Rezension zu »Starters« von Lissa Price

Starters

von


Jugendbuch · Piper · · Gebunden · 400 S. · ISBN 9783492702638
Sprache: de · Herkunft: us

Ich vermiete meine Jugend

Rezension vom 20.06.2012 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Alt werden ist noch nie beliebt gewesen und auch beim hohen Stand der heutigen medizinischen Kunst nicht attraktiv. Ewige Jugend – das wäre doch erst das richtige Leben! Etliche literarische Vorbilder gibt es schon, von Peter Pan und Dorian Grey bis zum Highlander Connor MacLeod.

Unsere Realität ist von diesem Traum noch weit entfernt, doch treiben Medien und Werbung unsere Sehnsucht an. Wenngleich immer wieder mal kritisiert, ist der "Jugendwahn" Leitmotiv moderner Gesellschaften und Lebensinhalt vieler Menschen. Damit verdienen ganze Branchen unmäßig viel Geld, indem sie verheißen, diese und jene Erscheinungen des Alterns zumindest hinausschieben zu können. Angebote zu körperlicher und geistiger Fitness und zu gesunder Ernährung sind sinnvolle Investitionen, die nachweislich Erfolge bringen können. Manches Kosmetik- oder Pharmaprodukt, mancher Chirurg und eine ganze Reihe Scharlatane machen aber glauben, sie könnten unsere Alterungsgene überlisten.

So weit sind wir noch lange nicht, aber Lissa Price versetzt uns in ihrem Jugendroman "Starters" (Übersetzung: Birgit Ress-Bohusch) in ein dystopisches Szenario, in dem die nötigen Mittel und Wege bereits gefunden wurden.

Ein Krieg hatte massenhaften Tod durch giftige Sporen gebracht. Nur wenig Impfstoff war vorhanden. Zuerst wurden die besonders anfälligen Bevölkerungsgruppen behandelt, nämlich junge und alte Menschen. Die 40- bis 60-Jährigen hingegen überließ man ihrem tödlichen Schicksal. Die meisten Jugendlichen – "teens" und "starters" genannt – haben somit keine Verwandten und kein Zuhause mehr. Rechtlos leben sie als Hausbesetzer in zerstörten Wohngebäuden, dabei ständig auf der Flucht vor "Marshals", die sie einfangen wollen, um sie in Heimen unterzubringen. Zu essen und trinken gibt es kaum etwas in den verkommenen, verelendeten Ghettos.

Auch die 16-jährige Ich-Erzählerin Callie und ihr 7-jähriger Bruder Tyler leben, seit ihre Eltern tot sind, auf der Straße. Callies Hauptsorge gilt ihrem kranken Bruder. Wie lange wird er noch durchhalten ohne die dringend benötigten Medikamente? Doch die beiden sind mittellos.

Erheblich besser geht es manchen "enders". Weit über 150 Jahre alt und vermögend, leben sie in noblen Villen in den besseren Stadtteilen von Los Angeles. Dort steht auch die "Body Bank", von der auch Callie schon gehört hat. Was da geschieht, ist ungesetzlich und wird nur hinter vorgehaltener Hand weitererzählt: Junge, schöne, sportliche "starters" vermieten dort ihren Körper. In einem Ruheraum werden sie in Schlaf versetzt, woraufhin "enders" in ihren Körper schlüpfen, um in ihrem noblen Ambiente für einige Zeit die Vorzüge der Jugend zu genießen.

Callie beschließt in ihrer Not, sich auf dieses Experiment einzulassen – nur für drei Buchungen, verspricht sie ihrem Bruder. Anschließend werden sie so viel Geld haben, dass sie sorgenfrei in die Zukunft schauen können.

Wie gefährlich das Abenteuer ist, auf das sich Callie einlässt, erfährt sie durch ihre Mieterin Helena Winterhill. Die vermutet, ihre Enkelin Emma sei von der Straße weg entführt worden und nun in die Klauen der Body Bank geraten. Um Emma aufzuspüren, wählt Helena Callie als Mietobjekt aus, da Callie perfekt im Umgang mit der Waffe ist.

Bei der Körperumwandlung Helena/Callie tritt offenbar ein Progammfehler auf: In Callies Körper verbleiben zwei Gehirne. Wird Callie ohnmächtig, übernimmt Helena ihren Körper; kommt Callie wieder zur Besinnung, erhält sie Anweisungen, hört Helenas Stimme in ihrem Inneren – und der Befehl lautet: "Töte!"

"Starters" ist ein überzeugender Fantasy-Thriller für Jugendliche. Er ist spannend, ohne schockierend blutrünstig zu sein. Callie ist ein verantwortungsbewusstes Mädchen; sie wägt intelligent ab, was richtig und was falsch ist. Ein erstes zartes Liebesband verbindet sie mit einem reichen jungen Mann, der noch Verwandte hat. Bemerkenswert, dass Callie trotz ihrer furchtbaren Lebensumstände und der Bedrohung auf gutes Benehmen achtet – was ja in weiten Teilen der Jugendkultur nicht mehr so angesagt ist. Man schließt das Buch mit beruhigendem Gefühl: Zuletzt siegt das Gute!

Meine Empfehlung: Ab 14 Jahren sehr lesenswert!


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