Rezension zu Candice Fox: »Eden«

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Eden

Thriller · Suhrkamp · · Taschenbuch · 476 S. · ISBN 9783518467145
Sprache: de · Herkunft: au

Bewertung: 2 Sterne
Ganz unten im Modder

Rezension vom 14.05.2017 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Mit ihrer Krimi-Trilogie »Hades«, »Eden« und »Fall« hat die junge australische Autorin Candice Fox in ihrem Heimat­land und in den USA Furore gemacht und etliche Preise einge­heimst. Auch bei uns löste die deutsch­sprachige Ausgabe von »Hades« einen Hype aus, der jetzt mit dem Folge­band »Eden« (Über­set­zung: Anke Caroline Burger) neue Nahrung erhält. Die sugges­tiven Titel­begriffe auf düste­rem Cover wecken Erwar­tungen an super­span­nende Plots und ausge­fuchste Erzähl­technik.

Leider kann ich nach der Lektüre von »Eden« nicht entdecken, was an diesem Roman als innovativ oder gar liter­arisch heraus­ragend zu rühmen wäre.

Die Protagonistin ist zugegebenermaßen ein interessantes Konstrukt, gestylt als eine Art weibliches Pendant zu Dr. Jekyll and Mr. Hyde. Ihrem ausge­rechnet ans biblische Paradies gemah­nenden Vornamen zum Hohn ist sie ein eis­kaltes, empathie­freies Monster. Tagsüber wirkt sie als Spitzen­beamtin der Mord­kommis­sion Sydney im Dienste der Gesetze, in der Nacht jedoch wandelt sie sich in ihr eigenes Gegen­stück und betätigt sich als blut­rünstige Serien­killerin. Im Gegen­satz zu Robert Louis Steven­sons gespal­te­nem Helden plagen sie jedoch keiner­lei Skrupel, sondern sie sub­limiert ihr abartig grau­sames Morden auf infame Weise zur Tugend. Weil die Justiz nämlich unfähig sei, all die vielen Krimi­nellen zur Rechen­schaft und aus dem Verkehr zu ziehen, über­nimmt sie in ihrer Freizeit die edle Aufgabe, Gerech­tigkeit herzu­stel­len. Wenn sie also nächtens Mörder, Verge­waltiger und Kinder­schänder sadis­tisch foltert, quält und hin­richtet, ist das – ihrer Auf­fas­sung nach – eine gute Tat. Ihr perverses vor­zivilisa­torisches Leit­motiv – »Gerech­tigkeit ist gut. Rache ist besser.« – prangt als reiße­rischer Titel­zusatz zuoberst auf dem Cover.

Wie kommt man zu so einer beachtlichen Persön­lichkeit? Natürlich in Folge trauma­tischer Kindheits­erleb­nisse. Plakativer zurecht­gestutzt als Friedrich Mergel, ist Eden doch auch »ein arm verkümmert Sein«, ebenso wie ihr Bruder Eric. Ihre Eltern wurden brutal ermordet, Brüder­chen und Schwester­chen gefesselt und geknebelt im engen Koffer­raum eines Autos wegge­schafft und dann bei Heinrich »Hades« Archer unter­gebracht. Der betrieb erfolg­reich einen Schrott­platz, zog aber hinter dessen Kulis­sen sämtliche Strippen in der Unter­welt von Sydney. Mit gutem Grund war er gefürch­tet, denn sein Unter­nehmen befä­higte ihn, miss­liebige Menschen so zu ent­sorgen, dass sie keiner­lei Spuren hinter­ließen.

Kein Wunder, dass die Kinder unter solchen Umständen Schaden nahmen. Eric, ein ebenso abartiges Wesen wie Heinrich, wurde eines Tages irr­tümlich erschos­sen, aber da war Schwester Eden bereits so ab­ge­stumpft, dass sie seinen Verlust locker weg­stecken konnte. Dann ent­wickelte sie ihr eigen­williges Welt­bild mit der zynischen Rollen­zuwei­sung des Selbst­justiz übenden Rache­engels.

Alles Ironie, sarkastisch zugespitzte Karikatur, Comic-Trash? Vielleicht könnte ich Candice Fox' Konzept unbe­schwer­ter hin­nehmen, wenn die Welt nicht gerade voller Spinner wäre, die auf Fakten und Logik pfeifen, die Realität nach eigenem Gut­dünken um­deuteln und ihre persön­liche Ichling-Philo­sophie absolut setzen, sei sie nationa­listisch, rassis­tisch, ideolo­gisch, funda­mental­religiös oder sonstwie begründet. Edens selbst­gerech­ter Rache­feld­zug ist Wasser auf solche Mühlen. Ich kann darüber nicht schmunzeln.

Die Menschen in Candice Fox' desolater Roman­welt sind durch die Bank niveau­lose, hohle Typen, weit­gehend ohne Verstand, mora­lische Leit­linien und irgend­wie geartete Vorstel­lungen von einem sinn­vollen Lebens­wandel. Sie verbringen ihre Tage in einem schmut­zigen Strom aus Täuschung, Illega­lität, Drogen, Miss­brauch, Gewalt und Bruta­lität, und sie sind schon zufrieden, wenn Gestank und Unord­nung in ihrer Welt »noch nicht grenz­wertig« sind. »Das war die Sache mit diesen Leuten – selbst mit Wasser und Seife war dem end­losen Gestank ihres Lebens nicht beizu­kommen – Bettwäsche, die nie eine Wasch­maschine sah, auf Sofas und Kissen haarende Tiere, will­kürliche Geschlechts­akte auf allen möglichen Unter­lagen, und die Körper­flüssig­keiten sickerten einfach ein.«

Wenn man sich die gut 470 Seiten durch den Morast gerobbt hat, hinter­lassen sie nur ein allge­meines Schmuddel­gefühl, während die Details des Handlungs­verlaufs verrauscht sind. Die knappe Inhalts­zusam­men­fassung im Innen­deckel des Einbandes gibt das Gerüst wieder, weitere Einzel­heiten sind irrele­vant: Drei Mädchen sind verschwun­den, die Spur führt zu einer verlas­senen Farm, auf der sich ein Serienkiller herum­treibt. Dorthin verschlägt es Eden, sie arbeitet undercover. Dieser Plot ist weder originell noch konnte er mich dauerhaft fesseln.

Passend zu seinem homogenen Personal und Milieu ist der Roman durchweg in schlichter Sprache ver­fasst, ange­reichert mit ab­stoßen­dem Gossen­idiom. Wenn man so will, eine löbliche Kon­sistenz. Äußere Merkmale der Prota­gonistin sind ihr »Knack­arsch«, »ihre bleichen, kalten Killer­hände« und »aus­drucks­losen Krähen­augen«. Mehr braucht sie ja auch nicht.


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