Rezension zu »Der Tod geht um in Tomelilla« von Olle Lönnaeus

Der Tod geht um in Tomelilla

von


Kriminalroman · Rowohlt · · Gebunden · 448 S. · ISBN 9783862520169
Sprache: de · Herkunft: se

Mikes Schutzengel hat's nicht leicht

Rezension vom 07.08.2012 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Wem würde nicht ein Schaudern den Rücken hinab kribbeln, wenn einem eine dunkle Stimme ins Ohr raunte: "Der Tod geht um in Tomelilla"? Und dann würde man eine Serie grauenhafter, sinnloser Morde erwarten, die natürlich alle um Mitternacht geschehen, wenn die Käuze kreischen und der Wind säuselt ...

Das ist es aber nicht, womit der zweite Roman des schwedischen Autors Olle Lönnaeus punktet. Der Inhalt entpuppt sich vielmehr als einfühlsame Studie, bestens erzählt, die den Protagonisten Mike Larsson auf seinem steinigen Weg vom Kleinkriminellen hin zu einem wahrlich guten Menschen begleitet.

Frisch aus dem Knast entlassen, reist der 45-jährige Mike Larsson voller bester Vorsätze zügig in sein Heimatdorf Tomelilla, wo sein mittlerweile 15-jähriger Sohn Robin die letzten Jahre bei einer Ersatzfamilie untergebracht war, die das Sozialamt für ihn ausgewählt hatte. Robin hatte es da nicht leicht. Dass sein Pflegevater ihn regelmäßig verprügelt, behält er lieber für sich, denn er fürchtet sich vor weiteren Repressalien. Die Wut muss aber heraus, und der Junge lebt sie anderswo aus: bei seinen Lehrern und bei Menschen, die seiner Meinung nach nicht nach Schweden gehören. Obgleich völlig unpolitisch, hat er sich einer Gang angeschlossen, die sich für nationalsozialistisches Gedankentum begeistert, und nur in diesem Kreis fühlt er sich aufgehoben.

Von all dem hat Mike keinen Schimmer – er will einfach nur seinen Jungen wiederhaben und ihm ein Heim schaffen. Doch was nützen Mikes wohlmeinende Pläne, wenn ihre Umsetzung ihn überfordert? Denn Mike hat ein einfaches Gemüt, er ist zu gutgläubig, zu naiv, besitzt zu wenig Menschenkenntnis. Er hätte doch ahnen können, dass der Arbeitsplatz, den ihm ein Knastbruder empfohlen hat, vielleicht nicht so richtig sauber und ehrenwert sein würde ... Sein jetziger Chef, der Schrotthändler Boris, stammt aus Bosnien und war dort an Kriegsverbrechen beteiligt. Im hohen Norden fühlt er sich vor seinen Verfolgern in Sicherheit und mischt in Drogengeschäften mit den Russen mit. Mike wird einer der Trucker, die heiße Lastwagen über die Grenze fahren.

Wie ein Ritter von der traurigen Gestalt kämpft Mike gegen die Windmühlen seines Lebens, und seine Aussichten sind schlecht; so wie er von einer Tretmine auf die andere stolpert, wird er bald wieder seine Kemenate in der Haftanstalt beziehen müssen ...

Die Schlüsselszene des Romans ist der Fund einer tiefgekühlten Leiche im Keller von Roland Andersson, Mikes Blutsbruder seit Schultagen. Roland, genannt Rolle oder auch Bubbleking, ist vermögend und besitzt ein großes Haus, in dem Platz genug für Mike und Robin ist. Rolle lebt jedoch eingeigelt; nie verlässt er sein Haus, und er vermochte es nicht einmal, Mike im Knast zu besuchen. Der Hintergrund ist, dass er als Kind in der Schule gemobbt, von seinem tyrannischen Vater sadistisch schikaniert und sogar in eine Irrenanstalt eingewiesen wurde, und diese Traumata hat er nie überwunden. Mike aber hatte für ihn in der Schule den Kopf hingehalten und auch versucht, die harten Fäuste des prügelnden Vaters abzuwehren.

Nun leben die drei gemeinsam unter einem Dach, und Rolle spürt die Gefahr, die als dunkle Wolke über Robin und Mike kreist. Die Stunde wird kommen, wo er all das wieder gutmachen wird, was er Mike verdankt. Einmal Mikes Schutzengel sein, dieses Versprechen, das er sich selber gegeben hatte, wird er dann einlösen können.

Olle Lönnaeus' neuer Roman "Der Tod geht um in Tomelilla" ist anders, als man es vom Titel her erwartet: Er erzählt eine ergreifende Geschichte von einem, der hoffnungs- und chancenlos gegen die Widrigkeiten des Schicksals ankämpfen muss, geschrieben mit Herzblut, mit Esprit und mit einer Prise Humor.

"Mike Larssons rymliga hjärta" wurde für den "Besten Schwedischen Kriminalroman 2010" nominiert, jetzt von Antje Rieck-Blankenburg übersetzt und bei Rowohlt Polaris herausgebracht.


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