Rezension zu »L’arbitro« von Paolo Zucca

L’arbitro

von Paolo Zucca


Die Fußballmannschaft eines Dorfes voller Enthusiasten hat keine Aufstiegschancen, trotz ihres charismatischen blinden (!) Trainers. Erst ein talentierter Neuzugang sorgt für Furore. Der ehrgeizige Provinz-Schiedsrichter macht ebenfalls Karriere, lässt sich aber korrumpieren. Das Ganze ist atemberaubend in Szene gesetzt: komödiantisch, choreografisch, musikalisch.
Film · · 93 Min.
Sprache: it · Herkunft: it · Region: Sardinien

DVD

Aberwitziges Fußball-Ballett

Rezension vom 28.01.2018 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Pabarile ist ein (fiktives) Kaff im Nord­westen Sardi­niens. Nur Fußball peppt das Leben dort auf, auch das der schweig­samen Hirten und Käuze und der alten Frauen mit schwarzen Kopf­tüchern. Atletico, die Lokal­mann­schaft, hat den letzten Platz in der dritten sardi­schen Liga abonniert. Allwöchent­lich erleiden sie eine neuer­liche Demütigung, wenn die Erzfeinde aus Monte­crastu, von ihrem Trainer, dem Groß­grund­besitzer Brai, wie Leib­eigene traktiert, sie genüss­lich nieder­machen. Dem hat Atletico-Trainer Prospero außer der Magie seiner Worte wenig entgegen­zusetzen, zumal er blind ist.

Alles ändert sich, als Matzutzi, als Kind mit seinen Eltern nach Argen­tinien ausge­wandert, heimkehrt und Pabarile von Sieg zu Sieg schießt. Gleich­zeitig kämpft er sich einen Weg in das Herz von Miranda, Prosperos rassiger, heiß­blütiger und dick­schädeliger Tochter.

Einen rasanten Aufstieg erlebt auch der ehrgeizige Schieds­richter Cruciani. Je näher er seinem Traum kommt, in der Champions League mitzu­mischen, desto mehr lässt er sich korrum­pieren und ernied­rigen. Als er mit einer Einkaufs­tüte voller Geld­scheine erwischt wird, ist es vorbei mit ihm. Seine Strafe: Fortan muss er in der dritten sardi­schen Liga pfeifen, z.B. die Partie Atletico Pabarile gegen Monte­crastu.

In einem dritten Handlungsfaden geht es um die Fehde (faida) zwischen zwei Monte­crastu-Spielern, die den archai­schen Gesetzen der Hirten­gesell­schaft ausge­liefert sind.

All dies inszeniert Paolo Zucca als grandiose schwarze Komödie über mensch­liche Schwächen. Der Film (schwarz-weiß) ist hoch­gradig stilisiert und brilliert mehr durch Kreati­vität, Witz und Anspie­lungen als durch die Handlung selbst. Groß­artig und einfach zum Lachen, wie Spieler und Schiri rassige Choreo­grafien hinlegen, wie der Sound­track mit Tango, slide-guitar, Vorkriegs­schlager und Trommeln Atmosphäre schafft. Ins Auge springt die Western-Ästhetik weiter Landschafts­panoramen, von Reitern auf staubigen Dorf­straßen (und in der Bar), von Show­down-Szenen zwischen unnach­giebi­gen Männern, von Groß­auf­nahmen markiger Gesichter, von Perspek­tiven aus der über den Boden kriechenden Kamera. Zitate aus der Bibel bzw. religiöser Kunst – etwa eine Abend­mahl­szene – spielen mit der Doppel­bödig­keit von Pathos und Ironie. Schließlich stellt sich der Film in die Tradition sardischer Film­kultur: Der Verzicht auf Farbe, die Rache-Thematik, Szenen aus dem Hirten­leben, Schau­plätze auf kargen Berg­gipfeln und in einsamen Wäldern, dazu knorrige Laien­dar­steller und gelegentlich sardischer Dialekt (brav unter­titelt) knüpfen an Klassiker aus den Fünfziger­jahren an und zeichnen das – freilich grotesk zuge­spitzte – Porträt einer noch immer geheimnis­vollen, wilden, arche­typischen Insel.

Dies ist Paolo Zuccas erster Spielfilm. Er basiert auf seinem Kurzfilm gleichen Titels, der bereits wesent­liche Stil­elemente enthielt und 2009 mit dem David di Donatello ausge­zeichnet wurde. Viele Szenen aus dem Kurzfilm wurden neu gedreht, um jetzt den Schluss­teil des Spielfilms zu bilden.


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