Leseeindruck zu »Der Mord des Jahrhunderts« von Paul Collins

Der Mord des Jahrhunderts

von


Historischer Krimi · Irisiana · · Gebunden · 448 S. · ISBN 9783424151220
Sprache: de · Herkunft: de

500 Dollar Belohnung! Der Kampf der ersten Medienmogule

Leseeindruck vom 31.01.2012 · 2 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

"500 Dollar Belohnung" – so eine Schlagzeile hatte es bis dato noch nicht gegeben. Sie steht auf Seite eins der "New York World", der mächtigsten und meistverkauften Zeitung. Ihr Herausgeber und Verleger ist der ungarische Einwanderer Joseph Pulitzer. Sein Büro hat er in der obersten Etage eines Gebäudes mit – man stelle sich vor! – 18 Stockwerken; der Anblick des riesigen Wolkenkratzers beeindruckt die Passagiere der Fähren, die von Brooklyn herüber nach Manhattan kommen, mehr als die Statue of Liberty.

Wir befinden uns im Jahr 1897. New York hat zwei Millionen Einwohner, ein Gewirr von Fahrrädern und Pferdekutschen bestimmt das Straßenbild. In einer Zeit ohne Internet, Fernsehen, Radio, Kino und sogar noch ohne Telefon sind es die Zeitungen, um die sich die Menschen reißen, um das Neueste zu erfahren, sich unterhalten zu lassen, ihre Sensationsgier zu stillen. Die Zeitungen haben einen unermesslichen Einfluss auf die Massen, und sie können ihren Machern unermesslichen Einfluss und Reichtum verschaffen ...

In aller Munde ist der grausame Fund zweier Pakete mit Leichenteilen – der unheimlichste und brutalste Mord des Jahrhunderts. "1000 Dollar Belohnung" setzt William Randolph Hearst vom konkurrierenden "Evening Journal" als Kopfgeld für den "Kopfabschneider" dagegen. Abartig viel Geld ist das! Manche New Yorker trauen gar Hearst selber die Tat zu: Er habe sie initiiert, um seine Auflagen zu steigern ...

Hearst lässt seine "Bluthunde" frei, jagt seine Journalisten an die Tatorte und zum Bellevue-Leichenschauhaus •"schöne Aussicht" – was für ein zynischer Name für so einen elenden Ort, den Treffpunkt der Toten und Totentänzer!), wo sie in aggressiven Interviews das Letzte aus den ermittelnden Polizeibeamten herauszusaugen versuchen, ebenso wie aus den vielen Menschen, die sich versammelt haben, um die Körperteile zu identifizieren.

Nach dem ersten Fund geht die Polizei zunächst davon aus, es handle sich um von Medizinstudenten entsorgte Leichenteile. Der Handel mit solchen ist ein lukratives Nebengeschäft; erst kürzlich wurde der Verwalter verhaftet, weil er über Jahre hinweg Körper an die medizinische Fakultät verkauft hatte.

Doch bald liegt ein zweites Paket vor, und der Gerichtsarzt stellt fest, dass beide corpora delicti zweifelsfrei von ein und derselben Person stammen. Verletzungen, Stichwunden und Kampfspuren weisen eindeutig auf einen Mord hin. Und dem Opfer wurde ein ganzer Hautlappen weggeschnitten.

Für Ned Brown, den 19-jährigen Studenten und Mitarbeiter der "New York World", könnte diese Reportage zur Chance seines Lebens werden. Denn er hat die Leichenteile – muskulöse Arme und zarte Finger – schon mal irgendwo gesehen, nämlich bei den athletischen Masseuren in türkischen Bädern. Und tatsächlich wird seit Tagen jemand in einem solchen Etablissement vermisst: Bill Guldensuppe heißt der kräftige Deutsche mit einer Tätowierung auf der Brust.

Ein faszinierender Krimi mit einem fiktionalen Plot um einen sadistischen Mord, eingebunden in das Zeitkolorit der brodelnden Metropole New York am Ende des 19. Jahrhunderts. Nicht minder reizvoll zu lesen ist die Historie über den gigantischen Aufstieg und die Rivalität der Zeitungen und ihrer Mogule Pulitzer und Hearst um Macht und Einflussnahme auf die amerikanische Gesellschaft. Gegenseitig jagen sie sich die besten Journalisten und Illustratoren ab. Das Etikett "Yellow Press" bürgert sich ein •für "Boulevardpresse"), eine Anspielung auf den Comic "The Yellow Kid" und das gelbliche Zeitungspapier; noch heute ist es ein Synonym für reißerischen Sensationsjournalismus, der weder Grenzen noch Tabus kennt.

Dies Buch ist ein MUSS!


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