Leseeindruck zu »Das Einstein-Mädchen« von Philip Sington

Das Einstein-Mädchen

von


Belletristik · dtv · · Taschenbuch · 464 S. · ISBN 9783423247832
Sprache: de · Herkunft: gb

Berlin 1932 – Schmerzensschreie im Moloch

Leseeindruck vom 01.06.2010 · 9 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Oktober 1932 – Berlin

Zwei Jungen finden in einem Wald bei Potsdam ein junges Mädchen. Sie ist bewusstlos, ihr Puls ist kaum zu tasten. In ihrer Hosentasche findet man einen Flyer zu einem Vortrag von Albert Einstein. Man bringt sie in die Charité, Abteilung für Psychiatrie. Hier liegt sie im Keller des Gebäudes, verschnürt in einer Zwangsjacke, den Hals verfärbt von lauter Blutergüssen. Als sie später aus ihrem Koma erwacht, kann sie sich an nichts erinnern. In den Akten wird sie als das "Einstein-Mädchen" geführt.

An ihrem Bett steht neben anderen Fachärzten Dr. Martin Kirsch. Er kann seine Gefühle nur mit Mühe verbergen, denn er kennt das Mädchen. Dass er sie ausgerechnet hier und in dieser schrecklichen Verfassung liegen sieht, erschüttert ihn zutiefst; er hält sich am Fußende des Bettes fest.

Ein halbes Jahr später verschwindet Dr. Martin Kirsch spurlos. Seine Verlobte, Alma Siegel, ist verzweifelt. Im Polizeipräsidium zeigt man ihr Fotografien namenloser Toter. Die Polizisten finden Gefallen daran, diese ungewöhnliche Frau aus höheren Kreisen das Grauen zu lehren, ihre Unschuld auszukosten. Wie sie darauf komme, dass ihr Verlobter tot sei, fragen sie sie. Darauf will sie nicht antworten, denn es sind nur Ahnungen, die sich umschleichen. Es hatte etwas mit einer Patientin Martins, einer Slawin, zu tun. Dieser Fall war wie eine Droge für ihn geworden, und nicht nur Alma, sondern auch seine Kollegen nahmen mit Besorgnis eine Persönlichkeitsveränderung wahr.

Diese Leseprobe hat mich aufgewühlt und uneingeschränkt gefesselt. In der Hölle einer Psychiatrie der damaligen Zeit gibt es nur Angst und unendliche Schmerzensschreie. Man kann sich dem packenden Geschehen nicht entziehen. Sprache, Atmosphäre, Plot – alles ist vom Feinsten.

Die Stadt Berlin ist zur damaligen Zeit ein melting-pot mit Tausenden Arbeitslosen und menschlichem Treibgut aller Art und allerorten. Die pralle Menschenmenge erdrückt einen förmlich. Dazu dröhnt Marschmusik aus immer mehr Lautsprechern.

Höchste psychologische Spannung erzeugt der Autor mit dem rätselhaften Schicksal des "Einstein-Mädchens", ihrer Vorgeschichte und ihrer Verbindung zu Dr. Martin Kirsch. Die Leseprobe liefert nicht den Hauch eines Hinweises – alles ist offen, alles ist möglich.

Seltsamerweise habe ich das Gefühl, hier laufe ein Schwarz-Weiß-Film vor meinen Augen ab.

Ein faszinierender Roman, ein absolutes MUSS!


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