0 Jennifer Donnelly:
Das Blut der Lilie

Belletristik · Pendo 2011 · Gebunden · 484 S. · ISBN 9783866122888
4 Sterne

Was geschah mit Louis Charles, dem Sohn von Marie Antoinette?

Leseeindruck vom 12.01.2011 · 2452 Zeichen
502 x gelesen · noch nicht bewertet

Die 17-jährige Andi möchte zurück nach New York, weg aus Paris und weg von ihrem Vater, mit dem sie sich zumeist streitet. Unter einer Bedingung darf sie fliegen: Sie soll ihrem Vater einen exzellenten Entwurf über den Komponisten Malherbeau vorlegen - mit Bibliographie, Primärquellen und einer Aufstellung des Bildmaterials, das sie zu verwenden gedenkt. An ihrer interessanten Idee, die musikalische DNA mit PowerPoint zu präsentieren, will sie unbedingt festhalten. Warum dieser Job? Man erfährt es bisher nicht.

Ihr Dad führt ein Telefongespräch. Es geht um detaillierte Informationen über die Bourbonen (die Familie Ludwigs XVI.) und die Habsburger (Marie Antoinettes Familie). Ist er Geschichtswissenschaftler?

Während Andi ihre Materialien liest, lenkt sie der Gitarrenkoffer ab, den sie auf einem Trödelmarkt erstanden hat. Das Schloss lässt sich einfach nicht knacken. Endlich gelingt es ihr - mit dem Schlüssel, der an ihrem Hals hängt. Als sie den Deckel hebt, blickt sie geradewegs in das Portrait eines Jungen auf einem Medaillon. Verblüfft stellt sie fest, dass er ihrem verstorbenen Bruder Truman ähnelt. Daneben liegt in feinstem Musselin ein Tagebuch, begonnen am 20. April 1795, verfasst von der 17-jährigen Alexandrine Paradis in französischer Sprache. Das Mädchen erzählt von einem kleinen Jungen, der in einem Turm gefangen ist; außerdem gesteht sie, dass sie die Person sei, von dem ein beiliegender Zeitungsartikel berichtet: "Grüner Mann schlägt wieder zu". Als jemand, der mit Feuerwerkskörpern Unruhe stiftet, wird sie von Bonapartes Schergen gesucht und fürchtet um ihr Leben.

Die Umbruchzeit nach der französischen Revolution - der Originaltitel des Romans lautet "Revolution" - ist voller Grausamkeit. Alexandrine und ihre Familie hatten sich als Marionettenspieler durchgeschlagen, bis sie wegen aufrührerischer Parolen von der Straße vertrieben und ihre Marionetten zerstört wurden. Was wird nun aus ihnen?

Und was wird aus Andi, unserer Zeitgenossin? Sie telefoniert ganz frisch und locker-flockig mit ihrem Freund Vijay. Der wiederum erzählt seiner Mutter haarsträubende stories über Ahmadinedschad, Putin, Kim Jong Il und "all die anderen schweren Jungs" ...

Jennifer Donnelly, eine Autorin, die ich bisher eher gemieden hatte, überzeugt mich mit diesem Textausschnitt. Der Roman verspricht beste Unterhaltung und erlaubt es womöglich, gleichzeitig auf angenehme Art Geschichtswissen aufzufrischen oder sogar zu erweitern.

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