Rezension zu »Die Akte Rosenherz« von Jan Seghers

Die Akte Rosenherz

von


Krimi · Wunderlich · · Gebunden · 476 S. · ISBN 9783805208482
Sprache: de · Herkunft: de

Es ging um die Bilder ...

Rezension vom 19.04.2010 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Am Abend des 3. August 1966 finden Fausto Albanelli und seine beiden italienischen Freunde die Edelprostituierte Karin Niebergall, genannt Karin Rosenherz, tot in ihrer Frankfurter Wohnung auf. Die Wohnungstür ist angelehnt. Mit angezündeten Kerzen betreten die drei Männer vorsichtig die Räumlichkeiten. Blutflecken überall, ein zerwühltes Himmelbett und der gekrümmte Körper der Toten, über und über durch Stiche zerfetzt – diesen Ort verlassen die Männer fluchtartig. Zehn Minuten später ist die Polizei, per Funkspruch alarmiert, zur Stelle.

Staatsanwalt Traugott Köhler hält sich für einen begnadeten Juristen, und dieser Fall kommt ihm gerade gelegen, um sich zu profilieren. Er übernimmt das Oberkommando und verdonnert als erstes alle an der Aufklärung beteiligten Mitarbeiter zu absoluter Geheimhaltung. Die Recherchen gehen in alle Richtungen. Faustos detaillierte Personenbeschreibung wird nicht weiter verfolgt. Der Fremde befand sich, wie vier Personen bestätigen, zur Tatzeit an einem anderen Ort. Der Fall wird ungeklärt zu den Akten gelegt.

Im August 2005 freut sich Hauptkommissar Robert Marthaler auf einen gemütlichen Abend mit seiner ungarischen Freundin Tereza. Am nächsten Tag wird sie nach Budapest fliegen, um an der Eröffnung einer Gemäldeausstellung mitzuwirken. Sie wird ein berühmtes Bild aus dem Frankfurter Städel mitnehmen.

In einem Kleintransporter fahren Tereza, der Museumsdirektor Ludwig Dorman und zwei Wachmänner mit ihrer Pretiose Richtung Flughafen. Unterwegs werden sie von zwei Motorradfahrern gestoppt und überfallen; die Gangster erschießen einen Wachmann, verletzen Tereza schwer und nehmen das Gemälde mit.

Sofort ist klar, dass Marthaler als Nahestehender nicht an der Aufklärung teilnehmen darf. Er wird in die Cold Case Unit versetzt und darf dort ungelöste Straffälle aufarbeiten. Dabei stößt er auf die Akte Karin Rosenherz.

Jan Seghers' Schreibstil ist schnörkellos. Er zeichnet die Protagonisten differenziert in ihren Charakterzügen, formuliert klar, fließend und lebendig. Der Roman beginnt mit dem Verbrechen an Karin Niebergall; so fesselt er den Leser schon mit den ersten Sätzen. Doch darüber hinaus gelingt es ihm sehr gut, das Zeitgefühl der sechziger Jahre lebendig werden zu lassen. Die vier jungen Männer aus Ligurien gehören zu den ersten Gastarbeitern in der BRD. Von ihrem kleinen Verdienst als Kellner bleibt nicht viel; sie teilen sich eine Wohnung. Den deutschen Bürgern erscheinen die "Spaghettifresser" überaus fremdartig. Die Polizei (die VW-Käfer fährt) nimmt sie nicht für voll.

Das Lokalkolorit in und um Frankfurt lebt in dem Roman. Wie vom Navi dirigiert fahren wir über bestimmte Straßen und Abbiegungen – einschließlich Ampelstopps. Wir sitzen in Cafés und Kneipen, speisen bei Mirko.

Die Akte Rosenherz hat soviel Zündstoff. Marthaler muss ermitteln. Schnell stellt er fest, dass damals manches vertuscht wurde, sogar ganze Teile der Akte fehlen. Er forscht ohne Wissen seiner Chefin und seiner Kollegen. Stattdessen stellt ihm der Autor eine junge, eigenwillige Dame namens Anna Buchwald zur Seite. Obwohl Laie, überrascht sie mit mutiger, kriminalistischer Tatkraft. Sie folgt dem Kleinkriminellen Bruno, der ihr, bevor er seinen schweren Kopfverletzungen erliegt, noch einen Satz ins Ohr haucht: "Es ging um die Bilder ..." Dieses Rätsel verbindet beide Verbrechen, und der Autor folgt den Ermittlungen des ungleichen Paars. Dabei erleben sie hautnah Gewalt, Intrigen und Korruption.

Zum Schluss holt Seghers noch einmal richtig Luft, um mit Überzeugungskraft und Stimmigkeit die Auflösung zu präsentieren. Dabei hat er noch ein paar Asse im Ärmel, die völlig unerwartete Wendungen mit sich bringen.

Für mich ist dies ein gelungener Krimi.


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