Rezension zu »Glückliche Ehe« von Rafael Yglesias

Glückliche Ehe

von


Belletristik · Klett-Cotta · Gebunden · 427 S. · ISBN 9783608937077
Sprache: de · Herkunft: us

Unheilbarer Krebs – ein Martyrium

Rezension vom 10.01.2010 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

»Lieferservice« – Kapitel eins des Romans
Die Überschrift passt gut. In luftigem Stil stellt uns der Autor die beiden Freunde vor: Bernhard Weinstein, 25, und Enrique Sabas, 21, sitzen zusammen in einer Kaffeebar. Bernhard schwärmt von Margaret Cohen, einem hübschen Mädchen mit außergewöhnlichen Qualitäten. Enrique traut Bernhard nicht so recht, er hält die Existenz Margarets für Fiktion. Doch ein Treffen wird arrangiert: »auf seine Bestellung erscheint die Traumfrau, von der er gar nicht gewusst hatte, dass er von ihr träumt«.

»Ahnung« ist – nach dem federleichten ersten Kapitel – düster und ernsthaft. Margret und Enrique sind nun 27 Jahre glücklich verheiratet. Sie haben zwei Jungs, Gregory und Max. Die Familie gehört zur oberen Mittelklasse New Yorks und kann ihr Leben sorglos genießen.
Doch drei Jahre zuvor hat das Schicksal in aller Härte zugeschlagen. Bei Margaret wurde Blasenkrebs diagnostiziert. Seit einem halben Jahr kann sie keine Nahrung mehr aufnehmen. Alle medizinischen Maßnahmen und technischen Möglichkeiten sind erschöpft. Nichts kann mehr helfen.

Rafael Yglesias beschreibt den Krankheitsverlauf in aller Härte und brutaler Offenheit. Wir sehen Margaret nackt und abgemagert vor uns; ihr Körper ist durchlöchert von den Versorgungsschläuchen. Wir lesen von den vielen Operationen, dem persönlichen Einsatz Enriques, der nahezu rund um die Uhr bei seiner Frau ist. Er hat sie zeitweise gepflegt; nun kann er sie nur noch »in den Armen halten, ermutigen, trösten, aufheitern und lieben«. Dabei empfindet er Angst wie noch nie zuvor.

Die zeitlebens aktive Margaret nimmt ihre Erkrankung anfangs an und kämpft mit all ihrer Kraft dagegen. Als alles aussichtslos erscheint, fordert sie Operationen, die die Ärzte kaum noch für sinnvoll erachten. Aber am Ende hat sie alle Kraft und Entschlossenheit verloren. Sie bittet ihren Mann: »Ich will sterben. Du musst mir dabei helfen.«

In den »Erinnerungen« setzt sich inhaltlich das vorsichtige Kennenlernen der beiden bis zur ersten Verabredung fort. So alternieren die weiteren Kapitel: Fokussierung auf den weiteren Leidensweg Margarets im Wechsel mit der weiteren Entwicklung der Beziehung. Diese thematischen Kapitel fand ich zwar teilweise langatmig, aber sie sind wohl als bewusst eingesetztes Stilmittel des Autors zu verstehen: Der Leser kann Luft holen, er kann das Gelesene verarbeiten, Kraft tanken und wieder zu Margaret zurückkehren.

Das Buch kann man nicht so leicht abschütteln. Es fordert Aufmerksamkeit und Respekt. Da der Tod unausweichlich ist, wird das Lesen für manchen zu einer seelischen Belastungsprobe werden. Ein mutiges Buch für mutige Leser.


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