Leseeindruck zu »Ein Paradies für alle« von Justus Pfaue

Ein Paradies für alle

von


Historischer Roman · Marion von Schröder · · Gebunden · 400 S. · ISBN 9783547711684
Sprache: de · Herkunft: de

»Pecunia non olet« – Geld stinkt nicht

Leseeindruck vom 26.08.2010 · noch unbewertet · noch unkommentiert

In der Blüte der Gründerjahre erkennen Georg Wertheim und seine Brüder eine noch nie dagewesene Geschäftsidee und gründen gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein Kaufhaus mit großem, breit gefächertem Angebot zu günstigen Preisen. Kein Ramsch – für die gehobene Kundschaft wird Luxus geboten. Unter einem gewölbten, kuppelähnlichen Glasdach – in einer revolutionären Architektur mit viel natürlichem Licht – soll sie gern in den Verkaufsräumen verweilen. Aus der Idee entwickelt sich rasch ein großer Konzern mit zahlreichen Niederlassungen. Im Nationalsozialismus müssen die Wertheims Geschäftsanteile "arisieren", aber die "Endlösung" erlebt Georg Wertheim nicht mehr mit, denn er stirbt 1939 an einer Lungenentzündung.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund spielt die Handlung des Romans "Ein Paradies für alle" von Justus Pfaue.

Georg Wertheim entstammt einer armen Tuchhändlerfamilie. Mit seinen Brüdern gründet er 1888 das erste Warenhaus in Berlin. Es ist das größte der Welt. Täglich erscheint Georg pünktlich im Kontor, studiert die Geschäfts- und Umsatzzahlen. Seine Geliebte Hanna Berger inspiziert derweil das Kaufhaus. Alles muss adrett und freundlich sein. "Der Kunde ist König".

Hanna und Georg betricksen sich gern, wobei der eine dem anderen nichts vormachen kann. Als Georgs Sehvermögen nachlässt, durchschaut sie schnell sein vorgebliches Spiel, problemlos lesen zu können. Seine Reden lernt er auswendig, bevor er sie vorträgt. Mit viel Feingefühl und kleinen Finten – einmal stellt sie ihm die Stiefel verkehrt herum hin – kann sie Georg davon überzeugen, dass er einen Arzt aufsuchen sollte. Es stellt sich heraus, dass seine Starerblindung operiert werden muss.

Nach seiner Genesung fahren Hanna und Georg an dem Kaufhaus vor, wo sich die Menschenmassen hineindrängen. Durch die Abteilungen flanierend, beobachtet Georg Frauen, die sich um die trendige Mode reißen – alle wollen aussehen wie Marlene Dietrich im Film "Der blaue Engel": von der Haartracht bis zum Schuh – von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt ... Über diese Mode entrüstet sich Georg ebenso wie über die geplante Autogrammstunde mit Heinrich Mann und Carl Zuckmayer: "So eine Kirmesveranstaltung! Die Reputation unseres Hauses passt nicht zu Marlene Dietrichs Skandalfilm ..." Doch als man ihm im Kontor die guten Umsatzzahlen vorlegt, beruhigt er sich schnell: "Pecunia non olet".

Welch köstliche, dabei historisch höchst interessante Leseprobe. Die Zweisamkeit der sich liebenden Hanna und Georg ist pfiffig und sprachlich niveauvoll beschrieben. Alles, was so ein Geschäftsleben im Berlin der Roaring Twenties mit sich brachte – z.B. die neue amerikanische Coca-Cola-Werbung mit dem leicht bekleideten "Girl next door", der Umgang mit den Banken usw. – hat Pfaue lebhaft und anschaulich geschildert. Ein empfehlenswerter Buchkauf!


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