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Leseeindruck zu »Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim« von Jonathan Coe

Die ungeheuerliche Einsamkeit des Maxwell Sim

von


Belletristik · DVA · · Gebunden · 416 S. · ISBN 9783421044846
Sprache: de · Herkunft: gb

Der Sucher nach wahren Freunden

Leseeindruck vom 18.10.2010 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Unser Ich-Erzhler, Maxwell, ist schon eine arme Socke. Aus dem warmen Australien ist er ins ungemtliche England gezogen. Da fhlt er sich so einsam, dass ihn schon ein freundlicher Blickkontakt glcklich machen knnte. So sitzt er auf einer Parkbank und schaut auf all die vorbei eilenden Menschen. Keiner nimmt ihn wahr.
Endlich! Ein junger Mann kommt direkt auf ihn zu: "Er knnte der Richtige sein." Max durchlebt schon das zuknftige Gesprch. Der Jeanstrger hat sich wahrscheinlich verlaufen, wird ihn nach dem Weg fragen, und er wird ihm alle Mglichkeiten aufzhlen ... "Handy her! Und schau mir ja nicht ins Gesicht!" Die so ganz anders eingetretene Kontaktaufnahme war wohl eher ein Flop.
Aber nach kurzer Zeit kehrt eben dieser junge Mann zurck. "Verdammte Scheie! Wie komm' ich von hier zum Bahnhof?" Beim Klang dieser Worte geht Maxwell das Herz auf, und gerne gibt er ihm die Wegbeschreibung. "War mir ein Vergngen." Herrlichster schwarzer Humor!

Nach einer dreiwchigen Abwesenheit kehrt Maxwell nach Hause zurck. Er ist sich sicher, dass zwar unpersnliche, aber dennoch herbeigesehnte Nachrichten auf ihn warten. Das Telefon: Frust - fnf entgangene Nachrichten. Aber seine siebzig Freunde bei Facebook haben sicher fleiig geschrieben: Ihm kommen die Trnen - keine Nachrichten. Nur sein Email-Postfach ist voll: 137 Spams, Werbung von Porno- und Pharmaseiten ... Auch die nimmt er sich zu Herzen: Er ist bisher noch nie auf den Gedanken gekommen, sein "Teil" knnte zu klein geraten sein ...

Elf Jahre lang war Max mit Caroline verheiratet. Auf der Internetplattform "Mumsnet" surfte sie tglich stundenlang und tauschte sich mit anderen Frauen in -zig Threads ber alles Mgliche aus. Um berhaupt mit seiner Frau Kontakt zu haben, meldete sich auch Max auf dieser Seite an. So wurde er als Liz Hammond unter dem Usernamen "SouthCoastLizzie" zur Freundin seiner Frau. Sie antwortete ihm so einfhlsam, mit einer solchen Offenheit und Zuneigung, wie sie mit ihm nie gesprochen hatte ...

Max, der Sucher nach dem wahren Freund, ist gutglubig, sensibel und naiv. Seine Frau hlt ihn fr altmodisch, fr unfhig, sich im 21. Jahrhundert im Licht der neuen Technologien zurechtzufinden. Aber er ist willens, an seiner Intellektualitt zu arbeiten, sein Bewusstsein zu erweitern. Der Autor hat einen liebenswerten Charakter geschaffen - einen wahren Ritter der traurigen Gestalt. Durch ihn lsst er Orte, Menschen und, wie diese Leseprobe zeigt, den Wahnsinn des Internets analysieren.

Eine bemerkenswerte Leseprobe: sprachlich nuancenreich, amsant, unterhaltsam - und humorvoll verpackte Kritik an den Errungenschaften unserer Zeit!


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