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Leseeindruck zu »Mädchenfänger« von Jilliane Hoffman

Mädchenfänger

von


Thriller · Wunderlich · · Gebunden · 464 S. · ISBN 9783805208925
Sprache: de · Herkunft: us

Tödliche Gefahr aus dem Chatroom

Leseeindruck vom 14.06.2010 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Ein Mann sitzt in seinem abgewetzten Fernsehsessel und spielt nun schon zum wiederholten Mal das Video eines charismatischen Fernsehpredigers ab, der viele Zuhörer im ganzen Land begeistert: "Schon Moses hat gesagt, dass Männer zu schwach für das betörende Wesen der Frau sind. Tötet sie! Nur die Jungfrauen, die rein in Wort und Tat sind, sollen leben." Diese Botschaft inspiriert und stimuliert ihn zu großartige Ölgemälden. Doch sind weder seine Gedanken noch seine Taten rein, und seine Seele ist längst verdammt. Auf dem Computerbildschirm posiert ein hübsches Mädchen auf ihrem rosa Bett in ihrem rosa Zimmer ... Er klickt auf "Senden": "Bist du online?"

Am Abend ist Lainey ungestört in ihrem Zimmer. Ihr Bruder Bradley sitzt vor seinem Videospiel, und ihre Mutter ist noch nicht zu Hause. Lainey ist dreizehn Jahre alt. Leider hat sie bisher immer noch keine Periode, und ihr Busen ist immer noch flach. Im Internet hat sie einen neuen Freund gefunden, Zach, Oberschüler und Footballstar einer benachbarten Schule, den sie treffen wird. Im Internet nennt er sich ElCapitan. Vergangenen Freitag hat er ihr ein Foto geschickt. Er sieht phantastisch aus! Sie will ihn nicht enttäuschen und brezelt sich mit einem ausgestopften BH und Make-Up auf wie eine Kandidatin von America's Next Top Model. Jetzt sieht sie aus wie sechzehn. Kann sie Zach beeindrucken? Sie schickt ihm ihr getürktes Foto und kann seine Reaktion kaum erwarten. Endlich kommt die Antwort. ElCapitan: "Schönes Foto, würde gerne mehr von dir sehen."

Das macht Lainey glücklich und zählt mehr als die Tatsache, dass inzwischen ihre Mutter nach Hause gekommen ist und sie nervt. Was bedeuten schon Probleme im Elternhaus und in der Schule, wo ElCapitan doch sogar ein Date mit Lainey ausmacht!

So stürzt sie sich kopflos und naiv in ihr Unglück. Niemanden hat sie eingeweiht, was sich in den letzten Tagen entwickelt hat. Zach wird sie mit dem BMW seines Vaters abholen.

Am verabredeten Treffpunkt taucht jedoch ein Lexus auf; der Fahrer hat schwarze Haare – nicht blonde wie auf dem Foto -, und er hört Michael Jacksons "Thriller", was doch eher ein Oldie für 30-jährige ist ... All das findet Lainey merkwürdig, doch schon stülpt ihr der Fremde ein Tuch über den Kopf, versetzt ihr einen harten Schlag, und sie verliert das Bewusstsein ...

Schon im Prolog wird klar, dass der Mann im Sessel ein Psychopath ist, der in Moses' Worten lediglich Bestätigung für sein verqueres Frauenbild sucht. Aus der Predigt bezieht er die Berechtigung und die Verpflichtung, das Böse zu strafen, wenn nicht zu vernichten. Als ElCapitan zieht er durch die Chatrooms des Internets. Lainey war unaufrichtig zu ihm, und das wird er strafen müssen.

Die Bestseller-Autorin Jilliane Hoffman zieht den Leser in den Sog eines überaus spannenden Psychothrillers mit hochaktueller Problematik. Das "gute alte" Fernsehen ist bei jungen Leuten völlig out; sie verbringen Tag für Tag als virtuelle Charaktere in virtuellen Welten. Die Risiken, die sie in diesem Raum eingehen, können sie gar nicht ermessen.

Verschärft werden diese Gefahren durch die Situation vieler moderner Familien: Beide Elternteile müssen arbeiten, kommen abends erschöpft nach Hause und wissen gar nicht mehr, womit sich ihre Kinder beschäftigen. Auch die Institution Schule kann darauf kaum Einfluss nehmen. Zwar fällt Lainleys starker Leistungsabfall auf (sie gehörte zu den Besten – und nun drohen Mahnungsbriefe) , doch wie sollen die Lehrer sie durchschauen, wenn das nicht einmal den Eltern gelingt?

Was den Plot des Thrillers betrifft, so müssen wir wohl mit dem Schlimmsten rechnen. ElCapitan weiß Gott und das Recht auf seiner Seite und wird keine Skrupel kennen, sondern seinen Auftrag gnadenlos ausführen ...

Wie schon die vorangegangen Thriller Jilliane Hoffmans wird auch dieser eine TOP-Empfehlung verdienen.


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