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Rezension zu »Maria, Mord und Mandelplätzchen« von Michelle Stöger

Maria, Mord und Mandelplätzchen

von


Weihnachtliches · Teil der Serie »Weihnachtliches« · Knaur · · Taschenbuch · 329 S. · ISBN 9783426510131
Sprache: de · Herkunft: de

Oh du mörderische Weihnachtszeit!

Rezension vom 07.11.2011 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Rechtzeitig zur Vorweihnachtszeit bringt der Knaur-Verlag ein Taschenbuch mit 24 Krimikurzgeschichten der namhaftesten deutschen Autorinnen und Autoren, darunter Gisa Pauly (deren Krimi "Inselzirkus" auf der Spiegel-Bestsellerliste stand) und mehreren Friedrich-Glauser-Preisträger, wie z.B.: Zoë Beck (2010 für ihre Krimikurzgeschichte "Draußen"), Gisa Klönne (2009) und Richard Birkefeld (2003). Friedrich Ani erhielt für drei seiner Tabor-"Süden"-Romane den Deutschen Krimipreis, und 2011 stand "Süden" wochenlang auf Platz 1 der Krimibestenliste. Doch gerade wenn Ihnen nicht alle Namen vertraut sind, bietet dies Buch ein buntes Kaleidoskop und nimmt sie mit auf eine Entdeckungsreise - vielleicht schreiben Sie ja den einen oder anderen Autor in Ihre Favoritenliste fürs nächste Jahr.

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Die sehr individuellen, niveauvollen Kurzkrimis umfassen etwa zehn bis zwanzig Seiten und servieren einen mörderischen Leckerbissen für jeden Tag der Adventszeit, bis wir am Heiligen Abend mit dem letzten Fensterl dieses literarischen Adventskalenders Andreas Föhrs Geschichte "Die stille Nacht" aufschlagen dürfen.

Wie die Kinder sind auch wir von Tag zu Tag gespannt, was uns die nächste Story wohl bringen mag. Natürlich entführen sie uns alle in ein saisonal adäquates Ambiente, zum Beispiel zum Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt oder mitten hinein in eine Wald-Scheune, wo Obdachlose bei einer gesponserten Kaffeetafel bewirtet werden. Weihnachtsmann und -baum mit haarigem Dekor und liebevolle Geschenke fehlen nicht, und wenn man Glück hat, rieselt der Schnee, duftet der Lebkuchen, der Gänsebraten, der Punsch oder die Fichtennadeln.

Leider bleibt die Idylle, wie genremäßig zu erwarten, nicht lange heil. Da wird gemordet und gestorben, aus gemeiner Rache, bei einem Überfall, bei einem Einbruch, in Notwehr, aus Verzweiflung (dann Selbstmord) oder einfach nur so: "Das musste jetzt mal sein" (S. 313). Neben den gängigen Besteckteilen - Messer und Kabel, Pistolen usw. - decken die Autoren zum Festmenü auch ganz ungewöhnliche Überraschungen. Für die beste Freundin, die seit Jahren unter einem Kindheitstrauma leidet, lässt man sich etwas Besonderes einfallen: Da die Psychotherapie in absolut aussichtslosen Fällen empfiehlt, den Patienten mit etwas zu schocken, das schlimmer ist als das Erlebte selbst, muss schon ein Riesenaufwand betrieben, ein Live-Krimi inszeniert, ein absolut exklusives Weihnachtsgeschenk überreicht werden ...

Die Erzählperspektive variiert; mal erleben wir die fröhliche Weihnacht überall aus der dritten Person, mal stecken wir in der Ich-Form mittendrin. Besonders reizvoll fand ich die erschütternde Schilderung einer Silbermöwe auf Sylt zur Weihnachtszeit. Immer wieder werden die Gäste angehalten, die Ratten der Lüfte doch bitte nicht zu füttern, in den Freiluftcafés sitzen keine Kurgäste mehr, von Speiseresten nirgendwo eine Spur: Wovon soll sich das arme Geschöpf denn da bequem ernähren? Die bittere Not treibt es zu verzweifelten Taten, für die jeder Tierliebhaber Verständnis aufbringen wird ...

Auch Petra Busch weiß uns Anrührendes zu verkünden: Wie glücklich sie ist, die Krippenfigur Josef, an deren Händen Blut klebt, dass sie nach all den furchtbaren Geschehnissen endlich zurückgestellt wird neben Maria und das Jesuskind!

Wer sich gern auf etwas andere Weise auf den Weihnachtsmann einstimmen lassen möchte, dem kann ich diese Sammlung bestens empfehlen. Machen Sie es sich ruhig vor einem prasselnden Kaminfeuer gemütlich, aber lassen Sie lieber die Rollläden herunter und sichern Sie die Türen, denn bei diesem Büchlein müssen Sie bis zur letzten Seite mit allem rechnen - dort finden Sie ein Mandelplätzchen-Rezept, und selbst das hat es in sich ...


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