Rezension zu »Blut Salz Wasser« von Denise Mina

Blut Salz Wasser

von


Detective Inspector Alex Morrow ist ein kleines Licht bei der schottischen Polizei. Anders als die Leute, denen sie auf der Spur bleiben soll: internationale Geld- und Drogenschieber, die hemmungslos zulangen (lassen). Wer hätte so etwas zwischen River Clyde und den Bonnie Banks of Loch Lomond erwartet?
Kriminalroman · Ariadne · · 368 S. · ISBN 9783867542302
Sprache: de · Herkunft: gb

Keine Romantik am Clyde

Rezension vom 03.08.2018 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Von gesunder Meeresbrise umspielt, liegt das schottische Städtchen Helens­burgh idyllisch am Nordufer des Clyde-Flusses, der sich hier, von Glasgow herströ­mend, zum Kilometer breiten Firth of Clyde erwei­tert. Im Nord­osten beginnt gleich hinter der Stadt­grenze der Loch-Lomond-and-the-Trossachs-National­park. Hier wohnen Glasgow-Pendler, Marine­angehö­rige, reiche Ruhe­ständler. Nur in Edin­burgh sind die Immo­bilien­preise noch höher. Denise Mina, 1966 in Glasgow gebo­rene Schrift­stelle­rin, lehrt uns, dass man nicht einmal hier friedlich und gefahr­los lebt.

Gleich zum Einstieg fahren drei Typen, die einander kaum kennen, im Transporter vor und holen eine junge Frau aus dem Haus, die sich ihnen »folgsam wie ein Kalb« anschließt. Kurze Zeit später wird sie auf einem Boots­steg am Loch Lomond brutal erschlagen. Einer der drei bereute schon vorher, was ihn erwartet, und die Schmerzen, die er selber verspürte, während er ihren Schädel zertrüm­merte, »so wie er früher junge Fische erlegt hatte«, werden ihn bis zum Ende des Romans nicht mehr verlassen.

Szenen- und Ortswechsel. Alex Morrow »könnte hier in Unter­hosen sitzen, und niemand würde es merken«. Als einfache DI (Detec­tive Inspec­tor) kann sich die Mutter von Zwillingen gebauch­pinselt fühlen, dass man sie über­haupt einge­laden hat. Die anderen in dieser Team­bespre­chung sind die drei mächtigs­ten Bosse der Police Scotland in Glasgow. Es geht um sieben Millionen Pfund, die am Fiskus vorbeige­schleust, irgendwo gewaschen wurden und dann auf Nimmer­wieder­sehen verschwun­den sind. Der Fall soll in den Händen der Schotten bleiben, ohne dass die über­geord­nete Metro­poli­tan Police Wind davon bekommt. DI Morrow ist nur inso­fern im Spiel, als sie seit gut einem Monat eine Person in Glasgow über­wacht, die die Met für höchst verdäch­tig hält.

Alex Morrows Zielperson ist die kürzlich zugezogene Roxanna Fuente­cilla. Die gebürtige Spanierin kam mit Freund und zwei Kindern nach Groß­britan­nien und ließ sich in London nieder. Man lebte auf großem Fuße und verkehrte in gehobe­nen Kreisen. Roxanna schloss Freund­schaft mit Maria Arias, der Gemahlin eines kolum­biani­schen Diplo­maten, und jettete mit ihr zwischen Barce­lona und London hin und her. Schmuggel­ten sie im unan­tast­baren Diplo­maten­koffer Drogen? Finan­zierte das Ehepaar Arias damit seine außer­gewöhn­lichen Auto- und Immo­bilien­käufe? Die Met kam der »Goldader« illegaler Einkünfte nicht auf die Spur.

Nach dem unvermittelten Umzug nach Glasgow kaufte Roxanna eine »rentable Versiche­rungs­agentur«. Die Investitions­summe (sieben Millionen) wurde auf verschlun­genen Wegen von diversen Konten auf den Cayman-Inseln über­wiesen, aber das Ursprungs­konto gehört Maria Arias. Da jetzt die Police Scotland zuständig ist, sollen DI Morrow und ihre Kollegen heraus­finden, wie die Betrüge­reien zusam­menhän­gen und welche Rolle Roxanna dabei spielt. Gut, dass in so einer hoch­rangi­gen Konferenz DI Morrows unmaß­gebli­che Meinung nicht gefragt ist. So kann sie sich bedeckt halten und den letzten Stand der Dinge für sich behalten. Er ist kein Ruhmes­blatt.

Denise Mina erzählt in ihrem vielschichtigen Kriminal­roman »Blood Salt Water« Denise Mina: »Blood Salt Water« bei Amazon (den Zoe Beck ins Deutsche über­setzt hat) abwech­selnd von der gerad­linigen, ihren Beruf mit Hingabe ausüben­den Polizei­beam­tin Alex Morrow und den anfangs schwer zu durch­schauen­den Ereig­nissen in Helens­burgh. Dorthin verlagert DI Morrow ihre Ermitt­lungen nach dem Leichen­fund am Loch Lomond. Das maleri­sche Erho­lungs­gebiet mit Golfplatz entpuppt sich als schwer zu durch­schauen­des Konglo­merat aus braven Bürgern, boden­ständi­gen Bauern, abgeho­benen Millio­nären und einer Clique zwie­lichti­ger Gestalten, die keiner­lei Skrupel kennen. In einigen Episo­den kommen wir diesen Charak­teren sehr nahe.

Denise Mina ist für mich eine Entdeckung, deren weiteren Weg ich beobachten werde. Sie hat einen ausge­falle­nen, komplexen Plot über­zeugend ausgear­beitet und serviert die Handlung virtuos in Form kleinster Bau­steine, die anfangs zu­sammen­hang­los erscheinen, sich aber im Verlauf des Romans zu einem voll­ständi­gen Bild fügen wie Puzzle­stein­chen. Alle Fäden laufen in Helens­burgh zusam­men – übrigens im Jahr 2014 kurz vor dem Referen­dum zur schotti­schen Unab­hängig­keit. Die nach geogra­fischer Herkunft, sozia­lem Hinter­grund und anderen Motiven gespal­tenen Meinun­gen dazu schaffen Lokal­kolorit und politi­sche Brisanz.

Die Autorin formuliert einfühlsam, kreativ und originell. Sie bevöl­kert ihre Geschichte mit lebens­nahen, gut profi­lierten Figuren, darunter skrupel­lose Verbrecher, die sich selber die Finger nicht schmutzig machen, und geradezu bemit­leidens­werte Bösewichte, die irgend­wie nicht anders können. Selbst nach jahre­langen Gefängnis­aufent­halten fahren sie auf der schiefen Bahn weiter und können die Spur nicht wechseln.


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