Rezension zu »Disamistade | Zur Rache verdammt« von Gianfranco Cabiddu

Disamistade | Zur Rache verdammt

von Gianfranco Cabiddu


Film · · 98 Min.
Sprache: it · Herkunft: it · Region: Sardinien


Im Umbruch

Rezension vom 10.09.2016 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Das sardische Wort »disamistade« bedeutet Feindschaft (»inimicizia«), Fehde (»faida«). Sein Wort­stamm bezeichnet das Gegenteil von Freund­schaft, also »disamicizia«. Das sind die Themen dieses Films, der 1958 in Nuoro angesie­delt ist. Er konfron­tiert die Tradition der vendetta mit modernen Auf­fassun­gen von Gerech­tigkeit. In der Figur des Hirten­sohnes Sebastiano Catte, der durch Bildung seiner Heimat­kultur ent­frem­det wird, prallen die beiden Welten aufein­ander.

Sebastianos Mutter sorgt dafür, dass der Junge fleißig lernt, damit er Medizin oder Juristerei studie­ren, etwas Besseres werden und aus dem rück­ständi­gen Dorf entkommen kann. Aber als sein Vater ermordet wird, soll er dessen Platz einneh­men; er verlässt die Schule in der Stadt wieder und kehrt in sein Dorf zurück. Dort weiß jeder, wer der Mörder ist, und erwartet, dass der Sohn jetzt seine Pflicht tut und vendetta übt.

Doch der inneren Stimme, die ihm von Anfang an einflüs­terte, dass er den Mann umbringen müsse, um die Ehre der Familie wieder­herzu­stellen, folgt Sebas­tiano nicht – er hat bereits zu viele Bücher gelesen, als dass er den dumpfen, irratio­nalen Regeln seines Dorfes noch blind gehorchen würde. Er weicht dem Kon­flikt aus, indem er als einsamer Hirte in den Bergen lebt. Erst nach acht Jahren findet er zurück zu seiner inzwi­schen verarm­ten und verach­teten Mutter, um die Aufgaben seines Vaters zu über­nehmen. Bald lernt er die Studentin Dome­nican­gela kennen, eine Gleich­gesinnte, und die beiden verlieben sich inein­ander.

Noch immer läuft der Mörder frei herum, ohne dass Sebas­tiano tätig wird. Das Unver­ständ­nis über ihn nimmt noch zu, als er, nachdem einige Tiere aus der Herde seiner Familie gestohlen werden, nicht auf die Diebe schießt, sondern die allseits verhasste staat­liche Gerichts­barkeit (die Carabi­nieri) einschaltet.

Über einen Cousin findet Sebastiano Anschluss bei einer Bande von Viehdieben und Banditen, deren wohl­haben­der Anführer, Barone Piana, seine Quali­täten zu schätzen weiß. Damit wendet sich sein Schick­sal. Er wird in immer dreistere Verbrechen verwickelt. Als er aussteigen will, löst das eine Kette blutiger An­schläge aus, die Gewalt eskaliert, die disamis­tade zwischen den Lagern im Dorf verhärtet ausweg­los. Die Carabi­nieri greifen durch und fassen Sebas­tiano schließ­lich in Dome­nican­gelas Haus.

Sebastiano lässt sich nicht nur widerstandslos fest­nehmen, sondern erklärt auch vor Gericht, dass er in allen Anklage­punkten unschuldig und im Übrigen nur seinem Gewissen verant­wort­lich sei; er verteidigt sich nicht weiter. Es bleibt offen, wer ihn verpfiffen oder ob er sich gar selbst ausge­liefert hat, um seiner Mutter die hohe Beloh­nung zukommen zu lassen. Dome­nican­gela verlässt die hoff­nungs­lose Gegend.

Gianfranco Cabiddus erster Spielfilm stützt sich auf wissen­schaft­liche Erkennt­nisse der Anthropo­logen Antonio Pigliaru und Giulio Angioni, die über die sich wandelnde Bedeu­tung der vendetta geforscht hatten. Neben der spannenden, glaub­haften Handlung faszinieren die Bergland­schaft mit fantasti­schen Höhlen und großartige Folklore­szenen (Pferde­rennen, eine Hochzeit, Trauer­riten), die sehr authen­tisch gehalten sind.


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