Rezension zu »Schöne Bescherung – Hinterhältige Weihnachtsgeschichten« von Adler-Olsen, Glattauer, Kästner, Polt, Ringelnatz, Suter, Valentin u.a.

Schöne Bescherung – Hinterhältige Weihnachtsgeschichten

von


Weihnachtliches · Teil der Serie »Weihnachtliches« · Diogenes · · Taschenbuch · 230 S. · ISBN 9783257242782
Sprache: de · Herkunft: de

Weihnachten ganz ohne Glöckchen

Rezension vom 15.11.2013 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Wenn dieser Sammelband vier weitere »Hinterhältige Weihnachtsgeschichten« erzählte, könnte er als lite­rarischer Adventskalender genossen werden. Nun gut, öffnen wir die erste Seite eben erst am 5. Dezem­ber; machen wir es uns bei Tee und Kerzenschein gemütlich, schalten wir ab und lassen uns jeden Tag aufs Neue überraschen.

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Daniel Kampa (Hrsg.) hat zwanzig höchst unterschiedliche Erzählungen zusammengestellt, darunter nur eine Erstveröffentlichung. Unter ihren Autoren sind Klassiker, Stars und aufstrebende Talente; sie sind Briten, Dänen, Deutsche, Österreicher, Schweizer, Tschechen und Amerikaner, die zwischen 1830 (Marie von Ebner-Eschenbach) und 1982 (Bernhard Strobel) geboren wurden; ihr Ton reicht von nachdenklich und kritisch über humorvoll und pfiffig bis grotesk und satirisch. Religiöse oder romantische Besinnlich­keit fehlt in diesem bunten Potpourri. Kontrastreicher könnte die intelligent unterhaltende Sammlung also kaum sein.

Joey Goebels »Sich irgendwie durchwursteln« (»Muddle Through Somewhere«, 2013) ist der einzige Ori­ginalbeitrag für diese Anthologie und mit 50 Seiten deren längste. Eigentlich wollte John mit Ehefrau Meg, Sohn Dean (17 Monate), seiner Mom, Schwester, Schwager und Nichte die Feiertage in Florida verbrin­gen. Doch seit er seinen Job verlor, herrscht Ebbe in der Kasse. Alles Mögliche hat er schon verhökert oder ver­pfändet. In höchster Not erinnert sich Mom eines wertvollen Saxophons aus Vaters Nachlass. Der »Staub­fänger« soll bei Ebay versteigert werden und die Kasse füllen. Das erfreulich hohe Schlussgebot kommt aus Okinawa. Wird der Kaufpreis in Johns Taschen landen? Am Ende zaubert jedenfalls ein japani­scher Koch mit seinen Messerkünsten den Kindern ein Heiligabend-Leuchten in die Augen.

Ganz anders als diese sehr heutige und sehr amerikanische Story spricht uns Eduard von Keyserlings »Geschlossene Weihnachtstüren« an. Baron Helmar von Alderkaß sitzt am Heiligabend allein vor seinem Spiegel. Seinem Diener hat er freigegeben, deshalb muss er sich heute selber ankleiden. Der Plan ist, zwei feinen Damen seine Aufwartung zu machen. Dazu genügt ihm nicht, sich standesgemäß und imposant zu kleiden. Von Alderkaß schätzt es überdies, sich »das eine oder andere Wort zurecht« zu legen, denn »es ist nützlich, auch diese Dinge sorgsam zu behandeln, sonst wird das Gesellschaftliche trivial und wir mit ihm.« Doch die Wirklichkeit verläuft ernüchternd und brutaler als seine Gedankenspiele. Er blitzt bei Frau Baronin, dann bei einer Freundin und schließlich gar bei einem einfachen Mädchen aus dem Dorfe ab. In den Wohnungen singen zarte Kinderstimmen Weihnachtslieder, feiern die Familien. Dem hohen Herrn aber bleiben alle Türen verschlossen, er bleibt allein und elend. »Herr Baron ist unser Ideal«, sagt man ihm, doch was nützt ihm die Hochachtung? Davon »kann kein Mensch leben«, auch ein von Alderkaß nicht …

Herrlich absurden verbalen Slapstick bietet Karl Valentins kleine Spielszene »Das Christbaumbrettl«. Wenn Sie seine Filme mit Liesl Karlstadt kennen, werden sie beim Lesen die grantelnde Stimme des Va­ters und die nöselnde der Mutter im Ohr haben. Auf dem Münchner Viktualienmarkt hat der Vater ein Christ­bäum­chen erworben, aber ohne das »Brettl« zum Aufstellen, das die Mutter ihm aufgetragen hatte. Um spontane Ideen ist der Vater nicht verlegen: Da wird das Bäumchen diese Weihnachten halt liegend aufgestellt. Oder er könnte es in seiner ganzen Pracht zum Wohlgefallen von Frau und Kindern bis zum Dreikönigstag auf Hän­den tragen. So lavieren sich die beiden durch ein intelligentes Chaos aus Sägen, Rauch, Scherben und vor allem Wörtern …

Die folgenden Autoren sind vertreten (in alphabetischer Folge):

Jussi Adler-Olsen (*1950) – Maxim Biller (*1960) – Wiglaf Droste (*1961) – Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) – Daniel Glattauer (*1960) – Joey Goebel (*1980) – Axel Hacke (*1956) – Franz Hessel (1880-1941) – Erich Kästner (1899-1974) – Eduard von Keyserling (1855-1918) – Kurt Marti (*1921) – Alexander Osang (*1962) – Gerhard Polt (*1942) – Joachim Ringelnatz (1883-1934) – Eugen Roth (1895-1976)Saki (Hector Hugh Munro) (1870-1916) – Ingo Schulze (*1962) – Bernhard Strobel (1982) – Martin Suter (1948) – Karl Valentin (1882-1948)


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