Rezension zu »Das Regenmädchen« von Gabi Kreslehner

Das Regenmädchen

von


Kriminalroman · Ullstein · · Gebunden · 304 S. · ISBN 9783550088605
Sprache: de · Herkunft: de

Springen mit den Regentropfen – ein Gefühl des Glücks

Rezension vom 02.01.2011 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Um fünf Uhr im Morgengrauen, bei Nieselregen und Nebel, hat sich ein dubioser tödlicher Unfall auf der A9 Richtung Berlin ereignet. Ein junges Mädchen – es heißt Marie – wurde von einem BMW überfahren.

Kommissar Felix Herz und seine Kollegin Franza Oberwieser sind um zehn Uhr vor Ort. Da liegt ein 20-jähriges hübsches Mädchen, gekleidet in ein silbernes, mit Pailletten und Perlen besetztes Kleid. Sie könnte von einer festlichen Veranstaltung gekommen sein. Sie hat eine Kopfverletzung, und auf dem Steinboden an einem Unterstand hat die Polizei Blutspuren gefunden. Was war da geschehen? Ein unglücklicher Sturz, ein Kampf, Körperverletzung mit Todesfolge oder doch Selbstmord?

In relativ kurzen Kapiteln beschreibt die Autorin Gabi Kreslehner Maries Leben vor dem Unfall. Sie leidet während ihrer grausamen Kindheit und haut eines Tages auf Nimmerwiedersehen ab. Nach einem Lebensabschnitt auf der Straße mit Drogen, Gewalt und Prostitution zieht sie in eine betreute Wohngemeinschaft. Schafft sie den Absprung von dort? Frisch verliebt, plant sie mit ihrem Freund nach Berlin zu ziehen.

Ganz bedrückend finde ich, dass nicht nur Maries Leben völlig verkorkst ist, sondern dass nahezu alle beschriebenen Partnerschaften mit Problemen behaftet sind. Sie gehen bewusst fremd, berauschen sich im Sex als niedrigem Trieb, und Frauen sind für die Männer nichts als Schlampen und Fotzen. Die Autorin zieht das konsequent und ungebremst durch, einschließlich dem entsprechenden Vulgär-Vokabular. (Muss das wirklich sein?)

Dem Kommissariat und dem Zusammenleben im Kollegenkreis hat die Autorin viel Raum gegeben. Felix Herz und Franza Oberwieser sind schon lange im grausamen Geschäft, aber abgestumpft sind sie nicht. Jeder Fall nimmt sie aufs Neue mit, Felix schlägt die seelische Belastung auf den Darm, Franza träumt sich ganz weit weg, nach Lappland oder zu Port, einem eingebildeten schauspielernden Faun. Daneben muss sich Franza berechtigte Sorgen um ihren 20-jährigen Sohn Ben machen. Hat sie als Mutter versagt? Er ist am Tag des Unfalls abgehauen und hat sich seitdem nicht gemeldet.

Der Roman lässt sich schnell lesen, Passagen dicht aufeinander folgender kurzer Sätze schaffen Tempo. In die eigentliche Handlung sind kursive Textpassagen eingeschoben. Anfangs kann man sie nicht richtig zuordnen, vermutet darin die Gedanken des Täters. So ergibt sich ein raffiniert verflochtener Krimi mit vielen Verdächtigen und immer wieder überraschenden Wendungen.

Gabi Kreslehner erhielt für ihr Jugendbuch "Charlottes Traum" den österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur. Das "Regenmädchen" ist ihr Debütroman für Erwachsene. Für mich ein guter Start.


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