0 Alon Hilu:
Das Haus der Rajanis

Historischer Roman · C.H. Beck 2011 · Gebunden · 355 S. · ISBN 9783406612879
5 Sterne

Aufbruch ins gelobte Land Zion

Leseeindruck vom 11.01.2011 · 2306 Zeichen
538 x gelesen · noch nicht bewertet

Im Jahre 1895 trifft Isaac auf dem Schiff, das ihn von Warschau über Odessa ins gepriesene Land Zions trägt, eine Frau von betörender Schönheit. Esther heißt sie, und Isaac, unser Ich-Erzähler, heiratet sie noch an Bord.

Aber die Angebetete mit der Stimme eines Tautropfens entpuppt sich als Mogelpackung, eingehüllt in edle Stoffe. Die gnädige Frau, wie er sie fortan nennt, lockt ihn mit leichtem Négligé, kriecht dann aber schnell in ihr Bett und schläft ein. Noch hat Isaac Verständnis für ihre allabendlichen Ausflüchte: Zwar sei sie mit den Gepflogenheiten zwischen Mann und Frau vertraut, ihre Psyche des Aktes fähig, aber ihre Mechanik verkrampfe. Schließlich fordert er seine Rechte ein.

Als das Schiff am 12. August 1895 vor Jaffa ankert, bekommen Isaac und die gnädige Frau zum ersten Mal Araber zu Gesicht. Als "dégoûtant" empfindet gnädige Frau den Anblick dieser Menschen mit krächzenden Stimmen und einem Benehmen, das die elementarsten Grundlagen einer Kultur vermissen lässt, und sie vergießt Tränen der Verzweiflung.

Isaac, Student der Agronomie, reist nun durch Israel, das gelobte Land, um sich ein Bild zu machen. Doch all die Verheißungen scheinen nur Lug und Trug gewesen zu sein. Das Land ist derart schlecht, dass in tausend Jahren nichts wachsen wird, und ebenso korrupte wie faule Kolonialisten leben vom Geld des jüdischen Komitees. Die Araber hingegen, die hier immer schon ansässig waren, leben auf bester Erde, die sie erfolgreich bestellen.

Der Erzählton passt zur Zeit der Jahrhundertwende: etwas antiquiert, leicht umständlich, alle Sinne anprechend und gewürzt mit herrlich süffisanten Beobachtungen insbesondere hinsichtlich des nicht vorhandenen Sexuallebens der Eheleute Esther und Isaac.

Neben Isaacs persönlichem Schicksal wird uns der Roman die politische Entwicklung des Nahen Ostens vor Augen führen, deren Ergebnisse uns jeden Tag präsent sind. Der Textausschnitt wirkt auf mich seriös, ehrlich, trotz der Erzählperspektive unparteiisch. Isaac will den Arabern fruchtbares Land abkaufen und strebt ein faires, gut-nachbarschaftliches Verhältnis an. Doch die Geschichte nimmt einen komplizierteren Lauf ...

Dieser vielversprechende Roman eröffnet uns also einen reizvollen, vielleicht neuen Blick auf einen politischen Konfliktherd, der die Welt bis heute in Atem hält.

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