Rezension zu »Zwölf mal Polt« von Alfred Komarek

Zwölf mal Polt

von


Kriminalgeschichten · Haymon · · Gebunden · 208 S. · ISBN 9783852186788
Sprache: de · Herkunft: at

Ein Schuss reicht fürs Leben

Rezension vom 25.03.2011 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

"Zwölf mal Polt" ist eine Kollektion kleiner Kurzgeschichten um Simon Polt, den Gendarmerieinspektor und späteren Ruheständler, jetzt verheiratet und Vater vierjähriger Zwillinge. Ganz naheliegend beginnt die Sammlung mit Polts erstem Arbeitstag, und das ist "Der Anfang vom Ende". Die verständliche Nervosität des Berufsanfängers nimmt ihm Franz Gabler, der heute seinen Chef Harald Mank vertreten muss. Was heißt "muss" – da ihn zuhause bloß eine zänkische Frau erwartet, arbeitet er ganz gern. Und wie den Herrn Gabler gibt's noch ein paar weitere Kollegen, denen nichts Menschliches fremd ist. Derart basisorientiert, darf der Neuling mit Gabler auf Streife, um zu lernen, wie man mit seinen Pappenheimern (die hier Brunndorfer heißen) umgeht. Da fährt doch der Wurm Karl auf der beliebten Ausweichstrecke für Betrunkene! Wo er aber ein Stammkunde vom Gabler ist, folgt eine eher interne Regelung als eine Amtshandlung: Gegen Überlassung einer fein geräucherten Wurst soll er sich langsam nach Hause schleichen. Dem Polt ist das gar nicht so recht. Hätte man nicht besser ...? Nein, hier auf dem Land nennt man das "diplomatisches Handeln". Dummerweise verursacht der Wurm Karl kurze Zeit später einen tödlichen Unfall, wodurch die weitere polizeiliche Vorgehensweise für Polt in totale Schieflage gerät. Wie soll er sich nun verhalten? Eine Niederschrift wäre das Ende für Franz Gabler, und der Polt wird einen Kollegen doch nicht vernadern?

Schon in der ersten Geschichte verfallen wir Komareks unnachahmlichem Sprachstil und trauen unseren Augen nicht, wie sich in einem Ort – weit weg von Wien – manches anders regeln lässt, als der Buchstabe des Gesetzes es sich wünschen würde. Was dort zählt, ist die eingeschworene Gemeinschaft, der man sich fügen muss, sonst bleibt man allein – oder lässt sich besser versetzen.

Mord und Totschlag kommen in diesem Habitat natürlich eher selten vor. Einmal findet man eine Leiche in einem frisch ausgehobenen Grab auf dem Friedhof. Ein anderes Mal hat sich ein Japaner von seiner Gruppe getrennt und trudelt nun tot in der Maische. Schon eher gibt's kleine Diebereien – peinlich für Polt, weil sein Lieblingskater Czerno beteiligt ist.

"Getrennt von Tisch und Bett" hat mich besonders amüsiert. Da geht es um Gregor Wondruschka, einen reichen Geizkragen. Als seine Frau gestorben und die Tochter nach Deutschland gezogen ist, beschließt der Sonderling, sich beim Bartl Bruno einzumieten, einem stillen Außenseiter, der ganz allein ein baufälliges Haus bewohnt. Dass der nur eine einzige Bettstatt hat, stört ihn nicht. Anfangs schlafen sie gemeinsam; später drängt er den Bartl aus dem Bett, behandelt ihn aufs Schäbigste und provoziert ihn – bis Gregor eines Tages tot aufgefunden wird. Kein Wunder, dass der Verdacht gleich auf Bartl fällt ... Lassen Sie sich überraschen!

All dies trägt sich im schönen, aber fiktiven Wiesbachtal im niederösterreichischen Weinanbaugebiet zu, einer Hügellandschaft an der tschechischen Grenze. In Brunndorf gibt es die Kellergasse mit ihren fast 100 Presshäusern und Kellergewölben, wo Weine verkostet und Ratschläge ausgetauscht werden. Die Türen stehen immer offen, und so vergeht kein Tag, an dem Polt nicht einkehrt. Bei einem Glaserl oder zweien erfährt er so manches. Mit ihm schlunzen wir den grünen Veltliner, den Rotburgunder, den Merlot, den Sturm und viele Verschnitte. Wir genießen eine stimmungsvolle, sensible Milieustudie einer Landschaft, in der die Menschen seit Generationen verwurzelt sind und die sie geprägt hat: Sie sind stur und kauzig. Doch diese Idylle schwindet, und der Fortschritt macht auch vor Brunndorf nicht Halt.

Polt ist wahrlich ein Gutmensch. Kaum vorstellbar, dass er angepöbelt wird, sich mit einem Nachbarn rumschlagen muss, der ihn mit seinem Hass zur Verzweiflung bringt. Und fast hätte er doch noch jemanden erschossen, aber das ist eine andere Geschichte.


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