Rezension zu »Der Trakt« von Arno Strobel

Der Trakt

von


Psychothriller · Fischer · · Taschenbuch · 338 S. · ISBN 9783596186310
Sprache: de · Herkunft: de

Ein Netzgespinst voller Lügen

Rezension vom 12.07.2010 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Sibylle Aurich kann nicht anders: Sie muss ihren Arzt Dr. Muhlhaus überwältigen, sonst kommt sie nie mehr aus diesem Verlies im Keller seines Krankenhauses heraus, in dem er sie nun schon seit zwei Monaten festhält. Als sie damals hier aufwachte, hatte sie Elektroden an Kopf und Körper. Sie will nach Hause zu Johannes, ihrem Mann, und zu Lukas, ihrem Sohn, und tatsächlich schafft sie es, sich zu befreien.

Nun läuft sie durch die Gegend und erregt öffentliches Aufsehen, denn sie trägt nur das einfache Krankenhaushemdchen. Eine nette alte Dame stoppt ihr Auto direkt vor Sibylle. "Kindchen, wie läufst du denn hier rum? Steig ein." Vor der Haustür gibt sie ihr "für alle Fälle" ihre Telefonnummer.

Als Sibylle klingelt, öffnet Ehemann Johannes die Tür – doch er gibt keine Anzeichen des Erkennens. Sie ist ihm unbekannt. Doch Sibylle lässt sich nicht abweisen; sie weiß doch von einem Leberfleck und der Münzsammlung; also kämpft sie um ihren Platz als Ehefrau. Aber wie kommt diese fremde Frau auf das Hochzeitsfoto? Die Mitteilung, sie habe nie einen Sohn Lukas gehabt, ist die schlimmste – und völlig inakzeptabel, hatte sie doch damals genau gesehen, wie ein tätowierter Arm nach Lukas griff und ihn in ein Auto zerrte. Welch ein Albtraum!

Parallel zu diesem Handlungsstrang gibt es einen zweiten: Hans soll eine Frau – Jane Doe – ständig überwachen. Er ist bei einem Arzt angestellt, dem er ständig Bericht erstattet. Doch wer ist Jane Doe? Ist der Name nur ein Synonym für unbekannte, nicht identifizierte Personen? Gibt es eine Verbindung zu Sibylle?

Sibylles Weg zur Aufklärung ist steinhart. Wem kann sie sich anvertrauen? Der Polizei? Was, wenn sie ihr nicht glauben? Manchmal zweifelt sie ja selber an ihrem Geisteszustand.

Wer ist Sybille wirklich? Die Suche nach ihrer Identität ist packend beschrieben. Sie befindet sich im Wechselbad zwischen Realem und Irrealem; in ihren zwischenmenschlichen Kontakten erlebt sie, wie ihre Gefühle verletzt werden, ihr Vertrauen missbraucht und sie belogen wird. Gibt es das Gute überhaupt noch? Nur die Suche nach ihrem Sohn Lukas gibt ihren Bemühungen Sinn und die Kraft, nicht aufzugeben.

Der Schluss im CerebMedizentrum, wo wissenschaftliche Experimente am Gehirn durchgeführt werden, überzeugt mich nicht. Ein medizinisches Gerät, das Erinnerungen eines Hirns auf ein anderes übertragen kann, ist wohl doch noch in weiter Ferne. Aber das ist die Freiheit des Autors.

Ein spannender, temporeicher Psychothriller, der den Leser in die Irre führt und manches glauben lässt, was sich dann später ganz anders entpuppt.


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