0 Zoran Drvenkar:
Sorry
Ein Nagel im Kopf

4 Sterne
Rezension vom 24.05.2010 · 2359 Zeichen · 727 x gelesen · 0% hilfreich (0 Stimmen)
Psychothriller · 397 S. · Taschenbuch · Ullstein · ISBN 9783548281834 · Erscheinungsjahr 2010 ·

Fällt es Ihnen nicht auch manchmal schwer, sich für ein Fehlverhalten zu entschuldigen? Wie angenehm wäre es doch, dieses peinliche Eingeständnis nebst unterwürfigem Gestus zu umschiffen, indem man jemanden anderes dafür engagiert - für diese Erleichterung würde man gern bezahlen ...
Genau auf diesen Überlegungen baut die geniale Geschäftsidee von vier ehemaligen Schulfreunden auf, als sie die Agentur "Sorry" gründen. Schon bald kommen die unterschiedlichsten Menschen zu ihnen, um sich gegen gutes Entgelt gegenüber anderen Personen entschuldigen zu lassen, und der Rubel rollt.
Eines Tages lassen sie sich auf einen kühnen Handel ein. Da hat jemand auf qualvoll-sadistische Weise eine Frau umgebracht und möchte diese Untat nun durch die Agentur entschuldigen und auch gleich die Leiche beseitigen lassen! Welch ein absurdes Angebot!
Als die vier Agenturbetreiber den Tatort aufsuchen, bietet sich ihnen freilich ein derart grausamer Anblick, dass sie sich fast außerstande sehen, ihre Tätigkeit aufzunehmen.
Zoran Drvenkar nimmt den Leser jetzt mit auf die faszinierende, chaotische Jagd nach dem Mörder. Dabei jongliert er wie ein Artist mit den Elementen des Plots: Nicht nur die Chronologie wirbelt er durcheinander (es gibt ein "Davor" und ein "Dahinter"); auch die Perspektiven wechseln ständig; den Protagonisten werden eigenständige Kapitel unter ihrer Namensüberschrift gewidmet; außerdem gibt es "einen Mann, der nicht da war", und das Gespräch des Mörders mit einem uns unbekannten, dem Sprecher aber offenkundig vertrauten ("Du") Gegenüber. Bei dieser Achterbahnfahrt verliert der Leser teilweise die Orientierung und den Realitätsbezug. Oft glaubt er das Geschehen zu verstehen, doch dann verschwimmt wieder alles. Manchmal glaubt er, dass mehrere Figuren zu einer verschmelzen - handelt es sich dabei um eine psychisch gespaltene Persönlichkeit auf der Suche nach ihrer Identität? Um so grausam morden zu können, muss der Mörder etwas Furchtbares erlebt haben. Seine Motivation beschreibt der Autor sehr eindringlich und nachvollziehbar.
Lassen Sie sich auf diesen rasanten, sehr ungewöhnlichen, spannenden Psychothriller ein. Sie können das Buch kaum zur Seite legen, da der Autor die Spuren zur Auflösung wohl dosiert in kleinen Häppchen verabreicht. Manches Rätsel bleibt und wird sie über das Ende hinaus weiterhin beschäftigen.

"Sorry" von Zoran Drvenkar bei Amazon Sorry von 142
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