Rezension zu »Der Regler« von Max Landorff

Der Regler

von


Thriller · Scherz · · Taschenbuch · 335 S. · ISBN 9783502110668
Sprache: de · Herkunft: de

Wer regelt des Reglers Probleme?

Rezension vom 27.08.2011 · 4 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Im einsamen Mörlbach in den bayrischen Alpen liegt der Jedlitschka-Hof. Gabriel Tretjak hatte da vor Jahren eine Gerätehalle angemietet und zu einer Sternwarte mit drehbarer Kuppel auf dem Dach ausgebaut. Hier verbringt er vor seinem Teleskop viele Nächte, denn der Blick ins Universum hat für ihn etwas Beruhigendes. Als sich die mittlerweile verstorbene Bäuerin damals nach seinem Beruf erkundigte, befriedigte er ihre Neugier natürlich nur mit netten Harmlosigkeiten – von Auftraggebern, die es angenehm fänden, wenn er für sie etwas erledigt; je angesehener und reicher, desto größer sei ihre Sehnsucht, Dinge an ihn zu delegieren, von ihm regeln zu lassen. "Sie sind also ein Regler ..." – so schuf die Jedlitschka seine Berufsbezeichnung.

Sein Ein-Mann-Unternehmen hat Gabriel so organisiert, wie es ihm ein indischer Spezialist, der weltweit Unternehmen umstrukturiert und optimiert, geraten hatte. Seither bestimmt die Methode der konkurrierenden Prioritäten seine Arbeitsweise. Als Student bei Psychologieprofessor Norbert Kufner hörte er Vorlesungen zum Thema "Kann man die Seele umprogrammieren?" Mit Professor Harry Kerkhoff, einem Hirnforscher, entwickelte er die "sieben Gebote", feste Grundsätze, nach denen er in die Lebensgeschichten anderer eingreift, Schicksal spielt. Mit diesen Kenntnissen ist er jetzt ein Top-Experte, der gegen Top-Bezahlung diskrete Top-Arbeit leistet: Er arrangiert Scheidungen, hilft (von einem Bundesminister beauftragt) einem Landtagsabgeordneten, der im Rotlichtmilieu seine Freude hatte, mit reiner Weste aus der Sache rauszukommen, zerschlägt (im Auftrag eines Industriellen) eine Kölner Sekte, in die sich "die Seele seiner Tochter verirrt hatte" (S. 126) , boxt einen deutschen Industriellen aus einem algerischen Gefängnis frei und dergleichen mehr.

Mit dem Beginn einer Serie grausamer Morde gerät Tretjaks Alltag aus den Fugen. Da er mit sämtlichen Opfern zu deren Lebzeiten Kontakt hatte und seltsame Botschaften eindeutig an ihn gerichtet sind, fällt der Verdacht auf ihn, und Kommissar Maler von der Münchner Mordkommission verhaftet ihn. Doch dann wird er wieder freigelassen, als der Mörder eher in Tretjaks Umfeld gesucht werden muss. Stammt er aus seinem engsten Familienkreis? Gabriels Mutter verstarb an Krebs, und nachdem Vater Paul den sechsjährigen Jungen allein zurückgelassen hatte, verbrachte Gabriel seine Kindheit auf einem Bauernhof in einer Großfamilie. Der Hass auf den Vater wuchs ins Unermessliche: Er sollte für seine Lieblosigkeit büßen! Gabriel hängte ihm einen Missbrauchsfall mit einer Sechsjährigen an und zwang ihn, seinen florierenden Hotelbetrieb aufzugeben und in einem Haus am Lago Maggiore für immer abzutauchen ...

Eine weitere dunkle Seite in Gabriels Vergangenheit wurde vor etwa zwanzig Jahren aufgeschlagen: Damals verlebte Gabriel manch schlaflose Nacht mit Studienfreund Joseph Lichtinger und heißen intellektuellen Diskussionen über Biochemie, Physik und ihre Einflüsse auf logische Denkprozesse des menschlichen Gehirns. Außerdem hatten sie einen Plan um eine Bombe, Russen und 50 Millionen Dollar. Doch dann trennten sich die Wege der Freunde, Lichtinger studierte Theologie, wurde Pfarrer ... Hat er jetzt seine Finger im bösen Spiel um Gabriel?

Die Schlagzeilen in den Medien lassen Tretjaks Identität auffliegen und ruinieren das Geschäft und seine Existenz – ohne Diskretion keine Aufträge! Ist auch sein Leben in Gefahr? Furchtbare Angst übermannt ihn; er sucht einen Therapeuten auf, nimmt Beruhigungstabletten.

Unter dem Pseudonym "Max Landorff" veröffentlicht der Autor seinen ersten Thriller mit dem "Regler" – und führt sowohl den Kommissar als auch Gabriel Tretjak als auch den Leser bis zum Ende an der Nase herum, um dann einen gänzlich unerwarteten Täter zu präsentieren ...

Wahrscheinlich werden wir noch ein paar Folgen mit dem "Regler" erwarten können. Diese Figur, gerade erst erschaffen, ist in sich stimmig. Nur hapert es an der wahren Thriller-Spannung im Handlungsgeschehen, denn grausame Morde allein schaffen keine schlaflosen Nächte. Außerdem bleiben bei diesem ersten Fall etliche Ungereimtheiten und bis zum Schluss ungeklärte Fragen zurück – wie zum Beispiel die, ob Gabriel einen Halbbruder Luca hat. Der ist einerseits seit Jahren verschwunden, andererseits leugnet Gabriel, ihn je getroffen zu haben. Möglicherweise ist diese verrätselte Existenz ja ein bewusster Schachzug Max Landorffs, eins derAsse im Ärmel und Stoff für spätere Fortsetzungen ...

Unterm Strich sticht dieser Krimi bisher noch nicht aus der Masse des Genres hervor; aber was nicht ist, kann immer noch werden!


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