Rezension zu »Maruzza Musumeci« von Andrea Camilleri

Maruzza Musumeci

von


Belletristik · Sellerio · · 151 S. · ISBN 9788838922480
Sprache: it · Herkunft: it · Region: Sizilien

Der Garten der Sirene

Rezension vom 13.06.2012 · 2 x als hilfreich bewertet · noch unkommentiert

Dies ist der erste Teil einer Roman-Trilogie. Die Handlung beginnt im Januar 1890, als Gnazio Manisco aus Amerika nach Vigàta zurückkehrt. 25 Jahre zuvor war er ausgewandert, um dem Alleinsein zu entfliehen. Seine einzige Begabung - Bäume pflanzen zu können - hatte ihm in New York gleich Arbeit verschafft. Seine Ersparnisse, dazu das Geld, das ihm eine Versicherung nach einem Arbeitsunfall bezahlte, erlauben es ihm jetzt, in seiner Heimat ein Stückchen Land zu kaufen, an das er sein Herz schon beim ersten Anblick verlor. Es ist eine Landzunge, wie eine Insel zwischen Meer und Himmel schwebend, und in seiner Mitte erhebt sich ein Olivenbaum, tausend Jahre alt, wie die Leute sagen.

Unter Gnazios fürsorglicher Pflege verwandelt sich dieser Ort in einen Garten voller Pflanzen und Tiere, in dem er sich auch ein Haus errichtet. Zu seinem Glück fehlt dem bald Fünfzigjährigen jetzt nur noch eine Familie.

Die alte Pina, ein heilkundiges Kräuterweiblein, bringt ihn mit der märchenhaft schönen, jungen, aber etwas merkwürdigen Maruzza Musumeci zusammen. Wieder verliert Gnazio sein Herz.

Es stellt sich heraus, dass sich Maruzza, wie schon ihre Vorfahren, bisweilen in eine Sirene verwandelt, deren raunender Gesang die Sinne der Männer betört. Ehe sie einer Hochzeit zustimmt, muss Gnazio ihr versprechen, dass er ihre Metamorphosen zulässt und ermöglicht.

In einer magischen nächtlichen Zeremonie heiraten die beiden; im Lauf der Jahre bekommen sie vier Kinder, und wie die Familie, so wächst auch ihr Haus ...

In dieser bezaubernden, phantasievollen, in jeder Hinsicht meisterlichen Erzählung vermischen sich mythische, märchenhafte und volkstümliche Elemente. Gnazios und Maruzzas Garten, in der contrada Ninfa gelegen, ist der Ort ihrer Hoffnungen und Wünsche, des Lebens und des Todes, und er erinnert an Odysseus' Heimatinsel Ithaka. Die Dialoge der Sirenen stammen direkt aus der Odyssee.

Aber diese Handlung ist im realen ländlichen Italien des frühen 20. Jahrhunderts angesiedelt. Gewaltige Umwälzungen finden statt; der Faschismus kommt auf und übernimmt die Macht; der zweite Weltkrieg bricht aus, und auch Sohn Cola muss kämpfen.

Damit bewahrt die Geschichte ihre Bodenhaftung. Wie die großen Sagen des Altertums, aber in unsere Welt transponiert, illustriert sie, dass aufrichtige Liebe, Vertrauen und Treue alle Hindernisse überwinden können.

Passend zu diesen traditionsreichen Sujets gibt Camilleri dem sizilianischen Dialekt viel Raum. Es entsteht eine geradezu musikalische Sprache, die die Eigenheiten mündlichen Erzählens aufgreift, wie sie seit Urzeiten in den Dörfern entwickelt und gepflegt wurden. Für uns Nicht-Italiener macht das die Lektüre anfangs befremdlich; nach ein paar Seiten aber hören wir uns beim Lesen Sizilianisch sprechen.

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