Leseeindruck zu »Goldstein« von Volker Kutscher

Goldstein

von


Kriminalroman · Kiepenheuer & Witsch · · Gebunden · 544 S. · ISBN 9783462042382
Sprache: de · Herkunft: de

Der Amerikaner aus Zimmer 301

Leseeindruck vom 23.08.2010 · 3 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

»Benny ist draufgegangen für diesen Mist.« Warum musste es ausgerechnet das KaDeWe sein? Das war eine Nummer zu groß für die Kaufhaus­diebe Alexandra und Benny. Auf Kallis Wunsch haben sie Schmuck und Uhren mitgehen lassen. Und die »Polente« hat Benny erwischt. Er hing an einer Fassaden­wand, und der Bulle hat ihn einfach herunter­getreten.

Voller Wut betritt Alex Kallis kleinen Krämerladen mit all dem alten Plunder, den niemand kauft. Das eigent­liche Geschäft macht Kalli mit der Hehler­ware, die ihm seine Kumpane anliefern.

»Berlin ist nicht gerade erfreut über Ihren Besuch.« Kommissar Rath sucht Abraham Gold­stein aus Brooklyn im noblen Hotel Excelsior auf. Er sei als Tourist in Berlin, versichert Gold­stein dem Kommissar, der ihm vorsorglich Finger­abdrücke abnimmt. Zu Hause in New York wird gegen ihn ermittelt: Fünf Morde werden ihm ange­lastet. Die Berliner Polizei wird ihn ständig über­wachen. Gold­stein wettet, dass er seinen »Baby­sittern« entkommen wird. Was für ein »groß­kotziger Ameri­kaner«, denkt sich Rath: Er soll ihn »Gould-ßtiehn« nennen ...

»Das war Mord. Ich habe Zeugen. Ich kenne Reporter, die würden für so eine Geschichte eine Menge Geld bezahlen: Polizist mordet Minder­jährigen!« Dieses Telefonat mit Stephan, einem Polizisten, hätte Kalli nicht führen dürfen. Die Bullen kommen in seinen Laden und schlagen ihn halb tot. Den Namen des Zeugen wollen sie aus ihm heraus­prügeln.

Ich bin hellauf begeistert von dieser Leseprobe. Sie ist nicht nur knisternd spannend geschrieben – sie bringt auch das Zeit­kolorit Berlins im Jahre 1931 spürbar nah. Die Dialog­teile wechseln ohne vermit­telnde Verben – das macht Tempo, bringt Aktion. Wie schön ist dabei der Berliner Dialekt. Längst aus unserem Sprachge­brauch verschwun­dene Wörter wie »Hunger­haken«, »Registrier­kasse«, »Schupo«, »Zinno­ber« und Gegen­stände (z.B. die Zigaretten­marke »Overstolz«) erleben eine Renaissance und schaffen Atmosphäre.

Besonders aufregend finde ich das Geschehen im Kleinkriminellen­mileu. Die Bullen sind bestech­lich, sie decken manch lukrative Schieberei. Wie wird Alex reagieren, wenn sie heraus­findet, dass Kalli sie gegen ein paar »Kröten« an die Polizei verraten hat? Der KaDeWe-Einbruch war nämlich ein abgekar­tetes Spiel ...

Was erwartet den Leser im weiteren Verlauf der Handlung? Wird Kommissar Rath sein Räuber-und-Gendarm-Spiel gewinnen? Und: Goldstein ist Jude. Zwar sind es noch zwei Jahre bis zu Hitlers Macht­ergrei­fung, aber anti­semiti­sche Strömun­gen gibt es schon zuhauf. Wird Kutscher dieses Thema aufgrei­fen und seinem Roman auch eine politische Note geben?

Meine Neugierde auf diesen vielversprechenden Roman Volker Kutschers brennt, denn ich möchte nicht nur wissen, wie die Handlung weiter­geht, sondern verspreche mir auch anschau­liche, lebhafte Einblicke in eine Zeit, die politisch und gesell­schaft­lich nicht minder aufregend war als unsere.


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