Rezension zu »Das Geheimnis des Weihnachtspuddings« von Agatha Christie

Das Geheimnis des Weihnachtspuddings

von


Weihnachtliches · Teil der Serie »Weihnachtliches« · Atlantik · · Gebunden · 176 S. · ISBN 9783455600551
Sprache: de · Herkunft: gb

Klassische Krimikost (und mehr) zum Fest

Rezension vom 25.11.2016 · noch unbewertet · noch unkommentiert

Agatha Christie (1890-1976) gehört zu den ganz Großen in der Kunst des Kriminal­romans. Ihre legen­dären Prota­gonis­ten, der belgische Gentle­man Hercule Poirot und die alt­jüngfer­liche Hobby-Detek­tivin Miss Marple, haben jeweils Dutzende von Verbrechen aufge­klärt. Sie tun das durch scharfes Nach­denken, clevere Befra­gungen und listiges Fallen­stellen, und oft kommt es am Ende des Romans (bzw. der zahl­losen Verfil­mungen) zu einer Art Show­down, in dessen Verlauf sie vor der ver­sammel­ten Gruppe von Ver­däch­tigen, Ge­schädig­ten, Opfern, Ordnungs­hütern und anderen Interes­sierten den Tather­gang pfiffig und penibel re­konstru­ieren und den Täter über­führen, nicht ohne zuvor etlichen unschul­digen An­wesen­den gehörige Schrecken einzu­jagen.

Nach ihrem Tod flaute der Jahrzehnte währende Hype um die »Queen of Crime« (1971 von Queen Eliza­beth zur »Dame of the British Empire« geadelt) ab, da moder­nere, kom­plexere Arten von Ermitt­lern, Ver­brechen und des Erzäh­lens aufkamen. Wenn man heute Agatha-Christie-Texte liest, wird man sich an der gepfleg­ten Sprache, dem feinen Humor, der längst vergan­genen britischen Lebens­art und dem vergleichs­weise unkomp­lizierten Weltbild erfreuen. Genau das Richtige also für sorg­loses Schmökern an langen Winter­abenden. Passend zum Weih­nachts­fest 2016 hat der Atlantik-Verlag eine kleine Sammlung weih­nacht­licher Geschich­ten der Autorin heraus­gebracht, die mehr als Krimis bieten. Übersetzt wurden sie von Renate Orth-Gutt­mann, Michael Mund­henk und Lia Franken, die Zu­sammen­stellung besorgte Daniel Kampa.

Den Erzählungen vorangestellt ist ein nostal­gisches Grußwort der Autorin. Darin erinnert sie sich, wie sie als Kind im Kreis ihrer Familie in Nord­england Weih­nachten zu feiern pflegte. Am Weih­nachts­abend wurde ordent­lich aufge­tischt: Austern­suppe, Steinbutt, Truthahn, Rinder­lende. Zum Nach­tisch wurde neben anderen süßen Köstlich­keiten auch ein Plum­pudding serviert. Er wurde viele Jahre später zum Objekt der ersten Geschichte, »Das Geheim­nis des Plum­puddings«.

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Es geht darin um eine äußerst delikate Affäre. Ein indischer Thron­anwärter ist nach London gereist, um hier ein immens kost­bares Armband mit einem Rubin umge­stalten zu lassen. Es soll das strahlende Geschenk für seine Cousine werden, die er bald heiraten wird. Doch ehe das gute Stück in Arbeit geht, lässt sich der junge Prinz auf ein folgen­reiches Abenteuer mit einer ent­zücken­den jungen Dame ein. Nun gehört in solchen Kreisen ein zünftiger Jung­gesellen­abschied durchaus zum erwar­teten Programm – nicht aber Unbe­darft­heit. Von den Torheiten, zu denen sich der orienta­lische Prinz hat hin­reißen lassen, soll niemand erfahren. Um die »äußerst delikate An­gelegen­heit« wieder gerade zu biegen, wendet man sich an den Richtigen: Man lädt Monsieur Hercule Poirot zu einem Upper-Class-Weih­nachts­fest auf dem Lande ein (»tout confort moderne«) und kann sicher sein, dass er das Problem effizient, diskret und stil­sicher zu lösen weiß. Seine große Stunde schlägt, wenn nach dem fest­lichen Mahl zum Dessert ein Plum­pudding gereicht wird, der es in sich hat ...

In trautem Gesprächskreis vor dem Kamin – drei feine Damen und Herren – gibt Miss Marple eine ihrer allseits ge­schätz­ten Geschich­ten zum Besten. Obwohl die unver­heiratete alte Lady leicht verschroben wirkt, weiß sie sich nicht nur in dieser Runde geist­reich und spitz­züngig in Szene zu setzen, insbe­sondere gegen die stets auf die Durch­setzung ihrer Inter­essen bedachten Männer. Auch in dem Fall, von dem sie dann berichtet, durch­schaute sie das hinter­hältige Vorhaben des betref­fenden Herrn. Er plante, seine Gemahlin durch einen schein­bar unver­meid­lichen tragi­schen Unfall zu besei­tigen. Leider gelang es Miss Marple nicht, die gut­gläubige Ehefrau vor dem Schlimms­ten zu bewahren, und eine »Weih­nachts­tragödie« nahm ihren Lauf. Doch immer­hin wurde am Ende Gerech­tigkeit geschaffen ...

Ohne die üblichen Ermittler kommt die rasante Geschichte »Der Traum vom Glück« aus. Vielmehr geht es um die charak­terliche Reifung eines jungen Mannes, der kurz vor seiner Ehe­schließung viel Geld in einem Preis­aus­schreiben gewinnt. Seine Verlobte schlägt vor, die Summe als Polster für die gemein­same Zukunft beiseite zu legen. Doch er sieht die einmalige Chance, endlich einmal seinen eigenen Traum wahr werden zu lassen. Ein funkelnder roter Sportflitzer lockt ihn in ein vornehmes Autohaus. Nach furiosen Aben­teuern mit der Göttin auf vier Rädern kehrt er, zum selbst­bewussten Mann gewandelt, am Weih­nachts­tag zu seiner frostig-kühlen Braut zurück ...

Weihnachtlich anrührend ist die kleine Erzählung von einem derart störri­schen Eselchen, dass es von einem zum anderen Besitzer weiter­verkauft wird. Schließlich läuft es einem beson­ders grau­samen Schinder davon und gerät zufällig in einen merk­würdigen Stall. Warum so viele Menschen dorthin laufen, sich sogar richtige VIPs dort ein­finden, kann der Esel nicht ver­stehen, wo doch einfach nur ein Kind geboren wurde. Als ihn das Neuge­borene ans Ohr fasst, voll­zieht sich aller­dings ein Wunder mit großer Trag­weite ...

Den hübschen Reigen so unterschiedlicher Texte einer viel­seitigen Schrift­stellerin beschließt »Ein Gruß«, ein Gedicht zur Weihnacht.


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