0 Wolfgang Schorlau:
Das München-Komplott

Krimi · Kiepenheuer & Witsch · Taschenbuch · 335 S. · ISBN 9783462041323 · 8.95€
5 Sterne

Was geschah wirklich am 26.9.1980?

Leseeindruck vom 02.11.2009 · 2097 Zeichen
457 x gelesen · noch nicht bewertet

Das dem eigentlichen Text vorangestellte Zitat von Pier Paolo Pasolini - kursiv gedruckt - hat mich schon so erschüttert, dass ich erst mal innehielt. Der bekannte italienische Filmregisseur und Schriftsteller (der selbst unter ungeklärten Umständen erschlagen wurde) schreibt, dass er viele Namen verantwortlicher Täter von Staatsstreichen und Massakern seit 1969 kenne.
2009: Der jetzige Präsident des BKA wendet sich an den ehemaligen Zielfahnder Georg Dengler, der nach 10-jähriger Tätigkeit seinen Dienst frustriert verlassen hat. Dengler soll die Akten zum größten Attentat in der Geschichte der BRD, den Bombenanschlag vom 26. 9. 1980 auf dem Münchner Oktoberfest, noch einmal untersuchen.
Zwei Nebenschauplätze behandeln das globale Thema Weltfinanzkrise und den Alltag einer Parlamentarischen Staatssekretärin.
Die Leseprobe hat mir sehr gut gefallen. Neben dem klaren, direkten, nüchternen Schreibstil lassen die kursiven Textteile Gefühle zu. Wolfgang Schorlau bleibt bei diesem Stilmittel, um dann im Prolog weiterhin den berichtenden, journalistischen Handlungsverlauf von den Beschreibungen des grausamen Attentats und seiner verheerenden Folgen abzusetzen.
Georg Dengler, ein introvertierter Einzelgänger, schlendert bei Sonnenschein über die Theresienwiese und lebt dabei in zwei Welten. In der einen sieht er die glücklichen Menschen, die ihren Alltag leben, und gleichzeitig wird er durch das Mahnmal an die andere erinnert - kursive Satzeinschübe -, spürt den Bombenanschlag, hört die Schreie der verletzten Menschen, sieht die verstümmelten Leichenteile über die Wiese verstreut, steht im Blut. Das ist packend und dringt mitten ins Herz hinein.
Hat derAutor so recherchiert, um vielleicht bisher unbekanntes spektakuläres Material in seinen Roman einzubauen? Dieser Realitätsbezug wäre eine gute Grund- und Vorlage zum Roman. Aber auch fiktional bieten sich unermessliche Themen zu Machenschaften und Infiltration von Politik, Geheimdienst, globaler Wirtschaft, Mafia u. a. Hier kann der Autor aus dem Vollen schöpfen.
Das Ergebnis kann nur ein atemraubender Krimi sein!

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