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Leseeindruck zu »Ausgeliehen« von Rebecca Makkai

Ausgeliehen

von


Belletristik · Ullstein · · Gebunden · 352 S. · ISBN 9783550088483
Sprache: de · Herkunft: us

»Was könnte ich lesen?«

Leseeindruck vom 06.09.2011 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Kaum hat Ian Drake ein Buch verschlungen, stellt er Lucy, der erst 26-jährigen Leiterin der Kinderbibliothek, wieder diese Frage: "Was könnte ich lesen?" Schon als er sieben war, wurde er regelmäßig von seinem Kindermädchen zur Vorlesestunde gebracht; jetzt, mit zehn, hat er nahezu alles gelesen. Da wäre noch die "Einführung in den Computerkatalog" – doch dann fällt Lucy spontan ein kulturhistorisches Buch ein: "D'Aulaires Griechische Mythen" ...

Hinter jedem intelligenten Jungen steckt eine engagierte Mutter. Eines Tages betritt eine entzückende rothaarige Kentucky-Schönheit die Bibliothek und stellt sich Lucy als Ians Mutter vor. Ian sei ein sensibler Junge, er müsse beim Lesen den Atem Gottes spüren und vor gewissen Themen geschützt werden. Zu diesem Zweck legt sie Lucy eine Liste vor, die sie entsprechend beachten möge: Tabu seien natürlich alle nicht jugendfreien Bücher, dazu die Themen Hexerei, Satanismus, Evolutionstheorie und Autoren wie Harry Potter (!) , Roald Dahl, Louis Lowry und ähnliche ... "Und bitte keine Süßigkeiten", ergänzt Mrs Drake noch mündlich zum Abschied.

Lucy verschlägt es die Sprache! Gilt etwa keine Meinungsfreiheit mehr? Und dass sie Ians Leselust zensieren soll, kann sie gar nicht einsehen. Gott sei Dank hat Ians Mutter keine Ahnung von Autoren (siehe oben) ; also wird sie dem Jungen – wie schon in der Vergangenheit – einfach heimlich Abenteuerbücher zustecken, wie zum Beispiel "Ein Jahr als Robinson – Ein Bubentraum wird Wirklichkeit".

Eine herrliche, erfrischende, liebevolle Leseprobe, die voll überschäumender Phantasie steckt. Schon jetzt schlägt mein Herz für die überdrehte, unnachahmliche Lucy: eine einfache, jungfräuliche Bibliothekarin mit leichter Veranlagung zu kriminellem Verhalten. Väterlicherseits steckt in ihr revolutionäres russisches Temperament, das bis zu ihrem Urgroßvater, einem Bolschewiken, zurückreicht; mütterlicherseits plagen sie kilometerdicke amerikanisch-jüdische Schuldgefühle.

Die wenigen Seiten der Leseprobe überzeugen mich, dass die Autorin Rebecca Makkai ein Talent zum Schreiben besitzt. Begeisternd und faszinierend zugleich ist der ausgefallene Plot um den kleinen intelligenten Ian und Lucy, die es nicht hinter ihrem Schreibtisch aushält: eine Möchtegern-Revoluzzerin, ein schlafender Vulkan. Wenn er ausbricht, dann rette sich, wer kann.

Super!


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