Rezension zu »Die Liebe deines Lebens« von Cecelia Ahern

Die Liebe deines Lebens

von


Belletristik · Krüger · · Gebunden · 377 S. · ISBN 9783810501516
Sprache: de · Herkunft: gb

Wie man Leben rettet und überhaupt ...

Rezension vom 22.11.2013 · 9 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Christine Rose (35) meint es gut mit ihren Mitmenschen. Sie betreibt in Dublins Innenstadt eine kleine pri­vate Jobagentur. Sie reißt sich jedes Mal ein Bein aus, um den Arbeitsuchenden eine Stelle zu verschaffen.

Oscar, ihr aktueller Klient, ist besonders schwer vermittelbar. Für ihn ist es schon ein Unding, regelmäßig am Arbeitsplatz zu erscheinen. Nicht dass er zu bequem oder unzuverlässig wäre, aber er leidet unter einer seltenen Phobie. Weder hat er je Auto fahren können, noch schafft er es, länger als vier Haltestellen weit in einem Bus auszuharren.

Christines Bücherregale quellen über von Ratgebern. Für jede Lebenslage findet sie hier pseudowissen­schaftliche therapeutische Hilfestellungen (z.B. »Wie man lernt, seine Mitmenschen zu respektieren und zu würdigen«; Cecelia Ahern nutzt diese Themen als Kapitelüberschriften). Oscar, ihrem derzeitigen Ver­suchs­objekt, empfiehlt sie Atemübungen, damit er seine Angst überwinde. Dann, so versichert sie ihm, würden die »schlimmsten Momente … Ihre glücklichsten sein«.

»Schuster, bleib bei deinen Leisten«, möchte man Christine zurufen – und am liebsten auch ihrer Autorin und der Übersetzerin Christine Strüh gleich mit. Die letzteren beiden haben nämlich den Anfang des Ro­mans »How To Fall In Love« Cecelia Ahern: »How To Fall In Love« bei Amazon ganz witzig und spritzig gestaltet. Warum aber hat man den Originaltitel, der die »How to …«-Manie so hübsch aufgreift, durch so ein furchtbar langweiliges, hohles und triefiges Allerweltsteil wie »Die Liebe deines Lebens« ersetzt? Und warum muss Cecelia Ahern ihre Protagonistin mit ihrem psychologischen Küchenlatein nun auf zwei Selbstmörder loslassen?

Eines späten Abends wird Christine Augenzeugin, wie sich ein Mann eine Pistole an den Kopf hält. Nur kurz kann sie ihn ablenken, dann drückt er ab. Während er im Krankenhaus im Koma liegt, macht Christi­ne sich Vorwürfe, versagt zu haben.

Wie es der Teufel will, widerfährt ihr wenige Tage später, was den meisten Menschen ihr ganzes Leben lang erspart bleibt, gleich zum zweiten Mal. Als sie die Fußgängerbrücke über den River Liffey betritt, steht dort ein Mann jenseits der Brüstung, bereit in die Tiefe zu springen. Keiner der Schaulustigen, die ihn um­geben, versucht, ihn von seinem Vorhaben abzubringen; allein Christine ergreift beherzt die Initiative.

Aus Fehlern wird man klug, und dieses Mal will Christine alles richtig machen. Sie spricht den Lebens­müden an, fragt ihn nach seinem Namen, verwickelt ihn in ein Gespräch und bringt sich selber in Gänze ein. Sie will ihm beweisen, dass man etwas verändern kann. »Sie und ich, wir werden das gemeinsam ma­chen, und wir werden sehen, wie wunderbar das Leben sein kann. Das verspreche ich Ihnen.« Wenn das kein überzeugendes Argument und verlockendes Angebot für jeden aufrechten Selbstmordkandidaten ist!

Adam klettert zurück (fast wäre er dabei abgerutscht, hihi), dann macht ein Handschlag den Deal perfekt. Allerdings schmuggelt Adam noch eine »Deadline« ein, denn in zwei Wochen hat er Geburtstag, und nur soviel Zeit will er Christine einräumen; ansonsten springt er doch noch ins Wasser.

Die begrenzte Frist will optimal genutzt werden. Während die beiden also Tag und Nacht zusammen ver­brin­gen, erfährt Christine die erschütternden Gründe, die Adam bewogen haben, sein Leben hinzuschmei­ßen.

Erstens: Seine Freundin Maria, der er gerade einen Hochzeitsantrag machen wollte, hat einen anderen.
Abhilfe: Christine wird alles tun, diese Frau für Adam zurückzugewinnen.

Zweitens: Adam ist es zuwider, dass er ein Millionenerbe antreten soll. Der Erblasser, sein Vater und inter­national erfolgreicher Unternehmer, liegt bereits im Sterben. Doch anstatt sich seiner Pflicht zu beugen und die Firma in dritter Generation fortzuführen, will Adam lieber seiner Berufung als leidenschaftlicher Ret­tungs­pilot folgen.
Abhilfe: Christine wird mit Adam den alten Mann am Krankenbett besuchen.

Der Patriarch kann vor Erschöpfung kaum seinen Arm anheben, aber seine Kräfte reichen allemal, um sei­nen Filius lautstark als »Schlappschwanz« und »Pantoffelheld« herunterzuputzen. Da tritt niemand anders als die heroische Christine vor ihn hin, beseelt von ihrer Mission, und gebietet dem Wüterich Einhalt: »Eine Angelegenheit, die ich gern ungestört mit Ihnen besprechen würde.« Damit meint die wildfremde Frau, dass sie mit dem todkranken, verbitterten alten Mann nun seine innerfamiliären Probleme erörtern wolle … Und Sie werden’s nicht glauben: Der Tyrann spricht mit ihr – über alles!

Woraus weder der Titel noch das Cover ein Geheimnis machen, tritt denn auch ein: Christine verliebt sich heftig in Adam. Zur »Deadline«, an seinem Geburtstag, macht er Schluss mit Maria und ward von nieman­dem mehr gesehen. Er flüchtet dorthin, wo alles begann und wo uns alle ein dramatisches Happy End er­wartet …

Überzeugen konnte mich das alles nicht. Die Charaktere existieren weitab der Realität, die Beschreibungen sind oberflächlich und klischeeverhaftet (Adam: »einfach nur schön«; seine Verlobte Maria: eine »extrem hübsche Frau«), die Handlung ist haarsträubend naiv, der Stil geschwätzig (denn Christine erkennt: »Kom­muni­kation war der Schlüssel.«).

Brächte Christine etwas mehr Selbstironie auf, hätte sie das Zeug zur Protagonistin eines amüsanten Büch­leins, das seinen Humor aus dem Kontrast zwischen ihrem Helfersyndrom und der Unfähigkeit, ihre eige­nen privaten Probleme in den Griff zu bekommen, ziehen könnte. Im überschaubaren Umfeld ihrer chaoti­schen Jobvermittlung und kleiner Alltagsprobleme hätte sie auf charmante Weise brillieren können; auch da hätte ihr ein liebenswerter Mann über den Weg laufen können, wenn es ein Liebesroman werden soll …

›Kitsch‹ entsteht oft aus einem Zuviel an Edlem, Schönem, Gutem, Gefühlsbeladenem. Christine trifft nicht nur zwei Lebensmüde in einer Woche – nein, Cecelia Ahern dichtet ihr auch noch eine suizidale Mutter an. Christine führt Adam nicht nur zurück ins Leben, sondern sie verlieben sich auch noch ineinander.

Aber ich will kein Spielverderber sein. Dieser Roman ist ein Bestseller, also muss man der irischen Auto­rin zugestehen, dass sie eine anerkannte Leistung vollbracht hat. Leichte Fertigkost, nährstoffarm, aber of­fen­bar reich an effizienten Geschmacksverstärkern.


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