Rezension zu »Venice Beach« von Philippe Besson

Venice Beach

von


Belletristik · dtv · · Taschenbuch · 180 S. · ISBN 9783423249027
Sprache: de · Herkunft: fr

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Eine fatale Affäre der anderen Art

Rezension vom 30.09.2012 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Der Plot von Philippe Bessons Roman "Venice Beach" ist äußerst schlicht. Was man in ein paar Sätzen zusammenfassen und auf wenigen Seiten erzählen könnte, hat der Autor zu einem Liebesroman ausgebreitet. Seine Protagonisten sind zwei schwule Männer; sein Reiz liegt in der Konstellation dieser Figuren (denn der eine ist Kriminalbeamter, und er verfällt dem Mörder eines Strichjungen); seine Faszination entsteht aus dem Wissen, dass beide unweigerlich untergehen werden.

Die Geschichte trägt sich im Jahr 1991 zu, der Schauplatz ist Venice Beach, California. Warum muss ausgerechnet der Ich-Erzähler, ein in seinem bisherigen Leben gänzlich unauffälliger, gewissenhaft seiner Arbeit nachgehender Inspektor, den Schauspieler Jack Bell verhören, der des Mordes verdächtigt wird? Wären die beiden einander nie begegnet, wäre dem Cop der persönliche Weg durch die Hölle, die ihn jetzt erwartet, erspart geblieben. Noch ist er glücklich verheiratet. Seine Frau Laura, eine Bibliothekarin, erwartet ein Kind.

Ohne Kitsch und Pathos erzählt der detective, wie zwei Männer, die so gegensätzlich sind wie die Plus- und Minuspole eines Magneten, dennoch wie magisch voneinander angezogen werden, bis keiner mehr vom anderen lassen kann. Der Erzähler verliert darüber nahezu seinen Verstand. Er weiß, dass er sich anders verhalten müsste, dass er seine Pflichten verletzt, dass er einen Mörder schützt, dass er seine Familie zerstört, aber er ist völlig von Sinnen. Erst die Verhaftung Jack Bells durch seine Kollegen beendet die von Anfang an auf eine Katastrophe zustürzende Beziehung. Am Ende steht der Erzähler vor einem Scherbenhaufen, Laura verlässt ihn, seinen Job ist er los.

Philippe Besson ist ein Stern am französischen Literatur-Himmel. Nur seinem Schreibtalent ist es zu verdanken, dass dieser im Grunde triviale Handlungsgang - Zufallsbegegnung, entflammende Liebe, Partner den Emotionen ausgeliefert, schließlich vernichtete Existenzen - nicht so platt herüberkommt. Sorgfältig entwickelt der Autor die intensive Leidenschaft zwischen den beiden Männern inklusive ihrer erotischen Aktivitäten. Das ist außerhalb der Szene ungewöhnlich und im Detail vielleicht nicht jedermanns Sache.

Ganz im Gegensatz zu Bessons Roman "Nachsaison" (Lesen Sie hier meine Rezension zu Philippe Besson: 'Nachsaison'.) hinterließ dieses Buch bei mir insgesamt eher Unzufriedenheit. Merkwürdig unpassend empfinde ich vor allem den Erzählton. Der Ich-Erzähler behält durchgehend und gleichförmig einen ruhigen, sachlichen Berichtsstil bei - schlichter Satzbau, eindeutige Aussagen, kaum Ausschmückungen, klare Kante. Doch in eben diesem kühlen, stets beherrschten Tonfall lässt ihn der Autor auch vermitteln, wie er von Emotionen ergriffen, zu Jack hingerissen, erotisch aufgewühlt wird, seinem Untergang nichts entgegenzusetzen weiß. Das ist literarisch unstimmig, widersprüchlich und unentschieden, und es macht den Charakter des Ich-Erzählers letztendlich unglaubwürdig, wollen seine beiden Seiten doch so gar nicht zusammenpassen.

"Venice Beach" trägt im Original den erheblich vielschichtigeren Titel Un homme accidentel und wurde von Caroline Vollmann übersetzt.


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