Rezension zu »Auf sanften Schwingen kommt der Tod: Carla Bukowskis zweiter Fall« von Lena Avanzini

Auf sanften Schwingen kommt der Tod: Carla Bukowskis zweiter Fall

von


Kriminalroman · Haymon · · 360 S. · ISBN 9783709978726
Sprache: de · Herkunft: at

Das Böse in der Reha

Rezension vom 20.07.2017 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Mit dem Lebensglück ihrer Ermittlerin meint es diese Autorin wahrlich nicht gut. Schon im ersten Band hat sie Carla Bukowski lauter Steine in den Weg gerollt, und – soviel darf ver­raten werden – auch in diesem zweiten Fall ist der Gruppen­inspek­torin vom LKA Wien kein Glück beschieden.

Seit mehr als acht Jahren lastet schweres Leid auf Carlas Seele, denn »auf die furcht­barste Weise« verlor sie ihren Mann und ihr Kind. (Genaueres wird man wohl im ersten Band »Nie wieder sollst du lügen« Lena Avanzini: »Nie wieder sollst du lügen« bei Amazon lesen.) Obwohl sie ihre Seele seither mit schwer zu über­winden­den Mauern geschützt hat, konnte jetzt ein neuer Mann, Leon, ihr Herz erobern. Zaghaft tastet sie sich an ihn heran, lernt langsam, wieder Vertrauen zuzu­lassen und zuver­sicht­lich nach vorn zu schauen, wenn­gleich die neue Beziehung sich nicht einfach anlässt. Denn Leon wurde gerade an der Band­scheibe operiert, und dann gibt es da noch eine proble­mati­sche Exfrau und einen kleinen Jungen, den Carla über­gangs­weise betreut, während Leon für mehrere Wochen zur Rehabi­litation muss.

Während Carla in einem komplizierten Familiendrama in Wien ermittelt, geht in der Reha-Klinik nicht alles mit rechten Dingen zu. Beruf­licher Gewohn­heit folgend, steckt der Jour­nalist Leon seine Spür­nase zu tief in Ange­legen­heiten, die den Patien­ten Leon wirklich nichts angehen. Die Quittung folgt auf unsanf­ten Schwingen: Man schlägt ihn zusammen, wickelt ihn in einen Teppich und entsorgt ihn in einer Müll­tonne. Carla ist wieder allein und einsam und muss einen neuer­lichen Verlust ver­schmer­zen.

Lena Avanzini (hinter dem Pseudo­nym verbirgt sich die öster­reichi­sche Musik­päda­gogin Marie Tappei­ner, die für ihr Debüt »Tod in Innsbruck« Lena Avanzini: »Tod in Innsbruck« bei Amazon 2012 mit dem Glauser­preis ausge­zeich­net wurde) schickt ihre Prota­gonis­tin und uns mit Carlas zweitem Fall auf eine ziem­lich heftig hin und her schau­kelnde Krimi­tour in die Reha. Dort hat sich Staats­anwäl­tin Birgit Lad­stätter, mit einem aus­therapier­ten Gehirn­tumor ange­reist, mittels einer gehörigen Portion Schlaf­tabletten das Leben genom­men. Obwohl schnell zu den Akten gelegt, hinter­lässt dieser Suizid einen bitte­ren Nachge­schmack. War die Juristin – Fach­frau in der Korruptions­bekämp­fung – womög­lich den Leitern der Klinik, dem Neuro­logen­ehepaar Marini, auf die Schliche gekom­men? Hatte sie aufge­deckt, dass Auftrags­vergaben mit Geld ge­schmiert worden waren?

Oder handelte es sich um einen hinter­hälti­gen Mord aus Eifer­sucht? Denn die Patienten tuschel­ten schon länger, dass »Rot­lipp­chen« Birgit ein »Pant­scherl« mit Chef­arzt Paul Huber-Marini habe. Seine Ehefrau kennt das Hobby ihres Gemahls zur Genüge, aber inner­halb der Klinik muss er seine Leiden­schaft nun wirklich zügeln, soll das Re­nom­mee des Hauses nicht gefähr­det werden.

Viele Seiten lang erfahren wir von Affären, Alibis, Indizien und Hin­weisen, die anderen unter­gescho­ben werden oder viel­leicht doch ganz anders gedacht sind, aber unsere eigenen Vermu­tungen können uns vorne und hinten nicht so recht zu­frieden­stellen. Dafür sorgt Alice, ehemals Kammer­schau­spiele­rin, jetzt auf Re­habili­tation nach einem Schlag­anfall, für esprit­volles Amüse­ment, denn vor schnödem Patien­ten-Small­talk flüchtet sie, bevor­zugt Shake­speare zitie­rend, in die Welt ihrer Bühnen­erfol­ge. Während Alice »der Liebe leichte Schwingen trugen«, hat sich das Böse längst lang­sam und immer wieder in die Klinik einge­schlichen.

Zwischendurch lesen wir kursiv abgesetzte Tage­buch­ein­träge aus einem »Buch der Krän­kungen«. Wie die zum Plot passen sollen, ist zunächst gar nicht klar, aber dann spitzen doch ganz klein die Lauscher des schwarzen Kanin­chens aus dem Zylinder der Autorin hervor, bis sie am Ende den Täter ganz hervor­zaubert.

Im letzten Fünftel steigt die Spannungs­kurve merklich, und unsere Er­wartun­gen an einen Krimi werden un­mittel­barer erfüllt. Packend und in sich stimmig schildert die Autorin ein tristes Kinder­schick­sal und gestaltet das Psycho­gramm eines schwer trauma­tisierten Menschen, der die ihm ange­botene Hilfe auf tragische Weise miss­deutet und, statt Heilung und Seelen­frieden zu finden, Befrei­ung in mörde­rischer Rache sucht.


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