dreij&auml;hrigen Tochter, die bei einem Autounfall in Buenos Aires ums Leben kam.<br /><br />In Reykjavik, der Hauptstadt der vulkanreichen, kalten Insel, deren Bewohner das Schweigen als Kultur pflegen, liegt die im wahrsten Sinne des Wortes hochexplosive Herbj&ouml;rg in ihrer gem&uuml;tlichen Garage. Sie teilt kr&auml;ftig aus, rechnet erbarmungslos ab, wettert schonungslos gegen ihre Familie, die M&auml;nner im Besonderen, aber auch gegen das kleine Island. Ihre ersch&uuml;tternden, grausamen "Memoiren" hat sie, ohne etwas auszulassen, irgendwie zusammengeschustert - und nun kann sie p&uuml;nktlich zum abgemachten Termin zu ihrer Ein&auml;scherung erscheinen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-hallgrimur-helgason-eine-frau-bei-1000-grad.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3608501126/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3608501126" target="_blank">"Eine Frau bei 1000°" von von Hallgrímur Helgason bei Amazon</a>
								<img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=buecherrezensionen-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=3608501126" width="1" height="1">
							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[20.01.2012 11:56: Was vom Sommer übrig ist von Tamara Bach]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-tamara-bach-was-vom-sommer-uebrig-ist.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-tamara-bach-was-vom-sommer-uebrig-ist.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/512.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Was vom Sommer übrig ist von Tamara Bach"></a>
							<h2>20.01.2012 11:56: Was vom Sommer übrig ist von Tamara Bach</h2>
							<h3>Zeit des Umbruchs</h3>
							<p><small>Leseeindruck vom 20.01.2012 11:56<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Es ist Sommer. Louise steht kurz vor der F&uuml;hrerscheinpr&uuml;fung, aber irgendwie l&auml;uft ihr Leben zurzeit nicht rund. Sie ist unzuverl&auml;ssig, vernachl&auml;ssigt ihre Ferienjobs, die ihr das n&ouml;tige Kleingeld f&uuml;r den F&uuml;hrerschein einbringen sollen. Oma ist in Urlaub. Kann man sich da einfach deren Auto ausleihen?<br /><br />Schon w&auml;hrend des letzten Schuljahres muss sie einen Durchh&auml;nger gehabt haben. Ihr fehlen Unterrichtsstunden, und um den Karren noch aus dem Dreck zu ziehen und ihre Pr&uuml;fungen zu retten, muss sie den Lehrer sprechen.<br /><br />Und warum das alles? Hat sie Stress mit ihren Eltern? Der Klappentext erw&auml;hnt "die Sache mit Paul" - doch was war da geschehen?<br /><br />Jana, die aus der Siebten, weicht Louise in letzter Zeit nicht mehr von der Seite. Ein seltsames M&auml;dchen. Louise hat sie zu einer Spritztour in Omas Auto mitgenommen, zusammen mit Omas spinnertem Hund Bonnie, einfach so und irgendwohin und &uuml;ber Nacht. Mein Gott, was f&uuml;r ein Morgenmuffel Jana ist - bis die mal in die Hufe kommt. Nee, jetzt will sie noch mit niemandem sprechen, sagt sie, als Louise ihr das klingelnde Handy reicht.<br /><br />Nun will Louise schleunigst wieder nach Hause. Zu retten ist ohnehin nichts mehr. In der B&auml;ckerei entschuldigt sie sich mit einer Schauergeschichte, die Zeitungen hat wohl schon jemand anderes f&uuml;r sie ausgetragen. Doch jetzt will Jana auch noch ins Krankenhaus; dort liegt ihr Bruder Tom, der aus der Elften. Er ist von der Br&uuml;cke gesprungen ...<br /><br />Die mit mehreren Buchpreisen ausgezeichnete Autorin Tamara Bach versetzt uns in ihrem neuesten Jugendbuch "Was vom Sommer &uuml;brig ist" in die konfuse, aus den Angeln geratene Welt zweier junger M&auml;dchen. Jana scheint introvertiert, allein gelassen; wo die Eltern nun an Toms Bett stehen, sucht sie Anlehnung - und das ausgerechnet bei der unorganisierten Louise.<br /><br />Auch wenn die Leseprobe mitten im Buch beginnt, somit nur Kurzeindr&uuml;cke entstehen und die genauen Zusammenh&auml;nge noch fehlen, kann man schon voraussehen, dass der locker-flockige Sprachstil, Louises chaotische Dialogf&uuml;hrung und der ernste Plot jede Jugendliche begeistern k&ouml;nnen.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/leseeindruck-tamara-bach-was-vom-sommer-uebrig-ist.htm" target="_blank">
								<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/weiterlesen.gif" alt="Weiterlesen" style="border:0;"></a><br>
								<a href="http://www.amazon.de/gp/product/3551582424/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=buecherrezensionen-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=3551582424" target="_blank">"Was vom Sommer übrig ist" von von Tamara Bach bei Amazon</a>
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							</p>
						</div>
					]]>
				</description>
				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
			</item><item>
				<title><![CDATA[19.01.2012 14:25: Im Reich der Angst von Isaac Rosa]]></title>
				<link>http://www.buecherrezensionen.org/rezension-isaac-rosa-im-reich-der-angst.htm</link>
				<description>
					<![CDATA[
						<div>
							<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-isaac-rosa-im-reich-der-angst.htm" target="_blank">
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/books/511.jpg" border="0" style="float: left; margin-right: 10px;" alt="Im Reich der Angst von Isaac Rosa"></a>
							<h2>19.01.2012 14:25: Im Reich der Angst von Isaac Rosa</h2>
							<h3>Gefangener seiner Angst-Paranoia</h3>
							<p><small>Rezension vom 19.01.2012 14:25<br>
							<img src="http://www.buecherrezensionen.org/pics/4-star.gif" alt="4 Sterne"></small></p>
							<p><p>Der zw&ouml;lfj&auml;hrige Pablo wird von seinem Klassenkameraden Javier erpresst. Bluterg&uuml;sse auf seinem K&ouml;rper zeugen von Pr&uuml;geln und Fu&szlig;tritten. Aus Pablos Kinderzimmer verschwinden nach und nach Rollschuhe, Tennisschl&auml;ger, Turnschuhe, DVDs und anderes, was Pablo im Rucksack heimlich aus dem Haus schafft und nach dem Unterricht seinem Peiniger &uuml;bergibt.<br /><br />Mutter Sara wundert sich, denn seit einiger Zeit vermisst sie Geld, sp&auml;ter Schmuck und andere Wertgegenst&auml;nde. Sie verd&auml;chtigt die marokkanische Putzfrau und k&uuml;ndigt ihr fristlos, obwohl sie stets zuverl&auml;ssig war und ihre Unschuld beteuert.<br /><br />Dann kommt die wahre Geschichte ans Licht. Carlos, der immer schon &uuml;berbesorgte Vater, wird die Sache f&uuml;r seinen Sohn aus der Welt schaffen. Er sucht ein Gespr&auml;ch mit dem Schuldirektor und wendet sich an die Polizei. Doch die kann nichts gegen Javier ausrichten, denn der ist ebenfalls erst zw&ouml;lf und somit nicht strafm&uuml;ndig. Also muss Carlos wohl selber handeln, sich den Knaben mal richtig zur Brust nehmen, ihm klar machen: Bis hierhin und nicht weiter ...<br /><br />Der Plot k&ouml;nnte jetzt einen allt&auml;glichen Verlauf nehmen: Vater und Mutter verteidigen ihr Kind gegen Gefahren von Au&szlig;en. Doch Carlos ist paranoid seinen &Auml;ngsten ausgeliefert, steigert sie in seiner Einbildung selbstqu&auml;lerisch bis aufs &Auml;u&szlig;erste - und bed&uuml;rfte eigentlich psychiatrischer Hilfe. Aber er kann sich nicht einmal seiner Frau &ouml;ffnen, denn dann w&uuml;rde er in ihren Augen zu dem, was er in Wirklichkeit auch ist: ein Schw&auml;chling, ein Weichei. So nutzt er eine auch in der Psychiatrie angewandte (selbst-) therapeutische Methode: Er schreibt all seine N&ouml;te "im Reich der Angst" - im Gegensatz zum "Reich der Freude" - auf.<br /><br />Autor Isaac Rosa entwickelt daraus eine Art Enzyklop&auml;die aller Typen und Ausw&uuml;chse von Angst. Er erg&auml;nzt jede Art von Phobie in Carlos' monologisierenden Gedanken zu einem vollst&auml;ndigen Katalog. Eingef&uuml;gte Ausz&uuml;ge aus offiziellen Quellen geben dem psychologischen Roman ein Sachbuch-Ger&uuml;st:<br />S. 176 ff.: Ratschl&auml;ge des spanischen Innenministeriums "zu Ihrer Sicherheit: Auf der Stra&szlig;e ... Zum Schutz von Minderj&auml;hrigen ..." usw.;<br />S. 201 ff.: "Selbstverteidigung";<br />S. 282 ff.: "Reise- und Sicherheitshinweise des Spanischen Au&szlig;enministeriums f&uuml;r die Republik Guatemala" u.a.<br /><br />Derlei eigentlich hilfreich-informativ intendierte Zusammenstellungen l&ouml;sen jedoch bei Carlos erneute &Auml;ngste aus, denn sie machen ihm m&ouml;gliche Gefahren erst richtig bewusst.<br /><br />Carlos ist nicht der einzige Mensch, der sich vor Menschenbanden aus Osteuropa, afrikanischen Kriminellen und undurchschaubar Fremdem &auml;ngstigt. Doch er f&uuml;rchtet sich sogar vor der Polizei, den Ordnungsh&uuml;tern, die, so gibt er zu bedenken, das Gewaltmonopol besitzen. In ihrem t&auml;glichen Kampf gegen das Verbrechen werden sie am Ende selbst zu Verbrechern, wenden Gewalt missbr&auml;uchlich an, werden zu Sadisten und Folterern. Carlos malt sich aus, welche &Auml;ngste solch ein Polizeiopfer durchlebt, das einer Verh&ouml;rsituation ausweglos ausgeliefert ist: Der blo&szlig;e Anblick eines harmlosen Alltagsgegenstands - eines Espressol&ouml;ffels oder einer Zange -, der in den H&auml;nden der Peiniger zu einem Folterinstrument werden k&ouml;nnte, gen&uuml;gt schon, um die Phantasie zu aktivieren, sich uns&auml;gliche Schmerzen vorzustellen, an den Rand des Wahnsinns zu geraten, zusammenzubrechen. Carlos behauptet, dass derlei imagin&auml;re Schmerzen noch viel unertr&auml;glicher seien als tats&auml;chlich w&auml;hrend einer Folter zugef&uuml;gte.<br /><br />Dabei ist Carlos in der Realit&auml;t noch nie etwas &Uuml;bles passiert. Allein in seiner Phantasiewelt der Phobien gelangt er an Orte, die man besser meiden sollte. Nicht auszudenken, was einem in Tiefgaragen, U-Bahnen, auf &ouml;ffentlichen Toiletten, in Unterf&uuml;hrungen, besonders allein und im Dunklen alles passieren kann: Man k&ouml;nnte sich verfolgt, geschlagen, misshandelt, gew&uuml;rgt, gelyncht, vergewaltigt finden. Es sind wahre Abgr&uuml;nde, in die uns der Autor durch Carlos' breit differenzierte sozio-psychologische Gedankenwelt schauen l&auml;sst, ein gigantisches Spektrum, das vielleicht auch in uns Lesern &Auml;ngste zu wecken vermag, die uns bisher unbekannt waren ... Nicht einmal im Schlaf findet er Ruhe; schwei&szlig;&uuml;berstr&ouml;mt wird er aus Albtr&auml;umen gerissen, in denen Einbrecher neben seinem Bett stehen, ihn sadistisch qu&auml;len, seine Frau vergewaltigen.<br /><br />Gefangen in seinen Horrorvisionen, doch abgel&ouml;st von der Realit&auml;t kommt Carlos also seinen Vater-Aufgaben nach. Er beobachtet seinen Sohn von nun an st&auml;ndig, um ihn vor Javier und seinen Motorradkumpanen zu sch&uuml;tzen. Aber er ist nur vorgeblich stark, kann sich der Konfrontation nicht wirklich stellen. Mit seinen unsicheren, inkonsequenten Drohungen provoziert er den Gegner geradezu. Als feiger Schw&auml;chling ist er das ideale Opfer und wird im weiteren Verlauf der Handlung nun ebenfalls von Javier systematisch erpresst - woraufhin sich in seiner Gef&uuml;hlswelt umso gr&ouml;&szlig;ere Angst vor eskalierenden Folgen auft&uuml;rmt. Er glaubt sie vermeiden zu k&ouml;nnen, indem er allenfalls halbherzig Widerstand leistet und Javiers immer dreister werdende Forderungen erf&uuml;llt. Letztlich f&ouml;rdert er durch dieses Verhalten die Kleinkriminalit&auml;t des ihm an Jahren und Intelligenz unterlegenen Jungen; im weitesten Sinne macht sich Carlos, das Opfer, mitschuldig.<br /><br />Carlos kann f&uuml;r jeden von uns stehen, vielleicht sogar f&uuml;r eine schwache Gesellschaft, die sich gegen Bedrohungen nicht entschieden genug zur Wehr setzt. Indem Carlos aus seiner selbst erzeugten hypnotisierenden Spirale der unendlichen Angst keinen Ausweg mehr findet, die Kontrolle verliert, agiert er im Reich der Angst anstatt in der Realit&auml;t, als unberechenbarer, lebensbedrohlicher T&auml;ter anstatt als rationaler Probleml&ouml;ser.<br /><br />Der Autor Isaac Rosa, 1974 in Sevilla geboren, wurde 2005 mit dem wichtigsten lateinamerikanischen Literaturpreis "Premio R&oacute;mulo Gallego" ausgezeichnet.</p></p>
							<p>
								<a href="http://www.buecherrezensionen.org/rezension-isaac-rosa-im-reich-der-angst.htm" target="_blank">
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							</p>
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				<pubDate>2012-05-16 14:18:27</pubDate>
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