Rezension zu »Winterwind« von Petra Durst-Benning

Winterwind

von


Weihnachtliches · Teil der Serie »Weihnachtliches« · List · · Gebunden · 176 S. · ISBN 9783471351024
Sprache: de · Herkunft: de

Ein Teller voller Süßigkeiten

Rezension vom 05.11.2014 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Wer ungetrübte Weihnachts- und Winterstimmung aus alten Zeiten sucht, auf his­to­ri­sche Zusammenhänge, literarischen Anspruch und gedanklichen Tief­gang keinen ge­stei­ger­ten Wert legt und keine Angst vor Klischees hat, findet hier ein passendes Buch für gemütliche Stunden.

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Petra Durst-Benning schreibt Bestseller – gefühlsbetonte historische Romane, in denen sich starke Frauen gegen die Widrigkeiten ihrer Zeit und der Männerwelt durchsetzen. Als Weihnachtsschmankerl präsentiert sie mit ihrem Hausverlag List einen Band mit sechs hübschen Erzählungen, die Figuren und Motive bereits erschienener Bücher aufgreifen und fortentwickeln. Alle enden mit dem ebenso freundlichen wie verkaufs­fördernden Hinweis auf die Bezugsromane. Wer die Autorin noch nicht kennt, kann sich hier in ihren Stil einlesen und erfährt umgehend, wo es in gleicher Weise weitergeht; eingeschworene Durst-Benning-Fans werden sich freuen, alte Freunde und Bekannte wiederzutreffen, auch wenn sie nicht viel Neues mitzuteilen haben; mancher wird die Texte vielleicht nur als zweiten Aufguss empfinden.

»Die Silhouettenschneiderin« bildet den Anfang des Erzählreigens. Zar Alexander Romanow hat seine elf­jäh­ri­ge Nichte Wera an den Stuttgarter Hof ausquartiert, wo sie von seiner kinderlosen Schwester Olga er­zo­gen wer­den soll. Zum Sankt-Nikolaus-Tag 1865 will man dem Kind einen besonders schönen Nach­mittag bereiten. Einfach ist das nicht, denn Wera ist verwöhnt und vorlaut. Als Überraschung wurde eine Sche­ren­schnei­de­rin eingeladen, Margarete Schwanthaler. Deren eigene drei Kinder dürfen selbstverständ­lich nicht mit ihrer Mutter kommen – sie frieren und hungern in ihrem ungeheizten Zuhause. Mit der Miete ist die Fa­mi­lie schon drei Monate im Rückstand, aber alle hoffen, dass der Auftrag aus dem hohen Hause hilft, die ärgs­te Not zu lindern, vielleicht sogar das Weihnachtsfest zu verschönern. Womöglich wird Mar­garetes Kunst­fer­tig­keit gar weiterempfohlen. In der Tat überzeugt Frau Schwanthaler alle anwesenden Gäs­te – vor allem aber gewinnt sie das Herz der aufsässigen kleinen Dame ...

»Das Weihnachtsgeschenk«, die zweite Geschichte, führt uns in eine Poststation auf der Schwäbischen Alb am 24. Dezember 1585. Weihnachtliche Wohlgerüche strömen dem herzoglichen Kartographen und Land­vermesser Philip Vogel entgegen, als er die Schankstube betritt. Sie ist zum Bersten voll; nur ein einziger Platz ist noch frei. Am Tisch in der hintersten Ecke des Raumes setzt sich Philip neben einen Mann von dunkler Hautfarbe, gewandet in grüner Pumphose und weinrotem Wams aus Samt, das pechschwarze Haar zum Zopf gebunden. Es ist Safid Rashid, ein Weihrauchhändler aus Arabien. Beide Männer haben Heim­weh. Rashid erzählt aus seinem interessanten Leben, von seiner weiten Reise aus dem Morgenland ... eine intensive Geschichte, wohl die beste des Bandes.

Die nächste Erzählung bringt uns zurück in unsere nüchterne Gegenwart. (Passt das wirklich in dieses Buch?) »Entscheidung zwischen den Jahren« beginnt am Heiligen Abend 2013 in Frankfurt. Florentine Reiner ist unglücklich. Ehemann Rolf hat sie zwei Jahre zuvor für eine andere verlassen. Ein weiteres Jahr harter Arbeit als Beraterin für Geschäftsgründer bei der IHK hat sie ausgelaugt. Nach den Feiertagen steht andere Arbeit an: Sie muss mit ihrer Tochter Anna ins verwaiste Haus der verstorbenen Eltern fahren, um es zu entrümpeln. Danach soll sich ein Makler bemühen, es zu verkaufen. Anna ist überhaupt nicht begeis­tert: in diese Einöde, nach Schwäbisch-Sibirien, und dann noch über Silvester ...

Im Jahr 1904 besuchen wir eine Familie im Schwarzwald, die seit Generationen das Handwerk des Edel­stein­schlei­fens betreibt.

1990 schauen wir Glasbläsern in Thüringen über die Schulter. VEB Glaskunst in Lauscha ist geschlossen, die Wende hat den Menschen Arbeitslosigkeit beschert. Wo jetzt die Marktwirtschaft über Wohl und Wehe der Bevölkerung entscheidet, ist Eigeninitiative gefragt. So macht sich eine Glasbläserfamilie im Trabbi auf den Weg nach Südwesten, um den wun­der­schö­nen Christ­baum­schmuck in ihrem Gepäck im Ganz­jah­res­weih­nachts­wun­der­land Ro­then­burg ob der Tauber auszustellen und hoffentlich zu verkaufen. Ihre Träume erfüllen sich: Die Träume aus Glas, die sie gezaubert haben, werden viele Wohnstuben schmücken, und das nicht nur zur Weihnachtszeit ...

Zum Abschluss des Durst-Benning-Potpourris kehren wir an den Anfang des 20. Jahrhunderts und nach Schwaben zurück. »Weißes Gold«, das lebenswichtige Salz, steht im Mittelpunkt der gleichnamigen Er­zäh­lung, die im Januar 1910 in Schwäbisch-Hall spielt.

Die Autorin hat einen eingängigen, unterhaltsamen und anschaulichen Sprachstil. Ihre Geschichten han­deln von Menschen in Notlagen, die sie mit Tatkraft und Talent, Geschick, Gottvertrauen und etwas Glück über­win­den; man gönnt es ihnen. Das obligatorische Happy End verleiht den Erzählungen Sorg­los­cha­rak­ter und positive Per­spektiven; die eine oder andere Belehrung setzt noch ein Morälchen drauf.

Sehr sympathisch und aufschlussreich ist die persönliche Ansprache, die Petra Durst-Benning im Vorwort an ihre Leserinnen und Leser richtet. Sie beschreibt schön, wie sich die winterliche Atmosphäre auf unsere Stimmungen und Tätigkeiten auswirkt, aber auch, wie die Autorin während des Schreibens, das Jahre in Anspruch nehmen kann, mit ihren Figuren und deren emotionaler Welt zu einer Einheit verwächst.


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