Rezension zu »Il figlio di Bakunin« von Gianfranco Cabiddu

Il figlio di Bakunin

von Gianfranco Cabiddu


Film · · 96 Min.
Sprache: it · Herkunft: it · Region: Sardinien


Eine schillernde Persönlichkeit

Rezension vom 21.09.2016 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Ein Film aus dem Sardinien der Arbeiter und Bürger – ohne Trachten, ohne launeddas, ohne vendetta. »Bakunin« – das ist der Spitzname, unter dem Antoni Saba allgemein geführt wird. Er betreibt eine ange­sehene Schuster­werkstatt in einem sardi­schen Berg­arbeiter­dorf der Dreißiger Jahre. Nach dem russi­schen Anar­chis­ten und Revolu­tionär nennt man ihn, weil auch er ein kämpferi­scher Freigeist ist. Da ver­steht es sich von selbst, dass sein Sohn Tullio »il figlio di Bakunin« ist. Der führt ein bewegtes Leben in den schwie­rigen Zeiten des Faschismus, des Krieges und der Nach­kriegs­zeit und ist die zentrale Figur dieses Films. Bei seinem Tod hinter­lässt er ein Söhn­chen, das den Vater nicht mehr persön­lich kennen­lernen konnte.

Nach dem Roman
»Il figlio di Bakunin« ()
Sergio Atzeni: »Il figlio di Bakunin« auf Bücher Rezensionen

von
(1952-1995)

Als Erwachsener macht sich »Bakunins« Enkel auf die Suche nach Vater Tullios Spuren. Er kehrt an die Orte seines Wirkens zurück und befragt Männer und Frauen, die ihn kannten – seine Geliebten, seine Mit­kämp­fer für die Rechte der Berg­arbei­ter, den Bergwerks­direktor, Polizisten, Freunde … Aus ihren Aussa­gen rekon­struiert der Sohn Stück für Stück das Leben des Vaters: verwöhntes Kind in einem gut­bürger­lichen Haus­halt, Arbeiter­führer im Bergwerk, Lebens­künstler.

So unterschiedlich die Leute über Tullio Saba dachten (die einen liebten ihn, andere hassten ihn, wieder andere fürchteten ihn), so viel­schich­tig war das Wesen dieses Mannes und seine Rolle. Er erlebte den Krieg und danach die Versuche, auf der Insel eine moderne Gesell­schaft aufzu­bauen, Industrie und Land­wirt­schaft zu moderni­sieren, die Kämpfe um soziale Gerech­tigkeit, die schmerz­haften Ausein­ander­setzun­gen, die in den Gemeinden und in den Familien um die Abkehr von überholten Prinzi­pien und Tradi­tionen ausge­foch­ten wurden. Tullio gibt bei alledem ein schillern­des Bild ab – zwischen Held und Oppor­tunist, Anfüh­rer und Verräter, Idealist und Ego­zent­riker.

Cabiddus Film (produziert von den Gebrüdern Tornatore) dokumen­tiert die Recherchen von Tullios Sohn (der im Übrigen nur von hinten zu sehen ist und nicht spricht) in Dutzenden von kleinen Sequenzen: Szenen direkt aus Tullios Leben sind gekoppelt mit den Aussagen von Augen­zeugen, die (Jahre später) direkt in die Kamera berichten. So entsteht für den Zuschauer ein mosaik­artiges Bild des Mannes – und gleich­zeitig eine bewegte, aufregende Geschichte Sardiniens, mit der »il figlio di Bakunin« aufs Engste verstrickt war.


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»Il figlio di Bakunin« von Gianfranco Cabiddu
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