Leseeindruck zu »Léon und Louise« von Alex Capus

Léon und Louise

von


Belletristik · Hanser · · Gebunden · 320 S. · ISBN 9783446236301
Sprache: de · Herkunft: ch

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Der Wunschzettel an der Marienstatue

Leseeindruck vom 03.01.2011 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Wir befinden uns in der Normandie im Kriegsjahr 1915. Zwei Jahre zuvor hatte das Amt des Kriegsministers die 20-jährige Louise als Gehilfin beim Bürgermeister von Saint Luc vermittelt. Ihren raubeinigen, absichtslosen Charakter bekamen die Bürger des kleinen Städchens schnell zu spüren. Mit Schärfe bringt sie Nachfragen zu ihrer Herkunft zum Schweigen. Sie spricht ein perfektes Französisch, was die Vermutung nahelegt, dass sie aus gutem Hause stamme.

Für das Amt erledigt Louise überwiegend Botengänge. Neben immer mehr Vorladungen sind Todesnachrichten aus dem Felde mitzuteilen. Die Verpflichtung, den Angehörigen sein Beileid auszusprechen und es als Ehre herauszuheben, dass ein naher Verwandter als Held fürs Vaterland gestorben ist, belastet den Bürgermeister sehr; umso dankbarer ist er Louise, dass sie ihm diesen Dienst abnimmt. So radelt sie auf einem quietschenden Herrenfahrrad zu den betroffenen Familien, sitzt als freundlicher Todesengel auf dem Sofa und hört den Menschen zu. Man dankt es ihr mit zärtlicher Zuneigung.

Léon arbeitet bei der Bahn. Täglich schwenkt er ein paar Mal die rote Fahne zu Ein- oder Abfahrt eines Zuges – eine wichtige Tätigkeit, aber für ihn kein Anlass, stolz zu sein. Oft sieht und hört er Louise mit ihrem quietschenden Fahrrad. Als sie einmal einen Tagesausflug mit der Bahn macht, repariert er ihr Rad, so dass es das Quietschen unterlässt. Aber Louise ist mit dieser eigenmächtigen Handlung nicht glücklich. Wie sollen die Leute sie nun hören? Er wird ihr eine Glocke anbringen.

Die Kriegsereignisse bestimmen immer stärker das Schicksal der Stadt. Eines Nachts weckt Léon ein Verwundetentransport; schmerzerfüllte Stimmen und ekelerregende Gerüche treiben ihn auf den Bahnsteig. Überall herrscht Grauen.

Wäre da nicht die wunderbare, herzerfrischende Louise. Sie bringt Licht, Hoffnung und Unbeschwertheit nach San Luc. Schnippisch, kurz und bündig sagt sie Léon, wo's lang geht. Dabei ist er ein zurückhaltender Mann. Niemals würde er Louise zu nahe treten, es sei denn, sie wünscht es. Ihre gemeinsame Fahrradtour ans Meer ist der einfühlsam eingefädelte Beginn einer zärtlichen Liebesgeschichte. Wie viele Menschen vor ihm, hinterlässt Léon an der Marienstatue seinen Herzenswunsch. Hoffentlich geht er in Erfüllung.

Eine traurige, aber sehr poetische Leseprobe. Stilistisch und inhaltlich anspruchsvoll, entspricht sie ganz meinem Lesegeschmack.


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