Rezension zu »Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt« von Pierre Szalowski

Irgendwo ist immer jemand, der dich liebt

von


Weihnachtliches · Bertelsmann · · Gebunden · 288 S. · ISBN 9783570101568
Sprache: de · Herkunft: fr

Martin trifft Martin

Rezension vom 29.11.2012 · 1 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

I'm back! Er ist wieder da, der Star, der Champion der National Hockey League, der Held der Canadiens de Montréal: Martin Ladouceur, mittlerweile fast 40 Jahre alt, der Mann, der seine Erfolge seinen ungleich langen Armen verdankt, mit denen er kraftvoll den Puck aufs Tor knallen kann. Hat man's in den Muckis, braucht man's nicht im Kopf zu haben. Martin ist derart von sich überzeugt, dass man sich als Leser schon für ihn schämen möchte.

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Nach sieben Jahren Zwangsversetzung ist er jetzt nach Montréal zurückgekehrt - ausgerechnet am Heiligen Abend. Natürlich hat er eine Suite buchen lassen, und der Verein übernimmt alle Kosten. Martin hat das Luxushotel Saint-Régis ausgewählt, wo er mit seinen Mannschaftskumpanen seine spektakulären Siege gefeiert hatte. Rauschende Feste waren das, ja exzessive Parties, bei denen es mit Alkohol und schönen Mädchen drunter und drüber ging. Schließlich wurde Martin untragbar, er wurde gefeuert, wechselte den Verein und die Stadt.

Dass sein Weihnachtsfest in diesem Jahr weder rauschend noch besonders feierlich ausfallen wird, dafür haben andere schon im Vorfeld gesorgt. Martin ist der einzige Gast im Saint-Régis. Alles ist auf Sparflamme reduziert, keine Entourage steht für ihn bereit, einzig der launische Portier Maxime, der Page Charles-David und das Zimmermädchen Louise haben diese Nacht Dienst. In Martins Zimmer blinkt ein lausiger Mini-Weihnachtsbaum aus Plastik vor sich hin, und da liegt ein Umschlag mit dem Willkommensbrief des Cheftrainers. Der zeigt sich überrascht, dass der Vereinspräsident Martin wieder verpflichtet habe: "Es bleibt abzuwarten, was wir uns damit einhandeln ..." Kein Alkohol, keine Damen - das ist die Ansage des Präsidenten, und der Hoteldirekter hat Portier Maxime angewiesen, strikt auf die Einhaltung der Verbote zu achten.

Martin ist erbost. Aber mit dem Taxifahrer Pierre-Léon, einem Haitianer, der ihn schon vom Flughafen abgeholt hat, wird er trotzdem sein Fest feiern und über die schneebedeckten Straßen schlittern. Zunächst ersteht er drei Flaschen edlen Weins, und kurz vor Ladenschluss deckt er sich im Toys'R'us noch mit angesagtem jungenspezifischem Krempel ein. Dann chauffiert ihn Pierre-Léon im vollgepackten Auto zu seinem besten und intimsten Ex-Mitspieler Georges D'Amour. Martin platzt schon vor Erwartung und Anspannung, ist er sich doch sicher, Georges werde ihn mit offenen Armen empfangen, sich von ihm abschleppen lassen und mit ihm wie in alten Zeiten einen draufmachen. Doch es kommt anders - und dicke. Wie einem räudigen Hund weist Georges Martin die Tür, und die Spielkonsolen und Spielzeuggewehre kann er gleich wieder mitnehmen. Georges will mit seiner Frau und seinen Töchtern allein und ungestört en famille sein.

Ehe Martin sich von seinem völlig falschen Selbstbild verabschieden kann, muss er seine Demontage noch drastischer erleben. Treu fährt ihn Pierre-Léon weiter an die Stätten seiner Vergangenheit, wo er von allen geliebt und gottgleich verehrt wurde. Doch nirgendwo trifft er auf jemanden, der ihn liebt, und keiner will ihn zurückhaben.

Dann endlich ist Martin bereit, sein kleines Weihnachtswunder zu erleben. In dieser einzigen Nacht wird er auf einen kleinen Jungen namens Martin aufpassen, während dessen alleinerziehende Mutter Louise die Zimmer für die Gäste des nächsten Tages richtet. Die Namensgleichheit, das Alter des Kindes - könnte Louise vielleicht der one-night-stand einer fernen Nacht gewesen sein, als Martin wieder einmal völlig weggetreten war?

Der Autor Pierre Szalowski hat ein modernes, witzig-spritziges Weihnachtswunder mit einer Handvoll liebenswerter Charaktere entwickelt, das ohne Kitsch auskommt. Mit lockerem Sprachstil, leicht wie Schneeflocken, lässt er den hammerharten, arroganten Eishockeyspieler Martin von seinem Podest herabsteigen. Seine Seelenverwandlung vollzieht sich behutsam - der Star erkennt, was wirklich zählt im Leben. Er wird nicht nur ein Kind für sich gewinnen und in dem Haitianer einen wahren Freund finden, sondern sogar zu seinen Eltern zurückkehren und sich mit ihnen versöhnen.

Pierre Szalowskis Roman Mais qu'est-ce que tu fais là, tout seul? wurde von Nathalie Lemmens für C.Bertelsmann übersetzt und ist eine wunderschöne Weihnachtslektüre - als Geschenk oder zum eigenen Vergnügen.


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