Rezension zu »Buddha-Boy« von Jordan Sonnenblick

Buddha-Boy

von


Jugendbuch · Carlsen · · Taschenbuch · 206 S. · ISBN 9783551582515
Sprache: de · Herkunft: us

Die Vervollkommnung des Charakters

Rezension vom 17.08.2012 · 5 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Der 14-jährige San Lee weiß genau, was auf ihn zukommt. Nach mehreren Schulwechseln kennt er das Prozedere aus dem Eff-Eff: Er ist der ewige Neue in einer Klasse. Mit seiner Mutter Diana ist er nun nach Harrisonville, Pennsylvania, umgezogen. Seinen Vater haben sie in Texas zurückgelassen; eine Knastzelle ist dort sein neues Domizil. Lange genug war Mom auf Dads diffuse Lügengeschichten hereingefallen, bis durch eine dumme Geschichte herauskam, dass er ein lang gesuchter Krimineller war. Deshalb mussten sie immer fluchtartig von einem Bundesstaat in den anderen umziehen.

San Lee, der in Kalifornien den Skater, in Alabama den Bibelfreak, in Houston den reichen Snobby, in Deutschland den Möchtegern-Macho mimte, macht sich ernsthaft Gedanken, wie er sich dieses Mal geben soll.

Mit der Masse schwimmen, hat Dad ihm geraten. Doch so restlos enttäuscht, wie er von diesem Herrn von Münchhausen ist, wird er seinen Tipp bestimmt nicht befolgen. Psychologen raten, Kinder sollen nur einfach sie selber sein. Die scheinen keine Ahnung zu haben, was so abgeht, wenn man geschubst oder gequält, bestenfalls nicht beachtet wird.

Dumm gelaufen: Alles grölt, als San auf seinem Stuhl Platz nehmen will, just in dem Moment, als Mr Dowd, der Sozialkundelehrer, Ruhe in die Klasse bringen will. Ein halbes Stuhlbein fehlte, und San kladdert mit Getöse zu Boden. Na, auf den alten Hut hätte er nicht hereinfallen müssen ...

Freundlich reicht ihm der pausbäckige Mr Dowd (mit weißem Rauschebart à la Santa Claus) die Hand, begrüßt ihn und stellt ihm das Thema der nächsten Wochen vor: der Buddhismus.

Gedankenlos kritzelt San lauter Ying-Yang-Symbole auf sein Arbeitsheft und schreibt in die Namenszeile dick in Großbuchstaben LACHENDER BOGENSCHÜTZE, was der Name einer Undergroundband ist, die er aus Houston kennt – und so schliddert er hinein in eine Lügengeschichte, mit der er lange Eindruck schindet, bis am Ende alles auffliegt.

Der Autor Jordan Sonnenblick lässt seinen Protagonisten San Lee locker-flockig, cool und phantasievoll aus seiner Perspektive erzählen. Wenngleich er bei sich "nur eine Sammlung von halb lahmen Halbtalenten" vermutet, reflektiert der clevere Bursche darüber, wie er genau das nutzen kann, was ihn zum Außenseiter macht. Er ist Chinese, unsportlich, kommt in verknautschten Sandalen daher, und das Sozialkundethema passt perfekt.

Also gibt er den Zen-Buddhisten, bekannt als LACHENDER BOGENSCHÜTZE, der von nun an jeden Morgen, selbst in heftigem Schneetreiben, im Lotussitz auf einem Felsen vor dem Schultor Minuten lang "Zazen" wird. Viele Bücher hat er sich in der Bibliothek ausgeliehen, weiß alles über das Denken und das Nicht-Denken und wie man den richtigen Weg findet. Die angelesene Philosophie gibt er überzeugend in Worten und Taten weiter – ein "Fake", auf das alle hereinfallen.

Besonders beeindruckt ist Woody, ein Mädchen aus reichem Hause, mit lilagetönten Brillengläsern und einer Frisur, die an einen aztekischen Tempel erinnert. Jeden Mittag spielt sie in der Mensa auf einer Gitarre und bettelt um Geld. San ist vom ersten Moment ihrer Begegnung an hin und weg. Wie gern hätte er mit ihr eine "irdische Bindung". Doch leicht ist das Mädchen nicht zu erobern, denn da ist noch ihr Stiefbruder Peter, der einen Hass auf San hat, und ein anderer Typ namens ELL ...

Können San Lee und Woody Vorbilder sein? Zwar ist San Lee nicht ehrlich zu seinen Mitschülern, aber er bildet sich, schafft es, als sportliche Flasche im Basketballspiel aufzutrumpfen, inspiriert und motiviert das schlechtere B-Team, um gegen das A-Team zu gewinnen. "Die Leute, die eine Zen-Kunst erlernen, üben die Schritte immer und immer wieder ... Wenn die Handlungen völlig instinktiv erfolgen, ist der Schüler zu einem Meister geworden."

Woody möchte gern eine gute Schülerin sein, und sie engagiert sich für sozial Benachteiligte. Einen Teil ihres großzügigen Taschengeldes möchte sie spenden, erntet aber heftigen Ärger mit ihrem Vater, einem Zahnarzt. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sagt er, gebe es für jeden einen Job, wenn er denn nur seinen Hintern mal hochkriege. Als er dann das Taschengeld kürzt, sammelt Woody Spenden mit ihren Songs und ihrer Gitarre. Mittwochs begrüßt sie die Obdachlosen in der Suppenküche, und den Neuen hat sie auch mitgebracht.

Jordan Sonnenblicks "Buddha-Boy" (" Zen And The Art Of Faking It ", übersetzt von Gerda Bean) ist ein anspruchsvolles Jugendbuch (frühestens geeignet ab 12 Jahren), das unterhaltsam und anregend ist: "Der Sinn des Zen ist die Vervollkommnung des Charakters." (Yamada Roshi). Manche philosophische Teile werden jugendliche Leser zwei Mal lesen müssen, und für den vollen Durchblick werden sie sicher noch ein bisschen googeln (Zen-Buddhismus, Der kleine Zen-Begleiter, amerikanisches Schulsystem, Basketball ...).


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