Rezension zu »Der Müllmann« von Helmut Wolkenwand

Der Müllmann

von


Kriminalroman · Piper · · Taschenbuch · 400 S. · ISBN 9783492264488
Sprache: de · Herkunft: de

Entsorgungs-Overflow

Rezension vom 12.12.2011 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Nein, Heinrich Schmitt ist kein Müllmann der städtischen Müllabfuhr. Er fühlt sich weder für Papier, Glas, Plaste noch Restmüll zuständig. Was ihm stinkt, ist der gesellschaftliche, der kriminelle Müll. In seiner Sortieranlage finden sich zum Beispiel Männer, die ihre Frauen krankenhausreif schlagen, Neonazis, die wehrlose Menschen verprügeln, und junge Schnösel, die Mädels mit ihren Aufreißer-Sportwagen in Discos abschleppen, um sie später zu vergewaltigen. Wenn so einer Sohn eines Stadtrats ist und die Verfahren gegen ihn schon wieder eingestellt sind, kaum dass sie aktenkundig werden, dann muss Heinrich Schmitt ran.

Einstmals war Heinrich für den BND im Irak tätig. Dort wurde er in eine Schießerei verwickelt, bei der ein unschuldiges Mädchen starb, und Heinrich musste zwei Jahre ins Gefängnis. Wäre sein Zellengenosse nicht Amerikaner gewesen, wäre er heute wahrscheinlich einen Kopf kürzer; aber die US Army befreite ihren Mann und nebenbei auch Heinrich. Seit acht Jahren ist Heinrich nun zurück, wurde aus dem BND entlassen, lebt in Frankfurt, gründete mit einem Freund eine Firma, die Wohnungsauflösungen erledigt. Als besorgter Onkel kümmert er sich um Ana-Lena, seine 17-jährige Nichte; als aufmerksamer Nachbar besorgt er Einkäufe für die ältere, aber noch sehr aufgeweckte Frau Kramer. Und da sich auch Heinrich nach ein paar zärtlichen Streicheleinheiten sehnt, bahnt sich zwischen ihm und Kommissarin Marietta eine zarte Liebelei an.

Guten Kontakt hält Heinrich mit dem russischen Ehepaar Alexej und Irina, einer ehemaligen KGB-Agentin. Die beiden sind im Finanzwesen tätig – man munkelt auch von Geldwäsche, Mafia-Beziehungen und Reibereien mit chinesischen Triaden. Doch Heinrich ist ihnen ein guter Freund, und als solcher soll er den Mann, der Tochter Natascha entführt und ihr einen Finger abgeschnitten hat, entsorgen ...

Nach Jahren meldet sich Gernhardt, ein alter BND-Kampfgenosse, wieder bei Heinrich. Gernhardt hatte ihn im Irak schmählich im Stich gelassen, ihn sogar mit vier Schüssen verletzt. Jetzt hat er einen Auftrag, der Heinrich die ehrenvolle Rückkehr in den BND ermöglicht: Mit seinem alten Dienstausweis und Waffe ausgerüstet, soll er einen ungarischen Killer aus dem Weg räumen. In einem Lagerhaus kommt es zum Showdown. Die Kugeln fliegen, und es gibt etliche Leichen.

Wie so mancher Mitbürger hat auch Heinrich noch ein paar Leichen im Keller. Doch keine Bange – er hat ganz spezielle Entsorgungswege für seinen "Sondermüll" ...

Dieses und noch viel mehr, und auch ein bisschen anders, und alles irgendwie miteinander verwoben, stopft Autor Helmut Wolkenwand in die große graue Tonne seines Debüt-Krimis. Wer sich durch den etwas überquellenden, unsortierten und nicht leicht durchschaubaren Abfallberg wühlt, wird durchaus auf manche Wertstoffe stoßen – vor allem sehr nette, witzige Situationskomik eines ganz normalen Alltags. Insgesamt aber doch sehr viel Aufräumarbeit für einen einzigen Müllmann.


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