Rezension zu »Sein letzter Trumpf« von Richard Stark

Sein letzter Trumpf

von


Krimi · Zsolnay · · Taschenbuch · 283 S. · ISBN 9783552055360
Sprache: de · Herkunft: us

Parker – nur das Geld zählt

Rezension vom 28.06.2011 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Richard Starks Original-Krimi "Backflash" erschien 1998 in den USA; erst jetzt (2011) hat der Zsolnay-Verlag die Übersetzung "Sein letzter Trumpf" herausgegeben. Richard Stark ist nur einer von vielen Pseudonymen, unter denen der amerikanische Schriftsteller Donald Edwin Westlake seine Romane schrieb. Er wurde 1933 in Brooklyn, New York, als Sohn irischstämmiger Eltern geboren und starb 2008 in Mexiko.

Mehr als 20 Bände umfasst seine Krimireihe rund um den Protagonisten Parker, den Mann ohne Vornamen. Mit "Payback" (deutsch: "Jetzt sind wir quitt") begann die Serie im Jahr 1962.

Auf Deutsch sind bisher "Das Geld war schmutzig" (2009; Originaltitel: "Dirty Money", 2008) und "Irgendwann gibt jeder auf" (2010; Originaltitel: "Flashfire", 2000) erschienen. Dass "Sein letzter Trumpf" – der ja im Original diesen Titeln vorausgegangen war – bei uns als letzter folgt, ist sehr ungeschickt, denn ich muss Stephen Kings Kommentar (auf dem Cover zu lesen) voll zustimmen: "Parker in Hochform. Wenn man noch nie etwas von Richard Stark gelesen hat, sollte man mit,Sein letzter Trumpf' beginnen."

Parker ist ein knallharter, perfektionistischer, langjährig erfahrener Verbrecher. Jetzt plant er, ein Casino-Schiff auszurauben, das zunächst als Modellversuch für drei Monate auf dem Hudson schippert. Von einem unfreiwillig in den Ruhestand versetzten und deshalb verbitterten Staatsbeamten erhält er Baupläne und wichtige Details. Doch ein Mann, der einem Verbrecher wie ihm wertvolle Insidertips gibt, dann mit einer kleinen Gewinnbeteiligung zufrieden ist und aus allem herausgehalten werden will, ist Parker von Anbeginn suspekt ...

Parker stellt ein Team von drei Männern und einer Frau zusammen, inspiziert das Casino-Schiff (insbesondere die Sicherheitssysteme) , beobachtet die Fahrzeiten, Anlegestellen und vor allem die An- und Abfahrt des Geldtransporters. Sie benötigen noch einen Fischer, der sich auf dem Fluss bestens auskennt, und stoßen auf einen Kleinkriminellen, der im versteckten Sumpf eine Marihuana-Plantage in Torfsäcken angelegt hat.

Parker entwickelt viele phantasievolle Ideen, wie sie den Coup tatsächlich durchführen könnten, doch er hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Wie konnte er nur diesen dummen Fehler vor ein paar Wochen machen? Nun tauchen immer mehr Mitwisser auf, die nur auf die dicke Beute warten und glauben, Parker und sein Team ausschalten zu können ...

Dieser Krimi hat mich begeistert – nicht weil er vor Spannung und Brutalität strotzt, sondern weil er meisterlich geschrieben ist: Kurze, klare Sätze, keine Nebenschauplätze oder Seiten füllenden Handlungsstränge, die schließlich im Nirwana verlaufen, sondern ein handwerklich gut und geradlinig aufgebauter Plot, Figuren, die bestens für ihre Aufgaben geschaffen sind, ungewöhnliche Schauplätze. Der Leser weiß nach der präzisen Beschreibung der Vorbereitungen, wie der Coup reibungslos ablaufen wird – und dann stellt sich Parker ein Problem nach dem anderen. Als cooler, beobachtender, abwägender, intelligenter Profi schafft er eiskalt und effizient ein Hindernis nach dem anderen aus dem Weg. Ende gut, alle tot ... Es ist halt Parker, mit dem man sich besser nicht anlegt.


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