Rezension zu »Übersicht Filmserie Il giovane Montalbano« von Andrea Camilleri

Übersicht Filmserie Il giovane Montalbano

von Andrea Camilleri


Rezension der Gesamtserie. Eine komplette, stets aktualisierte Übersicht der Titel, Textgrundlagen und Besprechungen aller Filme finden Sie hier.
Krimi · Teil der Serie »Il giovane Montalbano« · RAI-Eri ·
Sprache: it · Herkunft: it · Region: Sizilien

DVD

Sicilianità – zurück zu Montalbanos Anfängen

Rezension vom 27.12.2012 · 3 x als hilfreich bewertet mit 1 Kommentaren

Wohl jeder italienische Fernsehzuschauer kennt die Serie »Il Commissario Montalbano«, von der das italienische Staatsfernsehen RAI zwischen 1999 und 2013 bereits 26 Folgen ausgestrahlt hat. Der Erfolg dieser kongenialen Verfilmungen von Andrea Camilleris ur-sizilianischen Kri­mi­nal­ro­ma­nen war so überzeugend, dass eine zweite Serie gestartet wurde, die sich mit den be­ruf­li­chen An­fän­gen des Kom­mis­sars Salvo Montalbano in den frühen Neunziger Jahren beschäftigt: »Il giovane Mont­al­ba­no« (Hier finden Sie Details zu allen Filmen dieser Serie.). Im Februar/März 2012 gingen die ersten sechs Folgen dieser Prequel-Reihe über den Bildschirm und schlugen so gut ein, dass sie fort­gesetzt wer­den sollen, ebenso wie die Hauptserie »Il Commissario Montalbano« mit Luca Zin­ga­ret­ti in der Hauptrolle.

Als ich zum ersten Mal von dem Projekt erfuhr, zu »Il Commissario Montalbano« werde eine Serie über die Vorgeschichte aufgelegt, war ich äußerst skeptisch. Muss nicht jedes Schauspieler-Team scheitern, wenn es gegen populäre Stars aus (damals) 22 Folgen antreten muss? Muss es nicht zu einem enttäuschenden Bruch kommen, wenn man an eine in dreizehn Jahren verdichtete Atmosphäre anknüpfen soll?

Doch setzt Folge 1 sozusagen abgefedert ein – erst mit einer Szene aus dem Kriegsjahr 1943, begleitet von den bekannten zarten Gitarrenklängen, die ein Geheimnis ankündigen; dann schwenkt die Kamera hinauf ins winterlich-kalte Bergdorf Mascalippa, wo wir dem noch unbekannten giovane Montalbano (Michele Riondino) erstmals begegnen. Die ersten Sätze, die er mit seinem Polizisten wechselt, die erste Konfrontation mit einem lokalen Rauhbein – und schon sind wir mittendrin und fühlen uns wie zu Hause ... Erstaunlich!

Wenngleich Michele Riondino gertenschlank ist, über eine dichte Lockenpracht verfügt und sich dadurch rein äußerlich deutlich von seinem alter ego Luca Zingaretti absetzt, können die beiden tatsächlich als ein und derselbe Salvo Montalbano durchgehen, denn beide beherrschen das differenzierte, hintergründige Mienenspiel, die raschen Wechsel in den Emotionen, die vielen verschiedenen Tonlagen, die Salvos Wesen kennzeichnen.
Die anderen Schauspieler weichen stärker von ihren Vorgängern – nein: Nachfolgern! – ab. Sarah Felber­baums Livia ist süß zum Dahinschmelzen, wo Katharina Böhm oft einen Hauch Herbheit und Skepsis be­wahrt. Der gereifte Mimì Augello (Cesare Bocci) ist zwar immer noch kein Kostverächter, aber viel bo­den­stän­di­ger als in seiner Jugend (Alessio Vassallo): Da sieht er mit seinem schmalen Lippenbärtchen aus wie eine Mischung aus Clark Gable und Rudolph Valentino und führt sich auf wie ein papagallo aus den Fünfzigern ...
Eine regelrechte Fehlbesetzung scheint mir allein Catarella: Angelo Russo gibt in der Hauptserie einen klei­nen, stämmigen, quirligen, begriffsstutzigen Tolpatsch vor, der schon reichlich karikaturistische Züge trägt. Fabrizio Pizzuto aber muss ständig überziehen: Von ihm kommt kein normaler Satz, keine normale Geste – und dann ist er auch noch groß und dünn.

Derlei fällt aber nur im Vergleich der beiden Serien auf; bleibt man innerhalb von »Il giovane Montalbano«, stellen sich bald ähnliche Empfindungen ein wie beim Betrachten der ursprünglichen Serie: ein gelungenes, stimmiges Konzept, eine getreue Umsetzung von Camilleris Vorlagen, eine unterhaltsame Filmreihe auf hohem Niveau.

Neben den Protagonisten ist sie bevölkert von einer Vielzahl kauziger, meist liebenswürdiger Typen wie etwa dem pensionierten geometro (in »Ritorno alle origini«; in der Kurzgeschichte ist er ragioniere), der seit zwanzig Jahren alles, aber auch wirklich alles aufbewahrt – canottiere usate, tappi, rifiuti organici ... Die meisten dieser Gestalten stammen – zusammen mit einem kleinen Nebenplot – aus den zahlreichen kurzen Kurzgeschichten, die Camilleri z.B. in den Sammlungen »Un mese con Montalbano« und »Gli arancini« veröffentlicht hat.

Nach sechs Folgen kann »Il giovane Montalbano« neben der etablierten Erfolgsserie »Il Commissario Mont­al­ba­no« glänzend bestehen – beide sind eigenständig angelegt, überzeugend realisiert und har­mo­ni­sie­ren prächtig miteinander. Das verdanken sie natürlich nicht zuletzt dem soliden gemeinsamen li­te­ra­ri­schen Fundament: Andrea Camilleris Montalbano-Kriminalromanen und -Kurzgeschichten.


Bücher Rezensionen bietet Ihnen einen kompletten Überblick:
Einführung Camilleris »Montalbano«-Kriminalromane und -Kurzgeschichten
Buchausgaben in Italienisch und Deutsch • die Kriminalromane die Kurzgeschichten
Filmserien:
»Il Commissario Montalbano« • Rezension alle Titel, Textgrundlagen, Besprechungen
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Kommentare

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Zu »Übersicht Filmserie Il giovane Montalbano« von Andrea Camilleri wurden 1 Kommentare verfasst:

H.J. Gallmeier schrieb am 22.08.2013:

Da mchte ich energisch widersprechen.
Die Verfilmungen des " jungen Montalbano " sind eine grauenhaft misslungene Ausfhrung einer eigentlich guten Idee.
Dass Filme sich nicht immer haargenau an das geschriebene Vorbild halten knnen, ist schon einleuchtend, aber, wie hier, dermaen weit weg und sehr oft vollkommen verflschend, ist nicht hinnehmbar.
Dass die Schauspieltruppe wild grimassierend auf sizilianisch macht und eher wie eine Laienspielgruppe agiert, ist nur noch als hanebchen zu bezeichnen. Die Charaktere sind aufs simpelste reduziert, vereinfacht und bis zum fast vollstndigem Mae fehlbesetzt.
Wer die "originalen" Montalbano Verfilmungen kennt und geniet, soll sich dieses geldschneidernde Machwerk nicht antun

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