Rezension zu »Der Stoff, aus dem die Liebe ist« von Isabel Wolff

Der Stoff, aus dem die Liebe ist

von


Belletristik · rororo · · Taschenbuch · 428 S. · ISBN 9783499252860
Sprache: de · Herkunft: gb

Kostbare Lebenszeit

Rezension vom 27.12.2010 · noch unbewertet mit 1 Kommentaren

Phoebe, die 33-jährige Ich-Erzählerin des Romans, hat sich ihren Traum erfüllt: Sie hat ihren sicheren Arbeitsplatz bei Sotheby's gegen die Führung eines kleinen Modelädchens "Village Vintage" eingetauscht. "Vintage" bezeichnet eine Designrichtung der 20-er/30-er Jahre. Selbstredend sind es ganz individuelle, originelle, zumeist getragene Einzelstücke, die sich durch hochwertige Stoffqualität und exzellente Verarbeitung auszeichnen und den Charme von Vivienne Westwood und Mary Quant, den Stil der Bohème und eine gewisse Schrulligkeit ausstrahlen. Phoebe ersteigert Kollektionen auf Auktionen oder kauft privat aus Nachlässen. Zweimal in der Woche hilft ihr Annie, die den Laden mit Hingabe in Ordnung hält und, wie Phoebe selbst, die Kunden mit Liebe beim Einkauf berät; denn nicht jedes Teil, das auf der Stange attraktiv aussieht, hat die erhoffte Wirkung, wenn die Käuferin es angezogen hat.

Während Isabel Wolff in ihrem Roman die Entwicklung von Phoebes Geschäftsidee durchgängig vom Anfang bis zum erfolgreichen Durchbruch erzählt, beschreibt sie viele parallele Episoden, zu denen Phoebe immer einen Bezug hat.

Vor drei Monaten hat sie sich von ihrem Verlobten Guy getrennt. Die Hochzeitsglocken hätten schon bald läuten sollen. Dan, ein junger Journalist, berichtet in seiner Zeitung über die Londoner Szene-Boutique, und seine Werbung zeigt bald Wirkung. Auf einer Auktion lernt Phoebe Miles kennen - schon etwas älter, distinguiert, reich, verwitwet. Sie beginnen eine kleine Liebelei, die jedoch schnell ein Ende findet, denn Miles hat eine anstrengende 14-jährige Tochter Roxane. Im Glauben, er könne mit Großzügigkeit den Verlust der Mutter kompensieren, erfüllt er ihr umgehend jeden Wunsch. Nun hat er aber ein egozentrisches, herrisches und unausstehliches Monster herangezogen, das ihm fast die Luft zum Atmen raubt.

Phoebes Eltern sind geschieden. Es vergeht nicht ein Tag, an dem Mom nicht anruft und ihrer Tochter von einer neuen - der ultimativen! - Therapie berichtet, mit der man den Alterungsprozess aufhalten kann. Dad, ein arbeitsloser Archäologe, kümmert sich rührend, aber völlig überfordert, um seinen Säugling Louis, während sich seine junge Gespielin beruflich verwirklicht.

Eine ganz wichtige Bezugsperson wird für kurze Zeit die liebenswürdige Mrs Bell. Phoebe hat bei ihr Kleider erworben, besucht sie oft und hört Mrs Bell bei einer Tasse Tee zu. Phoebe ist die einzige Person, der sich Mrs Bell anvertraut, der sie nach und nach über ihre bewegte Vergangenheit berichtet. Beide Frauen verbindet ein Schicksalsschlag. Beide hatten enge Freundinnen und glaubten sie im entscheidenden Moment im Stich gelassen zu haben. Sie verstehen einander in ihren Gefühlen, Schuld zu tragen, büßen zu müssen ...

Der Titel "Der Stoff, aus dem die Liebe ist" lässt leider eine kitschige Liebesromanze erwarten, doch das ist dieser Roman ganz und gar nicht. Zwar herrscht darin durchaus "eitel Sonnenschein", die insgesamt fröhliche Stimmung findet nur leichte Trübungen (Mrs Bells Geschichte und Phoebes Beziehung zu Guy), und die handelnden Figuren haben gute, liebenswürdige Charaktere. Aber Isabel Wolff hat in stilsicherer Sprachgestaltung einen unterhaltsamen Roman jenseits aller Trivialität geschrieben, der nie langweilig wird.


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Kommentare

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Zu »Der Stoff, aus dem die Liebe ist« von Isabel Wolff wurden 1 Kommentare verfasst:

Beatrix Petrikowski schrieb am 02.12.2015:

Dass der Titel eine kitschige Liebesromanze vermuten lsst, war auch meine Meinung. Ein sehr einfhlsamer Roman, bei dem man bedauerlicherweise durch den Titel und das Cover in die Irre gefhrt wird, so lautete der Schlusssatz meiner Besprechung. Bei meinem ersten Roman verhlt es sich brigens hnlich. Viele Leser glauben, es erwartet sie eine triviale Geschichte. Ich bin mal so frei und sende dir eine Rezensionsanfrage.

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