Rezension zu »Tödliches Requiem« von Paolo Roversi

Tödliches Requiem

von


Kriminalroman · List · · Taschenbuch · 231 S. · ISBN 9783548610405
Sprache: de · Herkunft: it · Region: Lombardei

»Select. Zucchero. Play. Donne«

Rezension vom 17.07.2011 · noch unbewertet · noch unkommentiert

»Tödliches Requiem« ist Paolo Roversis zweiter Kriminalroman. Während der erste, »Die linke Hand des Teufels«, auf dem Land mit herrlichen, liebenswürdigen, teils trotteligen Figuren spielte, ist unser Protagonist Enrico Radeschi mit seiner gelben Vespa bei seinem neuen Einsatz in der Großstadt Mailand unterwegs. Wo hat er nur Gatsby, sein Gürteltier gelassen? Es fehlt mir sehr. Stattdessen hat er sich einen Labrador angeschafft und sich einen iPod gegönnt. So hat er ständig seine Stöpsel im Ohr und startet mit jedem neuen Kapitel einen neuen Song: »Select. James Brown. Play. I'm a soul man«.

Wie schon im ersten Band arbeitet er als freier Mitarbeiter für den Corriere della Sera. Mit seinen Kontakten zu Informanten im Kleinkriminellenmilieu wartet er auf den ultimativen Tipp, um endlich seine Story auf der ersten Seite platzieren zu können und damit die nötigen Penunzen zum Leben zu verdienen. Stattdessen muss er seinen Lebensunterhalt aufbessern, indem er als Lektor in einem kleinen Buchverlag erscheint und einen Autor, der seine Story irgendwo abgekupfert hat, während einer Lesung mit »heuchlerischem Stuss« lobhudeln.

Daher ist er leider weitab vom Ereignis des Jahres. In der Mailänder Scala wird die Aida aufgeführt, und niemand von Rang, Namen, Geld und Schönheit fehlt auf diesem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Ein Polizeiaufgebot sorgt dafür, dass die hohen Herrschaften nicht mit dem gemeinen Volk in Berührung geraten. Vor allem nicht mit Demonstranten, die gegen die fortschrittlichen ökologischen Vorhaben protestieren, die Bürgermeister Senio Biondi bald konsequent und umfassend durchsetzen will. Mit Mautgebühren für die Altstadt muss wieder einmal der kleine Mann bluten, deftige Geldstrafen gegen Umweltverschmutzung durch die Fabriken werden eventuell die Großen in den Ruin treiben. Selbst Enrico muss befürchten, dass sein geliebtes einziges, aber altersschwaches Fortbewegungsmittel verschrottet wird.

Plötzlich ist ganz Mailand im Dunkeln: Stromausfall. Die Aida wird abgebrochen. Der Bürgermeister und seine Entourage wollen sich auf den Weg machen, um das vorbereitete Galadiner bei Kerzenschein zu genießen. Aber da erleidet er einen tödlichen Anfall und gibt schlicht und einfach »den Löffel ab« ...

Ein toller Buchbeginn mit vielen witzigen Wortspielen. Klar: Man hat den Bürgermeister ermordet, und der Stromausfall war kein Zufall. Als man später Monsieur Deveuze, den Bürgermeister von Paris, der Biondis Gast war, nach einem Stromschlag im Bad tot auffindet, bestätigt sich der Anfangsverdacht eines Komplotts. Doch wer steckt hinter den Morden? Nun hat Vicequestore Sebastiani, guter Freund und Informant Enricos, auch noch den französischen Geheimdienst an der Backe. Enrico, ein echter Computerfreak, hackt für sie so manche Website. Schließlich wird er sogar nach Paris geschickt, um die Spuren weiterzuverfolgen. Nur knapp überlebt er einen Anschlag, denn – Hemingway sei Dank – die Wucht der Kugel prallt von dem Schwergewicht der Literatur, das er gerade erworben hatte, ab. Schnell kehrt Enrico nach Mailand zurück.

Der Roman endet meiner Meinung nach profan; das kriminalistische Stereotyp, der Mörder sei immer der Gärtner, kommt der Wahrheit recht nahe. Aber mehr wird natürlich nicht verraten, und vielleicht empfinden Sie den Schluss ja ganz anders.

Aber auch in anderer Hinsicht ist »Tödliches Requiem« leider nicht der Knaller. Man muss manche Längen überstehen, richtig handnass spannend wird es nie, und der italienische Charme bleibt in den Kinderschuhen stecken.

Schade, denn es gibt genügend gute Ansätze und viele amüsante Szenen, z.B. als Enrico völlig durchnässt zur Buchlesung erscheint und er durch sein extraordinäres Outfit auffällt, welches genau dem von Dylan Dog, einer bekannten italienischen Comicfigur und ebenfalls Privatermittler, entspricht.

Doch all das reicht nicht aus, um Roversis Erstlingswerk »Die linke Hand des Teufels« zu toppen.

Paolo Roversi hat das Schreiben sicherlich nicht verlernt. Er kann nur wieder besser werden ...


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