Rezension zu »Herzblut: Kluftingers neuer Fall« von Volker Klüpfel / Michael Kobr

Herzblut: Kluftingers neuer Fall

von


Heimatkrimi · Droemer · · Gebunden · 400 S. · ISBN 9783426199374
Sprache: de · Herkunft: de

Klufti rockt die Reha

Rezension vom 24.03.2013 · 1 x als hilfreich bewertet mit 1 Kommentaren

»Carpe diem!« Dr. Langhammers Schlusswort nimmt Kommissar Kluftinger sich zu Herzen: ab jetzt also gesund essen. Bei den Kollegen kommt das nicht gut an – sie lieben’s deftig. Mutter Hedwig macht sich schon be­rech­tigte Sorgen, wo ihr Sohn doch zu­sehends abmagert. Und wer ist schuld? Natürlich Erika, ihre Schwie­ger­toch­ter.

Nach dem Winter ist Klufti gesundheitlich angeschlagen. Da sticht es plötzlich in der Brust, der Puls rast, er leidet unter Atem­not, Schwäche­anfälle und Blut­hoch­druck setzen ihm zu. Erika rät: Den Tatsachen muss man ins Auge blicken. Nur ihr zuliebe sucht er wider­willig Dr. Lang­hammers Praxis auf. »Kriegen Sie ihn nicht mehr hoch?« War klar, dass er so emp­fangen werden würde – typisch Lang­hammer. Der denkt doch immer nur an das eine, spielt sich selber als hyper­potent auf und macht blöde Spiel­chen und anzügliche Andeu­tungen mit seinem Massage­stab.

Am Ende der Untersuchung sagt der Doc dem Kommissar zwar nicht die ganze Wahrheit ins Gesicht, aber der hat sein Telefonat mit einem Fach­kollegen mit­hören können: Mess­werte an­ge­sehen?Pumpe kaum zu rettenschlech­ter All­ge­mein­zu­stand des ganzen Sys­tems ... »Carpe diem!«

Dabei gibt es im Kommissariat gerade gar keine Schlupflöcher, um sich etwas auszuruhen. Ein Serientäter mordet im Kemp­tener Land. Drei Opfer hat er schon auf dem Kerb­holz: einen Taxi­fahrer, einen Ver­siche­rungs­mak­ler und einen angesehenen Herz­spe­zia­lis­ten. Warum aus­ge­rech­net diese drei Männer aus völlig un­ter­schied­lichem sozialen Umfeld? Was verbindet sie, dass der Mörder sie nie­der­met­zeln zu müssen glaubt? Kommissar Kluftinger und sein bewährtes Team beißen sich die Zähne aus an diesem auch für uns Leser un­durch­schau­baren Kriminalfall, den das Autorenduo Klüpfel & Kobr clever konzipiert hat.

Die Rehaklinik in Oberstdorf wollte Klufti eigentlich nie wieder aufsuchen. Sehr präsent sind ihm noch die schlimmen Eindrücke, als sein Vater hier seine Bypass-Operation auskurierte. Aber der knifflige Mordfall, bei dessen Auf­klä­rungs­be­mü­hun­gen die Kollegen im Dunklen und durch Blutlachen tappen, führt ihn zwangs­läu­fig hierher. Einer der Toten hatte Chemie im Blut – ein Herz­me­di­ka­ment, das es noch nicht auf dem Markt gibt, aber in einer Testphase an dieser Klinik erprobt wird.

Wo er nun schon mal hier ist, nimmt Klufti den Vorschlag des Chefarztes an: Das Seminar »Hot-Yoga« verspricht Entspannung für »Körper und Geist«. Wer leitet es? Ausgerechnet Dr. Langhammer, der »Ne­ben­er­werbs­guru«. Am liebsten hätte Klufti gleich Reißaus genommen, aber dann hätten wir etwas verpasst: Vor allem für uns Leser muss er da einfach durch, denn die Autoren liefern hier eine kabarettreife Szene. Auch Sie werden sich begeistert auf Ihre Fußmatte werfen, um die zahlreichen Figuren nachzustellen – beispielsweise »die weiße Schlange spuckt Gift« oder »die zickende Ziege«.

Kluftingers neuer Fall »Herzblut« begeistert. Den Autoren ist es wieder gelungen, das Allgäu auf­zu­mi­schen mit deftigem Humor, markigen Sprüchen, biestigen Kom­men­ta­ren im Büro, die das Ar­beits­klima beleben, far­ben­freu­di­ger Lokal­at­mosphäre und einem spannenden Plot, der uns bis zum Schluss am Ball hält. Als Zugabe werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Jahr­markts­be­trie­bes. Die Existenz der reisenden Schausteller hängt nicht nur von uns knickrigen Besuchern ab, die viel für wenig wollen, sondern auch vom Wohlwollen der Ord­nungs­äm­ter, deren Vorschriften und Ver­ord­nun­gen zusätzliche Schwie­rig­kei­ten bereiten.

Neben der Anspielung auf den Krimiplot und auf Kluftis Ge­sund­heits­zu­stand erhält der Titel »Herzblut« noch eine dritte Be­deu­tungs­ebene. Denn auch Herzenswärme durchzieht den Roman, ohne dass Kitsch daraus wird. Bei Kluftingers zu Hause ist noch alles in Ordnung. Erika sorgt sich ständig um ihr »Butzele« und um Sohn Martin, der dennoch – oder deshalb? – keinen Bock auf gemeinsamen Familienurlaub hat (»dann ja noch lieber Campingurlaub im Gaza-Streifen«).

Zu dieser heilen Welt passt auch das Klischee, mit dem Klufti kokettiert: Den ganzen neumodischen Technik-Schmarrn lehnt er vehement ab. Sein Handy ist ein alter Knochen, der zum Telefonieren alle Mal reicht, und mehr braucht’s schließlich nicht. iPhone, Apps und Skypen samt »Klicknamen« sind ihm böhmische Dörfer und von Herzen zuwider. Da treiben’s die Autoren doch recht heftig auf Kluftis Kosten. Vielleicht macht er ja bis zur nächsten Folge einen Lehrgang, um den doch schon etwas abgedroschenen Dödeligkeiten ein Ende zu machen.


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Kommentare

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Zu »Herzblut: Kluftingers neuer Fall« von Volker Klüpfel / Michael Kobr wurden 1 Kommentare verfasst:

Sonja schrieb am 19.04.2014:

Wieder ein schnes, spannendes und auch lustiges Buch ber Kommissar Kluftinger.
Leider wird Kluftinger fr meinen Geschmack zu sehr "hinterwldlerisch" dargestellt und sein Sohn Markus ist einfach nur noch nervig und bringt keinen einzigen normalen Satz mehr raus. Entweder wird der "Vatter" bld und unverschmt angeredet oder er prahlt mit seinen sexuellen Erlebnissen mit seiner Verlobten - sehr unsympatisch!!

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