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Rezension zu »Ein Drama für Jack Taylor« von Ken Bruen

Ein Drama für Jack Taylor

von


Krimi · Atrium · · Taschenbuch · 232 S. · ISBN 9783855350476
Sprache: de · Herkunft: ie

Sin scéal eile. (Das ist eine andere Geschichte.)

Rezension vom 25.04.2011 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Von den acht Bänden über Jack Taylor sind bisher vier auf Deutsch erschienen, alle im Atrium-Verlag und von Harry Rowohlt übersetzt. "Ein Drama für Jack Taylor" ist also der vierte einer Serie – und für mich der Einstieg in die herb-lakonische Welt des irischen "schwarzen Krimis" (Irish Noir). Ken Bruen, 1951 in Galway geboren, ist ein Meister dieses düsteren Genres, wie seine zahlreichen Preise bestätigen: u.a. zwei Shamus Awards, der Grand prix literature policière (2009) und der Deutsche Krimipreis (2010).

 

Stewart, Taylors Ex-Drogendealer, sitzt in Dublin in Haft. Er bittet ihn um einen Besuchstermin, denn er braucht seine Hilfe. Man habe seine 20-jährige Schwester Sarah im Treppenhaus tot aufgefunden: Genickbruch, ein Unfall – für die Polizei, nicht für Stewart. Unter ihrer Leiche fand man ein Buch von John Millington Synge, einem irischen Dramatiker (1871-1909). Dessen Werke gehören zwar zur irischen Nationaldichtung, aber Sarah hätte so eine Lektüre nie gewählt ...

Bald hängt Taylor mittendrin, als eine zweite Studentin tot aufgefunden wird, wiederum mit einem Synge-Buch. Ein drittes Mädchen wird vergewaltigt.

Zwischendurch hat Taylor eine Verabredung mit seiner Ex. Er hatte kürzlich im Café weder ihr blaues Auge noch ihre Tränen übersehen können. Doch statt ihrer erwartet ihn Tim, ihr jetziger Mann. Mit einem Hurlingschläger zeigt er Taylor, welchen Schwung er in den Händen hat, und vermöbelt ihn krankenhausreif.

Nunmehr gehbehindert, nimmt Taylor seine Recherchen wieder auf. Können ihn vielleicht die Werke von Synge einer Lösung näher bringen? Professor O'Shea, der Geisteswissenschaftler und kompetente Kenner des irischen Dichters, ist da genau der richtige Gesprächspartner ...

Nebenbei wird Taylor von einer Bürgerwehr-Gruppe entführt, die gegen den Werteverfall kämpft und sich zu eigener Rechtsprechung berufen fühlt. Mit ihren lanzenähnlichen Piken gehen sie brutal vor, z.B. gegen Vergewaltiger.

Abwechslungsreiche, überschaubare, spannende Handlungsstränge fesseln den Leser bis zum Showdown im letzten Kapitel. Die Abrechnung mit dem Täter übernimmt natürlich Jack Taylor.

Alle paar Seiten würzt der Autor sein sprachlich ohnehin schon apartes Werk mit einem Zitat von ein, zwei Sätzen Umfang. Sie stammen zum größten Teil von nicht ganz so bekannten amerikanischen Krimiautoren des 20. Jahrhunderts (Frederick Exley, Ann Rule, James Lee Burke, George V. Higgins, James Crumley ... – vielleicht literarische Ahnen des Genres?) , aber auch von Henning Mankell, von dem deutschen Widerstandskämpfer Friedrich Reck-Malleczewen (1945 im KZ Dachau gestorben) , von Elie Wiesel (Friedensnobelpreisträger 1986) – und natürlich ist auch J.M. Synge dabei. Die Sinnzusammenhänge bleiben ebenso wie die Quellenangaben eher rätselhaft, und selbst der Übersetzer (Harry Rowohlt) spricht im "Anmerkungsapparat" achselzuckend von den "kargen Erhellungen des Autors". Andererseits sorgen Anspielungen auf Politereignisse – UN-Resolutionen, Irakkrieg, Bombenanschlag in Bali, John Majors Affäre mit Edwina Currie – für Erdung im Zeitgeschehen.

Wie auch immer: Ken Bruen hat mit Jack Taylor einen Protagonisten geschaffen, der wohl seinesgleichen sucht. Er ist ein echter Underdog. Seit sechs Monaten ist er nun clean. Bis dahin hat er sich von Nikotin, Alkohol und Drogen ernährt. Welche Kraftanstrengung, welche Selbstdisziplin hat es ihn gekostet, sich aus dem depressiven Loch herauszubuddeln. Es gab eine Liebesbeziehung. Nun wohnt er in einer Absteige, einem Hotel, das von der liebenswürdigen Mrs Bailey geleitet wird. Jack wirkt hart, kantig, lässt sich gehen. Zugleich rührt es ihn in seiner tiefsten Seele, wie J.M. Synge sein Land mit kaltem, ungerührtem Herzen beschreibt. Jacks zähe Coolness ist nur eine Schutzhülle um einen sensiblen, verletzlichen Kern.


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