Leseeindruck zu »Die toten Gassen von Barcelona« von Stefanie Kremser

Die toten Gassen von Barcelona

von


Belletristik · Kiepenheuer & Witsch · · Taschenbuch · 256 S. · ISBN 9783462043259
Sprache: de · Herkunft: de

Barcelona: ein facettenreiches globales Konglomerat

Leseeindruck vom 11.07.2011 · 5 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Eine demenzkranke Frau ist zu einem Leben im Bett auf ihrer versifften Matratze verdammt. Unaufhörlich schreit sie durchs Haus, kommandiert ihren Sohn mit immer neuen Aufträgen. Er gibt sein Bestes und läuft immer wieder treppauf, treppab von seinem Laden im Erdgeschoss bis in die Wohnung im fünften Stock. Mal schimpft sie ihn "Idioten", mal säuselt sie "mein König". Aber er kann ihre durchdringende Stimme einfach nicht mehr ertragen; da helfen nicht einmal mehr die improvisierten Ohrstöpsel aus zerkrümeltem Klopapier. Was mag er wohl meinen, wenn er sagt: "In 6 Wochen sind wir frei."?

Die Münchner Journalistin Anna kehrt nach 34 Jahren in die Heimatstadt ihrer Mutter zurück: Barcelona. Eine Woche hat ihre Redaktion ihr gegeben, um einen alternativen Reiseführer zu verfassen – eine schwierige Aufgabe bei der immensen Variationsbreite des schon vorhandenen Angebotes.

Geradezu euphorisch genießt sie den Flug über Spanien, das sich zu ihrer Überraschung grüner, unverbauter präsentiert, als sie erwartet hatte. Am Flughafen empfängt sie der spanische Journalist Raphael, den sie in der rumänischen Kulturhauptstadt Sibiu kennengelernt hatte. Während ihres Aufenthalts dort verunglückten ihre Eltern und ihr Bruder tödlich bei einem Autounfall. Raphael leistete seelischen Beistand und organisierte die einfachsten Dinge, die sie in ihrer Trauer kaum bewältigen konnte.

Beim Abschied lud er sie nach Barcelona ein, und nun – elf Monate später – ist sie da. Kurz vor seiner Wohnung müssen sie an einer Straßenabsperrung warten. Ein Mann liegt auf dem Boden; er hatte sich vom Dach eines Hauses gestürzt.

Raphael ist mit Quim, dem ermittelnden Kommissar, befreundet. Bei einem gemeinsamen Abendessen erfahren sie, dass der Mann Opfer eines vorsätzlichen Mordes war.

Stefanie Kremser hat einen wunderschönen, anschaulichen, detailreich beschreibenden und dennoch leichten Sprachstil. Niemals gestaltet sie ihren Text langatmig; wir sind mit Anna mitten in der quirligen Hafenstadt Barcelona. Eine Multikulti-Gesellschaft mit babylonischem Sprachengewirr bestimmt das Straßenbild. Mitten durch das Tohuwabohu marschiert mit katholischem Pomp eine Prozession zu Ehren der Santa Eulàlia. In diesem Touristenmekka gibt es kaum noch Gässchen, in denen man Stille findet. Die Kriminalität hat vor allem unter den Ausländern Hochkonjunktur. Allein in den letzten zwei Monaten geschahen sieben Morde.

Eine tolle Mischung: spannende Unterhaltung in einer der aufregendsten Großstädte Europas.


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